Unverhoffter Flashback

Die Post, die ich nach dem Campus Run abholte, erwies sich als ein echtes Goldstück. Was das Institut, bei dem ich promoviert hatte, an das Institut, in dem ich danach sieben Jahre arbeitete, gesendet hatte, war ein Notizbuch.

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Begonnen im Jahr 2006, spannen sich die Einträge bis 2008. Posterentwürfe, Berechnungen, aber auch mal pure Kritzeleien, Notizen aus dem Institutsseminar und vieles mehr finden sich darin – und das von Kondenswasser abgelöste Etikett einer Saftflasche prangt, noch feucht eingeklebt, auf der Innenseite des vorderen Buchdeckels. Davon mache ich aber wann anders mal ein Bild.

Viel zu schmökern, zu lachen und sich erinnern – und eventuell nicht zu verstehen, was ich damals getan habe. Oder sehr gut verstehen, was ich damals falsch machte!

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[KuK] Eine tolle Nummer

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Die 662 passte perfekt zu meinem Trikot beim Campus Run gestern. Warum das?

Nun. 662 Kiloelektronvolt ist die (auf ganze keV gerundete) Gamma-Energie von Cäsium-137, einer Art Standard-Nuklid. Cäsium-137 wird zum Beispiel als Spaltprodukt in Kernkraftwerken frei und ist mit 30 Jahren Halbwertszeit auch das Nuklid, das man in Europa noch an vielen Stellen in kleinen Mengen als Überrest des Unfalls von Tschernobyl vorfindet. Auf Cäsium-137 werden auch Messgeräte genormt, weil es ziemlich mittig in den Energien von Gamma-Strahlung liegt, die üblicherweise gemessen wird.

Da passte die – mir zufällig zugeordnete – Startnummer 662 echt gut!

Campus Run re-iterated

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Der dritte Campus Run der Universität Stuttgart hat am heutigen Donnerstag stattgefunden. Ich war bisher jedes Mal dabei – ich bin wohl die einzige Läuferin, die auf dem Campus Run der Uni Stuttgart bereits VIER Mal angekommen ist. Denn im ersten Jahr, als der Sechser und der Zwölfer nicht parallel liefen, bin ich bei beiden gestartet.

Aber zum aktuellen Jahr: Es ging über eine sehr angenehme Strecke, dieses Mal am MPI in den Allmandring, hinter der Bioverfahrenstechnik vorbei, über die berüchtigte „Wackel-Brücke“ nahe des Internationalen Zentrums der Uni Stuttgart, durch das NWZ (Naturwissenschaftliches Zentrum), an der Keltenschanze vorbei in den Wald und über den Weg hinter der MPA und dem DLR-Gebäude durch die Wohnheime zurück. Für die Zwölfer – angeboten waren zwölf und sechs Kilometer – ging es über zwei Runden, aber das war voll in Ordnung, der Kurs war sehr abwechslungsreich. Absoluter Pluspunkt war, dass wir dieses Mal keine Treppe auf der Strecke hatten, das machte es viel angenehmer.

Nach drei Teilnahmen am „Zwölfer“ des Campus Runs (2014, 2017 und 2018) habe ich auch endlich geschafft, das „Projekt 59:59“ auf der geplanten Veranstaltung zu schaffen. Mit einer Netto-Zeit von 52:38 gewann ich meine Altersgruppe, lag insgesamt auf Platz 4 bei den Damen und trug zudem den berüchtigten „Propeller“, also das Symbol für Radioaktivität für das Team „Fast Neutrons“ über den Campus. Leider war es ein „One Woman“-Team, weil die anderen, die ich angefragt hatte, aus verschiedenen Gründen nicht konnten. Ich schreibe natürlich nicht, dass sie gekniffen haben … würde ich nie machen.

Man merkt dem Campus Run an, dass er nicht nur größer, sondern auch professioneller und organisierter wird, dabei aber immer noch die sympathisch-hochengagierte Note des Hochschulsport-Teams, vor allem von Melanie Haag behalten hat, die zwar nicht die Moderation übernimmt, aber immer ein paar Worte sagt und sich über Resonanz freut.

Ein paar Impressionen hat mein Anfeuer-Team aus meinem Mann und meinem Ko-Autor Manuel auch mitgebracht:

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Zieleinlauf – sprintest Du noch oder fliegst Du schon?
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Ich glaube, es war doch kein Fliegen.
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Nach dem Fliegen kommt das Siegen. Zumindest in der Altersklasse.

