Sportfazit Juli

Am Ende eines Monats habe ich dann immer was zu bloggen. Freilich fällt mir auch sonst meist irgendwas ein, aber manchmal scheitert’s auch an der Zeit. Für das Monatsfazit nehme ich mir aber meistens dann doch die Zeit… und im Juli lief’s wie folgt:

Zusammenfassend lässt sich sagen: Ich habe alle beabsichtigten Sportarten betrieben, ich bin bei allen weiterhin auf dem Weg zur Zielerreichung oder habe das Jahresziel bereits erreicht oder überschritten. Allerdings blieb manches trotz Sommermonat hinter der „Monatserwartung“ zurück:

  • Rad gefahren bin ich rund 624 Kilometer – vier mehr als die angesagten „20 pro Tag im Schnitt“.
  • Geschwommen bin ich sogar 6,7 Kilometer, mein Ziel sagte nur „1000 Meter pro Tag im Schnitt“. Daher habe ich beim Schwimmen auch mein Jahresziel von 12 Kilometern schon erreicht – im ersten Jahr, in dem ich das Schwimmen wieder betreibe und auch erfasse. Das heißt aber nicht, dass ich nicht weiter schwimmen will – im Herbst hoffe ich auf ausreichend niedrige Inzidenzen, um einen Kraulkurs belegen zu können.
  • Beim Skaten kamen mir Urlaub, Wetter und auch teils ein bisschen die Motivation in die Quere – vorsichtige eintausend Meter pro Tag im Jahresschnitt sind angesagt, da bin ich gut davor – aber im Juli habe ich nur insgesamt 10 Kilometer drauf gebracht. Naja, kommt wieder.
  • Auch beim Laufen habe – wenn auch knapp – das auf den Monat runtergebrochene Jahresziel verfehlt: Nur 290 Kilometer standen am Ende auf der Liste. Allerdings habe ich mit 4250 Höhenmetern den steigungsintensivsten Monat meiner Laufkarriere absolviert, den größten Teil davon im Urlaub an den Anstiegen des rechtsrheinischen Ufers des Mittelrheins.
  • Mit 59,5 Stunden Sport im Juli lag ich etwas unter den zwei pro Tag, die ich angesetzt habe, beim Eigengewichts-Krafttraining, Balance-Board und Dehnen ist aber alles gut im grünen Bereich.

Da ich aber vor dem Juli bereits einige „Vorleistungen“ erbracht habe, bin ich bei allen meinen Zielen dem Soll voraus und werde zum Jahresende meine Ziele erreicht haben, wenn es auch nur vage so weiter geht:

Highlights des Juli lagen vor allem in mehr Höhenmetern – vor allem beim Laufen, aber auch beim Radfahren wage ich mich wieder an mehr Steigungen. Bei den Radfahrten halte ich das erst für den Anfang, bei den Höhenmetern wird der August ziemlich sicher ein „Back to Normal“ bringen.

Schwimmen wird bei mir langsam auch ein Teil der Routine, das kam aber vor allem in Juni und Juli, wie man unten sieht:

Schwimmkilometer und Schwimmzeit.

Was der August nun bringen wird? Keine Ahnung. Schwimmen, Radfahren, Laufen, beim Skaten wieder sicherer werden und Bremstechniken lernen – das wäre schon nett. Auch die Höhenmeter beim Radfahren hochzuschrauben wäre mir ein Anliegen, aber das mache ich Stück für Stück. In jedem Falle sind viele Intervalltrainings geplant, denn im September soll meine Bestzeit im Halbmarathon unterboten werden.

Ein bisschen mehr bloggen würde ich allerdings auch gerne wieder, aber irgendwas ist ja immer.

[KuK] Berglauf-Urlaub

Urlaubsbilanz bisher.

Hochgebirge ist zwar anders, ich bin schließlich am rechten Ufer des Mittelrheins, aber die Hänge zum westlichsten Ausläufer des Westerwalds hoch und wieder runter erlauben pro Anstieg über 100 Höhenmeter… und man kann ja mehrfach drüber laufen.

