Sechs schöne Tage…

Sechs schöne Tage habe ich nun in Castellana Grotte in Apulien verbracht. Viel gelaufen bin ich – 180,9 Kilometer in sechs Tagen, dabei auch 3125 Höhenmeter… das meiste war Dauerlauf, es waren aber auch Hügelsprints und eine Zehn-Kilometer-Endbeschleunigung dabei.

Wir haben mehrere Ausflüge gemacht – Polignano a Mare, Ostuni, Matera, zum Meer in Monopoli (einmal per Mietwagen, einmal läuferisch) und zur Karfreitagsprozession in Castellana Grotte. Es wurde gemeinsam gekocht, spazieren gegangen, erzählt und gelacht. Ein Ausflug heute Nachmittag, das Wegbringen des Mülls, ein gemeinsam gekochtes Abendessen, Frühstück auf dem Weg nach Bari und der Heimflug liegen noch vor uns, dann hat Deutschland uns wieder.

Ich bin dankbar, mit meinem Lauftreff eine so schöne Reise, ein Trainingslager verbringen zu dürfen und habe nun viele Kilometer Vorbereitung für meinen dritten Marathon-Wettkampf in den Beinen und einen Plan für die restlichen vier Wochen bis zum Dämmermarathon im Kopf.

Viel von all dem Furchtbaren, das meine Gedanken sehr in seinen Klauen hatte und wieder haben wird, dazu meine Arbeit und den fest gefügten Alltag konnte ich eine Woche lang wegschieben. Ich bringe die Kraft und Zuversicht mit nach Hause, mich dem wieder zu stellen. Und ich freue mich auch schon sehr auf zuhause!

[KuK] Back in the Saddle again

Leistungsquantile beim Radfahren, monatsweise, seit Beginn meiner Leistungsmessung am Rad. Das 87,5-Perzentil und das 12,5-Perzentil sind für September nicht definiert, weil ich weniger als acht Radfahrten absolviert habe, krankheitsbedingt.

Ich habe es geschafft: Ich habe meine Liste nachgetragen. Dabei habe ich schmerzlich die Schmerz-Episoden und die Verzweiflung nochmal durchlebt, als ich all die Geh-Aktivitäten eingetragen habe. Teils war ich aus lauter Verzweiflung mitten in der Nacht um den Block gegangen, weil Schlafen nicht ging, Liegen nicht ging, und in der Wohnung Herumtigern mich wahnsinnig machte. Permanent in der Wanne liegen kann man ja auch nicht…

Aber die gute Neuigkeit ist: Nach dem Wiedereinstieg ins Radfahren im Oktober geht es steil bergauf mit der Leistung. Beim Radfahrtempo und den Distanzen sieht es ähnlich aus, wenn auch nicht ganz so plakativ deutlich – und beim Laufen mit etwas Verzögerung ebenso ähnlich.

Dinge tun…

…ist manchmal schwierig. Das Gemeine daran ist, dass Dinge nicht zu tun, die man tun will oder soll, es nicht leichter macht, diese Dinge nachzuholen. Im Moment exerziere ich das an meiner Excel-Tabelle für den Sport durch.

Durch die Krankheitsphase habe ich wenig einzutragen gehabt – und wenn, dann war es Gehen. Außerdem wollte ich mich nicht unter Druck setzen, da ich mir ja durchaus ambitionierte Ziele gesetzt hatte, die durch den Aussetzer unerreichbar wurden. Eine Mechanik in meine Sport-Excel-Tabelle einzubauen, die Krankheitswochen oder gar -monate anteilig von den Jahreszielen abzieht und meinem Ehrgeiz so Erleichterung zu schaffen, hatte ich zwar vor – dem fühlte ich mich aber durch die Schmerzen zuerst, später die Doppelbilder nicht gewachsen. Gleichzeitig kam dann das Laufen wieder, dann auch das Radfahren und das Dehnen, Yoga und Kraftübungen sowieso, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen. Ich geriet also in Eintragerückstand UND wollte neue Dinge eintragen.

