Symbiose-Phantasie

Kennt Ihr die Trill aus Star Trek? Für diejenigen, die hier ein „Nein!“ gegenüber ihrem Bildschirm äußern oder ihren Kopf zu einem Fragezeichen verformen: Die Trill sind eine symbiotische Spezies – oder eher zwei Spezies, die teils in Symbiose leben, innerhalb des Star Trek Universums. Sie bestehen aus einer menschlich anmutenden „Wirtsrasse“ und den wurmähnlichen, langlebigen Symbionten, die im Bauchraum des Wirts leben, mit dem Wirt verbunden sind und auch seinen Geist beeinflussen. Beim ersten Auftritt der Trill in „The Next Generation“ wurde dem Wirt die Persönlichkeit des Symbionten aufgeprägt. Als man dann in „Deep Space Nine“ eine Trill als Hauptcharakter einführte, nämlich Jadzia Dax, änderte man das Konzept etwas: der langlebige Symbiont und der Wirt verschmolzen bei der Vereinigung zu einer ganz neuen Persönlichkeit mit Komponenten und Talenten des Wirts und des Symbionten.

Star Trek spielt an dieser Stelle mit Geschlechtswechseln und auch damit, ob die neue Symbiose aus Wirt und Symbiont für Taten des früheren Wirt-Symbionten-Duos verantwortlich gemacht werden kann – benutzt das Ganze also (wie so oft) als Vehikel, um in plakativer, aber codierter Weise Fragen zu stellen, die uns auch sonst moralisch umtreiben oder umtreiben könnten. Ich für meinen Teil fand die Idee eines Wurms oder einer anderweitigen Lebewesens, das sich mit dem Hirn verbindet, ein bisschen komisch. Dann kam mir aber die Idee mit den Einzellern, den „Yrr“ aus Frank Schätzings „Der Schwarm“. Und so ergab sich eine symbiotische Spezies, die in Form von auf dem Genom Information speichernden Einzellerkollektiven Wesen übernehmen kann – und von Wirt zu Wirt wechseln kann. Mit auf dem Genom gespeicherter Information ist so ein Einzellerkollektiv, das sich in einem menschenähnlichen Wirt einnisten, sich in Persönlichkeit mit ihm verbinden oder ihn ganz übernehmen kann, virtuell unsterblich – selbst wenn nur eine Zelle überlebt, die sich dann wieder teilen kann …

Die folgende Szene spielt auf einem Kloster im Gebirge, einem Kloster einer meditativen Religion des Wirtsvolkes der Einzeller-Kollektiv-Symbionten, und sie illustriert so ein bisschen, wie ich mir das mit den Symbionten vorstelle. Es ist etwas länglich geworden und beschreibt den Übergang eines Symbionten mit Hilfe einer Trägerin eines Symbionten in einen neuen Wirt. Vielleicht … naja … vielleicht illustriert es was. Und vielleicht gefällt’s ja jemandem von Euch!

Es ist ein heller Saal, der Boden besteht aus geschliffenem, unversiegeltem Holz, ist also eher „weich“ und warm. Die Wände sind weiß lackierte Geflechtmatten aus Reisig oder Reisstroh oder so etwas, an einigen Stellen hängen tiefblaue, rechteckige Vorhänge mit goldener Zeichnung drauf – die Farben von Zhiang: Weiß für die Leere, Blau für die Ruhe und Gold für den hellen Erleuchtungsweg. Die Wand gegenüber dem Eingang existiert nicht, ein Geländer und Säulen bilden hier ein breites Panorama-Fenster über fast die volle Höhe des Saales und die gesamte Breite. Draußen sind Wolken zu sehen, die bis knapp unter die Kante des Raumes wogen, gegenüber ist ein teils von Schnee bedeckter, graufelsiger Steilhang zu sehen, wohl ungefähr vierzig Meter vom Raum entfernt. Ein leicht goldener Schimmer der scheinenden Sonne liegt auf den Wolken.

