Die dunkle Seite

Achtung: Am Ende dieses Beitrages gibt’s ein Bild meines leicht verletzten Unterschenkels.

Ich habe vor über zwanzig Jahren nach einem schweren Unfall das Radfahren aufgegeben. Nun radle ich wieder – und will mich von kleinen Unfällen nicht unterkriegen lassen, große aber vermeiden. In den vergangenen acht Monaten bin ich über 3900 Kilometer geradelt und hatte dabei drei Vorfälle…

Der erste war einer, der mir sehr unangenehm war: Ich schaute an einer Straße nach rechts und links, bevor ich die Fahrbahn queren wollte. Ich schaute wirklich! Mein Mann hinter mir sah’s. Was ich nicht sah, war die Radlerin, die auf der Vorfahrtsstraße von links kam. Zum Glück ist ihr nicht viel passiert, auch ihrem Rad nicht. Es blieb das dumme Gefühl, geschaut und trotzdem nichts gesehen zu haben. Der zweite fand im Stand statt, vor der Apotheke beim Absteigen vom Mountainbike kollidierte mein Schienbein mit dem Krallenpedal, dass es wochenlang zum Heilen brauchte – ein gereizter Fleck ist da noch immer.

Der dritte Vorfall passierte heute: Ich fuhr einen Berg in der Stadt hoch, wollte – bei völlig freier Umgebung nach Überholen von zwei anderen Radlern, auf die ich gut Abstand hatte – auf den Radweg parallel zur großen Straße. Dort ist der Bordstein für den Radweg etwas abgesenkt – aber halt nur auf einem gewissen Bereich. Ich fuhr zu weit rechts und mein Vorderrad rutschte nach links ab, ich kam aus dem Gleichgewicht, kompensierte mit einem Einlenken nach rechts. Beim Abfangen war ein heftiger Moment, in dem ich dachte, es schlüge mich auf den Asphalt, doch dann bekam ich mich unter Kontrolle. Beim Haltsuchen nahm meine Wade allerdings keine Rücksicht auf das Vorhandensein des großen Kettenblatts an meinem Rennrad – und dann krachte ich mit der linken Seite des knöchernen Unterbaus meines Hinterteils auf das Oberrohr. Nix Schlimmes – eine ölverschmierte Wade, ein paar Blutstropfen, aber ich konnte weiterfahren.

Im ersten Moment war aber ganz klar: Ich war fast gefallen, ich hatte vor Schmerz geschrien. Ein wenig bestürzt hat mich, dass beide Radler, die mir nachfuhren, einfach vorbeifuhren, nicht fragten, ob alles okay sei. Auch an der Ampel danach, wo wir drei dann einträchtig auf Grün warteten, fragte keiner nach, ob es wieder ginge. Habe ich so hinter’m Berg gehalten? Keine Ahnung.

Die Streifen stammen von den Zähnen des großen Kettenblatts. Vor dem Auswaschen und desinfizieren war das alles schön schwarz von Kettenfett.

Ich bin ganz schön glimpflich davon gekommen, wenn es mich auf den Asphalt geschlagen hätte oder dergleichen… dann hätte ich sicher kein Foto der Verletzung gepostet. Ich bin übrigens ganz problemlos und nicht einmal viel langsamer als sonst noch über 12 Kilometer weit nach Hause geradelt.

[KuK] Nachtabsenkung

Unsere kleine Wetterstation im Wohnzimmer – oben rechts Innen-, unten links Außentemperaturen.

Ich mag ihn ja, den Sommer. Ich mag’s auch, wenn es tagsüber draußen heiß ist. Ich mag auch die Sonne, auch wenn ich ein bisschen aufpassen muss, meiner Haut nicht zu viel zuzumuten.

Ich sehe auch, dass es zur Zeit zu heiß und zu trocken ist, und fürchte, dass dieses „zur Zeit“ ein Zeichen einer neuen Normalität ist, in der nichts „normal“ ist – da der Klimawandel die Normalität für unsere Vegetation, Tierwelt und auch uns Menschen durcheinander wirbelt. Das macht mir Sorgen. Allerdings ist ein heißer Sommer nicht zwingend nur dem Klimawandel geschuldet – wird aber durchaus wahrscheinlicher durch die menschgemachte Erderwärmung.

