[KuK] Geschenke

Geschenke…

Um zeitlichen Abstand zwischen die Gruppen zu legen, habe ich meinen Geburtstag mit meiner Familie am vierten Advent vorgefeiert. Da gab‘s Gutscheine… und die habe ich genutzt, um mir zwei Fahrrad-Dinge zu kaufen:

  • Einen Sattel von Selle Italia und
  • Sokrates auf dem Rennrad von Guillaume Martin.

Dazu gab‘s, nicht von den Gutscheinen, von mir für mich:

  • Einen Stryd Footpod für Leistungsmessung beim Laufen.

Ich freue mich schon auf‘s Lesen, Montieren sowie Einrichten, Kalibrieren und Messdaten Auswerten.

Fortschritte

Meine Karte der Nebelsteine – aktueller Stand. Auf der Hauptinsel sind sechs Höhenstufenfarben vollständig ausgemalt. Eine kleine Nebeninsel ist angerissen.

Wie schon beschrieben, zeichne ich gerade eine Karte einer Insel auf einer Phantasiewelt. Meine Inspiration für die Nebelsteine habe ich ja schon im früher in diesem Absatz verlinkten ersten Post zu meinem Relax-Projekt benannt. Eigentlich wollte ich heute in die Sauna gehen, wo das Bild hängt, das mich zu den Nebelsteinen inspiriert hat – aber ich habe es dann doch gelassen, weil ich auf jeden Fall Teile der 15 Kilometer von Hin- und Rückweg Fahrrad dafür hätte fahren müssen – auch zurück. Das wollte ich mir nicht antun, habe den Saunagang also auf die Zeit verlegt, wenn unsere S-Bahn wieder fährt und ich nicht mindestens von Rastatt nach Hause radeln oder gehen müsste. Schienenersatzverkehr vermeide ich, wenn ich Rad fahren kann.

Stattdessen habe ich heute früh meinen Augen eine Pause von den Abbildungsfehlern der Prismenfolie gegönnt. Auf die Nähe brauche ich weder meine Brille noch die Prismenfolie, da ich dort weder unscharf noch doppelt sehe. Also räumte ich die Tastatur zur Seite, nahm Buntstifte und meine Karte zur Hand und malte weiter aus. Als ich die Karte heute früh zur Hand nahm, war keine der neun bisher verwendeten Farben auf der und um die Hauptinsel vollständig ausgemalt, nun sind es die unteren sechs Land-Höhenstufen. Ob ich wie eine Geographin gewählt habe, weiß ich nicht, aber mir gefällt die Reihenfolge und erscheint mir auch schlüssig. Vorhanden sind nun noch zwei Brauntöne, Grau und Weiß – ganz reichen wird das aber bei der Nebelspitze nicht ganz, da eine eng um den Gipfel der Nebelspitze gezogene Höhenlinie dann Weiß von Weiß trennen wird. Die Nebelspitze ist der höchste Punkt des linken Meteoritentrümmers in der rechten Dreiergruppe. Mal sehen, wie ich das löse.

Vielleicht ist Euch auch die Beschriftung „Neylsteyner (Nebelsteine)“ aufgefallen. Bis zu einem gewissen Grad versuche ich, für die Nebelsteine und die Welt, in der sie eingebettet sind, bestimmte Klänge (mit realen Sprachen als Inspirationsquellen) in Orts- und Personennamen für bestimmte Sprachen stehen zu lassen – natürlich nicht akkurat, sondern nur dem Klang nach, es sind ja fiktive Sprachen. Wenn ich mir Gespräche auf dieser Welt vorstelle, modelliere ich die verwendete Sprache meist mit Deutsch, seltener mit Englisch, aber in den Namen kommt dann doch die Unterschiedlichkeit der Nationen zum Ausdruck. Für die Völker und Religionsgruppen, in deren spiritueller und kultureller Welt die Nebelsteine eine wichtige Rolle spielt, ist die Bezeichnung „Neylsteyner“ allerdings auch ein feststehender Begriff, für den die Übersetzung in deren modernen Wortschatz oder eine andere Sprache nur unzureichend wiedergibt, was mit „Neylsteyner“ gemeint sein soll. Für ein bisschen mehr Hintergrund zu dem, was ich mir für die Nebelsteine ausgedacht habe, verweise ich auf den Kommentar zum oben verlinkten Beitrag.

