Sporty Spice

Eine Freundin und eine Kollegin bezeichnen mich – unabhängig voneinander – als Rennmaus. Ein wenig befremdlich war das anfangs schon, denn wenn ich mich mit einem Tier identifiziere, ist es eher eine Katze. Nun, die Rennmaus bin ich also. Anhand meiner Laufleistungen dieses Jahr meinte eine andere Freundin, ich mutierte von der Rennmaus zum Road Runner.

Miep-Miep!

Nun fügt sich für jemand anderen wohl die Kombination aus dem Rennrad, mit dem ich stets zur Arbeit radle und das ich aus Sorge, dass der Carbon-Rahmen im engen Fahrradkeller unsachgemäß behandelt wird, mit hoch ins Büro trage, meiner Lauferei und meinem Kleidungsstil zu einem anderen Spitznamen zusammen. Mit Rennrad, Lauferei und dem Hineinkombinieren von Sportkleidung in meine Alltagskleidung beschwöre ich das wohl herauf.

Und so bin ich bei unserer Juristin nun „Sporty Spice“. In den Neunzigern konnte ich zwar eigentlich mehr mit Mel B anfangen, so in Sachen „mit welchem Spice Girl identifizierst du dich?“. Inzwischen aber muss ich sagen, dass mit dem Einfluss, den Sport auf meinen Lebensstil hat, Sporty Spice mein Ding ist – wenn auch nicht unbedingt genau in der Form wie bei Melanie Chisholm. Einen Flicflac – nee, kriege ich nicht hin, ich bin eher die Ausdauersportlerin – auch wenn ich zumindest die kleidungstechnische Eleganz der eleganteren Sportarten auf mich anwenden kann, so bin ich doch beim Ballett, Eiskunstlaufen und Turnen nur Zuschauerin.

Also neben der Rennmaus nun auch Sporty Spice.

Find ich gut!

Die Welle reiten

Es waren nun ein paar sehr stressige Tage, in denen ich nicht die Muße zum posten hatte. Aber nun bin ich wieder da und hoffe, zu bleiben.

In den letzten Tagen habe ich es auch geschafft, vor die Welle zu kommen. Die Welle, fragt Ihr? Welche Welle? Genau das hat jedenfalls mein Mann gefragt, als ich ihm gestern sagte, dass ich an diesem Wochenende „vor die Welle“ kommen wollte. Bevor Ihr jetzt irgendwas denkt – nein, es hat nichts mit Infektionswellen zu tun.

Ich setze mir ja üblicherweise Jahresziele an Kilometern beim Laufen und nun auch beim Radfahren. Diese Jahresziele kann man dann durch 365 oder in Schaltjahren durch 366 teilen und bekommt das, was man am Tag laufen, radfahren oder was auch immer muss, um das Ziel bei gleichmäßiger Lauf-, Rad- oder anderer Leistung jeden Tag zu erreichen. Den Fortschritt dieses gleichmäßig durch das Jahr genau die Kilometer fressenden Pacers stelle ich mir als eine Welle vor. Man kann vor dieser Welle bleiben, sie reiten oder hinter ihr sein. Bei den Radkilometern kam ich schon recht früh im Jahr vor die Welle, da ich mir mein Ziel auf dem Level des Radelns im Juni setzte – August, September und auch Oktober brachten aber viel mehr Radkilometer. Beim Laufen kann ich mich eigentlich ganz gut einschätzen, aber die Verletzung im April, die mich auch im Mai noch viel Lauferei kostete, selbst im Juni noch nicht wieder voll laufen ließ, hatte ich dabei nicht auf dem Schirm. Zehn Kilometer pro Tag wollte ich laufen, mit 300 im Januar, 300 im Februar und 400 im März war ich gut auf Kurs, ritt knapp vor der Schaumkrone auf der Welle. Dann schlug mich die Verletzung vom Brett, spätestens Mitte April überholte mich die Welle und ich habe seitdem versucht, wieder auf den Berg hoch zu paddeln.

