Qualität kommt von Qual?

Diese These vertritt ein nicht ganz unbekannter Laufblogger. Ich vertrete diese These nicht, aber ich kann nicht leugnen, dass der heutige Lauf von der Arbeit nach Hause dann doch in Qual ausartete. Warum? Das kann ich nicht beantworten. Ich weiß es einfach nicht. Das Wetter war angenehm, nicht zu heiß, nicht zu kalt, vielleicht einzig die Luftfeuchtigkeit ein bisschen hoch. Mit den vier Kilogramm im Rucksack komme ich normal auch lässig klar. Wenn ich meinen Ruhepuls betrachte – der war heute Nacht schon wieder auf 53 Schläge pro Minute runter, also auch an dieser Front alles gut, die Erholung nach dem 33,8km-Lauf vom Wochenende hatte wohl gereicht.

Dennoch: Es war eine pure Willensanstrengung, zu laufen. Normalerweise sind unter sechs Minuten pro Kilometer für mich kein Problem, aber heute wollte es einfach nicht. Ich war langsam und fühlte mich schrecklich angestrengt. Am Ende war es eine Übung in Willen und Durchhalten. Ich BIN bis nach Hause gelaufen. Ich war nicht schnell, es war alles andere als eine Glanzleistung. Aber ich bin durchgelaufen.

Vielleicht ist – manchmal, selten und so – doch was an dem Spruch mit der Qual dran. Wenn solche Läufe wie heute aber die Regel werden, denn stecke ich es auf. Zum Glück war das der erste dieser Art seit langer, langer Zeit. Wahrscheinlich dauert’s auch wieder eine Weile, bis wieder so einer kommt. Immerhin fanden die siebzehn Kilometer mit vier Kilogramm Zusatzgewicht auch nur 48 Stunden nach meinem bisher weitesten Lauf und zugleich meinem bisher schnellsten Lauf über 30km Länge statt. Muss man auch mal berücksichtigen.

Advertisements

Countdown

Es sind noch sechs Wochen bis zum Marathon. Durch verschiedene Aspekte habe ich etwas Rückstand auf mein Wunsch-Training. Eigentlich wollte ich bis Mitte August mal über 35km gelaufen sein und 8-10 lange Läufe mit über 30km intus haben. Der aktuelle Stand sind 6 Läufe im Bereich 30km oder darüber (einer davon 29,5km, der Rest über 30km), bei bisher maximal 33,8km.

Schön ist, dass ich meinen aktuell längsten Lauf mit 33,8km in einem Tempo von 5:36/km absolviert habe, was bei Durchhalten über volle 42,195km eine Zeit unter vier Stunden bedeuten würde. Die mittlere Herzfrequenz dabei lag bei 153bpm, was sehr akzeptabel ist. Es sieht also trotz zurückbleiben hinter meinem Plan ganz gut aus.

Drei lange Läufe stehen noch auf dem Plan, vielleicht vier. Man wird sehen.

Von mir aus …

Heute fährt meine Bahn ganz normal. Dennoch sitze ich gerade nach knapp acht Kilometern Lauf in der S2. Ganz von mir aus!

Warum ich das mache? Die Bedingungen sind heute toll. Sonnig, blauer Himmel, 18 Grad Celsius. Auch wenn ich die Hitze mag, gegen so schönes Laufwetter werde ich mich nicht wehren. Auch wenn ich bei Hitze weniger langsamer werde als andere, bei Temperaturen um die 15-20 Kelvin unterhalb meiner Körpertemperatur bin auch ich schneller als im Wüsten- oder Dschungelklima.

Am Ende des Laufs sah ich an der Merkurstraße, dass meine S2 vier Minuten vor mir war. Also beschleunigte ich für den Kilometer bis zur Römerstraße von 5:40/km auf 4:35/km und rief noch etwas Tempo ab. Aus purer Lust an der Bewegung! Eben ganz von mir aus.

Fünfzehnhundert

Dieses Ziel habe ich mir am Anfang des Jahres gesetzt. 2017 bin ich von März bis Dezember gelaufen. Nimmt man die Laufbandkilometer hinzu, habe ich 2017 1380 Kilometer zurückgelegt, laufenderweise. Spaziergänge und dergleichen sind da nicht eingerechnet. Anfang des Jahres lief ich gleich mal ein bisschen los, im Januar bereits 180 Kilometer. Meine Ansage war: Ein bisschen mehr als letztes Jahr, ambitioniert, aber nicht unerreichbar.

Nach gut sieben Monaten – also heute sieben Monaten und acht Tagen, insgesamt 220 Tagen, ist es nun so weit. Ich habe mein Jahreslaufziel schon erreicht, 1500 Kilometer laufend zurückzulegen. 118 davon fanden auf dem Laufband statt, der Rest draußen.

Irgendwie … frage ich mich nun: Sollte ich mir einen weiteren Kilometerstand als Ziel setzen? Freue ich mich über die 1500 und verlagere mich darauf, dass ich ja noch zwei … vielleicht, wahrscheinlich drei Wettkämpfe vor mir habe? Vermutlich werde ich letzteres tun und nicht erklären, dass in meinem Kopf der Zähler auf ein neues Ziel hinläuft: 2000. Nächstes Jahr setze ich wieder 1500 als Ziel. Lieber Tiefstapeln als Druck. Laufen bleibt ein Hobby.

