Terra Inkognita

Ich betrete – oder eher befahre – Neuland. Im dritten Monat, in dem ich meine wiedergeborene Fahrradfahr-Karriere betreibe, ist das Radfahren heute erstmals in Sachen „momentaner Stand“ vor dem Laufen.

Was das heißt? Nun, mit meiner Fahrt zur Arbeit mit dem Fahrrad liegt der Kilometerstand mit dem Fahrrad am heutigen „schmutzigen Donnerstag“ des Jahres 2020 bei knappen 215 Kilometern. Gelaufen bin ich, bedingt durch verschiedene Aspekte, im Februar bisher erst 208 Kilometer. Das Verhältnis wird sich zur Mittagspause nochmal umdrehen, denn da werde ich nochmal etwa zehn Kilometer laufen, aber mit der Heimfahrt nach Feierabend geht dann das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Rad und Laufschuhen zugunsten des Radfahrens in den nächsten Führungswechsel.

Ich hätte niemals gedacht, allem Wissen um „mehr Kilometer in weniger Zeit“ beim Radfahren zum Trotz, dass es nur zwei Monate dauern würde, dass das Radfahren streckenmäßig den Löwenanteil meines Sports übernehmen würde. Aber da allein ein Arbeitstag, an dem ich mit dem Fahrrad hin und zurück fahre, bringt mich 40 Kilometer voran. Das sind Distanzen, die täglich zu laufen illusorisch für mich ist, dafür habe ich einfach nicht die Zeit. Klar, im Marathon-Training passieren schon ein, manchmal zwei Dreißiger in der Woche, aber halt am Wochenende. Gerade im Moment bin ich etwas vorsichtig, weil nach dem superschnellen Zwanziger in Rheinzabern vorletzte Woche die linke Wade noch ein paar kleine Problemchen macht, und am vergangenen Wochenende waren wir bei Freunden, wo ich auch lieber den Besuch genieße, als drei Stunden durch die Gegend zu rennen. Genauso gilt aber auch: Solche Wochen wie die aktuelle, in der ich zwei- bis dreimal meinen Arbeitsweg radele, statt ihn mit der S-Bahn zurückzulegen, werden künftig eher die Regel als die Ausnahme sein. Das sind dann 80 bis 120 Kilometer Radfahren. Mein anvisiertes Jahresziel für’s Laufen sind wieder im Jahresschnitt zehn pro Tag – also 70 Kilometer in der Woche. Letztes Jahr waren’s 11,1 km/d, also knappe 80 in der Woche – das Radfahren wird also meine Hauptkilometerquelle werden, ab dieses Jahr. Das ist schon ein bisschen krass, wie schnell das ging.

Fun fact am Rande: Als ich mich gestern bei „Mit dem Rad zur Arbeit“ bei der AOK registrierte, fragte ich mich: „Wie zum Henker bringe ich denn nun meine Radfahrten in das System?“ Dann realisierte ich, dass die Arbeitsfahrten mit dem Rad erst ab Mai – AB MAI! – dort registriert werden. Klar, es soll für jedermann sein, aber wenn nicht gerade die Preise, die man da gewinnen kann, nach Kilometerleistung vergeben werden, ist doch mit dem Rad zur Arbeit fahren im späten Frühjahr bis Frühsommer nichts mehr Besonderes, sofern man nicht aus Gründen der Distanz, der körperlichen Verfassung, mentaler Blocks oder der Nicht-Verfügbarkeit eines Rads verhindert ist!

Aber es ist wie beim Laufen auch: Wenn man bei Kälte, Regen und Wind damit anfängt, weil man es gegen Kopfschmerzen und anderes BRAUCHT, dann geht’s immer und jederzeit. Viele der Freunde, die entsetzt darüber waren, dass ich gar nicht mehr radgefahren bin, bis vor drei Monaten, fahren inzwischen deutlich weniger als ich. Das ist schon ein bisschen krass, denn so hart würde ich mich eigentlich gar nicht finden, wie das impliziert.

