Die Lösung?

Ich habe mich ja neulich damit beschäftigt, ob mein „PRAGQ“ genannter Formschätzer für das Fahrrad vom verwendeten Gefährt abhängt. Das klare – und erwartungsgemäße – Resultat war, dass das Gewicht und die Aerodynamik eine große Rolle spielen für die zusätzlichen Herzschläge pro 200 gefahrenen Metern, was letztlich der PRAGQ ist.

Auf Facebook, wo ich den Post teilte, wies mich ein Vereinskamerad, Läuferkollege und Mitphysiker darauf hin, dass wohl Leistung das richtige Werkzeug wäre, um das Problem zu lösen, also einen rad-, ladungs- und steigungsunabhängigen Formschätzer zu generieren. Tatsächlich war ich schon so weit, mit so etwas zu experimentieren und habe in der Vergangenheit diese Dinge schon mal anklingen lassen. Ganz langsam reift in mir die Erkenntnis, dass wohl die „(verrichtete, physikalische) Arbeit pro Herzschlag“ beim Radfahren und – zuverlässige und rein physikalische Leistungsmessung vorausgesetzt – auch beim Laufen ein geeigneter Formschätzer sein könnte. So sähe das dann aus:

Als Formschätzer in Erwägung ziehe ich die rot umrandeten Kreise. Deutlich zu sehen ist, dass ich (halbwegs realistische) 60 Joule pro Herzschlag über den Ruhepuls hinaus auf die Pedale bringe. Beim Laufen ist der Wert ein Drittel höher! Das darf bezweifelt werden, so weit wir von rein physikalischer Leistung/Arbeit sprechen. Da der Stryd, mit dem ich die Leistung messe, und mehr noch das Datenfeld bei Garmin, das auf den Running Dynamics Pod (oder vergleichbare Sensoren in den Brustgurten) zurückgreift, keine rein physikalische Leistung angeben, sondern eine in „biologisch nach einem Modell gewichteten Leistungswerten“ eher die Belastung des Bewegungsapparats gekoppelt bzw. proportional zur physikalischen Arbeit messen, ist völlig logisch, dass da andere Werte herauskommen.

Das macht die verrichte physikalische Arbeit pro zusätzlichem Herzschlag (pApzH) beim Laufen natürlich zu einem etwas zweifelhaften Formschätzer, weil er „per Konstruktion“ aus „Watt mal Zeit durch zusätzliche Herzschläge in der Zeit“ beim Laufen etwa dasselbe ergeben müsste wie beim Radfahren. Das ist aber – aus der durchaus sinnigen Konzeption des „biologisch gewichteten Watt“ des Stryd heraus – nicht der Fall.

Bei PRAPP, PRAGQ und PRASPP kann ich über die willkürliche Wahl der Referenzstrecke noch gut einsehen, dass die Skalen proportional zueinander, aber nicht gleich sind. Beim pApzH ist das etwas schwieriger zu motivieren, wenn es auch wohl erklärt ist.

Somit kann als Work in Progress betrachtet werden, dass ich nun mit den – konzeptionell etwas verschiedenen, nur für Laufen und Radfahren zur Verfügung stehenden – pApzH und den streckenpuls-artigen Schätzern PRAPP, PRAGQ und PRASPP arbeite.

Vorteil der „Streckenpulsartigen“ ist, dass das PRAPP mir lange Zeit bewährt treue Dienste erwiesen hat, es funktioniert, und das Konzept steht für jede Aktivität zur Verfügung, die Geschwindigkeits- und Herzfrequenzmessung ermöglicht – also auch für’s Skaten, Gehen, Kanufahren… der Nachteil jedoch ist, dass Erschwernisse und Erleichterungen (Carbon-Schuhe, Aerodynamik, Gewicht, Höhenmeter) die „Streckenpulsartigen“ beeinflussen.

Vorteil der „Arbeit-pro-Schlag-Artigen“ ist, dass sie all die Einflüsse relativ zuverlässig negieren, zumindest, solange die Leistung weitgehend „rein physikalisch“ gemessen wird. Der Nachteil allerdings ist, dass eine Leistungsmessung nur beim Radfahren und über den Stryd beim Laufen zur Verfügung steht – und beim Laufen das Prädikat „rein physikalische Leistung“ mehr als zweifelhaft ist.

