Atruvia Baden-Marathon 2022

Nachdem ich außer Form bin – dank Corona im Juli, Fingerbruch Anfang August und Zahnschmerzen Ende August – habe ich ernsthaft überlegt, meine bezahlte Startnummer für den Baden-Marathon einfach sausen zu lassen. Mein Drang, hinzugehen und zu laufen, wurde von der bereits früher beschriebenen, im Newsletter verkündeten Favoritenrolle nicht gerade größer, da ich ja wusste, dass ich diese Rolle definitiv nicht ausfüllen hätte können.

Ich habe es auch nicht getan – also die Favoritenrolle ausgefüllt. Gelaufen bin ich. Vor Beginn des Laufes habe ich – bei jedem, der es hören wollte, und vielleicht auch einigen, die es nicht hören wollten – mein Ziel ausgerufen: Voller Erfolg ist, alle Verpflegungsstationen zu sehen, am besten an allen was nehmen, vor allem überall, wo’s Bananen gibt, Bananen zu essen. Halber Erfolg ist, wenn ich die erste Hälfte der Verpflegungsstationen…

Ich glaube, Ihr versteht das Konzept: Ich wollte durchlaufen. Zeit war mir völlig wurscht. Das habe ich noch mehr kultiviert, da diverse Leute mich begrüßten und viele fragten, ob ich wieder so ein Feuerwerk abbrennen würde wie in Mannheim. Den Zahn habe ich denen allen dann gezogen. Über Fotos machen, Zeug abgeben und andere Dinge verging die Zeit wie im Flug.

Los geht’s!

Trotz meiner Favoritennummer (16! Wo ich mir doch eigentlich die 1701 gewünscht hatte!) ordnete ich mich im dritten Startblock ein, zwischen den 4:00-Pacern und den 4:15-Pacern. Nummer und Startblock-Einteilung hin oder her, wenn ich nicht in den Bereich von unter 3:20 laufen kann, habe ich nichts zu suchen zwischen oder gar vor den Leuten, die es können. Ich traf noch Manu und Yvonne im Startblock, auch noch Stephanie, erstere kenne ich aus der Facebook-Laufgruppe, letztere von bei uns im Ort. Kalt war’s, wirklich saukalt, zumindest im Kontrast zu diesem heißen, trockenen Sommer, aus dem wir gerade kommen. Aber als ich loslief, wurde es dann schnell warm. Recht flott kristallisierte sich heraus, dass 4:15 auf dem Marathon vielleicht doch Understatement gewesen waren, aber ich stand niemandem im Weg und viel Stress beim Überholen hatte ich auch nicht. Auf dem Ostring lief ich langsam an die 4:00-Pacer heran, auf der Brücke über die A5 kamen sie in greifbare Nähe. Ich traf Michael vom Oberwald parkrun hinter den 4:00-Pacern, er war aber ein bisschen am Kämpfen. Im Umfeld der 4:00-Zugläufer, irgendwo in Durlach, bildete ich dann ein Team mit Mona vom Oberwald parkrun. Wir unterhielten uns nett – ich hatte ein bisschen mehr Puste als sie, aber ganz so einseitig war’s nicht. Es machte Spaß, zusammen zu laufen, bei Mona zu bleiben ließ mich nicht überpacen. Nach dem ersten Lauf über den Schlossplatz sahen wir die für die zweite Runde geltende Markierung „37 Kilometer“. Da fiel bei mir die Entscheidung, Mona auch über die Marathonweiche hinweg zu begleiten. Das Gedränge der nächsten fünf Kilometer ist mir gar nicht mehr so präsent, nur nervig war’s, weil es allmählich wirklich eng wurde – die Straßen sind breit, aber nicht so breit wie zuvor, und das merkte man deutlich.

Baden-Marathon. Die Überschrift kommt daher, dass ich gefragt wurde: „Sage, was Du am Wochenende tun wirst, aber tue es im Stil der Folge „Darmok“ aus der fünften Staffel von Star Trek: The Next Generation. Siehe dazu auch, auf welche Weise der Marathonlauf für die ersten modernen Olympischen Spiele 1896 in Athen geschaffen wurde.

Der zweite Teil

Ich analysierte schon, was ich um mich hörte. Für meine Begriffe atmete Mona etwas schneller, so dass ich schon dachte, das würde nun gleich etwas langsamer. Tatsächlich ließen wir die 4:00-Pacer zunehmend ziehen, aber das war zwischen uns auch so angekündigt. Als ich den Freibrief bekam, schneller zu laufen, lehnte ich ab – peinlicherweise noch mit einem lockeren Spruch: „Nein, ich lasse Dich jetzt nicht allein. Das kommt erst, wenn es wirklich hart wird.“ Dreimal habe ich mich entschuldigt, aber Mona war’s scheinbar egal, dass ich mein loses Mundwerk mal wieder nicht unter Kontrolle hatte, wir liefen gemeinsam und einig weiter. Durch Bulach, dann rüber ins Weiherfeld und nach Rüppurr blieb das auch so, Staffelläufer überholten uns, auch ein paar Marathonis, aber es war alles cool. Bananen hatten wir auch schon genommen. In Rüppurr war’s dann so weit. Mona musste etwas länger gehen und es wurde wirklich hart für sie, nachdem uns zuvor Patricia, auch von Monas Lauftreff, überholt hatte. Zwar mit Monas Zustimmung, aber eben doch genau wie angekündigt, als es wirklich hart für sie wurde, lief ich dann doch weiter und ließ sie allein.

Die „echte“ zweite Hälfte

Marathon hat zwei Hälften, und die zweite, harte beginnt bei Kilometer 30, sagte mir mein Begleiter vor einigen Monaten in Mannheim. Ich lief allein und fand’s gar nicht hart, feuerte Leute an, vor allem auf der Rampe zur Brücke über den Güterbahnhof taten sich einige Leute durchaus schwer – ich hoffe, mein Zuspruch hat geholfen und nicht genervt. Dann verging die Zeit aber auch wie im Fluge – mein zweiter Durchlauf am Schloss, bei der Marke zum Kilometer 37, war von laut und SEHR motiviert anfeuernden Oberwald parkrunnern begleitet. Am Schloss waren sie für mich am präsentesten, aber sie hatten schon zuvor zweimal an der Strecke ein wirklich sympathisches Anfeuer-Theater veranstaltet. Ich rief ihnen zu, sie sollten bei Mona noch lauter sein, sie brauche das – und ich weiß inzwischen von beiden Seiten, dass sie auf mich gehört haben! Im Zuge dieser Kommunikation ist ein toller Schnappschuss entstanden!

„Hey, bei Mona müsst Ihr NOCH lauter sein!“ – Bild: Dorothee Langenbach.

Im Ziel erwartete mich dann, fünf Kilometer weiter, Michael vom Oberwald parkrun, um ein Bild von mir zu machen. Daher kommt hier gleich das nächste:

Im Ziel. Bild: Michael Ayala Vizan.

