Schleifendurchlauf

Am Donnerstag findet der Campus Run 2018 der Universität Stuttgart statt. Ich werde dort sein, von einer Reise in meinem neuen Job aus Heidelberg direkt nach Stuttgart fahren und teilnehmen.

Das ist das erste Mal, dass ich zwei Jahre in Folge am selben Wettkampf teilnehme und dabei auch noch in Form bin. Zweimal in Folge, dazwischen keine Probleme mit der Colitis ulcerosa, munter weiter trainiert … seit dem letzten Campus Run bin ich über 2000 Kilometer gelaufen, habe nur in einem Monat weniger als 50 Kilometer zurückgelegt. Es ist das erste Mal, dass ich so konsequent durchgängig trainiert habe – ich wollte es UND der Körper ließ es zu.

Letztes Jahr begann die für mich furiose Laufsaison mit dem Campus Run. Dieses Jahr habe ich schon einen Halbmarathon und zwei Wettkämpfe über knapp zehn Kilometer absolviert. Die Schleife ist einmal durchlaufen. Nun folgen Wiederholungen. So weit war ich in Sachen laufen noch nie.

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Growing Younger

Eine ganze Weile bin ich nach Stuttgart zur Arbeit gependelt, mit dem Auto und über eine verhältnismäßig lange, vor allem verstaute Strecke. Ich bin in dieser Zeit vermeintlich erwachsener geworden, war weniger auf Festivals oder Treffen, als das vorher der Fall war, habe weniger in meiner Freizeit gespielt, mich weniger herumgetrieben, war auch kaum noch in der Disco.

In den letzten Monaten, vielleicht Jahren hat sich das geändert. Ich war mehr bei Freunden auf Achse, habe wieder mehr Festivals und Konzerte besucht, habe mich zunehmend vom Auto wieder auf öffentliche Verkehrsmittel für diese Besuche verlegt. Dazu habe ich Albernheiten und Motiv-Shirts mehr wiedergefunden, mir neue Leidenschaften zugelegt. Auch sitze ich wieder häufiger mal als „Bodensatz“ einer Party mit Leuten zusammen, führe tiefschürfende Gespräche oder solche über frühere Exzesse, die ich sonst eigentlich tief in mir vergraben hatte. Nicht, dass ich diese Dinge zurückwollen würde, also die Exzesse – die Gespräche und Themen aus diesen Zeiten aber kommen wieder und machen mich zu einem entspannteren, glücklicheren Menschen.

Vielleicht ist es mein komischer Blick auf das Erwachsensein, das irgendwie mit daheim sitzen, Wege mit dem Auto zurücklegen und sich auf die wichtigen, langweiligen und nützlichen Themen zu fokussieren zu tun habe. Aber egal, ob es nun ein echtes „growing younger“ ist, oder ob ich einfach nur gewisse Komplexe abgelegt habe – es fühlt sich gut an.

[KuhL-Treffen] Der Sonntag und ein paar Gedanken

Am Sonntagmorgen war ich wieder hergestellt – sprich: mir ging es gut. Ich hatte in dem Bett, das normalerweise Cay gehört, hervorragend geschlafen und meinen Nacken und Rücken schön entspannt. Dankwart saß bereits am Tisch und hatte schon Kaffee getruken, gerade ließ der Hausherr Lexa und Andra herein, die zur Verabschiedung von Dankwart extra früh aufgestanden waren. Wir saßen zusammen, ich kochte Tee und Kaffee, danach brachten Andra, LaranaElla und ich Dankwart zum Bahnhof, wo er mit dem Metronom zum Umsteigen nach Hamburg fuhr. Ich selbst hatte mir eine spätere Verbindung ausgeguckt und konnte so noch gemütlich mit den restlichen Übernachtern frühstücken, mich noch nett unterhalten und Lexa ein bisschen was von unserem langweiligen Minecraft-Server zeigen, auf dem der Fokus auf Bauen und gegenseitiger Rücksichtnahme liegt. Es kann sein, dass ich somit bald ein weiteres Mitglied von Kuhba Libre auf meinem Minecraft-Server von WNF begrüßen darf. Ach genau, WNF … das heißt Wednesday Night Fever und bezeichnet den regelmäßigen Spielabend in Guild Wars 2, den einige Freunde, mein Mann und ich vor Jahren außerhalb von GW2 installiert haben und inzwischen vollständig innerhalb von Kuhba Libre betreiben. In dieser Gruppe habe ich einen Server für Minecraft aufgesetzt, der strikt auf eine Whitelist für vertrauenswürdige Leute setzt. Da sammeln sich langsam die Kühe, also die Mitglieder von Kuhba Libre.