Happy in the Saddle but born to run

Vor vielen Jahren – im Teenager-Alter – wurde ich von meinem Vater mit dem Rennradfahren angesteckt. Er selbst hatte das Radfahren aus sehr praktischen Gründen angefangen: Seine Abduktoren (glaube ich rückblickend) waren zu stark, zogen das Knie krumm, wie er es ausdrückte. Er hatte keine Zeit für Krankengymnastik oder eher: Wollte sich diese nicht nehmen. Also bekam er zum Stärken der Adduktoren als Antagonisten der Abduktoren den Tipp, Rad zu fahren. Er fuhr also zur Arbeit und wieder heim mit dem Rad – 14 Kilometer eine Strecke. Weil mein Vater keine halben Sachen macht, landete er recht schnell bei Geschwindigkeitsoptimierung und damit beim Rennrad. Meine Schwester und ich zogen mit und bekamen Rennräder… und mit 17 war das Rennradeln für mich schon wieder vorbei, da ich in einem Unfall gegen einen Geländewagen etwas Metall (zum Wiederanschrauben des abgerissenen Innenbands im rechten Knie) und viel Angst an Bord holte.

Das Laufen entdeckte ich später. Meine Kopfschmerzen – wetterfühlig und wegen Spannungen – uferten in meiner Promotionszeit aus und meine Ärztin empfahl mir gegen Kopfschmerzen und Stress das Laufen. Gesagt, getan, ich lief – nicht viel, nicht schnell, anfangs. Auch immer wieder mit Unterbrechungen, aber irgendwann sagte mein Mann: „Fang‘ wieder an zu laufen, Dein Kopfweh kommt ja schon jeden Samstag!“ Dann warf mir meine Colitis ulcerosa einen Knüppel zwischen die Beine, denn ich sollte wegen des Immunsuppressors nicht mehr in die Sonne. Aber den wurde ich auch wieder los.

Seit 2017 laufe ich regelmäßig. Seit 2020 fahre ich wieder regelmäßig Rennrad… zehn Kilometer Laufen im Tagesschnitt, zwanzig Kilometer Radfahren im Tagesschnitt sind’s. Phasenweise dachte ich: „Himmel, löst das Radfahren das Laufen nun doch ab?“ So hätte man denken können im September 2020, als ich in einem Monat 1400 Kilometer auf dem Rad abspulte – aber bereits im Folgemonat kam mein bisher stärkster Laufmonat mit 470 Kilometern auf Laufschuhen.

Konkurrieren die beiden Sportarten? Manchmal schon. Aber oft genug setze ich das Rad zur Anreise zu einem Lauf ein, oder trainiere im Duathlon-Modus. Das Rad bedient meine Technik-Begeisterung, die beim Auto bei mir einfach nicht zündet. Aber am Ende des Tages ist es – nicht nur wegen der darin beschriebenen Aspekte – so wie im Buch von Christopher McDougall: Ich bin „Born to Run“. Das kann ich am besten – Fahrrad fahre ich im Verhältnis zu den Cracks eher langsam und die Angst ist immer noch da, wenn die Kreuzungen unübersichtlich und die Abfahrten steil und kurvig sind. Aber beim Laufen bin ich selig!

Ein Versuch

Meine Romanfigur Jenisa „Jenny“ bzw. „Red Fox“ Korrenburr wuchs in einem Kurierflieger-Unternehmen auf – ihr Vater Tom und dessen Kumpel haben „Star Cargo“ gemeinsam gegründet, beide haben das Fliegen beim Militärdienst gelernt. Das Logo von „Star Cargo“, die zwischen den kleinen Inseln der rauen Inselkette des Aurscaer Fracht und Passagiere hin- und herfliegen, gelegentlich auch mal als Nottransport für Kranke dienen, wenn der Hubschrauber des Krankenhauses kaputt ist, begleitet mich schon eine Weile. Es ist mehr oder minder zu meinem Icon geworden, ihr findet es auch in meinem Profil hier.

