Luft nach oben

Ich habe heute mal sportliche Zwischenbilanz eines Monats gemacht, in dem ich durch eine Erkältung ausgefallen und nun erst langsam am wieder Aufbauen bin. Dabei habe ich mehrere Dinge festgestellt.

Erstens hat mich meine Erkältung natürlich Kraft und Kondition gekostet, die ich nun wieder aufbauen will. Ein wenig nervig ist, dass das eigentlich ziemlich tolle Trainingsassistenz-Programm meiner Garmin Fénix die anstrengend gelaufenen letzten paar Läufe als „unter der Form“ interpretiert hat, und nicht als krankheitsbedingten Formverlust, und der Formverlust jetzt erst bescheinigt wird, wo es nach meinem Empfinden wieder aufwärts geht. Naja, es ist auch zu viel verlangt, dass so ein Programm Krankheit versteht, es soll das Training unter normalen Bedingungen verstehen.

Zweitens habe ich realisiert, dass aufgrund meiner Krankheit und der entsprechenden Pause mein selbstgestecktes Kilometerziel für Januar beim Laufen völlig illusorisch geworden ist. Ich habe es ein ganze Stück runterkorrigiert und somit habe ich Luft nach oben beim Laufen in den kommenden Monaten. Beim Radfahren hingegen… ich habe heute fast die Hälfte meines selbstgesteckten Zieles an Kilometern mit dem Rad erreicht – in EINER Tour von nur etwas über zwei Stunden.

Es ist schon krass: Beim Laufen habe ich ein heftiges Niveau erreicht, das durch die Erkältung einen starken Rückschlag erlitten hat. Meine Ansprüche beim Laufen sind dem erreichten Niveau angemessen und die Erkältung schlägt dahingehend ziemlich rein. Beim Radfahren dagegen reicht die beim Laufen aufgebaute, durch die Erkältung reduzierte und nun langsam wieder steigende Kondition lässig aus, um am Sonntagnachmittag trotz eines 24-Kilometer-Laufes am Morgen die Hälfte des Monatszieles fast zu erreichen.

Die Tagesbilanz lautet: 24 Kilometer laufen in 2:15 und 35 Kilometer Fahrrad fahren in ebenfalls 2:15. Und egal, ob Physio TrueUp auf meiner Garmin sagt, dass ich Form verliere: Ich merke, es geht wieder aufwärts, und freue mich drüber. Ist eben doch nur eine automatische Assistenz und nicht mein Körpergefühl.

Adaptieren

Training – sportlich wie mental oder sonstig – soll dazu führen, dass der Körper oder Geist, eventuell auch die Psyche – sich an ein höheres Leistungsniveau anpasst. Man möchte also die Adaptierung erreichen.

Dafür aber muss man manchmal die Belastung anpassen – also sein Training an das Feedback des zu trainierenden Systems adaptieren.

So war das auch jetzt, wo ich nach der Erkältung wieder antrainiert habe: nach einem ersten Zehn-Kilometer-Versuch am Dienstag (erfolgreich!) und je einem morgendlichen sowie einem weiteren Zehner in der Mittagspause machte ich eine geplante Pause bis Donnerstagspätnachmittag. Dann allerdings lief ich von der Arbeit nach Hause, mit kurzer Pause für Toilette, Wasser und Gespräch bei einer Verwandten in Forchheim. Die Ansage war, heute morgen wieder zur Arbeit zu laufen. Heute Nacht merkte ich aber: Das wird zu viel!

Statt nun den Plan stur durchzuziehen, passte ich mich an. Mein Körper sagte mir: „Mach‘ mal kurz Pause“, also sitze ich nun im Zug zur Arbeit und werde heute Abend oder Samstagsfrüh wieder laufen. Passt ja auch. Man muss manchmal adaptieren, um zu adaptieren.

Back on Track

Nach einem Aussetzer von mehr als einer Woche wegen der Erkältung geht es nun langsam wieder aufwärts. Ich fühle mich wieder fitter und kann wieder laufen – wie ich das vermisst habe! Jedes Mal, wenn ich während der Erkältung oder in der Zeit, nachdem die Symptome weg, aber die Ansage, ich sollte Ruhe halten, bis meine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung durch sei, jemanden laufen sah, packte mich der Neid.

Das hat schon was von einer Sucht, ich weiß. Es ist allerdings eine Sucht, die meinem Körper über die letzten drei Jahre richtig gut getan hat, mich von meiner chronischen Darmerkrankung zwar nicht geheilt, aber symptomfrei werden lassen hat und auch meine Kopfschmerzen wurden ordentlich zurückgedrängt. Nun war ich wieder laufen, gestern und heute. Die Erholung nach dem Laufen ist noch langsamer, als ich das gerne hätte, aber es geht wieder.

