Hingeknallt

Man möchte es nicht wahrhaben und man möchte nicht, dass es passiert. Aber Stürze gehören zum Rennradfahren. Sie sind nicht willkommen und man tut mit Vorsicht, Geschicklichkeit und Übung was man kann, um sie zu vermeiden.

Aber sie kommen vor und das ist nicht zu leugnen. Als Jugendliche hatte ich nicht nur jenen spektakulären Unfall gegen einen Geländewagen, der mir für 20 Jahre Angst vor dem Radfahren machte, sondern eben auch noch ein paar andere. Der aufregendste war, als ich von meinem Elternhaus den Berg hinunter sauste, die Kurve nicht kriegte – und nicht etwa, wie man das hätte machen können, die Straße etwas nach links versetzt hinunter rollte, um zu bremsen, sondern schnurstracks auf die Rundung der kniehohen Palisade des Gartens auf der Ecke zuraste. Die Metallgabel wurde dreißig Zentimeter nach hinten gebogen, man hörte wohl meinen Schrei, ich flog durch die Luft – und landete, wie von Armen aufgefangen, auf einer Kiefer. Dann klapperte mein Rennrad auf mich drauf. Ich wollte sofort wieder aufsteigen, aber das Lenken wäre schwierig geworden, nur Kurven wären möglich gewesen – die Gabel war so weit zurückgebogen, dass das Vorderrad nur auf einer Seite des Unterrohrs frei beweglich war, und beim Geradeausfahren im Unterrohr hätte stecken müssen.

Wie gesagt: Nicht oft, nicht erwünscht, aber Stürze gehören dazu.

Heute hat es mich wieder erwischt. Ich hatte mir eigentlich ganz gute Gedanken gemacht. Frühmorgens musste ich los, weil ich um neun einen Termin in Eggenstein-Leopoldshafen, 30 Kilometer von Zuhause, 10 Kilometer hinter Karlsruhe hatte und noch etwas im Büro in Karlsruhe holen musste. Am Ortsausgang von Durmersheim fiel mir auf, dass mein üblicher Weg entlang der B36 bei Dunkelheit und Berufsverkehr noch weniger schön ist als sonst: Nicht nur die Ampeln halten einen auf und der Verkehr auf der vierspurigen Straße neben dem Radweg nervt. Nein, zusätzlich kommt einem der nähere Verkehr entgegen. Die Lichtverhältnisse wechseln, unabhängig von der Helligkeit des Vorderlichts, zwischen „geblendet“ und „zu dunkel für die an Blenden angepassten Augen“. Der Radweg wird unsichtbar. Also fuhr ich durch Rheinstetten…

Aber in Forchheim kreuzt die Straße spitzwinklig die eingleisige Trasse der Straßenbahn S2. Östlich der Gleise ist ein kleiner Grünstreifen. Neben dieser Grünstreifen-Gleis-Kombination kommt die Hauptstraße von Süden auf der Grünstreifen-Seite (Ost), quert spitzwinklig das Gleis und schwenkt dann westlich, also auf der Gleisseite, wieder neben die Trasse. Bei Dunkelheit, etwas Nässe und Gegenverkehr… nun, ich wollte nicht zu sehr links Richtung Gegenverkehr fahren, als ich von Süd nach Nord das Gleis querte. Der nasse Stahl erlaubte meinem Vorderrad zu gleiten, beim Versuch, mit dem Lenker zu kompensieren, glitt das Vorderrad ins Gleis und nach einem kurzen Schock, dass das Vorderrad in eine andere Richtung zog als der Rest des Rads und die Trägheit meines Körpers, klatschte ich auf den Boden. Der Autofahrer hinter mir hatte Abstand gehalten, hielt an und fragte, ob es mir gut ginge. Ein andere Herr kam über die Straße und wollte auch helfen. Mir ging es so weit gut. Nach kurzem Fummeln entschied sich auch die Kette wieder, welchen der beiden vorderen Zahnkränze sie netter fand. Alles gut also… oder?

