Das Sportjahr 2020

Es ist Silvester, der letzte Tag des Jahres. Es war ein Schaltjahr, mit 366 Tagen einen Tag mehr für Sport als andere, aber mit der Covid-19-Pandemie auch ein Jahr mit erheblich weniger Wettkämpfen als andere Jahre. Deswegen beginne ich mit der Wettkampfsaison:

Wettkämpfe

Das kurze Kapitel. Ein echter Wettkampf, ein doppelt virtueller Lauf, das war’s. Der einzige echte Wettkampf, den ich dieses Jahr gelaufen bin, war der Zwanziger bei der 38. Winterlaufserie in Rheinzabern am 9. Februar 2020. Mit 1:22:49 habe ich dabei allerdings meine persönliche Bestleistung für 20 Kilometer von 1:27:30 im Februar 2019 um fast fünf Minuten verbessert. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass ich ein absurdes Feuerwerk neuer Bestmarken über das Jahr 2019 hinweg abgebrannt hatte, aber keine neuen Zwanziger gelaufen war. Eigentlich wollte ich ja auch eine neue Bestmarke für 15 Kilometer aufstellen, aber obwohl der Fünfzehner der Winterlaufserie im Januar regulär stattgefunden hatte, war ich nicht dabei – ich war nämlich in der Rekonvaleszenz von einer Erkältung, und da läuft man keine Wettkämpfe.

Die doppelt virtuelle Teilnahme am Campus Run der Uni Stuttgart war dann im September. In der Woche bis zum 27.09. konnte man seine Ergebnisse einreichen, ich lief meinen Beitrag am 26.09.2020. Einreichen konnte ich allerdings nur außer Konkurrenz – der Hochschulsport der Uni Stuttgart hatte verständlicherweise bei dem neuen virtuellen Konzept keine Erfahrung, wie viel Aufwand das würde, und bot die „echte“ Teilnahme am virtuellen Lauf nur für Mitarbeiter und Studenten der Uni an. Das bin ich aber seit 2018 nicht mehr. Da ich aber schon einmal den Zwölfer dort gewonnen und ansonsten an jeder Austragung so viel wie möglich teilgenommen habe, bot man mir an, meine Ergebnisse „außer Konkurrenz“ einzureichen und meldete mir zurück, wie ich platziert gewesen wäre, bevor die Ergebnisse veröffentlicht wurden. Ich trug zu diesem Wettkampf in virtueller Form mein neues Personal Best auf zehn Kilometern bei: 38:41, eine Verbesserung von exakt einer Minute verglichen mit den 39:41 bei der Winterlaufserie in Rheinzabern am dritten Advent 2019.

Am Ende standen da also ein echter und ein doppelt virtueller Wettkampf – aber zwei neue persönliche Bestleistungen. Kann sich sehen lassen, wenn man die Umstände bedenkt.

Laufen

Das Laufjahr 2020 hatte mir Rückschlägen zu kämpfen, auch ganz ohne Wettkämpfe. Beim Silvesterlauf in Rheinstetten am 31.12.2019 strengte ich mich an – und forcierte damit unbewusst die noch nicht offenbar gewordene, aber doch schon geschehene Ansteckung mit der Erkältung meines Mannes. Das kostete mich etliches Training im Januar. Kaum war ich wieder richtig gut drauf, übernahm ich mich im März mit der neuen Kombination aus Radfahren und Laufen – und laborierte den gesamten April und große Teile des Mais mit Zerrungen der Zehenstrecker im rechten Schienbein. Dennoch lässt sich das Ergebnis sehen, auch dank aktiver Mittagspausen auf dem heimischen Laufband im Homeoffice-Dezember:

Nach den üblichen mittleren 12-16 Kilometern Strecke pro Lauf und ungefähr 5:30 pro Kilometer mittlerem Tempo brachen meine Leistungen mit der April-Verletzung natürlich ein. Im Juni wurde es wieder – und das viele Cardio-Training (Laufen UND Radfahren) zahlte sich sichtbar aus: Ich wurde ausdauernder und der Puls bei gleichem Tempo sank, genau wie der Ruhepuls. Dies ist in den unteren beiden Diagrammen des obigen Blocks zu sehen. Dazu kam ab Juni hinzu, dass ich mir wieder einen Pulsgurt für genauere Herzfrequenzmessung insbesondere auch auf dem Rennrad kaufte, da die geringere Durchblutung durch kühlen Fahrtwind und die Handhaltung die Messung mit der Fénix am Handgelenk auf dem Rennrad sehr unzuverlässig machten. Ein Vorzug war auch, dass beim Laufen nun teils die Laktatschwelle durch die Fénix ausgerechnet wurde – das kann sie nur mit externer Pulsmessung, da der Handgelenksmessalgorithmus nicht genau genug ist. Die abgeschätzte Pace meiner Laktatschwelle und die Umrechnung von Puls und Pace der Schwelle in meinen „Streckenpuls“-Schätzer „Herzschläge pro 100m Laufstrecke“ sind in pink in den Plots eingefügt.

Besonders im zweiten Halbjahr mehrten sich bei mir dann einerseits die langen Strecken – ich bin zwischen August und Dezember insgesamt fünfmal Marathon oder mehr gelaufen, alles im Training – sowie die Kombinationstrainings. Oft war’s die Fahrt mit dem Rad nach Waldprechtsweier, der Lauf auf den Mahlberg und die Fahrt zurück, noch häufiger allerdings ein bewusstes Duathlon-Training aus Lauf, Radfahrt und Lauf mit Wechsel in der heimischen Garage. Das ist im Kuchendiagramm der Trainingsformen oben links im folgenden Block und auch in den Quantilen meiner Laufstrecken deutlich zu sehen – 243 Kilometer Multisport (Laufanteil) und in August, Oktober und Dezember jeweils maximal über 42 Kilometer sowie hohe Anteile bei hohen Umfängen.

Unten ist zu sehen, dass ich auf bewährtes Schuhwerk gesetzt habe: Altra Escalante machen zwischen einem Drittel und der Hälfte meiner Kilometer aus, Fivefingers ein Viertel und weitere jeweils mehr als zehn Prozenz die Waveshadows und die Trailschuhe von Saucony. Das Tempoband ist weitgehend konstant, seit die Verletzungen überwunden sind.

