Fünfzehnhundert

Dieses Ziel habe ich mir am Anfang des Jahres gesetzt. 2017 bin ich von März bis Dezember gelaufen. Nimmt man die Laufbandkilometer hinzu, habe ich 2017 1380 Kilometer zurückgelegt, laufenderweise. Spaziergänge und dergleichen sind da nicht eingerechnet. Anfang des Jahres lief ich gleich mal ein bisschen los, im Januar bereits 180 Kilometer. Meine Ansage war: Ein bisschen mehr als letztes Jahr, ambitioniert, aber nicht unerreichbar.

Nach gut sieben Monaten – also heute sieben Monaten und acht Tagen, insgesamt 220 Tagen, ist es nun so weit. Ich habe mein Jahreslaufziel schon erreicht, 1500 Kilometer laufend zurückzulegen. 118 davon fanden auf dem Laufband statt, der Rest draußen.

Irgendwie … frage ich mich nun: Sollte ich mir einen weiteren Kilometerstand als Ziel setzen? Freue ich mich über die 1500 und verlagere mich darauf, dass ich ja noch zwei … vielleicht, wahrscheinlich drei Wettkämpfe vor mir habe? Vermutlich werde ich letzteres tun und nicht erklären, dass in meinem Kopf der Zähler auf ein neues Ziel hinläuft: 2000. Nächstes Jahr setze ich wieder 1500 als Ziel. Lieber Tiefstapeln als Druck. Laufen bleibt ein Hobby.

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Der Abend des „Fast“

Heute lässt die Hitze etwas nach, dafür ist es schwül wie … naja, drückend schwül eben. Mir fällt kein Vergleich ein, der passen würde. Nicht einmal ein ordinärer – obwohl ich durchaus aufgeschlossen wäre.

Jedenfalls drückt mir die Schwüle auf’s Gemüt, oder es ist etwas anderes im Busch. Ich bin nicht gut gelaunt, im Gegenteil, sogar ausgesprochen schlecht. Klar, ich mache meine Arbeit, ich spaziere zur S-Bahn und zurück, ich kaufe neue Kaffeebohnen und stelle fest, dass mein Arzt in Ferien ist, so dass ich mein nötiges Rezept erst am vorletzten Tag, bevor mir das Medikament gegen die Colitis Ulcerosa ausgeht, holen kann. Alles so weit kein Problem, alles prächtig. Dennoch ist mir fast zum Heulen, und das ganz ohne Grund. Aber da ist noch ein anderes „Fast“.

Da laufen immer hilft, für meine Laune – zumindest HILFT, nicht alles löst, mindestens nicht immer – ging ich heute auf Fivefingers noch eine Runde laufen. In meinem Kopf hatte sich festgesetzt, dass ich noch sieben Kilometer laufen müsse, um mein Jahresziel zu erreichen. Als ich zurückkam, war meine Laune besser, aber nicht gut. Aus genervt war wohlig traurig und anschmiegsam geworden und aus meinen bisherigen Jahreskilometern waren 1499 geworden. 1500 will ich erreichen. Ich hatte noch neun zu laufen, aber mein Kopf lag falsch. Fast erreicht. Fast zum Heulen. Fast wieder gut gekriegte Laune.

Der Abend des „Fast“. Aber fasten werde ich nicht. Jetzt gibt’s Essen. Und morgen gibt’s das Jahresziel, dann ist das auch abgefrühstückt und es stehen noch drei Wettkämpfe, aber keine „albernen“ Kilometerziele mehr auf dem Plan. Zumindest fast. Denn 2000 Kilometer dieses Jahr wären schon nett. Fast bescheuert, nicht?

Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf

Während ich derzeit noch ein wenig in der Erholungsphase nach dem Halbmarathon hänge, richten sich meine Gedanken schon langsam wieder aus. Natürlich gibt es im Moment gute Gründe, nicht (so viel) zu trainieren: Es gab das berüchtigte „Offene Fenster“ nach dem Wettkampf, in dem das Immunsystem nach der Anstrengung anfällig wird. Zum Glück scheine ich mir nichts eingefangen zu haben – nur mein Mann wurde krank, aber ich habe mich wohl nicht angesteckt. Um da nichts zu riskieren, habe ich das Training noch nicht wieder hochgefahren, zumal das Wetter unbeständig war und ich nach der Arbeit, wenn es nicht gerade regnete, mit auf dem Gerüst stand und an der Fassade mit gestrichen habe.