Nun drücke ich mich seit Wochen darum, die Datei zu öffnen, nachzutragen und die Krankheits-Ausfall-Reduktion der Jahresziele einzuprogrammieren. Zugleich sind mir noch ein paar Ideen gekommen, die ich auch einbauen will: Im Zuge der Leistungsmessung interessiert mich, wie viel Joule pro Kurbelumdrehung und wie viel Joule pro Herzschlag ich beim Radfahren leiste. Sowas geht beim Laufen natürlich nur, wenn man da auch eine Leistungsmessung möglich ist – und zumindest eine Annäherung daran wäre der Stryd-Footpod, für den ich mich derzeit interessiere und den ich mir vielleicht selbst nachträglich zum Geburtstag schenke – oder einfach nach Weihnachten mal bestelle.

Natürlich wird’s nicht einfacher, sich aufzuraffen, wenn man die Aufgabe durch Abwarten immer größer werden lässt und sich zugleich ans Aufschieben gewöhnt. Aber vor dem Jahresende mach‘ ich’s. Spätestens im Urlaub vor Weihnachten, wahrscheinlich fange ich schon vorher an. Man muss es aber ganz klar sagen: Aufschieberitis ist ein leichter Weg, der sich rächt – und man kommt ganz schlecht wieder runter von diesem Mist-Pfad!

[KuK] Zielstand 1.7.

Zielerreichung Stand 01.07.2021 00:00 – weiter auf dem Weg!
Zielerreichung für das Jahr 2021, Bergfest.

Ich bin wieder da – und versuche, vielleicht nun nach einer Serie „Nicht-Posten“ wieder eine Serie des Postens aufzumachen. Hier seht Ihr, dass ich mit den globalen Zielen ganz gut dabei bin – und mit den Zielen für dieses Jahr zur Halbzeit jeweils schon deutlich über halber Strecke, Sportzeit oder Trainingsmenge in anderem Maß bin. Sehr ermutigend ist das!

Entwicklung

Ich habe mal wieder diesen Moment, wo ich zurückschaue. Denn oft ist es ja so: Man denkt, still zu stehen, nicht voranzukommen. Und dann dreht man sich um und sieht die Fußstapfen des Weges, den man bis zum aktuellen Standort gekommen ist. So ging es mir heute. Der Nachbar und die Nachbarstochter waren auf der Straße und die junge Dame radelte etwas skeptisch mit ihrem Fahrrad durch die Gegend. Der Nachbar selbst schraubte dann wieder an ihrem Sattel herum, er hatte einen Sechskant-Schlüssel in der Hand. Ich guckte einen Moment, während ich die Gepäcktaschen und den Hänger (Codename „Greyhound“) an meinem „Red Flash“ befestigte. Offenbar hatte sie eine neuen, komfortableren Sattel bekommen und experimentierte damit herum. Er stellte den Sattel nach eigener Aussage schon das vierte Mal weiter runter.

Dann philosophierten wir ein bisschen über Beinlänge, Sattelhöhe, ergonomische Sitzposition und darüber, die Füße beim Radeln auf den Boden zu kriegen. Schließlich probierte sie es nochmal, dann meinte sie, nun spüre sie es in den Knien. Ich ging in die Hocke und schaute mir die Kurbel an – eine 175er Alivio-Kurbel, allerdings eine alte, die noch nicht auf einer Hollowtech II Nabe sitzt. Dann stand ich auf und verglich ihre Beinlänge mit meiner. Schließlich brachte ich auf, dass man vielleicht über die Zeit mal mit kürzeren Kurbeln versuchen könnte – meine 175er am „Red Flash“ sind zwar für mich noch okay, aber ich bin deutlich größer als die junge Nachbarin… und somit erklärte ich, dass ich zwar eine 172,5er Ultegra-Kurbel links übrig habe, aber leider ist das halt eine für Hollowtech II Innenlager, und somit nicht kompatibel zum Austesten – eine rechte Kurbel hätte ja immer noch gefehlt. Schließlich erklärte ich noch, dass man eine Kurbel so lang wie möglich und so kurz wie nötig wählen solle – längerer Kurbelarm gibt besseres Drehmoment, zu lange Kurbel belastet die Knie.

