[KuK] Warum?

Manchmal habe ich den Eindruck, mit Rennlenker und Zeitfahr-Extensions werde ich von etlichen Radfahrern und Fußgängern automatisch als rücksichtsloses Ar… als metaphorischer Anus abgestempelt. Dass ich Helm trage, benutzungspflichtige Radwege in der Regel sogar mit dem Rennhobel nutze und an roten Ampeln warte, verblüfft sie dann. Dass ich den Pedelecer, der knapp und unter einer Verwünschung an mir vorbei über die rote Ampel zischt, auf halbem Wege bis zur nächsten Ampel wieder überhole, tut dann wenig zur Sache.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass ich es auch in anderer Hinsicht nur verkehrt machen kann. Eben war ich noch vergessenen Orangensaft mit dem Rennrad und Rucksack holen, nachdem wir gestern mit Alltagsrad und Gepäcktaschen einkaufen waren. An der Kreuzung vor dem Kreisel beim Edeka wollte ich links Richtung Kreisel und Supermarkt abbiegen, nach langsamem Rollen durch die verkehrsberuhigte Zone hielt ich mich ganz rechts. Mitten auf der Straße, auf die ich einbiegen wollte, fuhren drei Kids, kamen von rechts – ich hatte ja sowieso am Ausgang des verkehrsberuhigten Bereichs keine Vorfahrt, von rechts-vor-links ganz abgesehen. Also rollte ich schön langsam auf die Einmündung zu, um die drei vorbei zu lassen.

Einer der beiden Jungs des Trios zog nach links, um links abzubiegen, schwenkte an den für ihn linken Straßenrand, starrte mich boshaft an, voll auf Kollisionskurs. Von Lenkerbreite schwenkte ich auf Reifenbreite Distanz des von mir rechten Straßenrands, doch der junge Mann ließ nicht locker, bis ich anhalten musste – schwenkte dann quer über die Straße, um für ihn ganz rechts, für mich ganz links auf den Radweg zu fahren, grinste mich unverschämt triumphierend und schwankend nach hinten guckend an, während ich fassungslos angehalten hatte.

Was soll denn so ein Scheiß?

Abgeleitete Leistungswerte

Vor einiger Zeit hatte ich eine Unterhaltung mit jemandem über meine Sport-Auswertungen. Mein Gegenüber fand meine abgeleiteten Daten wohl etwas „magisch“ (immer gemäß dem dritten Clarke’schen Gesetz, dass jede hinreichend fortschrittliche Technologie von Magie nicht zu unterscheiden ist), er sei mehr der „ZDF“-Typ, was „Zahlen, Daten, Fakten“ bedeutet.

Am Ende des Tages war ich da ein wenig beleidigt, habe das aber nicht nach außen gezeigt. Die Werte, die ich benutze, sind letztlich einfach nur Quotienten oder Produkte von Messwerten, also nichts anderes als „Zahlen, Daten, Fakten“, nur eben ein bisschen aufbereitet, um die Umstände rauszurechnen. Aber genug der gekränkten Eitelkeit.

Derzeit arbeite ich zur Erkennung von Trends in meiner Sport-Entwicklung mit drei verschiedenen Form-Schätzern. Einer davon ist inzwischen für das Laufen, das Radfahren und das Schwimmen gut etabliert und funktioniert nachweislich. In jedem Falle benutze ich dafür die „Pulsreserve“, auf der die Karvonen-Formel basiert. Dafür zieht man vom Puls einer Aktivität den Ruhepuls ab und setzt das dann mit dem Maximalpuls minus dem Ruhepuls in Beziehung. Das unterscheidet sich von der inzwischen sehr weitreichend üblichen Angabe von Trainingszonen in Prozent der Maximalherzfrequenz, ohne Beachtung des Ruhepulses. Ich habe Leistungspuls minus Ruhepuls deswegen etabliert, weil meine Leistungsschätzer nur dann unabhängig von der Intensität meiner Aktivität meinen Trainingsstand anzeigen.