Somit ist das Ganze hier noch eine Diskussion innerhalb der Kollaboration aus Talianna, Tally, Fr. Dr. Schmidt, der Läuferin, der Radlerin, der allgemeinen Sportlerin und all ihrer internen Kolleginnen. Man könnte sagen, das hier ist ein geleakter interner Artikel. Um der Sache hier mindestens den Status eines Papers für den Preprint-Server zu geben: Vorerst werde ich mit BEIDEN Formschätzern parallel arbeiten, sie wohl für jede Aktivität nebeneinander stellen. Gerade beim pApzH steht noch zu prüfen, ob das Ganze schuhabhängig ist, da vertikale Bewegung, Schrittlänge und Schrittfrequenz sowie Wichtung des lower body strain eingehen.

Danke an Rudi für den Input, ich hab‘ das hier mal zu kondensieren versucht, und verfolge beide Konzepte mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen weiter.

Entwicklung

Eins vorweg! Wir sprechen hier nicht über die Mumien-Begräbnisriten Tolkien‘scher Baummenschen.

Seit ich im Juli und August mit zuerst Covid-19 und dann gebrochenem Finger auf der Nase lag, hat sich in meiner Sport-Dokumentation einiges getan. Nach der Borreliose im Herbst 2021 hatte ich sinnvolle Kräftigung, Stretching, meditativ-entspannend-kräftigende Dinge wie Yoga und autogenes Training sowie Balance-(Board)-Training eher quick‘n‘dirty eingebaut. Als ich dann etwas mehr Zeit zum Nachdenken hatte, weil Radfahren mit Schiene nicht und Laufen nur eingeschränkt ging, evaluierte ich die Quick‘n‘Dirtiness der Implementierung vieler Dinge und war bestürzt.

Bei der Bestandsaufnahme wurde mir klar, dass ich die Zuordnung von Werten von Aktivitäten zu Sportart und Monat auf drei verschiedene Arten machte, ohne ersichtlichen Grund. Die Werte „gleicher Art“ waren beim Radfahren, Schwimmen und Laufen auf drei unterschiedliche Weisen sortiert. Dazu wollte ich meine Krankzeiten erfassen und damit meine Jahres-Kilometer- und Jahres-Zeitziele abstufen, also ein neues Feature einbauen. Das erforderte Planung, um all die „hab‘n neuen Wert, fummel‘n mal rein“-Aktionen auszubügeln. Damals etablierte ich eine neue Herangehensweise an Wartung und Erweiterung meiner Sport-Tagebuch-Datei.

Ich spaltete mich auf in:

  • Nutzsie: Talianna, die Sport treibt und ihren Sport dokumentiert, Leistungsschätzer und Trainingsplanfortschritt ablesen will, aber nicht an den Formeln herumschreibt.
  • Wissenschaftlsie: Talianna, die sich Leistungsschätzer überlegt, Theorie zu Sport liest, Modelle erstellt und Ideen hat.
  • Plansie: Talianna, die die Befürfnisse der Nutzsie und die Ideen der Wissenschaftlsie in konkrete Features und Strukturen übersetzt, die in der Sport-Tagebuch-Excel-Datei vorkommen bzw. die die Datei kann.
  • Umsetzsie: Talianna, die den Kram in Excel hackt.

Natürlich gibt es Interfaces zwischen den vier Flavours meinerselbst. Erfahrungen von Nutzsie und Ideen von Wissenschaftlsie (jeweils in Gedanken oder auf Fresszetteln) konkretisiert Plansie, meist strukturiert in Überschriften und Bullets auf kariertem Papier. Umsetzsie baut das dann in die Datei ein, ggf. mit Rückmeldung an Plansie, was nicht oder nur anders oder anders leichter geht.

Für die ganz große Modifikation war diese Herangehensweise unerlässlich. Aber ich hätte fast wetten können, dass ich‘s wieder quick‘n‘dirty mache, wenn‘s kleine Ergänzungen sind.

Wette verloren! Inzwischen arbeite ich Überarbeitungen der Sport-Excel für meinen Ehewolf ähnlich ab, nur dass da ein Nutzer dran hängt und keine Nutzsie. Für meine eigenen Weiterentwicklungen und Wartungen gehe ich zumindest jetzt zum Jahreswechsel wieder genauso vor. Das Bild oben zeigt Plansies Vorgehen.

Yay!

Sportlicher Rückblick: 2022

Das abgelaufene Jahr ist… auch wieder ambivalent. Ich springe mal ein bisschen zurück: 2021 passierte in Sachen Wettkämpfen fast gar nichts. Tief in den Maßnahmen zur Begrenzung der Pandemie gab’s einfach kaum Möglichkeiten, sich auf Wettkämpfen zu beteiligen. Ich war nicht schlecht drauf, lief im zweiten Teil des halbvirtuellen „GemeinsamRun“ des Baden-Marathons nur knapp am Personal Best im Halbmarathon vorbei – knapp langsamer als 1:28 gegenüber 1:27:02, meinem aus 2019 stammenden Personal Best im Halbmarathon. Im August ging’s dann bergab, mehr als ein Vierteljahr kostete mich eine spät erkannte Borreliose. Entsprechend hoch setzte ich die Erwartungen an 2022 als Verbesserung gegenüber 2021.

