Ungeduld

Gestern wurde unser Laufband geliefert! Ich bin voller Begeisterung – wir bekommen ein Laufband! Wir HABEN ein Laufband bekommen.

Aber: Gestern Abend waren zwischen dem Heimkommen von der Arbeit und der ersten Abendaktivität – regelmäßig, unter Einbeziehung von Freunden – nur 60 Minuten zur Verfügung. In dieser Zeit musste natürlich auch gekocht und gegessen werden – und somit war gerade genug Zeit, die Sicherungsbänder um den Karten aufzuschneiden, den Deckel abzuheben und mal zu checken, ob bei oberflächlicher Inspektion Mängel zu sehen wären, die man reklamieren müsste. Davon gab es keine, aber danach war auch keine Zeit mehr, das Laufband ganz aus seinem Karton zu heben, auf die Dämpfungsmatte zu stellen und eine Inbetriebnahme zu starten.

Einerseits hasse ich unabgeschlossene Dinge, andererseits sind mir die Aktivitäten, die als regelmäßige Events meine Woche strukturieren, sehr wichtig – sonst hätte ich sie mir ja nicht als wöchentliche Termine gestaltet. So steht nun ein weitgehend ausgepacktes Laufband von Maxxus in unserem großen Zimmer, neben der Matte, und wartet darauf, von den letzten Verpackungsresten befreit, umgestellt, fertig aufgebaut und benutzt zu werden.

Und ganz aufrichtig: Ich kann es kaum erwarten. Bis Samstag werde ich aber noch warten müssen, da ich eben gestern volles Programm hatte – und heute Abend mal wieder Teezeremonie-Unterricht angesagt ist, sofern der Verkehr auf der A8 mein halbwegs rechtzeitiges Erreichen des Unterrichts nicht abermals sabotiert.

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Tee – seit langem mal wieder

Mit den Posts über Tee habe ich mich nun eine Weile zurückgehalten. Das hatte mehrere Gründe – ich hatte mit dem Lernen von Teezeremonie ein Jahr ausgesetzt, weil zu viel anderes passiert ist, außerdem ging es mit der Ausstattung zuhause nicht voran. Das hat sich nun geändert – es gab einen entscheidenden Schritt vorwärts.

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Fertig ist es noch nicht – aber mit den zwei (oder einer einer und zwei halben) Tatami und dem dafür freigeräumten Bereich im Gästezimmer ist nun der Platz da, um einerseits die richtige Atmosphäre zu erzeugen und andererseits zu üben.

Ich bin ganz hibbelig darüber!

Werkzeuge zur Seelenwartung

Die Werkzeuge, ein Auto zu warten, kennen die meisten Leute – ein Radkreuz oder ähnliches und einen Wagenheber haben die meisten im Auto, Schraubenschlüssel und Schraubendreher haben die meisten daheim – ein Drehmoment-Schlüssel ist auch nicht ganz exotisch für einen Großteil der Menschen.

Ich für meinen Teil habe aber entdeckt, dass auch mein Geist gelegentlich wartungsbedürftig ist – sowohl der rationale als auch der emotionale. Was man davon als Seele bezeichnen will, ist schwer zu sagen. Ich denke, die Übergänge sind fließend. Aber neben dem Laufen, über das ich hier ja schon gelegentlich berichtet habe, und dem autogenen Training – dazu noch Sauna und Geschichten Schreiben – habe ich noch eine weitere Methode gefunden, Ruhe und Frieden in mich hinein zu bringen: Japanische Teezeremonie, die ich seit etwas weniger als einem Jahr zu erlernen begonnen habe und sicher noch weit davon entfernt bin, auch nur die einfachsten Dinge in Perfektion zu beherrschen. Dennoch gibt mir das Erlernen und Praktizieren sehr viel – und teils habe ich in diesem Blog ja auch schon darüber geschrieben.

Da aber oftmals ein Bild viel mehr hilft, die Dinge nachvollziehen zu können, habe ich von meinen Tee-Sachen, mit denen ich übe, mal ein paar Fotos geschossen:

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Man sieht links unten das Kensui, das Brauchwassergefäß. Es nimmt Wasser, das zum Spülen der Teeutensilien benutzt wird, nach der Verwendung auf. Oben im Bild sieht man den Teekessel, hier eben einen mit Henkel zum Gießen. Diesen benutzt man zum Beispiel bei den einfachen Tee-Handlungen mit Tablett, genannt Bonryaku Temae. Und selbiges Tablett ist in der Mitte zu sehen.

