[KuK] Die Läuferin versteht’s nicht

Ich bin Vorfuß-Läuferin, laufe auf Fivefingers auch mal Halbmarathon, ganz ohne Probleme. Ich könnte mir vorstellen, dass es daran liegt, dass ich es nicht verstehe. Aber…

Irgendwie wird Radfahren (Radeln) stets mit den Waden (Wadeln) assoziiert. Genau das ist es, was ich nicht verstehe. Bei mir beansprucht Radfahren eher die Oberschenkel – sowohl die Beuger als auch die Strecker des Knies, dazu die Adduktoren und die Gesäßmuskulatur. Die Wade, klar, die macht mit. Aber die Waden merke ich eher nach einem langen Lauf auf minimalen Schuhen…

Vermutlich ist tatsächlich nur der sprichwörtliche Reim der „Wadeln“ auf das „Radeln“ der Grund, dass Radfahren mit dem Musculus gastrocnemius (Wadenmuskel) assoziiert wird. Der Musculus quadriceps femoris und die Adduktoren spielen eine viel größere Rolle, erst recht für die meisten Menschen, die (wie z.B. ich auch) ohne Klickpedale fahren.

Was lange währt…

Im Juli, genau genommen am 04.07.2020, habe ich in der Umgebung meines Heimatortes, also auf der Gemarkung Bietigheim, auf einem Strava-Segment mehr oder minder unbeabsichtigt einen „CR“, also eine Bestleistung aufgestellt.

Aber halt: Zunächst einmal ist Strava das „Ausdauersportler-Facebook“, wo die meisten Postings aus getrackten Sport-Aktivitäten bestehen. Man kann Kudos verteilen, jemandem also bekunden, dass seine Leistung Ehre verdient, und einander folgen, so dass man die Aktivitäten der anderen in seinem Newsstream sieht. Außerdem kann man Heatmaps der eigenen Lauf- und Radfahr-Aktivitäten erstellen, was für mich persönlich als Sportlerin und Geographie-Nerd ein Argument war, es mal mit Strava zu versuchen. Mittlerweile habe ich auch die „Segmente“ zu schätzen gelernt. Segmente sind kleine Streckenabschnitte, die man (jeder Nutzer) aus Abschnitten seiner Aktivitäten heraus definieren kann. Man schneidet einfach mit zwei Schiebereglern (Anfang und Ende) ein handliches, typischerweise in irgendeiner Weise charakteristisches Segment aus der Aktivität, gibt ihm einen griffigen Namen und dann tut Strava den Rest: Es führt Bestenlisten aller derjenigen, die auf dem Segment laufen, radeln oder was auch immer – Segmente sind stets sportartspezifisch.

Bei Laufsegmenten ist ein „CR“ nun die schnellste Zeit des jeweiligen Geschlechts auf dem Segment. Bei uns auf der Gemarkung gibt’s einen Hof, um den stets sehr viele Pferde weiden, der wohl auch als Pferdepension dient und von dem aus viel geritten wird. Der geteerte Feldweg daran vorbei Richtung Norden ist als „Pferdehofsprint“ ein Segment. Nun zurück zu meiner Geschichte:

Der Pferdehofsprint war so ziemlich der erste „CR“, den ich bemerkte, dass ich ihn geholt hatte. Am 04.07.2020 lief ich die 1,13 Kilometer in einer Zeit von 5:05, das entspricht einer „Pace“ von 4:28 pro Kilometer. Durchaus flott! Strava verkündete mir ganz begeistert, dass ich auf dem „Pferdehofsprint“ einen CR geholt hätte. Dann fuhren wir in den Urlaub und am 09.07.2020 erreichte mich eine Email: „Uh-Oh! Someone stole your CR!“ Jemand, eine andere Frau, war also schneller auf der Strecke gelaufen. Eine ganze Ecke schneller sogar: 4:36 hatte sie gebraucht, fast eine halbe Minute weniger! Im Urlaub sagte ich mir noch: „Wenn ich heimkomme, hole ich mir das/den CR zurück!“ Aber ich vergaß es. War ja auch nicht wichtig!

