Fazit: Der Sport-Juli

Einunddreißig Tage, davon drei Wochen Urlaub mit zwei Wochen außer Haus. Der Juli war ein Monat, in dem mein Leben anders verlief als sonst, eben weil es mein großer Jahresurlaub war, der vollständig im Juli lag. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf meine sportlichen Aktivitäten.

Das Wettrennen

Die Radlerin und die Läuferin haben sich mal wieder ein etwas knapperes Rennen geliefert als die Monate zuvor. Erst seit Dezember fahre ich wieder Rad, aber seit März hatte die Läuferin (also das laufende Ich) keine Chance mehr, mehr Kilometer im Monat abzuspulen als die Radlerin (also das radelnde Ich). Auch diesen Monat hat die Radlerin das Rennen um die längste Gesamtstrecke im Monat gewonnen. Aber es war knapper als in jedem der Monate, in denen die Radlerin bisher gewonnen hat – nicht einmal 80 Kilometer Vorsprung hatte das radelnde Ich:

Die Endstände des Wettkampfes um die meisten Kilometer im Monat zwischen der Radlerin und der Läuferin.

Mit 444 Kilometern hat die Radlerin erst durch die 200 Kilometer in der ersten Arbeitswoche nach dem Urlaub, die zugleich die letzte Juli-Woche war, die 368 Kilometer der Läuferin schlagen können. Die Läuferin beantragt gerade, dass ich künftig vier statt drei Wochen Urlaub machen soll, und ich neige, ihr zuzustimmen – aber woher nehmen und nicht stehlen?

Die Radlerin

Insgesamt ging das Tempo im Juli ein bisschen zurück, ich fuhr also im Mittel etwas langsamer als im Juni, aber immer noch schneller als in allen Monaten vor dem Juni 2020. Das sollte auch so sein, schließlich sollte das tägliche Fahren zur Arbeit auch was bringen. Die Gesamtstrecke ging etwas herunter, da ich im Urlaub nicht mehr meine täglichen 41-42 Kilometer zum Büro und nach Hause hatte – und auf der Reise hatte ich auch kein Fahrrad dabei. Dennoch kamen ein paar Kilometer zusammen…

Meine Kuchendiagramme mit dem Typus der Fahrt und den benutzten Rädern musste – oder durfte – ich jeweils ein wenig erweitern. Ich habe die Summen der Strecken der verschiedenen Fahrttypen und der verschiedenen benutzten Räder auf Juli eingeschränkt:

Im Juli kam in meiner Datei das „Multisport-Event“ dazu, denn ich hatte einmal einen Trainings-Duathlon absolviert: Erst neun Kilometer laufen, dann 27 Kilometer Radfahren, schließlich wieder neun Kilometer laufen. Theoretisch würde auch sowas wie ein Triathlon in dieser Statistik auftauchen, wenn ich das machen würde. Tue ich ja aber bekanntlich nicht! Außerdem hatten wir in Bensersiel Räder geliehen, mit denen wir zwei Ausflüge mit insgesamt 21 Kilometern absolvierten. All das zeigen die Kuchendiagramme – naja, zumindest die Summen davon.

Die Läuferin

Im Juli kam die Läuferin mit Macht zurück. Nach dem verletzungsbedingten Quasi-Ausfall des Aprils, dem recht dürren Mai und dem allmählich wieder anfahrenden Juni ist die Läuferin im Juli wieder da gewesen. Nicht zuletzt die herrlichen Wege im Urlaub im Mittelrheintal und in Bensersiel ließen die Läuferin so richtig an die Luft:

Was man nicht so richtig sieht, in den Summen: Ich bin auf einigen meiner Läufe insbesondere im Urlaub Abschnitte gelaufen, auf denen ich verdammt schnell war. Unter anderem waren Abschnitte von 1,5 bis 2,6 Kilometern dabei, die ich in einem Tempo von unter vier Minuten pro Kilometer, also mehr als 15 Kilometern in der Stunde absolvierte. Besonders stolz bin ich auf die 3:45/km, also knappe 16 km/h, die ich mehr als 1500 Meter auf der für den Verkehr gesperrten Umgehungsstraße von Bensersiel durchhielt. Dazu kam allerdings auch, dass der Juli der Monat der Läuferin mit den meisten Höhenmetern war – über 2000 kamen zusammen, da ich am Mittelrhein immer wieder die Hänge hoch- und wieder runterrannte, einen Tag vor- und zwei Tage nach dem Urlaub an der See.