Was mir allerdings ganz persönlich und ganz direkt zusetzt, ganz unabhängig von globalen Überlegungen, ist die Tatsache, dass es zur Zeit nachts nicht mehr richtig abkühlt. So habe ich die 19,9 °C auf unserem Außenfühler heute echt begrüßt. Ich fürchte, die kommenden Nächte wird’s da nicht unter 20 °C gehen. Dann kriegt man auch mit nächtlichem Lüften durch alle Löcher die Temperatur nicht mehr vernünftig runter… und dann schlafe ich schlecht.

Vielleicht bin ich doch ein Wüstentier: Tags brütend heiß, nachts gegen den Frost unter die Decke kuscheln.

Der Glastisch

In unserem Wohnzimmer steht vor dem Sofa ein Glastisch. Immer wieder verstecken sich unsere 25 unsichtbaren Mauzen unter dem Glastisch und sind der festen Überzeugung, dass man sie nicht sieht – sie verstecken sich ja unter dem Glastisch.

Die Nachbarskatze tut das auch gelegentlich, um sich dem Hinauskomplimentiertwerden zu widersetzen. Ob die Katze davon ausgeht, unter dem Glastisch nicht gesehen zu werden oder ob sie sich dessen bewusst ist, dass sie sich damit dem Zugriff entzieht, kann ich nicht beurteilen.

Ich jedenfalls habe mir heute den Kopf am Glastisch angestoßen, während ich mich für Crunches auf dem Boden zurechtlegen wollte, um während der Übung ein Video auf dem Bildschirm des Rechners meines Mannes zu sehen. Das lag nicht daran, dass der Tisch aus Glas und daher unsichtbar wäre. Es lag auch nicht daran, dass der Tisch undurchsichtig wäre – was er nicht ist. Es lag daran, dass ich hinten keine Augen habe.

Am Ende sind es doch die banalen Gründe, auch wenn es ein wirklich smarter Move ist, sich unter dem Glastisch zu verstecken.

Gedankliche Anpassungsschwierigkeiten

Seit Dezember 2019 fahre ich nun wieder Rad, seit März 2020 fahre ich regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit und seit Juni 2020 habe ich ein Rennrad.

Zuvor begann ich 2017 das konsequent trainierte Laufen, begann 2017 mit 1380 Kilometern, die ich im Jahr 2018 auf 2310 und 2019 auf 4052 Kilometer steigerte. Ebenso stiegen Wettkampfzahlen und Wettkampfdistanzen an – ein 12er und ein Halbmarathon im Jahr 2017, im Jahr 2018 schon etliche Wettkämpfe bis hin zu einem Marathon und im Jahr 2019 schließlich ein geradezu unverschämtes Feuerwerk von Wettkämpfen und Bestzeiten und guten Platzierungen…

2020 wird ein Jahr sein, in dem zwar meine Gesamtmenge an Ausdauer-Sport-Stunden hochgehen wird, das ist bereits jetzt absehbar: 378 Stunden bin ich 2019 gelaufen, mit Radeln und Laufen gemeinsam habe ich 2020 schon 353 Stunden an Rad- und Laufsport absolviert und es ist erst Anfang August. Nur mit dem Laufen, da geht es dieses Jahr nicht so voran wie im letzten Jahr. Nur 1910 Kilometer habe ich bisher, auch ob ich die 3660 Kilometer, die mit zehn Kilometern jeden Tag im Schnitt korrespondieren, dieses Jahr erlaufen bekomme, steht in Frage.

Indes, fast 3800 Kilometer Radfahren dieses Jahr wiegen sicherlich meinen Rückstand auf die „11,1 Kilometer pro Tag“ aus 2019 mehr als auf. Hilft meinem komischen Gefühl eines „Abstieges“ aber nicht. Mir ist intellektuell klar, dass ich nicht einfach meine Cardio-Trainings-Zeit verdoppeln kann. Genau das wäre nötig, um mit dem derzeitigen Verhältnis von Radfahr- und Laufzeit wieder auf die über 4000 Kilometer des letzten Jahres zu kommen. Bis zum heutigen Tag habe ich im Jahr 2020 nämlich ziemlich genau 176 Stunden Laufen und ebenso ziemlich genau 176 Stunden Radfahren hinter mich gebracht.

