Born to Run – meine erste Annäherung

Vor einiger Zeit habe ich auf Ma Sans Blog über das Projekt „10km in unter 40 Minuten“ die Kommentarspalte gefüllt. Im Zuge dessen empfahl er mir das Buch „Born to Run“ von Christopher McDougall. Für mich ganz klar: Ich wünsch’s mir zum Geburtstag! Und zum Geburtstag bekam ich es auch – mittlerweile habe ich es das erste Mal ausgelesen. Vermutlich werde ich es über die Zeit hinweg wieder lesen, denn es ist mit dem Buch wie mit „Es gibt hier nur zwei Richtungen, Mister“ von Reinhold Ziegler: Ich werde wohl bei jedem Lesen etwas Neues entdecken, da viel drinsteckt, das Buch aber auch das anspricht, was sich in mir verändert und entwickelt. Das allein ist schon einmal ein Prädikat.

Dennoch soll das hier keine Rezension sein, eher ein Erlebnisbericht vom (ersten) Lesen. Born to Run hat mich recht schnell eingefangen. Kein Wunder, das Laufthema ist ja durchaus meins. Aber auch der Aufhänger an der simplen Frage „Warum tut mein Fuß weh?“, die McDougall stellt, kommt gut. Wie ihm Ärzte sagen, der Mensch sei biomechanisch nicht zum Laufen gemacht, da spüre ich seine Skepsis im Buch – und mir rollen sich bei diesen Aussagen die Fußnägel hoch. Natürlich kommt auch dieses Thema im Buch zur Sprache, aber der zentrale Kern des modernen Menschen ist, dass er ein Ausdauerjäger ist! Alles an uns ist auf Langstreckenlauf ausgerichtet. Wir sind keine guten Sprinter, im Verhältnis zu anderen Lebewesen, wir sind Langstreckler. Das war mir schon vorher klar, aber die Erkenntnis wurde von dem Buch weiter gefestigt. Was mir neu war, und was ich klasse fand: Das Buch stieß mich auf Dinge, die sehr offensichtlich sind, einem aber nie auffallen: 

  • Wir Zweibeiner haben Atemrhythmus und Schrittfrequenz voneinander entkoppelt. All die vierbeinigen Läufer – Sprinter wie der Gepard ebenso wie eher ausdauernde Räuber wie der Wolf (und natürlich deren Beute) haben eine biomechanische Verbindung von Schritt und Atemzug. Wir nicht! Wir können also einen Laufstil pflegen, bei dem wir schnellere Schritte auf den Boden trommeln, als unsere Lungen atmen.
  • Wir nackten Affen geben Wärme über die Haut ab. Toll, oder? Ja, verdammt toll! Denn andere Tiere – alle anderen Tiere – geben Wärme vor allem über das Atmen ab, Wärme- und Sauerstoffhaushalt sind also fest gekoppelt, und dann ist das Ganze noch an die Schrittfrequenz gebunden… das funktioniert natürlich bei manchen Temperaturen SUPER, aber bei allen anderen nicht so gut. 

Beide Aspekte hat natürlich nicht Christopher McDougall herausgefunden, aber er zitiert Wissenschaftler, die sich damit beschäftigen – und damit ist klar: Himmel, verdammt, natürlich! Wir sind Ausdauerläufer, denn wofür sonst musste die Evolution bei uns Wärme- und Sauerstoffhaushalt voneinander und von unserem Vortriebswerkzeug entkoppeln? Dann ist da noch die Sache mit den Füße, Knien, Beinen allgemein. Läufer sind dauernd verletzt, ja? Bessere Schuhe = weniger Verletzungen? Ist das so, fragt Christopher McDougall im Buch und liefert die Antworten, allerdings auch „nur“ als Zitate: Einerseits von renommierten Ärzten, andererseits von einem seiner Weggefährten bei dem Rennen in Mexico, um das es – nun, scheinbar? – eigentlich geht. Laufen wir auf der Ferse, mit viel Dämpfung und so weiter, dann laufen wir in einer Weise, für die unsere Füße nicht gemacht sind. In der Gestalt von „Barefoot-Ted“, unterfüttert mit ein paar Zitaten, bricht McDougall die Lanze für’s Barfußlaufen und den damit gekoppelten Vorfußlauf mit Aufkommen auf der Ballen-Außenkante und Abrollen und Abdrücken über die Zehen. Das wiederum war mir nicht neu, nicht im geringsten. Ich habe auf meinen ersten Mizuno WaveRiders gelernt, so zu laufen, das Ganze auf Vibram Fivefingers kultiviert und bin darüber schneller, verletzungsresistenter und glücklicher mit dem Laufen geworden. 