Ein bisschen überlaufende Augen kriegte ich dann schon auf der Zielgeraden, das ist einfach ein großartiges Gefühl, nach 42 Kilometern in ein Stadion mit jubelnden Menschen einzulaufen. Ein wenig bedrückend war nur, dass ich kurz vor dem Ziel bereits einen anderen Läufer gesehen hatte, um den sich bereits gekümmert wurde – der hatte sich wohl total übernommen. Auch im Ziel sah ich gleich noch eine solche Szene. Das ist dann natürlich heftig.

Am Ende…

Mit 4:11:11 als Nettozeit kam ich als 51. Frau von insgesamt 100 Finisherinnen… Finishsies… wie auch immer ins Ziel. Bananen habe ich mir überall geholt, Getränke nicht jedes Mal. Viele Leute habe ich auf dem Weg getroffen, geredet, mich gefreut. Es war wunderschön, so viele liebe Leute vor, während und nach dem Lauf zu treffen und sich auszutauschen.

Mit der erklärten Zielzeit von 3:05, die ich vor Corona und Fingerbruch anvisiert hatte, hätte’s tatsächlich sogar eine Erfüllung der Favoritenrolle ergeben. Sabrina, die gewonnen hat, brauchte etwa 3:15. Mein Lauf- und Vereinskumpel Nobse stellte sie mir später dann noch vor.

Insgesamt war der Baden-Marathon für mich ein Erfolg – auch sportlich. Ich habe gelernt, dass ich die Strecke noch bewältige, habe den Kickoff für neue Longruns gesetzt. Ein Personal Best konnte ich nicht setzen, aber hey, das war auch nicht (mehr) das Ziel. Schön war’s, danke allen, denen ich begegnen und ggf. auf die Nerven gehen durfte!

Berlin-Marathon

Jetzt wundert Ihr Euch, was?

Nein, ich laufe nicht in Berlin mit. Ich bin dem Blog auch noch den Bericht vom Baden-Marathon in Karlsruhe schuldig. Aber ich hatte Anfang dieser Woche anderes zu tun. Warum ich den Berlin-Marathon dennoch erwähne: Vor einigen Tagen erreichte mich eine Umfrage, die ein anderer Laufblogger zum Berlin-Marathon startete, und daran habe ich teilgenommen. Die Ergebnisse und auch, was ich dazu geschrieben habe, findet Ihr in seinem Beitrag:

Umfrage bei „Der Mensch läuft“ zum Berlin-Marathon. Auch meine Antworten sind dabei.

Ich hoffe, mein Fazit zum Baden-Marathon gibt’s morgen – kann aber auch noch ein Momentchen dauern. Schöne Bilder habe ich dank zweier Lauffreunde vom Oberwald parkrun auf jeden Fall dafür!

Stück für Stück

Vor einigen Wochen, mit gebrochenem Finger und reichlich wenig Sport auf dem August-Konto, beschloss ich, mein in Excel geführtes Trainingstagebuch zu überarbeiten. Ich begann, ein Leistungsverzeichnis zu schreiben, packte diverse Dinge, die mich gestört hatten, in das Überarbeitungspaket hinein. Nach zwei Wochen Überarbeitungszeit sind einige Dinge inzwischen erledigt:

Konsistente Werte-Anordnung

Ein Anliegen, dessen Tragweite ich gar nicht voll auf dem Schirm hatte, war mir die thematische Anordnung der verschiedenen Summen-, Durchschnitts- und Analysewerte für die jeweiligen Sportarten, und das konsistent durch die jeweiligen Sportarten durchgezogen. Erstens wurde mir erst im Laufe der Überarbeitung klar, wie sehr mich die Ergänzung von Spalten an willkürlicher, nicht bei jeder Sportart gleicher Stelle störte. Musterbeispiel war die Leistung – die hatte ich beim Laufen an ganz anderer Stelle eingeordnet als beim Radfahren. Natürlich hatte das historische und ein bisschen auch technische Gründe: Leistungsmesserkurbeln habe ich mir im Sommer 2021 gekauft, den Stryd erst Weihnachten 2021. Mit dem Stryd kamen Laufeffizienz-Werte, zu denen die Leistungsschätzung auch irgendwie gehört, während die Leistung beim Radfahren eher im Bereich der Belastungssteuerung, also neben dem Puls eingeordnet war. Das mag seine Berechtigung haben, aber es machte die Tabellen sehr unterschiedlich und meiner Meinung nach unbefriedigend. Also restrukturierte ich… und entdeckte Inkonsistenzen en masse. Das zu Sortieren schien einfach, kostete aber einen Haufen Zeit.

Nun sieht das alles sehr regelmäßig aus, denn ich habe thematisch gruppiert, in folgender Reihenfolge:

  • Kinematik (Summen): Zahl der Aktivitäten, Dauer, Distanz, Höhenmeter aufwärts
  • Kinematik (Mittelwerte): Mittlere Dauer, mittlere Distanz pro Aktivität, monatsgemittelte Geschwindigkeit, mittlere Steigung
  • Effizienz/Leistung: Laufeffizienzwerte wie Schritthöhe und Bodenkontaktzeit, aber auch Schritt-, Tritt- und Zugfrequenz sowie Leistungsmessung sind hier eingeordnet
  • Physiologie: Herzfrequenz, Atemfrequenz, verbrauchte Kalorien… wenn ich irgendwann noch Sauerstoffsättigung oder Blutzuckerspiegel in irgendeiner Weise messen will oder werde, dann hätte das hier ein logisches Zuhause
  • Formschätzer: Hier packe ich alles rein, was abgeleitete Größen sind – PRAPP, PRAGQ und PRASPP finden hier Platz, aber auch abgeleitete Leistungswerte wie zum Beispiel die Schritt-/Trittleistung (Joule pro Schritt bzw. Tritt), die Schlagleistung (Joule pro Herzschlag) oder – ganz neu – der „Wirkungsgrad“, in dem ich die laut Leistungsmessung erbrachte, physikalische Arbeit (Leistung mal Zeit) durch die verbrauchten Kalorien teile (natürlich unter korrekter Umrechnung von kCal in kJ)

Dieser eher klein erscheinende Baustein der Änderungen fraß SEHR viel Zeit und Mühe, ist aber nun abgeschlossen.

Die Tabelle beim Laufen.
…und beim Radfahren.

Aufräumen der Sportartliste, Trennung von Anlass und Trainingsform

Eine der fiesesten Inkonsistenzen war, dass Indoor-Radfahren über Anlass/Trainingsform, Indoor-Laufen über die Sportart („Laufband“) erfasst war. Das hatte historische Gründe, ich fand’s aber dann irgendwie richtig blöd. Also ging ich es grundsätzlich an: Ich warf den Ort, wo etwas stattfindet, aus der Sportart heraus, an allen Stellen. Laufen, Radfahren, Schwimmen, Skaten und Sonstiges blieben bei den Ausdaueraktivitäten übrig, dazu kam noch Krafttraining und der Ruhetag, um hier Daten wie die Dauer, an Ruhetagen die Ruheherzfrequenz, das Gewicht und dergleichen über die übliche Maske erfassen zu können. Dafür wurden Anlass und Trainingsform getrennt. Zuvor hatte ich Radfahren eher nach dem Anlass, Laufen eher nach der Trainingsform sortiert, und beides in derselben Spalte. Das musste unbedingt weichen – und hatte große Konsequenzen: Ich musste eine neue Erfassung der Daten anlegen, aber wollte die Kompatibilität mit der Liste seit 2017 wahren. Natürlich war es nicht möglich, jeder Laufaktivität seit 2017 noch individuell einen Anlass zuzuordnen, genau wie es nicht möglich war, jeder Radfahraktivität seit Dezember 2019 eine Trainingsform zuzuordnen.

