[KuK] Die erste Tour

Langsam beginnt, wer einsteigt oder wieder einsteigt. Mit noch etwas zu ölender Kette und reichlich Unsicherheit fuhren mein Mann und ich am vergangenen Sonntag auf den Parkplatz vor der Festhalle im Ort und ich übte ein bisschen anfahren und schalten auf meinem neuen, gebrauchten Fahrrad.

Danach ging es eine kurze Runde um den Block. Langsam, freilich, sehr langsam. Ich kann schneller laufen als wir fuhren, aber darauf kam es nicht an. Es ging darum, wieder sicher zu werden, wieder anzufangen. Und so bin ich nun wieder unter die Fahrradfahrer gegangen und habe eine 22 Jahre alte Phobie nach meinem Radunfall überwunden.

Stolz wie eine Königin hoch zu Stahlross!

Man verlernt es nicht…

… sagen sie. Das ist wie mit dem Schwimmen.

Worum es geht? Um das Fahrradfahren. Vor zwanzig Jahren hatte ich einen Unfall mit dem Rennrad, das Oberrohr wurde um fast 30 Grad verbogen – die Kraft wurde vom Kühler des Geländewagens durch mein Knie auf das Oberrohr vermittelt. Knöcherner Innenbandabriss, so lautete damals die Diagnose, und das war noch gewaltig Glück bei dieser Kollision – der eine Gegner ca. 30km/h schnell, der andere 60km/h. Keine Sorge: ICH war’s, die 60km/h drauf gehabt habe. Wäre der Geländewagen so ein Tempo gefahren, dann gäb’s mich vielleicht nicht mehr. Auch wäre wohl einer der Obstbäume der Wiese, in die ich dann flog, ein ziemliches Problem gewesen. Indes, ich verfehlte sie alle und es brach auch nur ein Stück Knochen raus, an dem das Innenband am Knie hing. Zusammengeschraubt, Sommerferien in Gips, Urlaub passé – aber immer noch SEHR glimpflich!

Seit dem bin ich fast nicht mehr Rad gefahren. Ich war damals 17, habe es im darauffolgenden Herbst und dem Sommer des Jahres drauf nochmal versucht, aber die Angst war immer dabei. Also stellte ich das Radfahren ein.

In den vergangenen Wochen nun hat sich mein Schwiegervater ein E-Bike gekauft und sein altes Fahrrad an mich verschenkt. Kein Rennrad, ein Mountainbike mit Federung und allem drum und dran. Bestimmt besser für mich, die ich darauf sehr unsicher sein würde, sagte ich mir. Heute endlich habe ich mich mal darauf gewagt.

Man verlernt es nicht? Hmm … aber es ist verdammt nah dran am verlernt Haben! Besonders schwer war das Anfahren – das Vertrauen in die stabilisierende Wirkung der sich drehenden Räder in Verbindung mit den kleinen Lenkbewegungen am Vorderrad ist einfach nicht mehr da. Es ist auch schwer, dieses Vertrauen zu haben, wenn man von der stabilisierenden Kraft noch nichts spürt, weil die Räder stillstehen, aber man sich darauf verlassen soll. Anfahren war sauschwer, alle fünf Male, die ich es heute im langsamen Dunkelwerden bei uns vor dem Haus probiert habe.

Vielleicht geht es morgen nochmal raus auf den Parkplatz vor der Festhalle, um ein bisschen auf einem Rundkurs und mit weniger Gefahr durch Autos ringsum zu probieren, was geht. Aber ich denke, früher oder später werde ich es wieder können. Es ist nur nicht ganz einfach, wieder reinzukommen. Aber der erste Schritt – oder der erste Tritt, wenn man so will – ist getan. Ich werde wieder Fahrradfahren. So trivial das all denen erscheinen mag, die damit nicht 20 Jahre lang aufgehört hatten: Es ist schwer. Und ich bin verdammt stolz darauf, dass ich es wieder probiert und nicht beim ersten Versuch wieder gekniffen habe.

Mir wurde heimgeleuchtet

Heute ging’s nach der Arbeit per Bahn nach Durmersheim Nord, von dort zu Fuß – laufend – ins Fitnessstudio nach Au am Rhein. Dort traf ich mich mit meinem Mann, wir trainierten so ungefähr 45-55 Minuten und dann ging es heim … aber es war stockdunkel. So richtig, richtig stockdunkel.

Unter normalen Umständen wäre ich dann Richtung Würmersheim, dann auf den Radweg nach Durmersheim und durch Durmersheim, den beleuchteten Radweg nach Bietigheim und dann auf heimischen Straßen nach Hause gelaufen. Kurzer Exkurs: Drei Orte auf „-heim“ und dann „heimische Straßen“! Ich musste gerade über diese unbeabsichtigte Pointe lachen!