…aber gestern Abend lief ich noch eine Runde, nachdem ich mit dem Fahrrad von meiner Dienstreise zu einer Fortbildung aus Karlsruhe-Durlach zurückgekommen war. Über dem Schwarzwald östlich von mir hingen dunkle Wolken, als braue sich da Saurons Dunkelheit aus dem Schicksalsberg zusammen, dann begann es auch noch zu blitzen in der Ferne. Allerdings hatte ich den Wind im Rücken, das Wetter war weit von mir weg und wurde weiter von mir weg getragen. Irgendwie drückte mich plötzlich doch der Pferdehofsprint und ich zog das Tempo an. Um die Ecke rum und „Gib‘ ihm!“, ich rannte los! Es fühlte sich gut an! Ich hatte nicht mir im Blick, wie schnell diejenige gewesen war, die mein „CR gestohlen“ hatte.

Am Ende standen 4:08 für die 1,13 Kilometer auf der Uhr, ein Tempo von 3:38 pro Kilometer. Neues CR, ich hatte es mir zurückgeholt! Ein wenig bestürzt durfte ich dann realisieren, dass ich nicht nur das CR der Frauen geholt hatte, sondern dass der schnellste Mann auf diesem Segment im April 2019 drei Sekunden länger für die Strecke gebraucht hatte als ich heute.

Also ist das Krönchen des CR des Pferdehofsprints meins, bis sich jemand herausgefordert fühlt und noch etwas schneller dort läuft. Manchmal belebt so ein kleiner Wettkampf ohne Wettkampf doch das Training!

[KuK] Eines der schönsten Komplimente

Vor einiger Zeit besuchte ich eine Freundin und deren Verlobten. Als ich mein Alter – 40 und etwas mehr als ein halbes Jahr – nannte, meinte er, er habe mir maximal 34 gegeben.

Daraufhin sagte sie: „Du siehst heute viel jünger aus als da, als ich dich kennenlernte.“

…daran musste ich denken, als ich heute morgen vor dem Spiegel feststellte, dass ich auch eine deutlich ausgeprägtere Taille habe als vor einem Jahr.

Erklärte Ziel-Erklärung

So langsam bewegt sich das verrückte Corona-Jahr 2020 von „zwei Drittel rum“ auf „drei Viertel rum“ zu. Ich sehe mittlerweile recht deutlich, dass das im Vorfeld definierte Ziel „10 Kilometer pro Tag laufen“ nicht mehr drin ist. Dafür war ich im April und Mai zu lang verletzt. Dafür zeigt sich langsam, was mit Radfahren und Laufen parallel wirklich geht.

In der aktuellen, ablaufenden Woche bin ich 380 Kilometer geradelt und 80 Kilometer gelaufen, in der zuvor 317 Kilometer Rad gefahren und 100 Kilometer gelaufen. Der September ist bei mir zwar sportlich traditionell ein starker Monat, aber dennoch sind das Werte, die mich in großen Schritten Rückstände auf meiner Massen-Ziele aufholen lassen.

Der aktuelle Stand, etwas mehr als 3,5 Monate vor dem Jahresende, also bei knappen 71% des Jahres, sind 2365 Kilometer Laufen und 5140 Kilometer Radfahren. Hochgerechnet würde ich auf 3330 Kilometer Laufen und 7240 Kilometer Radfahren kommen, wenn ich weitermache, wie ich im Schnitt der abgelaufenen 8,5 Monate gelaufen und geradelt bin.

Die Wahrheit ist aber auch, dass ich zwei Monate verletzungsbedingt nicht laufen konnte und zwei Monate eingewöhnungsbedingt deutlich weniger Rad gefahren bin, als ich das normal (Laufen) bzw. jetzt (Radeln) tue. Mit den 400 Kilometern im Monat, die ich bräuchte, um die „10 Kilometer Laufen pro Tag“ zu schaffen, rechne ich mal nicht. 3300 Kilometer Laufen sind genug. Die 7500 Kilometer auf dem Rad sind allerdings in Reichweite, weil ich voraussichtlich Ende September so weit bin, dass ich im Schnitt von Oktober, November und Dezember jeweils nur noch 600 Kilometer fahren müsste – und das habe ich in Monaten mit Homeoffice und teils schlechtem Wetter bereits vor der Anschaffung eines leichtgängigen Rennrads mit dem Mountainbike gepackt.