So viel vorweg: Es war besser. Keine drei Monate krank und zwei Monate am Rekonvaleszenz-Zeit, aber eben doch kein voll gesundes Jahr. Ein paar Mal Kopfschmerzen, eine Erkältung – und Covid-19 im Juli, ein gebrochener Finger durch einen Sturz beim Trail-Ablaufen im August sowie Zahnschmerzen mit gezogenem Backenzahn im September. Am Ende waren es 47 Kranktage dieses Jahr, wobei da nicht nur die Tage, an denen ich auf der Arbeit fehlte, sondern auch die, die ich außerhalb der Arbeit krank war, eingerechnet sind. Egal, es sind jedenfalls zu viele. Einzig der Fingerbruch könnte unnötig genannt werden, aber der Übermut beim Trailablaufen ist damit auch gedämpft. Für den Rest… tja, kann ich nicht so viel oder mache ich schon was dagegen. Dennoch war das Jahr sportlich erfolgreich – dazu aber später. Erstmal…

Radfahren

Ich beginne mal mit dem Radfahren. Ich sage gerne, dass Radfahren für mich mehr Verkehrsmittel als Sport ist. Im Verhältnis zum Laufen ist das definitiv richtig, aber für viele Menschen ist das, was ich auf dem Rad tue, dennoch Sport. Da ich im August aber die Neuorientierung meiner Sport-Dokumentation geplant habe (als ich nichts tippen konnte, da die linke Hand völlig stillgelegt war) und im Herbst die entsprechende Modifikation umgesetzt habe, kann ich nun nach Anlass und Trainingsform aufschlüsseln:

Fast drei Viertel der 7150 Radkilometer habe ich auf dem Arbeitsweg oder auf Fahrten zu Dienstreisen verbracht, dazu kamen noch rund acht Prozent an „Besorgungen“, also Einkaufen und dergleichen. Somit habe ich viel Zeit auf dem Rad als Verkehrsmittel verbracht und somit kein strukturiertes Training durchgeführt – irgendwo zwischen wenigen Tempo-Fahrten, die aber in erster Linie aus Eile geboren waren, Grundlagentraining und aktiver Regeneration, nur ein paar lange Touren waren dabei, wobei mehr als 50 Kilometer für mich als lang gelten. Im Sommer und bis tief in den Herbst hinein ging es lange gut, mit dem Rennrad zu pendeln, so dass fast die Hälfte meiner Strecken trotz fast gänzlichem Ausfall von Anfang Juli bis Ende August fast die Hälfte mit dem Rennrad bewältigt wurde. Das MTB und der Heimtrainer hatten nur sehr geringe Anteile.

Der Großteil der Radkilometer waren im Januar, März, Mai, Juni und November zu verzeichnen. Urlaub an Orten ohne Fahrrad begrenzte das Radfahren im April und Dezember, Krankheit kostete den Februar, den Juli und den August. Zu erwähnen wäre, dass ich alles mit Cleats gefahren bin, fast ausschließlich das SPD-System. Seit Dezember probiere ich auf dem Heimtrainer „Oracle“ mit SPD-SL herum, vielleicht kommen 2023 auch Kilometer mit SPD-SL auf der Rolle oder gar Outdoor dazu.

Die harten Zahlen: 7150 Kilometer mit 19.170 Höhenmetern in rund 320 Stunden, insgesamt 374 Fahrten.

Laufen

Laufen ist und bleibt mein Hauptsport. Eigentlich könnte ich auch die Wettkämpfe hier abrechnen, denn ich habe ausschließlich Lauf-Wettkämpfe bestritten, nichtmal die beiden Turmberg-Bergsprints von 2021 habe ich 2022 wiederholt. Aber die Wettkämpfe schiebe ich mal ganz nach hinten. Auch beim Laufen gibt’s natürlich ein Gesamtfazit und eine Verteilung auf die Monate…

