Zurück bei Zwanzig-Zwanzig

Im Frühjahr habe ich ja den Zwanzig-Zwanzig-Modus beschrieben – vielleicht erinnert sich jemand. Ich jedenfalls erinnerte mich, als ich mich neulich fragte: „Ist es noch drin, dieses Jahr 10 Kilometer pro Tag im Durchschnitt zu laufen?“

Im vergangenen Jahr bin ich im Schnitt 11,1 Kilometer am Tag gelaufen. Das dieses Jahr zu schaffen, das hatte ich mir Anfang 2020 vorgenommen und als Ziel definiert. Trotz eines Teilausfalls durch eine Erkältung im Januar und eines weiteren Teilausfalls im Februar durch ein bisschen Geziepe im linken Unterschenkel war ich gut auf dem Weg: über 1000 Kilometer war ich im ersten Quartal gelaufen, 300 im Januar, 300 im Februar, 400 im März. Was ich nicht ganz auf dem Schirm hatte, bei der Definition des Zieles am Jahresbeginn, war das Radfahren. Recht schnell war das Radfahren zu einem wichtigen zweiten Sport geworden – bereits im März übertrafen meine Radkilometer die Laufkilometer, und das, obwohl ich nach 20 Jahren Pause erst am 01.12.2019 wieder angefangen hatte! Ich lief und radelte im März das, was ich den Zwanzig-Zwanzig-Modus nenne: Montags mit dem Rad zur Arbeit, heimgelaufen, Dienstags hingelaufen und heimgeradelt, das Ganze an Mittwoch und Donnerstag wiederholt, am Freitag beide Strecken per Rad. Mein Körper war das aber noch nicht gewöhnt…

Und so kam es, dass ich eine langwierige Zerrung in einem der rechten Zehenstrecker hatte, die mich ab April gehen, aber nicht laufen ließ. Die Radkilometer gingen durch die Decke, die Laufkilometer stagnierten… bis in den Juni hinein blieb meine Laufleistung unter dem erforderlichen Niveau, um die im Schnitt 10 Kilometer am Tag zu erreichen. Ich verlegte mich auf Radfahrziele, strich die Laufziele und freute mich einfach nur, als im Juli im Urlaub plötzlich die Laufleistung wieder auf über 350 Kilometer im Monat nach oben schnellte. Nun sitze ich hier, Mitte Oktober, und bin unverhofft doch so weit, dass es noch 957 Laufkilometer bis zu den 3660 sind, die im Schaltjahr einen „Zehn pro Tag“-Schnitt bedeuten. Das Ziel von 7500 Radkilometern ist völlig ungefährdet, aber in zweieinhalb Monaten fast eintausend Kilometer laufen, das ist eine Menge. Habe ich schonmal geschafft, auch schon öfter, so ist es nicht, aber da bin ich parallel weniger Rad gefahren.

Um zu testen, ob es nun doch machbar werden kann, bin ich nun zurück im Zwanzig-Zwanzig-Modus. Gestern gab es einen „Workride“, also eine Radfahrt zur Arbeit. Das Rennrad blieb aber im Büro und ich machte einen „Homerun“, einen Halbmarathon nach Hause. Heute geht’s zu Fuß zur Arbeit, heute Abend mit dem Rad nach Hause. Nach der Erfahrung mit „Zuviel“ im März werde ich das aber auf maximal einmal in der Woche beschränken und die restlichen drei Tage Rad fahren. Noch sehe ich nicht, ob mich das zurück auf den Weg zum „Zehn pro Tag“-Ziel bringt, ich muss sehen, ob ich es durchhalte. Aber ich hab’s wieder angefangen und gebe der Sache einen Versuch.

