Die Grundversorgung sicherstellen

Derzeit hat – wie kaum anders zu erwarten – das rennwerk zu. Die Filiale in Karlsruhe mit Petar und Mario ist ja der Laufladen, den ich nach Mittagspausenläufen gerne mal auf einen Plausch und wann immer ich neue Schuhe brauche, besuche. Allerdings steht insbesondere bei meinen Vibram Fivefingers ein Generationenübergang an. Außerdem will ich, dass das rennwerk die Zu-Phase überleben kann. Zum Glück haben sie mit dem Shop4Runners auch ein Angebot, wie man außerhalb des Ladens zu deren Schuhen kommt.

Normalerweise kommt das für mich nicht in Frage. Warum nicht? Ich möchte die kompetente Beratung, das Probieren von Alternativen zu meinen vielfach eingefahrenen Wegen und den netten Plausch nicht missen, auch die Begegnungen mit anderen Läufern im Laden – egal, ob die oder ich Schuhe kaufen – ist mir wichtig. Aber im Moment geht es nicht. Also habe ich meine Gutscheine hier liegen gelassen, um sie später mal einzulösen, und online beim Shop für Läufer des Rennwerks bestellt. Es war natürlich nur die Grundversorgung – Altra Escalante, fünftes Paar und Vibram FiveFingers V-Run, drittes Paar.

Ein Drei-Generationen-Gruppenbild: Altra Escalante, Paare Nummern 3, 4 und 5, Vibram FiveFingers V-Run Paare Nummern 2 und 3.

Das jeweils vorderste, teilweise umgedrehte Paar ist gerade im Straßeneinsatz. Man sieht’s den FiveFingers an, dass sie bald durch sind – die schwarze und die gelbe Schicht sind schon durch, das Innenmaterial der Sohle liegt an einer Stelle frei. Das laufe ich noch durch, dann haben sie ihre Schuldigkeit getan.

Die grünen Escalantes (ich hatte vorher schon so ein Paar) sind gerade im Straßeneinsatz und wohl schon über die Hälfte ihrer Lebensdauer belaufen, die blauen Escalante 1.5 belaufe ich gerade indoor auf dem Laufband und habe sie im Fitnessstudio an. Sobald die grünen durch sind, kommen die blauen auf die Straße. Indoor, im Fitnessstudio und in Reserve rücken dann meine fünften, die gelbgrünen Escalante 2.0 nach.

Ein wenig fasziniert realisiere ich, dass ich tatsächlich meine Vorfuß-Lauferei deutlich sehen kann: Aufkommzone an der Außenkante des Vorfußes, Abdruck über die große Zehe. Insbesondere der Abnutzung auf der großen Zehe bin ich mir gerade erst so richtig bewusst geworden, wo ich das Schwarze bei den Altra Escalante und das gelbe bei den V-Runs durchschimmern sehe.

Dass ich auf diesen Schuhmodellen 50% meiner Laufkilometer bestreite, rechtfertigt durchaus, immer ein Modell in Reserve und eventuell sogar eines im Halleneinsatz auf Wartestellung zwischen Reserve und Straßeneinsatz zu haben.

Fazit: Sportmonat März und erstes Quartal 2020

Eigentlich sollte das Jahr für mich schon vier Wettkämpfe bereitgehalten haben. Einer fiel einer Erkältung zum Opfer, zwei wurden wegen des Corona-Virus abgesagt. Da ich auch im April noch nicht mit den Wettkämpfen rechne, für die ich eigentlich angemeldet war, und der Trollinger-Marathon im Mai auch auf 2021 verschoben wurde, lief’s auf eine Menge Grundlagentraining hinaus.

