[KuK] Sturmschritt im Dunkeln

Morgens, fünf vor sieben bei mir zuhause…

Der Rucksack ist gepackt! Ist der Rucksack gepackt? Nein, es fehlt noch jede Menge Zeug, das ich gestern Abend einpacken wollte, aber nicht eingepackt habe!

Am Ende bleiben elf Minuten für 1400 Meter und zwei Treppen zum Bahnhof. Ich stürme!

Am Bahnhof an der Ecke – Vollbremsung, Füße leicht nach außen gestellt, Beine mehr als schulterbreit, für Stabilität! Denn das kleine Mädchen, das eng um die Kurve auf dem Gehweg kommt, achtet noch weniger auf Querverkehr als ich – aber sie setzt nur kurz dir Füße ab und radelt weiter, ich nicke dem auf der Straße fahrenden Papa zu und stürme weiter – Zug erreicht!

Welch ein wilder Ritt!

Solidarität unter Pendlern

Heute war‘s knapp. 7:17 zeigte die Uhr, als ich die Straße nach Elchesheim überquerte, von dort sind es noch 900 Meter bis zum Bahnhof. 7:29 fährt die S8, danach für 40 Minuten nichts. Rennen wollte ich auch nicht, der „Homerun“ gestern zeigte mir, dass ich gerade nah an einem „Zuviel“ an Belastung bin – die Erkältung meines Mannes ist, halbwegs unbemerkt, wohl auch in meinem System, und auch wenn ich mich nicht erkältet fühle, der Puls beim Laufen und das Schwitzen diese Nacht sind deutliche Hinweise meines Körpers, es etwas ruhiger angehen zu lassen.

Tja, es kam also, wie es oft kommt, wenn man spät dran ist: Der Zug ist pünktlich. Er fuhr gerade ein, als ich auf der anderen Seite des Bahnhofs auf den Bahnsteig trat – noch 35 Meter „falschen“ Bahnsteigs und eine Unterführung vom Einstieg entfernt. Ich beschleunigte, rechnete aber fest damit, frustriert gegen den anfahrenden Zug zu rennen…

Und dann stand da eine nette Dame in der Tür und hielt sie durch ihren Körper in der Lichtschranke auf! Das fand ich klasse – ich bedankte mich und nun sitzen wir beide in dem Zug, den ich fast verpasst hätte. Sie liest in einem Buch und ich tippe auf dem Handy diesen Beitrag.

Wie schön, dass sie auf mich geachtet hat! Es waren auch wirklich kaum 20 Sekunden.

Workrun

Nach mehreren unvollständigen Versuchen hat es gestern endlich mal geklappt: Der Workrun. 

Den Homerun habe ich ja schon mehrfach gemacht: Computer auf Arbeit runterfahren, Laufklamotten an, Trailrucksack mit rudimentärem, zwischen Büro und Zuhause hin- und herzubeförderndem Zeugs auf den Rücken, Ausstechen und los. Nun kam es – unverhofft und halb unbeabsichtigt – zum Workrun. Nach einer nicht ganz so prallen Nacht stand ich auf, vertrödelte Zeit, die ich eigentlich zum Laufen geplant hatte, und dann irgendwann ging es raus auf die Straße. Da ich nicht so recht wusste, wie viel ich laufen wollte – 

Stopp. Man könnte sagen, dass das gelogen ist. Ich wusste ziemlich genau, wie viel ich laufen wollte: Da 254 Kilometer und ein paar hundert Meter auf dem Dezember-Konto lagerten, wollte ich 16 Kilometer laufen, um auf 270 zu kommen. Aber ich wusste nicht so recht, ob ich unterwegs nicht vielleicht doch mein Soll herunteranpassen wollen würde und ob ich vielleicht nun doch mehr laufen wollte. Damit war gesetzt, dass ich an einer der beiden Bahnlinien entlang laufen würde, die von Südwesten nach Karlsruhe hineinführen – nämlich S7/S8 über Durmersheim oder S2 ab Rheinstetten. Da S7 und S8 morgens stündlich verkehren und dadurch ein 20-40-Minuten-Rhythmus existiert, die S2 aber zehnminütig verkehrt, fiel auch hier die Wahl leicht: Wenn man nicht genau weiß, wie weit man laufen mag und wie lange man bis dorthin braucht, ist der Zehnminutenrhythmus eindeutig zu bevorzugen. 