Klar, ich habe mir von vorne herein klar gemacht, dass die beständige Steigerung der Laufstrecke und der Zeiten, die ich beim Laufen verbringe, von 2016 bis 2019 nicht unbedingt anhalten würde. Ich habe mir auch von vorne herein klar gemacht, dass das Radfahren ebenfalls Training ist, dass ich also von meinem Zeitkontingent ebenso wie von meinem Kraftkontingent her beim Laufen Abstriche zu machen haben würde, wenn ich auch viel Radfahre. Und dennoch fühlt es sich wie ein Versagen an, dass eventuell sogar die „Zehn Kilometer im Schnitt pro Tag des Jahres“ im Jahr 2020 unerreichbar bleiben werden. Völliger Quatsch, aber darum scheren sich Gefühle nicht.

Da bin ich mal sehr gespannt, ob ich meine Gedanken, mein Gefühl für das Ganze, bis zum Jahresfazit in fünf Monaten herumreißen kann. Schön wäre es, bis dahin auf 3000 Kilometer Laufen zu kommen. Realistisch ist, dass ich dieses Jahr bis zu 10.000 Kilometer aus eigener Kraft zurücklegen werde – Laufen und Radeln gemeinsam. Vielleicht hilft das, dieses komische, dumme Gefühl in den Griff zu bekommen und zu begreifen, dass Radfahren eine herrliche Trainingsergänzung ist, die mich Wege, die laufend zurückzulegen logistisch schwierig oder unmöglich ist, auch für Training nutzen lässt. Wenn die Radlerin und die Läuferin nicht nur nach Kilometern, sondern auch nach Zeit nicht mehr miteinander konkurrieren, dann habe ich das geschafft.

Ach, das wird schön, wenn es so weit ist.

Hybrid-Dienstreise

Die Strecken meiner „Hybrid-Dienstreise“, zumindest die mit dem Fahrrad.

Wie vorgestern schon angerissen, habe ich gestern Außentermine mit dem Fahrrad und der Bahn erledigt. Mit der Bahn allein wäre das nicht möglich gewesen – denn die beiden Termine, die ich hatte, waren doch ein ganzes Stück auseinander. Also brauchte ich ohnehin ein Fahrrad – und konnte mir somit den Transfer zu Fuß zum Bahnhof in unserem Ort und per S-Bahn nach Karlsruhe sparen. Nur die vollen 50 Kilometer von Zuhause zum Zielort, die wollte ich nicht am Morgen vor dem Termin radeln. Daher wurden es 22 km zur Bahn, ca. 25 km mit der Regionalbahn und 5 km von der Bahn zum ersten Termin, dann nochmal in der Mittagspause in zwei Abschnitten 5 km zum zweiten Termin – und schließlich fast 55 Kilometer nach Hause.

Die einzige Alternative, wie die Termine schaffbar gewesen wären, wäre mit dem Auto gewesen. Mit halbwegs guter Erreichbarkeit mittels ÖPNV wäre mir das als Verschwendung vorgekommen – und so war das Rad in Verbindung mit dem ÖPNV doch die effizienteste Alternative.

Ich muss gestehen, etwas skurril fühlte es sich schon an, eine Dienstreise mit dem Fahrrad zu machen. Das habe ich zwar schonmal gemacht, da ging es aber um „nur“ zehn Kilometer vom Büro aus, und das fühlte sich nicht ganz so verrückt an. Ich weiß allerdings gar nicht, WARUM es sich so verrückt anfühlen sollte, denn ich hatte all mein nötiges Zeug dabei: die fraglichen Dokumente, Wegbeschreibungen, persönliche Schutzausrüstung, Wechselklamotten (Radsachen und „gute“ Kleider für die Interaktion mit denen, die ich besuchte). Es ist nur so unglaublich „drin“, dass man Dienstreisen mit dem Auto macht, schon bei Dienstreisen oder Dienstgängen mit dem ÖPNV denke ich manchmal: „Hmm, das ist super-komfortabel, ökologisch sinnvoll und nicht falsch, warum fühlt es sich dann so an, als würde ich was Skurriles tun?“ Beim Radeln zu Terminen ist das noch ausgeprägter.