Vermutlich werde ich mich mal mit dem Aspekt, den die Regelmäßigkeit des Sports in mein Leben gebracht hat, befassen müssen – unter dem Aspekt der „Sucht“, den allerdings nur untergeordnet, sondern auch insgesamt, was das für Auswirkungen hatte. Ich habe gemerkt, dass Erkältungssymptome in Ruhe quasi nicht mehr merkbar sind, es sei denn, ich lasse die Erkältung durch Sport, während ich nicht gemerkt hatte, dass ich erkältet war, an die Luft. Ich würde keinen Sport machen, wenn ich nicht symptomfrei bin, schließlich hänge ich an der langfristigen Perspektive der Lauferei (und der langfristigen Perspektive von allem anderen). Auch das ist ein Aspekt des Trainings – auch reagiere ich ruhiger als früher, bin auch sonst robuster. Eine längere Wanderung macht mich nicht fertig.

Wahrscheinlich habe ich einiges an mir verändert, das mir noch gar nicht klar ist. Das Jahr 2019 war mit nur einer kleinen Verletzungspause im Juni quasi durchgehend läuferisch aktiv und erfolgreich. So lang und vehement ausgesetzt wie vergangene Woche habe ich seit langem nicht. Und nun merke ich, dass da einiges ist, das ich zu erfühlen habe, was sich durch das Laufen nachhaltig verändert hat. So sehr ich die Erkältung und die dadurch erzeugte Pause hasse, zugleich war’s vielleicht auch gut, mal den Aussetzer und damit das Anregen zum Nachdenken zu bekommen.

Im letzten Jahr … Silvesterlauf in Forchheim

Am letzten Tag des Jahres habe ich, wie im Jahresrückblick angedeutet, meinen 19. Wettkampf im Jahr 2019 absolviert. Der Wettkampf war der Silvesterlauf der Sportfreunde Forchheim, ein Zehner. Von uns daheim zum Lauf sind’s auch kaum zehn Kilometer, also hatte ich eigentlich vor, dort mit dem Fahrrad hinzufahren. Aber es kam anders:

Leider beendete mein Mann das Jahr 2019 mit einer Erkältung und begann auch 2020 mit derselben. Das führte zu einigen Planänderungen am Jahresende, so dass ich erstens recht knapp dran war für den Lauf und zweitens allein dort hin fuhr, wo wir eigentlich zu zweit zum Lauf zu fahren geplant hatten – nicht, dass er mit seinem noch maladen Knie mitgelaufen wäre, aber angefeuert und mir davor und danach Gesellschaft geleistet, das hätte er getan. Da die Zeit eng war, fuhr ich mit dem Auto nach Forchheim und parkte in der Nähe einer Verwandten, bei der ich nach dem Lauf noch Kaffee zu trinken geplant hatte. Vor Ort durfte ich die Manu, eine Kollegin meines Mannes und gleichzeitig jemanden, den ich über eine Facebook-Laufgruppe virtuell kenne, auch mal real kennenlernen – und dazu noch eine weitere Läuferin aus der Gruppe. Allerdings durfte ich vor Ort auch feststellen, dass es keine Gepäckaufbewahrung in dem Sinne gab und die Toiletten im Clubhaus der Sportfreunde Forchheim für die über 700 Läufer etwas unterdimensioniert sind…

Lange Rede, kurzer Sinn: Nach Sprint zum Auto, um den Rucksack einzulagern, und Wartezeit am Klo, erreichte ich den Startbereich ca. 90 Sekunden vor dem Startschuss, drängte mich noch ein bisschen in Richtung „vorne“ – aber als das Rennen dann startete, lief ich inmitten von Leuten, die wohl 50 Minuten bis eine Stunde angepeilt hatten. Ich befasste mich mit Slalom, zuerst eher komfortabel auf der breiten Straße, dann aufregend auf dem matschigen Feldweg. Erst bei der Markierung für 2,5 Kilometer lief ich halbwegs frei. Da waren aber auch schon fast elf Minuten auf der Uhr! Also drehte ich auf. Ich glaube, die Zahl derer, die mich überholt haben, lässt sich an einer Hand abzählen, ich überholte aber dauernd. Bei Kilometer sieben zeigte die Uhr 29:47 Minuten, bei Kilometer acht waren’s 33:40, bei Kilometer neun 37:33 – konstante 3:53 pro Kilometer lief ich auf die letzten drei Kilometer, denn im Ziel waren’s dann laut meiner Zeitmessung 41:26. Auf der Urkunde stehen 41:27,4 – ich habe wohl erst eine Sekunde nach dem Startschuss meine Zeitmessung begonnen. Wenn man bedenkt, dass ich auf den ersten zwei Kilometern 4:35 pro Kilometer im Schnitt lief, dann ca. 4:10 pro Kilometer bis Kilometer sieben und schließlich solide 3:53 auf jeden der letzten drei Kilometer, dann habe ich – unfreiwillig – endlich mal sogenannte „Undersplits“ hinbekommen, also eine Beschleunigung am Ende!

