Ein Jahr ÖPNV-Pendeln – läuft

Am 02.07.2018 trat ich meine Stelle am Regierungspräsidium Karlsruhe an. Bereits am ersten Tag fuhr ich mit der Stadtbahn des KVV dort hin, seit dem gab es keinen Tag, an dem ich mit dem Auto zur Arbeit gefahren bin. Es gab auch keinen Tag, an dem ich nicht mindestens einen Teil meiner Strecke mit den Stadtbahnen des Karlsruher Verkehrsverbunds zurückgelegt hatte.

Bereits die letzte Woche vor dem Resturlaub meiner Stelle in Bruchsal, wo ich vor der Arbeit in Karlsruhe war, bin ich ausschließlich mit der Straßenbahn gefahren. Ich habe nun also etwas mehr als ein Jahr Pendeln mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hinter mir. Ich möchte um keinen Preis der Welt wieder zurück zur Fahrt zur Arbeit mit dem Auto. Warum?

Sicher: Die Bahn ist mal verspätet. Meine Bahnen fahren zweimal in der Stunde, mal im Abstand 20, dann im Abstand 40 Minuten. Man kann nicht völlig genau sagen, wann die Bahn mal verspätet ist. Hin und wieder lärmen Schulklassen oder Kindergartenausflüge im Zug, manche Fahrgäste reden lautstark mit ihren Telefonen oder sich selbst, sind betrunken oder emanieren Dinge, die zu unerwünschten Sinneswahrnehmungen bei mir führen – nicht nur akustisch, sondern vor allem auch olfaktorisch. Ich habe mich auch bei der Rückfahrt von einem Wettkampf mit den Öffentlichen schonmal erkältet, weil um mich alles nieste und hustete. All diesen Dingen kann man im Auto ausweichen.

Ebenso sicher: Ich habe schon Wochen erlebt, in denen meine Bahn nicht fuhr oder in denen sie zwar fuhr, aber nicht an unserem Bahnhof hielt. Ich habe schon erlebt, die der Streik von Mitarbeitern der deutschen Bahn die nicht streikende Albtalverkehrsgesellschaft lahmlegte, die meinen Arbeitsweg betreibt. Ich bin auch schon ein paar Mal zu knapp dran gewesen und habe somit – selten – meine Bahn verpasst und auf die nächste warten müssen.

Aber: Der ÖPNV gibt mir die Möglichkeit, frei zu entscheiden, wo und wann ich aussteige und ab dort spazierend oder laufend den Rest der Strecke bewältige. Er enthebt mich der Parkplatzsuche, die insbesondere in der Karlsruher Innenstadt ein ernsthaftes Problem darstellen würde. Ich muss mich nicht darum kümmern, dass mein Auto am nächsten Morgen wieder zuhause stehen muss, um wieder zur Arbeit zu fahren, sondern kann sorglos aus dem Büro gehen und die ganze oder einen Teil der Strecke nach Hause laufen. Ich kann auch beim Hinweg meine Strecke frei einteilen. Ich kann im Zug lesen, gelegentlich ist sogar das WLAN des KVV im Zug schnell genug, um ohne das schnelle Internetvolumen aufzubrauchen Bilder zu verschicken oder zu empfangen, zum Chatten reicht es immer. Dösen könnte ich im Auto auch nicht. Möglich, dass die reinen Sprit-Kosten zur Arbeit weniger als 91 Euro im Monat für die Job-Netzkarte des KVV betragen würden, aber rechnet man ein, wie das Auto sich abnutzt, ist es sicher günstiger. Mein eBook-Reader bekommt ganz neue Bedeutung in meinem Leben – dank dem ÖPNV.

Was auch nicht zu unterschätzen ist: Im ÖPNV habe ich nicht die Illusion der Kontrolle über Verzögerungen. Sitze ich im Auto, hätte ich statt des Staus vielleicht einen Schleichweg nehmen können, nochmal an der roten Ampel auf’s Gas treten und so weiter. Die Kontrolle über die Dauer des Arbeitsweges ist – Hand auf’s Herz – beim Auto-Pendeln in die Stadt auch nicht größer, vielleicht sogar kleiner als beim ÖPNV, aber mich plagt immer das Gefühl, dass ich vielleicht eine bessere Route, eine etwas andere Zeit, eine Abkürzung hätte selbst nehmen können. Mit der Bahn ist es klar: Wenn es Verzögerungen gibt, ist es nicht meine Schuld. Ich sitze in der Bahn, andere lösen das Problem für mich, oder auch nicht, und ich kann währenddessen was anderes tun. Für mich ist das vielleicht die größte Erleichterung, die mir das Arbeitspendeln mit der Stadtbahn gewährt hat.

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Workrun – noch nicht ganz

Heute morgen wollte ich mal zur Arbeit laufen. Natürlich habe ich schon Laufen statt Schienenersatzverkehr gemacht – aber da bin ich sechs Kilometer nach Mörsch zur S2 gelaufen, vielleicht entlang der S2 bis nach Rheinstetten hinein. Heute wollte ich ohne Not die volle Strecke von zuhause bis zum Büro laufen, nicht zur S2, sondern entlang der S7/S8 bis zum Albtalbahnhof und dann in die Stadt hinein.