Intervalle bin ich nur dreimal gelaufen – zweimal im März, einmal bereits im Februar. Nachdem der Januar von einer Erkältungspause am Anfang und der Februar von einer leichten Verletzung geprägt waren, aber mit Radfahren und auch Laufen ganz schön abgingen, wurde der März zum krassesten Sportmonat bisher überhaupt. Das lag daran, dass das Laufen wieder richtig gut funktionierte – und das Radfahren so richtig Fahrt aufnahm.

Sport insgesamt

Im März war ich zweimal im Fitnessstudio, dann wurde die Schließung wegen der Ausbreitung des Virus verordnet. Schade finde ich das schon, aber es ist offensichtlich nötig. Nicht, dass ich die Apokalypse erwarte, die sich in meinen irrationalen Ängsten manchmal breit macht, aber schlimm genug ist es allemal. Also lief’s auf eine Menge individuellen Sport hinaus, der weitgehend Cardio-Training umfasste. Als Kompensation für das Fitnessstudio und in der Zukunft vielleicht als Ergänzung habe ich eine „Gewohnheit“ angefangen: Eine Liegestütze, eine Kniebeuge, ein Crunch – jeden Tag. Meist mache ich etwas mehr, aber eine Übung jeweils jeden Tag, um dran zu bleiben, das ist die Nummer.

Beim Cardio-Training musste ich mir dagegen etwas neues ausdenken. Das liegt nicht am Corona-Virus, denn dass das Radfahren nun einen signifikanten Anteil meiner Sportzeit einnimmt, das Laufen aber weiterhin Hauptsport bleibt, wäre auch ohne Virus-Krise der Fall gewesen. Meine ganzen Datenhaltungen und Diagramme waren aber sehr laufzentriert.

Nun habe ich mir drei neue Darstellungen ausgedacht: Den Kalorienverbrauch bei Cardio-Training insgesamt, geteilt durch den auf den Monat hochgerechneten, abgeschätzten Grundumsatz. Mit dem Laufen kam ich da bestenfalls auf um die 55%. Um zu illustrieren, was an Ausdauersport der Sache zugrunde lag, habe ich in das Diagramm die Laufkilometer hineingemalt – wenn es aber wesentliche Anteile aus dem Radfahren und dem Laufen sind, spielt dann doch eher die Zeit eine Rolle. Durch die Radfahrt zur Arbeit fast jeden Tag – immer, wenn ich nicht gelaufen bin – habe ich sagenhafte 85% der Energie, die ich durch den Grundumsatz in Ruhe verbraucht habe, nochmal zusätzlich beim Sport gelassen. Dann ist da noch die Aufteilung der Zeit auf Cardio-Aktivitäten – durch die Arbeitswege ist auch die massiv hochgegangen – über 65 Stunden Laufen und Radfahren zusammen habe ich im März absolviert. Zu guter letzt sind Laufen und Radfahren natürlich in etwas unterschiedlichen Pulsbereichen angesiedelt, da sie unterschiedlich viele Muskeln und unterschiedliche Grundintensität beanspruchen. Einen mittleren Puls und wie er sich aus den Leistungspulsen bei verschiedenen Aktivitäten zusammensetzt, im Vergleich zu einem Puls-Soll, habe ich auch noch ergänzt.

Laufen

Laufen ist und bleibt mein Hauptsport. Allen Unkenrufen zum Trotz ist kein Triathlon und auch kein Duathlon geplant, auch wenn ich durchaus im Training das Format des Duathlons für mich verwende – aber Wettkämpfe: Nein.

Sehr deutlich wurde beim Laufen im ersten Quartal, dass der Januar und der Februar durch Krankheit und Verletzung geprägt waren. Dennoch habe ich große Kilometerleistungen in den beiden Monaten beim Laufen erbracht – jeweils über dreihundert Kilometer. In den ersten zwei Monaten 2019 bin ich nicht viel mehr gelaufen, und da war alles okay. Man sieht also durchaus eine Entwicklung.