In der Mitte des Saales liegt eine Vertiefung, in die man mit zwei Stufen hinunter gehen kann, auch hier besteht der Boden aus dem geschliffenen Holz. Hinter der Vertiefung geht es noch eine Stufe nach oben – der zu der breiten Fensterfront hin liegende Boden liegt eine Stufe höher als der Bereich des Einganges. Im Raum halten sich einige Männer und Frauen in blau-weiß-goldenen Kleidern auf – die Männer in armfreien Roben, die an buddhistische Mönche erinnern (nur eben in anderer Farbe), die Frauen tragen etwas, das an Saris erinnert. Auffällig sind zwei Leute in dieser Kleidung – ein Mann und eine Frau – die einen alten Mann in schlichter, grau-weißer Robe stützen und links der Senke in der Mitte des Raumes in Richtung des Fensters führen.

Rechts der Senke im Raum, allerdings schon auf der erhöhten Fläche in Richtung der Fensterfront, kniet ein Mädchen in weißem Gewand, sie schaut in Richtung des Fensters und wirkt völlig in sich versunken. Eine nervös wirkende, etwas ältere Frau steht einige Meter hinter ihr auf der unteren Ebene, sie trägt ein weißes, knielanges Kleid und hat die Hände vor dem Bauch ineinander geschlungen. Sie wirkt sehr nervös. Vor dem Fenster sprechen eine Frau in blau-weiß-goldenem Gewand mit einigen, kleine roten und schwarzen Symbolen auf dem Stoff und eine Frau in rotem Sari mit einigen blau-weiß-schwarzen Symbolen auf dem Stoff leise miteinander, die im roten Gewand wirkt besorgt, während die andere ruhig und gefasst aussieht.

Der alte Mann kniet sich nun, gestützt von seinen Begleitern, links der Senke im Raum auf die obere Ebene. Die beiden Begleiter bleiben bei ihm, treten aber ein kleines bisschen von ihm zurück. Nach ein paar Minuten wird der Atem des Mannes ruhiger und er schließt die Augen. Er wartet zuerst noch merklich, doch dann scheint er in Meditation zu fallen. So vergeht eine ganze Weile, in der der goldene Glanz auf den Wolken draußen etwas intensiver wird und gleichzeitig der etwas feuchte Eindruck der Luft im Raum etwas verschwindet.

Dann, nach wohl ungefähr zwanzig Minuten, tritt die Frau in blau-weiß-gold mit wenig rot und schwarz nach vorne, die andere in Rot folgt ihr leicht versetzt. Die Frau bleibt stehen, als sie zwischen dem knienden alten Mann und dem Mädchen ist, auf der oberen Ebene des Raumes, direkt vor der Senke im Raum. Vor ihr geht es drei Stufen nach unten in die Senke, in der sich aber außer einer Geflechtmatte im Moment nichts und niemand befindet. Sie beginnt, einige Worte zu sagen, die aber in einem festen, offenbar genau festgelegten Rhythmus und einer genau festgelegten Betonung kommen. „Ein Leben neigt sich zum Ende. Ein Leben erblüht. Wir sind bei beiden, wir sind der Anfang, das Ende. Dies ist der Übergang. Der Übergang von Catyin.“ Nur der letzte Begriff, der Name, scheint nicht zum ritualisierten Wortlaut zu gehören.

Sie lässt die Worte wirken und bleibt noch einen Weile so stehen. Ihre Augen schauen nicht die Menschen an, die im Raum sind, sie schauen irgendwo an die Wand über der Tür, doch sie scheinen nicht darauf zu blicken, sondern in weiter Ferne scharf gestellt zu sein. Ob die Frau ihre Umgebung überhaupt wahrnimmt, niemand kann es so genau sagen. Nach einer ganzen Weile verneigt sie sich leicht, tritt etwas zurück und hinter das Mädchen. Sanft und von dem Mädchen unterstützt dreht sie das Mädchen in ihrem knienden Sitz zur Seite, so dass sie nun zur Raummitte blickt. All das geschieht sehr langsam, und genau so langsam dreht sie dann auch den alten Mann, ebenfalls mit dem Gesicht zur Raummitte. Während dessen spricht niemand im Raum, nur selten ist das Rascheln von Stoff zu hören.