Also kann ich mir jetzt erklärte Ziele erklären. 7500 Kilometer Radfahren, 3300 Kilometer Laufen, wenn keine Verletzungen oder Pannen dazwischen kommen. Da will ich hin, und das sind auch realistische Ziele – und Handlungsanweisungen für die nächsten 3,5 Monate.

Auf den Mahlberg

Vor einigen Wochen wollte ich zum Mahlberg. Da habe ich mich ein wenig verfranst auf der Fahrt nach Waldprechtsweier, wo ich über das Waldprechtstal hochlaufen wollte. Ich bin damals stattdessen am südöstlichen Rand von Malsch ein bisschen durch die Gegend gerannt. Diese Strecke habe ich bei meinem Marathon aus Versehen nochmal genutzt, da aber mit Transfer zu Fuß.

Vergangene Woche fand ich mich nach Waldprechtsweier mit dem Rad, schloss es dort an, rannte das Waldprechtstal hoch – und verfehlte den Mahlberg-Gipfel bei meiner Rennerei recht knapp. Diese Woche nun…

In zwei Bilder gesagt: Ich fuhr von Zuhause nach Waldprechtweier mit dem alten Mountainbike, rannte den Mahlberg hoch und wieder runter, rollte zurück nach Bietigheim – um dann zuerst eine Maske und dann die EC-Karte noch von zuhause zu holen, um bei Erbolino Kaffee zu kaufen.

Ich bin ziemlich stolz, dass ich nach mehrerem Rumirren nun auf den Mahlberg gefunden habe. Klar, eigentlich ist es ganz einfach. Aber der Mix aus Schildern, Schilderung meiner Laufpartner und meinem Instinkt… nun, irgendwie habe ich an den Stellen, an denen ich dem Instinkt folgen sollte, den Schildern geglaubt und mit den Erzählungen der Laufpartner Abzweigungen genommen, die eigentlich ganz woanders sind, weil die beiden nicht den Schildern folgen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hatte mich letzte Woche maßlos verfranst, weil ich nicht EINER Art von Wegfindung geglaubt habe, sondern unmotiviert zwischen verschiedenen Wegbeschreibungen/Wegfindungen hin- und hergesprungen bin.

Dieses Mal lief es besser. Meinen künftigen Weg, wenn ich da alleine hoch laufe, habe ich auf dem Abstieg gefunden. Das ist dann zwar nicht sehr trailig, aber das kommt mir sehr entgegen! Am Ende bin ich auch noch den Mahlbergturm hochgejoggt, was bei der Wendeltreppe durchaus anstrengend ist. Oben auf der Plattform mischte sich geringe Höhenangst mit hochgepushtem Herzen und ausgepowertem Körper. Ich hielt mich immer eng am Aufbau des Treppenhauses! Ein paar Fotos habe ich dennoch gemacht, auch wenn einmal mein Daumen unbedingt mit drauf wollte:

Als ich dann wieder unten am Turm war, machte ich noch zwei Bilder – den Turm und den Gipfelstein:

Runterwärts stellte ich dann fest, dass ich an einigen Stellen einfach meinem Instinkt hätte folgen sollen, dann wäre ich schon gut oben angekommen. Insgesamt ein sehr schöner, sehr befriedigender Samstagvormittagsausflug. Nur der Gegenwind auf der Heimradelei war ein wenig anstrengend, nachdem ich ja gerade erst den Mahlberg hochgelaufen war… und dass ich dann zuerst meine Maske und dann noch meine EC-Karte von Zuhause holen musste, um Kaffee zu holen, war hart, denn nach der Berglauf-Aktion und mit den gestrigen 70 Radkilometern und 20 Laufkilometern in den Beinen war selbst der milde Buckel vom Tiefgestade auf die Hardt in Bietigheims Leopoldsstraße am Schluss ganz schön anstrengend. Aber ich hab’s hinbekommen:

Beute.