Aber ich schweife ab, was für Läufer glaube ich bei „Born to Run“ nicht ungewöhnlich ist. Was Christopher McDougall erzählt, ist nämlich eine Mischung aus eigenem Finden zum Langstreckenlauf, einer Verneigung vor etlichen Ultra-Marathonläufern und einer Annäherung an die Lebensweise eines Volkes, das nie verlernt hat, wie man läuft. Dabei geht es um Laufstil, um unsere Biologie des Laufens (siehe oben), um Ernährung, natürlich um die Tarahumara bzw. Ráramuri und um die Läuferszene. Es ist spannend, wie charakterzentriert er erzählt, immer wieder auf Exkurse über die Läufer geht, die dann später zur Geschichte gehören, oder teils auch bereits kurz eingeführt wurde. 

Was „Born to Run“ vielleicht nicht ist: 

  • Eine Anleitung zum Laufen. Es ist aber eine Erzählung vom zum richtigen Laufen angeleitet Werden.
  • Eine Abhandlung über Tarahumara-Kultur. Es weckt aber das Interesse an diesem Läufervolk und kann zumindest als Reportage dienen.
  • Eine Charakterisierung der Langstreckenläufer-Subkultur. Aber es zeigt an einigen Ereignissen und Läufern vieles davon auf. 

Spannend zu lesen ist es, macht Lust auf mehr und hat zumindest mir sehr viel Spaß gemacht. Ich habe dann durchaus mal die Protagonisten gegooglet und zumindest bei einer der Personen ein Follow auf Twitter gelassen. Ich glaube, es könnte auch Nicht-Läufern gefallen, aber auch ein schlechtes Gewissen machen. Denn das ganze Mantra, der Mensch sei eigentlich nicht zum Laufen geschaffen und wenn doch, dann nur mit was-weiß-ich-für raffinierten Schuhen, ist genau das, das Christopher McDougall erzählt, vorgebetet bekommen zu haben – aber er hat es nicht geglaubt. 

Am Ende ist es (ganz abseits des Buches) unbequem, dass wir eben doch durch das Laufen – das Ausdauer-Langstrecken-Laufen zwecks Jagd – körperlich und geistig zu dem geworden sind, was der Mensch heute ist. Denn wir sind „Born to Run“, geboren, um zu laufen. Schuhe, die die Füße vor spitzen Steinen schützen, vor Scherben und dergleichen, sind eine tolle Sache. Aber wenn wir oft verletzt sind, liegt das meistens eher an zu viel Schuh und nicht an zu viel Laufen. Und genau an diese Dinge führt Christopher McDougall uns heran, wobei er die Geschichten von „Caballo Blanco“, den Tarahumara und Ultraläufern wie Scott Jurek, Barefoot Ted oder Jenn Shelton, Ansichten und Erkenntnisse von Biologen und Ärzten sowie ein nacherzähltes Erlebnis einer Ausdauerjagd der Buschleute in Namibia als Zeugen aufruft.

Ich jedenfalls fand’s klasse!