Erstmals Ultra

Vor einiger Zeit prognostizierte mir ein Laufpartner, irgendwann würde ich Ultramarathon laufen. Das verneinte ich. In EINER Art und Weise halte ich daran – erstmal – zu 100% fest: Ich laufe keine Ultramarathon-Wettkämpfe. Zwar wurde ich schon einmal gefragt, ob ich mit einem anderen Läufer als gemischtes Team den Transalpine-Run laufen würde, ich habe das nicht völlig ausgeschlossen. Marathon in unter drei Stunden wäre aber ein vordringliches Ziel und das habe ich so auch gesagt. Also meinte er, er frage mich nochmal, wenn er wie auch ich den Marathon in unter drei Stunden schaffen…

Aber ich schweife ab. Denn ich habe erstmal so etwas wie eine Ultramarathon-Distanz im Training absolviert. Das geschah nicht „aus Versehen“ wie der Marathon im Training Ende August, sondern mehr oder minder sehenden Auges. Ich hatte mir vorgenommen, heute irgendwas zwischen 30 Kilometern und Marathon zu laufen, am Ende wurd’s halt ein bisschen mehr, aber drei oder vier Kilometer mehr, das ist bei dieser Distanz dann nicht mehr ein völlig überraschendes „Aus Versehen“. Mehr als Marathon und damit „Ultramarathon“ ist’s dennoch.

Meine Sonntagsrunde heute – in drei Abschnitten. Da sie sich auf der Karte teils überlagern, habe ich die Vorrunde und das Weiterlaufen in zwei Segmenten beschriftet.

Am Anfang lief ich in immer stärker werdendem Regen eine Kombination lokaler Runden – erst Richtung Friedhof nach Durmersheim (Vorrunde Teil 1) und dann noch durch den Wald am Wasserwerk (Vorrunde Teil 2). Auf dem zweiten Teil der Vorrunde war der Regen widerlich und ich hatte Sorge, nicht rechtzeitig zum Treffpunkt zu kommen, ich beschleunigte also etwas – nur um dann festzustellen, dass ich zu früh war. Statt im Regen zu warten, lief ich das kleine rote Viereck rechts der Mitte. Am Treffpunkt warteten bereits meine beiden üblichen 15-Kilometer-Laufpartner, zu denen dann noch eine weitere Läuferin, die normal eher Zehner läuft, dazu stieß. Also liefen wir los, dankenswerterweise nicht in dem Rhythmus, den ich im Regen angeschlagen hatte – munter plappernd und im besseren Wetter langsam trocknend. Das ist dann die weiß markierte Runde der LG Hardt. Danach ging ich kurz zuhause auf die Toilette, trank einen Schluck und rannte dann die große Runde, in der der hellblaue Schriftzug steht, und am Ende noch die Extra-Runde, auf der ich auch die Kilometermarker hellblau markiert habe. Der Rhythmus war jeweils etwas unterschiedlich:

Deutlich zu sehen ist der disziplinierende Effekt des Lauftreffs, der dafür sorgt, dass ich etwas langsamer und damit trainingseffizienter für Langstrecke laufe. Gleichzeitig war die Schritthöhe in der Laber-Phase mit dem Lauftreff etwas höher, die Schritte also nicht ganz so vortriebseffizient. Das Ganze war Training und Sonntagvormittagsvergnügen und hatte keinerlei Ambition auf Wettkampf – aber es fühlte sich gut an. Ein bisschen über die geplante Wettkampfstrecke hinaus zu gehen, ist manchmal auch nicht schlecht!

Turmbergomat

Am Turmberg in Karlsruhe gibt’s den Turmbergomat. Das ist letztlich eine Zeitmessung mit Stechuhr für den Anstieg auf den Turmberg.

