Die Summe seiner Teile

Die Formulierung, dass etwas mehr als die Summe seiner Teile ist, findet man oft. Meist habe ich das im Bezug auf Dinge gehört, die gut, wichtig oder groß sind.

Es gilt aber auch für Stress, oder für’s sehr beschäftigt Sein. Diese Woche zum Beispiel laborierte ich mit der Regeneration vom Marathon, steuerte auf der Arbeit zu den ersten eigenen Zuständigkeiten hin, hatte zwei Sitzungen und eine Einführungsveranstaltung, bereitete eine Reise vor und dazu hab’s noch das vorgestrige Stützen meines Mannes nach heftiger Begegnung beim Joggen sowie das Vorbereiten eines Salats für das Fest heute Abend.

Alles im einzelnen harmlos, ja. Nimmt man rein die Zeitaufwände, immer noch okay. Aber man muss ja auch umschalten und umdenken, zwischen den einzelnen Punkten. Da ist dann ein Multiplett von Dingen viel mehr als die Summe seiner Teile. Heute morgen hat mich voll getroffen, dass ich dabei mental sehr angestrengt war, mir war schwindlig und ich war gereizt. Inzwischen geht es wieder, aber ich habe mir selbst einmal mehr bestätigt, dass viele kleine Tasks einen großen Overhead haben und man daher nicht einfach die Zeit summieren kann oder sollte. Außerdem ist die Selbstfürsorge und das Begrenzen dessen, was man zulässt, etwas zum immer wieder neu lernen. Ich habe es mal wieder als Lektion gehabt.

Mag sein, dass ich jammere und ich-bezogen reagiere. Ist mir aber lieber, als anderen die Schuld zu geben und dabei wütend auf andere selbst vor die Hunde zu gehen.

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Gemischte Gefühle – gemischte Realität

Gestern war ich auf dem Heimweg vom Bahnhof, dabei ließ ich eine Frau rückwärts aus der Einfahrt rausfahren, statt mich auf dem Bürgersteig vorbeizuschieben. Als ich durch Gehör und dann Sicht ein Auto mitbekam, das sie nicht bemerken konnte, gestikulierte ich, sie bemerkte es, stoppte, bedankte sich, fuhr dann raus und freute sich, dass ich sie vorbeigelassen und außerdem auf den Querverkehr hingewiesen hatte. Diverse weitere Leute auf meinem Heimweg grüßte ich. (Moderne?) Dorfidylle.

Nur wenige hundert Meter entfernt war mein Mann gerade am Laufen und auf dem Rückweg kam er an einem Platz vorbei, keine fünfhundert Meter von unserem Zuhause entfernt, wo sich bereits einige Menschen um einen verunglückten weiteren Menschen bemühten, Wiederbelebungsmaßnahmen durchführten. Als ich heimkam, war er gerade unter der Dusche – er hatte nicht weiter etwas tun können, da schon alles getan wurde, und war statt zu starren nach Hause gegangen, da geholfen wurde und der Krankenwagen bereits gerufen war. Als er aus der Dusche kam, merkte ich deutlich, dass es ihm nahe ging, und wusste noch gar nicht, was.

So eng liegen die Dinge zusammen. Ich habe ihn natürlich getröstet, versucht, ihm über die Erfahrung zu helfen, die ihm sehr nahe ging. Freilich, die Ersthelfer, die zuerst da waren und dann tätig wurden, traumatisiert’s dann noch mehr. Aber ich weiß auch nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich akut dazukäme – egal, ob ich helfen würde oder schon alles getan würde. Ich weiß wirklich nicht, wie nahe es mir gehen würde.

So eng liegen die Dinge zusammen, gleichzeitig, nur wenige hundert Meter voneinander entfernt, und man merkt es nicht.

Das Loch danach

Es passiert immer wieder, mir zumindest. Ich arbeite monate- oder jahrelang auf etwas hin, wende Kraft und Zeit und mehr auf, um es zu erreichen. Dann ist es geschafft und plötzlich ist da ein Loch. Der Plan für das Ziel ist erledigt und all die Zeit, die er einnahm, ist wieder frei. Sie kann mit all dem gefüllt werden, das für den Plan zurück gestellt wurde – aber das schlagartig zur Füllung des Loches zu verwenden funktioniert nicht.

Also ist da das Loch, nicht echter Leerlauf, aber Zeit und Raum für Dinge, die einfach nicht mit diesem Impetus auf das Ziel hin erfüllt sind. Das fühlt sich immer wieder komisch an und es dauert immer wieder seine Zeit, bis der innere Antrieb wieder das vorige Level erreicht hat.

Konkret ist es der Marathon, der dieses Gefühl hinterlässt, im Moment. Es war schon bei Jobwechseln, der Promotion, Umzügen der Fall. Hier, heute beim Marathon-Aftermath kommt noch dazu, dass der Körper noch regenerieren muss. War in anderer Hinsicht bei anderen Dingen auch der Fall, aber das Ziehen in den Muskeln, die Schwellung/Reizung auf dem linken Mittelfuß, das fühlt sich doch direkter an als die Müdigkeit nach dem Umzug damals.

