Was die Anzeigetafel nicht kann

Die Haltestelle Kronenplatz (Fritz-Erler-Straße) in Karlsruhe verfügt über eine tolle Anzeigetafel, auf der die nächsten Abfahrten angezeigt werden. Die Anzeige erfolgt sogar bezogen auf die tatsächliche Position der Bahnen, sofern diese verfügbar ist: Verspätet sich eine Bahn und ist das anhand ihrer Fahrt in Richtung Kronenplatz bereits absehbar, wird die voraussichtliche Abfahrtszeit und auch die voraussichtliche Abfahrtsreihenfolge der Bahnen angezeigt, nicht die planmäßige. 

Das mag jetzt vielen als Selbstverständlichkeit erscheinen, aber ich habe das Gefühl, so lange gibt’s das eigentlich noch nicht in der flächendeckenden Form, wie man es mittlerweile vorfindet. Ich jedenfalls finde es gut. Allerdings muss die Anzeigetafel mit ihren vier Zeilen recht viele Bahnen anzeigen. Sind irgendwelche Störungen, Meldungen, Zugausfälle im Gange, fehlt zusätzlich noch die unterste der vier Zeilen, weil hier einen Laufschrift erklärt, was gerade nicht so gut funktioniert und welche Konsequenzen das hat. In der Praxis stehen also oft nur die nächsten drei Bahnen auf der Anzeigetafel… 

So weit, so gut. Künftig werden auf dieser Strecke mit Halt an dieser Haltestelle wohl nur noch Trambahnen verkehren. Sofern’s nicht mehr als vier Linien sind und alle zehnminütig verkehren, hat man also die Chance, dass die nächsten Abfahrten aller fraglichen Linien angezeigt werden. Indes, im Moment ist es nicht so. Denn an der Haltestelle „Kronenplatz (Fritz-Erler-Straße)“ halten derzeit die Trams [2] und [5] sowie die S-Bahnen S1/S11, S4, S51/S52, S7 und S8. Die S-Bahnen haben grundlegend unterschiedliche Fernziele außerhalb Karlsruhes, so dass es insbesondere bei den nur einmal stündlich verkehrenden S51/S52, S7 und S8 sehr wahrscheinlich ist, dass eine gegebenenfalls verspätete Bahn nicht angezeigt wird, weil die Liste voll ist mit zehnminütig verkehrenden Trams [2] und [5] sowie der quasi-tramartig zehnminütig verkehrenden S1/S11. So weit, so klar. 

Vorgestern nun kam ich zur Haltestelle und war spät dran. Normalerweise verlasse ich zwischen 17:16 und 17:19 das Bürogebäude und bin zwischen 17:18 und 17:21 an der Haltestelle, 17:21 fährt planmäßig meine S7 nach Hause, ist aber meistens ein wenig spät. Ich war 17:23 an der Haltestelle und auf der Anzeigetafel standen: S4 sofort, [2] in einer Minute, S1 in zwei Minuten. Als die S4, die gerade in der Haltestelle stand, weggefahren war, rückte in die zweitunterste Zeile eine Tram [5] nach. In der untersten Zeile verkündete der KVV, dass personelle Engpässe bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe Ausfälle auf den Tram-Linien und der S2 bedingen könnten. Ich schnaufte: „Uff! Ist die schon weg? Fährt die S7 überhaupt?“ Sonst hätte ich nämlich 40 Minuten warten müssen, bis die nächste S8, die mich auch nach Hause bringt, gefahren wäre! Doch dann… 

Doch dann entdeckte ich eine Frau, die mir wegen ihrer langen, welligen Haare und der immer gleichen Position, an der sie auf die S7 um 17:21 wartend am Geländer lehnt, über die letzten Monate vertraut geworden ist. Wir haben noch nie ein Wort gewechselt, einander aber oft gesehen und einander zugenickt. Ich meinte so: „Oh, schön. Die S7 ist also noch nicht durch, wenn Sie hier noch warten! Ich sehe Sie nämlich regelmäßig.“ Sie bestätigte, erklärte aber, sie sei auch erst seit einer Minute da. Dann erschien auch schon die S7 auf der Anzeigetafel und wir beide freuten uns. Mit einem netten, unverbindlichen Gruß gingen wir auseinander. Dass sie aber auch noch wartete, hat mir mindestens eine Minute bangen Wartens erpart, ob die S7 schon weg sei. 