Auch die Kondition kommt wieder zurück, was sich in einer Reduktion der Herzschläge pro 100 Meter gelaufener Strecke äußert – und das trotz der Höhenmeter, bei denen die Anstrengung nicht nur vom Tempo bedingt wird! Ich hoffe, der Trend setzt sich fort! Kuchendiagramme gibt’s übrigens auch für die Läuferin: Jeweils etwa ein Drittel meiner Kilometer verbrachte ich auf den Altra Escalante und auf den Fivefingers, was meinem Ziel recht nahe kommt. Für’s Tempotraining sind die Kinvara 9 gerade am ausgelatscht Werden, aber neben den Mizuno Waveshadows sind für diesen Zweck auch noch die Brooks Hyperion Tempo dazugekommen, die zusammen ein knappes Viertel meiner Strecken ausmachen. Die Trail-Strecken am Rhein bestritt ich natürlich mit geeignetem Schuhwerk – also meinen Saucony Peregrine 8 Ice+. Zudem war der Anteil an langsamen und sehr schnellen Läufen jeweils groß, die recht moderaten gab es eher weniger. Für den Moment fühlte es sich gut an, bei der Masse des Trainings insgesamt die Intensität etwas runterzuschrauben, es dafür aber etwas mehr und intensiver „knacken“ zu lassen.

Projekt „vollständigere Athletin“

Das Radfahren dem Laufen zur Seite zu stellen, hat mich schon vielseitiger gemacht, was mir wirklich gut tut. Nun kam aber noch mehr hinzu. Mir fehlt das Fitness-Studio, das ich dank Corona zuerst nicht einbinden konnte, dann wegen der Regeln dort Hemmungen hatte. Die Eigengewichts-Übungen zuhause, dafür braucht man Motivation. Also habe ich mir einen Trick überlegt, der dieses „ein bisschen was jeden Tag“ in einer Weise aufbereitet, die für mich funktioniert. Dahinter steckt die Erkenntnis: „Was ich in einem Diagramm visualisiert nachprüfen kann, dass ich es gemacht habe, mache ich auch.“ Es gibt also neue Diagramme: Das für die Kraftübungen stellt als Balken dar, wie oft ich im jeweiligen Monat zumindest eine Übung oder einen Besuch im Fitnessstudio auf die Reihe gebracht habe, die dahinterliegenden Flächen zeigen an, wie viele Übungen ich gemacht habe. Dafür habe ich jeder Übung und dem Fitness-Studio jeweils einen Wert in „Kniebeugen-Äquivalenten“ zugeordnet. Wie soll ich sagen: Es funktioniert für mich. Das andere Diagramm soll mich zum Durchziehen des Balance-Trainings auf meinem Balance-Board und zum Dehnen motivieren. Ich zeichne darin die jeweilige Zeitsumme auf, die ich auf dem Balance-Board bzw. beim Dehnen oder auf der Faszienrolle verbracht habe. Auch das funktioniert für mich!

Dass ich vor Juni keine Balance-Board-Zeiten vorweisen kann, liegt daran, dass ich da noch keines hatte. Das fehlende Dehnen ist nur eingeschränkt wahr, aber ich habe vor Juni einfach nicht darüber Buch geführt. Das tue ich nun und hoffe, dass es dadurch mehr wird!

Ganz neu ist, dass wir eine neue Waage haben. Zuvor stand da eine Waage, die mit Elektroden an den Füßen den Körperfettanteil abschätzte. Die Ergebnisse der alten Waage kamen mir komisch vor. Mit der neuen Waage und ihrem Handteil werden viel genauere und bessere Werte angezeigt, und siehe da: Die Abschätzung sieht mehr wie das aus, was mir die Körperfett-Zange suggeriert. Da die neue Waage sehr viel zuverlässiger zu arbeiten scheint, habe ich auch deren Schätzung der Muskelmasse eingebracht. Wie im obigen, linken Diagramm zu sehen, haben wir die neue Waage im Mai angeschafft. Ich werde die Werte natürlich weiter beobachten. Auf der „Haben“-Seite ist, dass ich in den letzten Monaten nicht mehr am unteren Toleranzbereich meines Wunschgewichts herumkratzte, sondern wieder im Bereich 63 bis 65 Kilogramm liege – die Muskelmasse scheint sich weiter leicht positiv zu entwickeln, das Körperfett sinkt leicht ab, stagniert aber. Bei dem, was ich erreicht habe, soll das auch so sein. Aber ich beobachte, wie schon gesagt, mal weiter.