Long Story short: Ich nehme Puls minus Ruhepuls für eine Aktivität und multipliziere mit der „Pace“, also der Läufer- und Schwimmer-Geschwindigkeit in Minuten pro Kilometer bzw. Minuten pro 100m. Beim Radfahren teile ich durch die Geschwindigkeit. Das ergibt dann über den Ruhepuls hinaus zusätzliche Herzschläge pro Strecke. Um handliche Werte zu bekommen, rechne ich beim Schwimmen zusätzliche Herzschläge pro 25 m, beim Laufen zusätzliche Herzschläge pro 100 m und beim Radfahren zusätzliche Herzschläge pro 200 m. Ich nenne diese Schätzer „PRASPP“ (Puls-Reserve-Ausnutzungs-Schwimm-Pace-Produkt), „PRAPP“ (Puls-Reserve-Ausnutzungs-Pace-Produkt) und „PRAGQ“ (Puls-Reserve-Ausnutzungs-Geschwindigkeits-Quotient). Es ist natürlich keine „dimensionslose Kennzahl“, auf die die Maschinenbauer unter Euch so stehen, aber so viel Unterschied besteht da nicht. Wie sich die jeweiligen Werte des PRASPP, PRAPP und PRACQ über die letzten zwölf Monate entwickelt haben, seht Ihr in den Bildern hierunter:

Ich schwimme nicht so oft, aber in den Werten von Aktivitäten im Laufen und Radfahren, wo ich für jede einzelne auch PRAPP und PRAGQ bestimme, kann ich Infektionen schon Tage vor Ausbruch erkennen. Gibt es keinen sichtbaren Grund (schlecht geschlafen, viele Höhenmeter…) für die Erhöhung der zusätzlichen Herzschläge pro Strecke, so reduziere ich Trainingsmenge und vor allem Intensität – meistens kommen die Symptome dann etwas später. Neben der Eigenschaft als Leistungsschätzer sind die Werte also zuverlässige Krankheitsvorhersage.

Mittlerweile habe für das Laufen und Radfahren, wo mir durch Stages-Leistungsmesser-Kurbeln und Stryd-Footpod jeweils Leistungsmessungen zur Verfügung stehen, weitere Schätzer etabliert. Die sind aber noch im Experimentierstatus:

Die neuen Schätzer sind die physikalische Arbeit (also Joule = Wattsekunden) pro Herzschlag bzw. pro Schritt oder Pedaltritt. Vermutlich sollte ich die Arbeit nicht pro Herzschlag ableiten, sondern pro zusätzlichem Herzschlag. Aber wie gesagt, noch ist das Ganze im Experimentierstatus, während PRASPP, PRAPP und PRACQ hochgradig etabliert und auf Belastbarkeit ihrer Aussagekraft überprüft sind.

Natürlich sind das andere Schätzer als in der konventionellen Trainingslehre – aber einem funktionierenden Leistungsschätzer, den ich genau verstehe, traue ich mehr, als einem in der Blackbox meiner Fénix oder meines Edge-Fahrradcomputers nach einem von Garmin nicht veröffentlichen Modell berechneten VO2_max, zumal ich ja schon oft gesehen habe, dass insbesondere in PRAPP und PRAGQ Infektionen oder andere körperliche Probleme sichtbar werden, noch bevor ich sie wirklich spüre.

Nur mal so am Rande…

In den letzten Wochen habe ich über soziale Medien öfter Berichte von Radfahrern gelesen, denen bei Forderungen nach geteerter Radinfrastruktur vorgeworfen wurde, sie führen ja nur aus Freizeitgründen. Auto-Infrastruktur diene ja Arbeitswegen… deswegen reicht Schotter und festgefahrene Erde für Radwege, Straßen (bei uns selbst die zum Paddelverein am Altrhein im Naturschutzgebiet!) sind dagegen stets geteert und glatt.

Nur mal angerissen: Als Radfahrer oder Radfahrerin ist man auch mit Schutzblechen dem von den Rädern aufgewirbelten Teil des Belags, insbesondere, wenn er angeweicht ist, deutlich direkter ausgesetzt als in einer Blechdose. Auf zwei Rädern spielt Rutschigkeit durch angeweichte Erde oder durch Schotter eine wesentlichere Rolle für die Stabilität der Fahrt als auf vier Rädern. Den höheren Rollwiderstand durch unebenen Untergrund gleicht man auf dem Rad durch Muskelkraft (oder ggf. ein wenig E-Unterstützung) aus, man spürt also direkt in der erforderlichen Anstrengung die Wege-Qualität.