Rechts seht Ihr die Rückseite der Stechkarte des Turmbergomaten. Man kann mit dem Rennrad – oder irgendeinem Rad, mit dem Handbike oder auf Schusters Rappen den Berg hinauf, sollte nur die richtige Disziplin ankreuzen. Es gibt Altersklassenwertungen und natürlich Wertungen nach Geschlecht getrennt. Auch die Strecke bzw. das Streckenprofil ist auf der Karte abgedruckt, auf der anderen Seite die Strecke an sich. 1,75 Kilometer sind es, auf denen man rund 115 Höhenmeter bewältigt. Auf Strava wird die Turmbergomat-Strecke als Bergwertung der vierten Kategorie eingestuft, und vermutlich würde das auch bei der Tour de France so aussehen.

Nachdem ich gestern mit Kopfschmerzen in den Seilen hing, habe ich heute, mich wieder besser fühlend, meinen lange gefassten Plan wahr gemacht. Ich habe den Turmbergomaten genutzt. Zuerst bin ich mit dem Rennrad nach Durlach geradelt, über Bruchhausen, Ettlingen und Wolfartsweier. Dann habe ich mein Rennrad gegenüber der Friedhofsgärtnerei am Bergfriedhof in Durlach angeschlossen und bin den Turmberg hinaufgestürmt. Oben fragten ein paar Leute sich, warum da eine Frau stand, die schwer atmend eine Stechkarte fotografierte – denen erklärte ich es dann. Danach lief ich den Turmberg wieder runter und wiederholte den „Climb“ mit dem Rennrad. Anschließend ging es wieder über Wolfartsweier, Ettlingen und Bruchhausen nach Hause.

Wenn ich richtig subtrahiert habe, schlägt mein gelaufener Aufstieg auf den Turmberg mit 8:02 zu Buche, die Radfahrt mit 6:42. Tatsächlich war ich beim Radeln wohl etwas schneller, aber gerade als ich stach und losfahren wollte, kam ein Auto – und oben versuchte ich erst sekundenlang, die Stempelkarte im Einwurfschlitz für abgestempelte Karten abzustempeln. Naja, so ist das nunmal. Nächstes Mal weiß ich es besser, bin dafür aber vielleicht etwas langsamer. Oder mir fällt die Stempelkarten auf dem Climb aus der Trikottasche. Irgendwas ist ja immer!

Auf der Abfahrt vom Turmberg stellte ich allerdings auch etwas fest: Mein Rennrad braucht wohl innerhalb der nächsten zwei, drei Wochen eine Wartung. Ein Pedal knackt, muss vermutlich mal nachgezogen werden – vor allem aber sind die Bremsklötze hinten ziemlich durch. Nun bin ich erstmal gespannt, ob Montag oder zumindest im Laufe der kommenden Woche meine Ergebnisse auf der offiziellen Rangliste des Turmbergomaten erscheinen oder ob ich beim Ausfüllen irgendwelchen Mist gebaut habe.

Eine Woche für die Tonne? Eine Erholungswoche?

Es liegt wohl im Auge des Betrachters, was das für eine Woche war.

Ich hatte eine WebEx-Schulung an drei Nachmittagen, Besprechungen an drei Vormittagen und kam somit so ziemlich gar nicht zum Abarbeiten meiner Stapel, dazu hatte ich wegen der Beerdigung meines Patenonkels Urlaub genommen. Müde war ich die ganze Zeit, so kamen bis heute nicht einmal 30 Kilometer Laufen und weniger als 190 Kilometer Radfahren zusammen. Eigentlich wollte ich heute zum Turmberg radeln und den Turmbergomat benutzen, eine Stechuhr-Zeitmessung für Läufer, Handbikes und Radler. Gemacht habe ich es nicht – ich kam nicht recht aus dem Bett, es war sehr windig und außerdem regnete es stark um die Zeit, da ich das eigentlich machen wollte.

Die Woche fühlt sich nicht nach Erholung an, weil so viel los war, aber sportlich war es wohl eine Erholungswoche, die auch nötig war. Dennoch bin ich ziemlich platt, weil anderweitig viel los war.

