Wieso eigentlich?

So geschehen am Dienstag:

Ich fuhr meine übliche morgendliche Strecke – irgendwo zwischen Karlsbad und Pforzheim West passierte es dann: Nicht allzu schnell fuhr ich hinter einem LKW her, rollte nett vor mich hin und merkte, der LKW kam immer näher. Daher wollte ich nach links rüber. Also beobachtete ich die Spiegel und sah: Keiner hinter mir rechts, einer weit genug hinter mir auf dem mittleren Fahrstreifen. Auf dem linken Fahrstreifen fuhr jemand, aber der blinkte nicht und überholte noch den auf der mittleren Spur, dessen Vorderfrau ich zu werden beabsichtigte.

Also, Blinker gesetzt, Schulterblick, alles frei, wundervoll! – und rüber. Während ich nun rüberzog, schaute ich nochmal über die Schulter – und das war gut! Denn der Fahrer auf der linken Spur hatte wohl bereits im Rüberziehen den Blinker gesetzt und nahm sich in meinem toten Winkel zwischen Spiegel- und Schulterblickperspektive die hintere Hälfte des Fahrstreifenabschnitts, den ich eigentlich haben wollte. Ich fuhr also zurück hinter den LKW, ließ den Überholer und meinen designierten Hintermann vorbei und fuhr DANN am LKW vorbei.

Was ich mich dabei frage: Ringsum war alles frei. Binnen mehrerer hundert Meter waren auf keiner der drei Fahrstreifen irgendwelche Fahrzeuge außer eben dem LKW und mir auf dem rechten, dem als zukünftigen Hintermann ausersehenen Fahrzeug auf dem mittleren und eben jenem Einscherer auf dem linken Fahrstreifen. Ob mein hinterer Blinker noch geht, habe ich übrigens nach Ankunft auf der Arbeit gecheckt, er müsste es also gesehen haben. Aber entweder hat er das – warum auch immer, Sonne von vorn vielleicht – doch nicht gesehen, oder es war ihm egal, dass ich nicht rüberziehen konnte, während er völlig unangefochten noch hundert Meter weiter auf dem linken Fahrstreifen hätte bleiben können.

Das Rechtsfahrgebot in allen Ehren, aber muss sowas sein? Das war eine völlig unnötige Spurwechsel-Schere.

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… wie die Gedanken weiterspinnen

Mein Mann und ich haben am vergangenen Samstagabend „Ritter aus Leidenschaft“, im Englischen Original „A Knight’s Tale“ angesehen, den historisch lustvoll unkorrekten Tjoster-Film mit Heath Ledger in der Hauptrolle.

Ich liebe das Konzept, seine Sterne neu ordnen zu können – etwas zu tun, aus Leidenschaft und mit Begeisterung, dabei durchaus auch Fehler zu machen, aber eben doch einen Weg zu finden. Als ganz knappe Erklärung, worum es in dem Film geht: Der kleine William Thatcher (als Erwachsener dann gespielt von Heath Ledger) ist begeistert von Rittern, aber als Sohn eines Dachdeckers wird er nie einer sein können. Aber sein Vater hat ein Einsehen, er bringt ihn zur Lehre als Junker zu einem Ritter, der Turniere besucht. Als dieser Ritter stirbt, versucht William statt ihm das Turnier zu Ende zu bringen. Er findet Gefallen daran und schafft sich, begleitet von der Schmiedin Kate (Laura Fraser), seinen Junkern Wat (Alan Tudyk) und Roland (Mark Addy) sowie einer durchaus freien Interpretation von Geoffrey Chaucer (Paul Bettany) als seinem Herold, das Alter Ego „Sir Ulrich von Liechtenstein aus Gelderland“, als der er auf Turnieren Begegnungen mit Prinz Edward (James Purefoy), Graf Adhemar (Rufus Sewelt) und Lady Jocelyn (Shannyn Sossamon) hat, zu einem erfolgreichen Tjoster wird und am Ende, nach Aufdeckung seiner wahren Identität, dann doch noch die Gelegenheit bekommt, seine Sterne neu zu ordnen.