Bis auf ein kleines Erkältungsgefühl, bei dem ich rückblickend eher eine Mischung aus Sorge und Hypochondrie vermute, war der März aber okay. Und so lief ich da unheimlich viel – am Ende wurd’s mit knappem Vorsprung mit knapp mehr als 403 Kilometern der drittstärkste Laufmonat in meiner Karriere überhaupt. Durch den Zwanzig-Zwanzig-Modus ging zudem die mittlere zurückgelegte Distanz hoch. Kein Wettkampf im März, stattdessen lange Strecken und zumindest an sechs Tagen der oben genannte Zwanzig-Zwanzig-Modus – da ist kein Wunder, dass ich langsamer gelaufen bin als viele Monate zuvor, wobei das trainingstechnisch sicherlich sinnvoll ist.

Die mittlere Strecke, die ich pro Lauf zurücklegte, lag im März über 16 Kilometern, dafür fiel das Tempo wieder in den Bereich von langsamer als 5:30 pro Kilometer über alle Aktivitäten. In den Quantilen sieht man deutlich, dass die Hälfte meiner Läufe (gelbe Linie) länger als 15 Kilometer waren, ein Achtel (blaue Linie) sogar länger als 30 Kilometer. Das ist tatsächlich eine Größenordnung, die ich auch in der letzten Marathon-Vorbereitung nicht erreichte. Laufen läuft also.

Radfahren

Mit knappen 600 Kilometern – 597,2, um genau zu sein – habe ich meine Radfahrstrecke im März von den 306 Kilometern im Februar fast verdoppelt. Das Tempo wächst auch langsam, im Monatsmittel bin ich im März endlich über die 20km/h gekommen – und das trotz einiger gemütlicher Fahrten und einiger Fahrten, bei denen der Gegenwind mich fühlen ließ, als führe ich gerade die Köhlbrandbrücke hoch. Der Anstieg der Radkilometer wirkt fast exponentiell, aber das wird sich im April legen. Bei den Radkilometern fehlt – rein von der Zeit, die ich dafür habe, und damit es nicht auf Kosten des Laufens geht – nicht mehr viel auf den berühmten „Anschlag“. Ein bisschen am Tempo insbesondere auf der Arbeitsfahrt will ich noch feilen. Ein Schritt war, da ich nun deutlich sicherer bin, den Sattel etwas hochzustellen und somit einen besseren Hebel beim Treten zu haben. Das wirkt schon sehr, auch wenn ich für’s Optimum noch etwas weiter hoch muss. Aber eins nach dem anderen.

Aber da war noch was – der Wettstreit der Radlerin Talianna gegen die Läuferin Talianna… und wie soll ich sagen: Die Radlerin hat im März „von vorne“ gewonnen. Sie führte von Beginn an und gewinnt die Kilometerchallenge gegen die Läuferin mit über 190 Kilometern Vorsprung.

Und sonst so?

Als Holger mich heute darauf hinwies, dass mir weniger als drei Kilometer auf die 600 Radkilometer fehlen, fiel mir etwas auf. Es waren etwas mehr als drei Kilometer mehr als 400 Laufkilometer…

Ich habe also im März einige hundert Meter mehr als 1000 Kilometer in sportlicher Weise zurückgelegt! Dagegen sind die fünf Kilometer S-Bahn, als mir einen Tag mal die Laufstrecke zur Arbeit dann doch zu lang wurde, und die viermal drei Kilometer zum Einkaufen mit dem Auto wirklich nix. Ich habe also zwanzig Mal so viele Kilometer Kraft meiner Muskeln zurückgelegt, als ich den Strom der Bahn oder das Benzin des Autos beansprucht habe. Wenn das mal nix ist!

Sportwoche 13/2020

Ich bin ja ein bisschen abgekommen von den Wochenfazits, diese Woche hat sich aber einiges irgendwie so entwickelt, dass ich’s doch mal wieder mache. Das liegt nicht zuletzt am Zwanzig-Zwanzig-Modus, den ich diese Woche begonnen habe.