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Das Tablett Bon ist hier größer zu sehen, und darauf sind Werkzeuge, die auch bei anderen Arten der japanischen Teezeremonie zum Einsatz kommen: Die Teedose Natsume aus Holz oder eine Lackarbeit am vom Betrachter entfernten Ende des Tabletts. Und im Vordergrund die Teeschale Chawan, in welcher das kleine, weiße Tuch Chakin zum Ausreiben der Teeschale nach ihrer rituellen Reinigung zu Beginn zu sehen ist. Mit Hilfe des speziell gefalteten Chakin in der Schale aufgestellt ist der Teebesen Chasen zu sehen. Mit dem Chasen wird der Tee – pulverisierter Grüntee Matcha – schaumig geschlagen. Der Schaum ist wichtig für die Geschmacksentwicklung. Und zuletzt liegt der Bambus-Löffel Chashaku über der Chawan. Mit ihm wird der Matcha aus der Natsume in die Chawan gegeben.

Daneben gibt es dann noch ein Tablett mit Süßigkeiten, die zum Tee gereicht werden, aber das habe ich nun nicht aufgebaut. Bonryaku, dessen Werkzeuge mit Ausnahme der Süßigkeiten nun hier aufgebaut zu sehen sind, ist eine sehr einfache Zeremonie für Anfänger, in der viele Dinge enthalten sind, die man später für aufwändigere Handlungen benötigt.

Beim letzten Mal Unterricht haben meine Mitschüler und ich angefangen, eine Usucha Zeremonie zu erlernen. Dafür benötigt man eine andere Art von Kessel, die ich mir nun gekauft habe – aber bisher ist das gute Stück zwar bereits auf Reisen, aber noch nicht bei mir angekommen. Aber ein paar weitere Gegenstände zum Daheim Üben habe ich bereits:

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Neben dem von oben bekannten Kensui und dem Kessel sind hier nun der Hishaku, der Schöpflöffel aus Bambus, sowie das Frischwassergefäß Mizusashi mitsamt Deckel zu sehen. Der Kessel ist allerdings für die Benutzung eines Hishaku ungeeignet, und da warte ich eben auf meinen Furogama, einer Kombination aus Kohlebecken und Kessel mit größerem Deckel, den ich hier bestimmt mit eigenen Fotos zeigen werde, so bald er angekommen ist. Im Vordergrund sieht man außerdem noch – weitgehend vom Kesseldeckel und Chakin verdeckt, das Futaoki, welches als Ablage für den Kesseldeckel benutzt wird.

Ich hoffe, dass die Dinge so ein wenig plastischer sind und die Begriffe, die ich im Bereich Teezeremonie erwähne, so etwas verständlicher erscheinen. Mir hat das Anfertigen dieser Bilder an meinem heutigen, leider von Krankheit geprägten und damit abseits der Autobahn und der Arbeit daheim verbrachten Tag schon etwas Ruhe gegeben, die hoffentlich meiner Genesung entgegenkommt.

 

Einen im Tee …

Zugegeben. Dummes Spiel mit einer Redensart für’s Betrunkensein. Denn natürlich geht es nicht um Alkohol, auch wenn ich vergangenen Freitag mit einem Glas Wein und einem Ramazotti ganz schön knülle war.

Im Moment freue ich mich über etwas ganz anderes: Ich habe mir das ein oder andere Teeutensil gekauft, um nach Bonryaku, einer einfachen Teezeremonievariante mit Tablett, nunmehr Usucha zu lernen – bei der die wohl einigen geläufige Bambus-Kelle namens Hishaku zum Einsatz kommt. Das Frischwassergefäß, den Hishaku und einiges weiteres Zubehör kann man auch in Europa recht einfach erstehen. Vielleicht nicht unbedingt die Werkzeuge, die durch Alter, Einfachheit, Originalität und ihren Preis bestechen, aber eben doch Werkzeuge, die zum Üben und auch – sobald ich mal so weit bin – meinen interessierten Freunden einen Einblick zu geben.