Radfahren

2020 war das Jahr, in dem ich das Radfahren wieder anfing. Wobei, völlig richtig ist das nicht. Meine „wiedergeborene Radfahr-Karriere“ begann am 01.12.2019, als ich mich das erste Mal wieder auf ein Fahrrad setzte – im vorliegenden Falle das abgelegte Mountainbike meines Schwiegervaters. 2020 begann ich allerdings, auch längere Strecken zu fahren, benutzte bereits vor den ersten Auswirkungen der Corona-Pandemie in Deutschland erstmals das Rad für den Arbeitsweg und kaufte mir im Juni ein Rennrad. Da ich aber lediglich 55,25 Kilometer im Dezember 2019 gefahren bin, kann das Jahr 2020 in guter Näherung als erstes Jahr meiner neuen Radfahrerei gelten. In Summe fuhr ich in knappen 340 Stunden knappe 7670 Kilometer.

Den Großteil dieser Strecke verbrachte ich auf Arbeitswegen oder mit der Arbeit verbundenen Wegen – zum Beispiel Dienstreisen per Rad. Die restlichen vier Sechzehntel verteilten sich auf etwa drei Sechzehntel sonstige Radtouren und ein Sechzehntel Trainings, in denen ich in irgendeiner Weise Radfahren und Laufen miteinander kombinierte – meist in Form des Duathlon-Formats (Laufen-Radfahren-Laufen), oft auch mit Transferfahrten per Rad zum Startpunkt von Läufen und dann wieder zurück nach Hause. Das im Juni gekaufte Rennrad überholte bereits im Oktober das Mountainbike an Kilometern, dazu kamen noch etwa 50 Kilometer Touren im Urlaub an der Nordsee – auf einem Leihrad. Auf dem Leihrad kamen, da wir am Meer in Ostfriesland waren, kaum Höhenmeter zusammen, und trotz der auch eher flachen Rheinebene, in der ich die meisten meiner Strecken gefahren bin, ergaben sich auch insgesamt über 18.000 Höhenmeter. Die meisten Kilometer und auch die meisten Höhenmeter habe ich im September erradelt. Das hing auch damit zusammen, dass nicht nur das Wetter gut war, sondern sich auch eine Dienstreise per Rad ankündigte, die – nun, dann doch nicht ganz per Rad stattfand: Ich wollte von uns zuhause über Freiolsheim zu einem Vortragstag nach Bad Herrenalb radeln. Beim ersten Versuch scheiterte ich an dem Anstieg und mit schwerem Rucksack wäre das nichts gewesen. In der Folge fuhr ich aber im September etliche Hügel, um ein bisschen zu trainieren, und den Rückweg von Bad Herrenalb fuhr ich dann auch über Bernbach, Moosbronn und Freiolsheim – mit schwerem Rucksack. Das Duell mit dem steilen und langen Berg von der Westseite nach Freiolsheim steht aber noch aus, kommendes Jahr gehe ich das mal an.

Im Oktober und November gingen die Radfahrleistungen wetterbedingt wieder runter, im Dezember fielen durch Homeoffice auch die Arbeitswege weitgehend weg.

Das Tempo zog beim Radeln deutlich an – auch in Zeiten vor dem Rennrad merkte ich, dass die Kondition für die Radfahrmuskeln und auch deren Kraft erheblich hochging, auch die Technik wurde besser. Was recht deutlich zu sehen ist, ist der „Rennrad-Knick“: Mit Kauf des Rennrads und der deutlich wachsenden Streckenanteile auf dem Rennrad ging die zuvor aufgebaute mittlere Trittfrequenz wieder massiv nach unten. Das liegt daran, dass es auf dem Rennrad so unglaublich leicht ging… aber im Laufe der Zeit wurde es wieder besser. Da als lila Kurve die mittlere Trittfrequenz angegeben ist, bei der auch Rollphasen dabei sind, in denen ich nicht trete, ist die reale Trittfrequenz bei Belastung etwas höher – ich komme in den letzten Monaten recht gut auf zuverlässig über 80 rpm. Dass bei kälteren Außentemperaturen die Herzfrequenz auf dem Rad etwas hochgeht, da der Körper auch mit Warmbleiben zu tun hat, ist auch klar. Ebenfalls deutlich sieht man, dass meine Radfahrzeit durch die Arbeitsfahrten dominiert ist: etwa eine Stunde, inzwischen ein bisschen weniger, fahre ich von zuhause zum Büro und ebenso zurück.

Was sonst noch so war

Ich habe mir 2020 ein Balance-Board gekauft und zeitweise im Büro den größten Teil meiner Arbeitszeit darauf verbracht. Inzwischen ist das etwas weniger, aber ich nutze es immer noch. Ebenso habe ich mich mit einem Diagramm zum Dehnen motiviert, denn ich dehne zu wenig – und Diagramme motivieren mich. Auch hier gibt es Schwankungen, da direkt nach Erstellen des Diagramms die Motivation enorm hoch war – aber nun stabilisiert sich das auf einem Niveau, das sicher ausbaufähig ist, aber mehr als zuvor. Gleiches gilt für Eigengewichtsübungen, die mir das Fitnessstudio ersetzen.

Das Schwimmen wäre im Jahr 2020 mit Corona ein logistischer Aufwand gewesen, den ich so nicht treiben wollte. Sicher, es wäre gegangen! Die Schwimmbäder und Badeseen waren offen. Aber man musste länger vorplanen, und irgendwie habe ich das nicht auf die Reihe bekommen. Daher habe ich das Schwimmen im Gegensatz zu meiner Absicht im Jahr 2020 nicht wieder angefangen. Vielleicht kommt das 2021. Allerdings habe ich eine andere Sache angefangen, wieder im Dezember, wie das Radfahren im Jahr 2019: Das Inline-Skaten. Noch ist es nicht viel, noch bin ich sehr unsicher, aber ich denke, das wird sich entwickeln. Diagramme gibt’s bei viermal Skaten, alle Ende Dezember, nun noch nicht, aber vorbereitet sind sie.

Gesamtleistung

Das Jahr war geprägt vom neuen Wettkampf der „Läuferin“ gegen die „Radlerin“, wer mehr Kilometer absolviert. Den Januar und Februar konnte die Läuferin noch knapp für sich entscheiden, doch dann reüssierte die Radlerin regelmäßig. Durch das Wetter und die Homeoffice-Offensive konnte jedoch die Läuferin im Dezember noch einmal punkten, wie in der Abbildung oben links im Block hierunter zu sehen ist. Im Gesamtjahr waren es, wie weiter oben schon geschrieben, 7670 Radkilometer und 3700 Laufkilometer. Das ist ein ziemlicher Haufen. Gesamtzeit bei Ausdauersportarten waren 677 Stunden – also rund 1:51 pro Tag, was auch bedeutet, dass ich im Jahr 2020 rund 7,7 % meiner gesamten Lebenszeit mit den Ausdauersportarten Laufen (im Freien und auf dem Band), Radfahren und Inlineskaten verbracht habe. Wie sich das auf die einzelnen Disziplinen verteilt, ist im Kuchendiagramm rechts oben im folgenden Diagrammblock zu sehen.