Meinen Stand habe ich mit meinem Jahresziel-Armaturenbrett dargestellt. Das Radziel, Gesamtkilometer, alles im grünen Bereich, überall war ich vor der Welle. Beim Laufen aber nicht, und das ist ja eigentlich mein Hauptsport. Am gestrigen Samstag lief ich morgens einen Halbmarathon, abends nochmal vierzehn Kilometer, weil ich spürte, mein Rücken brauchte das – und heute nochmal im reduzierten Lauftreff einen Dreißiger… und siehe da:

Sportziel-Armaturenbrett. Vor der Welle!

20,45 Kilometer Vorsprung habe ich mir heute erlaufen, ich kann mir somit leisten, den schaumkronenbewehrten Kamm der Welle morgen ein wenig aufholen zu lassen. Das fühlt sich verdammt gut an!

[KuK] Sportziel-Armaturenbrett

Ich zeige ja öfter mal all meine Statistik im Sport, Diagramme noch und nöcher… und so weiter. Aber ich habe festgestellt, dass mir etwas eigentlich ganz simples immer fehlte: Eine Art Armaturenbrett der Zielerreichung. Natürlich ist das in Sachen „Trainingsplan für Tempo“ recht schwierig, da das eine komplexe Kontrolle ist. Das bastle ich mir vielleicht auch irgendwann. Für den Moment aber reichte es mir, eine Anzeige zu generieren, wie weit ich in meinen jeweiligen Gesamt-Kilometer- und Gesamt-Zeit-Zielen fortgeschritten bin.

Mein Zielerreichungs-Armaturenbrett.

Automatisch wählt Excel aus meinen gesammelten Daten die es jeweils aktuellen Jahres aus. Dann bestimmt es, wie weit das aktuelle Jahr am jeweils heutigen Tage fortgeschritten ist. Dann werden die Anteile an den gesetzten Zielen, die ich schon erreicht habe, berechnet und mit dem Fortschritt des Jahres in Relation gesetzt. Bin ich vor meinem Plan, wird’s grün hinterlegt, bin ich dahinter, sieht’s rot aus. Blau heißt, dass ich kein Ziel definiert habe und orange, dass ich exakt im Plan bin. Dazu sagt mir die Datei, wie viel ich pro Tag, Woche und Monat jeweils noch erreichen muss, um das Ziel am Jahresende erfüllt zu haben.

[KuK] Verbrannte Erde – Erster Versuch

Heute wollte ich „Verbrannte Erde“ beim Laufen spielen. Das bedeutet, dass ich keine Strecke zweimal, aber möglichst weit durch meinen Heimatort laufen wollte. Leider habe ich aus Gedankenlosigkeit zweimal gefoult:

Mein erster Versuch „Verbrannte Erde“.

Bei Foul 1 habe ich einfach nicht daran gedacht, dass ich den mit der türkisen „1“ markierten Weg schon gelaufen bin, eigentlich wollte ich die türkis markierte Alternativstrecke laufen. Bei Foul 2 bin ich zu spät abgebogen, das war dann die Sackgasse statt des Weges um die Turnhalle.

Im Süden lässt sich vielleicht noch ein bisschen was rausholen, im Westen des Dorfes ist es schwierig. Aber wenn ich das Industriegebiet im Osten mitnehme, komme ich wahrscheinlich auf 20 Kilometer. Das obige Muster mit den zwei Fouls waren 14,46.

Eitler Traum

Mein Unterbewusstsein ist eitel. Aufgrund der einen oder anderen Quelle, die ich am Ende dieses Beitrages nennen werde, schickte es mir in der Nacht von Freitag auf Samstag einen Traum, dessen Fragmente, an die ich mich erinnerte, ich im Wachsein mit Elementen meiner Erinnerung verwoben habe… heraus kam das Folgende:

Ein Traum

Ich laufe. Seit Stunden laufe ich… doch nun nähert sich mein Lauf seinem Ende, ich weiß es. Eben bin ich rechts abgebogen, zwischen der Europahalle zu meiner Linken und dem Europabad zu meiner Rechten laufe ich hindurch. Leute rufen meinen Namen, manche haben ihn von der Startnummer abgelesen, andere sind wegen mir hier, hinter den Absperrungen. Da vorne kommt eine Treppe, nicht?