Nun ist mein „Red Flash“ mit seinen Gepäckträger-Haltern ja durchaus mein Lastesel geworden, und was läge näher, als das „Star Cargo“ Logo auf meine Gepäcktaschen zu packen? Ich hatte die Idee schon länger, aber mein Nenn-Bruder meinte gestern, eigentlich müsste es da drauf…

Nun habe ich mal versucht, ob ich es hinbekomme. Ich hoffe, dass es auch hält, aber aussehen tut’s schonmal nicht schlecht, finde ich:

Spiel-„Zeug“

Über viele Jahre hinweg war Fantasy- und Horror-Rollenspiel meine mit Abstand bedeutendste Freizeitbeschäftigung. Inzwischen sind Sport und andere Dinge wichtig geworden, und die Zeit, sich regelmäßig mit einer Gruppe zu treffen, ist bei mir ebenso wie bei den Kandidaten für Mitspieler sehr begrenzt. Nur das alldonnerstägliche Chat-RPG-Solo mit meinem Nenn-Bruder besteht weiterhin.

Aber es wäre falsch zu sagen, dass ich keine Rollenspielerin mehr bin. Etwas so Prägendes, das mich so viel beschäftigt hat und aus dem ich immer noch so viele Geschichten in meinem Kopf und in Dokumenten auf meinem Rechner habe, bleibt ein Teil von mir, auch wenn ich nicht mehr allzuviel aktiv spiele. Zwar kaufe ich in der Regel keine neuen Regelwerke mehr, sondern befasse mich mit dem, was schon da ist – an Geschichten und Regelwerken. Aber dann wies mich eben mein Donnerstags-Spielpartner auf etwas hin, um das ich nicht herum kam.

Als niedlicher und kindertauglicher Spin-Off von „Das Schwarze Auge“ (DSA) gibt es nämlich nun „Die Schwarze Katze“. Es geht dabei um die „Erwachten“, einige Hundert Katzen in der aventurischen Hafenstadt Havena, die sich ihrer selbst bewusst sind und ihre ganz eigene Gesellschaft neben der menschlichen aufgebaut haben. Nicht alle Katzen in Havena sind „erwacht“, und dass sie erwacht sind, liegt wohl an einem magischen Ereignis. Auch zeigen die Erwachten den Menschen nicht, dass sie auch aufrecht gehen können, Kleidung besitzen und ihre eigenen Abenteuer erleben, Intrigen spinnen und Vergnügungen nachgehen. Viel mehr weiß ich noch nicht, aber ich kam wirklich nicht daran vorbei.

Bis jetzt habe ich mich mit dem Vorwort des Grundregelwerks auseinandergesetzt und schonmal reingelesen. Schön finde ich, dass sich das Regelwerk auch an Eltern und Lehrkräfte wendet, das Spiel also klar gedacht ist, dass Erwachsene es für Kinder leiten. Ein paar Erweiterungshefte gibt’s, und eine Auswahl davon habe ich mit bestellt.

Zwar sagt bereits das Vorwort, dass die Wechselwirkung mit Aventurien, der Welt des „großen“ DSA, meist eine Einbahnstraße sei – Entwicklungen in der Welt der Menschen haben Auswirkungen auf das Leben der erwachten Katzen, nicht aber umgekehrt. Ich für mich selbst schließe aber nicht aus, sollte ich mal wieder DSA leiten, dass die erwachten Katzen eine Rolle spielen, vielleicht sogar, dass meine Spielerhelden von einem der „Putzer“-Kommandos der Erwachten behelligt werden, um sicherzustellen, dass die von den Helden entdeckten, sprechenden, bekleideten und aufrecht gehenden „Erwachten“ nicht von den Spielerhelden als magische Geschöpfe identifiziert und „verpetzt“ werden.

Und selbst wenn’s nicht zum Spielen kommt, ist schon die Lektüre eine herrliche Sache – Rollenspiel und Katzen, genau meins.

Gelesen: Tim Krabbé – Das Rennen

Da ich nun Rennrad fahre – genau genommen ja WIEDER Rennrad fahre, wurde mir von Ma San ein Buch empfohlen. Es geht um „Das Rennen“ von Tim Krabbé, in der deutschen Übersetzung. Bereits die ersten Zeilen, die durchaus öfter mal zitiert werden, hatten mich:

„Meyrueis, Lozère, 26. Juni 1977. Warm, bewölkter Himmel. Ich nehme meine Sachen aus dem Auto und setze mein Fahrrad zusammen. Von Straßencafés aus schauen Touristen und Einwohner zu. Nicht-Rennfahrer. Die Leere in ihrem Leben schockiert mich.“