Die neue Erfassungstabelle.

Die neue Erfassungstabelle ist schon fertig, aber die Herstellung der Kompatibilität mit der alten Tabelle, in der dann „über einen Kamm geschert“ alle Laufaktivitäten unter Training als Anlass erfasst werden und alle Radfahrten als Grundlagentraining, ist noch nicht gegeben. Für 2022 spielt das eine Rolle, da ich den Systemübergang mit dem 01.08. gewählt habe. Ab 2023 ist eh alles im selben Raster erfasst und die Historie hat ja ohnehin ihre Ungenauigkeiten, weil sich meine Datenhaltung entwickelte. Nun werden künftig folgende drei Ordnungs-Parameter angewendet:

  • Sportart: Laufen, Radfahren, Schwimmen, Skaten, Sonstiges, Krafttraining und Ruhetag
  • Anlass: Indoor (was für das Laufband, den Rollentrainer, den Heimtrainer und das Hallenbad stehen wird), Bahn (Stadion, Freibad), Training (Outdoor-Aktivität mit dem Anlass das Trainings und keinem sonst), Arbeitsweg, Besorgungen, Therapie (da ich ja durchaus mal gegen meine Kopfschmerzen anlaufe oder Kraft-/Technik-/Beweglichkeitsübungen gegen den Spannungskopfschmerz mache) sowie Freizeit (was dann für Spaziergänge steht, für erfasste Geh-Aktivitäten z.B. im Zoo oder Park, halt alles, was nicht Training, Einkaufen oder Arbeitsweg ist).
  • Trainingsform: Regeneration, Grundlage, Lang (was die Kurzform für „Grundlage – Lang“ sein soll und für lange Läufe mit oder ohne Endbeschleunigung ebenso steht wie für sehr lange Radfahrten), Tempo, Intervall, Wettkampf, Technik/Kraft und Berg/Trail.

Das reduziert komische Inkonsistenzen und erlaubt, auch mal ein Intervalltraining auf dem Rad auf dem Heimweg von der Arbeit korrekt als solches zu erfassen, oder einen Tempodauerlauf zur Arbeit nicht entweder als Arbeitsweg (war beim Laufen so bisher für mich nicht vorgesehen) oder Tempodauerlauf, sondern als beides zu dokumentieren.

Kleinkram

Bisher hatte ich auch den Anlass bzw. die Trainingsform „Multisport“. Das zeigte die Inkonsistenz zwischen den Sportarten besonders augenfällig auf. Dieses Feld habe ich nun gesondert. Wenn ich also ein Koppeltraining oder vielleicht auch mal einen Duathlon-Wettkampf machen sollte, kann ich das einfach so erfassen. Insbesondere, wenn ich mit dem Rad ins Freibad fahre, auf dem Rückweg auf der Laufbahn vorbei und dort Intervalle laufe – was ist das dann? Multisport? Intervalltraining? Sprich: Das neue Feld war erforderlich. Erhalten habe ich das Feld für den Schwimmstil, die Verwendung oder Nichtverwendung von Cleats sowie die Frage, ob ich bei Laufaktivitäten Lauf-ABC gemacht habe. Das ist zwar Technik-Training, aber gesonderte Aktivitäten für 400 Meter Gesamtstrecke mit sieben Lauf-ABC-Übungen, Warmlaufen und Intervalle jeweils gesondert zu erfassen, das erschien mir dann doch übertrieben. Die Auswertung hier muss ich mir noch ausdenken, aber das wird einfacher als vorher sein.

Krankheits- und Schmerztagebuch

Kopfschmerzpatienten wird geraten, ein Schmerztagebuch zu führen. Man kann dann die Schmerzen Anlässen zuordnen und eventuell Methoden zum Gegensteuern entwickeln, Verschlechterungen deutlicher sehen und hat einfach auch eine bessere Erklärungsbasis, wenn man wegen des chronischen Leidens zum Arzt geht, weil man „das Gefühl“ hat, es sei was im Busch. Mit dem Tagebuch hat man nicht nur das Gefühl, sondern tatsächlich ein Dokument, das sagt: „Es IST anders als vorher!“ Da ich nicht nur Kopfschmerzen als wiederkehrendes Leiden habe, sondern auch Colitis ulcerosa, und außerdem der emotionale Zustand manchmal maßgeblicher Auslöser der Kopfschmerzen sein kann, habe ich gleich Nägel mit Köpfen gemacht: Ich dokumentiere tagesscharf, ob ich gesund, krank oder gar attestiert krank war, und auf einer Skala von Null bis Zehn, wie stark ich unter Kopfschmerzen, Colitis-ulcerosa-Symptomen, emotionaler Dysbalance und/oder Sonstigem gelitten habe. Wie gut Strukturerkennung dann funktionieren wird (z.B. ansteigendes psychisches Unwohlsein mit anschließender Kulmination in Kopfschmerzen und/oder Darmprobleme), wird man sehen. Erstmal erfasse ich die Daten und gucke, wie es mir hilft – DASS es mir helfen wird, daran habe ich keinen Zweifel.

Ein erster Nebeneffekt ist allerdings auch, dass ich meine Jahresziele um 1/365 je Kranktag abschwächen kann – und neben der Erfassung habe ich das auch schon eingebaut:

An Tagen, an denen ich krank war oder bin, will ich natürlich nicht 20 Kilometer Radfahren oder 10 Kilometer Laufen von mir verlangen – und auch nicht, direkt nach dem Gesundwerden das Ganze aufzuholen. Daher wird das Jahresziel um 1/365 pro Kranktag reduziert.

Trainingsplan

Eine Idee, die mir dann kam, war die Nachverfolgbarkeit eines Trainingsplans in der Datenbank zu ermöglichen. Genau das habe ich nun auch eingebaut. Ein Interface zum Erstellen des Trainingsplans ist schon da:

Das Trainingsplan-Gesamtinterface.

Ich habe mich nach Marquardt orientiert und drei Vorbereitungszyklen, einen Wettkampfzyklus und einen Regenerationszyklus vorgesehen. Diese kann ich jeweils zwischen einer und zehn Wochen Dauer einstellen, mit tagesscharf geplanten Wochenplänen versehen. Die Prüfung, ob der Plan so weit erfüllt wurde, erfolgt wochenscharf – unter Berücksichtigung von Krankheitstagen. Dafür habe ich auch zwei Spalten im Trainingstagebuch vorgesehen: Welches Training aus dem Trainingsplan ich gemacht habe und ob ich die Vorgabe erfüllt habe. Das wird dann im großen Trainingsplan-Tab erfasst.