Im Diagramm unten rechts ist zu sehen, dass jeden Monat 2020 das Radfahren bei einem geringeren mittleren Puls lag als das Laufen. Der mittlere Puls über alle Cardio-Aktivitäten bleibt deutlich hinter meiner Vorgabe zurück, die allerdings auf 70 % der „Pulsreserve“ basiert, nicht den üblichen Prozenten der maximalen Herzfrequenz – das habe ich aus Gewohnheitsgründen auch so gelassen. Zugleich habe ich – basierend auf einer Maximalpulsmessung – mal meine Trainingsbereiche ausgerechnet und meine Aktivitäten eingeordnet. Der Löwenanteil war Grundlagenausdauer 1, wie es sein soll. Im Kommenden Jahr darf gerne öfter mal etwas Entwicklunsbereich im Intervalltraining dabei sein, aber dieses Jahr war da recht wenig dabei. Beides ist in den unteren Diagrammen des Blocks hierüber zu sehen.

Zu guter letzt sind da noch Körperdaten und Energieverbrauch. Meinen Energieverbrauch bei Cardio-Aktivitäten schätze ich weiterhin in Anteilen des Grundumsatzes ab – nie unter 43 % im Jahr 2020! – und die Sportstunden waren auch viele in jedem Monat, aber das ist ja schon durch im Mittel 1:51 pro Tag gesetzt. Eine neue Messbarkeit lieferte im Mai die neue Waage – mit Fettanteilmessung mittels Elektroden an Händen und Füßen sowie neuen Abschätzungen wie der Muskelmasse kam hier ein entscheidender Übergang zustande. Allerdings blieb das Ergebnis der neuen Waage über die Monate weitgehend konstant, was ich angenehm finde – denn an Fett und Gesamtgewicht abnehmen, das täte mir nicht mehr gut, da bin ich auf einem guten Level, finde ich.

Und so bleibt mir, auf ein 2021 zu hoffen, in dem ich die in 2020 erworbene Form erhalte und in Wettkämpfen umsetzen kann, auf ein 2021, in dem Schwimmen und Skaten als Ausgleichssportarten etabliert werden und so Muskelgruppen mit trainieren, die das Laufen noch effizienter machen. Außerdem hoffe ich, ganz konkret, 2021 dem Ziel näher zu kommen, einen Marathon in Richtung oder gar unter der Dreistundenmarke zu schaffen – und die beiden steilen Westauffahrten nach Freiolsheim mit dem Rennrad in mir genehmem Tempo zu bezwingen.

Es gibt viel zu tun. Lassen wir’s sein – äh, nein, packen wir’s an, natürlich!

[KuK] Wie ein Weihnachtsbaum

Ich hatte ja schon einmal geschrieben, dass ich neben meinem Garmin Edge 830 Fahrradcomputer, den ich bei Eiswürfel im Schuh gewonnen habe, auch ein Garmin Varia RTL 511 Rücklicht mit Radar verwende. Das diente mir über lange Zeit vor allem für die verbesserte Übersicht – ich wurde einfach früher vor von hinten kommenden Objekten (Autos, andere Radfahrer, Motorräder – E-Scooter eher selten, die sind langsamer als ich) gewarnt. Nun im Winter… ist Licht wichtig.

Und so besitze ich zwar weiterhin meine etwas „funzeligen“ günstigen, dennoch StVZO-konformen Frontlichter… habe aber insgesamt beim Licht aufgerüstet. In winterlich neblig-dunklen Fahrgefilden nutze ich derzeit:

  • Rücklicht: Garmin Varia RTL 511 (wie oben geschrieben), an der Sattelstütze
  • Rücklicht: Sigma Blaze mit Bremslichtfunktion, rechts an der Hinterradgabel
  • Rückwärtige Beleuchtung: Günstiges LED-Rotlicht am Rucksack
  • Rückwärtige Beleuchtung: Kleine LED-Leuchte hinten im Helm
  • Frontlicht: Günstiges LED-Frontlicht für Sichtbarkeit am Lenker
  • Frontlicht: Garmin Varia UT 800 als Helmlampe
  • „Positionsleuchte“: Reflektorbänder mit der Möglichkeit, sie mit LED zu beleuchten, um die Ellbogen, damit man meine Richtungsanzeigen sieht

Geplant ist, entweder statt der Helmlampe oder ergänzend zur Helmlampe dieselbe oder eine weitere Varia UT 800 am Lenker zu verwenden, statt des günstigen Frontlichts.

Es ist inzwischen also schwer, mich zu übersehen. Bei 21 Kilometer Fahrt zum Büro – wenn ich Bürotage und kein Homeoffice habe – und das meist teilweise oder ganz im Dunkeln und an manchen Stellen gezwungenermaßen auf Straßen statt auf Radwegen ist das auch ein Sicherheitsaspekt. Wenn man außerdem ordentlich voraus sieht, kann man auch im Dunkeln schneller fahren.

Früher oder später, wenn ich ein paar weitere Erfahrungen insbesondere mit dem Garmin Lichtnetzwerk und der Varia UT800 gesammelt habe, werde ich wohl mal über die Maschinchen berichten.

Daten-Daten-Daten

Dass ich ein Daten- und Statistik-Nerd bin, ist den Lesern dieses Blogs wohl hinreichend bekannt. Nun habe ich mich – gerade, da ich mich mit dem Trainingsbereich-Abkürzungswahn überworfen und ein „Dagegen!“-Schild hochgehalten habe, doch nochmal mit den Abkürzungen befasst. Eine Sache ist mir zumindest aufgefallen, die ich mir mal anschauen wollte. Es geht dabei um die Pulsbereiche. Wenn ich mein Lauftraining in „Regenerationslauf“, „Dauerlauf“, „Tempodauerlauf“, „Intervalltraining“, „Wettkampf“ und „Spezialtraining“ unterteile, dann geht das recht stark nach Gefühl und teils auch Anlass. Dennoch arbeite ich mich immer wieder an der Trainingslehre ab und gucke, dass ich zumindest nicht wesentlich von einem halbwegs sinnvollen Training abweiche. Das war der kompliziertere Teil, auf den ich nach dem einfacheren nochmal zurückkomme. Denn ich habe nicht nur EIN neues Diagramm gebaut, sondern gleich ZWEI!