Die oben genannte Strecke ist allerdings länger als der direkte Weg durch den recht dichten, unbeleuchteten Wald. Mein Mann allerdings war mit dem Fahrrad da, und er hat eine Leuchte am Fahrrad. Wir trieben diverse Scherze mit dem „heimleuchten“ und dass er „meine Leuchte“ sei. Eigentlich ist er nicht nur das Licht meines Laufes nach Hause, sondern auch das meines Lebens. Aber für den Moment war erstmal wichtig, im Wald was zu sehen. Es ist schon krass, wenn man in so einem Lichtkegel mit ungewissem Dunkel drumherum durch den Wald rennt, ein auf dem Lenker wackelndes Licht als einzige Hilfe, den Weg zu finden und nicht zu stolpern. Aber es war toll und machte Spaß.

Mir wurde heimgeleuchtet. Und ich fand’s gut!

E-Scooter und Pedelecs / Fahrräder

Es ist noch nicht lange her (zumindest gefühlt), da gab es hier auf dem Blog in den Kommentaren eine kleine Diskussion, wer mit Fahrrädern auf Gehwegen fahren darf und wer nicht. Außerdem hört man immer wieder, dass die blöden Fahrradfahrer doch den Fahrradweg benutzen sollen, wenn er schon da ist, und nicht auf der Fahrbahn fahren sollen (unter anderen hat mich das immer aufgeregt). Aber wie ist das? Müssen Fahrradfahrer den Fahrradweg benutzen? Auch wurde mir mal von jemandem gesagt, dass Motorroller ja eigentlich auf Fahrradwegen fahren dürfen. Aber stimmt das? Ich muss gestehen – ich wusste es in diesen Moment leider nicht.

Jetzt kommt seit Juni noch eine weitere Komponente hinzu. Die sogenannten E-Scooter sind jetzt unterwegs. Aber wo dürfen bzw. müssen diese denn fahren? Fahrbahn? Radweg? Gehweg?

Da habe ich im auf der Seite vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur – kurz BMVI – eine nette Grafik gefunden. Aber zuvor etwas Irritation von meiner Seite aus: was hat Verkehr mit digitaler Infrastruktur zu tun? Warum wurde das so zusammengelegt? Das hört sich für mich nach reinem Schwachsinn an und jedes der beiden hätte ein eigenes Ministerium verdient. Wie kann es sein, dass Fördergelder, die für den Aufbau der Games-Branche (auch das ist digitale Infrastruktur) für 2020 nicht mehr gezahlt werden sollen – obwohl es im Koalitionsvertrag steht? Und als Begründung wird die geplatzte PKW-Maut gesagt. Deren Geld hätte doch eigentlich in Verkehr (Instandhaltung der Straßen und Co.) fließen sollen – aber da die digitale Infrastruktur mit zu dem Ministerium gehört… nun ja… sind die Fördergelder für sowas wohl von Verkehrseinkünften abhängig. Aber genug aufgeregt. Um dieses Thema geht es hier ja eigentlich auch gar nicht.

So als erstes ist hier einmal die Grafik:

BMVI

Zu finden ist diese Grafik hier:

https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/K/elektrokleinstfahrzeuge-zulassung.html

Hier sieht man eigentlich sehr schön, wer wo fahren darf, insbesondere ab welchem Alter. Bleiben wir kurz beim E-Scooter, hier auch schön „Elektrokleinstfahrzeug mit Lenkstange“ genannt. In der Grafik sieht man, dass man dieses Gefährt erst ab 14 Jahren benutzen darf. Außerdem dürfen sie nicht schneller als 20km/h fahren. Und sie dürfen auf Radwegen benutzt werden. Falls keine vorhanden sind, müssen sie auf die Fahrbahn; Also genau wie ein Fahrrad / Pedelec. Auf Gehwegen haben sie überhaupt nichts zu suchen!

Wie sieht es bei den Motorrollern aus? Laut dieser Grafik heißt es, dass diese nur auf der Fahrbahn fahren dürfen. Das stimmt allerdings so nicht. Hier verschweigt die Abbildung etwas: Dass Mofas nur die Fahrbahn benutzen dürfen, gilt nämlich nur innerorts. Also wenn es innerhalb eines Ortes einen Radweg gibt, so dürfen ihn Mofafahrer nicht benutzen. Außerhalb eines Ortes jedoch dürfen sie und auch E-Bikes (sogenannten S-Pedelecs) Radwege benutzen. So steht es in der Straßenverkehrs-Ordnung.