Nein, da kommt keine Treppe, die Strecke führt über die Fahrradrampe hinunter, auf den Parkplatz hinunter. Ich schaue auf meine Uhr – 4:10 pro Kilometer, ich bin etwas langsamer geworden. 41,95 Kilometer… auf die Zeit zu schauen traue ich mich nicht. Ich weiß, die abgelaufene Zeit, sie steht links neben der Pace auf dem Display, unter der gelaufenen Strecke, aber ich bin hinreichend erledigt – und euphorisch – um es zu schaffen, nicht darauf zu schauen. An den Absperrungen stehen sie, drei, vier Reihen, rufen, feuern an. Ich sehe zwei rot-gelbe Trikots meiner Sport Löwen Baden, sie jubeln mir zu, rufen eine Zeit. Ich verstehe sie nicht, will sie noch nicht verstehen. Vor mir läuft jemand über die Strecke, hebt ein rot-weißes Flatterband, das in eine Kette geflochten ist. Wie jetzt?!?

Ach so. Der Übergang. Eine Insel aus Absperrungen haben sie in die Strecke gebaut, ein Kanal aus Absperrungen führt geradeaus daran vorbei, der andere in einer Rechtskurve. Abwechselnd sperren sie die eine, dann die andere Seite, damit die Leute rüber können, ohne die Strecke zu unterbrechen. Auch die, die auf der Verkehrsinsel in der Strecke darauf warten, die Strecke vom Stadion weg zu überqueren, jubeln mir zu. Die „Verkehrsinsel“ – gleich geht es ins Stadion… in meinem Kopf ein Geräusch: Klaviertöne – Dim-Dim-didim, dim-dim-didim…

Kein Blick mehr auf die Uhr. Ich zupfe an meinem gelb-roten Trikot, habe den Eindruck, es ist über die Laufhose hochgerutscht… das „Picard-Manöver“. Aber nein, mein Trikot sitzt gut, es ist nur patschnass. Ich fühle die Magneten, die die Startnummer halten. „M1701“ steht darauf, ich sehe es nicht, aber ich weiß es. Der Magnet unten rechts ist da, der unten links auch. Die oberen müssen auch da sein, dennoch taste ich danach. Sind es jetzt die schwarzen mit dem „Never give up!“ darauf oder die pinken mit der Läuferinnensilhouette? Die Pinken, sie müssen es sein. Ich schaue aber nicht nach. Es reicht mir zu sehen, dass die schwarz-neongrünen Escalante Racer an meinen Füßen noch da sind. Klaviertöne: Di-di-dididiii-diii-dim…

Ich biege in die letzte Rechtskurve, hinein ins Beiertheimer Stadion, rechts der Beginn der Tribüne, links die Mauer. Durch diesen schmalen Durchgang laufe ich. Die Rasenfläche ist voller Halbmarathonis, glückliche Finisher. Ich laufe… ich laufe immer noch! Gleich bin ich da! Quälend langsam verschiebt sich mein Sichtfeld, die Bühne für die Siegerehrung kommt in Sicht, daneben muss gleich die Zielgerade, das Ziel in Sicht kommen, am Ende der Tartanbahn. Bilde ich mir die Klaviertöne wirklich nur ein?

Die Zielgerade, ich überblicke sie nun völlig. Auf der Tribüne stehen Leute auf, wollen die etwa gehen, wo ich nun reinkomme? Irgendwo da müssen sie sein, mein Mann, mein Vater, Freunde, Vereinskameraden, Kollegen… aber mein Blick wird mehr zum Tunnel. 2:53:57 steht in großen, roten, digitalen Ziffern auf der riesigen, schwarzen Anzeige neben dem Ziel. 2:53:58…59… 2:54:00. Ich höre eine Stimme: „Each day I live / I want to be…“

Ich sehe die Tartanbahn, gleich laufe ich am Ende der Nordkurve auf die rostrote Bahn. Ich sehe die Bahn, die Absperrung, die Uhr. Auf der Tribüne schwillt Jubel an. Die Durchsage des Stadionsprechers verstehe ich nicht, nicht ansatzweise. Geht es da um mich? Zwei männliche Marathonis sind vor mir noch auf der Strecke, ich überhole Nachzügler des Halbmarathons. 2:54:10…11…12. Die spielen das nun nicht wirklich, genau jetzt, jetzt gerade? „A day to give / the best of me“