Zeit bei Sportarten

Das war im Verhältnis simpel. Aus meiner Excel-Datei kann ich recht einfach extrahieren, mit welcher Sportart ich wie viele Stunden verbracht habe. Das ist simpel, es funktioniert gut und es steckt auch keine statistische Magie, es stecken keine Tricks drin.

Bei verschiedenen Sportarten im Jahr 2020 verbrachte Zeit.

Man sieht: Geschwommen bin ich nicht, auch wenn ich meine Datei dafür fit gemacht habe. In Zeiten von Corona war der logistische Aufwand dann doch zu groß, zumal ich das Radfahren schon wieder neu in den Alltag integrieren musste. Die Quelle von „Sonstigem“ aus dem letzten Jahr, nämlich die Wanderung beim Betriebsausflug des Regierungspräsidiums, fiel dieses Jahr auch wegen der Pandemie aus. Vielleicht kommt bald doch wieder eine „Sonstiges“-Aktivität dazu (neben der durchaus nicht ausgeschlossenen Möglichkeit, dass ich mal an sich wieder wandern gehe), aber dazu sage ich erst was, wenn ich es probiert habe. Ein wenig bestürzt hat mich allerdings schon, dass Radfahren MEHR Zeit in Anspruch genommen hat im ablaufenden Jahr als das Laufen! Mal sehen, ob ich das bis Silvester noch rumreißen kann, denn eigentlich bin ich vor allem Läuferin.

Zeit in Trainingsbereichen

Da ich beim Laufen einen Hybriden aus empfundener Belastung und Anlass als „Trainingsform“ angebe, beim Radfahren sogar nur den Anlass („Arbeitsweg“, „Alternativtraining“, „Multisport“), also ganz andere Einordnungen als beim Laufen verwende, interessierte mich mal, wie sich mein Sport über verschiedene Trainingsbereiche verteilt. Dafür benutzte ich die (Pulsbereichs-)Definitionen aus dem Ausdauersport: Regeneration (bis 60% der maximalen Herzfrequenz), Grundlagenausdauer 1 (60-75%), Grundlagenausdauer 2 (75-85%), Entwicklungsbereich (85-95%) und Spitzenbereich (mehr als 95% der maximalen Herzfrequenz). Ich setzte meine experimentell ermittelte maximale Herzfrequenz (aus einem steigernden Tempolauf) ein und erhielt die Bereiche.

Nun stand ich aber vor einem Problem! Bei Intervalltrainings zeichne ich üblicherweise ab zuhause auf – Einlaufen, Belastungsphasen, Erholungsintervalle, Auslaufen in einer Aktivität. Die mittlere Herzfrequenz dieser Aktivität sagt natürlich gar nichts darüber aus, wie die Belastungsverteilung war. Also schaute ich mir einige meiner aufgezeichneten Intervalltrainings an… und stellte fest: Wenn ich das Einlaufen, die erholenden Trabrunden im Stadion und das Auslaufen mit dazu nahm, verbrachte ich ca. 65% der aufgezeichneten Aktivität im ruhigen Bereich, die restlichen 35% stellten das belastungsintensive Feuerwerk hoher Intensität dar. Diese Phasen hatten dann ca. 20 bis 30 Schläge in der Minute mehr als der Durchschnitt der Aktivität. Also splittete ich für die Erstellung des Diagramms meine Intervalltrainings in 35% der Zeit bei 25 Schlägen in der Minute mehr als der Aktivitätsdurchschnitt und 65% bei 13,3 Schlägen in der Minute weniger auf und sortierte diese Bruchstücke in die Pulsbereiche ein – e voilà:

Meine Trainingsbereichverteilung – alle Sportarten – im Jahr 2020.

Viele Intervalle bin ich dieses Jahr nicht gelaufen, und nur einen Wettkampf. Da das aber ein 20er war, war ich aber nicht im Spitzenbereich. Beim Zehner mit neuem Rekord habe ich den Spitzenbereich aber nur knapp verfehlt. Mein Gefühl, dass ich 2020 viel für die lange Langstrecke (also für den Marathon und die Grundlagenausdauer) getan habe und wenig für’s superschnelle Tempo, sehe ich hier also bestätigt. Radfahren hat auch den grünen Bereich GA1 weiter verstärkt. Nun schauen wir mal, wie das dann 2021 wird. Vielleicht kommen dann ja auch noch das Schwimmen und der oben angesprochene weitere Versuch hinzu.

Der Lauf-AKW und mein „Dagegen“

Wenn Leute von ihren Läufen schreiben, steht da oft sowas wie „RDL“, „LDL“, „ADL“, „TDL“ oder „HIIT“. Ich weiß inzwischen freilich so halbwegs, was das bedeuten soll – muss aber eingestehen, dass die Abkürzung aus dem Trainingsplan, nach dem der Läufer oder die Läuferin läuft, für mich eigentlich nicht unbedingt aussagekräftig ist. Tatsächlich ist mir bei all den Dauerläufen „irgendwas-DL“ meist nicht ganz klar, welcher Pulsbereich gemeint ist – und in dem Falle kann die Person gerne auch die Abkürzung weglassen.

Dieser Abkürzungswahn („AKW“) ist nicht schlimm. Schließlich muss ich ja nicht lesen, wenn die Leute auf Facebook oder Strava ihre Läufe dergleichen benennen, sondern kann mich einfach über den geposteten Lauf freuen und ein motivierendes „Like“ dort lassen. Dennoch finde ich es irgendwie irritierend und es ist nicht meine Sprache, wenn jemand (ich oder weranders) eine für andere nicht aussagekräftige Abkürzung über die Trainingsart in einen Post reinpackt, der merklich eher zum Vorzeigen oder Motivation Abholen gedacht ist denn als Trainingstagebuch. Da passt dann ein Bild oder ein ausgeschriebenes Adjektiv in meinen Augen viel besser. Aber das bin nur ich…

Da ich aber für mich schon eine nicht ganz unwichtige Person bin, habe ich mir nun vorgenommen, die Abkürzungsgeschichte ein bisschen auf die Schippe zu nehmen. Ich bin noch nicht sicher, ob ich es den ganzen Dezember durchhalten werde, aber der Plan ist, die eigenen Läufe und Radfahrten mit ein wenig lustigen Abkürzungen zu belegen, die direkt danach erklärt werden. Ich habe bereits die folgenden:

  • LIAR – Low Intensity Athletic Recovery,
  • MIRidT – Medium Intensity Run in the Dark,
  • BAT – Band Aktivität auf Tempo und
  • NaDA – Nachmittags-Dunkelheits-Ausfahrt.