Nicht ganz. Abschürfungen am Knöchel, durch die Hose am Knie und ein bisschen an der Außenseite des Oberschenkels sowie am Ellborgen, alles links, kamen mir langsam zu Bewusstsein, während ich weiter radelte. Auch an der Hüfte war nicht nur ein wenig geschürft, sondern auch leicht geprellt. Dazu die Hand… zwar hatte das Polster des Handschuhs genau unter dem aufkommenden Teil der den Körper abfangenden Hand gelegen, so dass ich keine Abschürfung habe, aber ein bisschen tat es schon weh. Ein Bekannter, ebenfalls Radfahrer, warf nun auf Strava die Horrorvision eines gebrochenen Kahnbeins auf, oder eines gebrochenen Mittelhandknochens. Nachdem ich mich das gerade beschäftigt, habe ich neben den nur sehr oberflächlichen Schürfungen nun mal genau in meine Hand hineingehört und würde im Moment viel mehr auf eine Prellung tippen. Morgen weiß ich mehr, aber es wird gefühlt schon wieder besser – nachdem ich direkt nach dem Sturz 10 Kilometer weiter gefahren bin, danach 10 raus nach Eggenstein-Leopoldshafen, vier Stunden später 10 zurück nach Karlsruhe und gegen 18:00 dann nochmal 20 nach Hause. Freilich, ganz toll war das nicht mit der Haltung auf dem Hornlenker, aber Bewegung ist schlimmstenfalls etwas unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Nur bei Vibrationen durch unebene Straße und aufstützen auf den Lenker fand ich es dann doch reichlich unkomfortabel. Naja, wenn’s morgen schlimmer ist, berührungsempfindlich, schmerzhaft und geschwollen, weiß ich mehr. Wenn nicht, kann ich hoffen, dass es wirklich nur geprellt ist.

Jedenfalls habe ich nun noch mehr als zuvor einen Heidenrespekt vor Bahnschienen…

[KuK] Freiheit

Es ist für mich ein Stück Freiheit, mit dem Rad oder zu Fuß zur Arbeit und zurück fahren beziehungsweise laufen zu können. Die Parkplatzsuche entfällt, auch die starren Zeiten der Bahnen sind keine Vorgabe mehr für mich.

Aber in den Zeiten der Pandemie gibt es noch einen Vorteil: Wenn ich durch den Wald, über den freien Radweg radle oder laufe, bewege ich mich an der frischen Luft und muss – anders als in der Bahn – keine Maske tragen. Freilich habe ich meinen Buff um den Hals und ziehe ihn als Maske hoch, wenn ich über den engen, belebten Bürgersteig gehe oder mein Rad darüber schiebe, bei uns vor dem Büro. Dort ist ein Nagelstudio, ein Edeka, eine Bar: Stets High Life und Konfetti, wie meine Mama zu sagen pflegte. Da und im Treppenhaus, auch auf dem Flur im Büro, ist’s Pflicht und angesichts der derzeitigen Explosion der Zahlen auch einsichtig. Dann aber, raus aus dem Trubel, laufend oder auf dem Rad, da kann ich die Maske weglassen.

Das lerne ich gerade sehr zu schätzen, wo in jeder Besprechung nach Vorgabe des Arbeitgebers Masken zu tragen sind, wo wir heute zu einem Außendienst fuhren – mit dem Auto. Anderthalb Stunden Maske, kurvige Strecke im Schwarzwald… trotz Corona nötig, nicht einfach nur so. Aber halt durchaus etwas, das mir klar gemacht hat, wie ungewohnt die Maske ist und wie sehr sie mich, die ich sie nicht gewöhnt bin, sonst alltägliche Dinge beschwerlicher finden lässt.

Laufen und Radeln stellt da eine Freiheit dar. Eine sehr große sogar!

Manchmal kommt es anders…

Es war geplant, dass mein Rad zum Ersetzen der Bremsklötzchen kommende Woche Donnerstag in die Werkstatt meines Radhändlers kommt. Den Termin hatte ich ausgemacht, und eigentlich war er mir fast ein bisschen lang hin, aber diese Woche hatte mein Händler Urlaub.