Vermutlich habe ich nur Ideen geliefert, wonach die Nachbarn suchen können, um das Problem zu lösen. Aber mich brachte es zum Nachdenken:

Im November 2019 bekam ich von meinem Schwiegervater den „Silver Surfer“, ein Alu-Mountainbike geschenkt. Ich hatte erst Probleme zu fahren, dann lernte ich ein bisschen mehr. Dann versuchte ich, die verstellte Schaltung neu einzustellen, schaffte es, aber machte einen Fehler, so dass mir die Kette runtersprang. Auch das kriegte ich wieder auf die Reihe. Dann lernte ich ein bisschen was über Einstellung der Schalt- und Bremszüge, schließlich im Juni 2020 kaufte ich mir den „Green Scooter Killer“. Zuerst fiel mir die Technik der Räder noch schwer, aber inzwischen habe ich eine Leistungsmesserkurbel links montiert – sogar zweimal. Ich weiß ein bisschen was über Innenlager-Standards bei Shimano-Kurbeln, habe meinem Mann die Scheibenbremsen gewartet und meine Ultegra-Felgenbremsen repariert. Ich fürchte mich ein bisschen vor der Montage, bin aber zuversichtlich, eine rechte Leistungsmesserkurbel und ein neues Innenlager montieren zu können, sobald die Kurbel für den Green Scooter Killer da ist – außerdem habe ich am Lenker Zeitfahr-Extensions montiert.

In anderthalb Jahren bin ich von einer, die kein Rad fährt, zu einer geworden, die teils ihre Räder schon selbst wartet – und zumindest bis zu einem gewissen Grad auch anderen dabei helfen kann. Irgendwie komme ich nicht drum herum, auf meine Fußstapfen (oder eher Reifenspuren) der letzten 18 Monate Radfahren zu schauen und zu denken: „Is’n Ding!“

[KuK] Reflexion

Pfingstsonntag, halb acht. Ich frage mich, was eigentlich mit mir passiert ist.

Vor fünf Jahren wäre ich aufgestanden, hätte kurz WGT-Fotos meiner Freunde gecheckt, festgestellt, das manche noch gar nicht in ihren Zelten oder Hotels gewesen wären, und hätte mich wieder ins Bett gelegt.

Heute bin ich auf, trinke eine Tasse Kaffee und drei Tassen Tee und checke das Wetter, ob ich mir kurzer oder mittellanger Hose nach Karlsruhe radle, um mich mit meinen Laufpartnern auf einen Halbmarathon durch den Hardtwald zu treffen.

Es ist nicht nur „Corona passiert“. Meine Mama hat mal über den Ehemann einer Studienfreundin gesagt, er habe dasselbe „Asketisch Verbissene“ wie mein Papa damals. Ihre Freundin und sie redeten bei den Treffen der beiden Paare über das Studium, über Wein, die alten Zeiten. Mein Vater und der Ehemann der Freundin über Fahrräder, Kalorien, Sport.

Ich sehe mich gerne als intellektuelle und humanistische Erbin dessen, was meine Mutter verkörperte und war. Aber am Ende des Tages kann ich auch meinen Vater nicht verleugnen.

Verrückt

Verrückt war dieser Tag heute, verrückt ist diese Zeit. Klar, jeder denkt nun an Corona, aber das Thema ist tatsächlich bei dem Grund, warum ich das hier schreibe, nur als einer von mehreren „Grundbässen“ dabei. Die Melodie machen andere Sachen…

Das Leben verändert sich für mich gerade mit einem atemberaubenden Tempo. Nicht nur, dass ich inzwischen mit einem Fahrradanhänger Wocheneinkäufe und Essensabholungen erledige, somit das Auto steht, nein, ich habe auch das Inline-Skaten begonnen – das habe ich ja hier schon mehrfach erzählt.

Was nicht so viel thematisiert wurde, sind andere Dinge, die ins Rutschen gerieten. Mein Mann und ich beginnen derzeit, unsere Wohnung ein wenig umzugestalten und mehr unseren Bedürfnissen anzupassen. Vor neuneinhalb Jahren sind wir hier eingezogen, wir haben die eine oder andere Sache modifiziert, aber dann war lange Ruhe. Derweil veränderte sich unser Leben, veränderten sich unsere Lebensgewohnheiten, und wir wohnten immer noch in einer Wohnung, die wir von der Schwester meines Mannes und ihrer Familie übernommen hatten, mit kleinen Veränderungen und nicht wenigen Teilen des Mobiliars der Junggesellen-Wohnung meines Mannes und meiner Studentenbude. Nun haben wir den noch hier verbliebenen Holzofen abbauen lassen, den Kamin dafür schließen. Wir nutzten ihn eh nicht, nun ist an seiner Stelle erheblich mehr Platz und eine Spirituosen- und Sport-Trophäen-Vitrine. Das Gästezimmer wird langsam zum Homeoffice/Gästezimmer/Ersatzwohnzimmer. Es geht vieles voran!