Ich bin mal gespannt, was mir über den Dezember noch so alles einfällt. Einen ADL („Ausdauerlauf“ – für mich ist ADL eher die Allianz Deutscher Länder, der Nachfolgestaat der Bundesrepublik Deutschland im Rollenspiel „ShadowRun“), LDL („Langsamer Dauerlauf“, war das nicht eher eine Cholesterinart) oder ein HIIT („Highly Intensive Intervalled Training“, von mir ganz schnöde als „Intervalltraining“ referenziert) werde ich sicher nicht so benennen – fände ich nun nicht so den HIT, wo ich dann doch erstmal in den Trainingsplänen nachlesen müsste, was verschiedene Trainingsplan-Schreiber unter der jeweiligen Bezeichnung (und Abkürzung) verstehen.

Vielleicht will ich ja auch einfach nur auf Krampf anders sein, nicht?

Fazit: Der November ist gelaufen

Wie schon gestern gesagt, ist es zur Zeit Dunkel, kalt und unsicher. Das wirkt sich natürlich auch auf mein Sportpensum aus. Wobei: Wenn ich den furiosen Oktober anlege, dann möchte ich nicht wissen, was im November ohne die Unsicherheit gegangen wäre…

Aber zur Sache: Das Jahr 2020 hatte ja für mich sportlich nicht nur die Auswirkungen der Pandemie zu bieten. Auf meinen Sport hatte die Pandemie und die dahingehenden Maßnahmen natürlich Auswirkungen – aber weniger ist es dadurch nicht geworden, nur anders. Das Fitnessstudio habe ich gar nicht besucht seit März. Auch im Sommer, als es durch relativ ruhiges Infektionsgeschehen und dahingehend gelockerte Maßnahmen gegangen wäre, habe ich die dortigen Plätze anderen Leuten überlassen. Das Radfahren zur Arbeit – statt sich mit Maske in den ÖPNV zu setzen – wurde durch die Pandemie sogar stark befeuert. Die Lauferei hingegen litt unter einer Erkältung Anfang Januar, einer lästigen, leichten Verletzung im Februar und einer ziemlich fiesen Zerrung der linken Zehenstrecker im April. Warum ich diese eigentlich ins Jahresfazit gehörenden Dinge hier zitiere? Ganz einfach: Nach dem November, mit noch einem Monat verbleibend, ist eine Zwischenbilanz bei den Jahreszielen durchaus angezeigt. Mein „Dashboard“ für die Zielerreichung habe ich allerdings erst gestern früh abfotografiert… es sieht aber super aus:

Dashboard Zielerreichung, Stand 02.12.2020 morgens.

War ich Anfang November trotz des furiosen Oktobers meinem Laufziel noch ein paar Kilometer hinterher, bin ich trotz einiger Ausfälle im November nun wieder voll im Plan, oder eher sogar: dem Plan voraus!

Insgesamt sind die Radkilometer durch Homeoffice und ekligeres Wetter im November weiter runtergegangen – und dass die 460 Kilometer vom Oktober nicht wiederholt werden würden, war auch klar. Dennoch ist der November alles andere als unsportlich verlaufen. Womit ich im Oktober und auch im November noch ein bisschen geschludert habe, waren Dehnen, Kraft- und Gleichgewichtsübungen. Mit mehr Kopfschmerzen und ein paar Warnzeichen in den Füßen erzieht mein Körper mich aber, das wieder aufzunehmen. Dennoch sieht man den Einbruch deutlich:

Im Dezember fange ich schon wieder richtig an, ein bisschen mehr zu machen – das Homeoffice kommt mir da entgegen. Im Arbeitszimmer daheim ist es einfacher, sich eine Matte für kurze Entspannung bei Kraft- oder Dehnübungen neben den Rechner zu legen als im Büro. Ebenso kommt das Homeoffice den „Multisport“-Trainings entgegen. Nach der Arbeit eine Runde Duathlon als Training zu drehen, bevor es dunkel wird, war richtig klasse. Entsprechend sieht auch die Verteilung der Kilometer im November aus:

Bei der Performance sehe ich recht deutlich, dass das Radfahren bei Kälte nicht ganz so mein Ding ist. Ich fahre teils langsamer, weil ich Glätte durch Regen, Blätter und eventuell Eis befürchte, im Dunkeln fahren ist auch nicht so prall. Daher sind die Herzschläge pro Strecke beim Radfahren nach deutlich sichtbarem Trainingseffekt über das Jahr wieder mehr geworden. Für besser Handlichkeit der Werte habe ich für’s Radfahren den Streckenpuls als „Herzschläge pro 200 Meter“ berechnet, für’s Laufen dann pro 100 Meter. Der Parameter (bzw. diese beiden Parameter) hat sich für mich ganz gut bewährt, um Tendenzen beim Trainingseffekt zu beschreiben, auch wenn es noch Optimierungsbedarf (Einfluss des Ruhepulses bzw. des Tempos, mit dem ich unterwegs bin) gibt.

Deutlich kann ich sehen, dass ich beim Laufen seit Erkältung im Januar und Verletzungen in Februar, April und Mai SEHR starke Fortschritte gemacht habe und sogar herzschlagseffizienter laufe als 2019. Beim Radeln ist auch eine deutliche Effizienzsteigerung zu sehen, aber der November bricht da wegen oben genannter Aspekte aus.

Zu guter letzt noch ein reines Laufbild: Die Quantile in Sachen Tempo und Strecke für die abgelaufenen 12 Monate. Das Tempo-Band ist mehr oder minder das gleiche mit einer leichten Tendenz zu „schneller“, die Streckenlängen steigen ebenfalls an, haben aber einen leichten Ausreißer durch drei Marathons im Oktober, wodurch ein Achtel meiner Läufe im Oktober (blaue Linie im rechten Diagramm) über 38 Kilometern lagen.

Quantile in Tempo (rechts) und Streckenlänge (links) beim Laufen.

[KuK] Grundloser Schreck

Heute war ich im Homeoffice. Mein Mann hat – für seine Arbeitszeiten recht spät – versucht, mich anzurufen. Das macht er stets, wenn er sich zum Heimfahren anschickt und ich daheim bin. Umgekehrt rufe ich meist an, wenn ich im Büro Richtung Feierabend losradle. Ich dachte mir nichts dabei – abnehmen konnte ich nicht, war gerade in einem dienstlichen Telefonat.