Aus: Tim Krabbé – Das Rennen

Das gilt allerdings nicht nur für das Radrennfahren. Auch Laufwettkämpfe haben so einen Sog und so ein Gefühl des Abgehobenseins, auch wenn das Rennrad mit all seiner Technik und auch der Rennzirkus des Radrennens es betonen. Ich selbst bin – vor langer Zeit – nur ein Rennen gefahren. Es war das Scheuerbergrennen in der Nähe von Heilbronn, ein Einzel-Bergzeitfahren über eine nicht allzu große Distanz und nicht allzu viele Höhenmeter. Ich habe es nicht gewonnen, aber mein Teenager-Ich schnitt für den damaligen Anspruch ganz gut ab. Aus Überanstrengung nahm ich eine Fanta zu mir, nachdem ich über den etwas flacheren Gipfel gesprintet war, und kotzte sie instantan wieder in die Büsche.

Wenn ich den obigen Absatz so lese, frage ich mich: Klang ich auch vor der Lektüre von „Das Rennen“ schon so, oder kam das erst dadurch?

Was in „Das Rennen“ passiert, ist erstaunlich schnell gesagt: Tim Krabbé nimmt, als Amateurradfahrer, an einem bergigen, schweren Radrennen in den französischen Cevennen teil. Es ist die Mont-Aigoual-Rundfahrt, deren namensgebender Berg in der Tour de France 2020 als Bergankunft Etappenziel war. Dazu beschreibt er Rennfahrertypen, Rennsituationen und seine Taktik, seine Gefühle, seine Einstellung in greifbaren Begriffen und über Anekdoten und Exkurse.

Klingt simpel? Ist es auch! Aber in diesem simplen Konzept, in dem ein Haufen Erfahrung mit Radrennfahren und ein Haufen Einfühlung in den Radrennsport und seine Geschichte, seine Gestalten stecken, liegt Genialität. Für mich, die ich selbst in den Neunzigerjahren den Profiradsport verfolgt und bejubelt habe, 2004 dann schließlich in L’Alpe d’Huez beim Contre la Montre an der Außenseite einer Serpentine, in Sichtweite der „Flamme rouge“ den Schweiß der Rennfahrer abbekam, war das Buch wohlige Nostalgie, das Lernen von Anekdoten und gestalt-, ja, wortgewordene Offenbarung dessen, was einem auf dem Rennrad, selbst ohne Rennen, aber mit der Erfahrung von Laufwettkämpfen intus, so durch den Kopf schießt.

Tim Krabbé charakterisiert die Leute, mit denen er fährt, gegen die er fährt, vergleicht sie mit bekannten Gestalten. Durch eine gewisse Hingabe zum Verfolgen der Tour de France in den Jahren, in denen ich selbst hobbymäßig fuhr und auch später noch, waren mir Fahrer wie Bernard Hinault, Jacques Anquetil, Lucien van Impe, Federico Bahamontes, Gino Bartali und Fausto Coppi schon ein Begriff, Eddy Mercks natürlich auch. Wie wichtig die Psychologie, die Taktik und das Gefühl sind, und wie sehr sie einander widersprechen und doch zusammenwirken, das charakterisiert und karikiert Tim Krabbé oft in wenigen Sätzen eines Absatzes. Eben noch spricht die Vernunft, geißelt den Angriff eines Mitfahrers, Gegners als sinnlos und zu früh, im nächsten Moment wird sich Krabbé bewusst, dass er selbst gerade angreift und dass es gut ist! Auch das schnelle Wandeln vom Gegner im Feld zum Verbündeten in der Ausreißergruppe wieder zum Gegner beim Sprint, auch das zeichnet er in einer Weise nach, die der Faszination einer schweren Bergetappe der Tour de France erklärt, aber nicht entzaubert.

In der Mischung aus Anekdoten und dem Drama eines Rennens, in dem die Chancen hin und her wogen, fängt Tim Krabbé die Faszination Radsport in einer Weise ein, die sonst wohl nur für jemanden, der zumindest Ausdauersport-Rennen und Rennradfahren kennt, zugänglich wäre.

Die Fortsetzung des Anekdotischen aus „Das Rennen“ begleitet mich gerade in Form von Tim Krabbés „Die Vierzehnte Etappe“, aber ohne die Mont-Aigoual-Rundfahrt als Kulisse ist es nicht ganz so das, was „Das Rennen“ in mir weckte. Zugleich schießen mir selbst ein Haufen Anekdoten durch den Kopf… aus meinem eigenen Nicht-Rennen-Rennradfahren früher und heute, aber auch aus dem Schauen von Radrennen. Wohlig eingepackt, in sportliche Faszination und Nostalgie.

