… und sie läuft doch!

Vorhin hat es geregnet. Da wollte ich nicht laufen. Inzwischen ist es nicht einmal mehr sehr windig, das Wetter hat sich richtig berappelt. Der Wetterbericht sagte Gewitter für die jetzigen Stunden voraus, aber es trat nicht ein. Die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch, es war bewölkt, aber bei fast 20°C. Also beschloss ich, ein bisschen zu laufen. Nicht die angesagten 30 Kilometer, aber zumindest mal 15 …

Das lief auch sehr gut, es war sehr angenehm, eine Runde um das Dorf zu drehen. Ich bin nicht schnell gelaufen, nicht hektisch, nicht mit großem Druck. Gut 150 Schläge in der Minute, etwas langsamer als 5:30 pro Minute, schön um’s Dorf herum. Nun ist auch die Missstimmung des Samstags beseitigt. Am Samstag gab es die eine oder andere Sache, die ich sehr plötzlich umplanen musste, dazu ging das eine oder andere schief. Das hat mich ein wenig aus dem Konzept gebracht, aber laufen hilft meistens – und die sechs Kilometer gestern Mittag waren nur eine Zwischenmahlzeit, ein Snack. Das heute war besser.

Morgen fahre ich wahrscheinlich mit der Bahn nach Karlsruhe und laufe mit ein paar Leuten vom Trek Monday, bevor wir gemeinsam wieder zu mir fahren, um Dr. Who anzuschauen. Der DVD-Abend heißt zwar Trek Monday, aber das hat historische Gründe, denn inzwischen läuft Dr. Who.

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Regen

Gerade starre ich aus dem Fenster. Es regnet. Kühl ist es auch. Aber vor allem regnet es Bindfäden. Meine Laufhose und meine Laufsocken habe ich schon an, das Shirt ist noch jenes, in dem ich normalerweise schlafe.

Eigentlich möchte ich heute meinen ersten Trainingslauf über deutlich über die Halbmarathon-Strecke hinaus machen. Nicht schnell, nur weit. Meine Erfahrung sagt einfach, dass man mit den 20-22 Kilometern sicher sein kann, auch schnell, auch zuverlässig schnell, aber irgendwo darüber ist es plötzlich aus. Es geht nicht weiter, man wird langsamer, will und kann nicht mehr. Deswegen werde ich meine langen Läufe für den Marathon brauchen.

Das ist keine neue Erkenntnis, sondern gehört zu jeder Vorbereitung: Der lange Lauf – nicht zwingend über die volle Distanz, aber eben doch über einen signifikanten Anteil der angepeilten Wettkampfdistanz. Man braucht das, in vielerlei Hinsicht: Man muss lernen, wie es sich anfühlt. Dass man gegebenenfalls anders auf kürzeren Distanzen Trinken (okay, das braucht man schon beim Halbmarathon) und Essen muss. Wie das mit dem Essen und Trinken beim Laufen geht, was man verträgt. Wie man sich die Strecke und Zeit einteilen muss, wie man sich über die lange Laufstrecke motiviert. Dazu muss man natürlich den Körper dazu ausbilden, über längere Zeit hinweg, über größere Strecke hinweg Energie zu erzeugen, den Muskeln zuzuführen und auch ansonsten weiter zu funktionieren.

Für mich war es eine verblüffende Erkenntnis, als ich letztes Jahr im Oktober, nach dem Halbmarathon beim Baden-Marathon, längere Strecken ausprobierte. Ich war auf 20-22 Kilometer vorbereitet, hatte einen guten Lauf hingelegt, hatte oft nach 20 Kilometern Training noch das Gefühl: „Und jetzt laufe ich einfach weiter.“ Einen Sonntag damals lief ich einfach weiter. 26 Kilometer – das Ende war heftig. Es war wie ein Hammer, wie plötzlicher Gegenwind, der mich traf. Ich wurde über eine Minute pro Kilometer langsamer, geradezu schlagartig. Bei gerade mal 24 Kilometern passierte das. Freilich versagen nicht alle Dinge gleichzeitig: Es geht einem nicht auf einmal die Lust am Weiterlaufen, das Wasser, die aus Glykogen erzeugte Energie des Körpers, die Kraft aus. Aber an irgendeiner Stelle wirken all die kontinuierlich runtergehenden Reserven plötzlich zusammen, es ist wie eine Schwelle, und dann fällt die Kraft ins Bodenlose. Eine Woche später probierte ich es noch einmal. Dieses Mal waren’s 28 Kilometer, bei 26,5 traf mich der Hammer. Ich hatte das Limit einige Kilometer hinausgeschoben.