Dann rief er nochmal an. Ich realisierte das erst später, denn als er es versuchte, war ich kurz auf der Toilette. Es war schon mehr als anderthalb Stunden nach seinem üblichen Heimfahren. Ich versuchte, zurück zu rufen… nichts. Klingelte, aber er nahm nicht ab.

Mein Kopf zeichnete Schreckensszenarien – Unfall und er versuchte mich anzurufen, oder schlimmer noch: Unfall und jemand versuchte, mit seinem Handy bei ihm zuhause anzurufen, weil ihm was passiert sei… Panik!

Aber dann rief er munter „Hallo!“ zum Fenster rein, als er sein Rad über den Hof zur Garage fuhr. Er war spät von der Arbeit losgekommen und wollte mir sagen, dass er noch beim Radhändler vorbeiginge. Dann rief er nochmal an, dass er nun vom Radhändler Richtung zuhause aufbräche. Alles gut also! Weil alles gut war, hatte er auch nicht auf‘s Band gesprochen.

Es war also nur meine Phantasie, die mir Angst und dann den herrlichen Moment bescherte, ihn in meine Arme zu schließen!

Fazit: Der Oktober ist gelaufen

Wie jeden Monat habe ich auch diesen wieder ein Sport-Fazit zu ziehen. Leider funktioniert das Wortspiel mit „Der Oktober ist gelaufen“ ja nicht mehr ganz, da ich auch Rad fahre. Aber das macht ja nichts.

Im Oktober hat das Laufen aber tatsächlich mal wieder den größten Teil der Zeit eingenommen. Fast 41 Stunden habe ich auf Laufschuhen verbracht, etwa 37 Stunden im Oktober im Sattel. Jeweils im Schnitt mehr als eine Stunde Laufen und Radfahren pro Tag? Ja, das ist wohl so. Natürlich kann man in 37 Stunden weiter radeln als man in 41 Stunden laufen kann, und so war das auch bei mir. Die Radlerin hat die Läuferin an Kilometern mal wieder geschlagen, wie das seit März 2020 stets der Fall war.

99,6 % des aus Gewicht, Körpergröße und Alter abgeschätzten Grundumsatzes habe ich zusätzlich beim Sport verbraucht, 76:20 im Oktober beim Sport verbracht. Das ist ein Stück weniger als im September, aber immer noch der zweitintensivste Monat überhaupt – mit Abstand nach dem September und ganz knapp vor dem August. Anders als in August und September lief’s aber mit dem Balance- und Krafttraining nicht so, aber vielleicht bekomme ich das im November wieder auf die Kette.

Die Läuferin

Der Oktober 2020 war in Sachen „Laufen“ bei mir fast durchweg ein Monat der Superlative. Einzig die meisten Höhenmeter und die schnellste Geschwindigkeit überhaupt waren nicht besser als in allen früheren Monaten. Nach bisher maximal 38 Stunden und 12 Minuten (Dezember 2019) habe ich erstmals über 40 Stunden, nämlich 40:43:16 beim Laufen verbracht im Oktober 2020. In dieser Zeit habe ich mit 460,23 Kilometern 35 Kilometer mehr als im Dezember 2019 zurückgelegt. Zugleich war ich auch noch schnell – im Schnitt 5:19 pro Kilometer. Nur im Monat meines letzten Marathon-Wettkampfes, September 2019, war ich mit 5:19/km im Monatsmittel schneller. Drei Sonntagsläufe oberhalb der Marathondistanz (42,3 bis 45,0 Kilometer) sowie der „Zwanzig-Zwanzig-Modus“ mit Radfahrt zur Arbeit und Heimlaufen, umgekehrt am nächsten Tag, sorgten für eine ganz schöne Steigerung der mittleren Streckenlänge auf über 18 Kilometer!

Tempotraining im eigentlichen Sinne habe ich im Oktober allerdings nicht gemacht. Es waren ein paar Tempoläufe dabei, aber der größte Teil waren mit 74 % Dauer- oder Regenerationsläufe, weitere 11 % machten Radfahr-Lauf-Kombinationen aus, teils im Duathlon-Format (Laufen-Radeln-Laufen), teils im Format Radeln-Laufen-Radeln. Rund 76 % meiner Läufe absolvierte ich auf meinen „Dauerbrennern“ Altra Escalante und Vibram Fivefingers. Wegen miesen Wetters war ein 45er auf den Trailschuhen Saucony Peregrine dabei, die kamen auch bei einem trailigen Lauf auf den Mahlberg mit den Michaels aus dem Lauftreff zum Einsatz. Erste Tests mit dem minimaleren Escalante Racer waren auch drin, und natürlich Läufe auf den anderen Tempo-Schuhen.

Das ausgerufene Ziel für das Jahr 2020, nämlich im Mittel 10 Kilometer am Tag, ist wieder erreichbar geworden. Ich stehe am 31.10.2020 bei 3001 Kilometern, 660 Kilometer in 61 Tagen, 330 pro Monat oder auch elf Kilometer am Tag sind für mich definitiv erreichbar.

Die Radlerin

Nach furiosen 1400 Kilometern im September trat die Radlerin im Oktober etwas kürzer. Neben einem Platten am Rennrad auf dem Arbeitsweg am 16.10. und einem Sturz am 23.10. spielte dabei vor allem der Fokus auf das Laufen, Stichwort „Zwanzig-Zwanzig-Modus“, und die Aufforderung zur Nutzung des Homeoffices eine Rolle. Mit 840 Kilometern bin ich aber definitiv immer noch viel gefahren.

Erkennbar ist, dass der Arbeitsweg etwas weniger als drei Viertel der Strecken einnahm, was sich teils mit der Homeoffice-Geschichte erklärt. Dazu hatte ich den einen oder anderen Trainingsduathlon drin. Das Jahresziel von 7500 Kilometern ist mit weniger als 375 Restkilometern pro Monat (aktueller Stand: 6762 Kilometer) spielend leicht zu erfüllen.

Fazit

Ich habe ein Niveau wie vor meiner Verletzung Ende März erreicht und sollte wohl – um einen Ausfall wie in April und Mai zu verhindern – im November ein bisschen mehr Fokus auf Regeneration legen. Das nicht ganz so hochintensive Radfahrtraining sowie die vielen langen Läufe zielen im Moment eher auf einen Aufbau einer starken Grundlagenausdauer ab, die wohl eher nach „Ultra“ aussieht als nach Marathon. Allerdings ist mein Ziel, diese starke, für den Marathon eigentlich zu lange und langsame Grundlagenausdauer als Basis für das Projekt „Marathon unter drei Stunden“ zu nutzen. Es hat mir schon immer gut getan, im Training etwas mehr als die gewünschte Distanz zu laufen, auch wenn die Trainingspläne davon abraten. Vor einem potentiellen Wettkampf würde ich natürlich runterfahren. Aber in diesem Winter, der noch dazu durch die Pandemie beeinflusst ist, kann ich mich hemmungslos einem eigentlich zu langsamen Grundlagenausdauertraining widmen, das Potential für Ultra hätte – um dann, wenn absehbar ist, dass es wieder Wettkämpfe gibt, die langen Läufe „von oben“ einem Marathontrainingsplan anzunähern und dazu sorglos Tempotraining machen zu können.

