Phantastik-Pedanterie

Für die Welt Tethys, auf der eine Menge meiner Phantasie spielt, habe ich schon Landkarten gezeichnet, Firmen entworfen und einiges mehr. Hier ist nun zu sehen, wie ich ein Schema der Entwicklung der Strömungen spiritueller und körperlicher Praktiken einer dortigen Kultur angesichts neuer Gedanken erweitere.

Vielleicht ist das „Übertreiben“, aber mir bereitet es Freude.

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[KuK] Mumien überall!

Zur Zeit kommt bei uns eine spezielle Richtung von „Horror“ an vielen Stellen zusammen. Mumien!

Wir lesen gerade den dritten Teil von Tanya Huffs Reihe über Vicki Nelson und den Vampir Henry Fitzroy, und da geht es deutlich absehbar um eine Mumie, die in Toronto wieder erwacht. Die Folge von „Voyage to the Bottom of the Sea“, die mein Mann gerade eingelegt hat, heißt „The Mummy“ – und im Moment liegt, unter anderem wegen des Blogbeitrags zu Mumien bei Fantastische Antike das Buch „Mumien: Die Wiedergeburt“ auf meinem Schreibtisch.

Kommt vieles zusammen. Sogar unsere unsichtbaren, außerirdischen Mauzen albträumen von Mumien – während die beiden Arzt-Katzen gelegentlich, wenn es uns nicht gut geht, uns bandagieren, um uns zu helfen, und im nächsten Moment panisch von Mumien mauzen.

Manchmal … kommt alles zusammen. Aber da bin ich nicht böse drum. Die Albträume wegen Mumien sind bei mir selbst zum Glück in meiner Kindheit zurückgeblieben.

Phantasie

Phantasie ist meiner Ansicht nach die großartigste Art und Weise, sich zu unterhalten.

Natürlich können Serien, Filme, Bücher, Comics und dergleichen die Phantasie inspirieren. Aber letztlich sind das Produkte der Phantasie. Diese fiktiven Geschichten bestehen aus Phantasie.

Ich bin sehr, sehr froh, dass mein Phantasie sich nicht an bestehende Geschichten fesselt, sondern frei fliegt und eigene Geschichten zu schaffen vermag. Würde ich die oben genannten Darreichungsformen von fiktiven Geschichten verlieren, würde ich viel verlieren. Würde ich aber meine Phantasie, meine eigenen Geschichten verlieren – ich ich wäre verloren.
Facebookpost von Talianna Schmidt vom 07.09.2012

An diesen Post von vor fünf Jahren erinnerte mich Facebook heute. Das ist noch immer wahr und ich habe es unbearbeitet hier zitiert. Es passte recht gut, da genau heute – aus mir nicht genau erfindlichen Gründen – in meinem Kopf eine alte Phantasie-Geschichte wieder hochkam: „Sternenbrennen“, eine in fünf Teilen strukturierte Science-Fiction-Geschichte, die zu Beginn der Besiedelung der näheren Umgebung unserer Sonne innerhalb der Milchstraße durch die Menschheit spielt. Hauptfiguren dabei sind Anna van Staal, von ihrer Tante in einer Pontonstadt über dem vom angestiegenen Meeresspiegel überfluteten niederländischen Leiden in prekären Verhältnissen aufgezogen, und Valérie Marreau, Tochter privilegierter Kolonisten auf dem dritten Planeten von Epsilon Eridani. Spannend, wie alles irgendwann wiederkommt.

Vorstellung meines Buchs auf Youtube

Der zugegebenermaßen voreingenommene Ehemann der Autorin – also mein Ehemann, um genau zu sein, hat Am Rand des Strömungsabrisses auf seinem Youtube Kanal vorgestellt. Wenn Ihr aus seiner Perspektive einen Blick auf mein Erstlingswerk werfen möchtet, schaut doch mal rein:

https://www.youtube-nocookie.com/embed/m8L5L2lQHK8?rel=0

Hauptsächlich macht er allerdings Let’s Plays und das schon über einer lange Zeit sehr regelmäßig – auch da lohnt es sich, mal hineinzuschauen, wenn Ihr Euch dafür interessiert.

Die gefürchtete Herzogin

Ich habe mich ja inzwischen zu dem Entschluss durchgerungen, dem „Park“ und seinen Geschichten ein Buch zu widmen. Was genau der Park ist, so weit ich es schon offenbaren möchte, findet sich im oben verlinkten Beitrag. Allerdings gibt es schon weit mehr vom Park, als ich in die erste Geschichte hineinlegen möchte – zusammen mit meinem besten Freund und einigen Gästen habe ich schon zwei große Handlungsstränge bespielt, der kurze erste davon soll es in ein Büchlein schaffen, wenn aus dem Beschluss auch Handlungen werden. In meiner eigenen Einteilung ist das vom Park, was ich beschreiben will, der „Prolog“, während mein bester Freund und ich einen weiteren Geschichtenbogen in einem „Kapitel 1“ miteinander interaktiv erzählt haben. Für ein „Kapitel 2“ gibt es schon viele Ansätze und Geschichten, aber richtig angefangen haben wir noch nicht.