Und so renne ich schnell die Hänge hoch und schleiche feige und langsam wieder runter, nur um dann wieder mit Power hochzutrailen. Spaß macht’s, und es hat den Juli bereits zu meinem höhenmeterstärksten Laufmonat gemacht – vielleicht knacke ich bis Samstag erstmals die 4000 Lauf-Höhenmeter in einem Monat. Bei 3217 Metern diesen Monat bin ich schon – mit weniger als 200 Metern pro Tag komme ich klar, wenn man sich so anschaut, was ich in den ersten drei Tagen hier veranstaltet habe.

Freuden- und Rührungstränen

Ich bin nah am Wasser gebaut. Das weiß ich, das weiß so ziemlich jeder in meinem Umfeld. Ich heule aber nicht nur, weil es mir schlecht geht, weil ich verzweifelt oder traurig bin – natürlich auch deswegen, aber noch nicht einmal hauptsächlich beziehungsweise am häufigsten aus diesen Gründen. Weit häufiger vergieße ich Tränen, weil ich glücklich, gerührt, überwältigt, erfreut oder stolz bin. Im Ziel nach meiner Halbmarathon-Bestleistung von 1:27:02 im August 2019 habe ich geheult und gegrinst, bei meinen Geburtstagsfeiern geht regelmäßig, wenn es an Glückwünsche, wundervolle und humorvolle Reden meiner Freunde und an Geschenke geht, das große Geheule los. Aber auch Geschichten, sowohl fiktionale als auch reale, gehen mir unter die Haut und lassen meine Augen überlaufen. Gestern war es mal wieder so weit:

Wir saßen im Urlaub bei Freunden auf dem Sofa, zu dritt zuerst, später zu viert. Im Fernsehen lief das olympische Straßenrennen der Frauen. Eine Ausreißergruppe aus Omer Shapira, Anna Plichta und Anna Kiesenhofer fuhr weit vor dem Feld, in dem die Niederländerinnen, die Deutschen und die weiteren Teilnehmerinnen nicht so recht eine organisierte Verfolgung auf die Reihe bekamen. Dann versuchte Annemiek van Vleuten auszureißen, aber der Vorsprung von ursprünglich 10 Minuten schmolz langsam zusammen, aber nicht schnell genug. Ich hatte schon recht früh den Verdacht, dass der Ausreißversuch von Shapira, Plichta und Kiesenhofer gute Chancen hatte, denn der Vorsprung blieb einfach zu lange zu hoch. Natürlich rückte dann auch immer mehr in den Fokus, wer da vorne fuhr… und spätestens, als Anna Kiesenhofer sich an einem Anstieg von Plichta und Shapira absetzte. Die Kommentatoren und mein Smartphone lieferten Informationen: Kein Profi ist sie, hat mal ein Jahr in ein Profi-Team geschnuppert, sich dann aber für ihre Forscherkarriere an der ETH Zürich entschieden, promovierte Mathematikerin… ehemalige Triathletin, die jedoch mit dem Laufen ihre Probleme hatte. Dann fand ich noch heraus, dass Anna Kiesenhofer wohl nicht so die große Peloton-Fahrerin ist, lieber Einzelzeitfahren und Berge fährt… immer mehr überrollte mich eine Welle der Sympathie für eine Frau, die mir in einigem ähnlich ist.

Und dann zeichnete sich mehr und mehr ab, dass sie durchkommen würde. Freilich spielte da auch mit, dass wohl das Peloton nicht gut informiert war und insbesondere die an einer konsequenten Nachführarbeit gegen Ausreißer interessierten Niederländerinnen nicht wussten, dass und vor allem wie weit vor ihnen da eine Österreicherin um olympisches Gold fuhr.