Und so frage ich mich: War das eine Woche für die Tonne oder war das eine Erholungswoche? Da ich ja positiv eingestellt bin, entscheide ich mich für eine persönlich anstrengende, aber wichtige und sportlich eine Erholungswoche.

Man kann sich alles schönreden und vielleicht, nur vielleicht, wird’s dadurch auch schön!

Fazit: Der Sport-September

Im September waren eigentlich der Stadtwerke-Lauf und der Badenmarathon geplant, dieses Jahr. Ich will gar nicht lamentieren – ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass sie stattfinden würden, denn die Corona-Situation hält ja noch an, verschärft sich derzeit sogar wieder.

Dennoch gab es Highlights im September: Die „Stadtradeln“-Aktionswochen unserer Gemeinde Bietigheim fanden vom 07. bis zum 27.09. statt, außerdem war’s der letzte Monat von „Mit dem Rad zur Arbeit“. Dazu war für die Woche vom 21.-27.09. der Aktionszeitraum des virtuellen Campus Run der Uni Stuttgart, an dem ich (dieses Jahr, weil virtuell) als Externe nicht teilnehmen durfte, ihn aber dennoch zum Laufen zum Anlass nahm.

In Zahlen: Im September bin ich 1432,3 Kilometer geradelt, davon 1018 im Aktionszeitraum des Stadtradelns in Bietigheim. 347,6 Kilometer weit bin ich gelaufen, darunter ein sehr schneller Zehner, der quasi meine virtuelle Teilnahme am virtuellen Campus Run darstellte und mit einem neuen Personal Best auf zehn Kilometer zu Buche schlug.

Aber da war noch mehr: Dehnen und Balance sowie Eigengewichts-Krafttraining setzte ich fort, Dehnen und Balance etwas mehr, Eigengewichts-Training etwas weniger als im August. Ein anderer Trend setzte sich aber auch fort: Der September war nicht nur der dritte Monat in Folge, in dem ich mehr als 2000 Höhenmeter erlief, er war auch der Monat mit den bislang mit Abstand meisten Rad-Höhenmetern. Freilich, da muss einiges noch reifen, aber mit weit über 4500 Höhenmetern auf 1400 Radkilometern war die Radfahrerei im September doch deutlich hügeliger als zuvor.

Im September scheiterte ich zunächst an dem Versuch, von Waldprechtsweier nach Freiolsheim zu fahren, dann versuchte ich aber das eine oder andere – und bewältigte etwas später mit schwerem Rucksack von Herrenalb aus die Steigung nach Bernbach und danach von der leichteren Seite hoch nach Freiolsheim. In der Folge fuhr ich auch noch den Durlacher Turmberg hoch und von dort weiter nach Thomashof und Busenbach. Irgendwann ist auch noch angesetzt, sich mal zwischen Rhein, Alb und Murg ein bisschen auszutesten, nun, da ich ein bisschen besser das Gefühl für Trittfrequenz und Kraft am Berg habe. Zu Fuß erklomm ich einmal fast und zweimal tatsächlich den Mahlberg von Waldprechtsweier aus.

Als Jahres-Zwischenbilanz nach 75% des Jahres ist nun absehbar, wie es mit den Zielen dieses Jahr aussieht. Anfang 2020 hatte ich mir ja kein Radfahrziel gesetzt, wohl aber eine Wiederholung des „Zehn-pro-Tag“-Ziels beim Laufen. Weil eine Verletzung den April quasi ganz aus dem Laufjahr herausnahm und erst Mitte Juni wieder alles einen normalen Gang ging, wird es wohl sehr ambitioniert, doch noch auf 3660 Kilometer dieses Jahr zu kommen. Nach neun von zwölf Monaten stehe ich bei 2540 Laufkilometern, das wären 69,4% des Ziels nach 75% des Jahres. 1120 Kilometer fehlen noch, was sich auf 374 Kilometer Laufleistung pro Monat aufteilen lässt. Ob das noch klappt, darf bezweifelt werden, obwohl mit 368, 353 und 347 Kilometern im dritten Quartal die Laufleistungen nicht SO viel darunter lagen. Als Fallback, auch wegen der zwei verletzungsbedingt ausgefallenen Monate, habe ich mit 3300 Kilometer laufen als abgespecktes Ziel gesetzt, das sollte klappen.