Ich hätte natürlich auch mit der App ÖPNVlive nachsehen können, aber für den Moment war die andere Variante offensichtlicher – und netter!

Gut zu Fuß

Heute hatte ich meine Bildschirmarbeitsplatz-Vorsorgeuntersuchung von der Arbeit. Dafür fuhr ich mit der Straßenbahn quer durch die Stadt, vom Marktplatz zur Bannwaldallee. Das geht mit der roten Tram-Linie [1] des KVV ganz lässig ohne umsteigen.

Nach der Untersuchung ging es für mich flott weiter – Tram [1] zum Mühlburger Tor, S1/S11 Richtung Hochstetten – und nun sitze ich im Bus von Leopoldshafen zum KIT Campus Nord, wo ich einen Vortrag halte. Indes, so selbstverständlich ist das nicht! Die rote Tram [1] fiel aus – zweimal in Folge. Zu Fuß ging ich flott von der Bannwaldallee über die Brücke zur Europahalle, entlang der Tram zur Schiller- und dann zur Yorckstraße. Ich erreichte die S1/S11 VOR der geplanten S1/S11. Mit der nicht ausfallenden Tram wär‘s knapp geworden für die eigentlich geplante!

So hatte ich – wegen Verspätung – nur kurz auf den Bus zu warten, auch das wäre sonst eng geworden! Glücklich erreiche ich gleich Campus Nord, und das vor allem, weil ich mal rasch sechs, sieben, acht Tramstationen in der eigentlichen Fahrzeit plus 20 Minuten zu Fuß überbrücken kann.

Nun geht’s einen Vortrag halten!

…und mangels „dickem“ mobilem Netz am KIT sitze ich nach dem Vortrag schon wieder in der Bahn, wenn nun der Beitrag endlich online geht.

[KuK] Die erste Tour

Langsam beginnt, wer einsteigt oder wieder einsteigt. Mit noch etwas zu ölender Kette und reichlich Unsicherheit fuhren mein Mann und ich am vergangenen Sonntag auf den Parkplatz vor der Festhalle im Ort und ich übte ein bisschen anfahren und schalten auf meinem neuen, gebrauchten Fahrrad.

Danach ging es eine kurze Runde um den Block. Langsam, freilich, sehr langsam. Ich kann schneller laufen als wir fuhren, aber darauf kam es nicht an. Es ging darum, wieder sicher zu werden, wieder anzufangen. Und so bin ich nun wieder unter die Fahrradfahrer gegangen und habe eine 22 Jahre alte Phobie nach meinem Radunfall überwunden.

Stolz wie eine Königin hoch zu Stahlross!

Man verlernt es nicht…

… sagen sie. Das ist wie mit dem Schwimmen.

Worum es geht? Um das Fahrradfahren. Vor zwanzig Jahren hatte ich einen Unfall mit dem Rennrad, das Oberrohr wurde um fast 30 Grad verbogen – die Kraft wurde vom Kühler des Geländewagens durch mein Knie auf das Oberrohr vermittelt. Knöcherner Innenbandabriss, so lautete damals die Diagnose, und das war noch gewaltig Glück bei dieser Kollision – der eine Gegner ca. 30km/h schnell, der andere 60km/h. Keine Sorge: ICH war’s, die 60km/h drauf gehabt habe. Wäre der Geländewagen so ein Tempo gefahren, dann gäb’s mich vielleicht nicht mehr. Auch wäre wohl einer der Obstbäume der Wiese, in die ich dann flog, ein ziemliches Problem gewesen. Indes, ich verfehlte sie alle und es brach auch nur ein Stück Knochen raus, an dem das Innenband am Knie hing. Zusammengeschraubt, Sommerferien in Gips, Urlaub passé – aber immer noch SEHR glimpflich!

Seit dem bin ich fast nicht mehr Rad gefahren. Ich war damals 17, habe es im darauffolgenden Herbst und dem Sommer des Jahres drauf nochmal versucht, aber die Angst war immer dabei. Also stellte ich das Radfahren ein.

In den vergangenen Wochen nun hat sich mein Schwiegervater ein E-Bike gekauft und sein altes Fahrrad an mich verschenkt. Kein Rennrad, ein Mountainbike mit Federung und allem drum und dran. Bestimmt besser für mich, die ich darauf sehr unsicher sein würde, sagte ich mir. Heute endlich habe ich mich mal darauf gewagt.