Zauber, Überzeugungskraft, Ungewissheit und verdammte Sturheit

Dies sind die vier Grundkräfte der Druiden der Scheibenwelt, so zitiert in „Das Licht der Magie“. Natürlich spielen diese auf die vier Grundkräfte der modernen Physik an: Elektromagnetismus, starke Wechselwirkung, schwache Wechselwirkung und Gravitation. Diese vier Grundkräfte, vermittelt durch Austauschteilchen (Photonen, Gluonen, W- und Z-Teilchen sowie die Gravitonen, wobei letztere ein eigenes Kapitel sind), erklären die gesamte Physik, wenn man es ein mit ein bisschen Zauber und Überzeugungskraft sieht und eine gewisse Ungewissheit in Kauf nimmt.

Vermutlich habe ich, ebenso wie mit den Clarke’schen Gesetzen, schonmal Blogbeiträge mit den druidischen Grundkräften der Scheibenwelt bestritten. Mir als Physikerin mit ein wenig Humor ist das Ganze natürlich sehr nahe. Allerdings lässt sich auch vieles im Leben mit den vier Grundkräften erklären – in der Physik eher mit den vieren der Physik, im sonstigen Leben… nun, da würde ich eher das druidische Quartett nehmen. So auch nun:

Wie gestern beschrieben, hatte ich ein kleines Malheur auf dem Weg zur Arbeit. Die Fahrradkette sprang, nach Erhöhung der Spannung des Zugs, hübsch hoch und runter auf den Kettenblättern – bis der Zug genug zog, um auf das vierte Kettenblatt zu schalten. Das vierte Kettenblatt? „Äh,“ sagte die Kette. „Da ist kein viertes Kettenblatt.“ Der Zug antwortete: „Ich war nur ein bisschen übereifrig, Du hast da einen Anschlag, da geht es nicht weiter. Der Umwerfer stoppt da schon, reg‘ Dich nicht auf, Kette.“ Daraufhin die Kette: „…“ Der Umwerfer: „Die Kette hat recht: Da ist kein Anschlag. Ähm – halt doch, da ist ein Anschlag! Kette, Stopp, da ist ein Anschlag.“ Die Kette: „Zu spät!“ Der Anschlag: „Leute, ich hab‘ mich getäuscht, ich dachte, da wäre ein viertes Kettenblatt, zumindest wurde ich so eingestellt.“ Alle zusammen: „Mist.“

Nun war für mich die Frage, nachdem ich mir die Finger an der Kette schwarz gemacht hatte, die Kette nicht zwischen Plastikschutzteil und großem Kettenblatt rausbekam und mein Fahrrad kilometerweit heimgeschoben hatte: Wie gehe ich damit um? Das ist gar nicht so einfach, denn nach gerade mal etwas mehr als zwei Monaten Radfahren, sich nur langsam und noch nicht nachhaltig aufbauender Sicherheit, wo ich zuvor 20 Jahre nicht gefahren war, ist die Situation schwierig. Ich wollte auf keinen Fall gleich wieder daran gewöhnt werden, nicht Rad zu fahren oder Angst davor zu haben. Ich wollte mich nicht daran gewöhnen, immer an die nächste Panne zu denken. Und eine Woche bis zum Werkstatttermin gar nicht Rad fahren wollte ich schon gar nicht, denn dann hätte ich bestimmt all diese Unsicherheiten und Ängste so RICHTIG an die Luft gelassen.

Der Zauber des Neuanfangs war also weg. Die Ungewissheit hatte übernommen. Wie also sollte ich zusammenhalten, was meine neue Identitätskomponente als „wiedergeborene Radfahrerin“ ist? Mit der Überzeugungskraft bei mir selbst hausieren zu gehen, das hat manchmal seine Probleme, insbesondere, wenn ich im (Grund-)Kraftregime der Ungewissheit bin. Gewissermaßen sind Überzeugungskraft und Ungewissheit ja Antagonisten, Zauber und verdammte Sturheit allerdings auch. Der Zauber ist weg, es lebe die verdammte Sturheit!