[KuK] Wie die Dinge (Beine!) sich verändern…

Das Radfahren in Zusammenwirken mit dem Laufen und ein bisschen Kraftübungen haben nicht nur die ohnehin bestehende Definition der Wadenmuskeln konserviert, sondern auch in den Oberschenkeln zu gewissen Entwicklungen geführt. Ich bin nicht sicher, ob mich die resultierende Optik nur freut…

Kniestrecker angespannt, um die Unterschenkel hoch zu heben.
Wade angespannt.

…aber am Ende des Tages sehen die Beine ja durchaus eher glatt aus, wenn ich NICHT anspanne. Das habe ich hier nun aber nicht gezeigt.

Lauf-Meditation

Im Frühjahr 2020 hatte ich Probleme – und zwar Probleme, den Puls unten zu halten beim Laufen. Nach einer Erkältung zum Jahreswechsel und einer weiteren ansatzweisen Infektion im März kam es immer wieder vor, dass die zuvor wahrgenommene Puls-Pace-Relation einfach nicht mehr stimmte. In dieser Zeit hatte ich teilweise den Eindruck, dass nach einer gewissen Zeit, die das Ganze auf meiner Uhr mir entgegenschrie, auch meine Nervosität darüber zu einem Anhalten des zu hohen Pulses beitrug.

Ich fühlte mich insgesamt aber nicht überfordert, nur der Puls ging hoch. Also galt es, etwas herauszufinden. Ich wollte gedanklich, geistig und emotional mehr in den Einklang mit mir und meinem Laufen kommen, und dafür adaptierte ich für mich etwas aus einem anderen Teil meines Lebens auf das Laufen. Mir hat gegen Nervosität, Angst und Überforderung das autogene Training gut geholfen.

Die Begriffe „Ruhe, Schwere, Wärme“ passen natürlich nur eingeschränkt beim Laufen. Man bewegt sich ja auch – aber man möchte nicht, dass komische Gedanken, Nervosität und Angst den Puls hoch treiben. An das, was ich damals gemacht habe, erinnerte ich mich nun, als jemand in einer Laufgruppe nachfragte, wie er seine Gedankenmühlen beim Laufen abschalten könne. Er läuft, um aus Gedanken an eine schwierige Situation und die Erinnerung an die Ereignisse, die ihn dort hin gebracht haben, ein bisschen heraus zu kommen. Aber es funktioniert manchmal nicht. Dazu fiel mir dann meine „Laufmeditation“ ein.

Beim Einatmen stimmte ich mich jeweils auf meinen Begriff ein, beim Ausatmen sagte ich dann (manchmal leise, manchmal nur innerlich) Begriffe auf: „Laufen“, „Atem“, „Rhythmus“, gerne auch mal „Absprung“ im Sinne von „dynamischer Vorfuß-Absprung“. Hin und wieder kam dann auch explizit „Herzschlag“ oder „ruhiger Herzschlag“ dazu. Und siehe da, mir half es. Immer noch war der Puls noch nicht wieder so, wie ich ihn haben wollte, aber deutlich weniger aus dem gewünschten Bereich als gedacht. Ich schaltete also das aus, was auf den von mir nicht akzeptierten Trainingsrückstand durch Erkältungen und Verletzungen noch drauf kam und meinen Puls höher trieb.

Ich weiß nicht, ob es solche Techniken anderswo auch gibt und ob ihnen jemand einen Namen gegeben hat. Für mich ist das manchmal sehr nützlich, es hilft mir, aus Stress und unproduktiven Gedanken herauszukommen, wenn das Laufen allein nicht reicht. Meist passiert das dann, wenn zusätzlich zu allem anderen noch an der Laufdynamik oder im Körper etwas nicht stimmt, was dann den „aus dem Alltag raus“-Effekt des Laufens torpediert. Für mich klingt es zwar nach wie vor skurril, Strukturen des autogenen Trainings, das ja still meditativ ist, in den Sport zu überführen – indes, für mich funktioniert’s.