Insbesondere lustig war dann auch, dass ich eigentlich nur zum Abholen von Post zu meinem alten Institut lief und dort mitten im Sommerfest landete – und dann fuhr Ko-Autor Manuel meinen Mann und mich, beide per Bahn angereist, noch nach Hause.

S-Bahn-Laufen

Ich habe schon viele Bezeichnungen für eine sehr praktische Technik gelesen, die einen schnell vorankommen lässt. Indianerlaufen oder Pfadfinderlaufen waren darunter, eventuell ist’s sogar so eine Art Intervalltraining.

Ich setze es zur Zeit auf dem Weg zur S-Bahn ein und daher nenne ich es „S-Bahn-Laufen“. Die Idee ist simpel: Gehe 50 oder 100 Schritte, dann laufe 50, 100 oder 200 Schritte. Klar wird’s dabei etwas warm, aber man steht nicht schweißgebadet wie nach einem vollen Lauf an einem solch warmen Morgen in der S-Bahn, kommt aber deutlich schneller voran. Das gibt mehr Zeit zum Frühstücken.

Ich zähle meine Schritte im Moment nach dem Schema 1, 2, 3, … 10, Zehn. 1, 2, 3, … 10, Zwanzig und so weiter – das funktioniert besser, als im Kopf 75, 76, 77, … zu zählen. Somit laufe ich zur Zeit im Schema 110 Schritte gehen, 220 Schritte laufen zur Bahn. Es ergibt etwa 33% Zeitersparnis, die ich zuvor beim Frühstück vertrödeln kann. Ob und inwieweit es einen Trainingseffekt hat, werde ich sehen, wenn ich das mal ein paar Wochen gemacht habe.

Schleifendurchlauf

Am Donnerstag findet der Campus Run 2018 der Universität Stuttgart statt. Ich werde dort sein, von einer Reise in meinem neuen Job aus Heidelberg direkt nach Stuttgart fahren und teilnehmen.

Das ist das erste Mal, dass ich zwei Jahre in Folge am selben Wettkampf teilnehme und dabei auch noch in Form bin. Zweimal in Folge, dazwischen keine Probleme mit der Colitis ulcerosa, munter weiter trainiert … seit dem letzten Campus Run bin ich über 2000 Kilometer gelaufen, habe nur in einem Monat weniger als 50 Kilometer zurückgelegt. Es ist das erste Mal, dass ich so konsequent durchgängig trainiert habe – ich wollte es UND der Körper ließ es zu.

Letztes Jahr begann die für mich furiose Laufsaison mit dem Campus Run. Dieses Jahr habe ich schon einen Halbmarathon und zwei Wettkämpfe über knapp zehn Kilometer absolviert. Die Schleife ist einmal durchlaufen. Nun folgen Wiederholungen. So weit war ich in Sachen laufen noch nie.

Growing Younger

Eine ganze Weile bin ich nach Stuttgart zur Arbeit gependelt, mit dem Auto und über eine verhältnismäßig lange, vor allem verstaute Strecke. Ich bin in dieser Zeit vermeintlich erwachsener geworden, war weniger auf Festivals oder Treffen, als das vorher der Fall war, habe weniger in meiner Freizeit gespielt, mich weniger herumgetrieben, war auch kaum noch in der Disco.

In den letzten Monaten, vielleicht Jahren hat sich das geändert. Ich war mehr bei Freunden auf Achse, habe wieder mehr Festivals und Konzerte besucht, habe mich zunehmend vom Auto wieder auf öffentliche Verkehrsmittel für diese Besuche verlegt. Dazu habe ich Albernheiten und Motiv-Shirts mehr wiedergefunden, mir neue Leidenschaften zugelegt. Auch sitze ich wieder häufiger mal als „Bodensatz“ einer Party mit Leuten zusammen, führe tiefschürfende Gespräche oder solche über frühere Exzesse, die ich sonst eigentlich tief in mir vergraben hatte. Nicht, dass ich diese Dinge zurückwollen würde, also die Exzesse – die Gespräche und Themen aus diesen Zeiten aber kommen wieder und machen mich zu einem entspannteren, glücklicheren Menschen.

Vielleicht ist es mein komischer Blick auf das Erwachsensein, das irgendwie mit daheim sitzen, Wege mit dem Auto zurücklegen und sich auf die wichtigen, langweiligen und nützlichen Themen zu fokussieren zu tun habe. Aber egal, ob es nun ein echtes „growing younger“ ist, oder ob ich einfach nur gewisse Komplexe abgelegt habe – es fühlt sich gut an.