Aber eine Sache ist nicht so einfach. Das Kohlebecken – in dem Fall ein tragbares namens Furo, das bei Sommerzeremonien zum Einsatz kommt. Und der Teekessel, Kama genannt. Zusammen wird das dann als Furogama bezeichnet. Rein mechanisch wichtig daran ist, dass der Bambusschöpfer hinein passt und adäquat darauf gelegt werden kann, aber auch, dass das Ganze mit den restlichen Teeutensilien und nicht zuletzt der Vorstellung dessen, der damit Tee macht, harmoniert. Denn sicher ist es mit einem Furogama, das einen irritiert, sehr schwer, die innere Ruhe und Harmonie zu erreichen.

Und somit habe ich nun zunächst schweren Herzens damit begonnen, einen Furogama zu suchen, zu kaufen und mir schicken zu lassen. Neues ist schwierig zu bekommen, erst recht in Europa, aber auch mit dem Gebrauchten ist es – in Europa – so eine Sache. Und so jagte ich zuerst einer Auktion auf Ebay hinterher, bei welcher ich jedoch nicht den Zuschlag bekam, wenn auch ganz knapp. Ich war offenbar unter den letzten beiden Bietern. Aber morgens um fünf am Sonntag aufstehen, nur um nochmal zu bieten – das habe ich dann doch nicht gemacht.

Aber dann habe ich ein ganz ähnliches Stück entdeckt, Eisen, schwarz, sehr stabil, ebenfalls nicht neu … und als ich dann letztlich den Kauf komplett machte, ließ ich mir die Hand halten von meinem Mann, denn so viel Geld auf einmal habe ich schon lange nicht mehr ausgegeben. Die letzte Anschaffung in dieser Größenordnung war ein Korsett vom TO.mTO, und das musste ich nicht aus Japan importieren … und heute Abend habe ich die Versandbestätigung bekommen und harre nunmehr dem Tage, an dem ich Euch hier auf meinem Blog die Werkzeuge alle zusammen zeigen kann, auch wenn ich bestimmt bis dahin noch nicht reif genug bin, sie in eleganter Weise zu benutzen. Aber immerhin: Dann kann ich auch zu Hause üben. Denn welche Zeremonie auch immer, in Sachen Tee und auch sonst alle Zeremonien: Wiederholung, Üben, das ist der Weg, dass es von allein geht und die Zeremonie zu einem spirituellen Erlebnis, zu Freiheit entlang festgelegter Bewegungen macht. Ich habe dieses Gefühl einige wenige Male schon beim Durchführen der einfachen Bonryaku Temae erleben dürfen – und festgestellt, dass der für Europäer wohl als Widerspruch daherkommende Konflikt zwischen bis ins Detail festgelegten Handlungen und der Freiheit und des Friedens in ihrer Durchführung nicht existiert. Die Dinge willkürlich zu tun ist stets auch damit verbunden, unsicher zu sein, ob man es richtig macht, immer wieder. Muss ich stets darüber nachdenken, wie es nun weiter geht, welche Entscheidung ich treffe, so ist mein Geist nicht frei, in der Handlung meditativ aufzugehen. Das mag nun esoterisch klingen. Aber für mich ist dieser noch immer viel zu selten erlebte perfekte Moment, in dem die Handlungen zu fließen scheinen, zu einem Ziel geworden, zu einem Moment perfekter Entspannung und des Glücks.

Ich hoffe, dass meine neuen Dinge mich, früher oder später, zu solchen Momenten führen können. Und ich freue mich darauf.

Was Altes, was Neues, was Blaues, was Geschenktes …

… nein, ich habe nicht geheiratet. Zumindest nicht dieses Wochenende. Aber treffen tut es das trotzdem, denn am heutigen Tage war ich in einer Teezeremonie-Vorführung zum Hundertsten Geburtstag das Japangartens im Stadtgarten in Karlsruhe beteiligt.

Nein, ich war nicht die Teemeisterin, das hat ein fortgeschrittener Schüler meiner Sensei gemacht – und Hauptgast war meine Sensei selbst, um dem Oberbürgermeister von Karlsruhe entsprechend alles vor zu machen. Mein Job war es, neben der Hilfe beim Aufbau und Abbau, dabei herumstehen und mindestens in Sachen Kleidung japanisch aussehen, die weiteren Gäste zu bedienen, da nur der japanische Konsul, der Oberbürgermeister und eben meine Sensei vom Teemeister und seiner Hanto bedient wurden.