Da durch die Corona-Krise quasi alle anstehenden Wettkämpfe abgesagt sind, teils vom Veranstalter erklärt abgesagt, teils implizit, weil sie durch die Verordnungen zum Infektionsschutz nicht stattfinden können, laufe ich derzeit massiv Grundlagenausdauer. Ich nutze also die unfreiwillig wettkampffreie Zeit, um das Ausdauerfundament, auf dem ich aufbaue, zu verbreitern. Auch da fügt sich der oben zitierte Zwanzig-Zwanzig-Modus perfekt ein.

Was bin ich also diese Woche gelaufen?

Ein Intervalltraining hat sich nicht ergeben. Die Bahn ist gesperrt und auf die Runden um den Bauhof hatte ich irgendwie keine Lust. Das kommt wohl kommende Woche wieder. Aber ich bin vier von zehn Arbeitswegen gelaufen, habe also vier Zwanziger hinter mich gebracht. In der Mittagspause bin ich nur am Freitag gelaufen, als ich beide Arbeitswege mit dem Fahrrad absolvierte. Am Samstag gab’s eine kurze Runde, heute einen langen Lauf mit knappen 33 Kilometern. Geradelt bin ich sechs von zehn Arbeitswegen, dazu noch eine Tour nach Rastatt und zurück, die mit 25 Kilometern zu Buche schlug.

Damit liege ich am Ende der Woche bei knapp 150 geradelten Kilometern und knapp 130 gelaufenen Kilometern. Der Puls beim Laufen lag zumindest bei den langen Läufen (Zwanzig und mehr) unter 150, es gab einen etwas gepushten Siebener Freitagmittag, bei dem ich es auf 160bpm krachen ließ. Braucht man auch manchmal, um über das sich Verausgaben Stress abzubauen. Beim Radeln lag ich stets im niedrigen Bereich, 120 bis 135 Schläge in der Minute gab’s da. Ich bin gespannt, wie sich dieser Modus auf lange Sicht auswirkt, denn im Moment sehe ich eine Chance, die Grundlagenausdauer so zu verbreitern, dass Intervalle künftig noch mehr bringen. Mehr und mehr kristallisiert sich darüber die Idee heraus, den Marathon wirklich mal auf drei Stunden drücken zu wollen, auch wenn das vielleicht nicht dieses Jahr möglich sein wird. Aber ich arbeite dran, und die langen Strecken im Training laufen da rein. Über dreißig einmal die Woche – klar, das würde ich auf jeden Fall für den Marathon machen. Aber viermal die Woche noch weitere zwanzig Kilometer am Stück, das ist schon ein Wort.

Heute kam allerdings der lange Lauf zum Zug. Lang und verhältnismäßig langsam ging’s allein durch die Gegend – und jedem, dem ich begegnete, wünschte ich „Guten Morgen“ oder später dann „Guten Tag“ … und einen schönen Sonntag. Das fühlte sich richtig gut an. Komischerweise kurbeln die Notwendigkeit und das Gewährleisten des Abstandhaltens mein Bedürfnis an, zu den Leuten freundlich zu sein – und das finde ich echt gut! Die Gegrüßten schienen das übrigens auch gut zu finden.

Der lange Lauf am Sonntag.

Der Zwanzig-Zwanzig-Modus

Wir schreiben das Jahr 2020. Viele Dinge sind dieses Jahr anders als letztes Jahr und auch als vorletztes Jahr. 

Aber bevor ich jetzt aufzähle, was es alles nicht ist, das ich hier meine, möchte ich direkt hineinspringen in das, was ich als den Zwanzig-Zwanzig-Modus bezeichnen möchte. Es ist nicht so, dass das neuartige Corona-Virus Sars-CoV-2 gar nichts damit zu tun hätte, aber im zentralen Kern geht es eben genau nicht um „Corona“, wie zur Zeit gerne verkürzt darüber gesprochen wird. Die Aussprache des Jahres Zweitausendzwanzig als „Zwanzig-Zwanzig“ ist auch nur eine glückliche Fügung, weil es mich mit einem griffig-missverständlichen Begriff für das ausstattet, was ich hier beschreiben will. 