Aber dass auch das Glück der schlechten Kommunikation der Abstände und der Rennsituation auf Anna Kiesenhofers Seite war, ändert nichts daran, dass sie mit einer unglaublichen, beeindruckenden, begeisternden, rührenden Flucht in Fluchtgruppe, später Soloflucht verdient olympisches Gold gewann. Ich habe Freuden- und Rührungstränen und ein bisschen aus Schock geheult, als sie die Sauerstoffschuld des Finales abkeuchte, rücklings auf dem Boden des Motodroms liegend. Nur noch Freuden- und Rührungstränen waren’s, als sie dann aufstand, realisierte, dass sie wirklich gewonnen hatte. Noch mehr Sympathie überkam mich bei ihrem Blick zu den Niederländerinnen, die die Köpfe zusammensteckten und sich wohl damit befassten, dass sie nicht mitbekommen hatten, dass da eine einzelne Fahrerin, die nicht mal Profi ist, vor dem Feld gefahren war uns sie sie nicht eingefangen hatten. Da konnte ich mir gut vorstellen, dass sie sich kurz doch ausgeschlossen fühlte, auch wenn ihr zuvor eine Dänin die Schulter getätschelt und ein „Well done!“ zugerufen hatte.

Gleich wie: Ich war gerührt und habe mich gefreut, und ich bin es immer noch. Und irgendwie bin ich nun schlagartig ein Fan dieser Wissenschaftlerin und Amateur-Radfahrerin geworden, die freilich sehr, sehr viel besser ist als ich, aber nichtsdestotrotz in vielem Gemeinsamkeiten mit mir zu haben scheint, die in mir eine warme Welle der Sympathie zum aufwallen bringen.

Herzlichste Glückwünsche zu diesem beeindruckenden Ritt, liebe Dr. Anna Kiesenhofer! Egal, ob Du (unter Sportlerinnen, freilich ganz unterschiedlicher Leistungsstufe, setze ich einfach mal das „Du“ voraus“) das liest, es war mir ein Anliegen, dies hier zu schreiben, auch wenn’s sicher fast mehr über mich aussagt als über eine Olympiasiegerin, die ich vorgestern nichtmal kannte und nun mich ihr Fan nenne.

One done, nine to go

Mein Zielerreichungs-Dashboard in meinem Trainingstagebuch, Stand gestern.

Ich habe mir für dieses Jahr Ziele definiert – gewohnt ambitioniert für’s Laufen, inzwischen auch ambitioniert beim Radfahren: zehn Kilometer Laufen am Tag im Jahresschnitt und zwanzig Kilometer Radfahren pro Tag, ebenfalls im Jahresschnitt. Bei beiden Zielen bin ich gut auf dem Weg. Auch die Gesamtstrecke und auch die Zeit, die ich mit Sport verbringen will, wird durch laufen und radfahren dominiert: zwei Stunden am Tag würde bei 10 km/h zu Fuß und 20 km/h auf dem Rad genau mit meinen Zielen an Kilometern korrespondieren. Ich bin freilich etwas schneller als das… aber es kommen ja weitere Sportarten dazu. Diese bedingen auch, nach vorsichtiger Zielsetzung, dass die Gesamtkilometer pro Tag im Jahresschnitt ein wenig über den 30 Kilometern pro Tag liegen, die sich aus meinen beiden Hauptsportarten ergeben.

Vorsichtig definiert habe ich die Streckenziele, die im vergangenen Jahr gar nicht beackert wurden: Schwimmen und Inlineskaten. Bei ersterem habe ich extrem vorsichtige 1000 Meter pro Monat definiert – und die sind mit den gestrigen Kilometern erfüllt. Beim Skaten bin ich recht weit, ein Kilometer im Schnitt pro Tag ist aber auch ein sehr vorsichtiges Ziel. Vorsichtige Ziele sind aber bei Dingen, die man nicht einschätzen kann, gute Ideen, finde ich.

Was Krafttraining, Dehnen und Balance angeht, bin ich auch auf einem guten Weg und das kann ich auch recht gut einschätzen.