Zu guter letzt gibt es noch die Gesamtzeit beim Cardio-Training (da sind die Zeiten auf dem Balance-Board, beim Krafttraining und beim Dehnen nicht dabei) – trotz des reduzierten Radfahrens im Urlaub ist diese Zeitsumme nicht runter gegangen. Auch die beim Sport verbrannte Energiemenge bleibt bei mehr als 70% dessen, was mein Körper nach Faustformeln als Grundumsatz verbrennt.

Wer bis hier gelesen hat, darf sich den Orden „Erschlagen mit Daten“ umhängen und einen virtuellen Knuddler von Statistik-Nerd Talianna verbuchen.

[KuK] Neues Diagramm!

Warum ich Rad fahre.

Kaum habe ich Urlaub, setze ich neue Diagramme um. Kaum sage ich eine Blog-Inspirations-Sammel-Sommerpause an, kommen mir Ideen. Vorhin habe ich mal meine ganzen Radaktivitäten in meiner Tabelle gescannt und rausgefunden, dass einige noch im Sammelbecken „Alternativtraining“ lagen. Ich habe alle, die Fahrten zur Arbeit oder von der Arbeit heim beinhalteten, nun mit Arbeitsweg nachmarkiert.

Dann war da noch das eine Duathlon-Training vom Montag (9 km Laufen, 27 km Radfahren, 9 km Laufen), das hat die Kategorie „Multisport Radfahren“ aufgemacht. Für’s Laufen habe ich ein ganz ähnliches Diagramm. Nun hat das Radfahren nachgezogen…

Fazit: Quartal 2/2020 gelaufen und geradelt

Das zweite Quartal des Jahres ist rum. Gelaufen bin ich nicht viel, es wird gerade erst wieder mehr. Geradelt bin ich dafür mehr als je zuvor in meinem Leben, glaube ich.

Auf den Punkt zum Beginn des zweiten Quartals habe ich mir nach furiosem März (400 Kilometer gelaufen, 600 Kilometer geradelt) irgendwas eher sehnen- als muskelartiges im vorderen, äußeren Teil der rechten Wade sehr nachhaltig gezerrt oder dergleichen. Es tat WEH! Zuerst bei allem, dann noch beim Gehen, zuletzt nur noch beim Laufen – dabei aber richtig. Dementsprechend war der April mein laufschwächster Monat in den letzten zwei Jahren. Im Mai ging es wieder aufwärts, im Juni bin ich nun wieder auf 240 Kilometer im Monat angekommen.

Laufsummen im Monat – Strecke und Zeit. Nach Verletzung war der April echt düster.

Nachdem ich fünf Quartale hintereinander nie unter 750 Kilometer in drei Monaten zurückgelegt hatte, waren die knapp 450 im vergangenen ernüchternd. Aber verletzt ist verletzt. Dass das Durchschnittstempo und dergleichen runtergingen, sieht man aus meinen anderen Diagrammen, aber ich zeige die hier nicht. Die Datenbasis für die Mittelung ist einfach zu dürftig, man sieht in erster Linie, dass im zweiten Quartal 2020 was schiefgegangen ist.

Auf der „Haben“-Seite ist allerdings zu vermerken, dass ich meine „Kuchen“-Diagramme fit gemacht habe für Zeiträume. Vorher konnte ich nur die gelaufenen Kilometer auf bestimmten Schuhen, die Trainingsformen beim Laufen und die Benutzung meiner Räder für den Zeitraum 1.1.2019 bis zum aktuellen Tag darstellen. Inzwischen habe ich etwas eingebaut, mit dem ich beliebige Zeiträume aufzeigen kann – und da zeigt sich: Im zweiten Quartal 2020 bin ich viel Altra Escalante gelaufen und eine Menge Fivefingers – und habe sehr viel ruhiges Grundlagentraining betrieben:

Beim Radfahren sieht man allerdings ganz andere Entwicklungen – mehr, schneller, mehr Höhenmeter!

Tatsächlich ist das Tempo hochgegangen, was durch zunehmendes Training kein Wunder ist. Der größte Boost kam aber vom Kauf eines Rennrads Anfang Juni! Beim Radfahren kommen durch die Fahrten zur Arbeit und weniger Homeoffice dank Normalisierung der Corona-Phase viele, viele Kilometer zusammen – zuletzt im Juni fast 800. Das geht natürlich auch nicht spurlos an mir vorbei. Mein neues Rennrad habe ich aber wirklich fleißig benutzt…

Im Juni bin ich mehr als die Hälfte meiner Kilometer mit meinem Izalco-Rennrad gefahren – so dass der Anteil recht groß wurde, dafür, dass ich es erst einen Monat habe.