Spielt ja in der Freizeit alles keine Rolle (echt nicht?). Ich würde allerdings unterstellen, dass ich nicht die einzige Person bin, deren Fahrradnutzung so aussieht:

Gefahrene Rad-Kilometer 2022 bis zum aktuellen Tag, eingestuft nach Anlass der Fahrt.

Sport-Fazit: Abernten im Mai

Der Mai war mein erster sportlicher Saisonhöhepunkt 2022. Das äußerte sich in drei Laufwettkämpfen mit drei jeweiligen Bestzeiten:

  • Badische Meile über 8,88889 Kilometer am 08.05.2022:
    Fünfter Platz der Damen in einer Zeit von 34:21 (Verbesserung von 1:41 gegenüber 36:02 bei der Badischen Meile im Jahr 2019)
  • SRH Dämmermarathon in Mannheim am 14.05.2022:
    Dritter Platz der Damen und Sieg in der Altersklasse W40 in 3:09:56 (Verbesserung von 8:37 gegenüber 3:18:33 beim Badenmarathon 2019)
  • Oberwald parkrun über 5 Kilometer am 21.05.2022:
    Gesamt-Erste mit 19:08 (Verbesserung von 0:08 gegenüber 19:16 beim Herbstlauf der TGÖ im Jahr 2019)

Dass in einem so laufwettkampfintensiven Monat nicht ganz so viel sonst gelaufen wurde, ist irgendwie klar: Man muss sich ja auf den Wettkampf hin erholen („Tapering“). Allerdings bin ich wieder richtig viel Rad gefahren – viel zur Arbeit, zu Dienstreisen und Vorträgen, aber auch ein bisschen aus Spaß an der Freude. Außerdem habe ich das Schwimmen endlich wieder aufgenommen. Und so fasste ich mal in Bildern zusammen:

Laufen wurde wegen Taperings weniger, Radfahren wieder erheblich mehr, Schwimmen kam endlich wieder dazu. Insgesamt geht die Kilometerleistung nicht stetig, aber doch nach oben, seit der Krankheit im letzten Herbst.
Mehr als die Hälfte der Zeit beim Sport habe ich auf dem Rad verbracht, etwa ein Drittel beim Laufen, dazu zwei Stunden beim Schwimmen und drei bei sonstigen Aktivitäten.
Der Löwenanteil meines Trainings fand im moderaten Bereich statt, wenig war sehr intensiv.

Nun geht es in den Juni, wo sich dank Stadtradeln für den Wohnort und Stadtradeln für den Arbeitsort die Radkilometer häufen sollten – und dank des Wetters wohl die Schwimmleistung weiter hoch geht. Erst Mitte Juli will ich wieder ins Marathontraining einsteigen, dann für den Badenmarathon. Großartig ist, dass ich die Lauftreffs des Regierungspräsidiums, mindestens die abteilungsübergreifenden, wieder gepusht hat, und es auch angenommen wird. Da wird wohl einige schöne Lauferei zusammenkommen!

Schnell zum Ziel mit dem Rad

Es scheint auf der Straße und den Radwegen zwei Hauptstrategien zu geben, mit dem Fahrrad schnell ans Ziel zu kommen. Natürlich können diese auch in Kombination eingesetzt werden, aber ich stelle fest, dass es durchaus eine Fraktion gibt, die die eine, und eine, die die andere Möglichkeit eher nutzt:

  1. Ausdauer und Kraft – recht flott fahren, wo es geht, in die Pedale treten und schnell nach einem Halt wieder auf eine Reisegeschwindigkeit kommen.
  2. Rote Ampeln und andere gemäß StVO verbindliche „Hindernisse“ als Vorschläge begreifen und einfach drüber weg fahren.