Von den Knochensteinen geht es auf die Tartanbahn. Ich spüre, wie der Boden anders federt. Greife ein letztes Mal an meinen Pferdeschwanz, zupfe die Haargummis fester, nun wippen die Haare wieder, zumindest die, die nicht aus der Frisur entkommen sind. Ob’s zu fest ist? Egal, in 120 Metern ist es rum, soll der Rücken sich doch davon verspannen! Warte mal, wird das nicht knapp mit der Musik? 2:54:19…20…21. „I’m only one / but not alone / my finest day / is yet unknown“

Sie spielen es wirklich und es wird knapp. Aber der Jubel, die Freude um mich herum – ich bin bald da, ich habe es bald geschafft. Noch sind es nicht 2:55… Wahnsinn! Klar ist der Baden-Marathon flacher als der TCS-Marathon in New York, aber „Jaja“ ist in New York 2:55 gelaufen, ich kann noch darunter bleiben. Ich habe eine Chance, es sagen zu können. Was sagen zu können? Egal, sie jubeln. Es ist mir egal, dass drei Nachzügler des Halbmarathons nebeneinander laufen und ich erstmal kurz auf 5:00 pro Kilometer runter muss, um eine Lücke zu finden. 2:54:25…26…27.I broke my heart / fought every gain / to taste the sweet / I face the pain“

Mann, die spielen es wirklich! Ich setze einen Fuß vor den anderen, die Halbmarathoni-Gruppe vor mir macht eine Lücke auf für mich, erschrocken, dass da wer auf leisen Vorfußläufersohlen heransprintet. Dann brüllen sie mir zu: „Du schaffst es! Noch 100 Meter!“ Hundert, denke ich mir? Quatsch, bestenfalls 75, eher 65! Mein Gott, die rufen meinen Namen. Da vorne, was machen die denn da? Gibt’s jetzt etwa eine Verkehrsinsel am Zieleinlauf? Ein Band heben sie hoch, spannen es unter dem Zielbogen… 2:54:38…39…40. „I rise and fall / yet through it all / this much remains“

Habe ich verpasst, dass sie meinen Namen durchsagen? Haben sie mich verpasst? Nein… „Talianna Schmidt…“ Mehr verstehe ich nicht. Einer tritt fast in meinen Weg, was will der? Aber meine Hände greifen automatisch zu… eine rot-gelbe Fahne… das Motiv wird schon stimmen. Ich halte sie hoch, hoffentlich richtig rum, spüre, wie sie sich hinter mir entfaltet, reiße unwillkürlich die Arme dabei hoch, damit jeder die Fahne sieht. Ich müsste den Kopf mehr drehen, um die Uhr nicht aus dem Blick zu verlieren… 2:54:46…47… die letzten paar Meter, die Uhr sehe ich nicht mehr, aber das Band, in das ich hineinlaufen, das ich zerreißen soll. „I want one moment in time / when I’m more than I thought I could be“

Ich zerreiße das Band! Es federt mich nicht zurück auf die Strecke, wie ich erst dachte… soll ich mir eine Finisher-Medaille nehmen? Nein, sie weichen zurück, ich soll weiter laufen, quasi Ehrenrunde… ich trage die Baden-Fahne um die Kurve auf die Gegenbahn, sie jubeln mir zu, jemand brüllt: „Zwei-Vierundfünfzig-Dreiundfünfzig! Schneller als Jalabert beim New York Marathon“ Aus den Lautsprechern jubelt Whitney Houston: „When all of my dreams are a heartbeat away / and the answers are all up to me / give me one moment in time / when I’m racing with destiny / then in that one moment in time / I will feel / I will feel eternity“

Abspann

Nein, das ist keine Realität gewesen. Meine bisherige Marathon-Bestzeit ist 3:18:33, auch wenn ich seit dem meine Zehnkilometerbestzeit von 40:05 vor der Marathonbestzeit auf inzwischen 38:41 verbessert habe, auch wenn meine durchschnittliche Trainingsstrecke gewaltig angewachsen ist, ich also mein Tempo wahrscheinlich besser auf die Marathondistanz umsetzen kann und auch wenn ich beim Aufstellen dieser Bestzeit wegen schmerzender Zehen, die zu sehr in die Zehenboxen der Schuhe geschwollen waren, etliche Minuten auf den letzten zehn Kilometern verloren hatte. Das ist nur mein eitles Unterbewusstsein, das mir diesen Traum geschickt hat und den ich im Wachzustand aufgeschrieben und vielleicht ein bisschen ausgeschmückt habe.

