Am Rande des Laufes

Nachdem die Reise am Samstag endete und ich wieder nach Hause musste – und durfte – habe ich die Hamburg-Posts ein wenig vernachlässigt. Vielleicht kommt da noch etwas, aber sicher bin ich mir nicht. Im Moment jedenfalls hänge ich ein bisschen in den Seilen.

Nicht, dass der Urlaub so anstrengend gewesen wäre. Anstrengend vielleicht schon, aber nicht SO anstrengend. Es liegt an etwas anderem: Mein Mann hatte ja leider am vergangenen Sonntag und auch am Montag nicht mitfahren können. Sein Urlaub wurde zu Krankenzeit, und bei mir war seine Infektion wohl auch im System, auch wenn ich nichts davon merkte. Die Anstrengung des Köhlbrandbrückenlaufs hat dann das Ganze an die Luft gelassen, so dass ich die letzten zwei Tage meines Aufenthaltes in Hamburg ziemlich am Schniefen war, während es meinem Mann schon langsam wieder besser wurde. Vor allem die Rückfahrt mit dem einen oder anderen Verrückten auf der Straße und bleierner Erkältungsmüdigkeit geriet etwas unentspannt.

Allerdings habe ich mir auch auf dem Köhlbrandbrückenlauf eine Sache gegönnt. Nachdem der Hoka-Stand neben dem Stand des rennwerks auf dem Baden-Marathon mich schon anlachte, war’s dann beim Hoka-Stand auf dem Köhlbrandbrückenlauf so weit. Ich kaufte mir Hoka-Schuhe mit Messe-Rabatt. Es wurde ein Paar Hoka Cavu, die sich am Fuß – selbst mit der Blase, die ich mir dank in Falte liegender Socke auf dem Lauf geholt hatte – super an. Da in meiner Größe nur noch das Vorführexemplar da war, nahm ich das – zu einem etwas günstigeren Preis.

2018-10-07 18.05.15
Meine neuen Schuhe.

Ein Angelaufen, eingelaufen wird’s dazu auch noch geben, aber durch die Erkältung habe ich erstmal Pause – danach hole ich vielleicht auch mein Fazit zu den Kinvara 9 nach, das eigentlich auch noch aussteht.

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Über die Brücke!

Dieses Jahr habe ich viele Wettkämpfe wieder besucht und an ihnen teilgenommen, die auch letztes Jahr in meinem Programm standen. Das waren: der Campus Run in Stuttgart, der Baden-Marathon und – nunmehr! – der Köhlbrandbrückenlauf.

Der Köhlbrandbrückenlauf!

Ein unglaubliches Erlebnis. Freilich, es ist nicht der Marathon. Es ist keine Meisterschaft größter Leistungen. Aber es ist der Köhlbrandbrückenlauf – in einer großartigen Stadt, über ein beeindruckendes Bauwerk, das man sonst nicht zu Fuß begehen kann. Es ist ein Lauf mit Ausblick: Containerterminals, Wasser und beeindruckende Schiffe auf dem Hinweg, die Elbphilharmonie und die HafenCity auf dem Rückweg, dabei immer wieder die Brücke. Diese wundervolle, beeindruckende Brücke!

Es ist auch ein Lauf, bei dem einen ein schnaufender, ratternder, quietschender Güterzug über zwei Kilometer begleiten kann, eventuell nur knapp schneller als man selbst. Ein Lauf, der zwischen Schienen, Wasserwegen und Straßen verläuft, die ein mehrstöckiges Labyrinth bilden. Es ist ein Lauf für Infrastruktur-Nerds.

Habe ich Fotos gemacht? Nein – ich war zu beschäftigt mit laufen und gucken. Mein Telefon hatte ich auf der Brücke nicht dabei, das hatte ich bei meinem rheinland-pfälzischen Fanclub bzw. meinen Rucksackträgern gelassen.