Indes, es kam anders. Freitagfrüh radelte ich in Richtung Arbeit, in der Absicht, einen sportlich halbwegs ruhigen Arbeitstag zu verbringen – ohne große Umweg hin- und zurückradeln, in der Mittagspause einen lässigen Zehner laufen. Rückblickend war das Gefühl unter meiner Vordergabel schon ab Durmersheim komisch, aber spätestens in Mörsch war klar: Mein Vorderrad verliert Luft. Bäm, der erste Platte meiner wiedergeborenen Radfahrkarriere. Donnerstag erst hatte ich von einem befreundeten Läufer und Radler aus der Pfalz über eine abgebrochene Tour wegen eines Platten gelesen, nun war ich dran. Aber ich fahre ja nicht in der Wildnis: Ich schob mein Rad zur Haltestelle Rösselsbrünnle, hatte meine Fahrt nach 8,5 Kilometern plattfußbedingt abgebrochen. Meinen Buff zog ich über Mund und Nase, als Maske, die Maske mit den Spaghettiträgern hinter den Ohren ließ ich im Rucksack – wie die Stoffbedeckung über Mund und Nase gehalten wird, ist ja für die Wirkung egal. Nur DASS man Mund und Nase bedeckt, ist inzwischen auch auf den Bahnsteigen des KVV Pflicht, und da ich mir wirklich Sorgen über dieses blöde Virus mache, gab es da auch keine Frage meinerseits, ob der Sache zu folgen war…

Nur eine andere Sache verschwitzte ich völlig. Ich habe eine Jahreskarte, muss also nicht drüber nachdenken, wenn ich in eine KVV-Bahn einsteige, Mund und Nase hatte ich bedeckt, ansonsten war mein Kopf von der Frage beherrscht, wo ich in Karlsruhe während meiner Arbeitszeit und in der Zeit, in der mein Radhändler urlaubsbedingt zu hatte, einen neuen Schlauch draufmontiert bekommen würde. Da kam der Kontrolleur auch schon auf mich zu – als er auftauchte, wurde mir klar: Oh Mist, ja, in der Zeit von sechs bis acht braucht Dein Rad ein eigenes Ticket – halt, nein, es ist nach acht – ach verdammt, das gilt von sechs bis NEUN, nicht von sechs bis acht.

Schon wurden meine Personalien aufgenommen, ich bekam einen Überweisungsträger (halt, einen Überweisungsträger? Finsteres Mittelalter!) in die Hand gedrückt. 20 Euro soll’s kosten, aber der Kontrolleur dokumentierte auch noch meinen Platten und meinte, ich solle beim KVV anrufen und fragen, ob ich unter diesen Umständen vielleicht mildernde Umstände bekäme, da ich mir sonst nichts zuschulden habe kommen lassen.

Nicht unbedingt bester Laune kam ich auf die Arbeit. Aber dann entwickelte sich die Situation wieder in eine andere Richtung: Der KVV hatte die Meldung noch gar nicht vorliegen, Dienstag darf ich nochmal anrufen. Vielleicht zahle ich die 20 Euro einfach, die ganze Zeit dran zu denken, da nochmal anrufen zu müssen, kostet mich mehr Nerven, als diese 20 Euro wert sind. Beim Büro um die Ecke gibt’s zudem einen Gebrauchtradhändler mit Werkstatt, der mir am Telefon auf meine Terminanfrage völlig irritiert beschied, ich solle einfach vorbeikommen – und mir dann gleich noch sagte, er könne mir die Bremsklötze tauschen, den zweiten Schlauch noch angucken, Rahmen und vor allem auch Kette und Zahnkränze reinigen…

Nun habe ich neue Bremsklötze, einen neuen Schlauch im vorderen Laufrad, ein (nach der Rückfahrt nicht mehr ganz so) sauberes Rennrad und immer noch einen Wartungstermin kommende Woche… allerdings hat mir nun eine Freundin einen Floh ins Ohr gesetzt: Kombipedale! Vielleicht nutze ich den eh vereinbarten Termin dann, um mich mal bezüglich einsteigerfreundlicher und weiterhin neben dem Klick-System auch ohne solches benutzbarer Pedale und passender Schuhe beraten zu lassen – und das dann gleich umzusetzen.