Das ist nun natürlich etwas suggestiv und provokant formuliert. Ich für meinen Teil hänge zwar hinreichend an meinem Leben und meiner Gesundheit, um immer damit zu rechnen, die Vorfahrt genommen zu bekommen – aber an Stellen, wo der Autofahrer von rechts eine Kante hat oder aus einer Spielstraße kommt (immer vorausgesetzt, ich fahre berechtigt auf der Straße, weil es keinen als solchen ausgewiesenen Radweg gibt) gewähre ich nicht präventiv Vorrang, nur weil der Autofahrer der Stärkere ist, sondern halte nur, wenn er widerrechtlich sich die Vorfahrt nimmt, motzend und fluchend an.

Rote Ampeln jedoch betrachte ich als obligatorisch, ebenso Vorfahrt oder Sperrungen. Ich fahre auch nicht „ist ja Platz genug nebeneinander“ in den von rechts kommenden anderen Radverkehr hinein. Klar, Fehler passieren immer mal, ich möchte das jedoch nicht zur Regel werden lassen.

Heute erlebte ich es mal wieder: An einer Stelle meines Heimwegs rollte ich munter auf dem Radweg einer sich unterhaltenden, das Handy auf dem Rad nutzenden, Schlangenlinien fahrenden Dreiergruppe hinterher. Ich bestand nicht drauf, dass sie mich vorbeilassen, zumal mein Vertrauen in das Spurhalten der drei Herren eingeschränkt war – nicht wegen irgendwelcher Unterstellungen von Alkohol oder dergleichen, sondern weil ich der von Multitasking durch Unterhalten, Handygucken und Wegfinden gestörten Radbeherrschung der drei nicht über den Weg traute. An einem folgenden Anstieg merkte einer der drei was und forderte die anderen auf, mich vorbeizulassen. Ich nahm an und trat in die Pedale, fuhr auf den Radweg, zur Ampel und stand dann erstmal. Die drei wechselten auf dem Grünstreifen vom Radweg auf die Straße, rollerten bei grüner Geradeaus-Ampel für die Autos quer über je zwei Fahrsteifen pro Richtung und bogen dann rechts in eine Straße. An der Radfahrer- und Fußgängerampel fühlte sich einer der zwei wartenden Radler genötigt, dann auch über Rot rüber zu fahren. Ein anderer und ich warteten. Vermutlich hätte ich die drei Herren mit Handy und allem nochmal überholen dürfen, wenn sie nicht woanders entlang gefahren wären.

Ich bin sicher kein Engelchen, allerdings sind insbesondere Ampeln, Stoppschilder und Vorfahrtsregeln für mich bindend, auch wenn ich einige für den Radverkehr wahrhaft unverschämt geschaltete Ampeln auf meinem Arbeits- und Heimweg habe. Meist hole ich nach einem Drittel des Weges bis zur nächsten Ampel diejenigen wieder ein, die bei Rot drüber gefahren sind, während ich gewartet habe, bis Grün kommt. Freilich gibt’s auch den einen oder die andere, die schnell unterwegs sind und es mit den Regeln mehr als nur „nicht so genau“ nehmen.

Ich für meinen Teil lebe halt damit, dass ich gegebenenfalls an sieben Ampeln auf den mittleren sieben Kilometern meiner Heimfahrt jeweils eine Minute warte. Da nützt mir im Extremfall auch meine Ausdauer und Kraft wenig, selbst mit 17-20 km/h Endgeschwindigkeit sind die, die die Ampeln ignorieren, dann schneller, obwohl ich auf freiem Weg durchaus mal eine drei vorne an der Geschwindigkeit habe – wenn ich Gegenverkehr auf dem schmalen Radweg habe oder Fußgänger dort sind, mache ich natürlich langsamer. Aber tatsächlich glaube ich, dass ich damit sowohl brenzlige Situationen „gegen“ Autofahrer vermeide und auch das Wohlwollen der anderen Verkehrsteilnehmer nicht verspiele.

Gelegentlich bekomme ich dann verwunderte Reaktionen, denn so ein bisschen kann man schon den Eindruck gewinnen, dass Fußgänger und Autofahrer fest davon ausgehen, wer einen Rennlenker fährt, benimmt sich im Straßenverkehr wie ein Ar… Organ, das mit dem finalen Schritt der Verdauung befasst ist.

[KuK] Zu müde…

…für ein Mai-Fazit zeige ich Euch erstmal etwas, wegen dessen ich ursprünglich meinen Strava-Account gemacht habe. Heatmaps. Meine Aktivitätscluster seit meinem Beitritt zu Strava.