Die unmöglichen… (Zutreffendes bitte ankreuzen)

Heute morgen fuhr ich wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das ging sehr gut, zumindest in Rheinstetten und auch sonst… bis ich dann auf der Sofienstraße war, die als Fahrradstraße gewidmet ist. Dort überholte ich in schönem Schwung eine andere Radfahrerin, vor uns war ein Transporter. Der hielt dann – ich wartete hinter dem Fahrzeug, der Fahrer hatte keinen Blinker gesetzt, er wartete einfach nur. Ich war drauf und dran, selbst vorbeizufahren, da fuhr die zuvor überholte Radfahrerin links an mir vorbei, wollte links am Transporter vorbei… „Quiiiiieeetsch!“, machten ihre Bremsen. Nichts war passiert, der Transporter war allerdings mit nach links eingeschlagenen Rädern auf einen Parkplatz in der Straßenmitte gefahren.

Wer hat falsch gehandelt? Solidarisiert mit der Radfahrerin, ich war ja selbst Radfahrerin, schimpfte ich: „Blinken wäre vielleicht eine Option!“ Allerdings wäre auch hinter dem auf der Fahrbahn haltenden und sicher einen Grund dafür habenden Transporter zu warten eine Option gewesen! 

Dann waren da eben noch die beiden Damen mit Hunden, die ungeniert mit Hunden, Leinen und eigenen Körpern die volle Fünfpersonenbreite eines Radwegs nördlich des Uni-Geländes dichtmachten, auch wenn sie mich als Läuferin entgegenkommen sahen. Interessierte sie aber nicht, ich wich ins Gras aus. Auf dieser Basis – und vielen weiteren solchen Ereignissen, habe ich den folgenden Beschwerdebogen entwickelt: 

Vorderseite 

Dieser Beschwerdebogen dient nicht zur Beschwerde über gefährliche Situationen oder gar Unfälle. Touchiert ein Autofahrer Dich als Fahrradfahrer fast, oder nimmt Dir jemand sehenden Auges die Vorfahrt, brülle laut über die Straße und wirf ihm diesen Bogen (zerknüllt) hinterher. Hoffentlich triffst Du! 

Du hältst diesen Bogen noch in der Hand? Nun gut, also: 

Diese unmöglichen… (zutreffendes bitte ankreuzen)

  • [ ] Autofahrer
  • [ ] Radfahrer
  • [ ] E-Rollerfahrer
  • [ ] Skater
  • [ ] Hundehalter
  • [ ] Jogger
  • [ ] Spaziergänger…

haben mir ___________________________________________________ (Freitext) angetan. 

Ich bin im Recht, weil ich… (zutreffendes bitte ankreuzen)

  • [ ] Autofahrer
  • [ ] Radfahrer
  • [ ] E-Rollerfahrer
  • [ ] Skater
  • [ ] Hundehalter
  • [ ] Jogger
  • [ ] Spaziergänger

… bin und … (zutreffendes bitte ankreuzen)

  • [ ] es eilig habe.
  • [ ] ganz vorsichtig fahre/laufe/gehe.
  • [ ] der andere sich viel weniger richtig verhalten hat als ich! Nämlich! *aufstampf* 

Zur Einreichung bitte wenden und den dort abgedruckten Text lesen. 

Rückseite 

Hast Du selbst Dich den Regeln entsprechend völlig korrekt verhalten? 

  • [ ] „Ja.“ 

Wirklich?!? 

  • [ ] „Hmtja. Vielleicht. Ist das wichtig?“: Eigentlich schon. Wer im Glashaus sitzt, oder so… 

Ist jemandem etwas passiert? 

  • [ ] „Ja“: Rufe einen Arzt. Dann die Polizei. Beides unnötig? Drehe diesen Bogen um und lies die oberste Zeile der Vorderseite.
  • [ ] „Nein“: Verordne Deinem Ärger eine Aspirin und verhalte mindestens Du Dich weiterhin korrekt. 

Am Ende dieses Bogens steht die Frage: Konnte jemand – Du oder der andere – wissen, dass er sich falsch verhalten hat? Wenn ja: Lass es Dich selbst und den anderen wissen, wenn es irgend geht. Und dann macht’s besser, beim nächsten Mal!

[KuK] Cuteness Overload

Xue versucht, den Fahrkartenkontrolleur auf sich aufmerksam zu machen.

Von unserer kleinen Xue und Rocky, ihrer gestreiften Reisebegleitung, gab’s am Wochenende in den Zügen und danach noch ein paar weitere Bilder. Ich bekomme selbst den Cuteness-Overload, wenn ich das Ganze nochmal ansehe…

Xue zeigt den anderen Tierchen ihren kleinen ICE, den sie von mir geschenkt bekommen hat.