Aber die nächsten Wettkämpfe stehen schon auf dem Plan:

  • Campus-Run der Universität Stuttgart am 19.07.2018, ein Zwölf-Kilometer-Lauf in durchaus etwas fordernden Profil auf dem Campus Vaihingen an der Universität Stuttgart
  • Baden-Marathon am 23.09.2018, mein erster Marathon überhaupt.

Noch ein bisschen vage ist die Idee, wieder zum Köhlbrandbrückenlauf zu fahren, aber das wird sich dann klären. Schließlich ist die Köhlbrandbrücke angezählt. Dieses Mal weiß ich auch ein bisschen besser, wo ich genau hingucken will beim Laufen – den Blick auf das Containerterminal Altenwerder hatte ich letztes Mal nicht so richtig mitbekommen. Ob sich zwischendrin noch weitere Wettkämpfe finden, die ich gerne mitlaufen möchte, weiß ich noch nicht. An großen Wettkämpfen – also Halbmarathon- und Marathondistanz – empfinde ich zweimal pro Jahr für mich als völlig ausreichend, zumal sich im Kopf langsam die Idee formt, nächstes Jahr auf Halbmarathon in 1:29:59 zu trainieren, also noch sechs Minuten schneller zu werden. Vielleicht wird der Versuch wieder in Mannheim stattfinden, oder ich fahre zum HASPA Marathon nach Hamburg nächstes Frühjahr. Aber 2019 ist noch lange hin. Erstmal stehen noch zwei fest geplante Wettkämpfe für 2018 an – und für den Marathon habe ich noch viel zu tun.

Halbstrecke

Irgendwie ist „Halbzeit“ ein viel geläufigerer Begriff. Das trifft es aber nicht: Das Jahr ist erst zu knapp einem Drittel abgelaufen – und ob ich im nächsten halben Jahr schneller oder langsamer laufen werde, kann ich nicht so gut beurteilen, da es meine erste Marathon-Vorbereitung sein wird.

Aber zur eigentlichen Sache: Ich habe gestern Abend, so halb unbemerkt, die Hälfte meines Jahres-Kilometer-Ziels erreicht. 1500 Kilometer sind angesagt, 752 Kilometer sind inzwischen auf der „Haben“-Seite. Ich habe diese 50%-Marke während des Laufes zu meinen Schwiegereltern überwunden, also auf dem Weg zu nicht unbedingt der optimalen Nach-Trainings-Mahlzeit: Kuchen. Aber so betrachtet habe ich meine Halbstrecke auch ordentlich gefeiert, mit zwei Stück Kuchen – den Eischnee rechne ich mal als Protein, und Rhabarber war auch auf dem Kuchen.

Jedenfalls ist das Jahr noch nicht zu einem Drittel herum, aber ich habe schon mehr als die Hälfte meiner selbstgesetzten Kilometer. Das macht Hoffnung. Mal sehen, ob es mit den anderen Zielen – 100 Minuten für den Halbmarathon und Ankommen beim Marathon – genauso gut läuft.

Spazierengehen vs. Laufen

Ich laufe nicht jeden Tag – wer tut das schon, zumindest unter den Hobby-Läufern? Klar, bei kurzen Strecken und manchmal, wenn man Zeit hat, geht das schon. Aber wenn man etwas länger unterwegs ist, spürt man das Vorhandensein einer vergangenen Beanspruchung einerseits noch eine Weile, die länger als 24 Stunden anhält – ich zumindest – und andererseits ist es schwer, in einem normalen Arbeitsalltag mit Sozialleben und noch privaten Dingen, die zu erledigen sind, jeden Tag eine Stunde Laufen oder mehr unterzubringen.

Nun habe ich mir aber einen Schrittzähler gekauft, wenn auch nicht vor allem des Schrittzählers wegen. Die 8000 Schritte pro Tag habe ich als Ziel gesetzt und die Serie der erfüllten 8000 Schritte hält nun schon zehn Tage. Wenn ich aber nicht jeden Tag laufe und mein Schrittziel nunmal im Raum steht und ich es erfüllen will, weil Serien verdammt motivierend sind … muss ich irgendwie auf die Schritte kommen. Wenn man so zählt, merkt man schon, dass manche Tätigkeiten durchaus mehr Schritte beinhalten, als man das dachte – zum Beispiel aufräumen, kochen oder auch Zeug zwischen Küche und Esszimmer oder Wohnzimmer hin- und hertragen. Kurze Wege, aber häufige Wiederholung – es sammelt sich. Andererseits gibt’s da beispielsweise die Strecke vom Büro zur Teeküche und mit den Tassen zurück. Vom Büro zum Labor und die Treppe hoch wieder zurück. Bevor ich den Zähler hatte, hätte ich diese Wege als die Hauptquelle meiner Schritte pro Tag angesehen. Indes: Sie sind es nicht. Diese Wege gehe ich zwar wiederholt pro Tag, aber nicht so oft wiederholt wie die kurzen Wege beim räumen, kochen, Tisch decken und abräumen.