Beim Radfahren etablierte sich mit der Zeit dann doch noch ein Ziel, als klar wurde, dass ich mit dem Rad zur Arbeit fahren würde – und dann mit dem Rennrad noch mehr Radspaß dazukam. 7500 Kilometer sollen es werden, 5921 sind es Stand heute: Weniger als 560 Radkilometer pro Monat. In allen Monaten, in denen das Radfahren etabliert war und ich voll arbeitete, bin ich auf deutlich über 750 Kilometer gekommen.

Wenn das Wetter, meine Kondition und die Laune danach sind, versuche ich die Tage vielleicht mal, ob ich einmal die Woche eine Heimfahrt durch einen Heimlauf ersetze und am nächsten Morgen wieder zur Arbeit laufe – das Fahrrad steht dann ja für die Heimfahrt im Büro. So kann ich vielleicht vom Vorsprung auf das Radziel Kredit nehmen, um trotz Verletzungspause im Frühjahr doch noch die 10 Kilometer pro Tag im Jahresdurchschnitt zu erreichen.

Was definitiv erreichbar und so gut wie erledigt ist, sind die 10000 Kilometer mit Muskelkraft zurückgelegt im Jahr 2020. Da habe ich bei drei Vierteln des Jahres schon 8461. Wenn das so anhält – und das Radfahren startete ja erst dieses Jahr im Laufe des Jahres – werde ich künftig in vier Jahren einmal mit Muskelkraft den Umfang der Erde zurücklegen. Das ist doch auch mal was!

Doppelt virtuell

Dieses Jahr ist es schwierig mit den Wettkämpfen, denn wegen der Corona-Pandemie finden viele große Veranstaltungen nicht statt. Man rennt bei einem Laufwettkampf zwar den größten Teil der Zeit mit mehr oder minder großem Abstand zu anderen Läufern durch die Gegend – durch Straßen, Wälder, über Brücken… aber beim Start ist es eng und insbesondere in der kalten Jahreszeit hängt man am Ziel eng aufeinander, und da ist dann auch nach dem Wettkampf das Immunsystem etwas schwächer. Ist also durchaus richtig…

Natürlich tut’s mir nach dem Wettkampf- und Bestleistungsfeuerwerk von 2019 ein bisschen weh, dass nichts geht. Aber ich seh’s ein. Auch für den Köhlbrandbrückenlauf habe ich meine Teilnahme auf das kommende Jahr verschoben, denn infektionsschützend in kleinen Blöcken starten und dafür sechs Stunden hin und sechs Stunden zurück mit Maske im Zug sitzen… das ist irgendwie nicht das, was ich mir von einem Wettkampf erhoffe.

Was blieb also? Virtuelle Wettkämpfe… nur dass ich mir mit denen schwer getan habe. Am Wettkampf ist das direkte Messen aneinander, das anfeuernde Publikum, all das, ein entscheidender Teil des Erlebnisses. Virtuelle Wettkämpfe reduzieren das alles auf pure, unpersönliche Konkurrenz. Bei sowas habe ich dann ehrlich gesagt eher auf die gesondert ausgerichteten, zeitlich beschränkten virtuellen Wettkämpfe verzichtet und mich auf Strava-Segmente verlegt. Diesem Grundsatz bin ich aber an einer Stelle untreu geworden – beim Campus Run. Da ist es allerdings kompliziert…