Nach einem recht langen Warten auf die Siegerehrung – in der ersten hochgeladenen Liste fehlte ich, dann kamen meine 41:27,4 in der Liste zum Vorschein – durfte ich mich über einen neunten Platz bei den Damen und den zweiten Platz (mal wieder) in der Altersklasse W40 freuen. Insgesamt kam ich als 66. ins Ziel. Der Lauftag wurde dann bei Kaffee und Plätzchen bei einer Verwandten beschlossen, bevor sie zu einer Silvestergala mit Loriot-Sketchen und Musik nach Karlsruhe, ich zum heimischen Raclette mit krankem Mann aufbrach.

Jahresrückblick: Taliannas Lauferei

Das Jahr 2019 war mein stärkstes Laufjahr bisher. Das gilt für die gelaufenen Kilometer, die Zahl der Wettkämpfe und das Tempo. Meine Bestleistungen auf allen Strecken, auf denen ich Wettkämpfe gelaufen bin, stammen aus 2019.

Wettkämpfe

Neunzehn Wettkämpfe bin ich im Jahr 2019 gelaufen: Es begann mit dem Fünfzehner und dem Zwanziger der Winterlaufserie in Rheinzabern, danach folgte der Fünfzehner beim Rißnertlauf in Karlsruhe-Rüppurr, dann ein 14-Kilometer-Abschnitt der Marathon-Staffel der Sport Löwen Baden. Kaum eine Woche später ging es mit dem Zehner beim Volkslauf in Neureut weiter, dann lief ich im Mai bei der Badischen Meile mit, erreichte mein Halbmarathon-Personal-Best beim Dämmermarathon in Mannheim und nahm am Altstadtlauf in Ettlingen teil. Es folgten der Zehner beim Festungslauf in Philippsburg, der Hella Hamburg Halbmarathon bei brütender Hitze, dann der Campus Run in Stuttgart und schließlich eine Verbesserung der Halbmarathon-Bestzeit im August in Hambrücken. In September und Oktober lief ich binnen 31 Tagen den Stadtwerkelauf in Karlsruhe, den Badenmarathon, den Köhlbrandbrückenlauf und den abschließenden Zehner des ersten Regio Cups Karlsruhe beim Hardtwaldlauf.

Bereits als Teil der Saison 2019/2020 kamen dann im November und Dezember der Fünfer in Ötigheim, der Zehner der neuen Winterlaufserie in Rheinzabern und schließlich am heutigen Silvestertag der Silvesterlauf in Forchheim.

Alle meine Wettkämpfe. Läufe aus 2019 sind grün hinterlegt. Persönliche Bestleistungen erscheinen als Rauten mit rotem Rahmen. Die beiden Kurven sind Fit-Funktionen an meine Leistungen – eine stumpfe Parabel einerseits und das Steffny-Riegel’sche Exponentialgesetz.

Persönliche Meilensteine waren die zweimalige Verbesserung der Halbmarathon-Bestzeit auf unter 90 Minuten und zuletzt 1:27:02, die knappen Sub-40-Minuten auf zehn Kilometer beim Hardtwaldlauf mit anschließender Verbesserung auf 39:41 in Rheinzabern, der Marathon in unter 3:20 und der furiose Ritt in 48:59 zweimal über die Köhlbrandbrücke.

Training (Laufen)

Wie oben schon angerissen, kamen die Leistungen in den Wettkämpfen nicht von ungefähr. Es stecken ganze 4052 Kilometer und 790 Meter an Laufen drin, wobei die Wettkämpfe hier mit eingerechnet sind. 277,79 Kilometer an Wettkämpfen könnt Ihr gerne aus dem Training rausrechnen, wenn Ihr mögt.