Den Mizuno WaveShadow habe ich im Dezember ausgesondert, da ich mit der Zehenbox nicht mehr klar komme. Deutlich zu sehen ist, dass ich viel Lauftraining als dezidiertes Training betrieben habe – und Wettkämpfe gelaufen bin, einige davon aber nicht „als Wettkampf“, sondern nur als langen Trainingslauf. Das erklärt dann die 42 Kilometer Unterschied zwischen Anlass Wettkampf und Trainingsform Wettkampf. Schnelle Trainingsformen machen nur ein Fünftel der Gesamtkilometer aus, und insbesondere in den Intervallen sind teils auch die langsamen Pausen sowie die Warm-Ups und Cool-Downs dabei. Sprich: Die Idee, 80% lockeres Training zu laufen, habe ich umgesetzt. Bei der Schuhwahl ersetzt zunehmend der leichtere, direktere Escalante Racer den Escalante bei mir, der Anteil von FiveFingers ist sehr gestiegen, und dazu kamen noch der Spike-Schuh Nike Zoom Rival und der Wettkampfschuh Altra Vanish Carbon dazu.

Natürlich hatten die Erkältung im Februar, Corona im Juli und der Fingerbruch im August sowie das Winterwetter im Dezember auch einen Einfluss auf die Laufleistung, entsprechend sehen wir weitgehend dieselben starken und schwachen Monate wie auf dem Rad. Der eine Unterschied ist das Trainingslager im April, während der Marathon-Vorbereitung. Alleine 180 der 530 Kilometer im April bin ich in Apulien gelaufen, aber auch ansonsten ging im April die Laufleistung durch die Decke – Marathon-Vorbereitung eben.

In insgesamt 304 Läufen habe ich im Jahr 2022 3220 Kilometer mit 14630 Höhenmetern in knapp 317 Stunden erzielt.

Gesamt und Sonstiges

Schwimmen kam durch Krankheit und Verletzung in der Sommer-Saison etwas kurz, geskatet bin ich dieses Jahr gar nicht. Aber Yoga, Dehnen, Balance-Board und Krafttraining für Stabilität habe ich 2022 sehr viel systematischer etabliert als die Jahre zuvor…

Insgesamt habe ich damit die Grundlage gelegt, gesünder und schneller zu laufen, habe mich wieder weiter von ganz großer Diversität des Sports entfernt (Schwimmen und Skaten kamen echt zu kurz, im Sonstigen war auch nur Spazieren drin) und habe durchaus eine Menge Training auch mit alltäglichen Anlässen verbinden können. Von den Bereichen her bin ich in einem gesunden Verhältnis der Trainingsformen.

Wettkämpfe

Es gab dieses Jahr trotz der umfangreichen Krankheiten auch mehrere persönliche Bestleistung, darunter auch auf ein paar echte Highlights:

  • Im März lief ich neue persönliche Bestzeit auf 15 Kilometer beim Rißnertlauf (1:02:30, zuvor PB 1:04:18)
  • Bei der Badischen Meile im Juni verbesserte ich meine bisherige Bestleistung auf dieser Distanz mit Carbon-Schuhen um über anderthalb Minuten (34:21 statt 36:04)
  • Der Dämmer-Marathon in Mannheim ist definitiv mein Highlight 2022 – mit einem dritten Platz und 3:09:56 erreichte ich eine Verbesserung von über acht Minuten auf der Marathon-Strecke und stand neben Merle Brunnée auf dem Podium!
  • Bei der Bergdorfmeile siegte ich – in Abwesenheit von Emma Simpson-Dore – überraschend auf der bergigen Version der Badischen Meile und gewann somit die Kombi-Wertung aus beiden Wettkämpfen.
  • Nach der Corona- und Verletzungspause lief ich beim Herbstlauf des TGÖ in Ötigheim neues Personal Best auf fünf Kilometer (19:09 statt 19:16).
  • Zum Jahresabschluss kam dann noch die neue Auflage der Winterlaufserie, wo ich trotz eigentlich nicht so praller Motivation bewies, dass unter 40 auf den Zehner noch immer drin ist, auch unter widrigen Bedingungen.

Fazit

Mit über 3200 Kilometern Laufen und über 7100 Kilometern Radfahren, neuen Bestzeiten und gesünderem Aufbau aus weniger harten Trainingsformen, mehr Beweglichkeits- und Krafttraining und einem insgesamt sinnvollerem Aufbau habe ich wohl viel dafür getan, dass 2023 ein weniger krankes, weniger verletztes und vielleicht mit neuen Bestzeiten gekröntes Jahr werden kann. 2022 muss ich daher, trotz der Erfolge und der Reduktion der Krankzeit, als Übergang betrachten, denn beides soll bzw. muss noch besser werden.

Stay tuned for more of the Good and hopeful less of the Bad.

Körpergefühl

Laufen ist ein schöner Sport. Man schnürt die Schuhe und läuft. Man atmet im Rhythmus, das Herz schlägt im Rhythmus, die Füße setzen Schritte im Rhythmus.