Schließlich kommt die Frau, die gesprochen hat, wieder in der Mitte zwischen dem alten Mann und dem Mädchen zu stehen. Sie verneigt sich, in Richtung der Senke und damit der meisten anwesenden Leute, dann verneigt sie sich in Richtung des Fensters. Sie löst eine Spange aus dem Stoff, der über ihre Schulter geschlagen ist, und reicht diese der Frau in Rot, die noch immer fensterwärts steht. Diese verneigt sich und zieht sich zum Fenster zurück, nicht ohne einen besorgten Blick auf die Leiterin des Rituals zu werfen. Schließlich verneigt sich die Sprecherin noch einmal in Richtung des alten Mannes – und dann ein weiteres Mal in Richtung des Mädchens. Beide scheinen es nicht zu bemerken, ihre Augen sind geschlossen, auf den Gesichtern steht ein indifferentes Lächeln.

Die Frau lässt sich langsam und bedächtig nieder, setzt sich auf ihre Fersen. Ihr Blick geht in Richtung der Tür, und ihre Augen sind dabei geschlossen. In etwa Armeslänge von ihr, zu ihrer rechten, sitzt der alte Mann, etwa genauso weit weg zu ihrer linken das Mädchen. Sie spricht leise, als sie sagt: „Kommt. Dies ist der Übergang. Euer Übergang.“ Die beiden rücken mit konzentrierten Bewegungen, ohne die Augen zu öffnen, näher heran. Als sie die leicht abgestreckten Hände der Meisterin zwischen sich spüren, halten sie inne. Nach einigen Augenblicken treten jeweils ein Mönch in blau-weiß-gold hinter die beiden Knienden, die Frau in Rot tritt noch einmal hinter die Meisterin.

Zeitgleich und ohne ein Geräusch lösen die Stehenden den Stoff von den Schultern der drei Knienden, bei den Frauen freilich nur den über die Schulter geworfenen Stoff. Der alte Mann sitzt mit entblößtem Oberkörper da, der Stoff der Robe liegt auf seinen Knien, bei den beiden Frauen liegt das gelöste Stück Stoff in eine Spirale gelegt vor den Knien, sie tragen enge, kurzärmelige und bauchfreie Wäsche darunter. Dann ziehen sich die drei Stehenden wieder weit von den Knienden zurück.

Wieder vergeht einige Zeit, in der nichts geschieht. Lediglich die Konzentration der drei Knienden wird merklich intensiver, gewinnt eine fast schon körperliche Qualität. Ein Geruch von immergrünen Bergbüschen scheint die Luft des Saales zu erfüllen. Und dann, ganz langsam, tastet die rechte Hand der Meisterin auf den entblößten Bauch des alten Mannes. Sie bewegt sich langsam, vorsichtig, und sehr behutsam. Erst, als ihre Hand fast fünf Minuten still lag, beginnt ihre linke sich zu bewegen – und auf den Bauch des Mädchens zu tasten. Auch hier scheint es lange, sehr lange zu dauern, bis die behutsam geführten Bewegungen ihr finales Ziel finden. Und dann verharrt sie wieder für einige Minuten still. Das Mädchen und der alte Mann haben unter den Berührungen leicht gezittert, werden nun aber wieder völlig still.