Um das Ganze besser nachvollziehbar zu machen, plane ich erstens eine Hervorhebung und/oder gesonderte Anzeige der jeweils aktuellen Woche mit ihrem jeweiligen Erfüllungsstand und eine grafische Darstellung der jeweiligen Makro- und Mikrozyklen. Das ist aber noch nicht aufgebaut.

Am Ende…

…bin ich mit der Überarbeitung noch lange nicht, aber vieles ist angelegt, etliches ausgeführt und die Basisfunktionen, die vorher funktionierten, funktionieren wieder – und besser.

Krise – Chance

Manchmal ist ein Problem, eine Krise, auch eine Chance. Ich beziehe mich nicht auf den Post von gestern – das dort geschilderte, nur in mir drin liegende Problem fällt noch unter die Kategorie „Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem“. Nicht, dass es ein großes wäre.

Aber es geht tatsächlich um die „Krise“, die mir das heftige „Gebeuteltsein“ der letzten zwölf bis dreizehn Monate gemacht hat. Zuerst ein dreimonatiger Zeitraum mit fiebriger Schwäche, Rückenschmerzen und Doppelbildern, wahrscheinlich durch unerkannt irgendwo eingefangene und recht spät erkannte Borreliose, dann zwei Monate Wiederaufbau, heftiger grippaler Infekt, vier Monate ganz gute Zeit, dann Covid, Fingerbruch Zahnschmerzen – der erste Zahn überhaupt, den ich verloren habe.

Über die Zeit hatte sich einiges angesammelt, was ich an meiner Dokumentation von Sport, Bewegung und Krankheiten besser machen wollte. Ich hatte vor Jahren mal eine ziemlich aufgeblasene Krankheitsdatei erstellt, in der ich den Zustand der jeweiligen körperlichen und psychischen Baustellen verfolgte – war oversized, ich habe es irgendwann nicht mehr genutzt. Zugleich fiel mir mehr und mehr auf, dass ich mir Trainingspläne baue, diese aber in meiner Excel-Datei, die als Trainingstagebuch fungiert, nicht nachvollziehbar verfolge. Weitere Baustelle war, dass mein Trainingstagebuch die Art der Aktivität je nach Sportart unterschiedlich verfolgte: Beim Laufen erfasste ich genau die Trainingsform, nicht aber den Anlass, beim Radfahren eher den Anlass – und beim Laufen war die Frage „Indoor oder Outdoor“ über die Sportart erfasst, beim Radfahren über Anlass/Trainingsform.

Nun ist gerade der große Wurf im Gange: In der überarbeiteten Version meiner Trainingsdatei werden nun Sportart, Anlass, Trainingsform und Sportgerät erfasst werden. Dazu habe ich meinen spaßigen „Streak-Nachverfolgungs-Tab“ gecancelt und stattdessen einen Trainingsplan-Tab geschaffen. Die dort definierten Trainingsformen und ob’s geklappt hat, können bei jeder Aktivität ausgewählt werden – mit einer Eingabe-Kontrolle. Damit wird dann erfasst, ob ich in der jeweiligen Woche das richtige Training durchgeführt habe und ob’s funktioniert hat. Ein Schmerz- und Krankheitstagebuch habe ich auch integriert, so dass ich einerseits Schmerz, Krankheit und dergleichen nachverfolgen und mit restlichen Lebensumständen (mit dem Sport innerhalb der Datei, mit allem anderen aus der Datei heraus) korrelieren und Schlüsse ziehen kann, andererseits meine Kilometer- und Zeitziele im Training (meistens als Kilometer, Zeit, Übungswiederholungen pro Tag im Jahresschnitt definiert) automatisch um 1/365 für jeden Kranktag abschwächen kann.

Noch ist’s nicht fertig, aber mächtig in Arbeit. Vor allem anstrengend wird werden, die Kompatibilität mit vorher (insbesondere für’s laufende Jahr in der Bilanzierung) darstellbar zu halten. Der Rest funktioniert denke ich ganz gut. Ich bin sehr gespannt, wann und was ich davon hier präsentieren können werde.

Wie gehe ich damit um?

Es ist ein Problem, wie es sicher weit professionellere, stärkere und ambitioniertere Sportler als ich es öfter haben. Aber nun hat es auch mich erreicht…

Im letzten Newsletter des Atruvia Baden-Marathons in Karlsruhe wurde ich, neben Jennifer Honek von der LSG Karlsruhe, als Aspirantin auf den Marathon-Sieg mit einer angepeilte Zeit um die 3:10 genannt. Erst heute hat mich ein Kollege, der ebenfalls Sportler ist, darauf hingewiesen, vorher hatte es ich gar nicht mitbekommen. Eine Favoritenrolle also… nur in diesem Falle eine, die ich auf gar keinen Fall ausfüllen können werde! Schließlich hatte ich bereits direkt nach der Bergdorfmeile mit Covid einen schweren Rückschlag in meiner Vorbereitung. Ich wollte Mitte Juli mit der spezifischen Marathon-Vobereitung (einem neun-Wochen-Countdown) beginnen, alles war geplant, aber da ich am 03.07. den ersten positiven Covid-Test hatte, wurde schon klar, dass das schwierig werden würde. Meine erste geplante Trainingswoche ab dem 18.07. nutzte ich erstmal, um mich ganz langsam wieder auf die Strecke zu tasten und mit EKG und Blutwerten eine Myokarditis auszuschließen. Die Urlaubsreise zu Freunden an den Mittelrhein über, in der Folgewoche, merkte ich schon, dass ich noch viel zu tun haben würde, zugleich waren die Erholungszeiten verzögert. Und dann brach ich mir bei einem Sturz den Finger. Zu beschäftigt mit Genesung habe ich natürlich meine Zeitprognose beim Baden-Marathon zu korrigieren vergessen.

Und so stehe ich nun da, bin persönlich als Sieg-Aspirantin genannt und weiß nicht einmal, ob ich überhaupt den Marathon bis dahin durchlaufen können werde, und selbstverständlich werde ich es nicht in einer Zeit können, die Ambitionen auf einen Sieg auch nur vage realistisch erscheinen lässt!

Ich muss ganz aufrichtig gestehen, dass ich nicht weiß, wie ich mit dieser öffentlich gewordenen Prognose umgehen soll. Sicher, ich lebe nicht vom Sport, weder Sponsoren noch ein Verband drängen auf Erfolge. Es ist nur der eigene Ehrgeiz, und die Gesundheit ist mir immer noch wichtiger. Im Wissen allerdings, dass ich rein vom Trainingsstand nicht einmal annähernd in der Lage sein werde, ein Top-10-fähiges Ergebnis abzuliefern, aber als Favoritin genannt werde, empfinde ich im Moment echte Unsicherheit. Wenn alles glatt gegangen wäre, würden diese Woche der letzte lange Tempodauerlauf im Marathonrenntempo (18-22 Kilometer) und der letzte lange Lauf mit Endbeschleunigung (35 Kilometer, die letzten 15 im Marathonrenntempo) anstehen. Ich bin aber vergangenen Sonntag das erste Mal seit Juni wieder mehr als 20 Kilometer gelaufen, und das langsam. Mehr als 30 Kilometer bin ich seit dem Dämmermarathon im Mai nicht mehr gelaufen.