Wie der Lauf an sich ablief? Nun – ich startete dieses Mal um 15:00. Wir sammelten uns vor der Startlinie, uns wurde der Rekord auf der 12,3-km-Strecke vom Jahr 2017 verkündet, der an diesem Tag noch nicht gefallen war. Allerdings war schon klar, dass die schnellsten Läufer in meinem Lauf starteten. Einige Läufer wurden interviewt, auch einer, der an diesem Tag schon beide vorigen Läufe – um 9:00 und um 12:00 – mitgemacht hatte.  15:00 ging’s dann auch pünktlich los. Wie immer hatte ich mich zu weit hinten eingeordnet, war erst einmal bis zur ersten Rampe am Überholen. Insbesondere laufen ganz oft Grüppchen schön breit nebeneinander auf der Straße und unterhalten sich, während man selbst durchaus schneller laufen will. Aber: Ich finde es für mich viel, viel besser, wenn ich anfangs ein paar Probleme mit dem Überholen von Leuten habe, die nicht so ambitioniert sind wie ich, als dass ich denen im Weg stehe, die schneller, ambitionierter und besser sind als ich. Daher werde ich mich immer zu weit hinten einordnen, da bin ich mir sicher. Als es dann bei Wind auf die östliche Rampe der Köhlbrandbrücke selbst ging, setzte leichter Regen ein. Hamburg zeigte sich von seiner typischsten Seite – die Stadt, in der der Regen von der Seite kommt. In diesem Falle kam der Regen von vorne. Fieser Gegenwind, Steigung, Regen – und die Brücke. Mann, Hamburg! Ich war zeitweite bei 5:45 auf den Kilometer, die mittlere Pace, die meine Uhr anzeigte, lag aber immer noch unter 5:00. Mein Ziel, die Zeit vom letzten Jahr (59:22 auf 12,3km) zu unterbieten, war also noch greifbar. Oben auf der Brücke wurde es dann heller, der Regen setzte aus. Der Wind war aber noch da. Die westliche Rampe der Köhlbrandbrücke, die ja einen 180°-Turn beschreibt, lief es sich hervorragend hinunter, etwa bei Kilometer 5 kamen mir die beiden führenden Männer entgegen – und die spätere Gewinnerin, einige hundert Meter später, die gerade einen Mann überholt hatte, der ihr Tempo die Brücke hoch nicht mitgehen konnte. Natürlich feuerte die ganze Läufergruppe die führenden über die Mittelleitplanke hinweg an. Das kenn ich schon beim Köhlbrandbrückenlauf und liebe es auch: Die, die da auf der anderen Seite um ihre Bestzeit rennen, oder später die, die dem Besenwagen davonrennen, werden über die Mittelleitplanke hinweg lautstark unterstützt. Wir Läufer laufen nicht gegeneinander, sondern gegen oder eher für unsere Ziele. Der andere Läufer ist ein Kamerad, kein Gegner. Zum Gegner wird er erst in der Ergebnisliste, auf der Strecke ist er ein Kamerad. Das war auch an der Wende so – ein anderer Läufer hatte die Kurve um das Ende der Mittelleitplanke bei der Anschlussstelle Waltershof an die A7 zu eng genommen, auf regennasser, öliger Strecke verlor er die Haftung und schlug auf die Seite. Bis ich zu ihm umgedreht hatte, stand er schon wieder und erklärte, es sei alles okay. Aber einem gestürzten davonlaufen und ihn liegen lassen, das geht nicht. Das ist einfach nicht richtig, selbst wenn da Leute an der Strecke bereitstehen, die ihm helfen können. Wir sind Läufer, wir sind fair. Das hat auch einiges Sendungsbewusstsein in sich, ich weiß.

Hoch auf die Brücke zurück, das steilste Stück, wurde von einem der interviewten Läufer am Start als das steilste, härteste, fieseste Stück genannt. Aber es war kein Gegenwind mehr da, die Sonne kam raus. Rückwind hat man da zwar auch nur an wenigen Stellen, da die Rampe eben einen 180°-Turn macht, aber das machte nichts. Meine Geschwindigkeit sank auf der Rampe nicht einmal unter 11km/h. Einen schnaufenden, heftigst schnaufenden Läufer holte ich knapp hinter dem westlichen Pylonen ein, auf dem höchsten Punkt überholte ich ihn. Er rief mir zu: „Sind wir jetzt oben?“ Ich so: „Ja, jetzt sind wir oben. Nur noch bei 11km eine kleine Rampe.“ Und dann ging es ans Fliegen! Mit Rückenwind und Sonne eine fast zwei Kilometer lange, mal mehr, mal weniger steile Rampe hinunter auf Elbinseln – das fühlt sich an, als hebe man im nächsten Moment ab. Ich lief 3:50 auf den Kilometer, teils sogar noch schneller, als wäre ich kaum noch auf dem Boden. Die mittlere Pace auf meiner Uhr stürzte in Richtung 4:30 ab. Auch bei der Rampe an der Brücke Richtung Veddeler Damm zurück wurde ich nicht viel langsamer und stürmte mit breitem Grinsen wieder am Windhukkai auf das Eventgelände. 56:08 zeigte die Uhr über dem Zielbogen, als ich reinkam, netto waren es im Endeffekt 55:55 – mein Personal Best auf dieser Strecke um 3:27 unterboten, ein alkoholfreies Bier in der Hand, die Medaille um den Hals – Glücksgefühl pur, fast intensiver als beim Halbmarathon. Der Köhlbrandbrückenlauf ist einfach geil!

