Das Loch danach

Es passiert immer wieder, mir zumindest. Ich arbeite monate- oder jahrelang auf etwas hin, wende Kraft und Zeit und mehr auf, um es zu erreichen. Dann ist es geschafft und plötzlich ist da ein Loch. Der Plan für das Ziel ist erledigt und all die Zeit, die er einnahm, ist wieder frei. Sie kann mit all dem gefüllt werden, das für den Plan zurück gestellt wurde – aber das schlagartig zur Füllung des Loches zu verwenden funktioniert nicht.

Also ist da das Loch, nicht echter Leerlauf, aber Zeit und Raum für Dinge, die einfach nicht mit diesem Impetus auf das Ziel hin erfüllt sind. Das fühlt sich immer wieder komisch an und es dauert immer wieder seine Zeit, bis der innere Antrieb wieder das vorige Level erreicht hat.

Konkret ist es der Marathon, der dieses Gefühl hinterlässt, im Moment. Es war schon bei Jobwechseln, der Promotion, Umzügen der Fall. Hier, heute beim Marathon-Aftermath kommt noch dazu, dass der Körper noch regenerieren muss. War in anderer Hinsicht bei anderen Dingen auch der Fall, aber das Ziehen in den Muskeln, die Schwellung/Reizung auf dem linken Mittelfuß, das fühlt sich doch direkter an als die Müdigkeit nach dem Umzug damals.

Ich bin gespannt, wie der Körper auf den Köhlbrandbrückenlauf hin wieder mitspielt, denn das wäre ein schöner Überbrückungs-Anlauf, während all die anderen Dinge, die durch die Marathon-Vorbereitung runtergefahren waren, wieder einsetzen.

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Mein Mann ist mein Held

Am Sonntag zum Marathon musste ich ja recht früh los – unter anderem auch, weil ich am Samstag wegen der Kopfschmerzen meine Startnummer noch nicht hatte abholen können. An Arbeitstagen steht mein Mann gegen 7:45 auf, und da er absolut kein Morgenmensch ist, fällt ihm selbst das schwer. Am Sonntag war er tatsächlich um 7:00 auf, um mich zu unterstützen, direkt beim Anmelden, beim Gepäck aufgeben, bei allem mitzuhelfen, mir schon zuvor beim Frühstück und meine Sachen packen eine Hilfe zu sein.

Wenn ein vom Tagesrhythmus-Typus her auf „Eule“ gepolter Mensch für das verrückte Lauf-Hobby seiner Partnerin am Sonntag früher aufsteht als für die Arbeit, sich über sechs Stunden am Veranstaltungsort um die Ohren schlägt, die zum größten Teil aus Warten bestehen, und das auch noch allein, zumindest ohne ihm bekannte Leute – dann ist das absolut heldenhaft. Ich kann nicht sagen, ob ich es ohne ihn nicht hinkriegen würde – sicher geht das irgendwie. Aber mit dieser Unterstützung, organisatorisch, durch das Halten von Dingen beim Umpacken, vor allem aber seelisch-moralischer Unterstützung in allen Phasen – Marathon-Vorbereitung, Organisation des Selbst beim Wettkampf, Da-Sein und Anfeuern neben dem Wettkampf und Mitfreuen, wenn es geklappt hat – geht alles viel leichter, bzw. wäre ohne das alles viel schwerer.

Mein Mann ist mein Held. Aber sowas von mein Held!

Nicht mehr allein

Seit langem laufe ich. Seit 2006, um es genau zu nehmen, und seit nunmehr anderthalb Jahren immer mehrfach pro Woche. Meistens war ich allein unterwegs, selten hatte ich eine Laufgemeinschaft mit einer Kollegin oder meinem Mann. Bei einem Lauftreff war ich noch nie.

Nun hat es „mich erwischt“. Auf der Arbeit habe ich mich dem Lauftreff von Kollegen angeschlossen, selbst sogar noch einen dazu erschaffen für direktere Kollegen. Dazu habe ich mich nun auch – zumindest mit zwei Mal, wie anhaltend das bleibt, muss man sehen – einem Lauftreff im Ort angeschlossen.

Das ist ebenso komisch wie schön, und so ganz genau weiß ich noch nicht, was es mit mir machen wird. DASS es etwas mit mir machen wird und dass es anhalten wird, das weiß ich schon. Wahrscheinlich findet der ein oder andere krass, dass ich so lange in der Intensität, wie ich das betrieben habe, allein die Motivation gefunden habe. Das war nie das Problem. Aber die Gemeinschaft macht es anders, bringt eine neue Komponente.

… und ich bin gespannt, was das genau für eine sein wird.

Das Ende der Quälerei

Die Quälerei hat nun ein Ende. Denn offen gestanden: Die Halbmarathon-Vorbereitung hat beides Mal richtig Spaß gemacht, die ich sie wirklich durchgezogen habe, aber das Marathon-Vorbereitungsprogramm war doch eine Übung in Disziplin und Härte. Ob ich mir das nächstes Jahr nochmal antue, muss ich mir noch überlegen. Aber ich will es nicht grundsätzlich ausschließen.

Im Moment erstmal freue ich mich, dass nun zwei Wochen Ruhe ist, bis zum Wettkampf. Nur verhältnismäßig kurze Läufe (ein Intervalltraining auf jeden Fall noch, dazu noch einen Vorbereitungswettkampf über zehn Kilometer beim Stadtwerkelauf in Karlsruhe am Donnerstag), danach den Marathon – und dann gehe ich in den Modus „Halbmarathon nächstes Jahr, zwei unter-Halbmarathon-Wettkämpfe noch dieses Jahr“ über. Ich freue mich sehr drauf, dass keine Dreißig-Plus-Läufe mehr auf dem Programm stehen.