Wahrscheinlich geht es nicht nur mir so. Freilich, mit dem Rad da anzukommen, die vom Helm zerzausten Haare zu kämmen und zusammenzubinden und irgendwo zwischendrin von sportlich nach seriös zu wechseln, in der Klamottenhülle, das ist ungewohnt. Zumindest aber, wenn es um geistige Arbeit geht – egal, ob nun behördliche wie bei mir oder Beratertätigkeit – ist nicht viel zu transportieren, das schwer oder unhandlich wäre. In diesem Sinne: Das mache ich mal wieder! Man lernt ja mit der Zeit auch dazu, wie man „trotz des Radelns“ das professionelle Auftreten beim Außentermin noch mehr optimieren kann.

Nach nunmehr 87 Gesamtkilometern gestern, zwei mehrstündigen Außenterminen und einer kurzen Pause dazwischen war ich allerdings brotfertig und freute mich sehr auf mein Bett. Mental fertig bin ich aber ohnehin nach Terminen in fremder Umgebung, wo man auf so viel achten und sich auf neue Leute einstellen muss – und das habe ich mit dem Rennradfahren nach Hause fast schon weggesportelt gehabt. Radfahren und Laufen lüften einfach den Kopf ganz schön aus!

Fazit: Der Sport-Juli

Einunddreißig Tage, davon drei Wochen Urlaub mit zwei Wochen außer Haus. Der Juli war ein Monat, in dem mein Leben anders verlief als sonst, eben weil es mein großer Jahresurlaub war, der vollständig im Juli lag. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf meine sportlichen Aktivitäten.

Das Wettrennen

Die Radlerin und die Läuferin haben sich mal wieder ein etwas knapperes Rennen geliefert als die Monate zuvor. Erst seit Dezember fahre ich wieder Rad, aber seit März hatte die Läuferin (also das laufende Ich) keine Chance mehr, mehr Kilometer im Monat abzuspulen als die Radlerin (also das radelnde Ich). Auch diesen Monat hat die Radlerin das Rennen um die längste Gesamtstrecke im Monat gewonnen. Aber es war knapper als in jedem der Monate, in denen die Radlerin bisher gewonnen hat – nicht einmal 80 Kilometer Vorsprung hatte das radelnde Ich:

Die Endstände des Wettkampfes um die meisten Kilometer im Monat zwischen der Radlerin und der Läuferin.

Mit 444 Kilometern hat die Radlerin erst durch die 200 Kilometer in der ersten Arbeitswoche nach dem Urlaub, die zugleich die letzte Juli-Woche war, die 368 Kilometer der Läuferin schlagen können. Die Läuferin beantragt gerade, dass ich künftig vier statt drei Wochen Urlaub machen soll, und ich neige, ihr zuzustimmen – aber woher nehmen und nicht stehlen?

Die Radlerin

Insgesamt ging das Tempo im Juli ein bisschen zurück, ich fuhr also im Mittel etwas langsamer als im Juni, aber immer noch schneller als in allen Monaten vor dem Juni 2020. Das sollte auch so sein, schließlich sollte das tägliche Fahren zur Arbeit auch was bringen. Die Gesamtstrecke ging etwas herunter, da ich im Urlaub nicht mehr meine täglichen 41-42 Kilometer zum Büro und nach Hause hatte – und auf der Reise hatte ich auch kein Fahrrad dabei. Dennoch kamen ein paar Kilometer zusammen…

Meine Kuchendiagramme mit dem Typus der Fahrt und den benutzten Rädern musste – oder durfte – ich jeweils ein wenig erweitern. Ich habe die Summen der Strecken der verschiedenen Fahrttypen und der verschiedenen benutzten Räder auf Juli eingeschränkt:

Im Juli kam in meiner Datei das „Multisport-Event“ dazu, denn ich hatte einmal einen Trainings-Duathlon absolviert: Erst neun Kilometer laufen, dann 27 Kilometer Radfahren, schließlich wieder neun Kilometer laufen. Theoretisch würde auch sowas wie ein Triathlon in dieser Statistik auftauchen, wenn ich das machen würde. Tue ich ja aber bekanntlich nicht! Außerdem hatten wir in Bensersiel Räder geliehen, mit denen wir zwei Ausflüge mit insgesamt 21 Kilometern absolvierten. All das zeigen die Kuchendiagramme – naja, zumindest die Summen davon.