Die verdammte Sturheit ließ mich nicht akzeptieren, dass die Kette nunmal runtergesprungen war. Die verdammte Sturheit ließ mich gucken, welche Art von Werkzeug ich für den Plastikschutz am großen Kettenblatt brauche. Dann schraubte ich das Ding mit dem Kreuzschlitz-Schraubenzieher ab, hob die Kette auf’s große Blatt und schraubte das Ding wieder dran. Dasselbe Werkzeug ermöglichte mir, den Anschlag besser einzustellen und somit dem übermotivierten Schaltzug eine Begrenzung aufzubürden. Dass ich im Zuge der Versuche gleich auch noch bei der Zugspannung in die falsche Richtung drehte und erstmal nicht mehr auf das große Blatt schalten konnte (Im Regime der Ungewissheit!), überwand ich ebenfalls nicht mit Zauber, Überzeugungskraft oder Wissen, sondern mit (geringfügig mit von Manuel erlerntem Wissen unterfütterter) verdammter Sturheit! Dir zeig‘ ich’s, Schaltung! Wenn der Zauber aus ist, muss die verdammte Sturheit es richten. Nach Kettenfall um 7:30 saß ich gegen 13:00 wieder auf dem Rad und testete Einstellungen. Um 15:00 fuhr ich zusammen mit meinem Mann zum Einkaufen und danach machten wir noch eine kleine Tour. Und langsam setzte der Zauber wieder ein, verdammte Sturheit und später Zauber spülten die Ungewissheit, ob die Kette draufbleiben würde, aus meinem Geist. Dennoch brauchte ich heute morgen eine Mischung aus verdammter Sturheit und Überzeugungskraft, um der Ungewissheit Herrin zu werden und mich auf mein Fahrrad zu setzen. Als ich dann an der Würmersheimer Straße hinunterrollte in Richtung Weißenburger Straße, wo mir gestern beim Schalten die Kette runtersprang, fühlte ich den Umwerfer zittern, ebenso das Kettenblatt. Der Schaltungszug machte Entspannungsübungen, um bloß nicht wieder die Kette runterfallen zu lassen. Ich ließ meine Pfoten von der Schaltung, nachdem ich auf den vier Kilometern zuvor vorsichtig hoch- und runtergeschaltet hatte. Dann rollte ich um die Kurve, kam auf die Gerade am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium vorbei auf der Weißenburger Straße, schaltete hoch, und da…

Passierte nichts. Zumindest nichts Schlimmes. Ein bisschen schliff’s für einen Moment, weil der Zug eben vorsichtig eingestellt ist und daher spät schaltet, aber der Anschlag wirkte. Die Kette rutschte wieder, das fünfte Mal auf dieser Fahrt, auf das große Kettenblatt. Der Tretwiderstand stieg, ebenso das Tempo. Ein, zwei Autos überholten mich. Alles prächtig! Später, an der Steigung der Mühlburger Straße von der Grenzstraße hoch in Richtung Hautpstraße, schaltete ich erfolgreich runter auf’s kleine Blatt, danach wieder hoch auf’s mittlere, schließlich auf’s große – alles gut. Ich flog regelrecht dahin, auf dem Radweg zwischen Durmersheim und Mörsch! Herrlich, wenn auch saukalt! Der Zauber war da! Dann…

Krack. Geht nichts? Blick runter auf die Kette, angstvoll, Ungewissheit am Start. Oh, ich habe beim Bremsen ein zweites Mal den Runterschalter gezogen, ohne richtig zu treten, das mag die Kette nicht. Also wieder hoch auf’s mittlere Blatt geschaltet, die Kette schnurrte vom großen auf’s mittlere, alles ging wieder. Lektion: Beim Hochschalten feste ziehen, beim Runterschalten nur antippen. Beim Bremsen nicht aus Versehen nochmal runterschalten. Dann klappt das auch. Vielleicht bringt ein Werkstatttermin nächste Woche noch eine feinere Einstellung, aber bis auf weiteres hat die verdammte Sturheit den Zauber und die Überzeugungskraft zurückgebracht.