§ 2 Abs. 4 StVO

Mit Fahrrädern muss einzeln hintereinander gefahren werden; nebeneinander darf nur gefahren werden, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird. Eine Pflicht, Radwege in der jeweiligen Fahrtrichtung zu benutzen, besteht nur, wenn dies durch Zeichen 237, 240 oder 241 angeordnet ist. Rechte Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen benutzt werden. Linke Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen nur benutzt werden, wenn dies durch das allein stehende Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ angezeigt ist. Wer mit dem Rad fährt, darf ferner rechte Seitenstreifen benutzen, wenn keine Radwege vorhanden sind und zu Fuß Gehende nicht behindert werden. Außerhalb geschlossener Ortschaften darf man mit Mofas und E-Bikes Radwege benutzen.

Hier in diesen Abschnitt steht auch noch etwas anderes. Was ich mich oben gefragt habe: müssen Radfahrer denn Radwege benutzen oder nicht? Wenn es also einen Radweg gibt, der aber nicht gekennzeichnet ist – dann dürfen Radfahrer ihn getrost ignorieren oder benutzen; es bleibt dem Radfahrer überlassen. Bei Radwegen auf der linken und rechten Seite muss aber die rechte Seite benutzt werden; es sei den ein Schild sagt, dass man auch den linken Radweg benutzen darf.

Anders sieht es aus, wenn der Radweg mit den Zeichen 237, 240 oder 241 gekennzeichnet ist. Dann müssen Radfahrer den Radweg benutzen. Fahren sie auf der Fahrbahn machen, so sie sich strafbar. Da wahrscheinlich niemand was mit der Nummer Bezeichnung anfangen kann – hier mal die Zeichen und wie sie aussehen.

2000px-Zeichen_241-30_-_getrennter_Rad-_und_Fußweg,_StVO_1992

Der unterschied zwischen 240 und 241 ist übrigens, dass man bei ersterem einen Weg zusammen teilt und bei 241 es zwei getrennte Wege gibt.

Kommen wir zu Kindern auf dem Gehweg. Hier in der Grafik sieht man, dass Kinder, die jünger oder 7 Jahre alt sind, auf dem Gehweg fahren müssen, Kinder mit bis zu neun Jahren dürfen auf dem Gehweg fahren. Lange Zeit war es so, dass es hieß, dass sie auf dem Gehweg fahren müssen, auch wenn ein Fahrradweg vorhanden ist. Das ist mittlerweile nicht mehr so. Sollte ein Fahrradweg vorhanden sein, dann darf dieser auch gerne von Kindern unter 7 benutzt werden. Zu den komischen Regeln hat auch gehört, dass erst seit 2016 eine Begleitperson mit auf den Gehweg fahren darf, um das Kind zu begleiten. Vorher durfte dies niemand. Und da ist es auch schon zu echt seltsamen Vorfällen bekommen.

So ist die Mutter des Kindes regulär auf der rechten Straßenseite gefahren und das Kind links auf den Gehweg. Rechts gab es keinen Gehweg. Damals war das alles so gesetzlich geregelt. Also alles nach Vorschrift. Oder doch nicht? Nein – denn es ist etwas passiert und die Mutter hat die Schuld bekommen, weil sie ihre Aufsichtspflicht verletzt habe. Aber um diese einzuhalten, hätte sie die STvO verletzen müssen. Egal wie – wahrscheinlich hätte man ihr beides zur Last gelegt.

Wer über diesen Fall nachlesen will, der kann dies gerne hier tun:

https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=311%20C%20734/04

Aber zum Glück ist das jetzt nicht mehr der Fall. Eine (nur eine!) Aufsichtsperson (ab 16 Jahren) darf nun als Begleitperson auf den Gehweg mitfahren. Aber es ist schon erstaunlich, dass solch eine Regelung erst ab 2016 gekommen ist. Das ist im Grunde noch nicht so lange her.

Hier übrigens noch der Auszug aus dem StVO:

§ 2 Abs. 5 StVO

Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen, Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen. Ist ein baulich von der Fahrbahn getrennter Radweg vorhanden, so dürfen abweichend von Satz 1 Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr auch diesen Radweg benutzen. Soweit ein Kind bis zum vollendeten achten Lebensjahr von einer geeigneten Aufsichtsperson begleitet wird, darf diese Aufsichtsperson für die Dauer der Begleitung den Gehweg ebenfalls mit dem Fahrrad benutzen; eine Aufsichtsperson ist insbesondere geeignet, wenn diese mindestens 16 Jahre alt ist. Auf zu Fuß Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen. Der Fußgängerverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Soweit erforderlich, muss die Geschwindigkeit an den Fußgängerverkehr angepasst werden. Vor dem Überqueren einer Fahrbahn müssen die Kinder und die diese begleitende Aufsichtsperson absteigen.

Und mit soviel Rechtslage mache ich erst mal Schluss. Jedenfalls recht interessant das ganze und wie es sich entwickelt. Genau wie dieser Text, in dem ich eigentlich nur über den E-Scooter reden wollte, und was man mit ihm darf oder nicht darf.

In diesem Sinne, eine fröhliche Fahrt oder Lauf mit egal welchen Fahrzeug oder Beine!