Natürlich habe ich nicht nur Wettkampf und Training getrennt erfasst, sondern eben auch nach verschiedenen Trainingsformen sortiert und außerdem aufgeschlüsselt, was ich auf welchen Schuhen gelaufen bin:

Natürlich variierte die Länge der Strecken über das Jahr hinweg, auch das mittlere Tempo unterschied sich. Mir fiel auf, dass ich im Verhältnis zu 2018 zwar sehr viel mehr sehr lange Läufe dabei hatte, aber eben auch genug kurze (z.B. zum und vom Fitnessstudio), so dass die mittlere Distanz pro Lauf sich nicht wirklich verändert hat, während aber insgesamt doch das Tempo nochmal höher wurde:

Was noch fehlt, sind die überwundenen Höhenmeter – es waren insgesamt 10379 im Jahr 2019. Erstmals hätte ich in einem sehr flachen Anstieg den höchsten Berg der Erde erklommen, wenn ich nur bergan und nicht mehr bergab gelaufen wäre – theoretisch, natürlich. Außerdem hat sich mein „neuer“ Parameter, nämlich die Herzschläge pro 100 gelaufenen Meter, für mich als langfristiger Formanzeiger bewährt.

Was bleibt, sind Gesamtwerte:

  • 4052,79 Kilometer in 367 Stunden, 41 Minuten und 37 Sekunden, verteilt auf 388 Laufaktivitäten.
  • 10379 Höhenmeter.
  • 234.032 kCal beim Laufen verbrannt dieses Jahr.

Uff, das war ein Haufen. Aber da ist…

Noch was?

Ja, in der Tat. Da ist noch was: Ich habe im Dezember das Radfahren nach mittlerweile 20 Jahren Pause wieder angefangen. 68 Kilometer habe ich in meinem ersten Monat als „wiedergeborene Radlerin“ absolviert. Außerdem ergänzt seit März das Fitnessstudio mein Training – ein wenig regelmäßiger als die 38 Termine dieses Jahr hätte ich es noch gerne, aber irgendwas ist ja immer.

Und am Ende des Jahres stelle ich fest: Sport ist mehr denn je ein fester, wichtiger Teil meines Lebens! Boah, tut das gut!

Der Gewichts-Transferer

Gestern im Fitnessstudio berichtete der Chef und Trainer des Studios, er habe am Mittag seine Spaghetti gegessen – nein, regelrecht gefressen! Er stellte sich dann auf die Waage und konstatierte, er habe ein Kilogramm zugenommen.

Natürlich war das alles ein bisschen im Spaß gemeint. Er begann dann damit, dass er nun wohl wieder „Sechzehn-acht“ machen werde, also intermittierendes Fasten. Dann pries er, das sei gesund und außerdem nehme man ab. Ich konnte nicht umhin, in die Diskussion einzuwerfen, dass ich derzeit eher die Probleme habe, mein Gewicht zu halten. Das wiederum wunderte ihn nicht, bei der Menge an Kalorien, die ich täglich „raushaue“, wie er sagte. Mich wundert’s auch nicht. So war ein wenig das Thema für den Heimweg gesetzt, auf dem mein Mann neben mir her Rad fuhr – ich lief die etwas über sechseinhalb Kilometer nach Hause. Ich wies ihn daraufhin, dass er ja auch sowas wie „Sechzehn-acht“ mache, allerdings eher Fünfzehn-Neun, wie wir dann ausrechneten. Wir sprachen über den Bauch, der seine Problemzone ist, und ein wenig über das eine oder andere – dann meinte ich, dass ich gerade eher nicht abnehmen möchte.

Er meinte dann: „Willst du von mir noch ein paar Kilo?“ Würde ich sogar nehmen, wenn es denn ginge! Es ist wohl aber tatsächlich der Kalorien-Output bei mir, der entsprechend hoch ist. Ich mache mir ja auch immer ein bisschen Gedanken, da Schübe der Colitis ulcerosa auch in Gewichtsabnahme resultieren können. Aber die sind dann auch mit Mangel verbunden, an allem Möglichen, und was ich im Moment zu laufen in der Lage bin, sagt mir recht deutlich, dass von Mangel keine Spur da ist.