Ganz langsam scheint sich ein Geruch wie von Blüten im Raum auszubreiten, und so langsam, dass man es zuerst nicht bemerkt, bildet sich ein leichtes Leuchten auf den Händen der Meisterin aus – und dann scheinen ihre Hände leicht in die Bäuche der beiden anderen Knienden einzusinken. Im Raum ist es so still, dass das heftigere Einatmen der Mutter und einiger weiterer Anwesender hörbar, fast schon laut wirkt. Auf der Haut der Meisterin bildet sich Schweiß aus … und dann wird das Leuchten wieder stärker, das Leuchten auf den Händen der Meisterin. Plötzlich, erstaunlich schnell in der sehr langsamen Bewegung des Rituals, rinnt in schmalen, metallisch wirkenden Tropfen und Fäden etwas durch die Haut des Alten auf die rechte Hand der Meisterin.

Die leuchtenden Tropfen und Fäden strömen den Unterarm hinauf, breiten sich immer mehr auf dem Unterarm aus, dann dem Ellbogen, danach auch auf dem Oberarm der Meisterin. Der Geruch von Blüten wird intensiver, viel intensiver, und die Haut der Meisterin rötet sich erhitzt, Schweiß läuft über ihren Körper, ebenso schwitzt der alte Mann in einer gewaltigen, übermenschlichen Anstrengung. Als die metallische, leuchtende Flüssigkeit unter dem bauchfreien Oberteil der Meisterin eindringt, und dann leuchtend-metallische Fäden auf ihr Dekolleté und ihren Bauch zeichnet, weiter vordringt und dem linken Arm zuströmt, beginnt auch das Mädchen schwerer zu atmen, erhitzt zu wirken. Der Nachstrom an metallisch-leuchtender Flüssigkeit auf der rechten Hand der Meisterin wird zunehmend spärlicher, die Fäden von strömender Flüssigkeit dünner.

Der Kopf des Mannes sinkt ein Stück nach vorne, er wirkt sehr erschöpft, seine Lider flattern, während die Meisterin leicht den Kopf nach hinten senkt, und die ersten leuchtend metallischen Tropfen in den Bauch des Mädchens eindringen. Es dauert endlose Minuten, in denen immer wieder verirrte Fäden und Tropfen des leuchtenden Materials den Weg auf den linken Arm der Meisterin finden – und schließlich allesamt in den Bauch des Mädchens eindringen. Die Meisterin lässt den Kopf noch etwas mehr nach hinten sinken, ihre Züge wirken angespannt, während das Mädchen von Zuckungen, von Krämpfen geschüttelt wird, aber ihren Bauch nicht von der Hand der Meisterin löst. Nach einer Weile wird das Mädchen ruhiger, und der Geruch der Blüten lässt merklich nach. In der Leere, die dieser Geruch hinterlässt, ist der Körpergeruch der drei erhitzten, knienden Menschen deutlich zu spüren.

Noch einige Minuten halten die drei ihre Position, dann zieht die Meisterin vorsichtig und sehr langsam ihre Hände zu sich. Beide, das Mädchen wie auch der alte Mann, versuchen, ihre Haut in Kontakt mit der Hand der Meisterin zu belassen, doch die Meisterin zieht ihre Hände langsam, aber stetig zurück zu sich. Das Geräusch, als sich die Hand von der Haut des Mädchens löst, trägt beider schweißnasser Haut Rechnung. Der Mann hält länger den Kontakt – und dann löst sich mit einem ebenso feuchten Geräusch die Hand der Meisterin von der Haut des Mannes. Doch wo die Haut des Mädchens unter der Hand unversehrt war, ist die Haut des Mannes dort nass, gerötet, und nässt weiter, eine Verletzung von der Form einer Hand, die wirkt wie eine Verbrennung.