Denn am Montag, Dienstag, Mittwoch und auch gestern war ich genau in diesem „Zwanzig-Zwanzig“-Modus, und heute bin ich’s auch in gewisser Weise, wenn auch nicht genau in der definierten Form. Der „Zwanzig-Zwanzig“-Modus ist es nämlich, eine Zwanzig-Kilometer-Strecke meines Arbeitsweges mit dem Fahrrad, die andere zu Fuß zurückzulegen. Das gestaltet sich dann wie folgt: 

  • Am Montag fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit, schließe das Fahrrad an und laufe am Abend nach Hause,
  • am Dienstag laufe ich zur Arbeit und fahre abends nach Hause, während ich
  • am Mittwoch den Zyklus von neuem beginne, also hinfahre und heimlaufe, um dann
  • am Donnerstag hinzulaufen und mit dem Fahrrad heimzufahren.

So komme ich dann auf jeweils 80 Kilometer mit dem Rad und zu Fuß. Da ich mein Fahrrad nicht über’s Wochenende auf der Arbeit lassen möchte, da ich es ja auch eventuell zuhause brauche, wird dann der Freitag ein doppelter Radfahrzwanziger. Somit ist dies der „Zwanzig-Zwanzig“-Modus. Natürlich setzt das Ganze voraus, dass ich inzwischen die Kondition habe, um diesen Rhythmus durchzuhalten, und auch, dass ich wieder Fahrrad fahre. Rein zeitlich, aber auch konditionell sind zweimal zwanzig Kilometer Laufen an einem Arbeitstag und das fünf Tage die Woche ein hartes Brot, für das ich mich – vielleicht noch – nicht gerüstet fühle. 

Auch so merke ich, dass mich dieser Modus anstrengt. Meine Fénix attestiert mir eine hohe Trainingsbelastung, also oberhalb des „optimalen Bereichs“, und ich habe gestern früh auch gemerkt, dass es schon in den Beinen zieht und dass allmählich auch das Puls-zu-Geschwindigkeits-Verhältnis einen Laufruhetag am Freitag und/oder Samstag nahelegt. Vielleicht wird das mit ein wenig mehr Praxis im „Zwanzig-Zwanzig“-Modus besser, ich mache das ja gerade die erste Woche in der erklärten Form. In jedem Falle bin ich recht sicher, dass meine Grundlagenausdauer von dieser Praxis profitiert. 

Vor hatte ich es schon eine Weile, diesen Modus „im Sommer“ zu implementieren. Nun ist’s aus der Sorge, dass irgendwann auch Sport im Freien im Zuge der Corona-Krise Verboten unterliegt, und aus der Idee heraus, von den ÖPNV-Benutzern Enge zu nehmen und selbst der potentiell infektiösen Enge im ÖPNV zu entfliehen, ein wenig früher geworden. Ich wollte meine Ausdauer nämlich nicht erst auf Tragfähigkeit für diesen Modus testen, wenn es so weit ist, dass ich es machen muss – sondern wollte dann schon wissen, dass es geht und dass ich das eine ganze Woche lang durchhalte. Dass ich am Wochenende zuvor mit einem Halbmarathon am Samstag und einem fast 35 Kilometer langen Lauf am Sonntag bereits vorbelastet war und es trotzdem klappt, bestärkt mich in der Ansicht, dass ich für sportliche Verkehrsmittel zum Pendeln auf die Arbeit gerüstet bin, falls ich es muss – und es außerdem auf die Dauer so machen kann, wenn ich es weiterhin will.