Natürlich sollte man nicht laufen, wenn man einen Infekt hat. Das Immunsystem wird belastet und in ganz ungünstigen Fälle könnte man sogar den Infekt verschleppen oder auf‘s Herz schlagen lassen – oder beides.

Manchmal ist es aber auch nicht so eindeutig. So ist das bei mir gerade. Ich habe keinen Infekt, zumindest habe ich kein Halskratzen, die Nase läuft nicht, Fieber habe ich nicht. Der Trainingsplan möchte 32 Kilometer von mir, die Sonne scheint. Zusammen mit zwei anderen hätte ich eigentlich meine letzten 24 Kilometer der Festive 100 zu laufen, einer von den Rapha Festive 600 inspirierte Lauf-Herausforderung auf Strava.

Aber ich tu‘s nicht. Sicher, ich bin auch faul, gerade, doch normal hält mich das nicht ab. Es ist so ein Zwischending. Irgendetwas stimmt nicht ganz, nicht dass ich krank wäre, aber es fühlt sich an, als wäre es nicht gut, jetzt zu laufen. Es gab schon Momente, da bin ich mit so einem ähnlichen Gefühl gelaufen. Selten war es dann gut. Meistens war einfach überhaupt nichts, einmal war‘s nicht so prall und hielt ein paar Tage, dann kam eine ganz krasse Formsteigerung. Ein paar Mal bin ich so gelaufen und wurde danach krank.

Inzwischen laufe ich dann meistens nicht. Der Gewinn, nicht krank zu werden, ist groß. Wenn es denn so wäre. Der Verlust, mal zwei, drei Trainingsläufe aus einem schlechten Körpergefühl heraus ausfallen zu lassen, hält sich in Grenzen. Auf dem Sofa schlafen, statt in der Sonne zu laufen, ist teils komisch, aber wenn man sich das Körpergefühl vor Augen führt, wird‘s einfach gemütlich.

Körpergefühl. Gute Sache. Ich rolle mich mal wieder auf dem Sofa zusammen, mein Mann hat mir meinen Schneeleo gebracht, und dann… gebe ich unter der Kuscheldecke meinem Körpergefühl nach. Ich muss nicht immer laufen.

Es hält an – mein Läuferinnentempel

Motivation ist eine komische Sache. Erst lässt sie mich zwei Wochen im Stich, nun…

Ich bin nach dem vorgestrigen Wettkampf nicht schon wieder gelaufen, das wäre zu früh gewesen. Die Oberschenkel, ausgerechnet die Oberschenkel ziehen noch ziemlich fies. Ich habe sie auch nicht hart gedehnt, sondern bin sanft mit Yin-Yoga an die Spannungen von Wetterwechsel und Wettkampf rangegangen. Doch obwohl ich noch ziemlich KO war von dem Zehner in der eiskalten Luft, obwohl mir der ziemlich rapide Wechsel von kalt und trocken zu deutlich wärmer und feuchter echt in den Knochen sitzt, mich quält, habe ich die Motivation gefunden, endlich mal wieder Sachen in meinen Ordner einzusortieren.

Versteht mich nicht falsch: Ich freue mich über wärmeres Wetter, über abtauende Straßen unter meinen Fahrradreifen. Aber diese Wetterwechsel, die typischerweise mit Druckänderung verbunden sind, mit einem Drehen des Windes – bei uns meist von Nordostwind bei trockener Kälte (oder im Sommer trockener Hitze) zu Südostwind bei feuchter Kühle – sie setzen mir zu. Machen mich reizbar, lassen meinen Nacken verspannen, auch meinen Rücken, und drücken auf die rechte Schläfe.