Das historisch sicherlich in Kostümen, Verhalten, Rollenbildern, Lebensstil und ganz besonders der Musik (Queen, Bachman Turner Overdrive … ) sehr frei (auf deutsch: INKORREKT) dargestellte Mittelalter bildet doch eine herrliche Kulisse für die Phantasie, und das macht neben der Geschichte einen wichtigen Teil des Reizes dieses Films aus. Mein Kopf wollte dann noch mehr, und plötzlich fand ich mich in der Situation wieder, dass Figuren und Handlungen ergänzt wurden, in meiner Phantasie, die eine Geschichte im Jahr nach der Handlung des Films erzählen: Von einem Mädchen, das als Junge verkleidet aus ihrer Rolle entflieht und Soldat wird, den Krieg erlebt und zu hassen lernt – und dann in einem etwas anderen Inkognito selbst die Turniere erlebt, die sie als den besseren Weg, einen Konflikt auszutragen, empfindet. Klar, das ist komplett romantisiert, aber in einen lustvoll historisch inkorrekten Film bzw. dessen Setting passt es hinein. Ich würde nicht sagen, dass meine Gedanken es zu einem niedergeschriebenen Fanfic bringen werden, aber gewisse Züge eines werdenden Fanfics tragen sie durchaus.

Manchmal fasziniert es mich, dass ich zu bestimmten Filmen und Settings sofort so etwas im Kopf habe, während es bei anderen Geschichten (die mich teils an sich noch mehr berühren) gar nicht geht – weil diese Geschichten für mich unerweiterbar für sich stehen. Das ist beispielsweise bei der ikonischen Geschichte von „Die Schöne und das Biest“ der Fall.

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Now Reading …

Nachdem ich mich schon über Anleitung für eine Revolution und über Es gibt hier nur zwei Richtungen, Mister geäußert habe, in zugegeben eher sehr persönlicher Weise, ist’s nun vielleicht nicht völlig uninteressant, was ich vor kurzem gelesen habe und was ich gerade lese.

Vor einiger Zeit gelesen habe ich „Das Ballettmädchen. Eine Berliner Novelle“ von Mori Ogai. Ob ich darüber bloggen werde, weiß ich noch nicht. Das Buch hat mich eher indifferent hinterlassen, auch wenn es mich definitiv berührt hat. Ich fand hier sehr schwierig, meine persönliche Einschätzung der Handlungen des Protagonisten von der Botschaft und dem künstlerischen Aspekt zu trennen. Aber wir werden sehen, vielleicht finde ich noch eine gewisse Distanz zum Buch.

Im Moment habe ich mich wieder einem etwas anderen Stoff verschrieben – nämlich „My Secret Garden“ von Nancy Friday. Wie in vielen Rezensionen erwähnt, finde ich das Buch bereits jetzt befreiend. Es ist eine sehr beruhigende Sache, Phantasien auch bei anderen, insbesondere auch bei anderen Frauen als ein mehr oder minder selbstverständliches, nicht anrüchiges Phänomen wahrzunehmen. Es ist auch sehr ermutigend, dass offen über diesen verborgenen Garten geschrieben wird, der wohl bei jeder anders gehegt, gepflegt, angelegt und auch benutzt wird. Ich bin noch lange nicht durch, aber ich kann mir schon jetzt sehr gut vorstellen, am Ende darüber zu schreiben – darüber schreiben zu müssen.

Allerdings werde ich sicher nicht zu einer Art Bücherblog werden, da bin ich mir ziemlich sicher. Nur spielt Lesen für mich eine nicht unbeträchtliche Rolle, und somit sind Bücher wichtige Freunde auf dem Weg durch mein Leben. Sehr wahrscheinlich werde ich auch noch die Autobiographien von Nichelle Nichols („Beyond Uhura“), Grace Lee Whitney („The Longest Trek: My Tour to the Galaxy“) sowie die autobiographischen Werke „Wishful Drinking“ von Carrie Fisher und „To The Stars“ von George Takei irgendwann wieder rauskramen und darüber schreiben, dass ich sie gelesen habe … und vor allem, wie ich sie wahrgenommen habe.

Eines allerdings sage ich noch dazu – wo mein jeweils aktuelles Buch eigentlich immer liegt: Es liegt im Bad, genaugenommen auf dem Bord neben der Toilette. Dort ist es greifbar, wenn man in der Badewanne oder auf der Toilette lesen möchte – letzteres tu ich wirklich nicht ganz selten – und ich weiß ganz genau, wo es liegt, wenn ich woanders lesen will, und kann’s mir holen. Manchmal kommt es mir so vor, als hätte das war Anrüchiges an sich, aber eigentlich glaube ich, dass das der Ort ist, wo viele ihre Bücher, Magazine oder Roman-/Comichefte bereitliegen haben.

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Wiederentdeckt: Nick Knight – Tod eines Rockstars

Heute gab es bei uns zum Frühstück wieder einmal eine Folge Nick Knight – es war die Folge „Tod eines Rockstars“. Ich möchte nicht zu viel Spoilern, aber um das zu schreiben, was ich hier schreiben möchte, muss ich ein bisschen über die Folge sprechen, daher:

Spoiler!