Nun hoffe ich, dass zumindest keine Ausgangssperre kommt, so dass Sport im Freien, und sei es ganz ohne Lauftreff allein, zumindest noch hemmungslos zu betreiben ist.

Hingeknallt

Man möchte es nicht wahrhaben und man möchte nicht, dass es passiert. Aber Stürze gehören zum Rennradfahren. Sie sind nicht willkommen und man tut mit Vorsicht, Geschicklichkeit und Übung was man kann, um sie zu vermeiden.

Aber sie kommen vor und das ist nicht zu leugnen. Als Jugendliche hatte ich nicht nur jenen spektakulären Unfall gegen einen Geländewagen, der mir für 20 Jahre Angst vor dem Radfahren machte, sondern eben auch noch ein paar andere. Der aufregendste war, als ich von meinem Elternhaus den Berg hinunter sauste, die Kurve nicht kriegte – und nicht etwa, wie man das hätte machen können, die Straße etwas nach links versetzt hinunter rollte, um zu bremsen, sondern schnurstracks auf die Rundung der kniehohen Palisade des Gartens auf der Ecke zuraste. Die Metallgabel wurde dreißig Zentimeter nach hinten gebogen, man hörte wohl meinen Schrei, ich flog durch die Luft – und landete, wie von Armen aufgefangen, auf einer Kiefer. Dann klapperte mein Rennrad auf mich drauf. Ich wollte sofort wieder aufsteigen, aber das Lenken wäre schwierig geworden, nur Kurven wären möglich gewesen – die Gabel war so weit zurückgebogen, dass das Vorderrad nur auf einer Seite des Unterrohrs frei beweglich war, und beim Geradeausfahren im Unterrohr hätte stecken müssen.

Wie gesagt: Nicht oft, nicht erwünscht, aber Stürze gehören dazu.

Heute hat es mich wieder erwischt. Ich hatte mir eigentlich ganz gute Gedanken gemacht. Frühmorgens musste ich los, weil ich um neun einen Termin in Eggenstein-Leopoldshafen, 30 Kilometer von Zuhause, 10 Kilometer hinter Karlsruhe hatte und noch etwas im Büro in Karlsruhe holen musste. Am Ortsausgang von Durmersheim fiel mir auf, dass mein üblicher Weg entlang der B36 bei Dunkelheit und Berufsverkehr noch weniger schön ist als sonst: Nicht nur die Ampeln halten einen auf und der Verkehr auf der vierspurigen Straße neben dem Radweg nervt. Nein, zusätzlich kommt einem der nähere Verkehr entgegen. Die Lichtverhältnisse wechseln, unabhängig von der Helligkeit des Vorderlichts, zwischen „geblendet“ und „zu dunkel für die an Blenden angepassten Augen“. Der Radweg wird unsichtbar. Also fuhr ich durch Rheinstetten…

Aber in Forchheim kreuzt die Straße spitzwinklig die eingleisige Trasse der Straßenbahn S2. Östlich der Gleise ist ein kleiner Grünstreifen. Neben dieser Grünstreifen-Gleis-Kombination kommt die Hauptstraße von Süden auf der Grünstreifen-Seite (Ost), quert spitzwinklig das Gleis und schwenkt dann westlich, also auf der Gleisseite, wieder neben die Trasse. Bei Dunkelheit, etwas Nässe und Gegenverkehr… nun, ich wollte nicht zu sehr links Richtung Gegenverkehr fahren, als ich von Süd nach Nord das Gleis querte. Der nasse Stahl erlaubte meinem Vorderrad zu gleiten, beim Versuch, mit dem Lenker zu kompensieren, glitt das Vorderrad ins Gleis und nach einem kurzen Schock, dass das Vorderrad in eine andere Richtung zog als der Rest des Rads und die Trägheit meines Körpers, klatschte ich auf den Boden. Der Autofahrer hinter mir hatte Abstand gehalten, hielt an und fragte, ob es mir gut ginge. Ein andere Herr kam über die Straße und wollte auch helfen. Mir ging es so weit gut. Nach kurzem Fummeln entschied sich auch die Kette wieder, welchen der beiden vorderen Zahnkränze sie netter fand. Alles gut also… oder?

Nicht ganz. Abschürfungen am Knöchel, durch die Hose am Knie und ein bisschen an der Außenseite des Oberschenkels sowie am Ellborgen, alles links, kamen mir langsam zu Bewusstsein, während ich weiter radelte. Auch an der Hüfte war nicht nur ein wenig geschürft, sondern auch leicht geprellt. Dazu die Hand… zwar hatte das Polster des Handschuhs genau unter dem aufkommenden Teil der den Körper abfangenden Hand gelegen, so dass ich keine Abschürfung habe, aber ein bisschen tat es schon weh. Ein Bekannter, ebenfalls Radfahrer, warf nun auf Strava die Horrorvision eines gebrochenen Kahnbeins auf, oder eines gebrochenen Mittelhandknochens. Nachdem ich mich das gerade beschäftigt, habe ich neben den nur sehr oberflächlichen Schürfungen nun mal genau in meine Hand hineingehört und würde im Moment viel mehr auf eine Prellung tippen. Morgen weiß ich mehr, aber es wird gefühlt schon wieder besser – nachdem ich direkt nach dem Sturz 10 Kilometer weiter gefahren bin, danach 10 raus nach Eggenstein-Leopoldshafen, vier Stunden später 10 zurück nach Karlsruhe und gegen 18:00 dann nochmal 20 nach Hause. Freilich, ganz toll war das nicht mit der Haltung auf dem Hornlenker, aber Bewegung ist schlimmstenfalls etwas unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Nur bei Vibrationen durch unebene Straße und aufstützen auf den Lenker fand ich es dann doch reichlich unkomfortabel. Naja, wenn’s morgen schlimmer ist, berührungsempfindlich, schmerzhaft und geschwollen, weiß ich mehr. Wenn nicht, kann ich hoffen, dass es wirklich nur geprellt ist.