Am Ende des Tages gehen die Stunden, die ich beim Sport verbringe, und die dort gelassenen Kalorien wieder hoch. Die simple Grundverbrauch-Formel aus Gewicht, Größe und Alter benutze ich, um das Ganze auf unterschiedliches Gewicht, unterschiedliche Monatslänge zu normieren – im folgenden Diagramm seht ihr meine beim Sport verbrachten Stunden sowie meinen Sport-Kalorienverbrauch geteilt durch den abgeschätzten Grundverbrauch im selben Monat:

Long Story short.

Zum Schluss noch eine Neuerung mit einem Diagramm, das deutlich zeigt, dass wir neues Equipment haben. Mein Mann hat eine neue, genauere Körperfettwaage mit einem Handgriff beschafft, so dass hier nun deutlich besser über Impedanzmessungen von Hand zu Fuß, Fuß zu Fuß und Hand zu Hand Körperfettanteil und Muskelmasse abgeschätzt werden – der Muskelmasse traue ich in dieser Messung auch. Die Waage begleitet mich seit Mai… wie man sieht:

Ab Mai mit neuer Waage!

Für mich ermutigend: Training bringt was. Nach dem „Sprung“ durch die neue Waage, die natürlich anders (besser?) kalibriert ist als die alte, weil sie eben bessere Messmethoden verwendet, laufen Körperfett und Muskelmasse weiterhin in sportliche Richtungen – während das Gewicht wieder etwas mehr in Richtung gewünschtem Bereich (63-65 Kilogramm) angezogen hat.

Läuft also! Beim Laufen läuft’s wieder, beim Radeln laufen die Laufräder wie am Schnürchen und alle anderen Werte bewegen sich auch ganz gut.

The most important thing about lifts is balance

Na, wer kennt das Zitat?

Genau! Es ist Johnny Castles Erklärung vor den berühmten „Lifts in Lake“-Szenen mit Patrick Swayze als Johnny und Jennifer Grey als Frances „Baby“ Houseman im Film „Dirty Dancing“.

Balance allerdings ist nicht unbedingt meine Stärke. Mir ist das peinlich, ganz ehrlich. Ich habe den Eindruck, ich sollte deutlich besser sein im Halten des Gleichgewichts. Es gibt diesen kurzen Moment vor dem Abwärtsgehen auf einer Treppe, wenn ich es eilig habe, in dem ich kurz zögere und mich fallen sehe. Der Moment, vor allem im Winter, in dem ich abschätze: Was ist schlimmer? Freihändig die Treppe runter rennen, während auf der anderen Seite schon die S-Bahn einfährt, oder den schweinekalten Handlauf benutzen? Es sind die Momente, in denen ich feststelle, dass ich mich nochmal kurz aufstützen muss, bevor ich mir einbeinig stehend eine Socke ausziehe.

Das muss besser gehen, denke ich mir dann immer. Woran es fehlt? Nun – der Gleichgewichtssinn wird zwar nun beim Radfahren ein wenig trainiert, auch beim Laufen brauche ich ihn. Aber dennoch ist und bleibt er unterdurchschnittlich. Auch die Muskeln, die Mikrokorrekturen vornehmen und im unteren Rücken sitzen, sind wohl nicht unbedingt meine Stärke – und das Gefühl für Bewegung und Tonus der Muskeln und Sehnen ist auch eher so lala. Nichts Dramatisches, aber etwas, das mich nervt und das meiner Ansicht nach besser gehen muss.

Nur für’s Protokoll: Ich möchte weder wie Jennifer Grey von Patrick Swayze an den gestreckten Armen über dem Kopf in der Luft gehalten werden – auch von jemand anderem nicht. Ich möchte auch nicht meinen Mann oder Jennifer Grey oder wen auch immer über meinem Kopf halten. Ich möchte aber einfach ein bisschen koordinierter, ein bisschen besser im Halten des Gleichgewichts sein. Also habe ich mir vorgenommen, künftig an meinem höhenverstellbaren Schreibtisch auf der Arbeit nicht nur immer mal wieder zu stehen, sondern auf dem Wackelbrett stehend zu arbeiten. Das wird natürlich durch die Möglichkeit des Halts am Schreibtisch einfacher – klar. Mein Ansatz ist aber auch nicht, das nur 20 Minuten zu tun, sondern vielleicht im Endausbau des Ganzen vielleicht halbe oder ganze Arbeitstage darauf stehend zu arbeiten und somit während anderer Tätigkeit diese Schwäche in Gleichgewichts- und Bewegungssinn auszubügeln. Vermutlich – nicht unbedingt, aber vielleicht – bringt mich das auch bei der Stabilität beim Laufen weiter.