Dazu merke ich wieder, wie sehr das Radfahren bei mir etwas anspricht, das bei anderen von Autos angesprochen wird: Tuning, Bastelei, Upgrades. Leistungsmesser-Kurbeln, Trikots, die zu meinen Geschichten passen, Trikots der Sport Löwen, nun auch Zeitfahr-Lenker-Extensions für das grüne Carbon-Rad, den Green Scooter Killer.

Warum ich heute darüber schreibe? Nun, gestern Abend wollte ich die Lenker-Extensions montieren, das erwies sich als nicht ganz einfach, so ganz nebenbei entdeckte ich dabei, dass meine Vorderradbremse am Rennrad nicht mehr richtig zurückschnappte, weil eine Achse verdreckt war. Das habe ich behoben, dazu die Extensions montiert und war stolz wie eine Königin. Heute früh war ich morgens im Homeoffice, dann beim Arzt, bekam meinen ersten Impftermin vereinbart, fuhr ins Büro, um Post zu sichten und ein paar Dinge zu klären, fuhr wieder heim und hielt eine Schulung für unsere Neuen. Dann testete ich ausgiebig die Lenker-Extensions und war völlig begeistert. Dazu wird es langsam wärmer – freilich, schön wird’s nur am Sonntag, aber kalt ist inzwischen nicht mehr so kalt wie noch in der kalten Jahreszeit.

Ich sprieße, blühe auf. Der metaphorische Winter, in den Corona uns am Ende des letzten Winters geschickt hat, hat mich viele Knospen treiben lassen – und vieles davon blüht nun auf. Und da wird einiges verrückt, an neue Stellen, gewinnt neue Qualitäten.

Ver-rückt eben!

Gezähmt: Der innere Schweinehund

Mein innerer Schweinehund ist derzeit wohl ein ziemlich zahmes Tierchen. Ich mache recht viel Sport, meinen Jahres-Durchschnitts-Zielen bin ich (vom derzeit schwer zu realisierenden Schwimmen abgesehen) weit voraus:

Zielerreichung, Stand 30.03.

Beim Laufen sind’s fast zwei Wochen, die ich meinem Ziel voraus bin, beim (niedrig gesteckten) Skate-Ziel sogar fast zwei Monate. Generell läuft’s gut. Aber aus verschiedenen Gründen habe ich nun, in der letzten Halbwoche des ersten Quartals, mit dem Laufen ein bisschen langsam getan. Am Sonntag war’s „nur“ Halbmarathon-Distanz, gestern und heute bin ich gar nicht gelaufen. Freilich, für morgen sind Intervalle geplant, aber… die letzten Wochen war ich Stand Dienstag meistens schon bei 30 Kilometern.

Eine Ruhewoche manchmal tut einem gut. Das weiß ich, und ich beherzige es seltener, als ich es vielleicht sollte. Allerdings geht es mir gut dabei. Und wie gesagt: Ich bin meinen Zielen voraus, zumindest das Ende des Quartals mal ein bisschen ruhiger anzugehen, das ist durchaus drin. Erst recht, weil man ja über Ostern nicht viel anderes tun können wird als Sport zu treiben… Wahrscheinlich werde ich meinen vierten Marathon für 2021 schon an Ostern erledigen und somit auch den Grundstein für drei oder mehr Marathons oder längere Distanzen im zweiten Quartal legen.