Wie Ihr vielleicht wisst, oder auch nicht wisst, habe ich beim Campus Run der Uni Stuttgart seit Beginn immer teilgenommen. Ich bin sogar die einzige, die einmal häufiger beim Campus Run gelaufen ist, als er ausgetragen wurde – im ersten Jahr waren der Sechser und der Zwölfer nicht parallel ausgerichtet, so dass ich beide mitlaufen konnte – den Zwölfer für meine Leistung, den Sechser als Begleitung für eine Kollegin. Diese Serie wollte ich halten – der Versuch, den letztjährigen Sieg zu verteidigen, war zwar auch eine Motivation, aber die Serie zu halten war wichtiger. Indes, es war nicht möglich. Der Campus Run der Uni Stuttgart wird dieses Jahr erstmals virtuell ausgerichtet, der Wertungszeitraum endet heute Abend, er ging vom 21.09. bis 27.09., auch die Strecken waren andere als normal: fünf, siebeneinhalb und zehn Kilometer. Entscheidend war aber, dass der Hochschulsport natürlich ein bisschen den Auswerteaufwand reduzieren musste und daher das Teilnehmerfeld auf Mitarbeiter und Studenten der Uni Stuttgart begrenzte. Alumni, Ex-Mitarbeiter und auch Sonstige, die in den Jahren zuvor teilnehmen konnten, waren nun außen vor. Als Vorjahressiegerin und treue – treueste Teilnehmerin des Laufs bot man mir auf meine Frage aber an, meine Ergebnisse „außer Konkurrenz“, sozusagen in virtueller Teilnahme am virtuellen Lauf, einzureichen. Ich werde also – hoffentlich – in den nächsten Tagen eine Mail erhalten, in der man mir mitteilt, wie ich abgeschnitten hätte, wenn ich hätte teilnehmen können. Was ich eingereicht habe, war natürlich die längste verfügbare Strecke – wie immer! Bei dieser Gelegenheit habe ich allerdings eine neue persönliche Bestleistung über zehn Kilometer aufgestellt. Ich lief mich gestern drei Kilometer warm, dann pushte ich mich durch die zehn Kilometer und lief noch einen drei Kilometer langen Cool Down.

Meine virtuelle Teilnahme am virtuellen Lauf.

Im Dezember 2019 war ich zuletzt ein Personal Best auf zehn Kilometer gelaufen, das war bei der Winterlaufserie in Rheinzabern. Nach dem Hardtwaldlauf (39:58) war der Zehner der Winterlaufserie mit 39:41 schon eine ziemliche Steigerung. Nun musste ich „es“ ohne Publikum, ohne Verpflegung, ohne Konkurrenz tun. Das ist hart! Andere Leute auf der Strecke, das Publikum, das spornt an. Auch der Becher Wasser auf halber Strecke hilft. Aber geht ja nicht! Bei virtuellen Läufen nicht, bei noch viel virtuelleren, „inoffiziellen“ Teilnahmen noch weniger.

Und dennoch lief ich 38:41 auf zehn Kilometer. Es war mein erster Wettkampflauf, vor dem ich mich eingelaufen habe und nach dem ein Cool Down eingeplant war. Es war ein unglaublich schneller Lauf, den ich deswegen „Perfect Ten“ genannt habe. Viel Verbesserung ist da nicht mehr drin für mich, auf den Zehner, glaube ich.

Nun bin ich gespannt, was bei der virtuellen Teilnahme an einem virtuellen Lauf rausgekommen wäre, denn es eine nicht-virtuelle Teilnahme an einem virtuellen Lauf gewesen wäre. Jedenfalls bin ich sehr stolz, meine persönliche Bestleistung auf zehn Kilometer um eine Minute verbessert zu haben – das sind mehr als 2,5%!

Erklärte Ziel-Erklärung

So langsam bewegt sich das verrückte Corona-Jahr 2020 von „zwei Drittel rum“ auf „drei Viertel rum“ zu. Ich sehe mittlerweile recht deutlich, dass das im Vorfeld definierte Ziel „10 Kilometer pro Tag laufen“ nicht mehr drin ist. Dafür war ich im April und Mai zu lang verletzt. Dafür zeigt sich langsam, was mit Radfahren und Laufen parallel wirklich geht.