Ein Dreh- und Angelpunkt aller Park-Geschichten ist und bleibt aber mit Sicherheit die Herzogin. In der Logik des Parks ist es ganz normal, dass sie einen englischsprachigen Namen trägt – Charlotte heißt sie, ihr Gut wurde während der Gründung des Parks als „Iron Cross“ benannt, in erster Linie des Klangs wegen. Mit den historischen Bedeutungen und auch dem Aussehen des Symbols des eisernen Kreuzes hat es nichts zu tun. Herzogin oder auch Duchess Charlotte of Iron Cross nimmt eine zentrale Rolle in den Geschichten ein, die ich im Park angesiedelt habe, auch in der internen Politik des Parks, in die diese Geschichten eingebettet sind. Als mächtige, intrigante Politikerin, die mit ihrem Wissen, ihrem Aussehen und Auftreten als ihrem Kapital Intrigen schmiedet, steht sie ihrem Cousin, dem König, mit all dem zur Seite, was dieser nicht tun kann: Sie erledigt den Schmutz in der Politik und sie tut es mit ebensoviel eisernem Willen wie von eisigem Hauch umwehten Charme. Dazu hat sie ihren Haushalt genau so gestaltet, wie es ihr gefällt – mit unterwürfiger Dienerschaft, deren Verhältnis zu Charlotte auch mal als Waffe eingesetzt wird, um Gäste im Salon abzulenken oder einzuschüchtern, einer rein weiblichen Leibwache, die zudem auch so gestaltet ist, dass sie ebenfalls ablenkend tätig werden kann, einem platonischen Weggefährten als Begleiter für offizielle Anlässe – und einem Haufen wechselnder Liebschaften, mit denen sie auch nicht unbedingt pfleglich umgeht.

Ich habe schon oft in Gesprächen die (den Gesprächspartnern bekannte) Herzogin als Bild benutzt, um einen einschüchternden Eindruck einer starken, mächtigen und gelegentlich auch willkürlich agierenden Frau zu zeichnen. Ich liebe diese Figur einfach, und auch wenn sie nicht die Protagonistin in Beschreibungen des Parks sein wird, so wird sie sicher eine zentrale Nebenrolle einnehmen.

Alanna von Trebond / Song of the Lioness

Nach einer ganzen Weile möchte ich hier mal wieder ein Buch – oder in diesem Falle eher vier davon vorstellen. Es geht dabei um den „Alanna-von-Trebond“-Zyklus von Tamora Pierce, im Englischen als „Song of the Lioness“ zusammengefasst. Konkret besteht der Zyklus aus den vier Bänden:

  • Die Schwarze Stadt (Originaltitel: Alanna: The First Adventure), 1983
  • Im Bann der Göttin (Originaltitel: In The Hand Of The Goddess), 1984
  • Das Zerbrochene Schwert (Originaltitel: The Woman Who Rides Like A Man), 1986
  • Das Juwel der Macht (Originaltitel: Lioness Rampant), 1988

Die vier Bücher haben jeweils ungefähr 250 groß und lesefreundlich beschriebene Seiten – ich habe die einzelnen Bände damals jeweils an einem Tag verschlungen, als ich 14 war und mehr, wesentlich mehr Zeit zum Lesen hatte. Es ist also auch kein besonders umfangreicher Stoff, zusammengenommen ist das Lied der Löwin durchaus ein Werk epischer Länge, das durch die Strukturierung der vier Bände überschaubar wird.