Der Workrun in Übersichtsdaten.

Ich rannte also erstmal fernab der Bahn von Bietigheim los; zwischen Durmersheim und Würmersheim nach Norden und dann nach Mörsch. Dort erreichte ich an der Haltestelle Merkurstraße die S2 und hangelte mich von Station zu Station an ihr entlang. Erstmal dachte ich: „So, Merkurstraße erreicht. Hier kommt gleich eine Bahn, aber ich bin ja eh pro Haltestelle nur ein bis zwei Minuten langsamer als die Bahn – und es sind erst sieben Kilometer.“ Munter lief ich weiter, zeigte den morgendlichen Passanten meine Sport-Löwen-Baden-Windjacke in herrlichem Gelb-Rot und erfreute mich der verhältnismäßig hohen Temperaturen für Mitte Dezember. Irgendwo an der Grenze zwischen Mörsch und Forchheim war’s dann so hell, dass die Straßenbeleuchtung ausging. Eine Bahn ließ ich irgendwo zwischen Mörsch Rösselsbrünnle und Forchheim Hauptstraße an mir vorbeiziehen, verließ nördlich der Messe dann auch Forchheim wieder und erreichte Karlsruhe in Form von Daxlanden. Am Dornröschenweg war die nächste Bahn noch drei Minuten hin, mit ein bisschen Getrödele war sie dann an der Karl-Delisle-Straße schon wieder weg. Also lief ich weiter – erstens half es nichts und zweitens fühlte sich die Lauferei richtig gut an! Einzig der zunehmende Nebel war nervig, weil meine Brille allmählich so beschlagen war, dass sich größere Tröpfchen bildeten und ich nicht mehr allzuviel sah. 

Etwas nervig war dann der Weg entlang der B36 zwischen Rheinhafenstraße und Zeppelinstraße, weil der Berufsverkehr neben mir nach Karlsruhe hineinbrandete. Dann jedoch konnte ich mich in die Grünanlagen im Bereich der Alb verziehen und dort dann zunächst einige Zubringer von der B36 auf andere Straßen – zum Beispiel die Südtangente – unterqueren, bevor dann nochmal der Radweg über die Vogesenbrücke entlang der B36 angesagt war. Dann war ich am Entenfang und hier setzte die Erkenntnis ein, dass es nun ja auch nicht mehr lohne, die restlichen paar Schritte mit der Bahn zurückzulegen – also bog ich ab und lief die Sophienstraße entlang bis tief in die Stadt hinein, von wo ich ein bisschen zum Büro hin die Straßen entlangkreuzte und schließlich nach 19 Kilometern und 520 Metern auf der Arbeit ankam. 

Schön stabile Herz-, Schritt- und Pace-Daten über die vollen 19,5km.

Eigentlich war das so gar nicht beabsichtigt, aber es ergab sich als eine Folge von „eine Station schaffe ich noch vor der nächsten Bahn“, „oh, da ist die Bahn und ich noch nicht an der Haltestelle“ sowie „macht nix, bin ja eh nicht viel langsamer als die S2“. Und so war der Lauf recht entspannt – ein Workrun. Tolle Sache, finde ich. Auch wenn ich an der Strecke noch etwas feilen kann und will, ist es auch eine Strecke, die ganz problemlos auch in der dunkelsten Zeit des Jahres belaufen werden kann, weil sie durchgehend beleuchtet ist oder zumindest neben schönen, grünen, unbeleuchteten Strecken auch recht nahe, beleuchtete, aber hässliche Alternativen bietet, falls es doch noch dunkel ist. Außerdem ist jederzeit die Möglichkeit da, in die S2 einzusteigen, wenn es aufgrund von Kondition, Verletzung oder Unlust nicht weitergeht. 

Das mach‘ ich mal wieder!