Aber am Ende des Tages ist erstmal zu feiern, dass ich mein erstes Jahres-Mengenziel bereits 23 Tage nach der Jahresmitte erreicht habe. Ich werde dennoch weiter schwimmen gehen – im Herbst ist, sofern die Auswirkungen der Delta-Variante es zulassen, sogar noch ein neu zu erlernender Schwimmstil, nämlich kraulen geplant. Ich hoffe, der Kurs wird stattfinden. Ich schwimme zwar schon solide über 2 km/h Brust, aber Kraulen ist halt doch ein deutlich schnellerer Stil – und den würde ich gerne lernen.

Nicht ganz so kurz, aber krass: Neues Spielzeug

Ich habe mir ein neues Spielzeug gekauft – eine Action-Kamera. Da meine Ausrüstung zum Messen am Rad weitestgehend aus Garmin-Tools besteht, wurde es eine VIRB-Kamera. Dass die Akku-Laufzeit im Verhältnis zu meinen Hoffnungen bei allen Action Kameras nicht besonders ist, war mir bewusst, macht mir aber nichts aus – denn ich habe mir einen Stall voll Ersatzakkus auf Halde gelegt. Andere Action Kameras können auch nur ca. 25% länger als meine Garmin VIRB. Nach ein paar Experimenten mit der Kamera auf dem Helm habe ich sie nun – mit zwei Verlängerungen – unter meinen Radcomputer, also unterhalb des Lenkers an der Licht-Aufhängung angebracht. Damit habe ich meinen heutigen Anlauf auf einen „Übungsberg“, nämlich den „K3548 Climb“ vom Schützenhaus in Muggensturm hinauf an die Straße zwischen Bischweier und Waldprechtsweier gefilmt. Die Strecke und meine heutige Leistung in Form eines Strava-Screenshots findet ihr im Bild:

Strava-Screenshot des Segments, das ich heute gefahren bin.

Ich habe das Segment inzwischen vier Mal absolviert – es ist nicht ganz unanstrengend für mich, da ich noch nicht ganz so bergfit bin, wie ich es gerne wäre. Spannend finde ich an meiner Kamera, dass ich eben auch die Daten aus meinen Sensoren am Rad benutzen kann… und sie in dem Video einfügen. Mit dem Sound bin ich noch nicht vollends glücklich, auch der kleine Fleck, der irgendwie auf die Linse geriet, ist noch ein kleines Manko. Aber ich habe eine Fahrt aufgezeichnet und zeige dabei die Daten.

Mich selbst begeistert diese Art der Dokumentation kleinerer Schnipsel meiner Touren. Für’s Laufen werde ich noch ein bisschen damit experimentieren müssen. Vielleicht werde ich auch nicht meine Media-Bibliothek in WordPress mit großen Videos vollpacken, sondern stattdessen lieber einen mit den Highway Tales verbundenen Youtube-Kanal aufmachen – muss man sehen. Was Ihr unter den Geräuschen des Rahmens und der Schaltung hört, ist übrigens mein Keuchen! Aber erstmal finde ich das hier sehr ermutigend.

Und zwar sowohl die Radfahrleistung als auch die Dokumentation.

[KuK] Im grünen Bereich

Nachdem das Radfahren am Ende des Winters, das Inlineskaten im Frühjahr und alles andere über die Zeit grün wurde, bin ich nun auch beim Schwimmen im grünen Bereich.

Mit der gestrigen Aktion – Radfahren zum Freibad, umdrehen, weil’s voll ist, auf der Rückfahrt Zwischenstopp am See zum Freiwasserschwimmen – bin ich nun mit allen meinen Aktivitäten bei der Zielerreichung auf dem Weg.

Zur Erläuterung: Per bedingter Formatierung werden Sparten, in denen ich kein Ziel definiert habe, in Blau angezeigt, bei definiertem Ziel gibt es vier Möglichkeiten: Rot heißt, dass ich weit hinter meinem Ziel liege, Gelb steht für geringfügigen Rückstand hinter meinem Ziel (10% Mehraufwand gegenüber dem Plan reicht, um aufzuholen), Hellgrün schließlich steht dafür, dass ich im Plan oder auch davor bin. Dunkelgrün zu guter letzt zeigt Ziele an, die ich schon erreicht habe.