Zuhause musste die Kleine dann unbedingt ihren kleinen ICE den daheimgebliebenen Tierchen zeigen. Rocky und die Mäuse, die im Rucksack schlafend die Zugfahrt verbrachten, sind auch dabei – aber Schildi, der Pinguin Fritjof sowie Glitzi und Kitty, die beiden Tuschelkatzenfreundinnen, haben den kleinen ICE total ehrfürchtig bewundert!

Single Serving Friends

Wir fuhren am Freitag von Karlsruhe nach Hamburg zum 50. Geburtstag einer Freundin. Dabei fiel mir eine Sache wieder ein…

Im Film „Fight Club“ charakterisiert Tyler Durden Mitreisende im Flugzeug als „Single Serving Friends“, als abgepackte Einweg-Freunde. Genau das haben wir dann auch erlebt: uns gegenüber saß eine junge Dame, und an dem kleinen ICE, den ich Xue gekauft habe, entspann sich ein Gespräch.

Xue und ihre BahnCard sowie ihr kleiner ICE.

Unsere Reisebekanntschaft stellte sich als aus Rumänien stammende Studentin der Computerlinguistik heraus, und wir sprachen über Sprachen, Laufen, Klimawandel, Wissenschaft, 5G-Ausbau, Pendeln und „Gott und die Welt“. Es war wundervoll!

Telefonnummern zu tauschen haben wir vergessen. Single Serving Friends eben. Dennoch, wundervoll, von all dem, das wir vorhatten zu tun, auf diese Weise abgelenkt zu werden.

[KuK] Zugfahr‘n!

Xue und Rocky verreisen.

Heute geht es mal wieder nach Hamburg. Xue und Rocky sind dabei – und noch drei weitere Stofftiere, die auf Xues Ticket mitfahren. Alle sind pflichtschuldigst bahnfahrbegeistert, denn die Mitnahmeregelung gilt ja nur für bahnfahrbegeisterte Stofftiere. Die beiden Mäuse und der Bär sind aber im Rucksack geblieben – sie sagen, sie wollen lieber schlafen.

Fast-Duathlon

Dieser Beitrag ist all den Spöttern gewidmet, die mir nicht glauben, dass ich keinen Triathlon betreiben werde.

Heute gab es – bedingt durch Notwendigkeiten – auf meinem Heimweg fast einen Duathlon. Das kam so: Mein Fahrrad hat ja noch ein Einstellungsproblem mit der Schaltung. Ich habe das Ganze zwar weitgehend gelöst, aber ich wollte dennoch mal den Profi ranlassen. Also habe ich den Termin beim Zweiradhändler, bei dem auch Holger sein Fahrrad und sein Pedelec warten lässt, nicht abgesagt. Allerdings musste nun mein Rad irgendwie während deren Öffnungszeiten dorthin… und da ich ja auch Vollzeit arbeite, war das mal wieder gar nicht so einfach.

Die Lösung jedoch war nicht so schwer: Man fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit und dann mit dem Fahrrad zum Radhändler… dann fragt sich nur noch, wie man heimkommt. Mit der Bahn von Malsch nach Rastatt und dann von Rastatt nach Bietigheim? Da sträubt es sich in mir. Den Mann verpflichten, mich mit dem Auto abzuholen… hmm… auch irgendwie nicht. Schließlich kann ich laufen! Erst während des Laufs kam mir der Gedanke, dass das ja zumindest teilweise ein Duathlon ist. Ich bin zwar vor der Radtour nicht gelaufen, aber habe zumindest Radfahren und Laufen kombiniert.

Somit bin ich 18,5 Kilometer in rund 59 Minuten geradelt – bei vollem Gegenwind, und danach mit ebenfalls ordentlich Gegenwind auf einigen Passagen 12,8 Kilometer in 1:17 gelaufen. Die rund 8°C, die Garmin hier unterstellt, sprechen dem Gefühl durch Windchill wirklich Hohn. Es war saukalt, aber wirklich, weil die ganze Zeit kühler Wind blies, teils direkt von vorne. Nur zwischen Ettlingenweier und Malsch wurde es phasenweise richtig warm, weil Gegenwind, gute Jacke und Steigungen zusammenwirkten und ich den Eindruck hatte, volle Kraft voraus zu treten, nur um nicht rückwärts geweht zu werden!