Neuanschaffung.

Zunächst einmal werde ich das Ding zuhause testen und gucken, wie ich damit klar komme. Bei Gefallen und Funktionieren kann gut sein, dass ein Exemplar für zuhause zusätzlich angeschafft wird, wenn das hier abfotografierte mit auf die Arbeit wandert. Zuhause ist’s dann vielleicht am Ende eher ein Teil, auf dem ich gezielte Übungen machen werde. Auf Arbeit ist’s eher „Nebenbei-Training“, wenn alles so klappt, wie ich mir das vorstelle.

Das Jahr 2020 hat dieses Jahr zwar „nur“ eine neue Wettkampfleistung – aber da ein neues Personal Best auf 20 Kilometer – eingebracht. Aber 2020 bringt mir mit dem Radfahren, mit anderen Trainingsformen, mit neuen Ideen und all den Dingen, die durch das Runterfahren anderer Dinge durch Corona möglich werden, etwas nicht zu unterschätzendes: Die Ambition, nicht nur eine schnellere Läuferin, sondern vor allem eine vollständigere Athletin zu werden. Das heißt auch, vorhandene Schwächen zu erkennen und sich daran zu machen, sie auszumerzen,

Wenn’s nicht mehr geht – lauf!

Heute war einer dieser Tage: Im neuen Büro geht so manches noch nicht richtig, weil die Datenleitung zum Haupthaus nicht „dick“ genug ist. Einige Programme vertragen nicht allzu viele Time-Outs, weil sie dann unterstellen, dass die Sicherheit gefährdet ist – und so muss man ohne sie auskommen. Schade nur, dass sie essentielle Teile unserer Arbeit, so wie wir sie betreiben, erst ermöglichen. Diese Situation gibt’s schon eine Weile und wir bemühen uns, darum herum zu improvisieren. Heute stürzte dazu noch ein Bild von der Wand – die Baustelle vor dem Haus mit ihren Vibrationen und der Durchzug der Fenster bedingte das. Dem Bild ist nichts passiert, dem Rahmen auch nicht, aber das Glas im Rahmen bestand nur noch aus Bruchstücken – dazu hatte das Bild im Fallen mein Lego Architecture San Francisco zerlegt. Wie passend: Vibrationen von außen, Erdbeben…

Zum Glück konnte ich das Ganze weitgehend aus dem Kopf wieder aufbauen. Aber zwei modifizierte 1×1 Plättchen im Nordpylon der Golden Gate Bridge haben wohl den Abflug durch das offene Fenster gemacht. Ich suche mal noch Ersatz. Als ich dann die Kollegin von der Kunstausleihe des Präsidiums anrufen wollte, um ihr den Schaden am Rahmen bzw. dem Glas zu melden, wurde klar: Unser Telefon ging auch nicht. In all dem Stress hatte ich dann auch vergessen, meine Telefon vom gestrigen Homeoffice zurück umzustellen – und nach dem Rahmensturz vergaß ich auch, meinen Mann zu informieren, so dass dieser von zwei Anrufen meiner Kundschaft überrascht wurde…

Da ging dann gar nichts mehr bei mir. Riesendurcheinander, der Kopf blockiert. Was tun, wenn es nicht mehr geht? Laufen!

Meine heutige Laufroute.

Ich lief also am Nachmittag durch die Südweststadt zur Alb, schlängelte mich über dem Edeltrud-Tunnel entlang, überquerte die Südtangente wieder in die Klotze (Günther-Klotz-Anlage), rannte weiter an der Alb entlang, lief Mount Klotz hinauf und dann zurück zum Büro. Da ging das Telefon dann wieder und meine Laune war viel besser – müde bin ich nun freilich.

Aber „Wenn’s nicht mehr geht, dann lauf!“ hat sich bewährt!

Ich wusste gar nicht…

…dass meine Uhr das kann!

Screenshot aus dem Webinterface von Garmin Connect.