Das klingt nun ein bisschen so, als habe es mir gar keinen Spaß gemacht. Das ist nicht der Fall – aber das Halbmarathon-Training ist gegen ein Marathon-Training einfach total schön und entspannt für mich, Marathon ist etwas über der Distanz, auf der ich mich bisher wohl fühle. Das KANN sich noch ändern, muss sich aber nicht ändern. Aber zumindest fühle ich mich nach 40,55km heute, die auch sehr gut liefen, passabel präpariert für in zwei Wochen. Da kommt’s dann drauf an. Ich bin sehr gespannt. Ich erwarte nicht mehr als 4:00:00 zu unterbieten, bin aber für alle Möglichkeiten, die sich im Rennen ergeben, vollständig offen.

Für die Datenwälzer: Es waren heute 40,55km in 3:44:59 bei etwas zu hoher Herzfrequenz, aber noch nicht aus der Toleranz für den langen Lauf oben raus.

Wenn ich mal eine Karte erstelle …

… von allen Orten, an denen ich mal gewesen bin, dann habe ich inzwischen einen Weg, wie ich herausfinde, wo all diese Orte liegen. Denn an fast allen Orten, die ich in den letzten anderthalb Jahren besucht habe – geschäftlich oder privat – bin ich auch gelaufen. Also finde ich wohl dann irgendwann, wenn ich in eine Karte West- und Mitteleuropas Stecknadeln stecke, um die Orte zu markieren, über mein Lauftracking herausfinden, wo all diese Orte gewesen sind. Gestern kam Hannover dazu, eine Stadt, an der ich zuvor nur vorbeigefahren war.

Mich würde so eine Karte – „Wo ich schonmal gelaufen bin!“ – schon irgendwie reizen. Mal sehen, ob das zu einem Projekt wird. Ich hoffe ja immer noch, dass ich irgendwo ein Tool finde, mit dem das quasi keine Arbeit macht.

Was vor einem Jahr noch unmöglich erschien…

Im August 2017 war ich unglücklich über das Pendeln nach Stuttgart und wollte an einem Ort näher an zuhause arbeiten. Aber meine Initiativen dafür trugen (noch) keine Früchte, was mich frustrierte. Ich bereitete Halbmarathon vor und fragte mich, welche Zeit ich schaffen könnte – an Marathon dachte ich nicht. Als sich im August abzeichnete, dass ich über 200km in einem Monat laufen würde, rechnete ich aus, dass ich für 300km in einem Monat 70km in der Woche laufen müsste und sagte mir: „Niemals schaffst Du das!“

Nun arbeite ich weniger als 20km von zuhause, pendle mit der Straßenbahn, bereite Marathon vor und bin seit letzten August zweimal Halbmarathon gelaufen. Im August stehen bereits 301,5km auf dem Laufkonto.

Was ein wilder Ritt!

Es durchziehen

Im Moment ist das mein Motto: „Es durchziehen“.

Ich gestehe ein, dass die langen Läufe deutlich über 30km ein Zeitaufwand und auch eine Belastung sind, bei der ich froh bin, dass sie mit dem Marathon in fünf Wochen mal wieder für eine Weile der Vergangenheit angehört. Aber ich bin so weit gekommen – 35km heute, wieder 1200m mehr als beim letzten langen Lauf, drei stehen noch an. Da schon aufzugeben und zu sagen: „Laufe ich halt nur Halbmarathon am 23.09.“, das würde sich wie Verschwendung all der Zeit anfühlen, denn Halbmarathon zu laufen, das habe ich mit weit weniger Zeitaufwand in einer Zeit geschafft, die ich im momentanen, auf doppelte Länge ausgerichteten Trainingsstand einfach nicht mehr hinbekommen würde. Dafür laufe ich im Moment zu langsam und zu weit.

Die Umstellung auf doppelte Strecke im Training habe ich durchaus gemerkt. Insgesamt ist mein Training – auch auf kürzere Strecke – derzeit langsamer als in der Vorbereitung zum Halbmarathon beim Dämmer-Marathon in Mannheim. Es kommen ganz neue Aspekte hinzu – den langen Lauf in den Sonntagvormittag hinein zu quetschen wird schon knapp, ich brauche bis nach dem Mittag. Ich muss was zu Essen mitnehmen, die zweimal 350ml Wasser am Trinkgürtel sind – ein bisschen temperaturabhängig – tendenziell zu wenig. Inzwischen habe ich – falls es mal nicht weitergeht – auch die Strategie in mein Training integriert, in der Nähe von S-Bahnen zu laufen, so dass ich zur Not auch mal abbrechen und heimfahren kann, ohne dass mich jemand abholen muss. Das Monatsticket ist dann immer dabei, ebenso wie das Telefon. Das sind alles Vorkehrungen, die ich beim Training auf den Halbmarathon arrogant, aber berechtigt in den Wind geschlagen habe.

Mich beeindruckt der nicht nur quantitative, sondern vor allem qualitative Unterschied von Halb- auf Vollmarathon. Auf den Wettkampf freue ich mich. Auch, weil dann das Training vorbei ist und ich in einen anderen Rhythmus zurückkann. Mal sehen, ob ich nächstes Jahr dann doch wieder Richtung Marathon will. Im Moment würde ich vermuten, dass mein Leben und Halbmarathon-Training wesentlich besser vereinbar sind. Aber ich habe gelernt, nicht aus dem Moment heraus „Nein, nie und auf keinen Fall“ zu sagen.

Aktuelle Woche: 70km, davon ein langer Lauf mit 35,01km Länge in 3:38:17 bei einem mittleren Puls von 145bpm.