Jetzt bin ich erstmal erledigt und werde auf die Mischung aus Magerquark, Maismehl und Honig, die ich direkt nach dem Heimkommen verschlungen habe, noch ein ordentliches Abendessen drauflegen. Vermutlich schlafe ich danach auf dem Sofa ein – wenigstens warm ist mir wieder, nachdem ich heiß geduscht habe.

Zauber, Überzeugungskraft, Ungewissheit und verdammte Sturheit

Dies sind die vier Grundkräfte der Druiden der Scheibenwelt, so zitiert in „Das Licht der Magie“. Natürlich spielen diese auf die vier Grundkräfte der modernen Physik an: Elektromagnetismus, starke Wechselwirkung, schwache Wechselwirkung und Gravitation. Diese vier Grundkräfte, vermittelt durch Austauschteilchen (Photonen, Gluonen, W- und Z-Teilchen sowie die Gravitonen, wobei letztere ein eigenes Kapitel sind), erklären die gesamte Physik, wenn man es ein mit ein bisschen Zauber und Überzeugungskraft sieht und eine gewisse Ungewissheit in Kauf nimmt.

Vermutlich habe ich, ebenso wie mit den Clarke’schen Gesetzen, schonmal Blogbeiträge mit den druidischen Grundkräften der Scheibenwelt bestritten. Mir als Physikerin mit ein wenig Humor ist das Ganze natürlich sehr nahe. Allerdings lässt sich auch vieles im Leben mit den vier Grundkräften erklären – in der Physik eher mit den vieren der Physik, im sonstigen Leben… nun, da würde ich eher das druidische Quartett nehmen. So auch nun:

Wie gestern beschrieben, hatte ich ein kleines Malheur auf dem Weg zur Arbeit. Die Fahrradkette sprang, nach Erhöhung der Spannung des Zugs, hübsch hoch und runter auf den Kettenblättern – bis der Zug genug zog, um auf das vierte Kettenblatt zu schalten. Das vierte Kettenblatt? „Äh,“ sagte die Kette. „Da ist kein viertes Kettenblatt.“ Der Zug antwortete: „Ich war nur ein bisschen übereifrig, Du hast da einen Anschlag, da geht es nicht weiter. Der Umwerfer stoppt da schon, reg‘ Dich nicht auf, Kette.“ Daraufhin die Kette: „…“ Der Umwerfer: „Die Kette hat recht: Da ist kein Anschlag. Ähm – halt doch, da ist ein Anschlag! Kette, Stopp, da ist ein Anschlag.“ Die Kette: „Zu spät!“ Der Anschlag: „Leute, ich hab‘ mich getäuscht, ich dachte, da wäre ein viertes Kettenblatt, zumindest wurde ich so eingestellt.“ Alle zusammen: „Mist.“

Nun war für mich die Frage, nachdem ich mir die Finger an der Kette schwarz gemacht hatte, die Kette nicht zwischen Plastikschutzteil und großem Kettenblatt rausbekam und mein Fahrrad kilometerweit heimgeschoben hatte: Wie gehe ich damit um? Das ist gar nicht so einfach, denn nach gerade mal etwas mehr als zwei Monaten Radfahren, sich nur langsam und noch nicht nachhaltig aufbauender Sicherheit, wo ich zuvor 20 Jahre nicht gefahren war, ist die Situation schwierig. Ich wollte auf keinen Fall gleich wieder daran gewöhnt werden, nicht Rad zu fahren oder Angst davor zu haben. Ich wollte mich nicht daran gewöhnen, immer an die nächste Panne zu denken. Und eine Woche bis zum Werkstatttermin gar nicht Rad fahren wollte ich schon gar nicht, denn dann hätte ich bestimmt all diese Unsicherheiten und Ängste so RICHTIG an die Luft gelassen.

Der Zauber des Neuanfangs war also weg. Die Ungewissheit hatte übernommen. Wie also sollte ich zusammenhalten, was meine neue Identitätskomponente als „wiedergeborene Radfahrerin“ ist? Mit der Überzeugungskraft bei mir selbst hausieren zu gehen, das hat manchmal seine Probleme, insbesondere, wenn ich im (Grund-)Kraftregime der Ungewissheit bin. Gewissermaßen sind Überzeugungskraft und Ungewissheit ja Antagonisten, Zauber und verdammte Sturheit allerdings auch. Der Zauber ist weg, es lebe die verdammte Sturheit!