Quellen für diesen Traum sind:

  • Das Video von „One Moment in Time“ mit all den Szenen von den Sommerspielen in Seoul, das ich mir Freitagabend angeschaut habe.
  • Das Wissen, dass ich langsam wirklich in Richtung des Traumes eine Sub-Drei-Stunden-Marathons trainiere und die Erkenntnis, dass ich mir das allmählich wirklich zum Ziel gesetzt habe.
  • Die Erinnerungen an zwei Teilnahmen beim Baden-Marathon auf der Marathondistanz.

Fazit: Der Oktober ist gelaufen

Wie jeden Monat habe ich auch diesen wieder ein Sport-Fazit zu ziehen. Leider funktioniert das Wortspiel mit „Der Oktober ist gelaufen“ ja nicht mehr ganz, da ich auch Rad fahre. Aber das macht ja nichts.

Im Oktober hat das Laufen aber tatsächlich mal wieder den größten Teil der Zeit eingenommen. Fast 41 Stunden habe ich auf Laufschuhen verbracht, etwa 37 Stunden im Oktober im Sattel. Jeweils im Schnitt mehr als eine Stunde Laufen und Radfahren pro Tag? Ja, das ist wohl so. Natürlich kann man in 37 Stunden weiter radeln als man in 41 Stunden laufen kann, und so war das auch bei mir. Die Radlerin hat die Läuferin an Kilometern mal wieder geschlagen, wie das seit März 2020 stets der Fall war.

99,6 % des aus Gewicht, Körpergröße und Alter abgeschätzten Grundumsatzes habe ich zusätzlich beim Sport verbraucht, 76:20 im Oktober beim Sport verbracht. Das ist ein Stück weniger als im September, aber immer noch der zweitintensivste Monat überhaupt – mit Abstand nach dem September und ganz knapp vor dem August. Anders als in August und September lief’s aber mit dem Balance- und Krafttraining nicht so, aber vielleicht bekomme ich das im November wieder auf die Kette.

Die Läuferin

Der Oktober 2020 war in Sachen „Laufen“ bei mir fast durchweg ein Monat der Superlative. Einzig die meisten Höhenmeter und die schnellste Geschwindigkeit überhaupt waren nicht besser als in allen früheren Monaten. Nach bisher maximal 38 Stunden und 12 Minuten (Dezember 2019) habe ich erstmals über 40 Stunden, nämlich 40:43:16 beim Laufen verbracht im Oktober 2020. In dieser Zeit habe ich mit 460,23 Kilometern 35 Kilometer mehr als im Dezember 2019 zurückgelegt. Zugleich war ich auch noch schnell – im Schnitt 5:19 pro Kilometer. Nur im Monat meines letzten Marathon-Wettkampfes, September 2019, war ich mit 5:19/km im Monatsmittel schneller. Drei Sonntagsläufe oberhalb der Marathondistanz (42,3 bis 45,0 Kilometer) sowie der „Zwanzig-Zwanzig-Modus“ mit Radfahrt zur Arbeit und Heimlaufen, umgekehrt am nächsten Tag, sorgten für eine ganz schöne Steigerung der mittleren Streckenlänge auf über 18 Kilometer!

Tempotraining im eigentlichen Sinne habe ich im Oktober allerdings nicht gemacht. Es waren ein paar Tempoläufe dabei, aber der größte Teil waren mit 74 % Dauer- oder Regenerationsläufe, weitere 11 % machten Radfahr-Lauf-Kombinationen aus, teils im Duathlon-Format (Laufen-Radeln-Laufen), teils im Format Radeln-Laufen-Radeln. Rund 76 % meiner Läufe absolvierte ich auf meinen „Dauerbrennern“ Altra Escalante und Vibram Fivefingers. Wegen miesen Wetters war ein 45er auf den Trailschuhen Saucony Peregrine dabei, die kamen auch bei einem trailigen Lauf auf den Mahlberg mit den Michaels aus dem Lauftreff zum Einsatz. Erste Tests mit dem minimaleren Escalante Racer waren auch drin, und natürlich Läufe auf den anderen Tempo-Schuhen.