Aber wie gesagt: Das Gewicht würde ich nehmen. Nun suchen wir ein Forschungsinstitut, das einen Gewichts-Transferer erstellt, so dass ich ihm beim Abnehmen helfen kann und er mir beim Gewicht halten, zumindest so lange, bis er auf seinem Wunschgewicht und in der Wunschform ist. Natürlich darf die Forschungsinstitution die Idee, soweit umgesetzt, dann auch gerne patentieren und sich eine goldene Nase damit verdienen – uns würde schon reichen, wenn’s erfunden wird. Mir ist nämlich durchaus bewusst, dass die Leute, die kaum ihr Gewicht halten können, seltener sind als jene, die eher in der anderen Richtung Probleme haben – aber aus verschiedenen Gründen gibt es eben auch Leute, die phasenweise oder auf Dauer nur schwer bestimmte Mindestgewichte halten können, und das ist auch kein kleines Problem. Bei mir freilich ist’s eine Frage des Kalorienoutputs und ich könnte vermutlich mit konsequenterem „Training“ in „FdD“ („Friss das Doppelte“) recht rasch wieder auf den Punkt kommen. Aber es gibt andere, bei denen das krankheitsbedingt ist. In einer Welt, in der alle Leute nur abnehmen wollen, und viele übergewichtig sind, ist das dann ein so exotisches Problem. „Ich wünschte, das wäre bei mir auch so“, höre ich vom einen oder anderen, wenn ich darüber berichte, dass ich lieber wieder zwischen 63 und 65 Kilogramm liegen würde statt zwischen 61 und 63. Aber das ist ein System, bei dem es ein Optimum gibt, das zwischen „zu viel“ und „zu wenig“ liegt. Es ist kein System, das nur in eine Richtung optimiert werden sollte – also nach oben oder unten – sondern eben auf eine Balance hin.

Neue Saison, neue Leistungen

Mit dem Herbstlauf in Ötigheim und der Winterlaufserie in Rheinzabern habe ich meine Saison 2019/2020 eingeleitet. In gewisser Weise hat mit dem Zehner der Winterlaufserie im Jahr 2018, also vor einem Jahr, der aktuell in meinem Laufen stattfindende Wahnsinn begonnen. Mit damals 45:09 kam ich ins Ziel, wusste aber: Es kommen noch ein 15er und ein 20er je vier Wochen später. Es war das erste Mal, dass mir am Ende eines Wettkampfes der nächste Wettkampf so deutlich schon vor Augen stand. Und es war der Beginn einer für mich beispiellosen Serie von Erfolgen, von aufgestellten und verbesserten persönlichen Bestleistungen. Dafür entwickelte ich eine Excel-Wettkampf-Daten-Datei.

Meine Wettkampf-Geschwindigkeiten in Abhängigkeit von der Distanz – Distanz ist logarithmisch aufgetragen.

So entstand auch der Gedanke, dass meine Saison im Dezember beginnt. Mittlerweile habe ich durch den Regio Cup Karlsruhe für mich definiert, dass die Saison im Oktober endet und somit der November „Vorsaison“ ist. Die Saison 2019/2020 begann also am ersten November mit der Vorsaison und am 15.12. in Rheinzabern als „meine Lauf-Hauptsaison“. Die Ansage war: Durch das furiose Laufjahr 2019 würde es schwerer werden, persönliche Bestleistungen (im Diagramm: blaue, rot umrandete Rauten, grün hinterlegt, sofern sie aus dieser Saison stammen) aufzustellen.

Nun könnte ich mir auf die Schulter klopfen: Die Vorsaison gab gleich mal ein neues Personal Best! Das wäre aber Selbstbetrug, auch wenn es wahr ist: Wettkämpfe über fünf Kilometer wie bei der TGÖ bin ich bisher nicht gelaufen, beim ersten Lauf über eine Distanz ist, soweit man im Ziel ankommt, das Personal Best ein Automatismus. Dass ich mit dem Auftakt-Zehner der Saison 2019/2020 den Auftakt-Zehner der Saison 2018/2019 verbessern würde, war auch klar: Erstens hat’s am dritten Advent 2018 geschneit und somit waren die Bedingungen speziell, außerdem bin ich über das Jahr 2019 konstant unter 42 Minuten auf zehn Kilometer gelaufen – im April und im Oktober sogar um die 40.

Aber dass ich gleich nochmal mit einem um 17 Sekunden verbesserten Zehn-Kilometer-Personal-Best anfangen würde und somit einleite, dass 2020 doch wieder Bestmarken fallen können und wohl auch werden, das hätte ich nicht gedacht – vor allem war’s doch überraschend deutlich. Viel Potential habe ich beim Zehner nicht mehr gesehen, Zehner mit um die vierzig Minuten und Halbmarathon mit 1:27:02 sind für mein Gefühl die Distanzen, auf denen ich am nächsten dran bin, „es ausgereizt“ zu haben. Auf 15, 20 und 42,2 geht noch einiges, sieht man auch an den persönlichen Bestleistungen, die deutlich über den Fit-Kurven im Diagramm liegen. Aber dass ich eine doch in meiner Leistungsfähigkeit schon recht stark ausgereizte Distanz nochmal verbessern konnte, macht mir fast schon mehr Mut für neue, tolle Leistungen auch auf die ebenfalls stark ausgereizte Halbmarathon-Distanz, als ich mir machen lassen möchte.

Es bleibt völlig wild!