Die verdammte Sturheit ließ mich nicht akzeptieren, dass die Kette nunmal runtergesprungen war. Die verdammte Sturheit ließ mich gucken, welche Art von Werkzeug ich für den Plastikschutz am großen Kettenblatt brauche. Dann schraubte ich das Ding mit dem Kreuzschlitz-Schraubenzieher ab, hob die Kette auf’s große Blatt und schraubte das Ding wieder dran. Dasselbe Werkzeug ermöglichte mir, den Anschlag besser einzustellen und somit dem übermotivierten Schaltzug eine Begrenzung aufzubürden. Dass ich im Zuge der Versuche gleich auch noch bei der Zugspannung in die falsche Richtung drehte und erstmal nicht mehr auf das große Blatt schalten konnte (Im Regime der Ungewissheit!), überwand ich ebenfalls nicht mit Zauber, Überzeugungskraft oder Wissen, sondern mit (geringfügig mit von Manuel erlerntem Wissen unterfütterter) verdammter Sturheit! Dir zeig‘ ich’s, Schaltung! Wenn der Zauber aus ist, muss die verdammte Sturheit es richten. Nach Kettenfall um 7:30 saß ich gegen 13:00 wieder auf dem Rad und testete Einstellungen. Um 15:00 fuhr ich zusammen mit meinem Mann zum Einkaufen und danach machten wir noch eine kleine Tour. Und langsam setzte der Zauber wieder ein, verdammte Sturheit und später Zauber spülten die Ungewissheit, ob die Kette draufbleiben würde, aus meinem Geist. Dennoch brauchte ich heute morgen eine Mischung aus verdammter Sturheit und Überzeugungskraft, um der Ungewissheit Herrin zu werden und mich auf mein Fahrrad zu setzen. Als ich dann an der Würmersheimer Straße hinunterrollte in Richtung Weißenburger Straße, wo mir gestern beim Schalten die Kette runtersprang, fühlte ich den Umwerfer zittern, ebenso das Kettenblatt. Der Schaltungszug machte Entspannungsübungen, um bloß nicht wieder die Kette runterfallen zu lassen. Ich ließ meine Pfoten von der Schaltung, nachdem ich auf den vier Kilometern zuvor vorsichtig hoch- und runtergeschaltet hatte. Dann rollte ich um die Kurve, kam auf die Gerade am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium vorbei auf der Weißenburger Straße, schaltete hoch, und da…

Passierte nichts. Zumindest nichts Schlimmes. Ein bisschen schliff’s für einen Moment, weil der Zug eben vorsichtig eingestellt ist und daher spät schaltet, aber der Anschlag wirkte. Die Kette rutschte wieder, das fünfte Mal auf dieser Fahrt, auf das große Kettenblatt. Der Tretwiderstand stieg, ebenso das Tempo. Ein, zwei Autos überholten mich. Alles prächtig! Später, an der Steigung der Mühlburger Straße von der Grenzstraße hoch in Richtung Hautpstraße, schaltete ich erfolgreich runter auf’s kleine Blatt, danach wieder hoch auf’s mittlere, schließlich auf’s große – alles gut. Ich flog regelrecht dahin, auf dem Radweg zwischen Durmersheim und Mörsch! Herrlich, wenn auch saukalt! Der Zauber war da! Dann…

Krack. Geht nichts? Blick runter auf die Kette, angstvoll, Ungewissheit am Start. Oh, ich habe beim Bremsen ein zweites Mal den Runterschalter gezogen, ohne richtig zu treten, das mag die Kette nicht. Also wieder hoch auf’s mittlere Blatt geschaltet, die Kette schnurrte vom großen auf’s mittlere, alles ging wieder. Lektion: Beim Hochschalten feste ziehen, beim Runterschalten nur antippen. Beim Bremsen nicht aus Versehen nochmal runterschalten. Dann klappt das auch. Vielleicht bringt ein Werkstatttermin nächste Woche noch eine feinere Einstellung, aber bis auf weiteres hat die verdammte Sturheit den Zauber und die Überzeugungskraft zurückgebracht.