Wie ein bunter Hund

Heute wurde ich im Supermarkt von einer Angestellten des Marktes angesprochen. Sie sehe mich öfters laufen, auf dem Weg in Richtung des Nachbardorfes. Sie bat darum, eine Frage stellen zu dürfen – und ich hatte nichts dagegen. Sie wollte wissen, ob das nur eine Laufleidenschaft sei oder ob ich Marathon oder sowas liefe. Ich musste unter meiner Maske grinsen, denn auf Fragen nach dem Schema „entweder-oder“ gibt es in meinem Freundeskreis nur eine Antwort: „Ja!“

Hier trifft das natürlich auch zu. Das sagte ich ihr auch. Nach dem salopp dahingeworfenen „Ja!“ schritt ich zur Erklärung, dass es beides sei. Es ist ja wirklich eine Laufleidenschaft, aber Marathon bin ich auch schon gelaufen – und genau das sagte ich ihr auch.

Sie meinte dann, einfach so rüberwinken sei ja komisch, und ich wüsste dann auch nicht, wer es sei. Wenn mir aber künftig auf dem Weg zum Nachbarort jemand aus dem Auto zuwinke, sei sie das vielleicht. Sie äußerte dann noch ihre Bewunderung für meine Disziplin und den Sport im Allgemeinen. Ich muss gestehen, ich fand das einerseits ein wenig lustig – aber andererseits hat es mich auch wirklich gefreut.

Ich sehe mich zwar als Katze – aber bekannt bin ich eher wie ein bunter Hund, wie es scheint.

Dekadenz

Ich habe lange das richtige Wort dafür gesucht, was meine neueste Idee eigentlich ist, also welches Attribut man diesem „Streich“ zuordnen sollte. „Seltsam“, das war ein heißer Kandidat, „nerdig“ und „speziell“ waren auch am Start. Aber eine Freundin gab mir einen Hinweis – als ich ihr erzählte, was ich getan habe, nannte sie es „dekadent“. Ich bin bereit, willens und gerade dabei, mich dieser Einschätzung völlig anzuschließen.

Warum kauft man sich einen elektronischen Bilderrahmen? Es gibt viele Antworten, die meisten haben mit schönen Urlaubsfotos in Massen, mit riesigen digitalisierten Bibliotheken von Bildern, mit… Schönem, mit der auf Flash-Speicher gebannten Darstellung der Welt in Pixeln zu tun. Mein Grund war ein etwas anderer…

Ich stolpere immer wieder über schöne Bilder, wie zum Beispiel das „Spacekätzle“, das in einem Twittermeme als verwechslungsgefährdet mit Käs’spätzle klassifiziert wurde. Aber ich verlege mich auf Ausreden. Schöne Bilder anzuzeigen, das war nicht die Idee. Mit wechselnden Bildern hat das Ganze schon zu tun, aber nicht mit dem Meme oder Bild oder der niedlichen Fotomontage, die in meinem Kopf gerade in Mode ist. Nein, die Bilder, die unabhängig vom Rechner darzustellen ich mit dem kleinen Bildschirm im Rahmen beabsichtigte, beabsichtige und es auch tue, wechseln täglich und stellen auch die Realität dar – aber nicht Pixel für Pixel abfotografiert, sondern in Zahlen und Diagrammen umgesetzt: Meine Sport-Statistik. Und so werden auf meinem kleinen Bilderrahmen hier im Wechsel dargestellt:

  • Durchaus das Spacekätzle, weil ich gerade drauf abfahre, vor allem aber
  • meine Zielerreichungstabelle, tagesaktuell für das aktuelle Jahr,
  • mein Kilometerstand mit dem Rad, zu Fuß und insgesamt um die Welt und zum Mond sowie
  • meine neue Streak-Tabelle, in der die Länge der Phase dargestellt ist, in der ich jeden Tag mindestens eine Meile gelaufen, zwei Meilen geradelt und fünf Minuten mit Dehnübungen beschäftigt gewesen bin.

…und ich liebe es!