In der aktuellen, ablaufenden Woche bin ich 380 Kilometer geradelt und 80 Kilometer gelaufen, in der zuvor 317 Kilometer Rad gefahren und 100 Kilometer gelaufen. Der September ist bei mir zwar sportlich traditionell ein starker Monat, aber dennoch sind das Werte, die mich in großen Schritten Rückstände auf meiner Massen-Ziele aufholen lassen.

Der aktuelle Stand, etwas mehr als 3,5 Monate vor dem Jahresende, also bei knappen 71% des Jahres, sind 2365 Kilometer Laufen und 5140 Kilometer Radfahren. Hochgerechnet würde ich auf 3330 Kilometer Laufen und 7240 Kilometer Radfahren kommen, wenn ich weitermache, wie ich im Schnitt der abgelaufenen 8,5 Monate gelaufen und geradelt bin.

Die Wahrheit ist aber auch, dass ich zwei Monate verletzungsbedingt nicht laufen konnte und zwei Monate eingewöhnungsbedingt deutlich weniger Rad gefahren bin, als ich das normal (Laufen) bzw. jetzt (Radeln) tue. Mit den 400 Kilometern im Monat, die ich bräuchte, um die „10 Kilometer Laufen pro Tag“ zu schaffen, rechne ich mal nicht. 3300 Kilometer Laufen sind genug. Die 7500 Kilometer auf dem Rad sind allerdings in Reichweite, weil ich voraussichtlich Ende September so weit bin, dass ich im Schnitt von Oktober, November und Dezember jeweils nur noch 600 Kilometer fahren müsste – und das habe ich in Monaten mit Homeoffice und teils schlechtem Wetter bereits vor der Anschaffung eines leichtgängigen Rennrads mit dem Mountainbike gepackt.

Also kann ich mir jetzt erklärte Ziele erklären. 7500 Kilometer Radfahren, 3300 Kilometer Laufen, wenn keine Verletzungen oder Pannen dazwischen kommen. Da will ich hin, und das sind auch realistische Ziele – und Handlungsanweisungen für die nächsten 3,5 Monate.

Entzaubert

Damals – Wimpfener Steige

Vor langer, langer Zeit war ich mit meinem Vater mit dem Rennrad auf Burg Guttenberg im schönen Neckartal. Ich war immer der Ansicht, das sei ziemlich weit von meinem Heimatort Bad Wimpfen gewesen – war es aber eigentlich nicht. Wir fuhren anschließend bei herrlichem Wetter den Berg hinunter, dann über Heinsheim nach Bad Wimpfen zurück. Ich fuhr die ganze Zeit im Windschatten meines Vaters, am Wimpfener Schwimmbad ging ich dann nach vorne und trat in die Pedale – mein Vater konnte nicht folgen. Wie bei der Tour de France bei einer Bergankunft stürmte ich die Serpentinen hinauf…

In meiner Erinnerung war das hoch und steil und insgesamt superschwer.

Heute – Anstieg nach Freiolsheim

Wie ich gestern schon schrieb, wollte ich von meinem jetzigen Zuhause in Bietigheim in der Rheinebene nach Bad Herrenalb zu Vorträgen fahren – mit dem Rennrad. Der direkte Weg führt über Freiolsheim und das sind 400-500 Höhenmeter. Ich hatte Respekt vor der Strecke, aber ich wollte es probieren, bevor ich es wirklich für die Fahrt zum Vortrag zu machen hätte.