Ganz kurz genommen hat man in der Folge die berühmte Rock-Sängerin „Rebecca“, deren neuester Hit vom Töten ihrer Fans handelt, er heißt „Fan Kill“. Das zugehörige Video läuft auch im Vorspann, parallel dazu tötet mit dem Messer, das auch im Video zum Einsatz kommt, eine Frau mit Rebeccas Frisur ihren Liebhaber in Rebeccas Hotelzimmer. Nach dem Vorspann wacht Rebecca mit Kater und Filmriss neben ihm auf, weiß nicht, dass er tot ist. Natürlich sprechen alle Anzeichen gegen Rebecca und nach den Ermittlungen wird sie nach ihrem Gig aus der Garderobe heraus verhaftet. Dann tauchen drei Polaroids auf, die ihr ein Alibi verschaffen, und ein weiterer Hinweis bringt sie frei. Nick bekommt mit, wie sie von ihrem Manager aus dem Gefängnis geholt wird – und Rebecca wirkt unglücklich, todunglücklich damit, sie hatte schon fast zum Ausdruck gebracht, sie freue sich, dem entfliehen zu können, indem sie einen Mord gesteht, den sie nicht begangen hat und an den sie sich auch nicht erinnert. Dann allerdings wird sie von einer Neiderin auf der Bühne ersetzt – und auf der Bühne erschossen. Schlussendlich lässt man sie gehen – die Plattenfirma tröstet sich damit, alle Rechte daran zu haben, was sie gemacht hat, und über einen toten Provokationskünstler noch lange Geld zu verdienen.

Spoiler (weitgehend) Ende!

Ich muss sagen, das Gefühl, dem entkommen zu wollen, das ich bin – das habe ich schon das eine oder andere Mal erlebt. Leider kann man meistens nicht diesen totalen Schnitt machen, wie ihn Rebecca mit Nicks Hilfe hier macht. Man lebt doch in bestimmte Richtungen, die auch die Wahlmöglichkeiten einschränken. Und so bleibt doch oft mehr, als man möchte, von dem, was man hinter sich lassen will. An vielen Stellen bleibt das, was man behalten will, auch nicht ganz so vollständig, wie man das gerne hätte.

Das ist nun vielleicht recht allgemein formuliert – es bezieht sich auch den Schnitt in meiner Selbst- und nahegelegten Außenwahrnehmung, den ich Mitte 20 gemacht habe, aber es gibt immer wieder Dinge, Situationen, Mechanismen, in denen man sich gefangen fühlt und denen zu entfliehen schwer ist. Wie Nick, bei dem die ganze Geschichte mit dem Vampirismus und einer in Visionssequenzen erzählten Flashback-Geschichte bezüglich seines und LaCroix‘ Auftritt in Woodstock ein Symbol für das Entfliehen wollen ist, kann ich daher ganz gut verstehen, welchen Wunsch, welches Verlangen und welches schwierige Gefühl die Folge atmet. Dass diese Themen von Nick Knight aufgegriffen werden, begeistert mich und ich verstehe allmählich tiefer, warum mich diese Serie „damals“ so begeistert hat – obwohl es mir wohl damals nicht so bewusst war. Jedenfalls bin ich so dankbar, dass ich die Serie zu meinem Geburtstag geschenkt bekommen habe.

… wobei mir auffällt, dass ich UNBEDINGT noch den Soundtrack der Serie beschaffen muss!

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Motivationsschub und Kirschblüten

Mein heutiger Lauf – nach fast sieben Kilometern spazierengehen mit meinem Mann – umfasste etwas mehr als zehn Kilometer. Ich wollte einfach ein bisschen das herrliche Wetter genießen. Noch dazu blüht’s überall in Bietigheim, Kirschen in weiß, Kirschen in rosa, aber auch andere Pflanzen stehen in herrlichster Blüte. Das Wetter war eine Top-Motivation zum Laufen.

Nur lief es nicht so – irgendwie, nicht nur der Gegenwind hielt mich auf. Ich war einfach langsam, ich konnte nicht in hohe Leistungsbereiche gehen, und richtig ZWINGEN wollte ich mich auch nicht. Immerhin schleppe ich ein paar mehr Kilogramm durch die Gegend als noch vor einem Jahr. Die müssen – und werden – zwar wieder weniger werden, aber im Moment sind sie eben noch da. Andererseits: Am Mittwoch ging es ja auch.