Abends waren wir dann beim Mexikaner essen und ich wurde bewundert, dabei bin ich doch nur eine etwas ambitionierte Hobbyläuferin!

Das Loch danach

Es passiert immer wieder, mir zumindest. Ich arbeite monate- oder jahrelang auf etwas hin, wende Kraft und Zeit und mehr auf, um es zu erreichen. Dann ist es geschafft und plötzlich ist da ein Loch. Der Plan für das Ziel ist erledigt und all die Zeit, die er einnahm, ist wieder frei. Sie kann mit all dem gefüllt werden, das für den Plan zurück gestellt wurde – aber das schlagartig zur Füllung des Loches zu verwenden funktioniert nicht.

Also ist da das Loch, nicht echter Leerlauf, aber Zeit und Raum für Dinge, die einfach nicht mit diesem Impetus auf das Ziel hin erfüllt sind. Das fühlt sich immer wieder komisch an und es dauert immer wieder seine Zeit, bis der innere Antrieb wieder das vorige Level erreicht hat.

Konkret ist es der Marathon, der dieses Gefühl hinterlässt, im Moment. Es war schon bei Jobwechseln, der Promotion, Umzügen der Fall. Hier, heute beim Marathon-Aftermath kommt noch dazu, dass der Körper noch regenerieren muss. War in anderer Hinsicht bei anderen Dingen auch der Fall, aber das Ziehen in den Muskeln, die Schwellung/Reizung auf dem linken Mittelfuß, das fühlt sich doch direkter an als die Müdigkeit nach dem Umzug damals.

Ich bin gespannt, wie der Körper auf den Köhlbrandbrückenlauf hin wieder mitspielt, denn das wäre ein schöner Überbrückungs-Anlauf, während all die anderen Dinge, die durch die Marathon-Vorbereitung runtergefahren waren, wieder einsetzen.

Zum Thema „Carl-Kaufmann-Stadion vs. Messe“ – Talianna beim Baden-Marathon (2)

Es wurde im Vorfeld dieses Baden-Marathons viel Applaus dafür gegeben, dass die Veranstaltung nun wieder in der Stadt stattfand, also von der Europa-Halle ausging und im Carl-Kaufmann-Station endete, während sie die Jahre zuvor an der Messe startete und endete.

Da ich bisher nur den Messe-Kurs gelaufen bin, war ich zuerst skeptisch. Klar, in der Stadt ist ’ne gute Sache, aber Karlsruhe ist nicht so ein Publikums-Marathon wie Berlin – oder auch der Dämmer-Marathon in Mannheim. Da ging in Seckenheim und am Wasserturm echt die Post ab. Vergleichbare Stimmung gab’s in Karlsruhe deutlich seltener – egal, ob letztes Jahr beim Messe-Start-und-Ziel oder dieses Jahr beim Einlauf im Carl-Kaufmann-Stadion. Recht einsam war’s letztes Jahr im Bereich des Guts Scheibenhardt, das war dieses Jahr auch wieder der Fall, dazu kam auf der Marathon-Runde der Oberwald, in dem ich teils echt dachte, jetzt kommt gar nichts mehr, nur noch Wald – obwohl ich bei der Markierung „Kilometer 32“ wusste, dass es einen Kilometer später wieder in die Stadt gehen würde und bei der Wechselzone bei Kilometer 34 hinter den „Park“-Gebäuden an der Ludwig-Erhardt-Allee richtig was gehen würde.

Natürlich hat dieses Jahr auch das Wetter anders mitgespielt als im vergangenen Jahr. Letztes Jahr war’s kalt, aber trocken und wenig windig – dieses Jahr mäßig bis warm, dafür aber regnerisch und stürmisch. Wasser von oben ist für das Publikum und dessen Stimmung schlimmer als für die Läufer, Kälte geht keinem (naja, außer mir vielleicht) so sehr auf die Nerven.