Das Pendel schwingt

Ich steh‘ auf mein Monats-Netz-Ticket für den Karlsruher Verkehrsverbund. Zu jedem Zeitpunkt an jeder Stelle im Karlsruher Netz in einen Nahverkehrszug, eine S-Bahn, eine Tram oder einen Bus einsteigen zu können, ohne darüber nachzudenken, ist ein Wert an sich. Freilich wird das Ding auch gesponsert – von der Arbeit. Somit zahle ich einen eher mittleren statt hohen zweistelligen Betrag dafür – im Monat. Vergleiche ich als BahnCard-Besitzerin das mit 20 Mal zwei Mal 3,30€ für meine Arbeitsfahrt, lohnt es sich in jedem Fall…

Indes: Diesen Monat wird es sich für mich nicht lohnen. Ich hab’s diesen Monat noch kein einziges Mal – KEIN EINZIGES MAL genutzt. Die Krise um das neuartige Corona-Virus spielt dabei eine Rolle, allerdings nicht in Form von „Homeoffice“. Ich gehe immer noch jeden Tag ins Büro – von den drei Tagen abgesehen, die ich präventiv daheim war, weil ich unbestimmte Erkältungssymptome hatte. Es war aber eher Schnupfen, Fieber war nicht dabei, gehustet habe ich auch kaum, so dass meine Ärzte Covid-19 ausschließen konnten, ohne mich auf Sars-CoV-2 zu testen.

Natürlich hat das Forcieren der Radfahrerei – bis auf einmal zurück habe ich im März alle meine Arbeitshin- und -rückwege mit dem Fahrrad bestritten – durchaus AUCH mit dem Virus zu tun. Ich meide den ÖPNV, um mich nicht anzustecken. Damit haben auch die Leute, die den ÖPNV nutzen wollen oder müssen, mehr Platz, um Abstand zu halten, wenn etliche Leute mit dem Fahrrad fahren. Der eine Arbeitsrückweg, den ich nicht Fahrrad gefahren bin, habe ich zu Fuß bestritten. Ich bin gestern nach Hause gelaufen. Da das Fahrrad auf der Arbeit steht, laufe ich nun wieder hin.

Ich bin somit von der Auto-Pendlerin nach Stuttgart über die Teil-ÖPNV-Pendlerin nach Bruchsal und die S-Bahn-Pendlerin nach Karlsruhe zur Fahrrad- und Laufpendlerin nach Karlsruhe geworden. Mein Monatsticket gebe ich nicht auf, ganz bestimmt nicht. Jederzeit an jeder Stelle, wenn mir das Laufen oder Radfahren zu viel wird, in eine Bahn zu steigen und nach Hause fahren zu können, das ist ein Wert an sich, selbst wenn es sich „wirtschaftlich“ nicht lohnt. Mehr als zwei Drittel der Arbeitswege – diesen Monat voraussichtlich sogar jeden absolvierten – mit Fahrrad oder zu Fuß zurückzulegen, empfinde ich jedoch als eine Sache, die es wert ist, beibehalten zu werden. Statt 45-50 Minuten mit Gehtransfers und S-Bahn bewege ich mich in 55-70 Minuten mit dem Fahrrad oder in 95-120 Minuten zu Fuß zwischen Karlsruhe und Bietigheim (Baden). Meine Pendelzeit wird damit 100% zu Sportzeit. Ebenso wie die Monatskarte ist das für mich ein Wert an sich.

Und ich will alle beide diese Werte.