Nun schaue ich hier nach draußen in den Regen und frage mich: Will ich einen 30-Kilometer-Lauf versuchen, während es verhältnismäßig kalt und nass ist? Während es regnet und sicherlich anfangs Nässe, Kühle und Wind mich auskühlen werden, insgesamt auch der Körper in Nässe und Kühle nicht auf die Temperatur kommen wird, die ich normalerweise liebe? Freilich muss ich lange Läufe machen, um das Limit hinauszuschieben – aber…

Wahrscheinlich werde ich es nicht tun – oder höchstens später, wenn das Wetter etwas besser ist. Objektiv betrachtet habe ich noch 17 Wochen bis zum Marathon. Mich zu erkälten, zumal der Halbmarathon ja gerade erst acht Tage her ist und mein Mann an einer Erkältung herumlaboriert, der ich mit durch Kälte und lange Anstrengung reduzierter Immunabwehr Tür und Tor öffnen könnte. Eine Erkältung kostet mich sicher mehr Training als den einen, ersten Dreißiger.

Und doch gucke ich raus auf den Regen und denke: „Ich will laufen. Weil ich laufen will. Weil ich das Training beginnen will. Weil ich mich nicht daran gewöhnen will, auf dem Sofa sitzen zu bleiben, Ausreden zu finden. Wehret den Anfängen.“ Aber es regnet. So’n Mist.

 

Weiche Hindernisse

Gestern Abend habe ich meine Lauferei nach dem Wettkampf und der Erholung davon wieder gestartet. Ich möchte es nicht übersteigern, aber irgendwie war es keine gute Woche – meine Laune war am Boden. Das mag seltsam erscheinen, aber ganz unverständlich ist es nicht für mich: Ich habe einen großartigen Wettkampf hingelegt, meine eigenen Erwartungen übertroffen und das Training hat sich gelohnt. Nun ist aber plötzlich der nächste Wettkampf weit weg, man kann nicht permanent jedem seinen Erfolg unter die Nase reiben. Dazu war ja noch einiges an unserer Fassade zu tun – obwohl die Nachbarn da tatsächlich mehr übernehmen als wir, ist es doch ungewohnt mehr als sonst, und dazu ungewohnte Arbeit. Dazu noch ist mein Mann erkrankt, die Nacht von Dienstag auf Mittwoch hat er sich selbst und mich mit Husten wach gehalten, hatte keine Stimme – und natürlich hatte ich die starke Befürchtung, mich anzustecken, erst recht nach dem Halbmarathon … aber zum Glück scheine ich diese Viren nicht angenommen zu haben.

Aber … ich gleite ab. Denn ich hatte auf meinem Wieder-Anlaufen nach dem Wettkampf zwei „weiche“ Hindernisse. Das erste war auf dem Weg neben der künftigen Bahnstrecke. Bei uns vor dem Dorf wird neben der neuen Trasse der B36 auch eine neue Bahntrasse gebaut. Diese dient als Zuleitung zum Tunnel unter Rastatt – genau zu dem Tunnel, dessen Bau die Rheinschiene letzten Herbst lahmgelegt hat. Meine kürzeren Laufstrecken führen an der Baustelle der nicht im Tunnel laufenden Strecke zum Tunnel hin entlang, und dort wurde der Feldweg nun durch einen asphaltierten Weg für Baumaschinen ersetzt. Dummerweise ist der Wendekreis der Baumaschinen zu groß, so dass sie in einer engen Kurve von Weg oben auf der Böschung zum Weg hinunter auf die Bahnbaustelle über den Dreck seitlich des Weges fahren – nach dem Regen der letzten Tage haben sie eine 15 Meter lange, bis zu 10 Zentimeter dicke, sandige Dreckschicht auf die Straße geworfen dabei. Meine schönen, neuen Saucony Kinvara 9 sehen nun so aus:

2018-05-17 18.55.59

Aber es gab noch ein anderes „weiches“ Hindernis. Das zweite Hindernis ist so ein „weiches“ Hindernis, das Autofahrer langsam werden lässt: Eine Geschwindigkeitskontrolle, aber keine mit Blitzer, sondern eine mit Anzeigetafel und Smiley. Dieser Smiley wird ein Grinsesmiley, wenn man das Limit einhält, und ein böser Smiley, wenn man es überschreitet. Ich habe zwar keine Ahnung, ob die Straße vor unserem Rathaus Spielstraße ist – ich fahre da eigentlich nie mit dem Auto lang – und wieso das Gerät plötzlich mich registrieren konnte – aber für eine Spielstraße war ich zu schnell. Der Smiley guckte böse, 12 km/h waren angezeigt. Kein Auto weit und breit, und mein Tempo passte auch – das Gerät muss wohl mich verwarnt haben, ich sei zu schnell. Das fand ich nun irgendwie WIRKLICH witzig!

Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf

Während ich derzeit noch ein wenig in der Erholungsphase nach dem Halbmarathon hänge, richten sich meine Gedanken schon langsam wieder aus. Natürlich gibt es im Moment gute Gründe, nicht (so viel) zu trainieren: Es gab das berüchtigte „Offene Fenster“ nach dem Wettkampf, in dem das Immunsystem nach der Anstrengung anfällig wird. Zum Glück scheine ich mir nichts eingefangen zu haben – nur mein Mann wurde krank, aber ich habe mich wohl nicht angesteckt. Um da nichts zu riskieren, habe ich das Training noch nicht wieder hochgefahren, zumal das Wetter unbeständig war und ich nach der Arbeit, wenn es nicht gerade regnete, mit auf dem Gerüst stand und an der Fassade mit gestrichen habe.

Aber die nächsten Wettkämpfe stehen schon auf dem Plan:

  • Campus-Run der Universität Stuttgart am 19.07.2018, ein Zwölf-Kilometer-Lauf in durchaus etwas fordernden Profil auf dem Campus Vaihingen an der Universität Stuttgart
  • Baden-Marathon am 23.09.2018, mein erster Marathon überhaupt.

Noch ein bisschen vage ist die Idee, wieder zum Köhlbrandbrückenlauf zu fahren, aber das wird sich dann klären. Schließlich ist die Köhlbrandbrücke angezählt. Dieses Mal weiß ich auch ein bisschen besser, wo ich genau hingucken will beim Laufen – den Blick auf das Containerterminal Altenwerder hatte ich letztes Mal nicht so richtig mitbekommen. Ob sich zwischendrin noch weitere Wettkämpfe finden, die ich gerne mitlaufen möchte, weiß ich noch nicht. An großen Wettkämpfen – also Halbmarathon- und Marathondistanz – empfinde ich zweimal pro Jahr für mich als völlig ausreichend, zumal sich im Kopf langsam die Idee formt, nächstes Jahr auf Halbmarathon in 1:29:59 zu trainieren, also noch sechs Minuten schneller zu werden. Vielleicht wird der Versuch wieder in Mannheim stattfinden, oder ich fahre zum HASPA Marathon nach Hamburg nächstes Frühjahr. Aber 2019 ist noch lange hin. Erstmal stehen noch zwei fest geplante Wettkämpfe für 2018 an – und für den Marathon habe ich noch viel zu tun.

Mein Halbmarathon in Mannheim

Gestern Abend bin ich beim 15. SRH Dämmer Marathon in Mannheim den Halbmarathon gelaufen, der von engelhorn sports gesponsert wird. In Mannheim läuft man in die Dämmerung hinein, am Samstagabend, deswegen auch Dämmer-Marathon – Start war um 19:00.