Deutlich zu sehen ist: Alles grün, ich bin also gut auf dem Weg. Elf Tage vor der Jahres-Halbzeit stehe ich bei fast allen Zielerreichungen über 50%. Nicht, dass zwölf Kilometer Schwimmen besonders ambitioniert wären, für ein ganzes Jahr, oder ein Schnitt von einem Kilometer Skaten pro Tag. Aber beides habe ich dieses Jahr erst angefangen… und somit vorsichtige Ziele gesetzt.

Beim Krafttraining ist meine Zielerreichung im Moment über Eigengewichtstraining in Arbeit, mit dem Fitnessstudio warte ich noch, bis das wieder einfacher wird. Tage, an denen ich mindestens zwei verschiedene Übungen absolviere, gelten als Trainingstage, drei pro Woche verlange ich von mir. Bei der Menge des Trainings lasse ich mir die Freiheit zur Variation, habe aber ein „Mengenmaß“ in „Kniebeugen-Äquivalenten“ (squat equivalent, SE) definiert und jeder Übung eine Wertigkeit in SE zugeordnet. 600 SE verlange ich von mir in der Woche, also im Schnitt 200 SE pro Trainingstag. Insbesondere schwere Übungen wie Liegestützen haben natürlich einen SE-Wert von mehr als eins, so dass man da nicht 200 Wiederholungen braucht, um das Pensum zu erreichen. So messe ich – mit gewissen Abstrichen – dass ich ein abwechslungsreiches, regelmäßiges und umfangreiches Krafttraining für Rumpfstabilität und alles weitere absolviere.

Ruhetag

Nachdem ich gestern recht viel gemacht habe – eine Dienstreise per Fahrrad, Schwimmen in der Mittagspause, Radtransfer zum Mahlberg, Mahlberglauf und wieder nach Hause – war ich heute körperlich recht fertig. Allerdings ist diese Woche auch mental und emotional anstrengend: Viele Besprechungen, ein Außendienst, außerdem personelle Veränderungen im Arbeitsumfeld, die mich aufwühlen…

Ich war also sowohl des Denkens überdrüssig als auch erschöpft vom Aufgewühltsein, dazu kam dann zum Glück die körperliche Erschöpfung. Diese führte dazu, dass ich heute direkt nach der Arbeit im Homeoffice in mein Bett fallen und schlafen konnte. Eigentlich wollte ich nur eine Stunde schlafen, von 15:00 bis 16:00, danach mal gucken, ob ich noch eine Runde laufen oder Rad fahren gehen würde. Aber ich habe es nicht getan, sondern direkt meinen Schneeleo, meinen Tiger und den kleinen Wolf meines Mannes in die Arme genommen und eine Runde weiter geschlafen – bis fast 18:00. Ich hab’s wohl gebraucht, denn dadurch hat das körperliche, denkerische und emotionale Zombie-Gefühl nun merklich nachgelassen.

Man sollte immer mal einen Ruhetag einlegen. Ich habe das in letzter Zeit recht wenig getan. Zuerst war da der Lauf gegen Krebs beim Weingartner Lebenslauf, dann ist nun das Stadtradeln in Bietigheim, für das ich auch ordentlich Kilometer sammeln will. Im Grunde genommen alles nicht schlimm, aber so auf Dauer volle Power ist, wie ich einsehen muss, auch für mich zu viel. Und so bin ich begeistert, dass ich heute den Ruhetag einlegen konnte, ohne von Kopfschmerzen dazu gezwungen zu werden. Mal sehen, wie es dann morgen weiter geht.

Ziele Formulieren…

…ist nicht so einfach. Sie sollen ja realistisch, also erreichbar sein. Außerdem sollen sie ambitioniert sein, und zudem irgendwie messbar und attraktiv darstellbar. Bei Strecken bietet sich da ja der Vergleich mit verschiedenen anderen Strecken an.