Ich bin gespannt, wie der Körper auf den Köhlbrandbrückenlauf hin wieder mitspielt, denn das wäre ein schöner Überbrückungs-Anlauf, während all die anderen Dinge, die durch die Marathon-Vorbereitung runtergefahren waren, wieder einsetzen.

Was vor einem Jahr noch unmöglich erschien…

Im August 2017 war ich unglücklich über das Pendeln nach Stuttgart und wollte an einem Ort näher an zuhause arbeiten. Aber meine Initiativen dafür trugen (noch) keine Früchte, was mich frustrierte. Ich bereitete Halbmarathon vor und fragte mich, welche Zeit ich schaffen könnte – an Marathon dachte ich nicht. Als sich im August abzeichnete, dass ich über 200km in einem Monat laufen würde, rechnete ich aus, dass ich für 300km in einem Monat 70km in der Woche laufen müsste und sagte mir: „Niemals schaffst Du das!“

Nun arbeite ich weniger als 20km von zuhause, pendle mit der Straßenbahn, bereite Marathon vor und bin seit letzten August zweimal Halbmarathon gelaufen. Im August stehen bereits 301,5km auf dem Laufkonto.

Was ein wilder Ritt!

Ich gehe von mir aus

Ja, genau das tue ich. Wie soll ich es auch anders machen?

Viele Menschen beraten andere, als sei das, was sie wissen, denken und für richtig halten, von allgemeiner Gültigkeit und Relevanz. Dass diese Ratschläge tatsächlich solch weitreichende Gültigkeit und Relevanz besitzen, billige ich durchaus einigen Experten zu, aber oft genug kommen die vehementesten, am nachdrücklichsten als kompakte Weisheit deklarierten Ratschläge von Menschen, die die Ansicht eines Experten und ihre eigene Erfahrung zusammenlegen. Dass der eigentliche, zitierte Experte (falls es denn einer ist) oft auch erklärt, welche anderen Wege es gibt und was Irrwege waren, wird vom nachdrücklich Zitierenden oft unterschlagen.

Ich selbst beschreibe lieber ganz bewusst, was FÜR MICH funktioniert hat und was nicht. Was andere dann draus machen, ist deren Sache. Für mich führen viele Wege zum Ziel, ich habe mir welche ausgesucht. Außerdem versuche ich, auch klar zu machen, dass ich mir meine Experten ausgesucht habe, denen ich folgen mag, und ihnen nicht in jeder Hinsicht folge – soweit mir das bewusst ist. Dazu bin ich ein Mensch, und Menschen sind verschieden. Manchmal wirkt es vielleicht egozentrisch, zu beschreiben, was für mich funktionierte und mir wahr erscheint – aber in vielerlei Hinsicht bin ich für das, zu dem ich was sagen mag, nicht so weit Expertin, dass ich ohne Beschränkung der Allgemeinheit meiner Aussagen sprechen zu können glaube. Also beschreibe ich, was mich zu dieser Ansicht brachte und dass es meine Ansicht ist, nenne eventuell noch Quellen.

Insbesondere im Bereich „Lebensberatung“ habe ich im Netz häufig Ratschläge gefunden, die alternativlos formuliert waren, Glaubenssätze und Dogmen darstellen. Gerade in diesem Bereich habe ich die Therapeuten, die ich bisher erlebt habe, als zurückhaltend wahrgenommen. Sie sagten mir nicht, was ich tun soll, sondern hörten zu und gaben dann Hinweise, was ich mal versuchen könne – oder ließen mich das weitere Vorgehen entwickeln.

Viele dieser „Berater“, die genau zu wissen scheinen, was man tun sollte, was richtig und falsch ist und wie alles geht, gehen von sich aus oder sagen, was man hören will, um ihnen zu folgen. Sie verkaufen es nur als allgemeine Wahrheit, als kompakte Weisheit. Ich habe die Welt und die Wege, die zum Ziel führen, auch die Ziele, die erstrebenswert sind, mit allem, was ich mehr wusste, mehr erfahren habe, als unsicherer und unklarer, darin wählbarer und freier erlebt. Das macht das Leben kompliziert, gibt aber Freiheit.