[KuK] Wiederverwertung

Inzwischen habe ich auch für mein Alltagsrad einen Selle-Italia-Sattel mit Längskuhle gekauft und auch montiert. Ein in der Mitte flacher oder gar hochgewölbter Sattel sorgt bei mir für eine unangenehme Reibungsstelle. Nun wollte ich dem Plüschwolf meines Ehemanns den Sattel vom Alltagsrad als Sitzplatz verehren…

Indes, das klappte nicht. Das billige Ding wolle er nicht, sagte er, und legte ganz charmant den Kopf schräg. Gegen diese Charme-Offensive hatte ich natürlich keine Chance und nun sitzt das liebe Tierchen auf dem Prologo-Sattel vom Carbon-Rennrad, den ich ja zuerst gegen das Selle-Italia-Teil ausgetauscht hatte.

Und er meint, er fühlt sich richtig SCHNELL auf dem Teil! Außerdem findet er gut, dass er nicht mehr mit den Pfoten in das Loch in der Mitte des Selle-Italia-Modells hineintritt – sonst hätte er wahrscheinlich den tollen neuen Selle-Italia-Sattel gefordert.

[KuK] Die Expertin sagt…

Xue begutachtet meinen Impfpass.

„Mau wurde gepiekst“, sagte Xue. „Hoffentlich denkt sie dran, ihren Rucksack wieder mitzunehmen, wenn wir gleich zurückfahren. Das große Abenteuer ist noch nicht lange genug her, dass ich ein neues brauche. Erst recht nicht, wenn Rocky nicht dabei ist!“ Danach sinnierte die kleine Schneeleopardin über drei verschiedene Impfstoffe – aber recht schnell verlor sie das Interesse und war mit den Gedanken wieder bei Karlsruhes neuer U-Straßenbahn.

Xue mit ihrem Ticket bei der Einfahrt in die U-Station Ettlinger Tor.

Geeigneten Titel hier einsetzen

Mein Nenn-Bruder und ich spielen ja regelmäßig chat-basiertes Textrollenspiel. Zeitweise spielte sich das in ShadowRun ab – aber nicht in den Schatten, sondern im grellen Licht der Scheinwerfer – konkret im sportlichen Bereich, und da gab es dann die elfische, schwarze Eiskunstläuferin Merenwen Adams, amtierender UCAS-Champion (UCAS = United Canadian and American States, einer der ShadowRun-Nachfolgestaaten der USA und Kanadas) im Eiskunstlauf. Mit ihr zusammen auf die Vierkontinentemeisterschaften sollten zwei weitere Läuferinnen fahren… die von Gracie Gold inspirierte Elegance Harper, blond, hübsch, immer wie aus dem Ei gepellt, und die etwas rebellische, aber ebenfalls weiße Charisma Crystal, die zusammen mit ihrer Freundin Rollerderby als „Ausgleichssport“ betreibt. Merenwen hadert öfters damit, dass die Welt ihren Sport mit hellhäutigen, disneyesken „Prinzessinnen“ verbindet, während sie als dunkelhäutige Sportlerin mit ihrem Selbstbild ringt, statt den dieser Vorstellung innewohnenden Rassismus anzuprangern oder für sich zu überwinden – schließlich hat sie mit deutlichem Vorsprung die Nationals gewonnen, klar vor Elegance und Charisma…

Oh, ich schweife ab! Allerdings brauchte ich die Vorgeschichte. Denn als Sabrina, mein Hauptcharakter in diesem Szenario erzählt, wer für die ADL (Allianz Deutscher Länder, Nachfolgestaat der Bundesrepublik in ShadowRun) zur EM fährt, antwortet Merenwen, den folgenden Satz. Sie hat kurz zuvor sehr undamenhaft in einen Burger „all dressed“, „mit allem“ gebissen, nach erfolgreichem Training gebilligt von ihrer Trainerin, und ist nun mit Mayo-Spritzern an den Mundwinkeln „dekoriert“. Und wie gesagt, sie sagt dann den folgenden Satz, wobei sie eher auf die Bedeutung der Namen als auf die dahinterstehenden Personen abhebt:

„So the Allied German States have you, Elli and Julia. We‘ve got Charisma, Elegance… and me.“

An diesen Satz musste ich denken, als mein Mann dieses Bild von mir herausgekramt hat…