Ganz schön blöd…

Gestern Nacht wachte ich aus einem Traum auf. Es war kein Albtraum, kein Problem – nein, es war etwas Schönes. Es ging um Jenny Korrenburr, die schwierige Heldin, über die ich in „Am Rand des Strömungsabrisses“ geschrieben habe. Sie beschäftigt mich auch weiter, in vielerlei Hinsicht, und vielleicht wird irgendwann doch ein zweiter Teil kommen, in dem ich vieles besser machen möchte als im ersten.

Aber irgendwie war ich nach diesem Traum wach, durstig und hungrig. Ich stand also auf, mir kamen ein paar Gedanken, und die wollte ich mit meinen Notizen zu Jenny abgleichen. Ich machte also die Datei mit den gesammelten Notizen auf, begann zu lesen… und da gab es viel Fliegerei, einige neue Gestalten, die im Buch noch nicht aufgetreten sind, eine Hochzeit, Wiedersehens-Beschreibungen. Ich fand mich wohlig umarmt von dem, was ich geschrieben hatte. Klar, dass ich wieder ins Bett musste, aber ich wusste, ohne ein wenig quergelesen zu haben, würde ich nicht mehr schlafen können. Ein wenig, so zehn Minuten, oder so. Ich scrollte ein bisschen…

Es waren mehr als 75 Minuten, bis ich wieder im Bett war. Es ging nicht anders, ich weiß, dass ich nicht wieder hätte schlafen können. Entsprechend fertig war ich heute den ganzen Tag über und bin nun auf dem Sprung ins Bett. Jenny wird mich dort hin begleiten, in Gedanken, aber um vielleicht nicht wieder allzuviel eigenes Geschriebenes nachlesen zu müssen, habe ich den für mich nächsten Clancy auf dem Ebook-Reader und werde den heute anfangen, bevor ich wegdämmere.

Ganz schön blöd, wenn Geschichten einen so einnehmen.

Fik…

Ich gebe zu, das ist so ein Beitrag, bei dem die Überschrift fehlleitend ist. Ich weiß sehr wohl, dass das „Four-Letter-Word“, das man hier angedeutet sehen könnte, ein „c“ enthält.

Eigentlich will ich nämlich auch auf etwas anderes hinaus. Ich habe eben beim Verfassen des neuesten Beitrags beim Howard-Goldstein-Vortex auch die Index-Seite auf dem Geschichten-Blog aktualisiert. Nicht nur für die neueste Folge, nämlich Folge 2.7: Folgen, sondern auch für die Folgen 2.5 und 2.6 fehlten noch die Links. Den Index habe ich damals erstellt, damit der neue Leser sich die Folgen in der richtigen Reihenfolge durchlesen kann – in der Blogstruktur wird ja immer die neueste Folge oben angezeigt.

Bei dieser Gelegenheit habe ich den Index auch nochmal auf meiner Facebook-Wall gepostet – auch wenn ich es sehr schwierig finde, meine eigenen Schreibereien immer wieder anzupreisen, kann’s ja doch sein, dass irgendwem gefällt, was ich da „verbreche“ – und es wäre ja doof, wenn irgendwer unheimlichen Spaß hätte, aber es nicht findet, weil ich mich dafür geniere. Natürlich musste ich den Beitrag auf meiner Facebook-Timeline nochmal korrigieren – denn ich hatte zuerst den Cast gepostet, statt der Index-Seite. Das habe ich zum Anlass genommen, auch noch einmal die „About„-Seite anzugucken. Gleich im ersten Satz sprang mich etwas an…

Dort stand nämlich:

Die vorliegende Seite erzählt die fiktive Geschichte der Milliardärswitwe Esther Goldstein-Howard, Teilerbin des milliardenschweren Vermögens von Charles B. Howard und seines in Oakland/CA ansässigen Chemie-Unternehmens Howard Industries Ltd.

Vorherige Version des ersten Absatzes auf der „About“-Seite des Howard-Goldstein-Vortex-Blog

Wie soll ich sagen: Nach ein paar Gedanken darüber hatte ich mal nachgelesen, wie die Begriffe fiktiv und fiktional gegeneinander abgegrenzt sind. Dabei stellte ich fest: Fiktiv ist die Geschichte nicht. Sie existiert ja wirklich! Die Gestalten sind fiktiv, aber die Geschichte selbst ist fiktional!