Ein wenig verblüfft sah ich nach meinem Training gestern einen neuen Bildschirm auf meiner Trainingszusammenfassung auf der Garmin Fénix: Ich bekam angezeigt, dass meine Laktatschwelle gemessen worden sei, meine Fénix sieht diese in dieser einen Messung bei einem Puls von 169 Schlägen in der Minute und einem Tempo von 4:58 pro Kilometer. Vermutlich hängt das damit zusammen, dass ich erstens recht intensives Training durchführte und zweitens nicht nur die Pulsmessung am Handgelenk, sondern auch meinen Pulsgurt HRM tri, ebenfalls von Garmin anhatte.

Das Training gestern war auch ganz schön heftig. Da ich beim Rennradfahren zur Arbeit am Dienstag und Mittwoch festgestellt hatte, dass meine Pulsmessung am Handgelenk mit der Fénix beim Mountainbike-Fahren super, beim Rennradfahren jedoch eher nicht gut funktioniert, benutzte ich einen Pulsgurt – sowohl am Dienstag als auch beim gestrigen Training. Das war auch ein Kombi-Training: Erst stürmte ich 45 Minuten mit dem Rennrad so schnell durch die Gegend, wie ich noch nie zuvor gefahren bin – auch wenn das sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Danach lief ich 30 Minuten mit Druck, aber nicht am Maximum durch die Gegend.

Ich bin sehr gespannt, unter welchen Bedingungen ich wieder eine solche Messung der Laktatschwelle bekommen werde. Jedenfalls werde ich den Pulsgurt nicht immer anziehen. Meine Erinnerung an die Probleme mit nässenden Hautreizungen unter den Kontakten des Brustgurtes durch Brustgurttragen bei jeder Laufaktivität sind mir sehr gut in Erinnerung. Aber gerade bei Intervalltrainings und Tempodauerläufen werde ich das weiterhin tun.

So sahen mein Tempo, meine Herzfrequenz und meine Schrittfrequenz bei dem Lauf aus, der mir eine Messung der Laktatschwelle bescherte.

Kuchen-Transformation

Ich habe vor geraumer Weile angefangen, die Anteile meines Trainings, die ich auf meinen verschiedenen Schuhen zubringe, in Kuchendiagrammen darzustellen. Das sah so aus:

Meine Schuh-Streckenanteile beim Laufen, Stand 16.07.2019 (Beginn der detaillierten Erfassung: 01.01.2019)

Nun hat diese Darstellung den ein oder anderen Nachteil – vor allem ist in einem Querformat-Diagramm-Bild ein zentriertes Kuchendiagramm in voller Kreisform Platzverschwendung, außerdem wurde die Legende allmählich zu breit – alles lösbar, aber eine gute Ausrede, um…

Nun ja, 3D-Kuchen zu verwenden. Neben den Schuhen und den Trainingsformen beim Laufen habe ich nun allerdings auch noch die Fahrradanteile als Kuchendiagramme – und so sieht das aus:

Laufstille

„Tapp-Tapp-Tapp.“

Wenn sich ein Jogger oder ein Läufer von hinten nähert, bemerkt man das. So zumindest die Ansicht einer Menge Leute. Ich allerdings laufe oft einen Vorfuß-Laufstil, bei dem ich auf der Außenseite des Ballens aufkomme, zur großen Zehe hin abrolle und dann damit wieder abspringe. Wenn das halbwegs hinhaut, und ich gut drauf bin, bin ich dabei ziemlich leise. In „Born to Run“ von Christopher McDougall beschreibt dieser diesen Laufstil mit einem sanften Kratzen über den Boden statt eines Aufpralles und Abstoßen.

Wie leise dieser Laufstil, diese Laufstille ist, habe ich heute eindrucksvoll demonstriert bekommen. Einem Paar, das über die Feldwege einen Hund spazieren führte, näherte ich mich auf dem asphaltierten Feldweg von hinten. Sie nahmen immer mehr Breite des Weges ein – kein Problem, wenn niemand kommt. Sie bemerkten mich nicht, mit Absicht taten sie das nicht. Das wurde mir klar, als ich noch etwa fünf Meter entfernt mich mit einem „Guten Morgen!“ bemerkbar machte. Gleich darauf entschuldigte ich mich, ich wollte die beiden nicht erschrecken, hatte sie aber wohl wirklich sehr erschreckt. Etwas ganz ähnliches passierte mir während desselben Laufes noch einmal.

Mir gefällt, dass ich auf meinen FiveFingers so leise laufen kann. Die leise Art des Auftretens zeigt mir, dass ich wenig Stöße auf meinen Bewegungsapparat gebe und auch wenig Energie im Aufprall verbrenne, sondern sie elastisch – und damit leise speichere. Nicht, dass der Schall beim Auftreten die Hauptursache des Energieverlusts ist – aber das Geräusch ist ein Anzeichen, ein Symptom für das Versenken von Energie in Stößen oder in der Dämpfung.