Und dennoch: Ich habe endlich wieder meinen Ordner gepflegt, den mir mein Mann mal geschenkt hat. Der wurde allmählich dicker, und daher habe ich einen lange gefassten Vorsatz nun umgesetzt: Ich bewahre die Startnummern meiner Läufe nicht mehr auf, nur noch die Urkunden. Drei Startnummern lagen noch herum, dreizehn Startnummern waren noch in Kunststoffhüllen im Ordner drin. Bis auf die Startnummer von der Winterlaufserie, die ich zum Fünfzehner und Zwanziger wieder brauchen werde, habe ich sie alle weggetan. Dafür habe ich die zehn Urkunden, die hier noch lose herumlagen, endlich mal eingeheftet – neun davon waren von insgesamt sieben Laufwettkämpfen, wenn ich nicht irre. Stadtradeln-Team-Wertung Platz drei im vergangenen Jahr bei uns im Ort, verliehen im April, Rißnertlauf 1:02:30 für 15 Kilometer im März, Badische Meile mit 34:21 für 8,88889 Kilometer im Mai, Dämmer-Marathon mit 3:09:56 für 42,195 Kilometer im Mai, Bergdorfmeile mit 36:11 für hügelige 8,88889 Kilometer im Juli, Kombi-Wertung der beiden Meilen zweimal, einmal mit dem RP Karlsruhe als Mannschaft drauf, dann nochmal mit dem Laufteam rennwerk als Mannschaft drauf, da ich ja von zwei unterschiedlichen, aber beiden sehr bedeutenden Institutionen in meinem Leben die Startnummern bezahlt bekommen habe, für die beiden Meilen. Dann noch der Baden-Marathon, gelaufen als langen Trainingslauf, drei von drei möglichen Bananen abgestaubt in 4:11:11 im September, und schließlich der Herbstlauf in Ötigheim mit 19:09 für fünf Kilometer und die Winterlaufserie Rheinzabern mit 39:55 für den Zehner.

Meinen Trainerschein und einige Zeitungsausschnitte habe ich auch in das vordere Fach gesteckt. Eigentlich ist das eine sehr befriedigende Arbeit, die ich immer gerne gemacht habe – so ein bisschen Götzendienst am Schrein für meine Laufleistungen. Indes, seit dem März habe ich es schleifen lassen. Genauso lag die Medaille vom Baden-Marathon noch herum, genau wie die aus Ötigheim, nur die vom Dämmer-Marathon hatte ich schon auf das Bord gehängt. Götzendienst continued:

So allmählich füllt sich auch der Medaillenständer und schreit nach einem zweiten. Dabei fällt mir auf, dass ich ein sehr an Gewohnheiten orientierter Mensch bin: Vier Marathon-Wettkämpfe habe ich bis jetzt bestritten, dreimal in Karlsruhe, einmal in Mannheim. Von beiden Wettkämpfen hängen auch in Summe drei Halbmarathon-Medaillen noch dazwischen. Meine geplanten Marathon-Saison-Höhepunkte nächstes Jahr sind da natürlich völlig überraschend… der Dämmer-Marathon in Mannheim im Mai und der Baden-Marathon in Karlsruhe im September. Ebenfalls öfter kommen die Badische Meile und der Köhlbrandbrückenlauf vor. Oh Wunder, mindestens die Badische Meile (und die Bergdorfmeile) stehen schon wieder in meinem Plan, auch wenn die Badische Meile am Wochenende vor dem Dämmer-Marathon sicher nicht der vernünftigste Plan ist für den Sonntag eine Woche vor dem Marathon. Köhlbrandbrücke wäre auch nochmal klasse, so lange es sie noch gibt!

Dazwischen hängen da noch die Medaillen vom Spenden-Triathlon für das Ahrtal, ein paar weniger prominente virtuelle Läufe. Dann der Hella Hamburg Halbmarathon, die Medaille für den Fünfer-Sieg beim TGÖ und die vom zweiten Platz beim Ettlinger Altstadtlauf 2019. Nicht zu vergessen die Medaille von der Marathon-Staffel mit den Sport Löwen Baden beim Freiburg-Marathon 2019 und die von der Kilometer-Fresser-Challenge des rennwerks aus dem Jahr… 2017, glaube ich.

Wie gesagt. Ein Götzenschrein für Läufer-Tally.

Ein Run um’s Spielfeld

Ein Freitagabend
Im Dezehemberland
Nach der Arbeit
Lief ich auf’s Tartanband

Bei jedem Durchlauf, den ich hinbekam, hob sich die Laune
Auf meinem Herzschlag, kam da ein Runner’s High
Und es sagte: Du hast Beine wie Blei
Doch ich lachte und sprach: Ich brauch‘ kein blödes Geraune

Ein Run um’s Spielfeld, der ist immer heiß
Denn ich bin Läufer, und das ist was ich weiß
Die Bronchien pfeifen und es flihießt der Schweiß
Wenn ich laufe

Ein Run um’s Spielfeld zwischen Flutlicht und Gras
Und das Tempo ist heut‘ wieder mal krass
Ein Run um’s Spielfeld macht mich glücklich und nass
Wenn ich laufe

Sport-Fazit November

Im November standen zumindest zwei Dinge an, die wirklich bemerkenswert sind: Der gesamt- und der radkilometerreichste Monat des aktuellen Jahres – und der erste Wettkampf der neuen Saison. Für mich findet der Saisonübergang beim Laufen immer von Oktober auf November statt – quasi nach Köhlbrandbrückenlauf, Hardtwaldlauf und/oder Oberwaldlauf, die ich dieses Jahr aber alle nicht gelaufen bin. Der erste der neuen Saison ist dann Anfang November der Herbstlauf in Ötigheim – und den BIN ich gelaufen. Aber erstmal der Überblick:

An Sport-Zeit war der November vom Radfahren dominiert, und das Radfahren vom Arbeitsweg. Ich hatte eine Woche Fortbildung am KIT Campus Nord, und allein in dieser Woche kamen rund 15 Stunden auf dem Rad zusammen. Der größte Teil meines Sports fand im Grundlagenbereich statt – mehr noch als sonst – durch die viele Radlerei und auch die im neuen Trainingsplan einsetzenden langen Läufe. Die zeigen sich im „Lang“-Segment der Trainingsformen. Wenn’s deutlich über die 30 Kilometer geht (diesen Monat waren es 26, 28, 30), wird das noch ein bisschen mehr.

Deutlich zu sehen – über 100 Kilometer mehr als im Juni, der der bisher kilometerstärkste Monat dieses Jahr war. Das lag aber nur am Radfahren – beim Laufen war’s mit 326 Kilometern eher ganz normal.

In Sachen Schuhe zeigt sich, dass ich gerade viel FiveFingers laufe – ungefähr die Hälfte meiner Kilometer im November. Außerdem trainiere ich wieder auf Carbon, um im Mai beim Dämmermarathon auf Carbon laufen zu können. Da will ich hin, die Schuhe will ich optimal nutzen und es nicht bereuen. Der hohe Anteil langer Läufe ist auch zu sehen – und dann eben noch die fünf Kilometer Wettkampf in Ötigheim mit neuem Personal Best von 19:09.

Angesichts des Wetters dominierte beim Radfahren der wetterfestere Red Flash, aber für November ist das Viertel an Kilometern auf dem Green Scooter Killer immer noch bemerkenswert. Dass die meisten Kilometer auf dem Rad auf dem Weg zur Arbeit passierten, sei es auf Dienstreise oder zum Büro, sagte ich ja schon weiter oben.

Und dann ist da noch was… ich bin in meinen Trainingsplan für Mannheim eingestiegen. Eine Intervall-Einheit musste ich wegen Erschöpfung auslassen, aber ansonsten läuft’s. Es sind noch nicht alle Details des Plans für die Vorbereitungsphasen 2 und 3 ausgefüllt, aber der erste Teil steht und läuft seit 31.10.:

Stay tuned!

[KuK] Same-same, but different – and better!

Meine „Lebenskilometer-Ziel-Diagramme“ zeige ich ja öfter. Erdumrundung mit allen Aktivitäten, Erdumrundung mit dem Fahrrad, läuferisches Erdumrundung und der Weg zum Mond… natürlich jeweils in einer gewissen Abstraktion, da ich nicht wirklich um den Äquator der Erde renne oder radle und auch nicht wirklich ein Tret-Raumschiff besitze.

Nun habe ich aber – zur Feier der ersten Erdumrundung zu Fuß, per Rad, mit Schwimmen und Skates zusammengenommen – diese Diagramme geupdatet. Im Hintergrund wurde die Auswertung in ein anderes Tabellenblatt umgelagert, um Wartung zu erleichtern. An der Oberfläche kamen zwei (eigentlich drei) Dinge dazu:

  1. Die erwartete Ankunftszeit auf dem Mond (Expected Time of Arrival, ETA): Ich nehme die letzten elf vollen Monate, summiere die Kilometer, teile durch die Zahl der Tage in diesen elf Monaten und erhalte so eine Art „Momentangeschwindigkeit“. Durch diese teile ich die noch verbleibende Restdistanz zum Mond und erhalte so die Restdauer meiner sportlichen Raumfahrt zum Erdtrabanten in Tagen. Diese addiere ich auf das heutige Datum und – voilà – erhalte meine ETA. Ich hoffe, wenn die Effekte des Erholens von der Borreliose (ist über den vergangenen Dezember noch in der Berechnung), der Erkältung im Februar und Corona wie auch Fingerbruch raus sind, wird mein erwartetes Aufschlagen auf dem Mond auch wieder ein bisschen vor dem fünften Juli 2056 prognostiziert.
  2. Bei der Beschriftung habe ich mich von der „Jahresziel-Tabelle“ gelöst, denn Erdumrundungen, Mondflug und auch das Durchschwimmen des Atlantiks (hier nicht dargestellt) sind keine Ziele für ein Jahr.
  3. Zu guter letzt – als winziges, aber wichtiges Detail – habe ich die Prozent- bzw. Promille-Darstellung in den Diagrammtiteln von Runden auf Abrunden umgestellt. Wenn ich 400 Kilometer geradelt bin, habe ich eben noch nicht 1% des Erdumfangs von 40075 erreicht, sondern geringfügig weniger. Bisher zeigte mein Diagrammtitel bereits an 201 Kilometer über dem vorigen vollen Prozent das nächste an. Das fand ich unlauter. Also habe ich es geändert. Somit gibt es auch bei den über das angezeigte Promille hinaus erreichten Kilometern der Reise zum Mond auch keine negativen Zahlen mehr – im Bild darstellt habe ich 104 Promille bis zum Mond erreicht und bin schon 295 Kilometer weiter.