Man verlernt es nicht? Hmm … aber es ist verdammt nah dran am verlernt Haben! Besonders schwer war das Anfahren – das Vertrauen in die stabilisierende Wirkung der sich drehenden Räder in Verbindung mit den kleinen Lenkbewegungen am Vorderrad ist einfach nicht mehr da. Es ist auch schwer, dieses Vertrauen zu haben, wenn man von der stabilisierenden Kraft noch nichts spürt, weil die Räder stillstehen, aber man sich darauf verlassen soll. Anfahren war sauschwer, alle fünf Male, die ich es heute im langsamen Dunkelwerden bei uns vor dem Haus probiert habe.

Vielleicht geht es morgen nochmal raus auf den Parkplatz vor der Festhalle, um ein bisschen auf einem Rundkurs und mit weniger Gefahr durch Autos ringsum zu probieren, was geht. Aber ich denke, früher oder später werde ich es wieder können. Es ist nur nicht ganz einfach, wieder reinzukommen. Aber der erste Schritt – oder der erste Tritt, wenn man so will – ist getan. Ich werde wieder Fahrradfahren. So trivial das all denen erscheinen mag, die damit nicht 20 Jahre lang aufgehört hatten: Es ist schwer. Und ich bin verdammt stolz darauf, dass ich es wieder probiert und nicht beim ersten Versuch wieder gekniffen habe.

Akkus mögen keine Kälte

Kaum wird’s kalt, stresst der Akku meines Telefons wieder herum. Es geht erschreckend schnell, dass die Prozente der Ladung dahinschmelzen, wenn ich das Telefon draußen im Kalten nutze. Ich weiß, warum das so ist, dennoch…

Aber nicht nur für den Akku meines iPhone SE gilt das, sondern auch für meinen biologischen. Wenn es kalt und dunkel draußen wird, geht mir viel schneller die Energie für den Tag aus. Ich könnte mehr schlafen, bin schlapp und lustlos. Dafür liebe ich es, wenn‘s heiß und hell ist im Sommer. Klar, 40 Grad sind hart, wenn man arbeiten soll, aber 36 Grad sind für mich noch Wohlfühlzone.

Und so kämpfen sich die Akkus meines Telefons und meines Körpers durch den Winter und träumen vom Sommer. Mal sehen, wie gut es sich im ICE auf Dienstreise nach Köln träumen lässt.

Reminiszenz

Stadtbahnstation August-Bebel-Straße an der S1/S11 des KVV, betrieben von der AVG. Fotografiert in Richtung Norden, wo die Stadtbahnstation Kurt-Schuhmacher-Straße liegt.

Knochensteine, Betonschwellen und eine eingegrabene Stadtbahnlinie. Das ist die S1/S11-Linie des KVV zwischen dem Städtischen Klinikum und Neureut – auf der Schiene gesehen. Es ist auch die S1/S11-Linie des KVV zwischen Nordweststadt und altem Flughafen – quer zur Schiene gesehen.

Von 1999 bis 2010 habe ich im Kropsburgweg gewohnt, während ich in Karlsruhe studierte, Diplomarbeit schrieb, promovierte. Von 1999 bis 2010 hatte ich als Studentin eine Netzkarte des KVV, das Studiticket. Die Station Kurt-Schuhmacher-Straße, eine nördlich vom obigen Bild, war mein Einstieg.

Gestern hatte ich bei der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) zu tun, war also per Dienstgang mit dem KVV in Karlsruhe unterwegs. Die Hertzstraße 173, wo der Teil der LUBW sitzt, zu dem ich gestern musste, liegt kaum 400 Meter von meiner ehemaligen Studentenbude entfernt. Ein paar Hundert Meter weiter von Ko-Autor Manuel (der damals noch nicht dort wohnte und den ich damals noch nicht wirklich kannte).

Ich habe wieder ein Netzticket des KVV, nun ist es ein Jobticket. Ich war wieder in meinem ehemaligen Revier unterwegs. Dort habe ich das Laufen angefangen. Dort habe ich lange gelebt – zehn Jahre! Es waren die ersten zehn Jahre alleinleben. Das gab einen Erinnerungsflash…