Kein Plan …?!

Ich weiß, dass ein Trainingsplan total sinnvoll ist und mir helfen würde, meine Ziele zu erreichen. Ich kenne die Vorzüge des Ganzen und würde mich auch dran halten wollen – nur dummerweise ist da das Pendeln. Das bedingt, dass ich recht unregelmäßig starke Verzögerungen beim Heimkommen hinnehmen muss. Fest geplante Abendaktivitäten gehen dann vor, Essen muss ich ja auch noch – und schon bin ich aus dem Plan raus. Deswegen habe ich im Moment für mich eine andere Basis gefunden:

Ich versuche, einen Rhythmus aus schnellen, langsamen und unterschiedlich langen Einheiten zu halten, streue auch immer mal Intervalle ein. Aber ich tu das ohne festen Plan, sondern mit dem Blick auf die Abwechslung und auch immer mal eine Ruhewoche zwischendrin, ohne mich vorab auf eine Abfolge festzulegen, oder gar auf Termine, die ich ja doch nicht halten kann.

Das Schöne derzeit ist, dass ich mich fast immer beim Heimkommen auf das Laufen freue wie verrückt. Ich muss unbedingt noch eine Einheit unterbringen, an vielen Tagen, weil ich weiß: Es tut mir gut. Es macht mir Spaß. Gelegentlich muss ich auch eine Einheit unterbringen, um zu verhindern, dass meine Verspannungen von Staufahrt und Büro sich in Spannungskopfschmerzen am nächsten Tag verwandeln. Wie gesagt, es läuft, und es läuft richtig gut. Das Gewicht fällt, aber nicht in freiem Fall, sondern so, dass ich es bei gegebener Marke (voraussichtlich werden das 65 oder 66 Kilogramm bei meinen 174 Zentimetern Körperhöhe) mit „mehr Essen“ fangen muss. Die Geschwindigkeit steigt, zumindest, wenn ich die Herzfrequenz konstant halte. Klar gibt es ein Auf und Ab, natürlich ist nicht ganz klar, auf welches genaue Ziel an Strecke und Tempo ich zusteuere. Aber es läuft, und zumindest die zehn Kilometer in einer Stunde sind in eine Nähe gerückt, die ich beim Wiederanfangen im März nicht für möglich gehalten hätte.

Eine Marke habe ich mir allerdings gesetzt: Ich möchte in diesem Jahr 600 Kilometer zu Fuß, laufend, zurücklegen. Das meint: 600 Kilometer oder mehr in diesem Jahr auf den Zähler bringen. Das ist nicht unrealistisch, wird mich aber auch bei der Stange halten, denn es dauert noch eine Weile, bis ich das erreichen werde.

Ich laufe also nach Gefühl, aber ich scheine resistent dagegen, es zu übertreiben und damit vor lauter „Hurra, ich bin schnell!“ in ein Übertraining zu kommen, trotzdem bleibe ich dran. Ich bin froh, dass das so geht, denn mein innerer Schweinehund und seine Reaktion auf geplante, versäumte Einheiten passt nun wirklich nicht mit der Kombination aus Pendeln, Baustellen auf der Strecke und Trainingsplan zusammen.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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