Langsam, unendlich langsam wendet die Meisterin den Kopf zu dem Mädchen, und als sie dem Mädchen zugewandt ist, entspannen sich ihre Züge etwas. Wie auf ein unhörbares Kommando kommen zwei in blau-weiß-gold Gekleidete heran und nehmen das Mädchen zwischen sich, führen sie in Richtung der Tür. Sie kann selbstständig gehen, aber sichtlich ist sie nicht Herr ihrer Entscheidungen. Nahe beim Ausgang wechselt sie ein paar Worte mit der nebenhergehenden Mutter, die diese offenbar sehr beruhigen – und dann verlassen die vier den Raum. Die Meisterin derweil dreht sich im Sitzen dem alten Mann zu. Ihre Hände greifen die Schultern des in Zeitlupe nach vorne in sich zusammensackenden Körpers.

Die Meisterin zittert stark, als der Mann seinen Kopf auf ihre Schulter ablegt und dann ein paar Worte in ihr Ohr flüstert. Dann hört das Flattern der Lider des Mannes auf und er erschlafft zunehmend – zwei weitere Mönche eilen heran und richten vorsichtig den Körper des Mannes wieder auf, um ihn dann zwischen sich zu heben. Der Mann bleibt schlaff und wird von den beiden Mönchen nach draußen getragen, seine Beine schleifen hinter den beiden Mönchen her. Und dann, ganz langsam, fällt die Meisterin auf die Seite, ihre Arme lösen sich aus der Verkrampfung und noch bevor die Frau in Rot sie erreicht, liegt sie seitlich aus der sitzenden Position hingestreckt und scheint nur zu atmen und zu zittern.

Mühsam beherrscht lässt sich die Frau in Rot neben der Hingestreckten nieder, und berührt ihre Hand – und tut erst einmal nichts weiter. Nach einer Weile tritt eine Frau in blau-weiß-rot zu ihr hin und die rot gekleidete folgt ihr, sie verlässt den Raum. Erst etwa eine halbe Stunde später setzt die Meisterin sich wieder auf. Sie bringt sich wieder in kniende Position und starrt mit leerem Blick, nunmehr zum Fenster gerichtet, hinaus. So findet auch die rotgekleidete die Meisterin vor, als sie Stunden später wieder kommt – und als sie die Meisterin sanft an der Schulter berührt, lächelt die Meisterin sie an und steht, merklich erschöpft, auf. Halb auf die rot gekleidete, die beruhigt wirkt, verlässt die Meisterin den Meditationssaal.

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Redaktionsausflug der Highway Tales zum Campus Run nach Stuttgart

Heute wurde der vierte Campus Run der Universität Stuttgart ausgetragen. Für mich war es die fünfte Teilnahme – die fünfte, fragt Ihr, bei vier Austragungen? Ja, im ersten Jahr wurden Sechser und Zwölfer nicht parallel ausgetragen und ich lief zuerst für mich den Zwölfer und dann den Sechser mit einer Kollegin.

Der Campus Run geriet aber auch zum Redaktionsausflug der Highway Tales – denn der von seinem hartnäckigen Husten genesende Holger und auch Manuel waren dabei, beide gehören ja zum Team. Für mich begann der Campus Run bereits kurz nach Mittag in Karlsruhe, als ich meinen Nachmittag Arbeitszeitausgleich antrat und zum Hauptbahnhof fuhr, um mich dort mit Holger zu treffen. Dann ging es mit einem IRE nach Stuttgart und weiter an die Uni nach Vaihingen. Da ich meinen Körper in weiser Voraussicht mit Flüssigkeit gesättigt hatte, ging ich mit einem sehr dringenden Bedürfnis über den Campus in Richtung Startnummernausgabe.

Zwei Drittel der Redaktion bereit zum Laufen bzw. Walking.

