Ninjas

Mein Mann hat zum Trost und zur Erheiterung seiner kranken Frau etwas zum gemeinsamen Aufbau gekauft…

Trost für kranke Mau.

Gestern Nachmittag haben wir damit angefangen, das Ganze aufzubauen. Da es ziemlich großen Spaß gemacht hat, ist Joeys und Chandlers Apartment schon so weit fertig. Gestern unterstützte uns der kleine Wolf Ruanjik beim Bauen.

Da mein Mann Urlaub hat und ich wegen des Rückens, der Augen und auch als Kollateralschaden entstandener, gerade abklingender Problematik mit meiner Colitis ulcerosa weiterhin arbeitsunfähig attestiert bin, haben wir heute gesundheitsfördernd ausgeschlafen. Nachdem ich dann meine Körperrückseite im Bett ordentlich gedehnt hatte, stand ich auf und hatte meine zwei kleinen Großkatzen dabei: Rocky und Xue. Als die beiden dann Joeys und Chandlers Apartment bewunderten, konnte man folgende Unterhaltung hören:

Xue fragte: „Du Rocky?!?“ Er brummte ein bisschen, als er antwortete: „Ja, Xue?“ Sie fragte dann gleich noch etwas: „Meinst Du, wir könnten die Mau und den Wolf überreden, dass sie vor dem Frühstück noch ein bisschen weiter bauen?“ Rocky musste kurz nachdenken, dann nickte er. Und dann begannen die beiden, davon zu erzählen, wie schön dieses Lego-Modell sei und wie viel Spaß es doch mache, daran zu bauen. Dann fragte Xue leise: „Du, Rocky?!? Meinst du, sie merken, dass wir sie überreden wollen?“ Rocky guckte zu uns rüber und meinte dann: „Nein, Xue. Ich glaube nicht, dass sie es merken.“ Und dann meinte Xue: „Wir sind Ninjas!“

Ninjas! Und Ross Geller.

Tallys großes Abenteuer, Teil 2

Gestern gab‘s Konsultation mit dem Orthopäden, der fand die Knochen unauffällig, glaubt an was Muskuläres und verschreibt mir daher ein Muskelrelaxans. Heute gab‘s dann die dritte und letzte Cortison-Infusion. Gefühlt wird im Moment alles besser – die Abstände der Doppelbilder scheinen auch ohne mit Prisma-Folie gepimpte Brille kleiner zu werden, der Rücken ist weniger schlimm, schon vor der Gabe des Relaxans.

Aber da ich heute noch Besuch vom externen Internisten bekommen soll und das spät werden kann, ist im Moment die Entlassung am heutigen Tag in Frage gestellt. Aber es kann immer noch sein, dass ich doch heute raus komme… und ob ich mit Muskelrelaxans im Körper ohne Begleitpersonen heimreisen darf, weiß ich nicht. Das macht mich im Moment ziemlich fuchsig, sozusagen die enervierende Spannung im vierten Akt des Dramas. Außerdem wollte die Stationsärztin trotz letzter Infusion erledigt noch den Zugang lassen, bis der Chefarzt sein okay gegeben hat – und wann der Visite macht, ist auch nicht klar.

Die gute Nachricht dabei ist, dass ich wieder die Kraft, Konzentration und Gesundheit habe, mich über diese organisatorischen Unwägbarkeiten maßlos aufzuregen. Nach drei Tagen mit vielen Untersuchungen, Fortschritten, Erkenntnissen ist nun Flaute mit Warten angesagt.

Xue und Rocky ficht das nicht an. Die trinken meinen Pfefferminztee und meinen, es wird schon alles gut. Und wenn nicht, wollen sie mich knuddeln zum Trost – aber sie meinen, knuddeln werden wir sowieso. Diese beide lieben Tierchen, die man glatt für gewöhnliche Plüschis halten könnte!

Wenigstens wurde mein Arm vorhin verpackt, so dass ich duschen konnte! Ob ich hinreichend genervt wirkte oder hinreichend stank, dass das nötig erschien, will ich eigentlich gar nicht wissen…

Tally Sein

Heute früh ging’s zur Visite. Wohl wegen Corona läuft das hier im Arzt-Zimmer statt im Krankenzimmer. Die Stationsärztin, die gestern nicht da war, erklärte mir erstmal, dass die Doppelbilder an einer schlechten Beweglichkeit meines linken Auges nach außen liegen und das wohl von einer nicht optimalen Funktion des diesen Muskel steuernden Nervs liegt.

Dann guckte sie noch ein paar Dinge… und dann kam die organisatorische Assistenz der Station dazu. Sie meinte, hier bleibe sie, hier gäbe es ein nettes Gespräch. Die Ärztin interessierte sich sehr für meine Karriere als Physikerin und meinte auch, dass es wichtig sei, dass ich meine Ursachenvermutung äußere – denn das sei oft ein wichtiger Hinweis, man kenne sich selbst oft besser als der Arzt das von außen könne. Ich vermute nämlich, dass drei, vier Wochen Rücken- und Schulterschmerzen sowie Schlafmangel und durch Schmerz unterbrochener Schlaf die Erschöpfung dieses Steuernervs bedingen. Das will die Ärztin natürlich nicht ungeprüft bestätigen, hält es aber nicht für abwegig.