Broken Glass

Es ist mir jetzt ein paar Mal aufgefallen – auf Radwegen, auf wenig befahrenen Straßen in Wohngebieten, an vielen Stellen meines Arbeitsweges. Heute früh gab ich ein überrascht-ärgerliches „Uuuhwoah!“ von mir, das zwei Walker sehr verwirrte.

Die Situation war die folgende: Die beiden Walker gingen gerade die Bäumlesäcker in Daxlanden entlang, querten das Ende der Rheinstrandallee und wollten hinunter zum alten Federbach. Ich war gerade vom Nussbaumweg auf die Bäumlesäcker abgebogen und beabsichtigte nun, die Rheinstrandallee entlang zu fahren, entschied mich wegen der super-lästigen Bauampel aber dann doch für den Radweg neben der Rheinstrandallee. Die beiden Walker dachten nun sicher, ich wolle sie verjagen oder hätte sie fast umgefahren.

Aber dem war nicht so, und das erklärte ich auch in einer raschen Äußerung. Am Vortag bereits war mir aufgefallen, dass an der T-Kreuzung der Bäumlesäcker mit dem Nussbaumweg eine Flasche Bacardi offenbar leergetrunken und zerdeppert worden war. Mitten auf der Straße! Mit Rennradreifen mit erklecklichem Druck drin macht einem das keinen Spaß und man kurvt gefährlich um das reifentötende Glitzern herum. Nun waren diese Flaschenreste beseitigt worden – auf dem kurzen Wegstück zwischen Rheinstrandallee, Radweg und dem Gefälle runter zum alten Federbach jedoch waren weitere Scherben! Genau um die kurvte ich mit unartikuliertem Aufruf herum und erschreckte aus Versehen die beiden Walker. Wollte ich nicht!

Mich macht es ärgerlich, ja wütend, dass ich immer wieder Scherben auf den Straßen und Radwegen sehe. Um Glascontainer – meinetwegen, kann passieren. Wäre schön, wenn man’s wegräumt, aber eventuell hat man das Material nicht dabei. Aber mitten irgendwo… kann mal runterfallen, von mir aus, aber die Häufigkeit, mit der ich solche Reifentode vorfinde, spricht eigentlich für mutwilliges Zerdeppern.

Es ist ja nun nicht so, dass eine (bisher stets umgangene) Beschädigung der schmalen Reifen auf meinen heißgeliebten Mavic-Laufrädern das Schlimmste ist, was passieren kann. Auch wenn Reifen nicht wieder heilen, sondern ersetzt werden müssen, sind Verletzungen schlimmer… nun wird man vielleicht argumentieren, dass ja keiner barfuß durch die Gegend läuft. Von der Fragwürdigkeit dieser Aussage (warum eigentlich nicht? Ach genau, Scherben, da war was!) abgesehen gibt es eine Menge Barfußläufer, die sich auf Radwegen tummeln, Hunde nämlich. Treten die in eine solche Scherbe, tut’s dem Tier weh und wird – mit Pech, durch Infektion – gefährlich. Mindestens aber ist es mutwilliges Gefährden der Tiere und – auch das sollte man nicht außer Acht lassen – kostet den Besitzer des Tieres ordentlich Tierarztrechnungen.

Freilich, für Hunde, die auf den Radwegen rumlaufen, quer über den Weg gespannte Leinen und dergleichen habe ich als Rennradlerin nun nicht so viel übrig. Aber die haben auch ihre Berechtigung, und ich habe Rücksicht auf Tiere und Halter zu nehmen, sofern’s ein kombinierter Rad- und Gehweg ist. Wenn’s ein reiner Radweg ist, haben die Tiere und ihre Halter beim Gassigehen da nix zu suchen.