Doch dieses Bedürfnis musste warten, denn als ich gerade meine Starnummer in Empfang nahm, nannte Holger neben mir die Nachnamen von Manuel und Holger … und ich so: „Was? Das musst Du mir erklären!“ Tatsächlich wurde beim Campus Run dieses Mal das erste Mal auch Walking ausgetragen und im Dienste der Rekonvaleszenz von Knie- und Hustenproblemen machten Holger und Manuel den Sechs-Kilometer-Walk mit! Das hat mich voll umgehauen! Doch dann ging ich auf Toilette und weiter ging alles recht schnell. Manuel traf ein und ließ sich mein dummes Gesicht schildern, das ich bei der Erkenntnis, dass die beiden mitliefen, gemacht hatte. Er hatte auch meinen Ex-Kollegen Abdennaceur mitgebracht, der leider nicht mitlief, aber zumindest beim Start anfeuerte. Auch eine kurze Unterhaltung mit dem Brandschutzbeauftragten der Uni hatte ich, denn mit ihm hatte ich ja lange zusammengearbeitet. Dann ging es auch schon auf die Strecke.

Zwölf Kilometer über den Campus sind es, in zwei gleich langen Runden von je sechs Kilometern. Um 16:30 starteten die Zwölfer, etwas später die Sechser-Läufer und denn die Sechser-Walker. Ich ordnete mich recht weit vorne ein, drei Jungs ließ ich noch vor, die sicher unter 50 Minuten zu laufen beabsichtigten. Die zogen auch recht rasch davon, aber ich ordnete mich schnell in einer der Verfolgergruppen der Jungs ein. Während der ersten Runde habe ich meine direkten Konkurrentinnen gar nicht gesehen, war die ganze Zeit Spitze des Rennens der Damen. Erst im Stadion sah und hörte ich, dass am Ende der ersten Runde die Vorjahres-Zweite etwa 400 Meter hinter mir kam. Im Vorjahr war ich Vierte geworden … und so rechnete ich jeden Moment damit, dass die Vorjahres-Zweite mich einholen würde. Die zweite Runde gab ich daher ordentlich Stoff, trank noch einen Schluck Wasser an der Wasserstelle bei zwei Kilometern. Dort überholte ich auch meine beiden Walker-Kollegen aus der Redaktion der Highway Tales und jubelte ihnen zu. Mit viel Druck versuchte ich, mögliche Verfolgerinnen gar nicht erst in Sichtweite kommen zu lassen, und als ich vom Gipfel der Strecke hinter dem MPA-Turm wieder Richtung Wohnheime den Abstieg begann und auf der langen Gerade keine Frau hinter mir erkennen konnte, wusste ich: Nun gilt’s, den Sieg nach Hause zu laufen. Und siehe da, ich kam souverän mit zwei Minuten Abstand als schnellste Zwölfer-Läuferin ins Ziel und brüllte erstmal meinen Jubel über den ersten ersten Platz dieses Jahr aus mir heraus.

Nach gemütlichen sechs Kilometern Walking in unter einer Stunde tauchten dann Manuel und Holger im Stadioneingang auf, die ich auf ihren letzten Metern begleitete. Sie hatten es angesichts beider Knie-Probleme und Holgers Husten langsam angehen lassen. Bei langanhaltend-asthmaartigem Husten ist Ausdauersport ja durchaus eine gute Therapie. Und so gab’s ein glückliches Bild von drei Finishern:

Die Redaktion nach absolvierten insgesamt 24 Kilometern.

Am Ende des Tages kam ich mit 50:18 rein, als Siegerin der Damen. Nach dem vierten Platz mit über 52 Minuten im vergangenen Jahr eine richtig tolle Steigerung! Die beiden Walker-Herren erreichten die Plätze sieben und acht mit 59:48, und vor allem: Bewegung, warme Luft und Sonne scheinen den Knien der beiden und dem Hals des einen gut getan zu haben!

Mittig auf dem Podium: Talianna Schmidt von den Highway Tales.

Das übliche Bild nach dem Lauf umfasst dieses Mal neben Preisen nicht nur eine, sondern drei Startnummern und drei Urkunden. Ich bin sehr froh, dass neben meinem Erfolg auch der Genesung meines Mannes Vorschub geleistet wurde – und wir einen tollen Ausflug der Redaktion der Highway Tales hatten.