Und dennoch ist da diese kleine Stimme, die in mein Ohr wispert: „Zwei Tage nicht gelaufen? Himmel, Tally, Du lässt es schleifen! Was, wenn das so anhält? Wie schnell verliert man diese prägende Gewohnheit?“

Ich werde wieder laufen, ich verliere nicht die Gewohnheit, und dick und fett werde ich auch nicht, immerhin bin ich gestern wie heute ein erkleckliches Stückchen Rad gefahren und jeweils auch auf Inline-Skates unterwegs gewesen. Aber es ist schon krass, wie sich mein Kopf meldet, wenn mal mehr als ein Lauf-Ruhetag dazwischen ist…

Entertainer

Wie es scheint, ist an mir wohl ein Entertainer verloren gegangen. Freilich liegt das immer im Auge des Betrachters, aber heute hatte ich gewisse Indizien, dass ich eine Geschichte im realen Leben, sofern ich viel Anteil daran nehme, ganz gut erzählen kann.

Heute Mittag hatte ich aus irgendeinem Anlass kurz mit einer Kollegin zu tun, die auch Physik studiert hat, wenn auch mit anderen Fokus als ich. Wir hatten es dann kurz von Physik-Professoren und wie die so drauf sind, dann erzählte ich ihr noch etwas anderes und sie fragte nach. Wie es so kam, verquatschten wir uns: Von meinem Physik-Hauptdiplom in theoretischer Physik kamen wir auf meine (ganz gegensätzlich verlaufene) Hauptdiplomprüfung in experimenteller Physik. Dann kam das Thema auf meine Selbstbelohnung danach (eine abenteuerliche Fahrt mit dem Auto über mautfreie Straßen durch die Schweiz und Frankreich nach Le Bourg d’Oisans, Übernachtungen im Auto, das Bergzeitfahren in l’Alpe d’Huez während der Tour de France 2004) und dann auf Radsport.

Schließlich landeten wir dabei, dass sie fragte, wie Radsport schauen so sei. Also schilderte ich, was mich daran fasziniert – anhand dreier Bergankünfte, die großen Eindruck bei mir hinterlassen haben, durch die Bank aber schon sehr lange her sind:

  • Miguel Indurains Verfolgungsjagd nach Lourdes Hautacam 1994, als er zusammen mit Luc Leblanc alle Spitzengruppen jagte, einholte und hinter Luc Leblanc zweiter in Hautacam wurde.
  • Bjarne Riis‘ Angriff von der Spitze der fünfköpfigen Spitzengruppe, diese schiere Demonstration bloßer Überlegenheit, als vier starke Bergfahrer, die normal sehr wechselschnell fahren können, einem von der Spitze der Gruppe wegradelnden Riis nicht mehr folgen konnten – wieder in Lourdes Hautacam.
  • Jan Ullrichs Zurückfallen zum Teamwagen mit Walter Godefroot, sein lässiges zurückradeln in die zerrupften Reste des Hauptfeldes – und dann seine Attacke, wie er in der Serpentine forciert, wie er Virenque abhängt, die Zweiergruppe um Cédric Vasseur im gelben Trikot stehen lässt.
    Wie er dann den Kopf schüttelt, als er den führenden Ausreißer stehen lässt, höher hinaus stürmt, seinen Trikot-Reißverschluss schließt und sich dann umschaut, ob ihm jemand folgt, doch da ist keiner mehr…

Ich scheine es gut gemacht zu haben. Ich scheine meine Begeisterung, meine Gänsehaut von damals gut transportiert zu haben, denn sie tupfte kurz ihre Augen. Es ist selten, dass jemand die Dramatik, die unglaubliche Spannung und diese Gänsehaut nachfühlen kann, die es in mir weckt, einen Helden an einem Berg eines Straßenradrennens geboren werden zu sehen. Und sei’s nur bis zum nächsten Tag, wenn die anderen ihn deklassieren, oder bis herauskommt, dass er gedopt hat, oder alles zusammen.

Vermutlich kann ich das wirklich nur bei Dingen, von denen ich überzeugt bin, zu denen ich eine emotionale Bindung habe. Aber bei denen scheine ich es zu können – eine Spannung aufzubauen, eine Erzählung zu kreieren, die mitreißt. Das freut mich, denn ich weiß, dass es mir sehr viel bedeutet, diese enorme Begeisterung transportieren zu können. Vielleicht werde ich, wenn ich nun wieder anfange, Radsport zu schauen, neue solche Szenen erleben und den Leuten erzählen… das wäre schon klasse, finde ich.