Allerdings bin ich nun doch in der Bahn. Zwischen der Mörscher Brücke, weit östlich der S2, und dem Bahnhof Forchheim an der S7/S8 auf dem Feldweg mochte mein linker Fuß den schrägen Untergrund des Feldwegs entlang der Bahn nicht mehr und ich bekam leichte Schmerzen im Fuß. Also lief ich noch bis zum Bahnhof Forchheim, das sind da noch etwa 1,2km gewesen und wartete dort zehn Minuten auf die Bahn.

Nun schaue ich mal, ob ein Bürotag Ruhe das Ganze beseitigt – wenn ja, probiere ich eine Teilstrecke nach Hause. In der halben Stunde, seit es passierte, ist es schon wieder massiv besser geworden, bekam derweil aber auch keine Belastung.

Vor lauter reden …

Vorgestern war ich ja beim Café im Bahnhof in Bietigheim eine heiße Schokolade und einen Espresso trinken – es war super entspannt, ich unterhielt mich prächtig, während ich auf meine Bahn wartete.

Ich unterhielt mich so gut, dass sowohl die Bedienung als auch ich vergaßen, dass ich nicht beim Bestellen bezahlt hatte. Heute marschierte ich wieder zu Erbolino rein und wurde höflich und freundlich darauf hingewiesen, dass noch eine Rechnung offen sei.

Letztlich wurde mir erzählt, dass der Vorgang sowohl der Bedienung vom Dienstag als auch mir schrecklich peinlich war, alle anderen das aber locker sahen – ich bin ja eh öfter da und bezahle immer. Ich hatte ja auch schonmal einen Hunderter aus dem Bankautomaten gezogen, den der Chef des Erbolino nicht wechseln konnte, da gewährte er mir einen Espresso Kredit bis „zum nächsten mal, wenn ich vorbeikäme“.

Also alles ganz entspannt – aber es bringt mich wieder auf den Punkt: Wenn ich mit wem rede, bin ich da ganz drin. Und wenn ich irgendwo was trinke, dann aber die Bahn kriegen muss, zahle ich lieber gleich beim bestellen.

Eile mit Weile

Heute morgen hatte ich eine halbe Stunde Zeit, im Erbolino Kaffee und heiße Schokolade zu trinken. Das bedeutet zwar, ein bisschen was von meiner angesammelten Überzeit auf der Arbeit zu verbrauchen, aber dafür ist sie ja da.

Der Anlass war aber ein nicht nur positiver. Ich habe zur Zeit ein paar Stellen im Bereich von Po und Oberschenkelrückseite, die sich wie schlecht heilende Pickel anfühlen, aber halt so langwierig sind, dass ich mal nachfragen wollte, ob man nachsehen sollte. Die Ärztin guckte sich das an, brachte es mit dem in Hochleistungsphasen reduzierten Immunsystem zusammen und überwies mich dennoch vorsorglich zum Hautarzt. Das dauerte dann ein bisschen, so dass ich nicht nur meinen üblichen Zug um 7:29 nicht bekam – Kunststück, der Arzt macht um 8:00 auf – sondern auch die Züge um 8:09 und 8:29 ziehen lassen musste. Nun sitze ich mit dem (unsinnigen) schlechten Gewissen beim gleitzeitigen Spätkommen im 9:09er und fühle mich einerseits super bei dem geruhsamen Morgen, denke aber andererseits darüber nach, dass „früh kommen“ oder „sehr lang bleiben“ noch immer per se mit guter Arbeitsleistung gleichgesetzt werden. Weder das eine noch das andere zu tun hat immer noch den Beigeschmack von Faulheit. Dabei geht’s vor allem darum, sein Zeug zu erledigen, und insbesondere lang zu bleiben oder extrem früh zu kommen korrespondiert wesentlich weniger eindeutig mit zuverlässig schnelle Erledigung der nötigen Aufgaben, als wir das in unserer Programmierung haben.

Sicher, ein freier Tag auf Überstundenabbau wäre noch schöner, aber manchmal ist’s schon super – und motivierend – einfach mal die über eine Woche aufgebaute Zeit an „morgens später kommen, trotzdem nicht länger bleiben“ zu verheizen. Das nette Gespräch mit einer der Mitarbeiterinnen bei Erbolino war auch eine wundervolle Bereicherung meines Morgens!

[KuK] Zeiteffizienz!

Von der Arbeit heim: Fünf Minuten gehen, zwei bis vier Minuten warten, vierundzwanzig Minuten Bahn fahren, zwölf bis fünfzehn Minuten gehen. Dreiundvierzig bis siebenundvierzig Minuten … aber noch keinen Meter sportlich gelaufen – das ist dann auch noch ’ne Stunde, in der zehn, vielleicht zwölf Kilometer rum kommen.

Von der Arbeit heim Laufen: Achtzehn Kilometer in anderthalb Stunden, vielleicht auch mal einer Stunde und fünfzig Minuten.

Wenn ich jetzt sage, ich hab‘ keine Zeit zum laufen …