Komische Gedanken…

…die mir beim Laufen kommen. Das könnte fast eine Serie werden. Aber erstmal aktuell:

Gestern war ich 35 Kilometer unterwegs, von Bietigheim über Ötigheim, Steinmauern, Elchesheim, Au am Rhein und Würmersheim nach Durmersheim, halb nach Neumalsch, durch den Wald an Bietigheim vorbei nach Ötigheim und dann wieder nach Hause. Dabei fragte ich mich, warum meine Wettkampfleistungen über fünf Kilometer, die Badische Meile, zehn Kilometer, zwölf Kilometer, fünfzehn und zwanzig Kilometer sowie Halbmarathon sehr gut zusammenpassen: Die Zeiten liegen alle ziemlich gut auf einer Kurve proportional zur Streckenlänge hoch 1,07. Das ist ein allgemein anerkanntes Modell, das auf Steffny und Riegel zurückgeht. Meine Marathonleistungen liegen, wenn auch wirklich nicht schlecht, deutlich über der Kurve. Ich habe also für den Marathon länger gebraucht, als einer Verlängerung der besagten Kurve vom Halbmarathon bis auf den ganzen Marathon nahelegen würde.

Natürlich gibt es einige Gründe – ich bin erst zwei Marathons gelaufen, aber schon deutlich mehr Halbe. Beim letzten Mal drückte ab Kilometer 32 der geschwollene Zeh in den Schuh. Ja, alles klar.

Aber dann kam mir der Gedanke, den ich schon öfter hatte: „Wer Langstrecke laufen will, kommt um Langstreckentraining auf Dauer nicht herum.“ Die meisten Trainingspläne sehen aber vor, nicht viel mehr als 30-34 Kilometer zu laufen im Training für den Marathon, und das auch nicht so besonders häufig. Aber nahezu alle Läufer, mit denen man über Marathon redet, sprechen davon, dass es zwischen 30 und 40 Kilometern mal RICHTIG hart werde.

Das ist schon auffällig: Das „über Dreißig“ Zeug läuft man nicht oft, und bis an die Vierzig Kilometer geht man schon gar nicht ran, wenn man den Trainingsplänen glaubt. Aber genau da kriegen die meisten Probleme. Nun ist natürlich die Frage: Hängt das zusammen?

Ich für meinen Teil werde mich, da wegen des Corona-Virus‘ die meisten kurzen Wettkämpfe ausfallen, mal an vielen langen Läufen bis an die Marathon-Distanz heran versuchen, auf den Badenmarathon im September hoffen und mal schauen, was passiert. Vielleicht liege ich ja falsch. Aber wenn die meisten nicht über 32, vielleicht 35 Kilometer trainieren, aber in diesem Bereich oder knapp drüber im Wettkampf ihre Einbrüche bekommen, ist vielleicht genau das der Punkt. Und selbst wenn ich falsch liege – es muss sich ja niemand nach mir richten – es kostet mich nur ein bisschen Zeit am Sonntag, bis September so oft es geht 35 oder mehr Kilometer zu laufen…

[KuK] Mein Geist macht Freeclimbing

Heute morgen hatte ich – wie schon gestern – einen rauen Hals. Klar, in diesen Zeiten ist man da vorsichtiger, aber ich kann es nicht leugnen, ich HABE einen rauen Hals, selbst wenn man alle Corona-Panik-Hypochondrie abzieht. Mein Mann hustet und schnieft – da eine laufende Nase eher für Erkältungen typisch ist, tippe ich mal auf ordinäre Erkältung bei ihm und bei mir, nicht auf Influenza oder Sars-CoV-2. Bei dem engen Kontakt, den wir als Pärchen haben, ist es wahrscheinlich, sich beieinander angesteckt zu haben.

Nun geht es mir aber weiter recht gut. Ich merke fast nichts. Dennoch habe ich das Laufen heute morgen gecancelt, denn letztes Mal, als ich lief und eine Erkältung im System hatte, resultierte das in mehr als sieben Tagen richtig fieser Erkältung. Aber es bleibt im Moment eine Hängepartie zwischen „Vorahnung einer Erkältung, besser nicht laufen“ und „Himmel, ich fühle mich normal, warum laufe ich nicht?“. Und so macht mein Geist Freeclimbing… oder auch:

Ich geh‘ die Wände hoch!