Green Scooter Killer – Firstrides

Die ersten einhundert Kilometer auf meinem Rennrad habe ich nun absolviert. Durch das lässige Überholen von E-Scootern in der Stadt habe ich meinen grünen Renner als den „Green Scooter Killer“ in Anlehnung an Brösels „Red Porsche Killer“ benannt.

Bis jetzt habe ich eine langsame Runde mit meinem Mann und eine schnelle zweite Runde am Sonntag absolviert, dazu war ich zweimal mit dem Rennrad auf der Arbeit. Lässig habe ich bei Gegenwind auf allen Strava-Segmenten auf meiner Route meine Personal Bests pulverisiert – Kunststück, mit einem so leichten, leichtgängigen Renner. Mittlerweile habe ich die mangelnde Ausstattung für die Straßenverkehrszulassung durch Montieren eines StVZO-konformen Frontlichts, meines StVZO-konformen Garmin Varia RTL 511 ausgeglichen, eine Klingel und einen Halter für den Radcomputer habe ich auch.

Interessanterweise hat auf drei der Fahrten meine Uhr – wohl aufgrund der anderen Haltung und dem ein Loch weiter gestellten Armband, das ich in letzter Zeit gerne zu tragen pflege – komischen Puls gemessen. Wenn ich durchgeschwitzt auf der Arbeit ankomme, weil ich es richtig habe laufen lassen, und mein höchster gemessener Puls auf der Radfahrt 120 gewesen sein soll, mittlerer Puls 97, dann kann ich diese Messung mit Fug und Recht zurückweisen. Allerdings besitze ich inzwischen auch wieder einen Pulsgurt, habe es mit dem probiert… und durfte feststellen, dass plötzlich auch die Uhr den richtigen Puls maß.

Deutlich geworden ist mir, wie viel mein Mountainbike eigentlich wegfedert, die Straße ist sehr rau und hart, wenn man mit einem Rennrad darüber fährt. Aber das passt schon, dafür geht es schön leicht. Meine vier Fahrten mit dem Focus Izalco Race Rahmen und den Shimano Ultegra Komponenten zur Arbeit waren durchweg schneller als die schnellste Fahrt mit dem Mountainbike. Dennoch werde ich wohl das eine oder andere Mal künftig wieder mit dem Mountainbike fahren, denn es ist tatsächlich so eine Sache, einen Carbon-Rahmen-Renner mit Schnellspannern an den Laufrädern auf dem Radparkplatz auf dem Hof des Regierungspräsidiums abzustellen. Erstens sorge ich mich, dass irgendjemand den Rahmen an die Metallstange, an die ich es angeschlossen habe, aus versehen dagegen stößt. Das mag das Carbon-Material nicht. Zweitens habe ich Sorge, dass das nicht vom Kettenschloss erfasste Laufrad „Füße“ bekommt, schließlich sind die kinderleicht auszubauen. Da die Maschine noch schön sauber ist – bzw. vor der Regenfahrt heute nach Hause war – habe ich sie gestern und heute mit ins Büro genommen und hinter mir aufgestellt. Das Leichtgewicht die Treppe hochzutragen oder im Aufzug zu befördern, ist ja gar kein Problem.

Jedenfalls bin ich glücklich wie in einem Traum mit der Maschine – und teste zugleich einen Haufen weitere Gadgets auf Rennrad, Mountainbike und beim Laufen: Das Garmin Varia RTL 511, den Garmin Brustgurt HRM tri, und beim Edge 830 habe ich auch noch nicht alles ausgetestet. Da ergaben sich heute auch so manche Erkenntnisse, die richtig Spaß gemacht haben!

Fahrbarer Untersatz 2.0

Ende November letzten Jahres bekam ich von meinem Schwiegervater sein altes Mountainbike geschenkt. Er hatte sich ein Ebike gekauft und fuhr es nicht mehr, wollte es eh verschenken – und ich war 20 Jahre nicht mehr Rad gefahren, wusste nicht, ob ich wieder Rad fahren würde. Eine Win-Win-Situation. Am 01.12.2019 begann meine wiedergeborene Radfahrkarriere, nach 20 Jahren, die ich nicht in einem Sattel gesessen hatte. Bereits im Januar 2020 fuhr ich die ersten Male mit dem Fahrrad zur Arbeit, ab März bestritt ich meine Arbeitswege fast nur noch mit dem Rad. Langsam entdeckte ich, dass meine neue Radfahrkarriere Bestand haben würde. Dem Radeln noch mehr Vorschub gab die Wadenverletzung von Anfang April, die mich bis in den Mai hinein dazu zwang, mein Bedürfnis nach Sport nicht auf Laufschuhen, sondern ausschließlich auf dem Rad zu absolvieren. Das ist wieder passé, die Wade macht wieder mit.