Jedenfalls habe ich nun noch mehr als zuvor einen Heidenrespekt vor Bahnschienen…

[KuK] Freiheit

Es ist für mich ein Stück Freiheit, mit dem Rad oder zu Fuß zur Arbeit und zurück fahren beziehungsweise laufen zu können. Die Parkplatzsuche entfällt, auch die starren Zeiten der Bahnen sind keine Vorgabe mehr für mich.

Aber in den Zeiten der Pandemie gibt es noch einen Vorteil: Wenn ich durch den Wald, über den freien Radweg radle oder laufe, bewege ich mich an der frischen Luft und muss – anders als in der Bahn – keine Maske tragen. Freilich habe ich meinen Buff um den Hals und ziehe ihn als Maske hoch, wenn ich über den engen, belebten Bürgersteig gehe oder mein Rad darüber schiebe, bei uns vor dem Büro. Dort ist ein Nagelstudio, ein Edeka, eine Bar: Stets High Life und Konfetti, wie meine Mama zu sagen pflegte. Da und im Treppenhaus, auch auf dem Flur im Büro, ist’s Pflicht und angesichts der derzeitigen Explosion der Zahlen auch einsichtig. Dann aber, raus aus dem Trubel, laufend oder auf dem Rad, da kann ich die Maske weglassen.

Das lerne ich gerade sehr zu schätzen, wo in jeder Besprechung nach Vorgabe des Arbeitgebers Masken zu tragen sind, wo wir heute zu einem Außendienst fuhren – mit dem Auto. Anderthalb Stunden Maske, kurvige Strecke im Schwarzwald… trotz Corona nötig, nicht einfach nur so. Aber halt durchaus etwas, das mir klar gemacht hat, wie ungewohnt die Maske ist und wie sehr sie mich, die ich sie nicht gewöhnt bin, sonst alltägliche Dinge beschwerlicher finden lässt.

Laufen und Radeln stellt da eine Freiheit dar. Eine sehr große sogar!

Manchmal kommt es anders…

Es war geplant, dass mein Rad zum Ersetzen der Bremsklötzchen kommende Woche Donnerstag in die Werkstatt meines Radhändlers kommt. Den Termin hatte ich ausgemacht, und eigentlich war er mir fast ein bisschen lang hin, aber diese Woche hatte mein Händler Urlaub.

Indes, es kam anders. Freitagfrüh radelte ich in Richtung Arbeit, in der Absicht, einen sportlich halbwegs ruhigen Arbeitstag zu verbringen – ohne große Umweg hin- und zurückradeln, in der Mittagspause einen lässigen Zehner laufen. Rückblickend war das Gefühl unter meiner Vordergabel schon ab Durmersheim komisch, aber spätestens in Mörsch war klar: Mein Vorderrad verliert Luft. Bäm, der erste Platte meiner wiedergeborenen Radfahrkarriere. Donnerstag erst hatte ich von einem befreundeten Läufer und Radler aus der Pfalz über eine abgebrochene Tour wegen eines Platten gelesen, nun war ich dran. Aber ich fahre ja nicht in der Wildnis: Ich schob mein Rad zur Haltestelle Rösselsbrünnle, hatte meine Fahrt nach 8,5 Kilometern plattfußbedingt abgebrochen. Meinen Buff zog ich über Mund und Nase, als Maske, die Maske mit den Spaghettiträgern hinter den Ohren ließ ich im Rucksack – wie die Stoffbedeckung über Mund und Nase gehalten wird, ist ja für die Wirkung egal. Nur DASS man Mund und Nase bedeckt, ist inzwischen auch auf den Bahnsteigen des KVV Pflicht, und da ich mir wirklich Sorgen über dieses blöde Virus mache, gab es da auch keine Frage meinerseits, ob der Sache zu folgen war…

Nur eine andere Sache verschwitzte ich völlig. Ich habe eine Jahreskarte, muss also nicht drüber nachdenken, wenn ich in eine KVV-Bahn einsteige, Mund und Nase hatte ich bedeckt, ansonsten war mein Kopf von der Frage beherrscht, wo ich in Karlsruhe während meiner Arbeitszeit und in der Zeit, in der mein Radhändler urlaubsbedingt zu hatte, einen neuen Schlauch draufmontiert bekommen würde. Da kam der Kontrolleur auch schon auf mich zu – als er auftauchte, wurde mir klar: Oh Mist, ja, in der Zeit von sechs bis acht braucht Dein Rad ein eigenes Ticket – halt, nein, es ist nach acht – ach verdammt, das gilt von sechs bis NEUN, nicht von sechs bis acht.

Schon wurden meine Personalien aufgenommen, ich bekam einen Überweisungsträger (halt, einen Überweisungsträger? Finsteres Mittelalter!) in die Hand gedrückt. 20 Euro soll’s kosten, aber der Kontrolleur dokumentierte auch noch meinen Platten und meinte, ich solle beim KVV anrufen und fragen, ob ich unter diesen Umständen vielleicht mildernde Umstände bekäme, da ich mir sonst nichts zuschulden habe kommen lassen.

Nicht unbedingt bester Laune kam ich auf die Arbeit. Aber dann entwickelte sich die Situation wieder in eine andere Richtung: Der KVV hatte die Meldung noch gar nicht vorliegen, Dienstag darf ich nochmal anrufen. Vielleicht zahle ich die 20 Euro einfach, die ganze Zeit dran zu denken, da nochmal anrufen zu müssen, kostet mich mehr Nerven, als diese 20 Euro wert sind. Beim Büro um die Ecke gibt’s zudem einen Gebrauchtradhändler mit Werkstatt, der mir am Telefon auf meine Terminanfrage völlig irritiert beschied, ich solle einfach vorbeikommen – und mir dann gleich noch sagte, er könne mir die Bremsklötze tauschen, den zweiten Schlauch noch angucken, Rahmen und vor allem auch Kette und Zahnkränze reinigen…

Nun habe ich neue Bremsklötze, einen neuen Schlauch im vorderen Laufrad, ein (nach der Rückfahrt nicht mehr ganz so) sauberes Rennrad und immer noch einen Wartungstermin kommende Woche… allerdings hat mir nun eine Freundin einen Floh ins Ohr gesetzt: Kombipedale! Vielleicht nutze ich den eh vereinbarten Termin dann, um mich mal bezüglich einsteigerfreundlicher und weiterhin neben dem Klick-System auch ohne solches benutzbarer Pedale und passender Schuhe beraten zu lassen – und das dann gleich umzusetzen.

Manchmal kommt es anders… und man kann das beklagen, oder auch umarmen und nutzen.