Mein Mann und ich fuhren also um 16:00 Richtung Mannheim los, waren kurz nach fünf dort und begaben uns auf die Parkplatz-Suche. Nachdem ich mich ein bisschen vom üblichen Strom derer gelöst hatte, die möglichst nah an der für den Marathon gesperrten Augusta-Anlage und dem Wasserturm parken wollten, ging es dann auch recht gut. Wir spazierten eine Runde durch Mannheim, Richtung Wasserturm. Auf dem Weg zur Startnummern-Ausgabe traf ich noch eine Bekannte aus meinem Laufladen, die bereits mit Nummer ausgestattet war – eher: Sie sah mich, während ich nach dem genauen Platz für die Startnummern-Ausgabe suchte. Durch die Anleitung hatte ich dann auch recht schnell den Weg gefunden und holte meine Startnummer 6010 ab. Wie ich erst später, als ich schon anhand der dort stehenden Pacemaker meinen Startblock identifiziert hatte, gesehen habe, war der Startblock A2 schon auf die Startnummer gedruckt. Mein Mann und ich machten dann noch einen Treffpunkt aus, trieben uns noch ein wenig im Bereich von Start und Ziel herum, wo gerade noch ein Zehn-Kilometer-Lauf endete. Mein Mann meinte so, als er die Leute bei 1:10 reinkommen sah: „Irgendwann kann ich das vielleicht dann auch mal, so mit 7:00/km so einen Wettkampf über 10 Kilometer laufen.“ Das freute mich, weil das Gefühl eines Wettkampfes kann man nur sehr schlecht jemandem vermitteln, der nur zuschaut. Die Erfahrung ebenfalls zu machen, lässt einen einfacher darüber reden.

Dann allerdings ging’s schon recht schnell in Richtung Startblock, zuerst starteten die Blöcke A0 und A1 mit den richtig schnellen Leuten. Wir A2er sahen diese dann auf der Gegenfahrbahn der Augusta-Anlage, denn der Start ging von Osten am Wasserturm vorbei, um den Wasserturm herum und dann auf die Augusta-Anlage. In Mannheim war viel mehr los als letztes Jahr beim Marathon in Karlsruhe – Samstagabend gibt’s einfach mehr Zuschauer als Sonntagfrüh, und dazu war’s schön warm. Darunter stöhnten viele Läufer, ich nicht so. Ich mag es warm, nur ganz so schwül hätte es nicht sein müssen. An vielen Stellen waren jubelnde Menschen, die alle Läufer anfeuerten, an der Strecke – nach den ersten fünf Kilometern wurde es etwas dünner. Ich hatte mich auf die 1:40:00 eingestellt und versuchte, entsprechend ein Tempo von 4:40 pro Kilometer durchzuziehen. In Analogie zu einem Zitat aus „Jagd auf Roter Oktober“ sagte ich mir angesichts des 4:30er-Schnitts der ersten Kilometer: „Das ist zu schnell, Talianna, zu schnell!“ Doch der 4:30er-Schnitt lief sich einfach besser, ich heftete mich einem asketisch-athletisch wirkenden Läufer mit einem grün-blauen Trikot an die Fersen, der etwa dieses Tempo lief. Auf den Radwegen südöstlich um Mannheim-Seckenheim herum musste ich ihn dann ziehen lassen – aber ich holte ihn wieder ein, denn als wir nach Seckenheim hineinliefen, war sofort Stadion-Atmosphäre. So wie auf den zweiten fünf Kilometern das Publikum dünner geworden war, war es nun plötzlich wieder da. Ich habe den Eindruck, ganz Mannheim-Seckenheim war auf der Straße, feuerte an, hatte Gartenduschen auf dem Gehweg aufgebaut, trommelte, jubelte, las die Namen von den Startnummern und feuerte einen mit Namen an, Kinder ließen sich abklatschen – ein unglaubliches Gefühl, so angefeuert zu werden! Das trug mich, ließ mich teils sogar eher einen 4:20er-Schnitt laufen und so hatte ich meinen „Pacer“ von vorher wieder vor mir, als es über die Seckenheimer Landstraße zurück ins Zentrum von Mannheim ging. Kurz vor dem Einbiegen wieder Richtung Wasserturm begegnete mir ein Marathon-Läufer, der Startnummer nach, der wegen des Wetters und der Auswirkungen auf seine Kraft auch „nur“ Halbmarathon laufen würde. Die letzten zwei Kilometer wurden dann schwer und ich hatte zeitweise eher 4:50 auf der Uhr …

Bis ich um die Kurve im Osten des Friedrichsplatzes kam und die Uhr in Sicht kam: 1:40 und irgendwas stand darauf, und mit allein 4:00 Verzögerung für Startblock A2 war das sehr weit unter der Zeit, die ich unterbieten wollte – angetrieben von diesem unglaublichen Euphorieschub wurden meine Schritte größer, mein Grinsen breiter und ich stürmte in Richtung Ziel und hatte nur noch Worte wie: „Hammer!“ und „Geil!“ und „Boah!“, bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht und freute mich wie die Prinzessin der Landstraße!