Aber bereits im März erwuchs der Gedanke, wieder Rennrad zu fahren. In meinen späten Teenager-Jahren fuhr ich sehr viel Rennrad, auch recht flott. Nach einem schweren Unfall, bei dem meine bis dahin genutzte Rennmaschine mit um 30° verbogenem Oberrohr in die ewigen Jagdgründe einging, bekam ich von meinen Eltern wieder ein Rad. Das habe ich jedoch aus Angst vor dem Radfahren auch nach der Genesung vom knöchernen Bandabriss am Knie nicht wirklich benutzt – ein paar wenige Kilometer sind drauf. Nun stand das Teil – alt und zugegebenermaßen fast vergessen – über viele Jahre in verschiedenen Garagen herum. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, es wieder flott zu machen. Aber ich bin nicht in dem Sinne eine Liebhaberin – und vor allem auch nicht die Person, die viel Arbeit in das Wiederaufbauen eines alten Rades investieren würde. Nach einer Bestandsaufnahme wurde mir klar: Ich brauche zwar nicht die Profi-Rennmaschine, aber ich möchte auch nicht viel Arbeit in den Wiederaufbau eines Rads investieren und dann immer noch ein altes Rad haben, auch wenn es dann wieder fit ist.

Die alte Maschine wird nun wohl über einschlägige Plattformen ein neues Zuhause suchen – und ich habe mir was anderes ausgedacht…

Mein neues Fahrrad.

Das Mountainbike kommt freilich nicht weg. Aber ich werde es wieder mit einem Rennrad versuchen – einem neuen Rennrad, mit elf Ritzeln hinten, zwei Zahnkränzen vorne… und einem unverschämt leichten Carbon-Rahmen. Gestern war ich aussuchen und mich beraten lassen, auf dem Heimweg, bevor ich im Gegenwind auf dem Mountainbike nach Hause radelte.

Heute ließ ich mir die Maschine anpassen und fertig machen und nahm sie gleich mit. Das war auch damit verbunden, dass ich das erste Mal seit vielen Wochen, seit mehr als zwei Monaten, wieder mit der Straßenbahn nach Karlsruhe hinein fuhr. Dass mit Maske Bahn fahren ein komisches Gefühl ist und bleibt, wird wohl Fakt sein. Auch Fakt ist, dass ich zwar auf dem Rad erheblich sicherer geworden bin, aber immer noch ein wenig unsicher bin… die angepasste Einstellung des Rennradsattels im Radladen war mir viel zu hoch! Ein wenig ließ ich ihn mir runtersetzen, schrieb mir aber natürlich die richtige Position auf, so dass ich den Sattel sukzessive in die optimale Position hochstellen kann, wenn ich mich an die Position gewöhnt habe.

Tatsächlich habe ich den Renner aber auch nicht die volle Strecke nach Hause gefahren. Die Strecke entlang der B36 bei Rheinstetten wäre sicher gegangen, aber sich an eine neue Schaltung gewöhnen, an eine neue Sitzposition, das Ansprechverhalten der Bremsen… und das mit dem Druck des Morgentees auf der Blase und im Stadtverkehr, bis ich draußen an den Radwegen gewesen wäre, das war mir dann doch zu heiß. Also radelte ich bis zum Albtalbahnhof, wo das obige Bild entstand, hob den federleichten Renner gefühlt mit drei Fingern in die Bahn und probierte mich dann bei uns im Ort, auf den anderthalb Kilometern vom Bahnhof nach Hause, ein bisschen aus. Nun steht die Maschine im Esszimmer und wartet darauf, die Sensoren für Trittfrequenz und Geschwindigkeit sowie die Halterungen für Garmin Edge und Garmin Varia RTL montiert zu bekommen.

Ich bin sehr gespannt, wie schnell ich mich dran gewöhne – ein bisschen „Rausch der Geschwindigkeit“ war’s schon auf den paar Metern vom Bahnhof schon. In Sachen Rollwiderstand, Gewicht, Sitzposition und sonstigen Dingen ist es halt doch etwas ganz anderes als ein Mountainbike…