Manchmal kommt es anders… und man kann das beklagen, oder auch umarmen und nutzen.

Zurück bei Zwanzig-Zwanzig

Im Frühjahr habe ich ja den Zwanzig-Zwanzig-Modus beschrieben – vielleicht erinnert sich jemand. Ich jedenfalls erinnerte mich, als ich mich neulich fragte: „Ist es noch drin, dieses Jahr 10 Kilometer pro Tag im Durchschnitt zu laufen?“

Im vergangenen Jahr bin ich im Schnitt 11,1 Kilometer am Tag gelaufen. Das dieses Jahr zu schaffen, das hatte ich mir Anfang 2020 vorgenommen und als Ziel definiert. Trotz eines Teilausfalls durch eine Erkältung im Januar und eines weiteren Teilausfalls im Februar durch ein bisschen Geziepe im linken Unterschenkel war ich gut auf dem Weg: über 1000 Kilometer war ich im ersten Quartal gelaufen, 300 im Januar, 300 im Februar, 400 im März. Was ich nicht ganz auf dem Schirm hatte, bei der Definition des Zieles am Jahresbeginn, war das Radfahren. Recht schnell war das Radfahren zu einem wichtigen zweiten Sport geworden – bereits im März übertrafen meine Radkilometer die Laufkilometer, und das, obwohl ich nach 20 Jahren Pause erst am 01.12.2019 wieder angefangen hatte! Ich lief und radelte im März das, was ich den Zwanzig-Zwanzig-Modus nenne: Montags mit dem Rad zur Arbeit, heimgelaufen, Dienstags hingelaufen und heimgeradelt, das Ganze an Mittwoch und Donnerstag wiederholt, am Freitag beide Strecken per Rad. Mein Körper war das aber noch nicht gewöhnt…

Und so kam es, dass ich eine langwierige Zerrung in einem der rechten Zehenstrecker hatte, die mich ab April gehen, aber nicht laufen ließ. Die Radkilometer gingen durch die Decke, die Laufkilometer stagnierten… bis in den Juni hinein blieb meine Laufleistung unter dem erforderlichen Niveau, um die im Schnitt 10 Kilometer am Tag zu erreichen. Ich verlegte mich auf Radfahrziele, strich die Laufziele und freute mich einfach nur, als im Juli im Urlaub plötzlich die Laufleistung wieder auf über 350 Kilometer im Monat nach oben schnellte. Nun sitze ich hier, Mitte Oktober, und bin unverhofft doch so weit, dass es noch 957 Laufkilometer bis zu den 3660 sind, die im Schaltjahr einen „Zehn pro Tag“-Schnitt bedeuten. Das Ziel von 7500 Radkilometern ist völlig ungefährdet, aber in zweieinhalb Monaten fast eintausend Kilometer laufen, das ist eine Menge. Habe ich schonmal geschafft, auch schon öfter, so ist es nicht, aber da bin ich parallel weniger Rad gefahren.

Um zu testen, ob es nun doch machbar werden kann, bin ich nun zurück im Zwanzig-Zwanzig-Modus. Gestern gab es einen „Workride“, also eine Radfahrt zur Arbeit. Das Rennrad blieb aber im Büro und ich machte einen „Homerun“, einen Halbmarathon nach Hause. Heute geht’s zu Fuß zur Arbeit, heute Abend mit dem Rad nach Hause. Nach der Erfahrung mit „Zuviel“ im März werde ich das aber auf maximal einmal in der Woche beschränken und die restlichen drei Tage Rad fahren. Noch sehe ich nicht, ob mich das zurück auf den Weg zum „Zehn pro Tag“-Ziel bringt, ich muss sehen, ob ich es durchhalte. Aber ich hab’s wieder angefangen und gebe der Sache einen Versuch.