Nun steht auf der „About“-Seite:

Die vorliegende Seite erzählt die fiktionale Geschichte der Milliardärswitwe Esther Goldstein-Howard, Teilerbin des milliardenschweren Vermögens von Charles B. Howard und seines in Oakland/CA ansässigen Chemie-Unternehmens Howard Industries Ltd.

Aktuelle Version des ersten Absatzes auf der „About“-Seite des Howard-Goldstein-Vortex-Blog

Nun kann einem der Gedanke kommen, dass sicherlich in dem von mir zwar geschriebenen und dreimal (beim Schreiben, beim nochmal drüberlesen, beim posten) gelesenen Text andere, schwerwiegendere Schnitzer drin sein könnten. Aber hey, man schraubt an den Stellschrauben, an denen man sich gerade die Knie angeschlagen hat.

Born to Run – meine erste Annäherung

Vor einiger Zeit habe ich auf Ma Sans Blog über das Projekt „10km in unter 40 Minuten“ die Kommentarspalte gefüllt. Im Zuge dessen empfahl er mir das Buch „Born to Run“ von Christopher McDougall. Für mich ganz klar: Ich wünsch’s mir zum Geburtstag! Und zum Geburtstag bekam ich es auch – mittlerweile habe ich es das erste Mal ausgelesen. Vermutlich werde ich es über die Zeit hinweg wieder lesen, denn es ist mit dem Buch wie mit „Es gibt hier nur zwei Richtungen, Mister“ von Reinhold Ziegler: Ich werde wohl bei jedem Lesen etwas Neues entdecken, da viel drinsteckt, das Buch aber auch das anspricht, was sich in mir verändert und entwickelt. Das allein ist schon einmal ein Prädikat.

Dennoch soll das hier keine Rezension sein, eher ein Erlebnisbericht vom (ersten) Lesen. Born to Run hat mich recht schnell eingefangen. Kein Wunder, das Laufthema ist ja durchaus meins. Aber auch der Aufhänger an der simplen Frage „Warum tut mein Fuß weh?“, die McDougall stellt, kommt gut. Wie ihm Ärzte sagen, der Mensch sei biomechanisch nicht zum Laufen gemacht, da spüre ich seine Skepsis im Buch – und mir rollen sich bei diesen Aussagen die Fußnägel hoch. Natürlich kommt auch dieses Thema im Buch zur Sprache, aber der zentrale Kern des modernen Menschen ist, dass er ein Ausdauerjäger ist! Alles an uns ist auf Langstreckenlauf ausgerichtet. Wir sind keine guten Sprinter, im Verhältnis zu anderen Lebewesen, wir sind Langstreckler. Das war mir schon vorher klar, aber die Erkenntnis wurde von dem Buch weiter gefestigt. Was mir neu war, und was ich klasse fand: Das Buch stieß mich auf Dinge, die sehr offensichtlich sind, einem aber nie auffallen: 

  • Wir Zweibeiner haben Atemrhythmus und Schrittfrequenz voneinander entkoppelt. All die vierbeinigen Läufer – Sprinter wie der Gepard ebenso wie eher ausdauernde Räuber wie der Wolf (und natürlich deren Beute) haben eine biomechanische Verbindung von Schritt und Atemzug. Wir nicht! Wir können also einen Laufstil pflegen, bei dem wir schnellere Schritte auf den Boden trommeln, als unsere Lungen atmen.
  • Wir nackten Affen geben Wärme über die Haut ab. Toll, oder? Ja, verdammt toll! Denn andere Tiere – alle anderen Tiere – geben Wärme vor allem über das Atmen ab, Wärme- und Sauerstoffhaushalt sind also fest gekoppelt, und dann ist das Ganze noch an die Schrittfrequenz gebunden… das funktioniert natürlich bei manchen Temperaturen SUPER, aber bei allen anderen nicht so gut. 