Was mir sehr gefiel war, dass auch die Halbmarathonis am Schloss vorbeilaufen durften, die Marathonis sogar zweimal. Das machte echt was her, dort war auch ein Hotspot der Stimmung. Insofern könnten wetterbereinigt die Verfechter der Innenstadt-Strecke von der Europa-Halle aus ins Carl-Kaufmann-Stadion recht haben, aber so richtig kann ich es nicht beurteilen. Einzig beim Stadion selbst würde ich voll unterschreiben, dass das deutlich attraktiver als Ziel ist als die Messehalle. Allerdings war dieses Jahr, wohl wetterbedingt, zumindest von der Strecke aus gesehen, weniger Publikum da als letztes Jahr. Wobei: Kann gut sein, dass bei den vielen Halbmarathonis mehr ging, denn letztes Jahr bin ich ja Halbmarathon gelaufen in Karlsruhe, dieses Jahr kam ich mit den einsamen Marathonis an, zwischen gefühlt unheimlich vielen Staffelläufern.

Will ich wieder raus an die Messe? Glaub‘ nicht. Aber ich sehe – nach diesen beiden Erfahrungen – die Vorteile nicht als so groß an, wie mir das von einigen suggeriert wurde. Allerdings liegt die Messe auch näher an meinem Zuhause, für die Karlsruhe-Städter sieht das wieder ganz anders aus.

Mein Mann ist mein Held

Am Sonntag zum Marathon musste ich ja recht früh los – unter anderem auch, weil ich am Samstag wegen der Kopfschmerzen meine Startnummer noch nicht hatte abholen können. An Arbeitstagen steht mein Mann gegen 7:45 auf, und da er absolut kein Morgenmensch ist, fällt ihm selbst das schwer. Am Sonntag war er tatsächlich um 7:00 auf, um mich zu unterstützen, direkt beim Anmelden, beim Gepäck aufgeben, bei allem mitzuhelfen, mir schon zuvor beim Frühstück und meine Sachen packen eine Hilfe zu sein.

Wenn ein vom Tagesrhythmus-Typus her auf „Eule“ gepolter Mensch für das verrückte Lauf-Hobby seiner Partnerin am Sonntag früher aufsteht als für die Arbeit, sich über sechs Stunden am Veranstaltungsort um die Ohren schlägt, die zum größten Teil aus Warten bestehen, und das auch noch allein, zumindest ohne ihm bekannte Leute – dann ist das absolut heldenhaft. Ich kann nicht sagen, ob ich es ohne ihn nicht hinkriegen würde – sicher geht das irgendwie. Aber mit dieser Unterstützung, organisatorisch, durch das Halten von Dingen beim Umpacken, vor allem aber seelisch-moralischer Unterstützung in allen Phasen – Marathon-Vorbereitung, Organisation des Selbst beim Wettkampf, Da-Sein und Anfeuern neben dem Wettkampf und Mitfreuen, wenn es geklappt hat – geht alles viel leichter, bzw. wäre ohne das alles viel schwerer.

Mein Mann ist mein Held. Aber sowas von mein Held!

Nur die Harten kommen in den Garten – Talianna beim Baden-Marathon (1)

Der Baden-Marathon stand bei mir unter einem schlechten Stern. Die Kombination aus einem Wetterwechsel (meine Familie ist erblich wetterfühlig), einer schönen, aber ungewohnten Aktion beim Betriebsausflug nach Mannheim und einer weiteren schönen, aber auch anstrengend-ungewohnten Aktion bei der Promotionsfeier eines Ex-Kollegen ließen mich am Samstag mit Kopfschmerzen flachliegen. Ein paar Kartoffeln konnte ich abends essen, aber mehr auch nicht. Am Sonntagmorgen begann ich erstmal mit dem Auskotzen von Tee, der Kopfschmerz war noch da.

Aber danach war es mir besser und ich wollte zumindest versuchen, dass das ganze Training nicht umsonst war. Also verkündete ich unter den skeptischen Blicken meines Mannes, ich wolle es versuchen, ich könne ja zur Not an der Marathon-Weiche zum Halbmarathon abbiegen. Vor Ort begegnete ich dann erstmal einem Lauftreff-Bekannten vom Regierungspräsidium, holte meine Startnummer, lieh mir eine original Berlin-Marathon-Sicherheitsnadel vom Kollegen und gab mein Gepäck ab. Dem Kopf ging es besser, aber lange nicht gut. Beim Zusammenbinden der Haare zum Pferdeschwanz merkte ich recht deutlich, dass da noch eine fiese Blockade im Rücken war. Nebenbei: Durch die Brandschutzbestimmungen und dadurch bedingte Einlasskontingente lief das Abholen der Startnummer und das Abgeben des Gepäcks etwas schleppend, zumal trotz der Begrenzung eine Menge Leute in der Gepäckabgabe herumsaßen und sich warm-saßen. Das kam dann eingeschränkt gut und bedingte lange Warteschlangen – zum Glück größtenteils, nachdem mein Rucksack schon wohlbehalten dort angekommen und ich auf dem Weg zum Gruppenbild der Regierungspräsidium-Karlsruhe-Teilnehmergruppe war. Leider war ich – da noch neu – als einzige ohne eines der weißen Shirts mit den drei Löwen auf dem Rücken drauf, aber das machte so ja nichts aus. Nächstes Jahr gibt’s vielleicht eines für mich.