Der (in den Diagrammen nicht dargestellten) Vollständigkeit halber sei gesagt: Gerechnet von Dezember 2021 bis Oktober 2022 betrug meine durchschnittliche Geschwindigkeit etwa 28 Kilometer pro Tag.

Tour de Fachberater

Eine harte Woche steht kurz vor dem Abschluss. Ich hatte eine ganze Woche Fortbildung, diese fand zwar nicht allzu weit von daheim, nicht allzu viel weiter von daheim als das Büro statt, aber satte zehn Kilometer mehr sind satte zehn Kilometer mehr Anfahrt – von 40-50 Kilometern an Bürotagen komme ich da dann auf 60-70 Kilometer je Fortbildungstag. Da es eine Präsenzveranstaltung ist, ich im normalen Arbeitsalltag aber ein bis zwei Tage Homeoffice mache, ist’s nochmal ein bisschen mehr Radfahren mehr als normal.

Dazu kommt, dass ich nach meinem Riesenproblem mit der spät erkannten Borreliose im dritten Quartal letzten Jahres und wegen meiner chronisch entzündlichen Darmerkrankung meine Arbeitszeit auf 80 Prozent reduziert habe – die Fortbildung aber eine „Vollzeit-Äquivalent-Veranstaltung“ ist. Achteinhalb Stunden Fortbildung (freilich mit Pausen, in denen aber auch Gespräche mit Kursleitung, Vortragenden und anderen Teilnehmern zum Thema der Fortbildung stattfinden), drei Stunden Radfahren am Tag, während ich sonst sechseinhalb Stunden Arbeit, eine halbe bis ganze Stunde mehr oder minder arbeitsfreie Mittagspause und zwei Stunden Pendel-Radfahrt habe.

Das merkt man. Es ist schon ein ganz schönes Brett, fünf Tage in der Woche elf bis zwölf Stunden unterwegs zu sein, davon drei auf dem Fahrrad und über acht mit Aufmerksamkeit auf ein spannendes Thema. Der Kurs ist nämlich die Ausbildung zum Fachberater im Strahlenschutz, also das Lernen der Hilfsmittel, die man hat (und braucht), wenn man den Katastrophenschutz im Falle eines kerntechnischen oder Strahlenschutznotfalls berät. Ich hoffe, das Wissen nie in der Praxis anwenden zu müssen, und bin da eigentlich auch recht zuversichtlich, aber im Zweifel ist es besser, ganz genau zu wissen, was man zu tun hat – und es auch immer mal wieder zu üben. Ich habe in diesem Bereich nun schon mehrere Schulungen genießen dürfen, teils zu neuen, elektronisch gestützten Hilfsmitteln für den Fachberater, nun zu der Papier-Version, die auch funktioniert, wenn man keine elektronischen, vorverarbeiteten Informationen höherer Stellen erhält.

Und so bin ich glücklich über diese anstrengende Woche, die zwar eigentlich nur aus Schlafen, Radfahren, Lernen und Üben, Essen und wieder Schlafen (Trinken natürlich immer zwischendurch) bestand. Auf Dauer könnte ich das nicht, aber so war es interessant, lehrreich, anstrengend und auch schön – sowohl der Kurs als auch der erhöhte Radfahranteil an meiner Woche.

[KuK] Einfach so: Zwischenstand

Es geht voran – noch 108 Kilometer bis zum Radfahrziel für dieses Jahr (unter Berücksichtigung der durch Erkältung, Corona und Fingerbruch ausgefallenen Tage). Noch 365 Restkilometer zu laufen dieses Jahr, unter den genannten Bedingungen.

Und noch unter 379 Kilometer, bis ich den Erdumfang von etwas mehr als 40.000 Kilometern das erste Mal mit muskelbetriebenen Fortbewegungsarten (Laufen, Radfahren, Schwimmen, Spazieren, Skaten…) absolviert habe. Zum Mond ist es aber noch weit.