Aber so ist es eben. Auch Sportler, die davon leben (müssen) haben das Problem, dass man einen für Bestleistungen tauglichen Trainingsstand nur erreicht, wenn nicht zu lange und nicht zu viele Krankheiten dazwischen kommen. Auch denen passiert das. Wie sehr mich das nun gerade verunsichert, erstaunt mich aber dennoch. Gedanklich hatte ich den Baden-Marathon aus den genannten Gründen schon als „vielleicht langer Trainingslauf mit Versorgungspunkten, vielleicht auch nur Halbmarathon“ schon abgehakt, war schon weiter gegangen zum Frühjahrs-Saisonhöhepunkt nächstes Jahr. Dass ich beim Baden-Marathon nun vielleicht gefragt werde, warum’s mit 3:10 nicht wieder geklappt hat, wahrscheinlich nichtmal mit 3:30, vielleicht nicht einmal mit voller Marathondistanz, das kommt überraschend und macht mich erstaunlich nachdenklich.

Es ist… eine Erfahrung.

Sichtliche Veränderung

Im letzten Spätsommer und Herbst ging es mir ja nicht so gut – ein entscheidender Teil des Problems waren ja Doppelbilder, aus deren Diagnose auch die Dringlichkeit, mehr zu untersuchen und zu behandeln, und dann die Lösung erwuchs. Schon damals war klar, dass ich nicht nur vorübergehend schielte, sondern eventuell auch die Stärke meiner Brille nicht mehr ganz angemessen war. Aber während klar war, dass da was zu tun sein würde, war eben noch nicht klar, ob zusätzlich noch ein Prismenschliff erforderlich sein würde. Das zumindest blieb mir erspart – meine Augenmuskeln funktionieren wieder normal, ich schiele nicht mehr und sehe somit auch nicht mehr doppelt.

Also war nun das andere Problem anzugehen – meine stärker gewordene Kurzsichtigkeit, ganz nebenbei ist meine alte Brille auch schon ziemlich mitgenommen: Teile der Entspiegelung sind abgewetzt, die Bügel sind nicht mehr schön und auch die Nasenpads rutschen mir gerne mal runter. Zudem sind die Gläser eher klein, zusammen mit dem Runterrutschen des Nasenpads ging ein ziemliches Fenster für Insekten, Staub und Regen beim Laufen und Radfahren auf, außerdem sah ich beim sportlich auf dem Rad sitzen – vor allem in Aero-Haltung und am Unterlenker – größtenteils unscharf über die Gläser hinweg. Alles nicht so optimal…

Also gab es eine neue Brille: neues, leichteres Gestell mit größeren Gläsern und UV-Schutz in richtiger Stärke… freilich ordentlich teuer, aber besser, als das Bild der Welt mit Tabasco zu schärfen allemal:

Aber diese neue Brille ist, obschon leicht, groß, mit Titanflex-Gestell auch robust, noch nicht optimal beim Radfahren und Laufen am Tag. Bei Dunkelheit radle und laufe ich hinreichend selten, dass es diese neue Alltagsbrille auch dafür tut, aber… das Anschauen der Tour de France mit den vielen Radlern und Radlerinnen mit tollen Radbrillen hat das Bedürfnis nach einer Sportbrille mit Stärke geweckt. Eigentlich hatte ich schonmal nach sowas geschaut und war ob des Preises zurückgeschreckt. Aber bei Nachfrage beim Optiker ergab sich eine Option, die günstiger als erwartet (freilich immer noch ein Haufen Geld) und auch optisch ziemlich cool war und ist. Auf dem Rad kann ich diese wegen des Kleinfingerbruchs noch nicht präsentieren, aber zumindest ein bisschen einen Eindruck vermitteln:

Diese sichtliche Veränderung blogtechnisch zu verarbeiten war mir ein Anliegen, obschon ich dank langer Übung im Zehnfingertippen im „Adler-Suchsystem“ Praxis verloren habe und das Tippen dieses Textes echt eine frustrierend langsame Angelegenheit war. Dass ich wegen der Schiene nicht nur ob mangelnder Fähigkeit bzw. Erlaubnis, Rad und Auto zu fahren, als arbeitsunfähig gelte, sondern auch am PC erschreckend eingeschränkt bin, war mir zuvor schon bewusst, aber nun noch mehr… zumal mit Blick auf die Tastatur tippen und dabei alle verfügbaren Hände nutzen auch noch das Telefonieren und zeitgleich elektronisch Dinge nachgucken bis zur Unmöglichkeit verlangsamt.

Also freue ich mich nun auf den Zeitpunkt, zu dem ich mit neuer Brille wieder Radfahren kann und darf sowie mit neuer Brille wieder am PC arbeiten und spielen kann, darf und muss.

[KuK] Selbsttäuschung beendet

Doch gebrochen. Mist.

Der Chirurg sagt, wenn es dabei nicht weh tut, darf ich sogar damit laufen. Ist auch glatt und nicht versetzt. Aber Autofahren, Radfahren, Schwimmen, zehnfingrig Tippen, is‘ alles nich‘.

Trailablaufen werde ich für mich nun abhaken. Ich bin dabei unsicher genug, dass ich wohl öfter stürzen würde, und das ist es echt nicht wert. Somit werde ich bei Trail höchstens hochwärts weiter laufen, künftig, und es ansonsten bei Asphalt, Tartan und Wegen belassen. Denn dabei bin ich jeweils sicher und noch nie ernsthaft gestürzt. Die Fallhöhe und damit Aufschlagenergie ist bei abschüssigem Gelände einfach zu groß und ich auf Trails mit rollenden Steinen und Ästen nicht standfest genug.

[KuK] Gesamtbild

Ich hab‘ seit einiger Zeit gemerkt, dass meine Schuhliste lang wird. Aus technischen Gründen (Eingabe-Kontrolle über „Liste“ in der „Sportgerät“-Spalte) müssen die aktiv belaufenen Schuhe in derselben Spalte wie die Fahrräder und Inline-Skates stehen. Daher habe ich die ganzen inaktiven Schuhe in eine gesonderte Tabelle ausgegliedert, die aktiven auch dort eingetragen. Über ein Feld, in dem „aktiv“ und „inaktiv“ eingetragen werden kann, werden die Schuhe aus der Gesamtliste, sofern sie aktiv sind, in die Liste der aktiven Sportgeräte übertragen.

Daraus resultiert ein neues Diagramm… Schuhnutzung gesamt (seit 2019, denn vorher habe ich meine Läufe nicht schuh-scharf in die Liste eingetragen). Hier nun das neue Kuchendiagramm:

Nutzung meiner Schuhe – inclusive inaktive, seit 2019, also „gesamt“ (erfasst nach Schuhen sind 12.679 von 17.216 Gesamtkilometern seit 2017).