Der Sonntagvormittag war dann mit langsam wegtröpfelnden Teilnehmern des Treffens sehr gemütlich, aber auch ein bisschen traurig. Irgendwie ist es natürlich schön, wieder nach Hause zu fahren, aber andererseits hatte man auch eine schöne Zeit zusammen …

Im Moment sitze ich nun im ICE nach Hause, der aufgrund eines Schadens eines anderen Zuges auf der Strecke eine ganze Menge Verspätung akkumuliert hat und mich somit meinen Anschluss in Karlsruhe kostet, mit dem ich eigentlich von der Stadt in mein Dorf fahren wollte. Wahrscheinlich werde ich nun von meinem Mann abgeholt, auch nicht schlecht.

Immer noch verblüfft bin ich über die Vertrautheit, die ich mit all den Leuten „aus dem Internet“ so schnell herrscht. Naja, eigentlich bin ich nicht verblüfft, denn ich kenne das ja schon. Es ist nur so, dass man ganz oft Menschen trifft, die all den Internetbekanntschaften mit Misstrauen begegnen. Oft wird da gefragt, ob man sich denn überhaupt etwas zu sagen habe, warum man diese Leute treffen wolle – oder auch, ob man den keine Sorge habe, dass diese „Fremden“ die Erwartungen an Vertrautheit und ein schönes Treffen nicht erfüllten. Tatsächlich ist mir das in mittlerweile über 17 Jahren Treffen in den verschiedensten Online-Communities noch nie passiert. Bei nahezu allen lernte ich Menschen kennen, die so waren, wie sie sich auch in Chat, Teamspeak oder Spiel gegeben hatten. Keiner hatte sich verstellt oder wollte gar böse. Ich erinnere mich aus dieser Erfahrung heraus mit kopfschüttelndem Unverständnis daran, dass das Argument der Mutter eines zu so einem Treffen eingeladenen jungen Mannes war, die bösen Menschen aus dem Internet seien eigentlich böse Organhändler und wollten seine Nieren. Bis jetzt war für mich meist das größere Risiko jenes der Gastgeber – sich vermeintlich völlig fremde in ihre Häuser zu lassen, da gehört aus meiner Sicht mehr dazu als wohin zu reisen, wo man gleich wieder abreisen kann, wenn man will und zudem jemand vertrauten zuhause hat, der weiß, wo man hingereist ist. Aber wie gesagt: bei den ersten Treffen habe ich bei all diesen Bedenken vielleicht noch etwas Sorge bekommen, inzwischen sagt meine Erfahrung: Wer einem solchen Treffen zustimmt, hat sich in aller Regel nicht verstellt. Es wäre unsäglich peinlich, bei so einem Treffen aufzulaufen und ganz anders zu sein. Die Sache basiert auf Vertrauen – auf gegenseitigem Vertrauen, und wie man bei einer Community hinein chattet oder ins Teamspeak spricht, so schallt es heraus. Dass ich so ein Treffen nicht mit einer anonymen, eventuell auch vorwiegend auf Anbahnung von Beziehungen fokussierten Plattform wollen würde, steht auf einem anderen Blatt, denn da spielen Fassaden – auch wenn das nun komisch klingt – eine größere Rolle als bei Rollenspielern und Gamern. So kann ich recht deutlich sagen: Die Optik der Menschen ist vielleicht manchmal neu gewesen, aber spätestens Gestik und Habitus, oft auch die Stimme (sofern nicht bereits aus dem Teamspeak bekannt) passen in der Regel genau zu dem Menschen, den man sich vorgestellt hat. Gerade in seiner Freizeit in einer Community von etwas unkonventionellen Individualisten will man sich ja auch gar nicht verstellen, sondern man selbst sein. Und so war es wie ein Treffen mit alten Freunden, schon beim allerersten Mal. Nur weil man sich nicht physisch getroffen hat, heißt das nicht, dass es keine Vertrautheit gibt. Im Gegenteil, weit mehr als im Falle von Verwandtschaft oder räumlicher Nähe als Faktor des Kennenlernens hat man sich diese Menschen als sein Umfeld ausgesucht, seine Freizeit mit ihnen zu verbringen – und über Chatgespräche und Teamspeak sie bereits in sein Heim zu lassen, wo man sich gibt, wie man sich eben gibt, wenn man daheim ist.

Meine Güte. Ich erkläre etwas, das ich als wundervoll und selbstverständlich erlebt habe und scheine mich fast zu rechtfertigen, dass es wider alle Erwartung selbstverständlich ist, obwohl diese Erwartung, dass es nicht selbstverständlich ist, bereits lange widerlegt ist. Das klingt ein wenig … komisch. So fühlt es sich auch an, und vermutlich habe ich genau deswegen so viele Worte darum gemacht.

[KuK] Kran!

Vor einigen Jahren gab es mal einen Anlass, gemeinsam mit etlichen Trek-Monday-Weggefährten nach Stuttgart zu einem „Special“ zu fahren … zur Erklärung: der Trek Monday ist mein montäglicher SciFi-Video-Abend, ein Mitglied war umgezogen und wir besuchten sie mit Mann und Maus und DVDs. Daher fuhren wir von Karlsruhe nach Stuttgart.