Drei Startnummern, drei Urkunden, eines von drei Campus-Run-Shirts, mein Sieger-Gutschein vom Sponsor Heart & Sole sowie das Siegershirt.

Weltenbau – Side-Quest des Schreibens

Meine Zeichnung über die Abkunft verschiedener Stile des „Yaji“, einer an Zen und Yoga angelehnten spirituellen Praxis auf der Welt „Tethys“, auf der „Am Rand des Strömungsabrisses“ spielt.

Weltenbau ist so ein lustiges Ding. Viele Bücher oder auch Serien und Filme erschaffen eine Welt vor den Augen des Lesers oder Zuschauers, die manchmal ähnlich wie unsere Welt, manchmal recht fremdartig ist. Gerade in der Science Fiction und der Fantasy geht da viel, aber auch die sich in vielen Details von unserer Historie unterscheidende Welt der „Jack-Ryan“-Reihe von Tom Clancy ist eine Welt, die nicht der unsrigen entspricht.

Als ich vor langer Zeit überlegt habe, noch recht unbedarft, meiner Figur „Jenny Korrenburr“ eine Geschichte zu geben und diese zu schreiben, gab es einige Dinge zu entscheiden. Ich wollte den Realismus nicht auf die Spitze treiben – denn er hätte mich Freiheit gekostet. Zugleich wollte ich mich nicht am Realismus und meinem Perfektionismus darin messen lassen. Also habe ich die Welt Tethys geschaffen und Jennys Geschichte dort angesiedelt. Es ergab sich, dass nach einiger Zeit das junge, wütende Mädchen mit einem Affektproblem von einem Kameraden etwas lernt, das ihr hilft, ein wenig besser mit sich klarzukommen. Das war Yaji – bei dem meine Gedanken tatsächlich von Zen, von Yoga und vom autogenen Training „klauten“. Da ich das Ganze aber zuendedenken wollte, habe ich dem Yaji verschiedene Strömungen gegeben, die auch in die Kultur des Landes Arselia eingebettet sind, wo Yaji herkommt. Etliche der unzähligen Götter Arselias dienen als stilbildende Figuren der verschiedenen Strömungen … vor allem der Rabe, der Pfau, der Phönix, die Schildkröte und die Seeschlange. Eine Spezialität des Yaji ist, dass es zumeist nur von Mann zu Mann weitergegeben wird, oder von Frau zu Frau. So entwickeln sich die „Schulen“ geschlechtspezifisch unterschiedlich, vereinen sich dann aber doch wieder über Ehen, denn nur Ehepartner sind im traditionellen Arselia hinreichend vertraut, als dass die Yaji-Praxis untereinander weiterzugeben auch bei unterschiedlichem Geschlecht akzeptiert ist.

So ergeben sich genuin männliche, genuin weibliche und gemischte Traditionen, die miteinander wechselwirken und ein komplexes Netz von Abhängigkeiten bilden. Ich wollte die weibliche, seit langem sich selbst „rein“ von männlichen und nicht-Phönix-Einflüssen haltende „Urnenträger“-Tradition, deren Meisterinnen in früherer Zeit fast stets Witwen waren, und den in männliche Tradition vererbten Schildkröten-Jaripur-Stil in dieses Netzwerk einbetten und habe mir daher Gedanken darüber gemacht. So entstand das oben gezeigte Diagramm, das ich immer wieder, wenn ich Yaji in Geschichten hineinschreibe oder hineinphantasiere, für mich als Wegweiser dient. Es fiel mir beim Aufräumen unter anderen Papieren verschüttet wieder in die Hände – und da dachte ich: Das wäre doch ein Blogbeitrag …

Generation Vier

Zur Linken meine persönliche dritte Generation Altra Escalante – zur Rechten die vierte.