Alte Bekannte

Wie Euch Lesern der Highway Tales vielleicht schon aufgefallen ist, lese ich gerne die Bücher von Tom Clancy aus dem Jack-Ryan-Universum. Ich habe mittlerweile doch schon einige davon gelesen:

„Jagd auf Roter Oktober“ hat er als erstes geschrieben und es war auch mein erster Clancy. Danach habe ich „Der Kardinal im Kreml“, „Der Schattenkrieg“ und schließlich „Im Zeichen des Drachen“ gelesen. Schon dabei merkte ich, dass Gestalten wieder auftauchten, sich weiter entwickelten. Neben Jack Ryan entwickelte sich John Clark zu einer wichtigen Gestalt, aber auch Bart Mancuso, den man anfangs als Skipper der „Dallas“ kennenlernt, das Ehepaar Foley und KGB-Mann Golowko, die in „Der Kardinal im Kreml“ eine wichtige Rolle spielen, zu meiner Freude auch SONAR-Mann Ronald Jones treten wieder auf. Allerdings zeigte ich an diesen Gestalten auch der Bruch, den ich erzeugte, indem ich aus der Not der physisch vorhandenen Bücher zwischen „Der Schattenkrieg“ und „Im Zeichen des Drachens“ einen Haufen Bücher ausließ. Ein zerstörtes Capitol, ein Präsident Jack Ryan („WHAT?“, fragte ich mich), das Ehepaar Foley an der Spitze der CIA, ich merkte: Mir fehlte einiges.

Also holte ich per eBook „Echo aller Furcht“, „Ehrenschuld“, „Befehl von oben“ und „Operation Rainbow“ nach. Die Lücken schlossen sich, mehr denn je kam alles zusammen und ich konnte langsam den Werdegang von einem Haufen Gestalten nachvollziehen. Neben den oben genannten bekam Manuel „Portagee“ Oreza eine weitere Geschichte, Dan Murray, Pat O’Day, Andrea Price-O’Day und diverse weitere gewannen Profil. Ich bekam – am Beispiel von Andrea – auch mit, dass Clancy nicht nur bei Arnold van Damm einen netten kleinen Grinser in die Namen eingebaut hatte.

Nachdem ich zuerst in chronologischer Reihenfolge der Romanereignisse gelesen, dann gewaltig gesprungen war und schließlich, wiederum chronologisch, die Lücke geschlossen hatte, hätte ich weiter machen können. Aber da es auch drei „Prequel-Romane“, zwei zu Jack Ryan und einen zu John Clark gibt, zog ich diese erstmal vor. In „Gnadenlos“, dem in „Jack-Ryan-Universums-Zeit“ frühesten, bin ich gerade knapp über die Hälfte, danach kommen die anderen beiden.

Nun durfte ich feststellen, dass die Menge an Charakteren, die man über mehrere Bücher verfolgen darf, nicht kleiner wird. Wie schon in „Im Zeichen des Drachen“ zu erahnen, trat Portagee Oreza in Clarks Vorgeschichte auf, aber da sind noch viele andere – ich wollte ja „Yay!“ rufen, als Admiral Greer in „Gnadenlos“ seinen ersten Auftritt hinlegte, und das Auftreten eines Polizisten namens Emmett Ryan, genannt „Em“ begriff ich im ersten Moment gar nicht richtig – Jack Ryans Vater! Nun lief mir dann eben auch noch Joshua Painter über den Weg, der in „Jagd auf Roter Oktober“ bereits vorkam. Ich finde es faszinierend und spannend, wie neben der Handlung Clancy einen Flickenteppich aus durchgehenden Biographien webt.

