Raffinerie-Run (in Planung)

Karlsruhe ist eine Öl-Stadt – es gibt hier eine riesige Raffinerie, die aus zwei ohnehin schon großen Raffinerien entstanden ist. Getrennt waren die beiden Gelände durch das Flüsschen Alb. Mittlerweile gibt es Brücken vom einen zum anderen Gelände, aber entlang der Alb ist weiterhin ein Radweg, den man sicher auch zum laufen benutzen kann …

Und so plane ich industrielles Sight-Seeing mitten durch eine Raffinerie. Sicher wird das nicht meine Standard-Strecke, da sind mir Wald und Wiesen lieber, auch der Luft wegen … aber Industrie guckend erlaufen oder laufend ergucken, das ist doch auch mal was!

Der „Raffinerie-Lauf“, geplant mit Karten von Google Maps.

Der Plan ist, mit der S5 hin zu fahren, dann durch die MiRO zu laufen, den Ölhafen über den Zaun zu sehen und durch die Felder und Auen weiter nach Eggenstein zur S1, um von dort nach Hause zu fahren.

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Infrastruktur-Nerd

Es gibt so viele leidenschaftlich gelebten Begeisterungen für verschiedenste Objekte, Strukturen, Handlungen, Konzepte …

Ich stelle jedes Mal, wenn ich in einen großen Bahnhof einfahre, wieder neu fest, dass Verkehrswege mich interessieren. Früher waren das in erster Linie Autobahnen, und die genieße ich noch immer sehr. Noch immer finde ich es völlig abgefahren, wie insbesondere an komplexen Kreuzungen von Autobahnkreuzen und Anschlussstellen die Rampen und Wege miteinander verschlungen sind. Die Ansicht von oben auf die Autobahnen durch Los Angeles waren für mich Highlights der Serie Lucifer.

Aber nun fahre ich viel Bahn. Die Gleisfächer des Karlsruher Hauptbahnhofs, wie sie untereinander durchgeführt werden, mittendrin wieder hochkommen, das finde ich spannend und entdecke immer wieder was Neues. Der Supergenuss ist aber die Einfahrt mit ICE, Metronom oder S-Bahn in den Hamburger Hauptbahnhof: da gibt es so viele Richtungen, die miteinander verschlungen sind, darunter dann auch noch U-Bahn und … es ist einfach herrlich!

Genauso kann ich mich an Nahverkehrsplänen kaum sattsehen.

Ich bin ein Infrastruktur-NERD! Juhu!

Wenn Du in Eile bist …

… mache einen Umweg. Oder auch: „Mach‘ langsam, ’s bressiert!“

Das klingt für Euch nach süddeutschem Dialekt-Quatsch und fernöstlicher Philosophie? Das mag sein. Aber es ist ein sehr praktischer Hinweis, ein sehr wichtiger Rat für die Bewältigung des Alltags, der hier in zwei unterschiedlichen Darreichungsformen daherkommt.

Ich tippe diesen Beitrag nämlich gerade auf meiner Bluetooth-Tastatur, die beinahe von der Missachtung dieses Rates zerstört worden wäre. Wie Ihr in Alltag 1 gelesen habt, frühstücke ich in der Regel am Rechner. Heute merkte ich, wie es zunehmend auf um sieben zuging – und ich wollte mein Frühstück und meinen Tee so schnell es geht …

… nicht über meine Tastatur, meine Klamotten, meinen Stuhl und den Boden schütten. Mit dem Tee habe ich es geschafft, das Frühstück ergoß sich in einer fulminanten Kaskade aus Körnern, Kleie, Milchprodukt, Heidelbeeren und Haferdrink über oben genannte Komponenten meiner Morgenroutine. Zuerst war ich wie erstarrt, dann befasste ich mich 25 Minuten lang mit der zunächst Begrenzung, dann Behebung der Schäden. Meine Tastatur ist entweder sehr robust oder mein Frühstück sehr dickflüssig, denn selbst die Funktions-Taste, die linke Ctrl-Taste, die linke Alt-Taste, die Apple-Taste sowie Shift, <, y und x haben den Anschlag überlebt. Vielleicht gilt auch beides. Jedenfalls bin ich nun gezwungen, den Zug später zu nehmen, aber immerhin konnte ich noch alle Schäden beseitigen und eine Erkenntnis aus dem Vorfall ziehen:

Hektik, um Dinge zu beschleunigen, sorgt für Unfälle, wegen derer alles länger dauert. Eigentlich sollte eine Person, die bei einer Behörde im Bereich Arbeitsschutz arbeitet, das verinnerlicht haben. Aber manchmal braucht man eine Auffrischung.

Mach‘ langsam, ’s bressiert wie’d Sau!

Es geht wieder los …

… die gelben Balken in meinem Laufdiagramm wachsen wieder. Das Wetter wird nun langsam hinreichend unbeständig und kühl, dass das heimische Laufband eine echte Alternative ist. In meinen Diagrammen erscheint das Laufen im Freien als blauer, das Laufen auf dem Laufband als gelber Balken. Heute habe ich wieder mal 4,24 Kilometer auf dem Laufband verbracht. 25 Minuten vor dem Duschen, bevor es heute Abend mit der S-Bahn nach Karlsruhe auf eine Geburtstagsfeier geht.