Das ausgerufene Ziel für das Jahr 2020, nämlich im Mittel 10 Kilometer am Tag, ist wieder erreichbar geworden. Ich stehe am 31.10.2020 bei 3001 Kilometern, 660 Kilometer in 61 Tagen, 330 pro Monat oder auch elf Kilometer am Tag sind für mich definitiv erreichbar.

Die Radlerin

Nach furiosen 1400 Kilometern im September trat die Radlerin im Oktober etwas kürzer. Neben einem Platten am Rennrad auf dem Arbeitsweg am 16.10. und einem Sturz am 23.10. spielte dabei vor allem der Fokus auf das Laufen, Stichwort „Zwanzig-Zwanzig-Modus“, und die Aufforderung zur Nutzung des Homeoffices eine Rolle. Mit 840 Kilometern bin ich aber definitiv immer noch viel gefahren.

Erkennbar ist, dass der Arbeitsweg etwas weniger als drei Viertel der Strecken einnahm, was sich teils mit der Homeoffice-Geschichte erklärt. Dazu hatte ich den einen oder anderen Trainingsduathlon drin. Das Jahresziel von 7500 Kilometern ist mit weniger als 375 Restkilometern pro Monat (aktueller Stand: 6762 Kilometer) spielend leicht zu erfüllen.

Fazit

Ich habe ein Niveau wie vor meiner Verletzung Ende März erreicht und sollte wohl – um einen Ausfall wie in April und Mai zu verhindern – im November ein bisschen mehr Fokus auf Regeneration legen. Das nicht ganz so hochintensive Radfahrtraining sowie die vielen langen Läufe zielen im Moment eher auf einen Aufbau einer starken Grundlagenausdauer ab, die wohl eher nach „Ultra“ aussieht als nach Marathon. Allerdings ist mein Ziel, diese starke, für den Marathon eigentlich zu lange und langsame Grundlagenausdauer als Basis für das Projekt „Marathon unter drei Stunden“ zu nutzen. Es hat mir schon immer gut getan, im Training etwas mehr als die gewünschte Distanz zu laufen, auch wenn die Trainingspläne davon abraten. Vor einem potentiellen Wettkampf würde ich natürlich runterfahren. Aber in diesem Winter, der noch dazu durch die Pandemie beeinflusst ist, kann ich mich hemmungslos einem eigentlich zu langsamen Grundlagenausdauertraining widmen, das Potential für Ultra hätte – um dann, wenn absehbar ist, dass es wieder Wettkämpfe gibt, die langen Läufe „von oben“ einem Marathontrainingsplan anzunähern und dazu sorglos Tempotraining machen zu können.

Nun hoffe ich, dass zumindest keine Ausgangssperre kommt, so dass Sport im Freien, und sei es ganz ohne Lauftreff allein, zumindest noch hemmungslos zu betreiben ist.

Dieses war der dritte Streich…

In den Jahren 2018 und 2019 bin ich jeweils beim Badenmarathon die volle Strecke, den Marathon gelaufen, jeweils 42,195 Kilometer. Beim ersten Mal waren’s drei Stunden und vierundfünfzig Minuten, die ich dafür gebraucht habe, beim zweiten Mal war ich mit knapp mehr als drei Stunden und achtzehneinhalb Minuten deutlich schneller. Die Marathondistanz ist ein ganz schönes Stück, und man sollte gut vorbereitet sein, wenn man sie bewältigt. Anfang des Jahres hatte ich geplant, beim Trollingermarathon in Heilbronn und wieder beim Badenmarathon in Karlsruhe Marathon zu laufen, doch es kam durch das neuartige Coronavirus etwas anders.

Am 30.08. passierte es mir eher aus Versehen, dass ich das dritte Mal in meinem Leben die volle Marathondistanz durchlief.

Doch dann kam der Oktober 2020. Am Sonntag den 04.10. lief ich noch einen ganz normalen langen Lauf von 28 Kilometern, aber schon am 11.10. uferte der sonntägliche Lauftreff wieder aus. Ein wenig Strecke vor dem Lauftreff, dann mit den Laufpartnern fünfzehn Kilometer und dann… schon standen fünfundvierzig Kilometer auf der Uhr. Am 18.10. wurde es dann recht genau die Marathon-Distanz und gestern, am 25.10., lief ich noch einmal einen Marathon. Die Zeiten rangierten zwischen 3:48 und 3:55, waren also durchweg unter vier Stunden. Ich bin somit zu meiner eigenen Verblüffung drei Wochen in Folge jeweils einen Marathon am Sonntag gelaufen, jeweils unter vier Stunden und jeweils verhältnismäßig gelassen.