Die Läuferin

Im Juli kam die Läuferin mit Macht zurück. Nach dem verletzungsbedingten Quasi-Ausfall des Aprils, dem recht dürren Mai und dem allmählich wieder anfahrenden Juni ist die Läuferin im Juli wieder da gewesen. Nicht zuletzt die herrlichen Wege im Urlaub im Mittelrheintal und in Bensersiel ließen die Läuferin so richtig an die Luft:

Was man nicht so richtig sieht, in den Summen: Ich bin auf einigen meiner Läufe insbesondere im Urlaub Abschnitte gelaufen, auf denen ich verdammt schnell war. Unter anderem waren Abschnitte von 1,5 bis 2,6 Kilometern dabei, die ich in einem Tempo von unter vier Minuten pro Kilometer, also mehr als 15 Kilometern in der Stunde absolvierte. Besonders stolz bin ich auf die 3:45/km, also knappe 16 km/h, die ich mehr als 1500 Meter auf der für den Verkehr gesperrten Umgehungsstraße von Bensersiel durchhielt. Dazu kam allerdings auch, dass der Juli der Monat der Läuferin mit den meisten Höhenmetern war – über 2000 kamen zusammen, da ich am Mittelrhein immer wieder die Hänge hoch- und wieder runterrannte, einen Tag vor- und zwei Tage nach dem Urlaub an der See.

Auch die Kondition kommt wieder zurück, was sich in einer Reduktion der Herzschläge pro 100 Meter gelaufener Strecke äußert – und das trotz der Höhenmeter, bei denen die Anstrengung nicht nur vom Tempo bedingt wird! Ich hoffe, der Trend setzt sich fort! Kuchendiagramme gibt’s übrigens auch für die Läuferin: Jeweils etwa ein Drittel meiner Kilometer verbrachte ich auf den Altra Escalante und auf den Fivefingers, was meinem Ziel recht nahe kommt. Für’s Tempotraining sind die Kinvara 9 gerade am ausgelatscht Werden, aber neben den Mizuno Waveshadows sind für diesen Zweck auch noch die Brooks Hyperion Tempo dazugekommen, die zusammen ein knappes Viertel meiner Strecken ausmachen. Die Trail-Strecken am Rhein bestritt ich natürlich mit geeignetem Schuhwerk – also meinen Saucony Peregrine 8 Ice+. Zudem war der Anteil an langsamen und sehr schnellen Läufen jeweils groß, die recht moderaten gab es eher weniger. Für den Moment fühlte es sich gut an, bei der Masse des Trainings insgesamt die Intensität etwas runterzuschrauben, es dafür aber etwas mehr und intensiver „knacken“ zu lassen.

Projekt „vollständigere Athletin“

Das Radfahren dem Laufen zur Seite zu stellen, hat mich schon vielseitiger gemacht, was mir wirklich gut tut. Nun kam aber noch mehr hinzu. Mir fehlt das Fitness-Studio, das ich dank Corona zuerst nicht einbinden konnte, dann wegen der Regeln dort Hemmungen hatte. Die Eigengewichts-Übungen zuhause, dafür braucht man Motivation. Also habe ich mir einen Trick überlegt, der dieses „ein bisschen was jeden Tag“ in einer Weise aufbereitet, die für mich funktioniert. Dahinter steckt die Erkenntnis: „Was ich in einem Diagramm visualisiert nachprüfen kann, dass ich es gemacht habe, mache ich auch.“ Es gibt also neue Diagramme: Das für die Kraftübungen stellt als Balken dar, wie oft ich im jeweiligen Monat zumindest eine Übung oder einen Besuch im Fitnessstudio auf die Reihe gebracht habe, die dahinterliegenden Flächen zeigen an, wie viele Übungen ich gemacht habe. Dafür habe ich jeder Übung und dem Fitness-Studio jeweils einen Wert in „Kniebeugen-Äquivalenten“ zugeordnet. Wie soll ich sagen: Es funktioniert für mich. Das andere Diagramm soll mich zum Durchziehen des Balance-Trainings auf meinem Balance-Board und zum Dehnen motivieren. Ich zeichne darin die jeweilige Zeitsumme auf, die ich auf dem Balance-Board bzw. beim Dehnen oder auf der Faszienrolle verbracht habe. Auch das funktioniert für mich!