[KuK] Vergewissert

Gestern beim Wettkampf in Rheinzabern sprach Katja etwas an, das ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. Mitte Dezember – also genau genommen von gestern auf heute – gibt es eine Fahrplanänderung. Ich hatte darüber überhaupt nicht nachgedacht, zu sehr erschienen und erscheinen mir die Abfahrtszeiten um 7:01, 7:15 und ab da um 29 und 9 Minuten nach der vollen Stunde von Bietigheim nach Karlsruhe in Stein gemeißelt. Ebenso fix erscheinen mir die Rückfahrtmöglichkeiten um 17:03 und 17:23 ab Kronenplatz.

Also habe ich mich gestern um halb elf – also 22:30 – nochmal auf die KVV-Webseite begeben und geschaut. Aber ich musste meine Steintafeln nicht zerbrechen – auf meiner Strecke bleibt der Fahrplan bestehen. Wie ich angenommen hatte, sind es vor allem die Strecken am Rande des Karlsruher Verkehrsverbunds, die ohne bevorzugte Behandlung der KVV-Teilnehmer AVG und VBK neu vergeben wurden und daher teils nicht mehr bei der AVG liegen – was mit neuen Fahrplänen verbunden ist.

Für mich bleibt also alles beim Alten. Puh! Gut so, denn ich bin in solchen Dingen ein ganz schreckliches Gewohnheitstier.

[KuK] Zum Ausgleich

Heute früh hatte ich – nach Kopfschmerzen gestern und anderen Anlässen – nicht so pralle Laune. Als ich um 7:29 an der Bahn war, schien gerade meine S8 zu kommen – diese erwies sich dann aber als ein Güterzug. Mehr als sechs Minuten kam die Bahn zu spät – im ÖPNV ist das nicht wenig. Zum Ausgleich war’s dann aber statt der üblichen drei recht vollen Wagen… ein einziges, brechend volles Fahrzeug. Wobei, ganz richtig ist das nicht. Im Mittelteil war ein Haufen Platz, während an den Türen nah am Mittelteil junge Schüler standen und einen wegen des vollen Zugs nicht einsteigen lassen wollten, statt sich mal in den freien Gang in der Mitte zu bewegen!

Beim Ausstieg in der Stadt schwenkte mir dann ein unentschlossener Fahrgast seinen Regenschirm ins Gesicht, als er statt links Richtung Kais-Pizza-Brücke doch herumdrehte und rechts Richtung Markgrafenstraße gehen wollte. Der Arme musste sich dann von mir erklären lassen, dass er mit seinem Regenschirm gefälligst vorsichtiger sein solle und dass ich beinahe die Spitze des Schirms ins Auge bekommen hätte. Wahr, so weit, aber nicht all der Ärger, der darin lag, ging von ihm aus.

Nun ist aber erstmal Wochenende und ich hoffe, nach der verrückt-nervigen Woche ein bisschen Laune wieder regenerieren zu können.

[KuK] Schneller

Schneller als der ÖPNV bin ich auf manchen Streckenabschnitten zu Fuß.

Heute morgen war ich ohnehin im Laufdress, am Mittwoch ist stets Lauftreff vom Büro, und die Büro-Klamotten lagen noch von gestern im dort. Praktisch war das, denn ich war spät dran. Dank chaotischer Verhältnisse auf der S7/S8-Strecke rechnete ich schon mit Verspätung in Karlsruhe und stieg am Albtalbahnhof aus, musste aber noch zwei Minuten wegen kreuz und quer herumstehender Stadtbahnen warten.

Nach für mich lässigem Lauf konnte ich 7:58 im Büro einstechen – selbst wenn meine Bahn optimal fährt und ich vom Albtalbahnhof weiter bis zum Kronenplatz sitzen bleibe, reicht‘s bestenfalls auf 7:57, meistens eher fünf bis zehn nach acht. Es lohnt sich also, wenn ich ohnehin schon für‘s Laufen gekleidet bin, ab dem Albtalbahnhof zu laufen!

Was die Anzeigetafel nicht kann

Die Haltestelle Kronenplatz (Fritz-Erler-Straße) in Karlsruhe verfügt über eine tolle Anzeigetafel, auf der die nächsten Abfahrten angezeigt werden. Die Anzeige erfolgt sogar bezogen auf die tatsächliche Position der Bahnen, sofern diese verfügbar ist: Verspätet sich eine Bahn und ist das anhand ihrer Fahrt in Richtung Kronenplatz bereits absehbar, wird die voraussichtliche Abfahrtszeit und auch die voraussichtliche Abfahrtsreihenfolge der Bahnen angezeigt, nicht die planmäßige. 