Für die Ziele innerhalb eines Jahres bin ich da dran, dass ich eine Strecke, die ich im Jahresmittel pro Tag erreichen möchte, für mich definiere und dann damit vergleiche. Natürlich laufe ich nicht jeden Tag genau zehn Kilometer, fahre nicht jeden Tag zwanzig Kilometer Rad und schwimme nicht einmal im Monat einen Kilometer. Aber im Mittel läuft’s darauf raus. Wenn ich feststelle, dass das mit dem Schwimmen sich etabliert, kann es durchaus sein, dass ich im kommenden Jahr „eine 50-Meter-Bahn am Tag im Jahresschnitt“ definiere. Aber für den Moment sind die 1000 Meter pro Monat im Mittel eine gute Sache. So sieht das dann aus:

Mein Trainingstagebuch wählt dabei automatisch das richtige Jahr aus, für das es die Summe der Kilometer bzw. Trainingstage, Trainingszeit oder der „Kniebeugen-Äquivalente“ (SE = Squat Equivalent) nimmt und mit meinen Zielen vergleicht. In der Tabelle sind auch einzig und allein die Ziele die Werte, die ich ohne entsperren des Blattes ändern kann. Automatisch werden die Zeilen gefärbt: Blau steht dafür, dass kein Ziel definiert ist, Rot zeigt an, dass ich weit hinter meinem Ziel hinterherhinke, gelb zeigt an, dass ich mit 10% mehr Aufwand als vordefiniert zu meinem Ziel aufholen kann – und das viele Grün zeigt an, dass ich gut im Rennen bin, also Vorsprung vor meinem Ziel habe. Hätte ich – was um die Jahresmitte noch unwahrscheinlich ist – mein Ziel schon erreicht, würde das helle Grün zu einem satten Dunkelgrün.

Aber eigentlich geht es mir hier um langfristige Ziele: Gesamtsummen von Kilometern verglichen mit greifbaren Strecken. Folgende Vergleiche habe ich ja schon länger am Start: Gesamtkilometer vergleiche ich mit Umrundungen der Erde und der Strecke zum Mond, Lauf- und Radkilometer mit Umrundungen der Erde und Skate-Kilometer im Moment noch mit Mondumrundungen. Nur beim Schwimmen fehlte noch ein Ziel…

Es wurde also eine Atlantik-Querung, eine möglichst kurze: Von St. John’s auf Neufundland nach Portmagee oder An Caladh in Irland. Aber auch das wird ein Ziel, für das ich lange durchhalten muss. Aber ich habe gerade erst angefangen, das wird sich schon noch zeigen, wie unrealistisch das genau ist…

GemeinsamRun, zweiter Teil

Der GemeinsamRun des Badenmarathons ist eine Veranstaltung, die mir sehr viel mehr Wettkampfgefühl gegeben hat als alle anderen virtuellen Läufe dieses Jahr. Man hat eine echte Startnummer mit Transponder, eine entsprechende Startnummer, es sind auch Läufer auf der Strecke – halt nicht im Massenstart und nicht so viele, da man in drei Wochen zu einem beliebigen Zeitpunkt (und auch öfter, schnellster Lauf zählt) laufen kann. Nach dem ersten Durchgang, dem Lauf zum Rhein, gab es nun den zweiten Teil, den Lauf durch den Hardtwald.

Angeboten wird stets ein Zehn- bis Zwölfer und ein Halbmarathon. Meine beiden Laufpartner, die beiden Michaels, und ich laufen natürlich immer den Halbmarathon. Schließlich wäre das Laufprojekt in einem normalen Jahr ein Marathon, ganz klar, da ist der Zehner ein wenig kurz. Mindestens für einen der beiden und für mich wäre ein schneller Zehner auch attraktiv, aber auf nicht abgesperrter Strecke in teils städtischem Gebiet ist der Druck, den man bei einem schnellen Zehner läuft, illusorisch und gefährlich. Also gibt’s den Halbmarathon. Beim ersten Lauf sind wir bis kurz vor dem Ziel gemeinsam gelaufen, 1:41 mit kleinen Sekundenunterschieden gab’s für uns alle. Nun beim zweiten Lauf hatten die beiden Michaels bei der Anreise per Auto als Ziel 1:39:xx ausgerufen. Es hieß also, etwas schneller zu laufen. Ich kündigte an, nach der druckvollen Kilometerbolzerei für den Weingartner Lebenslauf und der Anreise per Rad sei das dafür nötige Tempo vielleicht dann etwas hoch. Aber es ging… der kleinere der beiden Michaels zog am Anfang gleich richtig an, 4:35/km war das Tempo. An der ersten Brücke über den Adenauerring zog er auf der Steigung das Tempo sogar noch an, das macht er gerne. Wir waren gut unterwegs.