Von links oben nach rechts unten:

  • Sommerurlaub 2020 in Bensersiel: Zehn Läufe, zwei Radfahrten.
  • Besuch bei Freunden 2022 nahe Buxtehude: Zwei Läufe, zwei Spaziergänge. Nicht dargestellt: Eine Schwimmaktivität.
  • Besuche bei Freunden 2020 und 2021 nahe Bonn: Ca. 20 Läufe, der Rest Spaziergänge.
  • Nordbaden: Läufe, Radfahrten, Freiwasserschwimmen… Spaziergänge, Skating-Einheiten. Marathon-Wettkämpfe… ca. 1600 Aktivitäten.
  • Main-Tauber-Kreis, Dienstreise 2020: Zwei Läufe.
  • …und zuletzt, ganz unten: Trainingslager in Castellana Grotte 2022, zehn Läufe, fünf Spaziergänge.

[KuK] Reicht es nicht?

Heute auf der Heimfahrt rollte ich flott mit Rückenwind den Radweg entlang. Das war kein großes Problem, ich rolle auch gut mal ein paar hundert Meter jemandem langsam hinterher. Das tat ich mehrfach. Bei schönem Wetter sind ja auf gemischten Wegen Fußgänger und andere Radfahrer unterwegs – Gegenverkehr wie auch langsamerer Radverkehr in derselben Richtung.

Teils klingelte ich, meistens wartete ich einfach einen guten Moment ab und fragte dann höflich, ob ich vorbei dürfe. Ein Pedelec-Fahrer allerdings reagierte auf mein Klingeln eher mit dem Dichtmachen des Radwegs. Ob er mich nicht gehört hat, mein Überholmanöver vor einem entgegenkommenden Fußgänger zu riskant gefunden hätte, meine Geschwindigkeit unterschätzt hat – ich weiß es nicht.

Bis zur Ampel rollte ich ihm hinterher. Klar, mit Elektrounterstützung startet man schneller, also war er auch an der Ampel schneller am Start. Nach vielleicht fünfzig Metern waren meine 32 bis 35 Sachen aber wieder ausreichend, um von hinten an seine elektrisch unterstützten maximal 25 ranzukommen. Ich fragte höflich, ob ich links vorbei dürfe. Er herrschte mich an, wenn ich klingele, ließe er mich auch vorbei. Ich meinte: „Du hast mich doch gesehen und gehört?“ Aber ich tat ihm den Gefallen und klingelte, er machte Platz – und zog dann doch wieder nach links und drohte, mich in die Wiese abzudrängen. Vielleicht war’s ein Ast des Gebüschs, vielleicht aber auch böser Wille. Ich weiß es nicht.

Aber WENN er unbedingt will, nächstes Mal mache ich es richtig förmlich. Ob es ihm mit einem „ich mach’s förmlich“ von einer Beamtin vom Regierungspräsidium auf dem Rennrad dann genehmer ist, wage ich zu bezweifeln…

Vorabend

Heute waren wir beim 25-Jährigen Betriebsjubiläum meines Mannes, in ein ziemlich nobles Restaurant eingeladen von seiner Firma. Wir sind natürlich mit dem Fahrrad gekommen. Tags zuvor wurde „The Highway Tales Cycling“ für das Stadtradeln in 76467 Bietigheim (Baden) als Team mit den drittmeisten Kilometern ausgezeichnet.

Nun geht es gleich ins Bett… mein Stryd sagt, dass mein Running Stress nach der Erholungswoche niedrig ist und ich die aktuelle Fitness ausnutzen soll. Tja, genau das habe ich vor. Der Marathon startet in 16 Stunden. Vielleicht werde ich einen neuen, einen grün umrandeten und tief liegenden Punkt in meinem Wettkampf-Diagramm mit Personal Bests und sonstigen Wettkampfleistungen ergänzen… wir werden sehen.