Der Abend des „Fast“

Heute lässt die Hitze etwas nach, dafür ist es schwül wie … naja, drückend schwül eben. Mir fällt kein Vergleich ein, der passen würde. Nicht einmal ein ordinärer – obwohl ich durchaus aufgeschlossen wäre.

Jedenfalls drückt mir die Schwüle auf’s Gemüt, oder es ist etwas anderes im Busch. Ich bin nicht gut gelaunt, im Gegenteil, sogar ausgesprochen schlecht. Klar, ich mache meine Arbeit, ich spaziere zur S-Bahn und zurück, ich kaufe neue Kaffeebohnen und stelle fest, dass mein Arzt in Ferien ist, so dass ich mein nötiges Rezept erst am vorletzten Tag, bevor mir das Medikament gegen die Colitis Ulcerosa ausgeht, holen kann. Alles so weit kein Problem, alles prächtig. Dennoch ist mir fast zum Heulen, und das ganz ohne Grund. Aber da ist noch ein anderes „Fast“.

Da laufen immer hilft, für meine Laune – zumindest HILFT, nicht alles löst, mindestens nicht immer – ging ich heute auf Fivefingers noch eine Runde laufen. In meinem Kopf hatte sich festgesetzt, dass ich noch sieben Kilometer laufen müsse, um mein Jahresziel zu erreichen. Als ich zurückkam, war meine Laune besser, aber nicht gut. Aus genervt war wohlig traurig und anschmiegsam geworden und aus meinen bisherigen Jahreskilometern waren 1499 geworden. 1500 will ich erreichen. Ich hatte noch neun zu laufen, aber mein Kopf lag falsch. Fast erreicht. Fast zum Heulen. Fast wieder gut gekriegte Laune.

Der Abend des „Fast“. Aber fasten werde ich nicht. Jetzt gibt’s Essen. Und morgen gibt’s das Jahresziel, dann ist das auch abgefrühstückt und es stehen noch drei Wettkämpfe, aber keine „albernen“ Kilometerziele mehr auf dem Plan. Zumindest fast. Denn 2000 Kilometer dieses Jahr wären schon nett. Fast bescheuert, nicht?

Projekt LazAr statt SEV- 90%

… nun auch mit richtig berechneten Prozenten. Warum auch immer, wenn ich Anteile eines Projektes berechne, das über eine volle Woche läuft und dabei auf Arbeitshin- und rückweg Aktionen beinhaltet, teile ich einmal zu oft durch zwei. Als hätte die Arbeitswoche zehn Arbeitstage – bloß nicht!

Jedenfalls sitze ich gerade wieder in der S2 nach Karlsruhe, habe 10 Läufe diese Woche und 76km hinter mir. Zusammen mit den 30km vom vergangenen Sonntag über 100km in sechs Tagen. Das ist ganz schön viel, finde ich. Am Samstag werde ich meinen Beinen etwas Erholung gönnen und erst am Sonntag wieder trainieren.

Heute Abend ist die LazAr-Projektwoche vorerst abgeschlossen. Ich bin gespannt, was mein Körper daraus macht, und auch ein wenig froh, dass ich kommende Woche wieder die S-Bahn im Ort zur Verfügung haben werde. Ich habe doch gemerkt, dass es auch bei meinem Trainingsstand eine ganz schöne Belastung ist, jeden Tag zweimal mindestens sechs Kilometer zu laufen. Real waren’s oft eher sieben bis acht, einmal über zehn, am Mittwoch war noch der Lauftreff zusätzlich dabei. Klar, das hätte ich auch einsparen können, aber am Ende der Woche wären auch zehn Läufe mit insgesamt 65km viel gewesen.

Dennoch: LazAr statt SEV war ein voller Erfolg, würde ich sagen!

Zeit – Zug – Dehnung

Wahrscheinlich haben sich heute ein paar Fahrgäste der S2 über mich gewundert.

Meine Beine zeigen mir derzeit, dass 30km am Sonntag und bis jetzt 59km in acht Einheiten diese Woche viel sind. Sprich: es zieht an der einen oder anderen Stelle. Als Vorfuß-Läuferin beanspruche ich die Wadenmuskulatur ordentlich, und wenn die sich verkürzt, reizt sie ihre Ansatzpunkte am Schienbein. Das will ich natürlich vermeiden, daher finde ich Stretching-Faulchen gerade dazu, doch endlich regelmäßiger zu dehnen.

Heute früh allerdings stand die S2 bereits an der Merkurstraße in Mörsch, als ich herankam. Also zog ich an zum Sprint, erreicht die Bahn und zog, meist eine Hand an Haltegriffen, zumindest vier Stretchingübungen durch, bis wir die erste vier Stationen hinter uns gebracht hatten.

Ich habe die irritierten Blicke nicht gesehen, nur erahnt. Mir scheint, dass der Hybride aus Laufen und S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit vielen fremd ist. Aber ich frage mich: „Wieso sollte ich das nicht machen?“ 20km zur Arbeit und zurück, also 40km am Tag, sind mir fünf Tage in Folge einfach zu weit. Das Fahrrad hätte eventuell auch was, aber seit meinem Unfall vor über 20 Jahren sträubt sich etwas in mir, Fahrrad zu fahren. Muss ich ja auch nicht, ich kann ja laufen!