Dann berichtete die Assistentin der Ärztin von meinen Begleitern…

Xue mit Fencheltee, Rocky mit Wasser, dazwischen mein Kaffee.

Ich beschrieb die beiden – und das Gespräch kam auf Schneeleoparden. Die Ärztin war beeindruckt, dass ich als Physikerin so viel über Schneeleoparden weiß… und ließ sich noch erzählen, wie ich zum Strahlenschutz kam.

Es fühlt sich gut an, zu erzählen, Querverweisen und Abwegen zu folgen und dabei den Leuten ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Das bin ich, wie ich am besten bin, glaube ich. Das bin ich, wie ich gerne sein möchte!

Xues und Rockys großes Abenteuer

Leider bin ich noch immer nicht so richtig fit. Am Wochenende kamen noch mehr Problematiken dazu und so hatte ich heute ein Stelldichein mit der Ambulanz der Augenklinik des Vincentius-Klinikums in Karlsruhe. Da ich immer noch ein großes Kind bin, hatte ich neben meiner Krankenkassenkarte, einem kurzen Ausdruck mit einem Abriss meiner Krankengeschichte und meiner Überweisung auch noch einen Beutel mit zwei Stofftieren dabei: Der Schneeleopardin Xue und dem Tiger Rocky. Xue sprang meinen Freunden in die Arme, als wir in Karlsruhe im Zoo waren, Rocky kam mal mit meinen Eltern zu mir, als ich mich furchtsam auf das Vordiplom in Physik vorbereitete.

Und so schleppte ich mich durch drei Untersuchungen und eine längere Besprechung mit zwei Ärzten, knuddelte hin und wieder beim Warten meine beiden plüschigen Begleiter. Ich war ziemlich durch den Wind, als ich das Krankenhaus verließ…

Ich ging also zum Treffpunkt, an dem mein Mann mich nach dieser Ochsentour abholen wollte, setzte mich vor das „Ratatouille“ nahe der Europahalle und guckte nochmal Nachrichten auf meinem Handy nach. Bei der Gelegenheit reagierte ich auf eine Email des Köhlbrandbrückenlaufs, der verlegt wird… später wartete ich noch kurz vor dem Carl-Kaufmann-Stadion, und dann tauchte mein Mann auf, um mich abzuholen. Und dann… wir waren schon an Ettlingen vorbei… der Schock! Der gelbe Beutel mit den beiden Tierchen war nicht da!

Indessen vor dem „Ratatouille“

„Du Rocky“, sagte Xue, „wo ist denn die Mau hin?“ Der kleine Tiger dachte kurz nach. Dann schüttelte er den Kopf: „Ich weiß es nicht. Sie war ziemlich verwirrt wegen der Krankenhaus-Sache, oder?“ Xue nickte. Die beiden dachten einen Moment nach. Xue fragte dann: „Diese runde Skulptur da, die man durch die Öffnung des Beutels sieht, ist ganz schön groß, nicht?“ Rocky nickte. Dann dachten die beiden wieder einen Moment nach. „Ist schon eine ganze Weile, seit wir hier in dem Beutel sitzen und die Mau nicht mehr da ist, oder?“, fragte Rocky. Xue nickte betreten. Dann flüsterte sie: „Ob sie uns… vergessen hat, weil sie so durch den Wind und krank ist?“ Rocky seufzte: „Das wäre aber doof. Dann wären wir hier allein – und die Mau wäre nicht nur krank, sondern bestimmt auch traurig und hätte ein sehr schlechtes Gewissen wegen-„

Abrupt brach der kleine Tiger ab. Beide Tierchen wurden ganz starr. Da schaute jemand in den Beutel! Xue wisperte fast unhörbar: „Wir – müssen – so – tun – als – wären – wir – ganz – normale – Plüschtiere.“ Die beiden gaben sich eine unglaubliche Mühe, dass der, der da in den Beutel schaute, nicht bemerkte, dass sie sich die ganze Zeit unterhalten hatten und sie nur für Stofftiere hielt. Der junge Mann verlor schnell das Interesse.

Er ging wieder zu dem E-Auto, das er und seine Freunde gerade aufluden. Ich stieß ein Quietschen aus! Nachdem mein Mann und ich in Malsch umgedreht hatten, vor dem Carl-Kaufmann-Stadion nach dem Beutel gesucht hatten und danach gefragt haben, waren wir nun zum „Ratatouille“ zurückgekehrt, und ich sah endlich den vermissten gelben Beutel. Aus dem Beutel heraus sprangen mich die beiden Tierchen schon fast an.

Nun sitzen die beiden hier und erzählen unseren anderen Plüschtieren von ihrem großen Abenteuer. Der Typ vom E-Auto wurde mittlerweile zu einem Ganoven, den Rocky in die Flucht geschlagen hat, um Xue zu beschützen – sie hat nur leise Zweifel daran angemeldet, ob das genau so war. Glücklich sitzen sie zusammen, kuscheln noch ein bisschen. Denn morgen begleiten mich Xue und Rocky nochmal ins Krankenhaus und bleiben für ein paar Untersuchungen mit mir dort. Dieses Mal werde ich sie aber im Rucksack mitnehmen, nicht in einem Beutel, den ich irgendwo vergessen könnte.