Ich wusste von meinem Mann, dass die Uhr schon 1:41 gezeigt hatte, als ich unter dem Zielbogen durchlief. Die +4:00 von Startblock A2 wusste ich auch, außerdem hatte es einen Moment gedauert, vom vorderen Drittel des Startblocks bis zur Startlinie zu kommen – Marathons setzen sich behäbig in Bewegung. Ich rechnete also mit 1:37 und ein paar Sekunden …

Und dann schauten wir nach. Im Endergebnis kam heraus: 1:35:53 für den Halbmarathon, Platz 6 bei den Damen insgesamt, Platz 1 in der Altersgruppe 35-39. Zwei ältere Damen in höheren Altersgruppen waren noch vor mir, aber nicht viel.

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Urkunde, Medaille und Startnummer.

Nervosität

Ich bin schon Halbmarathon gelaufen. Einmal, beim Baden-Marathon letztes Jahr. Ich war damals schneller als gedacht – trainiert habe ich auf 2:00:00, geschafft habe ich 1:44:22. Ich bin dieses Mal besser vorbereitet als letztes Mal – mehr lange Läufe, geregelter das Training vor dem großen Lauf runtergefahren, stringenter praktiziertes Intervalltraining. Meine gesamte Fitness ist besser als vor acht Monaten, denn ich habe acht Monate lang weiter trainiert, vieles über Training gelernt und angewendet.

Dennoch bin ich nervös, während ich heute das Schlechtwetter-Intermezzo vor dem Fenster begutachte und einen ruhigen Tag einlege. Am Samstag ist es so weit, das Wetter soll wieder trocken und warm sein, wie es mir gefällt. Am Samstag laufe ich beim SRH Dämmer Marathon in Mannheim den engelhorn sports Halbmarathon. Trainiert habe ich auf eine Zeit von 1:40:00, eigentlich sollte das auch funktionieren.

Vielleicht ist es das Flattern eines zweiten Males – weil es beim ersten so viel besser lief als erwartet, fürchten nun kleine, böse Stimmen in meinem Kopf, dass es dieses Mal genau umgekehrt ist. Andererseits zeigt Nervosität mir oft, dass ich etwas ernst genug und nicht zu leicht nehme. Spätestens, wenn ich an der Startlinie stehe, wird die Nervosität sich in eine hibbelige Vorfreude und Motivation verwandeln, da bin ich mir ziemlich sicher.

[KuK] „Mein lieber [Gott], sind Sie schnell!“

Das Obige – unter im Süddeutschen durchaus üblicher Weglassung des Wortes „Gott“ – sagte eben ein Radfahrer zu mir. Woher er das wusste? Nun, er hat es gesehen.

Von meiner letzten Trainingsrunde vor dem Halbmarathon am Samstag war ich bereits fast wieder zuhause, insgesamt waren es knapp zwölf Kilometer. Es fühlte sich alles gut an, also ließ ich es laufen – und ich war bereits etwa achthundert Meter vor Zuhause, als von rechts aus dem Waldweg besagter Radfahrer auf die Straße am Waldrand einbog und seinen Fahrweg neben mir einschwenkte. Allerdings waren wir nur ein paar Sekunden gleichauf, dann hielt er nicht mehr mit. Ich lag bei so um die vier Minuten pro Kilometer, also 15 Stundenkilometern. Die hielt ich bis zuhause durch, ich hatte mir ja bewusst eine Steigerung gegönnt, weil es so angenehm war, am warmen Abend zu laufen. Als ich dann meine Uhr auf Pause stellte, die Aktivität beendete und mich anschickte, meinen Schlüssel herauszuholen, fuhr der Radfahrer an mir vorbei.

„Mei lieber, sin‘ sie schnell!“

Hmm. Ja. Scheint so.