Scherben allerdings, mutwillig dort hin platziert, weil man die Flasche an Ort und Stelle so gerne platzen sehen mag, haben auf Rad- und Fußwegen ebenso wenig zu suchen wie auf der Straße. Weil sie barfuß gehende Menschen und Tiere verletzen, Reifen kaputtmachen und generell als ganze Flaschen zur Pfandrückgabe oder in den Glascontainer gehören und nicht in Stücke gebrochen in die Botanik oder auf den Asphalt.

Fazit: Der August ist gelaufen

Nach dem Urlaubsmonat Juli (nur anderthalb Wochen reguläre Arbeit, ansonsten Urlaub) war der August wieder ein Monat, in dem das Pendeln zur Arbeit und die Mittagspausenläufe wesentlich zu meiner Sportleistung beitrugen. Ein paar Abweichungen und Highlights gab es freilich…

Zunächst einmal habe ich mir selbst Disziplin auferlegt und wohl die richtige Art und Weise gefunden, mich zu Dingen zu motivieren, die mir helfen, zu einer besseren, verletzungsresistenteren Sportlerin zu werden: Balance, Dehnen und Kraft im Sinne von Stabilität. Wie bei fast allem hilft mir, das zu erreichende in eine Gewohnheit zu packen und eine visuelle Darstellung dessen, was ich erreiche, zu bauen: Diagramme.

Die neuen Diagramme sind im Juli entstanden. Sie sollten mir einerseits helfen, nachprüfbar die Tage jeden Monat aufzuzeigen, an denen ich Krafttraining gemacht habe (linkes, rostfarben hinterlegtes Diagramm). Die Balken bezeichnen die Zahl der Tage, an denen ich das Fitnessstudio besucht oder Eigengewichtstraining gemacht habe. Die farbigen Flächen hinter den Balken sind eine – in gewissem Umfang experimentelle – Darstellung der Menge an Übungen, die ich gemacht habe. Dazu habe ich jeder Übung, die ich in meinem Programm habe, ein „Kniebeugen-Äquivalent“ zugeordnet, bei einer Liegestütze zum Beispiel „zwei Kniebeugenäquivalente“, beim Fitnessstudio 180 Kniebeugenäquivalente. Mit 25 Tagen, an denen ich Krafttraining gemacht habe, kam ich im August schon recht nahe an „jeden Tag“. Im hellblau hinterlegten Diagramm sind die Zeiten, die ich beim Dehnen und auf der Rolle verbracht habe, als grüne Balken drin. Das ist noch ausbaufähig, insbesondere die Faszienrolle. Die blauen Balken mit Zeit auf dem Balanceboard werden von halben bis Dreivierteltagen dominiert, die ich auf dem Ding am Stehschreibtisch auf der Arbeit balanciere. Mein Gleichgewicht ist dabei deutlich besser geworden, auch wenn die Übung mit einem Schreibtisch unter den Handballen einfacher wird.

Das Duell zwischen der Läuferin und der Radlerin ging natürlich auch weiter, aber in Monaten, in denen ich zur Arbeit fahre, hat die Läuferin keine Chance. 42 Kilometer an jedem Arbeitstag, plus ein paar Touren am Wochenende und ein paar Dienstreisen per Fahrrad haben mich das erste Mal über die 1000 Kilometer in einem Monat gehoben. Daneben lief es beim Laufen und auch bei den Lauf-Höhenmetern gut – über 350 Kilometer und über 2000 Lauf-Höhenmeter kamen zusammen. Das schlägt sich auch darin nieder, dass ich im August, bezogen auf den geschätzten Grundumsatz, fast 100% zusätzlichen Energieumsatz allein beim Sport verbrannt habe und zudem mit über 72 Stunden beim Cardio-Sport wohl den aktivsten Monat bisher überhaupt hingelegt habe.

Schön war auch, dass einer meiner selbst-definierten Leistungsparameter, nämlich der „Streckenpuls“, also die mittlere Zahl von Herzschlägen pro gelaufenen 100 Metern, wieder runtergeht. Ich laufe also effizienter oder mein Herz kann besser pumpen – oder beides. Die abermaligen über 2000 Höhenmeter habe ich ja weiter oben schon genannt.