[KuK] Matsch und Schlaglöcher

Heute war ich beim KIT – es gab mehrere Anlässe und ich war auch noch aus weiteren Gründen in Leopoldshafen. Das ist ungefähr halb so weit nördlich von Karlsruhe wie ich südwestlich der Stadt wohne. Sprich: Ich bin morgens 30 Kilometer nach Nord-Nordost geradelt, habe dort einige Dinge getan – beruflich und in Nebentätigkeit – und wollte dann zurück. Indes, es hatte geregnet, regnete teils noch immer.

Da ich eh schon nass war und langsam wieder trocknete, kam es eh nicht drauf an, also radelte ich einen Umweg nach Hause – am Adenauerring nach Osten und dann Richtung Ettlingen. Einmal mehr durfte ich feststellen, dass Rennräder nicht berücksichtigt werden, wenn Radwege ausgewiesen werden. Ein ganzes Stück der Strecke durch den Oberwald zwischen Durlach, Rüppurr und Ettlingen ist unbefestigt, nur teils geschottert – und bei Regen matschig wie ein Sumpf. Der ganze Schmodder hing dann an meinem Rennrad, meinem Hintern, dem Boden meines Rucksacks.

Daheim angekommen, habe ich erstmal das Rennrad ein bisschen gesäubert, dann meinen Rucksack unten ein bisschen geputzt – und schließlich habe ich ein bisschen des Drecks an meiner Hose abgeschüttelt, indem ich noch neun Kilometer durch die Gegend rannte. Auf asphaltierten Radwegen geht es halbwegs, aber wo’s unbefestigt ist, braucht man definitiv ein Schutzblech oder eine hohe Waschmaschinen-Nutzungs-Frequenz. Ich entscheide mich im Moment noch für letzteres, verschwitzen tue ich die Sachen eh.

Ein bisschen schade finde ich allerdings schon, dass auf Radwegen Schotter-Bereiche oder Bereiche mit schlicht unterirdischer Asphalt-Qualität nicht ansatzweise ausgewiesen werden, wie das für die Autos passiert. Autos sind nämlich robuster gegen Dreck, Unebenheiten und Vibrationen als die meisten Räder. Das gilt nicht für Mountainbikes – aber ich fahre ja nicht Radwege, um ein Mountainbike zu brauchen. Freilich, ich verallgemeinere – mein Matsch-Problem ist ein Rennrad-Luxusproblem. Das mit der Qualität der Wege allerdings betrifft auch Citybikes und andere…

Turmbergomat

Am Turmberg in Karlsruhe gibt’s den Turmbergomat. Das ist letztlich eine Zeitmessung mit Stechuhr für den Anstieg auf den Turmberg.

Rechts seht Ihr die Rückseite der Stechkarte des Turmbergomaten. Man kann mit dem Rennrad – oder irgendeinem Rad, mit dem Handbike oder auf Schusters Rappen den Berg hinauf, sollte nur die richtige Disziplin ankreuzen. Es gibt Altersklassenwertungen und natürlich Wertungen nach Geschlecht getrennt. Auch die Strecke bzw. das Streckenprofil ist auf der Karte abgedruckt, auf der anderen Seite die Strecke an sich. 1,75 Kilometer sind es, auf denen man rund 115 Höhenmeter bewältigt. Auf Strava wird die Turmbergomat-Strecke als Bergwertung der vierten Kategorie eingestuft, und vermutlich würde das auch bei der Tour de France so aussehen.

Nachdem ich gestern mit Kopfschmerzen in den Seilen hing, habe ich heute, mich wieder besser fühlend, meinen lange gefassten Plan wahr gemacht. Ich habe den Turmbergomaten genutzt. Zuerst bin ich mit dem Rennrad nach Durlach geradelt, über Bruchhausen, Ettlingen und Wolfartsweier. Dann habe ich mein Rennrad gegenüber der Friedhofsgärtnerei am Bergfriedhof in Durlach angeschlossen und bin den Turmberg hinaufgestürmt. Oben fragten ein paar Leute sich, warum da eine Frau stand, die schwer atmend eine Stechkarte fotografierte – denen erklärte ich es dann. Danach lief ich den Turmberg wieder runter und wiederholte den „Climb“ mit dem Rennrad. Anschließend ging es wieder über Wolfartsweier, Ettlingen und Bruchhausen nach Hause.