Genau das hat mir in einem anderen Universum echt gefehlt, nämlich in C.J. Cherryhs „Allianz-Union-Universum“. Ansätze gab es, aber gerade so, dass man es vermisst, dass es nicht mehr sind. Wahrscheinlich hätte mich C.J. Cherryhs Werk noch viel mehr beeindruckt, wenn sie so mit Charakteren und Biographien über den gesamten Handlungsbogen gearbeitet hätte wie Clancy im Jack-Ryan-Universum.

Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not

Diesen Satz habe ich aus der Feder von David Gerrold gelesen, dessen Roman „Sternenjagd“ großen Eindruck auf mich gemacht hat. Er schrieb in dem Text, den ich gelesen habe, wie lange er die Geschichte von „Sternenjagd“ schon hin und her wälzte, bis sie es schließlich in ein Buch schaffte.

Ich muss gestehen, so richtig viel weiß ich nicht mehr, was genau in „Sternenjagd“ ablief. Es war eine düstere Atmosphäre – zwei fast gleich schnelle Kreuzer folgten einander, um sich gegenseitig zu zerstören. Auf dem Schiff, auf dem das Buch spielt, gibt es noch dazu Spannungen zwischen dem erfahrenen, etwas dickfelligen Kapitän und dem ersten Offizier, einem aufstrebenden Karriere-Offizier. Großen Eindruck hat es aber auf mich gemacht, dieses Buch, weil es eine ganz eigene, düstere Kriegsatmosphäre aufbaute, die weder das unsichere Lauern des U-Boot-Szenarios noch die Action eines Luftkampfes implementiert. Ob eine See-Schiff-Verfolgung so spannend und düster sein kann, weiß ich nicht – aber es ist der einzige Raum, der weit genug ist, in dem zugleich die Geschwindigkeiten ähnlich genug sind, um die Verfolgung so nervenzerreissend in die Länge zu ziehen…

Allerdings ging’s mir gar nicht um Sternenjagd selbst. Es ging mir darum, dass ich noch krank bin. Ich hätte vermutlich versuchen können, zu schreiben. Vermutlich wäre noch weniger etwas „Gescheites“ dabei herausgekommen, als das sonst der Fall ist. Aber ich habe in der Zeit gespart, daher hatte ich in der Not. Und so ist Folge 1.38 des Howard-Goldstein-Vortex heute online gegangen. Freilich hätte ich gerne noch einmal RICHTIG konzentriert drüberlesen wollen – aber das war durch die „Rüsselpest“ nicht drin.

So ganz nebenbei: Bis Folge 1.40 und damit das Ende von Staffel 1 sind schon alle vorgeplant. Spare in der Zeit, wie gesagt.

Pläne – Howard-Goldstein-Vortex Ebook

Mein aktuelles Schreib-Projekt, der Howard-Goldstein-Vortex, wächst und wächst. Nun ist es für mich sehr schön, das Projekt episodenweise, eine jede Woche, zu veröffentlichen. Durch die Blog-Form freilich hilft zwar der Index, Stück für Stück zu navigieren, aber im Blog selbst stehen die Episoden in umgekehrter Reihenfolge.

Nun kam mir vor einiger Zeit die Idee, mit Abschluss der ersten Staffel und dem Übergang zur neuen, zweiten Staffel die bisherigen Folgen zu einem Ebook-Format zusammenzukompilieren und als Download anzubieten. Dann kann man’s lässig auf dem Ebook-Reader in richtiger Reihenfolge lesen. Freilich dauert es noch eine Weile, vermutlich bis in den Januar, bis Staffel 1 vollständig ist. Aber die Idee reift schon eine Weile und so dachte ich, ich schreibe sie hier mal auf.

Dann werde ich die bestehenden Episoden zusammennehmen, noch einmal auf Fehler gegenlesen, den Cast als weiteres Kapitel dazunehmen und dann alles in ePub-Format bringen. Ob ich das Ganze dann hier auf der Veröffentlichungen-Seite und/oder auf dem Howard-Goldstein-Vortex zum Download anbieten kann, muss ich schauen. Oder eher: WIE ich es technisch mache, muss ich schauen, DASS ich es tun werde, steht fest.