Also probierte ich es heute. Ich sag’s mit den Worten des Mountainbikers, der einen flachen Weg fuhr, der die Straße kreuzt, als ich nach etwas mehr als einem Drittel der Höhenmeter an einem sehr steilen Stück aufgab: „Da sucht man sich auch nicht gleich das steilste Stück aus.“ Es ist halt echt so: Ich bin bisher in meiner neuen Radkarriere nicht viele Berge gefahren. Und dieser war noch zu steil für mich. Also habe ich zu trainieren.

Heute – entzaubert, Damals – auch entzaubert

Die Steige in Wimpfen, auf der ich meinen Vater damals abhängte, habe ich auf Google Maps mal nachgeschaut. Es sind 72 Höhenmeter. Nur 72! Oberhalb von Waldprechtsweier habe ich bei 156 an einem sehr steilen Stück aufgegeben. Aber was heißt es, wenn man irgendwo nicht hochkommt?

Genau: Man kommt NOCH nicht da hoch. Ich werde es nun mit weniger krassen Bergen probieren, weniger starken Steigungen. Und in ein, zwei Jahren fahre ich da dann vielleicht wirklich mal hoch, wenn ich mehr gelernt habe, wie ich Berge am besten fahre und mehr darauf trainiert bin, sie tatsächlich zu fahren.

Einfach mal probieren?

Ich hatte über die letzten Wochen zunehmend einen Plan gefasst. Kommende Woche muss ich nämlich beruflich nach Bad Herrenalb. Warum genau, das spielt für meinen Punkt hier keine Rolle. Nun war für mich natürlich der Plan da, mit dem Rad dort hin zu fahren.

Die kürzeste Strecke von uns zuhause dorthin ist tatsächlich nur 25 Kilometer lang! Ich hatte lange gedacht, Bad Herrenalb läge viel weiter östlich – aber dem ist nicht so. Kurz: Ich plante, mit dem Fahrrad nach Herrenalb zu fahren. Indes, mir fiel dann langsam auf, dass ich ja noch nicht so viel Steigungen wieder gefahren bin und schon am Hummelberg in Berghausen vor einem Außendienst am steilsten Stück lieber mal einen Moment schob, um nicht völlig in einer Pfütze aus Schweiß zu stehen, wenn ich ankäme – kommt nicht so gut, wenn man was inspizieren oder einen Vortrag halten will. Also guckte ich mal vorsichtig, wie’s da hoch geht… und durfte feststellen: 500 Höhenmeter sind’s, der Großteil davon zwischen Malsch und Freiolsheim, also auf einem je nach genauer Route sechs bis sieben Kilometer langen Teilstück. Das ist dann schon recht – straff für jemanden, der zwar bereits 5000 Kilometer in der neuen Radfahr-Karriere absolviert hat, aber dabei noch nicht einmal die 10.000 Höhenmeter voll hat.

Indes, es hat sich wegen Terminverschiebungen eh zerschlagen, ich werde mit dem ÖPNV dort hin fahren und das Fahrrad für die Rückfahrt mitnehmen. Es reizt mich aber dennoch, mal auszuprobieren, ob ich es geschafft hätte. Mal sehen, ob ich mich zu dem Versuch aufraffen kann. Es wäre für mich eine neue Dimension, und wenn ich ehrlich bin: Ich habe einen Heidenrespekt vor einer solchen Steigung.

Wenn ich’s tue oder dran scheitere, werde ich sicher drüber bloggen!

[KuK] Wie die Dinge (Beine!) sich verändern…

Das Radfahren in Zusammenwirken mit dem Laufen und ein bisschen Kraftübungen haben nicht nur die ohnehin bestehende Definition der Wadenmuskeln konserviert, sondern auch in den Oberschenkeln zu gewissen Entwicklungen geführt. Ich bin nicht sicher, ob mich die resultierende Optik nur freut…

Kniestrecker angespannt, um die Unterschenkel hoch zu heben.
Wade angespannt.

…aber am Ende des Tages sehen die Beine ja durchaus eher glatt aus, wenn ich NICHT anspanne. Das habe ich hier nun aber nicht gezeigt.