Langsam wurde ich hibbelig und nervös, es lag nur zu wenigen Prozentpunkten an der Temperatur, dass ich im Startblock fror – es war die Nervosität, weit mehr als der leichte Sprühregen. Zwei Lauftreff-Bekannte vom Dorflauftreff traf ich noch am Start, dann ging es los. Die Strecke führte von der Europa-Halle über die Brauer- und Kriegsstraße zur Ludwig-Erhard-Allee und dann nach Durlach. In Durlach war die Atmosphäre schon da, aber was ich im Mai in Seckenheim beim Dämmer-Marathon erlebt habe, stellt die Stimmung in Karlsruhe bei weitem in den Schatten – das gilt auch für den späteren Weg durch die Innenstadt am Schloss vorbei und durch die Südstadt, ebenso für Beiertheim, Bulach und Rüppurr. Im Oberwald war’s sogar richtig einsam. Aber an der Team-Wechsel-Stelle hinter dem Park-Office abseits der Ludwig-Erhard-Allee, da ging einiges – mehr noch beim zweiten Durchgang auf der Marathon-Runde.

Aber meine persönliche Verfassung in Körper und Seele hatte auf der Strecke ganz unabhängig des teils durch sehr motivierte und motivierende Einzelpersonen und Tanzgruppen getragenen Extraschubs ihre Höhen und Tiefen. Bis Kilometer 20 ging’s mit dem Kopf auf und ab, aber so stark aufwärts Richtung der 21 Kilometer, dass ich bei der Marathon-Weiche Richtung Kilometer 22 abbog statt Richtung Ziel. Ich habe es nicht bereut, bei Kilometer 25 oder 26 war ich kopfschmerzfrei. Dafür ließ die Kraft und auch der seelische, willentliche Schub jenseits der 30 Kilometer zunehmend nach, was sich auch in langsam in Richtung 6:00 strebender Pace äußerte, die zuvor konstant bei 5:20-5:30 lag. Am Schloss fragte ein mich überholender Marathoni, ob ich die vier Stunden noch schaffen würde – ich sagte: Wird knapp, aber sieht gut aus. Besagter Mitläufer traf mich im Ziel wieder und fragte, ob’s gereicht habe – und das hatte es. Obwohl ich zwischendrin dann nochmal ein Dixie-Klo nahe der Kriegsstraße nutzte, um den stärker werdenden Blasendruck zu reduzieren und wieder offen für Flüssigkeitszufuhr zu sein. Als ich ins Carl-Kaufmann-Stadion hineinlief, standen gerade noch 3:59 auf der Uhr, aber das war die Bruttozeit. Am Ende des Tages kamen 3:54:10 heraus, Platz 2 in der Altersklasse W35 und Platz 35 bei den Damen insgesamt. Gemessen an den Umständen war das schon eine Leistung, mit der ich sehr zufrieden sein kann und auch bin.

2018-09-23 18.06.55
Startnummer – wieder die Star Trek 1701 – und Finisher-Medaille.

Nicht mehr allein

Seit langem laufe ich. Seit 2006, um es genau zu nehmen, und seit nunmehr anderthalb Jahren immer mehrfach pro Woche. Meistens war ich allein unterwegs, selten hatte ich eine Laufgemeinschaft mit einer Kollegin oder meinem Mann. Bei einem Lauftreff war ich noch nie.

Nun hat es „mich erwischt“. Auf der Arbeit habe ich mich dem Lauftreff von Kollegen angeschlossen, selbst sogar noch einen dazu erschaffen für direktere Kollegen. Dazu habe ich mich nun auch – zumindest mit zwei Mal, wie anhaltend das bleibt, muss man sehen – einem Lauftreff im Ort angeschlossen.

Das ist ebenso komisch wie schön, und so ganz genau weiß ich noch nicht, was es mit mir machen wird. DASS es etwas mit mir machen wird und dass es anhalten wird, das weiß ich schon. Wahrscheinlich findet der ein oder andere krass, dass ich so lange in der Intensität, wie ich das betrieben habe, allein die Motivation gefunden habe. Das war nie das Problem. Aber die Gemeinschaft macht es anders, bringt eine neue Komponente.

… und ich bin gespannt, was das genau für eine sein wird.