Tja, und was kam dann, nach etwas mehr als sechs Kilometern, als ich endlich mal eine gewisse Strecke mit Rücken- statt Gegenwind hatte, genau dort, wo ich die letzten Wochen immer mit Gegenwind kämpfte? Eine andere Läuferin überholte mich, ganz lässig, ganz locker. In diesem Moment – ganz ohne Ansicht der Person – meldete sich mein Ehrgeiz. Und bis auf ihren Sprint zu ihrem Auto hin schaffte ich es tatsächlich, ihr für mich zuvor lässig zu schnelles Tempo zu halten. Mehr noch: Ich habe das Tempo bis nach Hause gehalten, und somit ein gutes Bild davon bekommen, dass mehr drin ist, als ich dachte.

Natürlich werde ich es nicht übertreiben, aber es ist schön zu sehen, dass ich nochmal Gas geben konnte!

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Die Foren-Elfe

Es ist schon eine ganze Weile her, da hatte ich mit einem Bekannten eine Diskussion über das Verhalten im Internet und den Wert der Anonymität. Es ging dabei auch um Facebook und Twitter bzw. den Klarnamenzwang bei Facebook.

Nein, ich habe nicht die Lanze für den Klarnamenzwang gebrochen, aber ich habe angemerkt, dass die Anonymität (zu) oft für Trolling und Mobbing missbraucht werde. Tendenziell war ich – in der Unterhaltung auch die ältere Person – eher diejenige, die den Wert respektvollen Verhaltens hochhielt, auch wenn das Recht auf Anonymität und Freiheit im Internet für mich wichtig ist. Ich selbst fand es sehr schwierig, in für das Opfer schädlichen Trolling-Situationen zwischen der (Meinungs-)Freiheit durch Anonymität und dem Schutz der Opfer ausgehebelter Regeln des respektvollen Umgangs abzuwägen. Mein Gegenüber sah das Problem, hielt aber den Wert der Anonymität generell für bedeutender, oder zumindest in einem weiteren Spektrum von Szenarien als ich.

Nun – wie so oft, wenn man zwar respektvoll und nett miteinander umgeht, aber im genauen Grad dessen, was man haben will, nicht zusammenkommt, glitt das Thema über Beispiele und Erzählungen weg, Anekdoten wurden angebracht, gemeinsame Erfahrungen von zwei Seiten beleuchtet und eigene Geschichten erzählt. Ich glaube, das Ganze hatte sich damals an der erklärten Absicht meines Gesprächspartners entzündet, den Urheber einer seiner (und nebenbei auch meiner) Ansicht nach indiskutablen These zu „trollen“.

Kurz und gut, ich vertrat die Ansicht, dass bei allem Schätzen von Ironie und Sarkasmus, allem Zynismus und aller erklärten Bösartigkeit, man doch erstmal davon ausgehen solle, der Gegenüber wisse es nicht besser. Freilich, bei vielen Thesen und Ansichten ist der drölfzigste Vertreter einer gegen eine beliebige Gruppe oder gegen alle respektlosen oder schlichtweg dumm-falschen Aussage schwer als der drölfzigste potentiell Ahnungslose zu akzeptieren. Ich plädierte und plädiere aber dafür, weiterhin bei jedem anzunehmen, er wisse es bisher nur nicht besser – und sei somit weder ein Agitator noch ein Troll. Zugegeben, das ist schwer aufrecht zu erhalten, bei der Fülle von Trollen und – nun, ähm – Idioten, die sich im sprichwörtlich Mulder’schen „da draußen“ tummeln. Aber ich konnte damals anhand meines Verhaltens, das er soweit auch mitbekommen habe, glaubhaft aufzeigen, dass ich es zumindest versuche.

Daraufhin bedachte er mich mit dem Attribut der „Foren-Elfe“ im Gegensatz zum „Foren-Troll“. Wie ich in den vergangenen Absätzen schon angedeutet habe, ist das ein Ideal, dem ich nicht gerecht werde. Gerade in Zeiten von Meinungsblasen, propagandistisch agierenden Bots und dergleichen wird man die Trolle durch Verblasen von Internet-Elfenglitzerstaub nicht vollständig neutralisieren können. Ich denke aber, es wird sehr vielen Menschen, die im Moment im Interesse ihres Eigenschutzes drastische Einschränkungen der Anonymität im Netz befürworten oder sich nur auf (anderweitig, verborgen restriktiven) geschlossenen und mit bestimmten Interessen betriebenen Netzwerken herumtreiben, vielleicht ein bisschen Hoffnung machen, auch ohne neue Mauern sicher und nicht allein zu sein, wenn es ein paar mehr Internet-Elfen gibt. Wenn ich den Netz-Troll aussperre, wird’s draußen wilder und ich bin dem Schutzgeber auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Betätige ich mich als Netz-Elfe und lebe vor, was ich gerne erfahren möchte, hole ich vielleicht den einen oder anderen Troll auf die helle Seite des Netzes.