Die Hintergrundwelt des Lieds der Löwin ist das Land Tortall, das nach Augenschein mittelalterlich ist. Intrigen und Schwerter und Kriege gibt es, aber nicht in einer blutigen Intensität wie das in „Game Of Thrones“ der Fall ist. Dazu ist’s keine „High Fantasy“, Elfen, Zwerge und dergleichen wird man vergeblich suchen. Aber es gibt Magie, es gibt Götter, die sich auch in das Leben der Sterblichen einmischen. Ab „Im Bann der Göttin“ spielen dann auch andere Länder eine gewisse Rolle, „Das Juwel der Macht“ spielt sogar zum größten Teil außerhalb Tortalls. So weit die Welt zum Verständnis der Bücher nötig ist, wird sie ausreichend erklärt, aber umfangreiche Exkurse zu Details gibt es nicht, die Handlung geht immer voran – dabei ist hilfreich, dass Alanna selbst aus „der Provinz“ kommt und somit viele der Dinge selbst noch nicht kennt. Viele wichtige Figuren erlebt man in allen Bänden, neben Alanna selbst treten viele der Figuren über den gesamten Zyklus hinweg immer wieder auf, manche davon mit Pausen. Es ist möglich, in Alannas Weg eine Art der typischen „Heldenreise“ zu sehen, allerdings schlägt sie sich mit (für ihre Situation) ganz normalen Problemen herum. Allerdings ist Alannas Situation nicht ganz normal: Als der „Wildfang“ des Zwillingspaares Thom und Alanna ist es ihr ein Gräuel, als sie von ihrem Vater in ein Kloster geschickt werden soll, wo sie die Etikette der feinen Damen lernen soll, um anschließend an den Hof zu kommen. Thom dagegen hat zwei linke Hände und hängt sehr an der magischen Gabe, die er ebenso wie Alanna hat – während Alanna selbst sich vor der Magie fürchtet. Thom will also nicht den vorgezeichneten Weg als Ritter nehmen, Alanna nicht den ihrigen als Dame annehmen. Praktischerweise liegen die Akademien für die Magie in derselben Stadt wie das Kloster, in das sie soll – und so tauschen die beiden die Rollen. Mit gefälschten Briefen des Vaters brechen sie auf – für Thom ist das einfach, er kann ein Junge bleiben. Aber die Ausbildung über Page und Knappe zum Ritter ist Jungen vorbehalten – und so wird aus Alanna Alan. Mehr spoilern möchte ich auch gar nicht, denn sehr viele der Probleme und Schwierigkeiten, die Alanna beschäftigen, sind mit ihrem Inkognito und dem dazugehörigen Mangel an Erklärung, was sie als Mädchen in der Pubertät erwartet, bereits angelegt.

Für mich war sehr wichtig und schön zu sehen, wie Alanna mit all dem umgeht – sie geht es direkt an, kämpft für ihren Platz zuerst unter den Pagen und Knappen, später bei Hof und in der Welt. Selbstzweifel werden illustriert, aber auch Hartnäckigkeit, genauso wie die Frage nach Selbst- und Fremdbestimmung, sowohl gegen Einmischung von anderen Menschen als auch des Schicksals beziehungsweise der Götter. Längere Passagen, in denen nichts oder nur wenig passiert, lassen die Bücher aus, sie konzentrieren sich auf die Phasen mit (innerer oder äußerer) Entwicklung. Ich fand für mich wertvoll, eine Figur an die Hand zu bekommen, die Ideale hat, aber durchaus mit ihrem Temperament und der Umgebung hadert, wenn sie diese Ideale verfolgen will – und die sich im Laufe der Zeit stark entwickelt, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Dabei lässt Tamora Pierce an vielen Stellen Platz für eigene Vorstellungen, gerade auch die Phasen, in denen wenig passiert, kann man eben als „die leere Seite zwischen zwei Kapiteln“ ansehen, oder sie mit plastischen Bildern, für deren Vorstellung die Information aus dem Buch ausreicht, auffüllen – letzteres war mein Weg.

Ich habe die vier Bücher als Jugendliche zweimal gelesen – und später dann, jenseits der dreißig, noch weitere zweimal. Mein Blickwinkel und was ich darin sehe, das hat sich verändert. Nicht verändert hat sich dagegen, dass hier eine ungewöhnliche Geschichte einer starken Figur erzählt wird, die aber an keiner Stelle oberflächlich bleibt. Nicht zuletzt ist Alanna auch eine Figur, an der man sich in Entwicklungsphasen festhalten kann. Sie macht nicht alles richtig, ihr fehlt manchmal die Kontrolle ihres Temperaments, manchmal auch die Information und Reife, um eine bestimmte Situation so zu lösen, wie es eigentlich richtig wäre – dennoch versucht sie, so gut es geht, damit fertig zu werden.

Nicht zuletzt sind Themen wie gesellschaftlich ungewöhnliche Wahl der Rolle, die man einnehmen möchte, Liebe, Gefühle und Umgang mit Gefühlen, aber auch ernste Themen wie Mobbing und die erschreckende, an manchen Stellen auch ungewollte Entwicklung von Körper und Rolle beim Erwachsenwerden behandelt, ohne psychologisierend oder vorschreibend daherzukommen.

Leider sind die Bücher nur noch antiquarisch zu bekommen, aber ich würde die empfehlen – für Heranwachsende, wie ich sie damals mit 13 oder 14 gelesen habe, aber auch für Erwachsene, die keine Berührungsängste mit Jugendbüchern haben.