Nun zu den Dingen in der Überschrift: Das Alte ist natürlich der Japangarten – einer der ältesten in ganz Deutschland. Neu waren – wie immer bei Vorführungen oder offiziellen Teezeremonien – Chashaku, also der Teelöffel aus Bambus, und der Chasen, der Bambusbesen, um den Matcha schaumig zu schlagen. Blau trug ich – einen blauen Yukata, zur Verfügung gestellt von meiner Sensei, da ich noch keinen eigenen besitze. Und Geschenktes ist eine sehr hübsche Schale, die ich von einer Freundin bekam.

Da ich nach Erwähnen der Teezeremonie auf rege Resonanz – privat wie auch in Kommentaren – gestoßen bin, erzähle ich hier nun auch noch etwas Grundlegenderes über Teezeremonie. Denn ich bin nicht sicher, wie gut informiert darüber meine Leser sind. Ich lerne seit Herbst letzten Jahres Teezeremonie nach der Urasenke-Tradition. Das ist eine von mehreren Schulen, die auf Sen No Rikyu zurückgehen, welcher entscheidend daran beteiligt war, die Teezeremonie prägen, wie sie heute als Tradition und spiritueller Lebensweg (Chado) hochgehalten wird. Sen No Rikyu wird auch zugeschrieben, auf die Frage eines Schülers nach dem Geheimnis einer meisterlichen Teezeremonie geantwortet zu haben:

Bereite eine köstliche Schale Tee; lege die Holzkohle so, dass sie das Wasser erhitzt; ordne die Blumen so, wie sie auf dem Feld wachsen; im Sommer rufe ein Gefühl von Kühle, im Winter warme Geborgenheit hervor; bereite alles rechtzeitig vor; stelle dich auf Regen ein, und schenke denen, mit denen du dich zusammenfindest, dein ganzes Herz.

Als der Schüler unzufrieden antwortete, das wisse er alles bereits, antwortete Sen No Rikyu in einer im Zen nicht unüblichen Wendung:

Wenn du also eine Teezusammenkunft leiten kannst, ohne von einer der Regeln die ich nannte abzuweichen, dann will ich Dein Schüler werden!

So weit will ich es aber noch gar nicht treiben. Ich denke nur, wenn ich immer mal wieder ein bisschen über Teezeremonie schreibe, dann sollte ich auch den Hintergrund nicht vernachlässigen. Denn Teezeremonie ist bei weitem mehr als nach festgefügten, ritualisierten Handlungen eine Schale Tee zu bereiten.

Um was geht es also im Zentrum des rein Physischen der Art von Teezeremonie, die ich erlernen darf? Genau. Um die Teeschale, auf Japanisch Chawan. Die Form der Teeschale entspricht der einer Reisschale, wie auch die ersten Teeschalen aus Korea nach Japan importierte Reisschalen waren. Nicht zu groß sollte sie sein, die Schale, so dass man den Bambus-Teebesen, genannt Chasen, hineinstellen kann, er aber auch nicht verloren darin aussieht. Und mindestens ein Stück im Zentrum der Schale muss schön flach sein, damit man den Tee hier schlagen kann. Denn verwendet wird ein pulverisierter Grüntee, genannt Matcha. Matcha, Matcha-Schalen, Chasen und den dazu passenden, aus Bambus geschnitzten Dosierlöffel, findet man inzwischen auch in vielen europäischen Teegeschäften.

Im Zentrum der Zeremonie, die als reiner Ablauf auch als Handlungen (Temae) oder auch Cha-no-yu (Heißes Wasser für Tee) bezeichnet wird, steht eben genau das: Man gibt mit dem Chashaku eine kleine Menge des Teepulvers Matcha in die Chawan, gießt etwas etwa 80°C heißes Wasser darüber und schlägt das Gemisch dann schaumig. Und auch ohne eine Teezeremonie drum herum: Matcha ist in meinen Augen die Krone des Tees, egal, ob es nun Grün- oder Schwarztee ist.