Dass ich zuvor ein Paar Asics (Modell nicht mehr klar), auch schon FiveFingers V-Run und ein paar Mizuno WaveRiders verschlissen habe und auch die Altra Escalante und Saucony Ride Iso schon vor Erfassung hier belaufen wurden, kann ich denke ich verschmerzen. Der Großteil ist drin. Die aktuelle Schuhnutzung sieht aber etwas anders aus:

Schuhnutzung dieses Jahr, nur Laufen, bis 29.07.2022 erfasst.

Auffällig finde ich, dass die Nutzung von Trailschuhen (Saucony Peregrine, Altra Lone Peak, FiveFingers Trek Ascent) zugenommen hat. Der FiveFingers-Anteil hält sich konstant, bei den Escalantes gehe ich zunehmend zur leichteren Racer-Version über. Mal sehen, wie das alles weiter geht.

Eine Gabelung der Evolution?

Manchmal schaue ich auf die Welt, schaue mir die Perspektiven anderer Menschen an und staune. Natürlich klingt es ein bisschen überheblich, über die Perspektiven anderer Leute zu staunen. Aber von Anfang an…

Eine Freundin und ich chatteten heute über meinen Besuch bei der „Radlabor“-Konferenz der Hochschule Karlsruhe. Dort wird zum Thema Radverkehr geforscht, sowohl im Ingenieursbereich, als auch im stadtplanerischen Bereich und natürlich auch ganz stark in der Datenerfassung von Radverkehr – Bedarf, Gefahren, Regeleinhaltung, Gefahrenstellen, Konflikte und sogar Simulation. Dabei kam das Thema auf, wie sich in einem Experiment in Baiersbronn der Modal Split massiv veränderte – aus zuvor 72 % Auto in der Aktionsgruppe, die kostenlos ein Pedelec gestellt bekamen, wurden 28 % Auto und 68 % der Fahrten mit dem Pedelec. Bei der Gelegenheit kamen wir dann auf generelles Verkehrsverhalten. Zur Sprache kamen Extreme wie Menschen, die 20 bis 30 Kilometer (eine Strecke!) zur Arbeit mit dem Rad pendeln, oder gar einzelne Strecken laufend und den Rest mit dem Rad oder dem ÖPNV pendeln auf der einen Seite. Der andere Pol sind dann Leute, die beim Bäcker vor der Tür parken und dann ihr Auto drei Häuser weiter zum Metzger bewegen, und ja, das waren keine aus der Luft gegriffenen Beispiele. An dieser Stelle kamen mir zwei Bilder, zwei… Perpektiven, die sich vor allem darin unterscheiden, ob die Menschheit in zwei Gruppen zerfallen ist, die voneinander wissen, einander gar teils bedingen, aber in vielen Aspekten so unterschiedlich sind, als gehörten sie zwei verschiedenen Spezies an – oder ob das Ganze doch noch ein Spektrum ist, dessen Enden auch ob des kontinuierlichen Übergangs dazwischen doch noch kompatibel sind. Lasst mich erst einmal die Gabelung der Evolution zeichnen.

Man stelle sich vor… ein Mensch erhebt sich morgens aus seinem Bett, setzt Kaffee auf, trinkt diesen, putzt sich die Zähne und sperrt dann die Tür zwischen Flur und Garage auf. Ohne unter freiem Himmel gewesen zu sein, setzt er sich in sein Auto und rollt durch den morgendlichen Verkehr in einen entfernten Ort, stellt sein Gefährt in eine Tiefgarage, fährt mit dem Aufzug ins Büro hinauf und verweilt dort, vor einem Rechner sitzend, geht in die Kaffeeküche, geht zu einer Besprechung in den Konferenzraum. Zum Mittag bestellt die Kollegenrunde Pizza direkt ins Büro. Gegen 17:00 verlässt jener Mensch sein Büro, fährt mit dem Aufzug in die Tiefgarage, steigt ein, fährt nach Hause – kurz vor dem heimatlichen Dorf biegt er auf einen Parkplatz ab, ist das erste Mal an diesem Tag außerhalb eines Gebäudes oder des Autos, erreicht vielleicht seinen 800sten oder 1000sten Schritt an diesem Tag, während er Chips und Bier kauft. Dann trägt er selbiges in sein Auto, setzt sich hinein und fährt nach Hause. Mit der Fernsteuerung lässt er das Garagentor hochfahren, verlässt die Garage durch die Verbindungstür in den Flur, während das Garagentor herunterfährt, und schaltet den Fernseher an. Ein Glück! Das Spiel läuft erst 10 Minuten, freut er sich, während er mit seinem Feuerzeug die erste Bierflasche öffnet und die Chipstüte aufreißt. 1200 Schritte sind auf seinem heutigen Bewegungskonto. Als auf dem Bildschirm der Ball wechselt, zur von unserem Probanden bevorzugten Mannschaft, in Richtung Mittellinie gespielt wird, ein Mittelfeldspieler dribbelt und flankt… unser Proband auf dem Sofa spuckt Chipsreste auf den Tisch, als er in Richtung des Bildschirms brüllt: „Mann, du musst im Sechzehner sein, wenn die Flanke kommt! Das ist zu langsam…“ Wir reflektieren: Selbiger Mensch hat auf dem Supermarktparkplatz das erste Mal freien Himmel ohne Glas davor gesehen, am heutigen Tage vielleicht 1200 Schritte zurückgelegt, und fordert vom Stürmer seiner Mannschaft, in etwa zehn Sekunden von „wir wollen den Ball“ auf „wir haben den Ball“ umzuschalten und mehr als 50 Meter über das Spielfeld zurückzulegen, sich dann auch noch freizulaufen, hakenschlagend, um ungedeckt von einem Verteidiger eine Flanke annehmen und im Tor versenken zu können. Er guckt ein Spiel an, in dem die Spieler acht bis vierzehn Kilometer in einem Spiel laufen, dabei 10.000, vielleicht 20.000 oder mehr Schritte machen, was unserem Menschen auf dem Sofa vielleicht nicht unmöglich ist, vielleicht nicht unmöglich erscheint, aber in der Multiplikation von Unfähigkeit und Unwilligkeit doch niemals passieren wird. Nicht täglich, wie’s der Fußballspieler trainiert, nicht einmal wöchentlich, wie’s unser Mensch beim Fußballspieler tatsächlich sieht, nicht einmal im Jahr.

Sind dieser auf der Couch sitzende Mensch, der offenkundig von den Fußballspieler auf dem Bildschirm etwas erwartet, was für ihn durch Entwöhnung und Unlust unmöglich ist, noch ein und dieselbe Spezies? Können dieses beiden, die ganz offensichtlich in ihren körperlichen Fähigkeiten völlig inkompatibel sind, und das ganz ohne Unfall oder Behinderung, noch in irgendeiner Weise dieselben sein?

Das war ein extremes Beispiel und es war auch zumindest beim Fußballer nicht so auf den Verkehr, auf die Alltagsbewegung fokussiert, wie ich das vielleicht gerne hätte – bei unserem Menschen auf dem Sofa habe ich schon illustriert, wie viel Bewegung im Alltag vermieden wird. Wechseln wir also die Perspektive.