Mir ist das Laufen draußen lieber – ganz klar. Aber halt nicht bei jedem Wetter und zu jeder Gelegenheit. Ich bin auch schon bei Regen gelaufen, auch bei Kälte und auch bei starkem Wind. Werde ich im Winter auch wieder machen, da bin ich sicher. Es ist eine schöne Sache, eine Alternative zu haben – drinnen, warm, mit dem Mann neben sich sitzend, der einem über den Lärm des Laufbands hinweg Perry Rhodan vorliest.

Die Zeit vergeht…

… wie im Flug, wenn man Spaß hat.

Das sage ich recht oft. Wenn ich es auf der Arbeit sage, wird es immer als Sarkasmus interpretiert. Zumindest war das bei früheren Arbeitsplätzen so. Das ist aber gar nicht so. Eigentlich hatte ich heute vor, irgendwann mittags meine Matte auszurollen und Stabilitätsübungen und anderes zu mache – Brücke, Planks, Side-Planks, Kniebeugen, Liegestützen, Crunches und Fallschirmspringer. Aber ich war so vertieft in das schreiben einer Genehmigung und das nachlesen der Rechtsgrundlage, dass ich das völlig vergessen habe. Klar, ich denke auch immer mal nebenraus, aber das gehört dazu. Ich hatte wirklich großen Spaß an dieser Bastelei am Text.

Nun muss ich mal sehen, ob ich nachher Übungen mache – aber wie gesagt, die Zeit verging wie im Flug!

Alltag 1

Nach einer Idee von Café Weltenall, für michalltag-001-2018 sichtbar geworden über die Teilnahme von Mrs. Flummi an dieser Idee.

Ein bewusstes Wahrnehmen der immer wiederkehrenden Dinge, der Schönheit, Hässlichkeit, der Nicht-Alltäglichkeit des ganz Alltäglichen.

„Ten, nine, eight, seven, six,“

meine Hand fasst auf den Nachttisch, streicht über die breite Taste oben auf dem Sockel des Weckers, sucht kurz die zweite Taste von recht.

„Five, four.“

Stille. Die Rakete aus Schaumstoff ist mal wieder nicht auf mein Bett gestartet. Ich schlage die Decke zurück, falte sie einmal wieder auf, so dass sie in drei Schichten auf dem Fußende des Bettes liegt, damit die Oberfläche des Wasserbetts über den Tag austrocknen kann. Leise stehe ich auf und schließe die Tür wieder hinter mir, da mein Mann noch schläft. Drei Schritte bis zum offenen Durchgang zwischen Gang und Wohnzimmer, fünf weitere zwischen DVD-Regal und Sofa, ich bin in der Küche, umrunde die Theke und hole mir den Wasserkocher. Mit der linken Hand schalte ich die Espresso-Maschine an, damit sie vorheizt, fülle den Wasserkocher. Wie jeden Morgen merke ich über das Fließgeräusch des Wassers, dass ich auf Toilette muss. Aber wenn ich jetzt gehe, kann der Tee zwei Minuten kürzer abkühlen und ich kann ihn nicht trinken, bevor ich los muss. Also gieße ich das Wasser aus der Schale mit den eingeweichten Sesam- und Kürbiskernen und hänge sie in einem Metallsieb über die Spüle, damit sie abtropfen, dann nehme ich ein Siebeinsatz aus der Espressomaschine und spüle den Rest heraus. Anschließend befülle ich meine vier Tassen mit Teebeuteln mit Kräuter- und Früchtetee, mahle Espressobohnen in das Sieb und drehe es in die Maschine. Allmählich macht das Rauschen des fast kochenden Wassers mich und meine Blase nervös. Ich gieße den Tee auf und renne los.

Jeden Morgen wieder denke ich darüber nach, dass ich es auch in anderer Reihenfolge tun könnte, jedes Mal siegt der Gedanke, dass sonst der Tee nicht kühl genug ist, um ihn vor dem Gehen zu trinken.

Dann sitze ich mit Espresso-Tässchen, Müsli aus den Kernen und Leinsamen, Haferkleie, gepufftem Amaranth, Joghurt, Obst sowie Haferdrink und vier Tassen Tee am Rechner, lese die News und spiele vielleicht ein bisschen in der Klötzchenwelt von Minecraft. Jeden Morgen wieder scheint die Zeit zwischen 6:25, wenn ich so sitze, und 6:40 fast unendlich angenehm lang. Und dann ist es schlagartig um 7:00 und ich muss mich noch anziehen, Zähne putzen, Rucksack nochmal checken – in 15, besser 10 Minuten. Nach einem kurzen Kuss für meinen Mann, der noch im Bett liegt, aber langsam von seinem Wecker mit ansteigendem Licht geweckt wird, laufe ich los. 1200 Meter zur Bahn, selten in mehr als 13 Minuten, wenn’s sein muss in 10. 7:29, Bahn nach Karlsruhe. Der eigentliche Tag beginnt.