In-[somnia/spiration]

Ich habe es schon oft gemerkt: Wenn ich schlecht schlafe, lese ich meine eigenen Geschichten und spinne sie weiter. Das ist auf jeden Fall besser, als sinnlose Gedanken an Geld, Arbeit oder andere Dinge, die ich im Schlaf oder Wachliegen eh nicht lösen kann, weiter zu wälzen. Wenn man nicht schlafen kann, kommt früher oder später solcher Mist auf. Was mache ich also?

Alte Texte lesen, manchmal auch nicht so alte. Gedanken verfolgen, an nicht oder noch nicht aufgeschriebene Geschichten. Erschreckenderweise kann ich dann meist recht schnell schlafen – und träume daran weiter und erzähle diese Geschichten dann am nächsten Tag weiter – im Geist oder indem ich sie aufschreibe. Das gehört an manchen Stellen echt zu meinem Schaffensprozess und ist mir sehr wichtig.

Wenn es also gut läuft, besiege ich Insomnia mit Inspiration … dass aus den inspirierten Geschichten eine Menge … nun, um im alliterierenden Wortspiel zu bleiben: Transpiration nötig ist, steht dann auf einem anderen Blatt. Diese leiste ich dann aber meist nach einem nicht ganz langen, aber im Verhältnis zu Real-Life-Gedankenmühlen erholsamen Schlaf. Ist vielleicht nicht die schlechteste Art und Weise, mit Einschlafproblemen oder Aufwachen aus einem Albtraum umzugehen, denke ich.

Nach dem Buch ist vor dem Buch

Ich bin ein Fan der Jack-Ryan-Reihe von Tom Clancy. Nicht so sehr wegen Jack Ryan selbst – als jungen Analysten mag ich ihn ganz gerne, bei seinen Ansichten später, in Amt und Würden, bin ich manchmal skeptisch.

Aber mir liegt die Mischung aus Technik, Taktik und Bedrohung, die ich auch als Kritik an der militärischen Lösung von Konflikten verstehe oder vielleicht nur verstehen will. Das mochte ich an „Jagd auf Roter Oktober“, das – nach dem Film – mein Einstieg war. Das Buch fand ich sogar erheblich besser, weil es glaubhafter und technischer ist als der Film. Nicht, dass ich den Film nicht mögen würde – ich liebe ihn sogar. Dennoch, Clancy lesen ist nochmal was anderes. Daher habe ich auch – von der Jack-Ryan-Serie bei Amazon abgesehen – bisher keine weiteren Bildschirm- oder Leinwandadaptionen von Clancy-Büchern gesehen. Von den Büchern fehlen mir noch etliche, gelesen habe ich „Jagd auf Roter Oktober“, „Der Kardinal im Kreml“ und „Der Schattenkrieg“, zuletzt dann noch „Im Zeichen des Drachen“.

Die riesige Lücke an Handlung, Charakterentwicklung und Karriere zwischen ersteren drei und letzterem hat mich schon ziemlich drausgebracht, aber ich konnte „Im Zeichen des Drachen“ dennoch recht schnell nicht mehr abbrechen. Nun habe ich es durch und mich hungert es danach zu erfahren, was dazu geführt hat, dass Jack Ryan, Bart Mancuso, Al Gregory, Ed und Mary Pat Foley, Dan Murray, Sergej Golowko, Gennadij Bondarenko und all die anderen nun an den Orten, in den Ämtern und Karrieren sind, wo sie in „Im Zeichen des Drachen“ sind. Also habe ich „Echo aller Furcht“ als eBook gekauft und auf meinen Reader geladen – und siehe da: Prompt taucht die nächste Gestalt auf, die ich bereits in ihrem späteren Ich kenne: Arnold van Damm, der Stabschef des Präsidenten.

Nun bin ich mal gespannt, wie sich das Buch entwickelt …