Stand: 13.05.2022

Der April gelaufen: Weg zur Topform

Das Monatsfazit des Sport-Aprils dieses Jahr fällt lauflastig aus. Der April war der Hauptanteil meiner Vorbereitung für den kommenden großen Wettkampf: Am 14.05. werde ich beim SRH Dämmermarathon in Mannheim ein drittes Mal die 42,195 Kilometer im Wettkampf unter die Sohlen nehmen. Eigentlich war geplant, beim Trollinger-Marathon in Heilbronn bereits am 08.05. Marathon zu laufen, mit über 300 Höhenmetern auf der Strecke und entsprechend reduzierten Erwartungen an die Zeit. Nun ist es eine Woche später der superflache, bestzeitenfähige Dämmermarathon geworden.

In die Vorbereitung hinein fügte sich perfekt, dass der Lauftreff der LG Hardt, an dem ich nahezu jeden Sonntag teilnehme, in der Karwoche ein Trainingslager in Apulien veranstaltete. Parallel habe ich ein Buch gekauft und bin noch dabei, es zu lesen – nämlich „Greif – for running life“ von Peter Greif, das sich ja zentral um die Marathon-Vorbereitung dreht. Entsprechend habe ich auch mein Training gestaltet und bin zum ersten Mal seit langem wieder mehr Kilometer gelaufen in einem Monat, als ich im selben Monat Rad gefahren bin. Besonders im Trainingslager habe ich parallel sehr konsequent abends Yin-Yoga gemacht, Rumpfstabis in der einen oder anderen Form habe ich auch jeden Tag im April gemacht, und fünf Minuten Dehnen, vor allem für Nacken, Hüftbeuger und Waden waren auch jeden Tag dabei, meistens ein Stück mehr.

Nun ist er rum, der April… und ich habe über 75 Stunden bei Ausdauersport-Aktivitäten verbracht. Davon war der größte Teil beim Laufen und das meiste im aeroben Grundlagenausdauerbereich.

Das Rad hatte ich in Apulien nicht dabei, und erstmals seit April 2020 bin ich auch mal wieder Teile des Arbeitswegs gelaufen, genau genommen habe ich den langen Tempodauerlauf (20 Kilometer im Marathonrenntempo) als Arbeitsweg bestritten. Das Rad kam entsprechend etwas kurz, auch vieles sonst…

Laufen – Marathon-Vorbereitung

Die wesentlichen Komponenten der Marathon-Vorbereitung im „Greif“ sind Tempodauerläufe im Marathonrenntempo, Intervalle (oder eher: Wiederholungen mit Erholung dazwischen) im Halbmarathonrenntempo sowie lange Läufe mit Endbeschleunigung. Dass ich mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung keinen superanstrengenden Greif-Countdown in Reinkultur machen würde, war mir klar… aber es kam doch erschreckend nahe.

Lange Läufe (32 bis 38 Kilometer mit von Woche zu Woche längerem „schnellen Ende“) gab’s zuhauf, alleine vier im April. Ein fünfter soll heute am ersten Mai folgen, während dieser Beitrag erscheint. Tempotreppen (2-3-4 oder 4-3-2 Kilometer im Halbmarathonrenntempo, jeweils mit einem Kilometer Pause dazwischen) gab es zwei, lange Tempodauerläufe drei. In regenerativem und extensivem Tempo bin ich auch eine Menge dazwischen gelaufen, außerdem gab’s in Apulien zweimal kurze Hügel-Sprint-Wiederholungen. Immer habe ich zwischen zwei intensive Trainings mindestens eine Tag mit langem, aber sehr viel weniger intensivem Training gelegt. In Zahlen bzw. Diagrammen:

70 % meines nach Modellen berechneten Grundverbrauchs habe ich im April beim Laufen zusätzlich an Kalorien rausgeblasen. Mit 530 Kilometer in knappen 50 Stunden sowie insgesamt fast 4300 Höhenmetern, davon die meisten im hügeligen Apulien, war das der laufintensivste Monat meiner bisherigen Sport-Karriere – mit deutlichem Abstand. 4200 Höhenmeter hatte ich zwar schonmal erreicht, aber der April 2022 brachte ganze 70 Kilometer mehr Laufstrecke als der bisher intensivste, der Oktober 2020. Im Schnitt war ich 17,6 Kilometer pro Tag unterwegs. Allerdings waren es natürlich nicht jeden Tag fast 18… sondern an etlichen Tagen 30 oder mehr, an anderen deutlich weniger. Schließlich braucht man für den Marathon die langen Läufe und zwischendrin Erholung.