Wenn ich richtig subtrahiert habe, schlägt mein gelaufener Aufstieg auf den Turmberg mit 8:02 zu Buche, die Radfahrt mit 6:42. Tatsächlich war ich beim Radeln wohl etwas schneller, aber gerade als ich stach und losfahren wollte, kam ein Auto – und oben versuchte ich erst sekundenlang, die Stempelkarte im Einwurfschlitz für abgestempelte Karten abzustempeln. Naja, so ist das nunmal. Nächstes Mal weiß ich es besser, bin dafür aber vielleicht etwas langsamer. Oder mir fällt die Stempelkarten auf dem Climb aus der Trikottasche. Irgendwas ist ja immer!

Auf der Abfahrt vom Turmberg stellte ich allerdings auch etwas fest: Mein Rennrad braucht wohl innerhalb der nächsten zwei, drei Wochen eine Wartung. Ein Pedal knackt, muss vermutlich mal nachgezogen werden – vor allem aber sind die Bremsklötze hinten ziemlich durch. Nun bin ich erstmal gespannt, ob Montag oder zumindest im Laufe der kommenden Woche meine Ergebnisse auf der offiziellen Rangliste des Turmbergomaten erscheinen oder ob ich beim Ausfüllen irgendwelchen Mist gebaut habe.

Abfahren…

…muss er noch lernen. Das sagte ich zu einer Mama, die mit ihrem Sohnemann in Karlsruhe unterwegs war. Das war so…

Ich fahre morgens stets über eine Fußgänger- und Radlerbrücke über die Ebertstraße in Karlsruhe, in Höhe der Haltestelle Welfenstraße. Die Brücke führt Radler und Fußgänger zugegebenermaßen etwas anstrengend, aber sicher und frei von Auto-Querverkehr über die große Straße und die Straßenbahn. Durch die Oberleitungen ist’s etwas höher, aber das ist es einem ja wert. Ich kam gerade von den Glascontainern an der Ecke Hohenzollernstraße/Wartburgstraße in Richtung der Brücke geradelt, da sah ich einen (sehr) jungen Mann auf einem Kinderfahrrad von der Brücke abfahren – die Mutter lief hinterdrein. Dann begann er zu schlingern, korrigierte noch zweimal, nach rechts, nach links, aber dann ging es nicht mehr. Seitlich fiel er um, mit dem Fahrtschwung den Berg runter. Er trug natürlich einen Helm, erschrak furchtbar. Aber viel passiert zu sein schien nicht.

Natürlich hielt ich an, bot meine Hilfe an. Die Mutter untersuchte ihr Kind, nahm dem Helm ab, sah nach Kopfverletzungen. Das ist natürlich ihr Job, das Kind vertraut der Mama und nicht der fremden Radlerin, die da gerade anhält. Allerdings hatte ich das Handy parat und bot an, Hilfe zu rufen – ob nun über 112 oder eine Person der Wahl der Mama, ließ ich offen. Doch es war nicht nötig. Der Junge begann schon wieder, bessere Laune zu bekommen. Ich in meinem ONCE-Trikot munterte ihn auf und meinte, Abfahren müsse er noch ein bisschen lernen, mit dem Bergauffahren klappte es schon super. Aber er solle sich trösten, ich bin auch eine miserable Abfahrerin, sagte ich ihm. Die Mama wusste es zu schätzen, erzählte noch etwas, wiederholte es für den Sohnemann auf Deutsch und Französisch, das Kind wächst wohl zweisprachig auf.