An diesem Tag funktionierte vieles nicht, ich war ohnehin gestresst und so war meine Laune zum abgewöhnen. Ich beschloss, mich über das nächste Objekt am Wegesrand zu freuen. Mein finster entschlossen begeistertes „Oohh! Ein Kran!“ klingt vielen noch im Ohr.

Und somit: „Yay! Ein Kraaaaaan!“

Der Traum vom Pendeln

Ich stelle zur Zeit fest, wie schön es ist, nicht weit pendeln zu müssen. Lange Zeit bin ich eine weite Strecke mit dem Auto gefahren – nun sind es 28 Minuten mit der Bahn. Früher bin ich vom Dorf auf einen Campus außerhalb der Stadt gefahren, jetzt findet meine Mittagspause mitten in der Stadt statt – Einkauf beim Drogeriemarkt in 3 Gehminuten vom Arbeitsplatz, so dass auch eine Erledigung wie diese mal drin ist.

Wahrscheinlich habe ich über sieben Jahre tägliches Langstreckenpendeln erst so richtig die Lust am Auto verloren. Im Moment kann ich noch nicht viel zur neuen Arbeit sagen – nach zwei Tagen wäre das auch vermessen, schon jetzt „super“ zu rufen – aber der Hin- und Rückweg sind definitiv ein Luxus, wie ich ihn seit dem Studium nicht mehr genossen habe.

Ein tolles Echo!

Beim Laufen am vergangenen Samstag fand ich eine Karte, die an einem Ballon von Köln in die Oberrheinische Tiefebene gereist war und eine frohe Botschaft verkündete: Zwei Menschen hatten sich glücklich das Ja-Wort gegeben. Mit großer Begeisterung schrieb ich eine kleine Karte, schickte nicht einfach nur das weitgereiste Kärtchen zurück – und zu meiner großen Freude hat das Brautpaar zurückgeschrieben und mir Bilder vom Start der Ballons und sich selbst geschickt! Das hat mich unheimlich gefreut!

2018-06-30 20.20.17
Die Sendung des Brautpaares – im Interesse des Datenschutzes haben wir zumindest die Gesichter der Brautleute unkenntlich gemacht.

Was kommt, wenn’s anders kommt

Am Ende der vergangenen Woche fielen einige Dinge zusammen. Mir ging es seit Pfingstsamstag nicht so richtig gut, es gab ein paar spontane Veränderungen, die mich mehr erwischt haben, als ich dachte. Ein ganz leichter Schwindel in meinem Kopf war da, ging nicht weg – ich ignorierte es. Es kam das eine und andere zusammen, zwei Freunden ging es aus gewichtigen Gründen nicht gut. Ich hielt durch. Bis Donnerstag, dann kamen verschiedene Dinge zusammen. Mein Kopf tat nun wirklich weh. Richtig weh. Ich lag den ganzen Tag mit fiesesten Schmerzen im Bett, konnte nicht essen, nicht trinken, übergab mich und nahm ganze 500ml Wasser zu mir. Leider hielt sich der Schmerz über die Nacht, auch Freitags ging es mir schlecht – zu schlecht, um arbeiten zu gehen. Mein Arzt schlug sogar vor, nach dem Wochenende noch daheim zu bleiben, aber das wollte ich nicht – erstens gibt’s kommende Woche wichtige Termine, und zweitens wollte ich mich nun wirklich nicht damit abfinden, dass es SO lange dauern sollte …

Am Wochenende allerdings hatte ich einem der beiden Freunde zur Seite zu eilen. Am Donnerstag, während ich im Bett lag und mich vor Kopfschmerzen wand, erlitt er einen furchtbaren Verlust, einen Todesfall in der Familie. Die Reise zu ihm und mit ihm zum Japantag in Düsseldorf hatte ich schon abzusagen begonnen, aber am Wochenende fuhren wir dann doch hin. Wenn man ein Elternteil verliert, braucht man seine Freunde – ganz besonders diejenigen, mit denen man ohnehin viele intime Dinge bespricht. Also fuhren mein Mann und ich, ich gerade vom Kopfschmerz genesen, an den Mittelrhein. Wichtig war es, aber es war auch eine Zeit, in der ich mich nützlich fühlte. In der ich zuhören und erzählen, trösten und in den Arm nehmen konnte, durfte und musste.

Ich komme mir etwas komisch dabei vor, es so zu schreiben, aber meinem Freund und seinem Vater ein wenig beizustehen, war für mich auch eine Erfahrung, die unheimlich viel zurückgab. All diese immateriellen, emotionalen, wichtigen Dinge, die man mitbrachte, austauschte, wieder mitnahm – das ist ein wichtiger Teil dessen, wo sich zeigt, was im Leben eigentlich wichtig ist.

Ein bisschen was materielles habe ich dann aber aus Unkel am Rhein doch mitgenommen:

 

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Vier Kisten materielles, mitgebracht von einem Wochenende, das vor allem immaterielle Dinge mitzubringen und mitzunehmen beinhaltete. Rechts am Bildrand noch ein Geschenk, das ich dann nicht abgelehnt habe.