Ein Achtel meiner Läufe im April waren länger als 32 Kilometer, wie man an der blauen Linie im Quantil-Plot sieht, ein weiteres Achtel länger als 25 Kilometer, also bei der grünen Linie. Es waren aber auch einige kurze dabei. Fast ein Viertel meiner Strecke habe ich auf den geplanten Marathon-Schuhen zurückgelegt, auf Altra Escalante Racer. Das Experiment mit dem Altra Vanish Carbon ist nicht mehr als das – ein Experiment. Vielleicht laufe ich darauf mal einen Marathon, aber nicht diesen. Dafür habe ich zu wenig Praxis auf den Schuhen. Auf dem etwas gedämpfteren, schwereren Bruder der Esclante Racer, dem Escalante selbst, habe ich fast eine weitere Hälfte meiner Kilometer gemacht. Auch das zielt auf einen Marathon auf Escalante Racer hin. Die Performance ist dabei viel besser geworden…

Deutlich ist zu sehen, dass mein Puls unter der langjährigen mittleren Kurve, die Puls und Geschwindigkeit in Beziehung setzt, geblieben ist, für die Aktivitäten im April. Das heißt, ich laufe derzeit effizienter und mit niedrigerem Puls schnell. Das sieht man auch an den abgeleiteten Leistungswerten – statt Watt (Joule pro Sekunde) gebe ich hier Joule pro Herzschlag und Joule pro Schritt oder Tritt an. Die verrichtete physikalische Arbeit pro Schritt ist gleich geblieben, aber Schrittfrequenz ging hoch, Herzfrequenz dabei runter. Beim Radfahren ist der Effekt nicht da, ich habe auch sehr laufzentriert trainiert. Zu guter letzt sieht man deutlich, dass sowohl der Ruhepuls als auch die zusätzlichen Herzschläge über den Ruhepuls hinaus pro gelaufenen 100 Metern deutlich gesunken sind – ein Zeichen, dass ich fit bin, fit wie selten in meiner Laufkarriere, und das trotz oder vielleicht wegen der hohen Trainingsbelastung.

Radfahren

…kam zu kurz. Arbeitswege, Einkaufen, mal ein paar nette Trainingsfahrten, aber nichts wesentliches. Nicht einmal 400 Radkilometer (387) stehen 530 Laufkilometern gegenüber.

Auch beim Radfahren sieht man, dass ich fit bin. Aber nicht so stark wie beim Laufen, denn ich bin weitgehend als Verkehrsmittel geradelt, Arbeitswege fielen in einer Woche durch das Trainingslager weg, zweimal bin ich zum Büro oder von dort heim gelaufen, statt Rad zu fahren. Fast ausschließlich kam der „Red Flash“, mein Arbeitstier zum Einsatz. Aber auch beim Radfahren sieht man deutlich, dass ich nach langer Krankheit im Herbst 2021 und Erkältung im Februar 2022 nun wieder richtig auf dem Vormarsch bin – wohl durch das intensive Lauftraining. Die zusätzlichen Herzschläge über den Ruhepuls hinaus pro 200 Meter Radstrecke („PRAGQ“, Puls-Reserve-Ausnutzungs-Geschwindigkeits-Quotient) ist am Sinken, ich brauche als über den Ruhepuls hinaus weniger zusätzliche Herzschläge für Radstrecke. Das Laufen trainiert also auch für’s Radfahren das Herz-Kreislauf-System.

Was bleibt und was kommt

Am Ende dieses Monats bleibt, dass mit dem Marathon zum Mahlberg am 31.03. sowie der Endbeschleunigung am 01.05. über 600 Kilometer Laufen in 32 Tagen in meinen Beinen stecken. Nun geht es ins Tapering für den Marathon. Im April hat die Läuferin die Radfahrerin fast noch einmal eingeholt, doch Radfahr-Tally wird nun wohl endlich und uneinholbar Lauftally davonfahren.

Ob alles für den Marathon geklappt hat, sehen wir am 14.05. – und ich bin gespannt, hoffe, meine Erwartungen begrenzen und die begrenzten erfüllen zu können.