Wir sind alle keine Harfe spielenden Engel, da bin ich sicher, ich bin ganz bestimmt keiner. Aber wenn wir wagen, mal nicht Feuer mit Feuer zu bekämpfen, sondern mit Wasser – hat das schon was für sich. Oder wenn wir unserem andere Meinungen vertretenden Gegenüber mal versuchen, unsere Wahrheit wie einen Bademantel zum Hineinschlüpfen hinzuhalten, statt sie ihm wie ein nasses Handtuch über den Kopf zu schlagen, wer weiß, was wir zurückbekommen?

Ich jedenfalls versuche, mich daran zu erinnern, dass es da dieses Ideal gibt, das mein Bekannter die „Foren-Elfe“, im weiteren Sinne die „Internet-Elfe“ nannte – und diesem Ideal gerecht zu werden. Es gibt viele da draußen, die das auch tun – und je mehr es sind, um so weniger brauchen wir all die Filterblasen, Wälle und Block-Funktionen.

Für mehr Internet-Elfenglitzerstaub!

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Der Gegendrücker

So geschehen am Dienstagmorgen, als auf der A8 zwischen Karlsbad und Pforzheim West was an der Matrix geändert wurde – siehe auch Beitrag Sie ändern was an der Matrix!:

Es waren zwei kurz aufeinanderfolgende Spurverengungen – einmal die „Vorwarnung“ ohne Baustelle mit Fahrzeug mit blinkendem Pfeil nach rechts auf der linken Spur, dann ein weiteres Fahrzeug mit blinkendem Pfeil nach rechts, aber direkt dahinter auch die Baustelle am Mittelstreifen. Zweitere war aber noch gar nicht in Sicht. Ich fuhr, auf der Steigung, entsprechend den Regeln bis kurz vor die Verengung, orientierte mich aber schonmal langsam in Richtung mittlere Spur und suchte nach einer Lücke – die erste Lücke, die ich mir ausgesucht hatte, war eigentlich schon groß genug für mein Fahrzeug, aber ich wollte noch ein bisschen Verkehrsbeobachtung machen, da man manchmal ja nur die Größe der Lücke, nicht aber die Geschwindigkeit des Vorder- bzw. Hintermann auf den ersten Blick sieht. Dann erwies sich die Lücke als dauerhaft groß genug, der Hintermann fuhr ca. 60km/h, der Vordermann genauso – und ich ebenfalls. Also setzt ich den Blinker, und genau in diesem Moment gab der Hintermann Gas. „Na besten Dank auch, Du Anus!“, dachte ich mir da. Also andere Lücke gesucht, diese wurde auch vom neuen Hintermann und dem neuen Vordermann für mich aufgezogen, da die Verengung auf zwei Fahrstreifen nunmehr wirklich unmittelbar bevorstand und somit mein linker Fahrstreifen erstmal nicht weiterging.

Und was passiert? Tja … was ist da passiert? Es gab einen „Gegendrücker“ – sprich: Einen Fahrer auf der rechten Spur, der die entstehende Lücke sah und sie sich nahm. Ich bin sehr froh, dass der Hintermann der Lücke ein Einsehen hatte und sowohl den Gegendrücker als auch mich reinließ.

Das genau selbe Verhalten eines Lieferwagens konnte ich im Rückspiegel dann direkt noch einmal beobachten, selbiger Lieferwagen scherte aber nicht nur von der rechten Spur in die eigentlich für den auf der endenden linken Spur „verhungernden“ Fahrer aufgezogenen Lücke ein, sondern gab Vollgas, fuhr fast dem Vordermann seiner geraubten Lücke noch in den Kofferraum und jagte dann seinen Wagen nach links auf das nicht abgesperrte Stück linken Fahrstreifens zwischen den beiden Streckendienstfahrzeugen. Direkt vor dem zweiten Streckendienstfahrzeug drängte er sich dann mit roher Gewalt und unter Erzeugung eines Fast-Unfalls wieder in die Schlange auf der mittleren Spur – mehrere heftige Bremsungen seiner Hinterleute inbegriffen.

Ich habe keinen dieser Fahrer bzw. keine dieser Fahrerinnen in ihren Cockpits mustern können, dafür war ich mit dem Verkehr selbst zu beschäftigt. Deswegen kann ich nicht sagen, was das für Gestalten waren. Aber bei aller Akzeptanz für Eile und Termindruck, sowas GEHT einfach nicht. Der berühmt-berüchtigte Gummiparagraph scheint niemanden zu interessieren …

§1 StVO:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

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