Dann fuhren Mutter und Kind in die eine Richtung, ich in die andere weiter. Bei mir ist beim Abfahren Hopfen und Malz verloren, der junge Mann kriegt’s vielleicht noch irgendwann hin und wird ein echter Rennfahrer.

Das ist DAS Wetter…

… um zu zeigen, dass man bei fast jedem Wetter Rad fährt. Heute früh stürmte es, aber da war es Rückenwind. Heute Nachmittag dann, auf der Heimfahrt, war das Gegenwind. Nasser Gegenwind. Die Wege und Straßen waren nass, der Sand spritzte unter den Sattel, auf meinen Hintern, auf die Unterseite meines Rucksacks. Eine Sauerei!

Vermutlich habe ich – weil ich recht schnell aufspritzte, als ich aufgerufen wurde – bei meiner Frauenärztin dreckigen Sand auf dem Stuhl im Wartezimmer hinterlassen, da ich auf dem Heimweg noch ein Rezept holen war. Ich glaube, mit dem Radhelm auf, das Radhelm-Rücklicht noch an, habe ich auch einige andere Patientinnen irritiert. Aber hey, wenn man mit dem Rad zur Arbeit bzw. von der Arbeit heim fährt und unterwegs Dinge erledigt, dann sieht man halt aus… naja, wie eine Radlerin!

Jedenfalls habe ich mich von Gegenwind mit (laut Strava) im Mittel 24,6 km/h nicht abbringen lassen, auch nicht von Regentropfen, die mir in diesem Tempo entgegenkamen, nicht von Ästen und Blättern und Nässe auf den Wegen. Ich plane eigentlich nicht, dieses Jahr nochmal länger auf den ÖPNV für die Fahrt zur Arbeit umzusteigen, der Plan ist, den Winter mit dem Rad durchzufahren, wenn es irgendwie geht. Das tut mir gut, meinen Laufleistungen und auch der Umwelt. Den ÖPNV lasse ich allerdings nicht im Regen stehen, denn ich will ja auch nicht, dass mich die Bahnen des KVV im Regen stehen lassen – mein Monatsticket für’s gesamte KVV-Netz kaufe ich weiterhin.

Aber wenn es irgend geht, nutze ich es nur als Notnagel. Denn mein Verkehrsmittel ist das Fahrrad – in voller Inbrunst, auch wenn ich erst seit 01.12.2019 wieder Rad fahre.

Mit dem Rad zur Arbeit…

Der Aktionszeitraum von „Mit dem Rad zur Arbeit“ ist rum. 73 Tage habe ich geschafft, dabei war vor dem Urlaub noch jede Woche ein Tag Homeoffice angesagt, und drei Wochen Urlaub lagen auch noch in der Zeit. Mit fast 3400 Kilometern im Zeitraum von Mai bis September habe ich doch eine erkleckliche Menge an Radkilometern sammeln können.

Weniger die Zahl der Kilometer und die Zahl der Rad-Tage macht mich stolz, sondern vielmehr die Tatsache, dass ich JEDE Fahrt zum Büro und JEDE Fahrt nach Hause in diesem Zeitraum mit dem Rad gemacht habe. Nur bei einer (weiten) Dienstreise nutzte ich das Auto und bei zwei weiteren Dienstreisen habe ich auf Teilstrecken die Bahn genutzt, um mein Fahrrad zu transportieren.

Ich habe per Rad insgesamt vier Kreise befahren – den Landkreis Rastatt, den Landkreis Calw sowie Stadt- und Landkreis Karlsruhe, alles davon dienstlich. Mit unterschiedlichem Gepäck und bei sehr unterschiedlichen Temperaturen – brütende Hitze deutlich über 30°C bei einigen Heimfahrten, schon etwas frische Kühle von 5°C bei einer herbstlichen Hinfahrt zur Arbeit – und unterschiedlicher Witterung habe ich Arbeits- und Dienstwege per Rad absolviert.

Nun liegt hier eine Urkunde und bezeugt die Teilnahme. Wenn ich bedenke, dass ich erst am 01.12.2019 das erste Mal seit über 20 Jahren wieder auf einem Rad saß…