Wie ich nun auf so etwas komme? Mir wurde mal gesagt, ich sei egozentrisch, spräche nur über mich. EINE Komponente dessen, was glaube ich zu dieser Aussage führte, ist eben: Ich gehe von mir aus. Ich gebe (idealerweise nach vollständigem Zuhören, manchmal aber nicht) Beispiele aus meinem Leben, die ich vielleicht als ähnlich und hilfreich ansehe, wenn jemand ein Problem hat und mir schildert. Dadurch rede ich viel über mich. Letztlich bin ich aber der Auffassung, dass die meisten Menschen sehr viel über sich reden, sie stellen es nur als unabhängig von sich dar – oft nicht beabsichtigt. Ich für meinen Teil finde es ehrlicher, zuzugeben: „Das ist meine Lösung unter vielen. So habe ich sie erlebt. Kannst Du nehmen oder es lassen, je nach dem, was Du glaubst, dass für Dich passt.“ Der zweite Grund ist, dass ich aktuell an einigen Stellen vorstoßen möchte, neue Gruppen schaffen möchte, in denen ich mit anderen Dinge zusammen betreibe. Natürlich wird es nicht ohne ein gewisses Aufdrücken des eigenen Stempels gehen, wenn man etwas, das man gerne macht, initiativ beginnt, mit anderen in Gruppe zu betreiben – zum Beispiel beim Laufen. Aber anderen aufzudrängen, wie ich es mache, gleich, wie es für sie richtig ist, wäre falsch. Die eigene Erfahrung als allgemein gültige Wahrheit zu verkaufen, das ist aus meiner Sicht die perfideste Weise, anderen seinen eigenen Weg aufzudrängen – ob nun bewusst oder unbewusst.

Und genau das will ich nicht machen. Deswegen denke ich drüber nach. Deswegen schreibe ich diesen Beitrag, um meine Gedanken dazu zu ordnen.

Alternativen

Ich bin derzeit am Überlegen, wie ich kommende Woche zur Arbeit fahren werde. Das könnte nämlich spannend werden.

Aber von vorn: für meinen Arbeitsweg nutze ich die S7/S8 im KVV, zwischen Rastatt und Karlsruhe. Bereits diese Woche sind Bauarbeiten auf der Strecke zwischen Rastatt und Karlsruhe im Gang, aber an der anderen Schiene. Hier verlaufen nämlich auch S71/S81 zwischen Karlsruhe Hauptbahnhof und Rastatt. Die S7/S8 bedient die Dörfer entlang der B36, die S71/S81 tangiert Ettlingen im Westen und folgt dann bis Rastatt mehr oder minder der B3. Das S7/S71 ab Rastatt weiter über Baden-Baden nach Achern, S8/S81 dagegen über das Murgtal nach Freudenstadt und weiter nach Bondorf und Eutingen im Häu führen, kann ich nicht unerwähnt lassen, auch wenn es nichts zur Sache tut.

Also: S71/S81 leiden seit dieser Woche unter Ausfällen durch Baustellen, das geht so noch bis übernächste Woche. Nächste Woche trifft es dann zusätzlich meine beiden, S7 und S8. Da viele Leute von südlich von Karlsruhe in die Stadt pendeln, wird das Auto keine gute Alternative sein, zumal ich ja wirklich mitten in die Stadt muss. Der Schienenersatzverkehr wird erheblich länger brauchen, und wenn ich schon länger brauche, will ich wenigstens einen Mehrwert davon haben.

Aus diesem Grunde wächst in meinem Kopf gerade ein Plan: Da jeden Morgen 20 Kilometer hin und jeden Abend 20 zurück auch für mich keine Option darstellen, das halte ich einfach keine ganze Woche durch, plane ich etwas anderes: ich fahre mit dem Auto eine der Bahnstationen an, an denen auch der Schienenersatzverkehr hält. Das wird „Forchheim bei Karlsruhe“ sein – dort dürfte man auf jeden Fall besser parken können als in der Stadt. Dann laufe ich in die Stadt und wenn ich zu KO bin, kann ich immer noch ab dem Albtalbahnhof bis zur Arbeit fahren. Umgekehrt plane ich mal, von der Arbeit wieder zum Auto zu laufen, habe aber immer noch die Bahn bis zum Albtalbahnhof und den Schienenersatzverkehr als Fallback bis zu meinem Auto.

Wenn ich die Karte „Schienenersatzverkehr“ nicht ziehe, sind das immer noch zweimal zehn Kilometer am Tag, fünf Tage lang. Aber das ist definitiv machbar – machbarer jedenfalls als zweimal 20.

Schleifendurchlauf

Am Donnerstag findet der Campus Run 2018 der Universität Stuttgart statt. Ich werde dort sein, von einer Reise in meinem neuen Job aus Heidelberg direkt nach Stuttgart fahren und teilnehmen.

Das ist das erste Mal, dass ich zwei Jahre in Folge am selben Wettkampf teilnehme und dabei auch noch in Form bin. Zweimal in Folge, dazwischen keine Probleme mit der Colitis ulcerosa, munter weiter trainiert … seit dem letzten Campus Run bin ich über 2000 Kilometer gelaufen, habe nur in einem Monat weniger als 50 Kilometer zurückgelegt. Es ist das erste Mal, dass ich so konsequent durchgängig trainiert habe – ich wollte es UND der Körper ließ es zu.

Letztes Jahr begann die für mich furiose Laufsaison mit dem Campus Run. Dieses Jahr habe ich schon einen Halbmarathon und zwei Wettkämpfe über knapp zehn Kilometer absolviert. Die Schleife ist einmal durchlaufen. Nun folgen Wiederholungen. So weit war ich in Sachen laufen noch nie.