Nehmen wir mal an, da ist ein Mensch, der 1500 Meter zum S-Bahnhof von zuhause zu gehen hat, das auch immer zu Fuß macht. Manchmal muss dieser Mensch diesen Weg sehr schnell zurücklegen, weil unsere Probandin nach dem Tee Trinken einfach nicht in die Gänge kommt. Sie fährt mit der S-Bahn in die Stadt, wechselt dort den Zug, schaut sehnsüchtig auf den nebenan abfahrenden IC nach Westerland („Ich will wieder an die Nordsee…“) und rollt mit einer anderen S-Bahn zum Arbeitsort. Dort hat sie noch fast einen Kilometer zu gehen. Nachdem sie Mittags mit einem Kollegen, der mit dem Rad zum Büro kam, einen halben Kilometer zum Supermarkt gegangen ist, um was zu Essen zu kaufen, und den Nachmittag über weiter gearbeitet hat, zieht sie sich im Büro um, lässt ihren Büroklamotten da – fährt 20 Kilometer mit der S-Bahn an den Bahnsteig, wo sie zuletzt „Westerland“ von den Ärzten gesummt hatte, und rennt von dort einen Halbmarathon nach Hause. Später in ihrem Leben wechselt sie zu einer Arbeitsstätte in der Stadt mit dem Bahnhof, an dem der Zug nach Westerland abfährt, pendelt mit der Bahn und rennt öfter mal ganz vom Büro nach Hause – später pendelt sie fast nur noch mit dem Fahrrad und schafft eigenes Auto und Monatskarte ab.

Unsere Probandin weiß, wie schwer Bewegung fällt, wenn man sich lange kaum bewegt hat, sie ist mal völlig unglücklich Langstrecke mit dem Auto gependelt. Aber sie hat weniger Laufen und Radfahren im Fernsehen angeschaut (auch wenn sie das auch gerne tut), sondern hat es auch und mehr getan. Zehn Kilometer Aktionsradius zu Fuß, dreißig und mehr Kilometer Aktionsradius mit dem Fahrrad hat sie, in ihrem ganz persönlichen Modal Split kommt das Auto gar nicht mehr vor. Sie weiß, dass Spitzensportler, denen sie zujubelt, vielleicht eine Mischung aus Talent und Verletzungsresistenz mehr haben als sie, aber grundsätzlich sind Anna Kiesenhofer, Eliud Kipchoge, Wout van Aert und wie sie alle heißen, keine grundsätzlich unerreichbaren Sagengestalten. Freilich bemerkt sie, wenn jemandem die Kraft ausgeht, er oder sie eigentlich Aufgaben in einem Rennen oder Spiel zu erfüllen hätte – aber sie kennt’s selbst, manchmal geht das einfach nicht. Statt in den Bildschirm hinein zu fordern, bedauert sie, dass es nicht geht. Sie hat bemerkt, dass Menschen, die eher berührbar sind, neben denen sie auf den Veranstaltungen nach Läufen saß, auf deutschen Meisterschaften über zehn Kilometer gelaufen sind, sie hat mit Menschen auf einem Marathon-Podium gestanden (viel weiter unten freilich), die in einer anderen Disziplin Weltmeister waren.

Für mich, die ich eine recht gute Vorstellung vom Potential auch des menschlichen Körpers einer Person hat, die normal arbeitet, erscheint es vom Couch Potato bis zum Spitzensportler als ein kontinuierliches Spektrum. Die Positionierung unserer selbst in diesem Spektrum hängt weit mehr von unserem Willen ab, uns zu bewegen, als von Anlagen und Talenten. Natürlich gibt es Krankheiten und andere Probleme, die einen hier rausnehmen. Aber ein Großteil der Menschen gebraucht „keine Zeit“ für Bewegung sehr gedankenlos. Man kann mit dem Rad zur Arbeit fahren. Man kann sich zum ÖPNV gehend hinbewegen, statt mit dem Auto hinzufahren. Man findet Zeit für einen Spaziergang. Bewegung und Sport lassen sich an vielen Stellen unterbringen, und Bewegung in die alltäglichen Wege einzubringen, schon 100 Meter nicht mit Umparken des Autos, sondern zu Fuß zurückzulegen, spart Energie. Das greift ineinander.

Sind wir nun zwei verschiedene Spezies? Biologisch sicher nicht. Das Potential ist da. Dass wir nicht alle das körperliche und mentale Potential haben, Marathon unter 2:30 zu laufen, die Tour de France zu bestreiten oder Fußball auf hohem Niveau zu spielen, und nur sehr wenige die Chance bekommen, entsprechend intensiv zu trainieren, ist gegeben. Nicht allzuselten höre ich von Menschen, die eigentlich um Weltrekorde im Marathon wissen, dass man „so schnell doch gar nicht laufen“ könne, nachdem ich von Intervalltraining mit 400-Meter-Abschnitten in 1:30 und weniger berichte. Eliud Kipchoge läuft schneller, deutlich schneller, und nicht 400 Meter am Stück, sondern 42,195 Kilometer. Ich höre von Leuten, die das Straßenrennen bei den Olympischen Spielen angeschaut haben, dass vierzig Kilometer Radfahren zur Arbeit und zurück am Tag „irre“ seien, ich höre es so oft, dass ich es selbst auf mich und andere anwende. Wenn ich mir allerdings das am Anfang gezeichnete, zugegebenermaßen überspitzte Beispiel anschaue, möchte ich sagen: Wir sollten in Sachen Bewegung und Sport, in Sachen wissenschaftlichem Denken und Logik, in so vielen Dingen uns nicht in Trägheit suhlen und vermeintliches oder echtes „gottgegebenes“ Talent bewundern, am Ende noch die, die sich all diese Fähigkeiten hart erarbeitet haben, vor dem Fernseher, im Stadion oder an der Strecke dafür verurteilen, wenn’s mal nicht so läuft.

Man kann Zuhause-Arbeit-Zuhause fahren und sich ein bisschen wie bei Lüttich-Bastogne-Lüttich fühlen, man kann von der Arbeit heimrennen, sich wie bei einem Städtemarathon fühlen, beim Einbiegen in die heimische Straße die Hände hochreißen und am nächsten Tag mit der Bahn wieder hinfahren, wenn man keine Dusche im Büro zur Verfügung hat. Man kann zur S-Bahn gehen und wieder zurück, zum Bäcker und wieder heim, man kann einen Lastenanhänger ans Rad hängen und Getränkekästen kaufen oder die Picknickdecke damit zur Wiese befördern. Wenn das Gelände zu anspruchsvoll ist, kann man über ein Pedelec statt ein rein muskelgetriebenes Rad nachdenken.

Es gibt so viele Wege, sich von Sport, für den man sich begeistert, für das eigene Leben inspirieren zu lassen, und oft ist es so, dass etwas zu betreiben – als Hobby- oder Vereinssport, als Verkehrsmittel, was auch immer – in einem Verständnis und Begeisterung für einen bewunderten Leistungssport verstärkt und es befriedigender macht, diesen anzusehen. Denn wir sind eine Spezies, und dass es manchmal nicht so aussieht, ist bei so manchem eben keine krankheits- oder talentlosigkeitsbedingtes Schicksal, sondern schlicht Trägheit.