Ich liebe den Altra Escalante und meine Laufkilometeranteile streben in zunehmendem Maße dorthin, dass ich 50% meiner Laufleistung auf diesem Schuh verbringe. Alle meine aktuellen Leistungen und besonders die Bestleistungen habe ich auf diesem Schuh erreicht: Viermal Halbmarathon, 1:44:22 im Jahr 2017, 1:35:53 im Jahr 2018 und dieses Jahr 1:29:05 und 1:35:50. Einmal Marathon in 3:54 … und diverse Zehner, Zwölfer, Fünfzehner sowie die Badische Meile, bei den Zehnern Bestzeit 40:05 – alles auf diesem Modell. Der erste war blau mit schwarzen Bändern, dann kamen zweimal die grün-melierten und nun sind sie dunkelblau mit neongrün.

Schuhanteile – seit dem letzten Mal, dass ich diesen Kuchen gezeigt habe, ist der Escalante-Anteil gewachsen. Es haben auch schon zwei Modelle – Gen 2 und Gen 3 – dazu beigetragen.

Ich überlege oft vor Wettkämpfen, ob ich mal einen anderen Schuh laufen soll, lande dann aber doch wieder beim Escalante. Bei dem weiß ich, dass ich gut durchkomme, dass er dämpft, wenn ich das brauche, ich aber auch ganz ungeniert auf dem Ballen einen ganzen Wettkampf durchtänzeln kann.

114 Kilometer haben die dritten Escalantes nun, aber ich riskiere nicht, dass ich da eine Versorgungslücke habe. Alle meine gewonnenen Gutscheine aus dem Frühjahr habe ich Petar vom rennwerk vor die Nase gelegt, und dann meine heißgeliebten neuen Escalantes mitgenommen. „Frische Escalantes, einfach ein Traum!“ Das habe ich bei den dritten gesagt und bei den vierten – fast wortgenau exakt – wieder. Andere Schuhe haben es bei mir schwer, da probiere ich auch mal rum. Die hübschen Brooks Launch, die ich im Moment als Indoor-Schuhe benutze, könnten ein Standard werden. Der Saucony RideIso vielleicht auch, aber bevor ich den RideIso wieder kaufe, probiere ich nochmal den Mizuno WaveShadow aus.

Aber nichts ist so „Escalante“ wie der Escalante.

Fazit: Laufen KW28

In der Kalenderwoche 28 bin ich wiederum gelaufen, eine Menge gelaufen. Tatsächlich war nur der Freitag lauffrei. Ich habe auch einen neuen Rekord aufgestellt – allerdings nur an Schritten. Bisher lag ich in der Woche mit den meisten Schritten bei 188.223 Schritte, diese Woche waren’s 189.041 Schritte. Somit war wenigstens das „rekordverdächtig“.

Ansonsten landete ich bei 112,20 Kilometern, davon einmal 32,7 Kilometer am Sonntag – am Stück. Sprich: Ein langer Lauf für’s Marathon-Training war dabei. Ebenfalls recht weit gelaufen bin ich am Mittwoch – insgesamt knappe 32 Kilometer, allerdings auf dreimal: Mittagspause, von der Arbeit zum Fitnessstudio und dann vom Studio nach Hause. Dazu gab es ein hartes fünf Mal 950 Meter Intervalltraining.

Man könnte sagen, es läuft – zumal ich mit allem drum und dran bei einem Pulsdurchschnitt von unter 150 war, obwohl hartes Intervalltraining dabei war. Ich stehe nun bei 1985 Kilometern in diesem Jahr und 195 Kilometern diesen Monat. Somit stehen die Zeichen auf „Leistungssteigerung“, denn das Training, nunmehr konsequenter als noch vor wenigen Wochen, schlägt tierisch an, das spüre ich deutlich. Insbesondere war der „lange“ am Sonntag länger, schneller und niederpulsiger als der eine Woche vorher.

Die anstehenden Wettkämpfe sind: Zwölf Kilometer nächsten Donnerstag, Halbmarathon Mitte August und Marathon Ende September. Ich bin auf Kurs!