Beide Aspekte hat natürlich nicht Christopher McDougall herausgefunden, aber er zitiert Wissenschaftler, die sich damit beschäftigen – und damit ist klar: Himmel, verdammt, natürlich! Wir sind Ausdauerläufer, denn wofür sonst musste die Evolution bei uns Wärme- und Sauerstoffhaushalt voneinander und von unserem Vortriebswerkzeug entkoppeln? Dann ist da noch die Sache mit den Füße, Knien, Beinen allgemein. Läufer sind dauernd verletzt, ja? Bessere Schuhe = weniger Verletzungen? Ist das so, fragt Christopher McDougall im Buch und liefert die Antworten, allerdings auch „nur“ als Zitate: Einerseits von renommierten Ärzten, andererseits von einem seiner Weggefährten bei dem Rennen in Mexico, um das es – nun, scheinbar? – eigentlich geht. Laufen wir auf der Ferse, mit viel Dämpfung und so weiter, dann laufen wir in einer Weise, für die unsere Füße nicht gemacht sind. In der Gestalt von „Barefoot-Ted“, unterfüttert mit ein paar Zitaten, bricht McDougall die Lanze für’s Barfußlaufen und den damit gekoppelten Vorfußlauf mit Aufkommen auf der Ballen-Außenkante und Abrollen und Abdrücken über die Zehen. Das wiederum war mir nicht neu, nicht im geringsten. Ich habe auf meinen ersten Mizuno WaveRiders gelernt, so zu laufen, das Ganze auf Vibram Fivefingers kultiviert und bin darüber schneller, verletzungsresistenter und glücklicher mit dem Laufen geworden. 

Aber ich schweife ab, was für Läufer glaube ich bei „Born to Run“ nicht ungewöhnlich ist. Was Christopher McDougall erzählt, ist nämlich eine Mischung aus eigenem Finden zum Langstreckenlauf, einer Verneigung vor etlichen Ultra-Marathonläufern und einer Annäherung an die Lebensweise eines Volkes, das nie verlernt hat, wie man läuft. Dabei geht es um Laufstil, um unsere Biologie des Laufens (siehe oben), um Ernährung, natürlich um die Tarahumara bzw. Ráramuri und um die Läuferszene. Es ist spannend, wie charakterzentriert er erzählt, immer wieder auf Exkurse über die Läufer geht, die dann später zur Geschichte gehören, oder teils auch bereits kurz eingeführt wurde. 

Was „Born to Run“ vielleicht nicht ist: 

  • Eine Anleitung zum Laufen. Es ist aber eine Erzählung vom zum richtigen Laufen angeleitet Werden.
  • Eine Abhandlung über Tarahumara-Kultur. Es weckt aber das Interesse an diesem Läufervolk und kann zumindest als Reportage dienen.
  • Eine Charakterisierung der Langstreckenläufer-Subkultur. Aber es zeigt an einigen Ereignissen und Läufern vieles davon auf. 

Spannend zu lesen ist es, macht Lust auf mehr und hat zumindest mir sehr viel Spaß gemacht. Ich habe dann durchaus mal die Protagonisten gegooglet und zumindest bei einer der Personen ein Follow auf Twitter gelassen. Ich glaube, es könnte auch Nicht-Läufern gefallen, aber auch ein schlechtes Gewissen machen. Denn das ganze Mantra, der Mensch sei eigentlich nicht zum Laufen geschaffen und wenn doch, dann nur mit was-weiß-ich-für raffinierten Schuhen, ist genau das, das Christopher McDougall erzählt, vorgebetet bekommen zu haben – aber er hat es nicht geglaubt. 

Am Ende ist es (ganz abseits des Buches) unbequem, dass wir eben doch durch das Laufen – das Ausdauer-Langstrecken-Laufen zwecks Jagd – körperlich und geistig zu dem geworden sind, was der Mensch heute ist. Denn wir sind „Born to Run“, geboren, um zu laufen. Schuhe, die die Füße vor spitzen Steinen schützen, vor Scherben und dergleichen, sind eine tolle Sache. Aber wenn wir oft verletzt sind, liegt das meistens eher an zu viel Schuh und nicht an zu viel Laufen. Und genau an diese Dinge führt Christopher McDougall uns heran, wobei er die Geschichten von „Caballo Blanco“, den Tarahumara und Ultraläufern wie Scott Jurek, Barefoot Ted oder Jenn Shelton, Ansichten und Erkenntnisse von Biologen und Ärzten sowie ein nacherzähltes Erlebnis einer Ausdauerjagd der Buschleute in Namibia als Zeugen aufruft.

Ich jedenfalls fand’s klasse!