Dass ich vor Juni keine Balance-Board-Zeiten vorweisen kann, liegt daran, dass ich da noch keines hatte. Das fehlende Dehnen ist nur eingeschränkt wahr, aber ich habe vor Juni einfach nicht darüber Buch geführt. Das tue ich nun und hoffe, dass es dadurch mehr wird!

Ganz neu ist, dass wir eine neue Waage haben. Zuvor stand da eine Waage, die mit Elektroden an den Füßen den Körperfettanteil abschätzte. Die Ergebnisse der alten Waage kamen mir komisch vor. Mit der neuen Waage und ihrem Handteil werden viel genauere und bessere Werte angezeigt, und siehe da: Die Abschätzung sieht mehr wie das aus, was mir die Körperfett-Zange suggeriert. Da die neue Waage sehr viel zuverlässiger zu arbeiten scheint, habe ich auch deren Schätzung der Muskelmasse eingebracht. Wie im obigen, linken Diagramm zu sehen, haben wir die neue Waage im Mai angeschafft. Ich werde die Werte natürlich weiter beobachten. Auf der „Haben“-Seite ist, dass ich in den letzten Monaten nicht mehr am unteren Toleranzbereich meines Wunschgewichts herumkratzte, sondern wieder im Bereich 63 bis 65 Kilogramm liege – die Muskelmasse scheint sich weiter leicht positiv zu entwickeln, das Körperfett sinkt leicht ab, stagniert aber. Bei dem, was ich erreicht habe, soll das auch so sein. Aber ich beobachte, wie schon gesagt, mal weiter.

Zu guter letzt gibt es noch die Gesamtzeit beim Cardio-Training (da sind die Zeiten auf dem Balance-Board, beim Krafttraining und beim Dehnen nicht dabei) – trotz des reduzierten Radfahrens im Urlaub ist diese Zeitsumme nicht runter gegangen. Auch die beim Sport verbrannte Energiemenge bleibt bei mehr als 70% dessen, was mein Körper nach Faustformeln als Grundumsatz verbrennt.

Wer bis hier gelesen hat, darf sich den Orden „Erschlagen mit Daten“ umhängen und einen virtuellen Knuddler von Statistik-Nerd Talianna verbuchen.

Ganz schön blöd…

Gestern Nacht wachte ich aus einem Traum auf. Es war kein Albtraum, kein Problem – nein, es war etwas Schönes. Es ging um Jenny Korrenburr, die schwierige Heldin, über die ich in „Am Rand des Strömungsabrisses“ geschrieben habe. Sie beschäftigt mich auch weiter, in vielerlei Hinsicht, und vielleicht wird irgendwann doch ein zweiter Teil kommen, in dem ich vieles besser machen möchte als im ersten.

Aber irgendwie war ich nach diesem Traum wach, durstig und hungrig. Ich stand also auf, mir kamen ein paar Gedanken, und die wollte ich mit meinen Notizen zu Jenny abgleichen. Ich machte also die Datei mit den gesammelten Notizen auf, begann zu lesen… und da gab es viel Fliegerei, einige neue Gestalten, die im Buch noch nicht aufgetreten sind, eine Hochzeit, Wiedersehens-Beschreibungen. Ich fand mich wohlig umarmt von dem, was ich geschrieben hatte. Klar, dass ich wieder ins Bett musste, aber ich wusste, ohne ein wenig quergelesen zu haben, würde ich nicht mehr schlafen können. Ein wenig, so zehn Minuten, oder so. Ich scrollte ein bisschen…

Es waren mehr als 75 Minuten, bis ich wieder im Bett war. Es ging nicht anders, ich weiß, dass ich nicht wieder hätte schlafen können. Entsprechend fertig war ich heute den ganzen Tag über und bin nun auf dem Sprung ins Bett. Jenny wird mich dort hin begleiten, in Gedanken, aber um vielleicht nicht wieder allzuviel eigenes Geschriebenes nachlesen zu müssen, habe ich den für mich nächsten Clancy auf dem Ebook-Reader und werde den heute anfangen, bevor ich wegdämmere.

Ganz schön blöd, wenn Geschichten einen so einnehmen.