Rein auf das Laufen bezogen, sehe ich eine Verbesserung der Geschwindigkeit auf ganzer Linie. Aus diesem Grunde zeige ich hier die Quantil-Diagramme, auch wenn die vielleicht etwas unhandlich sind. Im Endeffekt zeigen die gestrichelten Linien in den Quantil-Diagrammen das Minimum bzw. Maximum von Pace bzw. Distanz, die ich im jeweiligen Monat in einer Aktivität gelaufen bin. Deutlich zu sehen ist der Rückgang meines maximalen Tempos (untere gestrichelte Linie im Pace-Quantil-Diagramm) in Nicht-Wettkampfmonaten – im Januar 2020 fiel krankheitsbedingt der 15er in Rheinzabern für mich aus, ab März 2020 fielen corona-bedingt alle aus. Die farbigen Linien trennen jeweils Anteile meiner Aktivitäten im jeweiligen Monat. Zum Beispiel waren jeweils ein Achtel aller meiner Läufe länger als die blaue Linie im Distanz-Quantil-Diagramm anzeigt, ein Viertel hatten mehr Kilometer als die grüne. Die gelbe Linie trennt die „lange“ Hälfte meiner Läufe von der kurzen. Im Endeffekt zeigen die Quantile stabilere Trends auf als einfach nur Minimum, Maximum und Durchschnitt. Deswegen habe ich mir diese Diagramme auch gemacht – ein Monat, in dem ich dauernd um die 20 Kilometer gelaufen bin, aber nur einmal Marathon und einmal drei Kilometer, lässt sich so von einem (sicher trainingstechnisch anders wirkenden) Monat mit breitem Spektrum von Laufdistanzen unterscheiden. Mir hilft das, nur um es auch denen zu erklären, die Quantile unzugänglich finden.

Beim Radeln zeigt sich deutlich, dass das Rennrad mich schneller macht. Über 25 km/h bin ich im August im Durchschnitt gefahren, und da waren auch gemütliche Fahrten zum Bäcker oder Kopfweh-Therapie-Langsamfahrten zur Arbeit dabei. Das eigentlich Erfreuliche ist aber die Tatsache, dass auch auf dem Rennrad die mittlere Trittfrequenz ansteigt. Ob ich im Monatsdurchschnitt je auf die empfohlenen 90 rpm kommen werde, darf bezweifelt werden – mein Edge trackt auch die die Rollphasen, in denen ich gar nicht trete, und rechnet sie in den Schnitt ein. Aber die Entwicklung zu schnellerer Trittfrequenz ist erfreulich. Eher selbstverständlich, aber dennoch eine Erwähnung wert ist, dass meine Höhenmeter beim Radeln sich weiterhin an der Gesamtstrecke orientieren – viele Berge fahre ich nicht.

Und zu guter letzt die Trainingsformen und Sportgeräte: Wie stets machte der Dauerlauf den Großteil meiner Laufstrecke aus, der Anteil an regenerativem Laufen nimmt zu. Tempotraining mache ich allerdings auch etwas mehr – gerechtfertigt durch den hohen Anteil Grundlagentraining, den die Fahrten zur Arbeit bieten. Dazu gab’s zwei Multisport-Events bestehend aus Laufen, Radeln und wieder Laufen, auf unterschiedlichen Distanzen. Bei dem tollen Sommerwetter kam vor allem das Rennrad zum Einsatz, 973 der 1008 Kilometer habe ich darauf verbracht. Mit 25% Fivefingers und 50% Altra Escalante komme ich auch einem Ideal sehr nahe, das ich mir definiert habe, wobei früher oder später der Saucony Kinvara 9 zerstört sein wird und der Mizuno Waveshadow und der Brooks Hyperion Tempo dessen Anteil übernehmen werden. Aber hundert oder zweihundert Kilometer wird der Kinvara noch halten.

Und das war er, der August. Mit einem Marathon aus Versehen, vielen Höhenmetern und viel Laufstrecke. Nun muss ich mich auf Herbst einstellen…