Wundern muss ich mich nicht, wenn einer meine Laufpartner dann das Thema Ultralauf anspricht. Er selbst hat schon einen langen Ultratrail-Wettkampf vorbereitet und betreibt Triathlon. Für mich selbst kommt das bisher eigentlich nicht in Frage, ich möchte meine Marathon-Zeit erstmal unter drei Stunden bringen und habe so ganz nebenbei hauptsächlich Freude an der Lauferei. Nicht ganz zu Unrecht sagte er mir heute, dass ich eigentlich zu lange Einheiten liefe, um einen optimal schnellen Marathon zu laufen. Ich hielt ihm entgegen, dass ich bisher immer gut gefahren bin, wenn ich die geplante Wettkampfdistanz, gerne auch etwas mehr, wirklich konsequent trainierte. Freilich würde ich das nicht kurz vor einem Marathon-Wettkampf machen, da ist Reduktion der Umfänge, das sogenannte Tapering angesagt. Aber über den Winter schließe ich nicht aus, dass sich an die drei Marathons im Oktober noch mehr anschließt. Der nächste wäre – anders als in der Überschrift, die auf die drei Marathons im Oktober anspielt, allerdings der sechste Marathon insgesamt und sicher nicht mehr im Oktober, sondern wohl im November oder Dezember.

Zur Zeit läuft es einfach. Vielleicht wird der Oktober 2020 auch der neue laufstärkste Monat meines Lebens, 425 Kilometer aus dem Dezember 2019 sind zu schlagen. Bei 370 im Oktober bin ich jetzt, zugleich bei 2911 im Jahr 2020. Die 3000 Jahreskilometer noch vor Monatswechsel komplett zu machen und auf 3660, also zehn pro Tag, mit je 330 Kilometern in November und Dezember kommen zu können, das reizt mich schon. Und wer weiß, vielleicht sind’s dann nach dem 01.11. direkt gleich nur noch 618 im Jahr, also 309 pro Restmonat – weil da noch ein Marathon bei rumkommt. Wir werden sehen.

[KuK] Freiheit

Es ist für mich ein Stück Freiheit, mit dem Rad oder zu Fuß zur Arbeit und zurück fahren beziehungsweise laufen zu können. Die Parkplatzsuche entfällt, auch die starren Zeiten der Bahnen sind keine Vorgabe mehr für mich.

Aber in den Zeiten der Pandemie gibt es noch einen Vorteil: Wenn ich durch den Wald, über den freien Radweg radle oder laufe, bewege ich mich an der frischen Luft und muss – anders als in der Bahn – keine Maske tragen. Freilich habe ich meinen Buff um den Hals und ziehe ihn als Maske hoch, wenn ich über den engen, belebten Bürgersteig gehe oder mein Rad darüber schiebe, bei uns vor dem Büro. Dort ist ein Nagelstudio, ein Edeka, eine Bar: Stets High Life und Konfetti, wie meine Mama zu sagen pflegte. Da und im Treppenhaus, auch auf dem Flur im Büro, ist’s Pflicht und angesichts der derzeitigen Explosion der Zahlen auch einsichtig. Dann aber, raus aus dem Trubel, laufend oder auf dem Rad, da kann ich die Maske weglassen.

Das lerne ich gerade sehr zu schätzen, wo in jeder Besprechung nach Vorgabe des Arbeitgebers Masken zu tragen sind, wo wir heute zu einem Außendienst fuhren – mit dem Auto. Anderthalb Stunden Maske, kurvige Strecke im Schwarzwald… trotz Corona nötig, nicht einfach nur so. Aber halt durchaus etwas, das mir klar gemacht hat, wie ungewohnt die Maske ist und wie sehr sie mich, die ich sie nicht gewöhnt bin, sonst alltägliche Dinge beschwerlicher finden lässt.

Laufen und Radeln stellt da eine Freiheit dar. Eine sehr große sogar!