Das mag jetzt vielen als Selbstverständlichkeit erscheinen, aber ich habe das Gefühl, so lange gibt’s das eigentlich noch nicht in der flächendeckenden Form, wie man es mittlerweile vorfindet. Ich jedenfalls finde es gut. Allerdings muss die Anzeigetafel mit ihren vier Zeilen recht viele Bahnen anzeigen. Sind irgendwelche Störungen, Meldungen, Zugausfälle im Gange, fehlt zusätzlich noch die unterste der vier Zeilen, weil hier einen Laufschrift erklärt, was gerade nicht so gut funktioniert und welche Konsequenzen das hat. In der Praxis stehen also oft nur die nächsten drei Bahnen auf der Anzeigetafel… 

So weit, so gut. Künftig werden auf dieser Strecke mit Halt an dieser Haltestelle wohl nur noch Trambahnen verkehren. Sofern’s nicht mehr als vier Linien sind und alle zehnminütig verkehren, hat man also die Chance, dass die nächsten Abfahrten aller fraglichen Linien angezeigt werden. Indes, im Moment ist es nicht so. Denn an der Haltestelle „Kronenplatz (Fritz-Erler-Straße)“ halten derzeit die Trams [2] und [5] sowie die S-Bahnen S1/S11, S4, S51/S52, S7 und S8. Die S-Bahnen haben grundlegend unterschiedliche Fernziele außerhalb Karlsruhes, so dass es insbesondere bei den nur einmal stündlich verkehrenden S51/S52, S7 und S8 sehr wahrscheinlich ist, dass eine gegebenenfalls verspätete Bahn nicht angezeigt wird, weil die Liste voll ist mit zehnminütig verkehrenden Trams [2] und [5] sowie der quasi-tramartig zehnminütig verkehrenden S1/S11. So weit, so klar. 

Vorgestern nun kam ich zur Haltestelle und war spät dran. Normalerweise verlasse ich zwischen 17:16 und 17:19 das Bürogebäude und bin zwischen 17:18 und 17:21 an der Haltestelle, 17:21 fährt planmäßig meine S7 nach Hause, ist aber meistens ein wenig spät. Ich war 17:23 an der Haltestelle und auf der Anzeigetafel standen: S4 sofort, [2] in einer Minute, S1 in zwei Minuten. Als die S4, die gerade in der Haltestelle stand, weggefahren war, rückte in die zweitunterste Zeile eine Tram [5] nach. In der untersten Zeile verkündete der KVV, dass personelle Engpässe bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe Ausfälle auf den Tram-Linien und der S2 bedingen könnten. Ich schnaufte: „Uff! Ist die schon weg? Fährt die S7 überhaupt?“ Sonst hätte ich nämlich 40 Minuten warten müssen, bis die nächste S8, die mich auch nach Hause bringt, gefahren wäre! Doch dann… 

Doch dann entdeckte ich eine Frau, die mir wegen ihrer langen, welligen Haare und der immer gleichen Position, an der sie auf die S7 um 17:21 wartend am Geländer lehnt, über die letzten Monate vertraut geworden ist. Wir haben noch nie ein Wort gewechselt, einander aber oft gesehen und einander zugenickt. Ich meinte so: „Oh, schön. Die S7 ist also noch nicht durch, wenn Sie hier noch warten! Ich sehe Sie nämlich regelmäßig.“ Sie bestätigte, erklärte aber, sie sei auch erst seit einer Minute da. Dann erschien auch schon die S7 auf der Anzeigetafel und wir beide freuten uns. Mit einem netten, unverbindlichen Gruß gingen wir auseinander. Dass sie aber auch noch wartete, hat mir mindestens eine Minute bangen Wartens erpart, ob die S7 schon weg sei. 

Ich hätte natürlich auch mit der App ÖPNVlive nachsehen können, aber für den Moment war die andere Variante offensichtlicher – und netter!