Gute Ratschläge

Es heißt, der Weg zur Hölle sei gepflastert mit guten Vorsätzen. Vielleicht auch mit guten Absätzen, allerdings nicht im Sinne des Absatzes eines Schuhs. Ihr wisst natürlich, dass gute Absichten gemeint sind, und so gut sind die Absätze hier vermutlich auch nicht, dass der Teufel seine Auffahrt mit meinen Worten pflastern würde.

Leider gibt es einen Anlass, dass ich hier auf so hohem Ross beginne. Nun, der Auslöser dessen ist etwas, das zur Zeit wohl vielen passiert ist: Wie wohl im Moment weit mehr Leute als in den zweieinhalb Jahren zuvor habe ich mich in den vermeintlich „postpandemischen“ Zeiten mit dem Corona-Virus infiziert. Ich bin inzwischen schon wieder negativ und symptomfrei, eine Woche hat’s gedauert. Damit habe ich es ganz gut erwischt. Am Mittwoch endet – hoffentlich weiterhin negativ getestet und dann volle 48 Stunden symptomfrei – meine Isolationszeit. Meinen Mann hat’s etwas später erwischt, er ist drei, vier Tage im Verlauf hinterher und leider dank seiner Affinität zum Husten auch da ein bisschen schlimmer mit Symptomen der Infektion gestraft als ich.

So weit, so blöd. Dass ich, ohne es zu wissen, beim Start bei der Bergdorfmeile das Virus schon im System hatte, am Wettkampfmorgen bei der Fahrt zur Arbeit mit dem Rad in den Regen kam, einen anstrengenden und von wenig Zeit für’s umziehen und Kaffee machen geprägten Arbeitstag hatte, zur Bergdorfmeile per Rad anreiste, 36 Minuten an der anaeroben Schwelle lief und es dann beim Heimradeln recht kühl war, dürften den Kampf zwischen meinem Immunsystem und dem Virus ein wenig in Richtung „Ausbruch der Krankheit“ verschoben haben, aber ich wusste halt nicht, dass da was im System war. Seit dem Rauslaufen der Spannung in den Muskeln nach der Bergdorfmeile bin ich nicht mehr gelaufen, nicht mehr Rad gefahren – denn ab Samstagabend war ich krank. Rund eine Woche hatte ich’s.

Nun bin ich auf dem Weg raus aus der Krankheit, eigentlich schon ganz raus und nur noch in Isolation mit negativem Test und weniger als 48 Stunden ohne Symptome, und beginne, meinen Plan zum wieder in Bewegung kommen zu schmieden. Meinen eigentlichen Plan für den Herbst-Saisonhöhepunkt habe ich mit dem ersten Anzeichen eines Infekts, noch lange vor dem positiven Corona-Test am Sonntagabend nach der Bergdorfmeile, ad acta gelegt. Zwei Wochen nach dem Beginn eines Infekts in hochanstrengendes Marathon-Training mit drei Tempo-Einheiten je Woche (Tempodauerlauf, Wiederholungen, Endbeschleunigung) einzusteigen, das kann man schon machen, aber es ist gefährlich – zu gefährlich für mich, die ich gerne bis ins hohe Alter laufen, radfahren und schwimmen können möchte. Mit dem Ausbruch von Covid-19 war klar, dass der Wiedereinstieg noch deutlich vorsichtiger zu erfolgen hat. Also baute ich mir meinen Schlachtplan: Das erste Mal laufen sollte vierzehn Tage nach Beginn der Erkrankung oder mindestens so viele symptomfreie Tage nach ihrem Ende erfolgen, wie ich Symptome hatte – je nach dem, was später ist. Dass ich dann nicht mit einem Dauerlauf, sondern mit einer vorsichtigen, kurzen Einheit im Bereich der aktiven Regeneration, eng auf Puls-, Atemfrequenz- und Körpergefühlabweichungen überwacht, jederzeit zum Abbrechen bereit anfangen würde, meinte ich, nicht dazu sagen zu müssen. Dass ich nicht mal so vorsichtig, sondern gar nicht loslegen würde, wenn die Ruheherzfrequenz dann noch merklich erhöht sein sollte, Ehrensache.

Aber entweder ist das nicht vorsichtig genug, oder andere Menschen schließen von ihrem Vorgehen und meinem hohen Tempo darauf, dass ich viel heftiger, anstrengender wieder einsteigen würde. Die Warnungen, ich müsste länger warten, ich solle mich lieber erstmal „ohne Anstrengung/Belastung bewegen“ irritierten mich. Ich glaubte, genau dieses vorsichtige Beginnen genannt zu haben. Hätte ich Anzeichen einer Herzmuskelentzündung oder noch Symptome, klar, dann wäre auch das zu viel. Aber mit sieben Tagen Symptome, Ruhepuls bereits am dritten Tag wieder auf Niveau wie vor der Infektion, keine Atemnot, und einem deutlich vorsichtigeren, angekündigten Wiedereinstieg als ich (und wohl viele andere) ihn nach anderen Virus-Infektionen (die auch, wenn auch weniger großes Myokarditis-Risiko bergen) üblicherweise betreiben, bin ich irritiert. Klar sind Long Covid, Myokarditis und andere Komplikationen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe oder Erkältungen durch Rhino- oder konventionelle Corona-Viren. Dafür beginnt man aber auch langsamer, vorsichtiger und später nach der Infektion wieder – und beobachtet kritisch alle Werte, was ich sowieso immer tue. Denn nach JEDER Virusinfektion kann zu früher, zu intensiver Start in die Myokarditis führen. Viele Sportler vergessen das, ich nie – der lange Ausfall durch Entzündung des Herzmuskels macht mir mehr Angst, als ich auszudrücken in der Lage bin, weswegen ich nach jeder Virusinfektion mit detaillierter Beobachtung, langsamem Anfahren und geringer Intensität wieder einsteige – und ganz besonders eben nun nach Covid-19. Selbst symptomlos positiv sein und dabei Sport treiben weckt ein komisches Gefühl bei mir, wie zuletzt, als ich von Guillaume Martins Ausstieg Widerwille bei seinem Ausstieg von der Tour de France las, nach seinem positiven Corona-Test.

Oder ist es einfach, dass wir Sars-CoV-2 in den letzten zwei Jahren unterschätzt haben – manche mehr, manche weniger – und nun, wo’s auch die meisten vorsichtigen (und vielleicht etwas weniger vorsichtig gewordenen) bekommen haben, ein bisschen überkompensieren? Ich werde jedenfalls ohne Anzeichen auf eine Herzbeteiligung nicht zwölf Wochen mit Sport aussetzen, bloß weil’s ja sein könnte, aber eben auch nach Covid-19 länger mit dem Wiedereinstieg warten als nach einer Erkältung, und langsamer und kritischer beobachtend wieder einsteigen als nach einer normalen Erkältung. Aber genau das habe ich kommuniziert und nur warnende Stimmen geerntet.

Ich lauf‘ ja schließlich nicht sieben Tage nach dem Ende des Hustens als Auftakt hochintensive Intervalle – würde ich nach einer Erkältung auch nicht tun. Ihr vielleicht?