Als es dann durch den Wald langsam in die Länge des Laufes ging, musste er aber Federn lassen und ließ abreißen. Der größere der beiden Michaels und ich liefen weiter – wir wussten ja, dass wir uns im Ziel treffen würden. Zudem waren wir beide auf seinen Autoschlüssel angewiesen – Michael wegen der Heimfahrgelegenheit, ich wegen meines Rucksacks in seinem Kofferraum. Mit 4:40 pro Kilometer zogen wir bis an den Pfinz-Entlastungskanal, grüßten andere Läufer nett und suchten unseren Weg – noch immer gut in der Zeit. Irgendwo zwischen Pfinz-Entlastungskanal und KIT Campus Nord im Wald meinte Michael das erste Mal, ich sollte ruhig das Tempo anziehen, wenn ich wolle. Aber noch wollte ich nicht. Es lief sich gut zusammen und ich hätte vielleicht schneller gekonnt, aber so richtig zurückgehalten kam ich mir nicht vor. Dann, nach Durchqueren der Waldstadt, bei Kilometer 19 und drei Aufforderungen, es laufen zu lassen weiter, kam ich drauf zurück. Ich zog das Tempo an und von Michael weg… der nächste Blick nach hinten zeigte schon veritablen Vorsprung, die Uhr zeigte einen Temposprung von 4:35/km auf 3:25/km. Woah! In diesem Tempo stürmte ich den Weg entlang…

Von einem Seitenweg durch die Wiese kam da ein älterer Radler heran, machte langsam, um mich durchzulassen, wurde an der Steigung zu langsam und kippte um. Es kann keine gute Zeit so wichtig sein, so jemanden liegen zu lassen, selbst wenn er sagt, es sei alles okay. Ich half ihm beherzt auf, ließ mir noch dreimal versichern, es ginge ihm gut, hob ihm sein Fahrrad auf. Er meinte, ich sollte weiter laufen. Das tat ich dann – Michael hatte auf 50 Meter aufgeholt und ich stürmte wieder davon. Im Ziel sagte mir ein Herr in der Jacke der LG Region Karlsruhe, wenn mein gesamter Lauf so schnell gewesen sei wie der Zieleinlauf, dann müsse eine gute Zeit da stehen. Ich sagte, dass wir anfangs nicht so schnell gewesen seien und dass ich dem älteren Herren hatte aufhelfen müssen. Fand er gut!

Da kam auch schon Michael ins Ziel, er meinte, der Herr habe einen guten Eindruck gemacht, und als einige Minuten später der zweite Michael ins Ziel kam, muss der Herr schon weiter gefahren sein, er hatte ihn nicht mehr gesehen. Also alles gut! Dass so ganz nebenbei eine Zeit unter 1:36 für mich und eine 1:37 für den großen Michael zusammengekommen war, war da ein angenehmer Nebeneffekt. Ein wenig bestürzt bin ich darüber, welch krassen Turbo ich bei Kilometer 19 gezündet hatte. Vermutlich kann ich wirklich noch etwas schneller, wenn ich allein laufe und mal drei Tage vor dem Lauf regeneriere, statt Kilometer auf dem Rad und auf Laufschuhen zu bolzen.

Auf dem Heimweg bin ich dann nicht nur in den Gegenwind gekommen, sondern auch noch ein bisschen nass geworden. Das war dann aber auch nicht so schlimm.