Was ist das Resultat?

Genau. Ich gehe spazieren. Ich trage dabei keine Sportklamotten, bin also nicht im Sinne des verlinkten Beitrages eine Walkerin. Aber ich gehe, gelegentlich durchaus auch flott. Statt in der Mittagspause herumzusitzen, wenn ich eh nichts esse, drehe ich eine Runde um den Block, steige danach auch fleißig die Treppe hoch – oftmals vom Keller bis zum Dach des Gebäudes, in dem ich arbeite, um dann drei Stockwerke wieder unter auf den dritten Stock zu gehen – außerhalb der Aufzugstoßzeit auch mal statt Treppe wieder runter auch per Lift. Schließlich sollen meine 8000 Schritte ja auch Schritte mit mindestens dem Energieverbrauch von Schritten auf der Ebene sein, also eine gute Bilanz zwischen Kraftaufwand und Gelenkbelastung haben.

Das bewusste Gehen von Wegen zu Fuß, der Nachtspaziergang und auch mal ein Gang zum Supermarkt zu Fuß, obwohl ich weiß, dass wir wegen des großen Einkaufs kurz darauf nochmal per Auto hinmüssen, hat sich in meinen Alltag eingeschlichen, schneller als ich dachte. Die Strecke, die ich zu einer bestimmten Aktivität zu gehen bereit oder willens bin, hat sich vergrößert – auch wenn’s länger dauert als mit dem Auto oder man es mit dem Auto vielleicht (vor allem aus Faulheit) gar nicht gemacht hätte. Tut mir gut, tut dem Verbrauch meines Autos gut, spart das Verbrauchen von Treibstoff im Allgemeinen – und bringt mich auch dazu, mehr Dinge zu tun, die ich sonst nicht täte: Schließlich kommen durch das dort hin Gehen auch meine Schritte für das Schrittziel zusammen.

Nun bin ich gespannt, ob die Spazierengeherei und das Laufen so synergieren, wie ich es erhoffe …

Dieses Jahr läuft’s! Wie jedes Jahr?

Es ist eine seltsame Erkenntnis, die ich – auf irgendeiner Ebene, irgendwie, irgendwann – jedes Jahr habe. Es ist diese Erkenntnis, dass in dem jeweils aktuellen Jahr Dinge vorangehen. Natürlich kommt man kaum umhin, in einem ganzen Jahr seines Lebens, das immerhin mehr als 1% der Lebenszeit bei den meisten Menschen ausmacht, Veränderungen wahrzunehmen. Fast stets sind auch ein paar positive dabei.

Nun ist es dieses Jahr unter anderem auf sportlicher Basis recht stark der Fall, selbst wenn ich meine Motivation und meine Freude über „jeden Monat ein bisschen mehr“ herausrechne. Rein objektiv kann man durchaus die eine oder andere Sache anführen:

  • Seit 2014 zeichne ich meine Lauferei mittels Runtastic auf, seit dem ist auch die Distanz-Messung nicht mehr nur Abschätzung. Allerdings war das Jahr 2014 im Verhältnis zu den vorherigen Jahren bereits ein starkes Laufjahr. Dennoch: 2017 habe ich bisher allein an Laufkilometern anderthalb mal so viel Strecke aufgezeichnet wie 2014. Zudem habe ich bis jetzt nie fünf Monate in Folge in dieser Konstanz bzw. konstanten Steigerung das Laufen durchgehalten. Ein Punkt für: „Läuft tatsächlich!“
  • Ich habe dieses Jahr recht konsequent auch den Puls beim Laufen aufgezeichnet, teils über meine Polar-Pulsuhr, teils über den Bluetooth-Brustgurt, mittlerweile auch über eine Handy-App außerhalb des Sports. Die Messmethoden und meine Disziplin schwanken zwar noch zu stark, aber immerhin: Ich habe Methoden etabliert, um auch hier eine potentielle positive Bilanz verifizieren zu können. Gutes Gefühl, aber kein echter Punkt für ein offizielles „Läuft tatsächlich!“
  • Ich habe einen Schrittzähler und Fitnesstracker gekauft, den ich nun auch schon seit über einer Woche konsequent benutze. Meine Schritte pro Tag zu zählen, das werde ich vermutlich recht konsequent tun, da das Teil auch als Uhr fungiert. Ob ich mit der Konsequenz und Motivation der letzten Tage auch weiterhin Schritte zähle und meine Schritte auf über 8000 pro Tag halte, sei dahingestellt. Guter Weg, aber auch kein echter Punkt für „Läuft tatsächlich!“
  • Seit spätestens Mai ergänze ich – mehr oder minder regelmäßig, aber immer regelmäßiger – mein Laufprogramm durch Übungen für Rücken, Bauch, allgemeine Stabilität und so weiter. Das ist länger und konsequenter als 2014-2016, aber während der Promotion war ich da schonmal gründlicher. Da ich merke, dass es gut tut, und ich schon länger dabei bleibe als die letzten fünf Jahre jeweils, ist das ein halber Punkt.
  • Lauf-ABC-Übungen habe ich sporadisch eingestreut. Aber da bin ich definitiv nicht dabeigeblieben, und deswegen gibt es hier auch eindeutig keinen Punkt.
  • Was ich definitiv gesehen habe: Ich habe seltener Kopfschmerzen. Die Kombination der obigen Punkte zeigt hier eine Entwicklung auf, die nicht zu leugnen ist. Das ist ein verdammt eindeutiger Punkt. Denn: Seit dem Laufen mit zu wenig Wasser habe ich gar keine Kopfschmerzen mehr gehabt, zuvor schon eine ganze Weile keine mehr – oder sie nicht zugelassen, indem ich bei den ersten Anzeichen sofort laufen ging.
  • Das Gewicht ging Ende 2016, Anfang 2017 das erste Mal so richtig hoch, im Vergleich zu den 63-70kg, die ich die zehn Jahre zuvor immer mehr oder weniger hatte. Diesen Trend habe ich gestoppt. Klamotten passen wieder, manche wieder besser, das komische Gefühl eines Widerstands gegen das Vorbeugen beim Schuhe und Socken anziehen ist wieder weg. Langsam stabilisiert sich – dank Ernährungsveränderung und Sport – das Ganze, viel unter die 67kg, die ich jetzt so ungefähr habe, will ich gar nicht mehr. Ein Punkt für „Läuft tatsächlich!“

Vielleicht gibt es da noch mehr, insbesondere die Laune und dergleichen. Aber bei sieben möglichen Punkten sind’s dreieinhalb. Das ist soweit nicht schlecht. Wenn ich die Kondition und das Training und die Motivation über zwei Wettkämpfe – Baden-Halbmarathon und Köhlbrandbrückenlauf – sowie über den Winter rette, dann würde ich sagen, kann ich die dreieinhalb von sieben der jetzigen Zwischenbilanz am Jahresende ignorieren und klar sagen: 2017 lief’s!

Mal sehen, ob ich am Jahresende daran denke, mich hierauf zu beziehen – und was dann rauskommt!

Campus Run Uni Stuttgart – mein Bericht

Um es vorweg zu nehmen: Ich hab’s nicht geschafft, die zwölf Kilometer unter einer Stunde zu laufen. Aber ich war schnell, und ich habe auch ein gutes Ergebnis vorzuweisen.

Zunächst war mein Tag vor dem Campus Run von mehreren Dingen geprägt, die ich vor dem Lauf vielleicht nicht so gerne habe: erstens hatte ich nicht so durchgeschlafen, wie ich das wollte, zweitens war der Tag restlos voll mit einer Blockvorlesung und dritten hatte ich so halb mit der Blockvorlesung kollidierend noch einen Termin. Nicht unbedingt optimal, um sich mental und physisch drauf vorzubereiten, nicht unbedingt optimal, um genug zu trinken. Aber einerlei: Ich suche keine Ausrede, denn ich bin mit meinem Ergebnis zufrieden. Dass da eine emotionale Achterbahn dahinterstand, ist eine andere Sache, aber das hat mit dem eigentlichen Campus Run nicht so viel zu tun.

Der Startschuss des Laufs war für nach der Arbeit, oder zumindest so in etwa angesagt: halb fünf sollte es für den Zwölfer losgehen, eine Viertelstunde später für den Sechser. Ich rüstete mich also mit allem meinem Zeug, schloss den Rest im Büro ein und marschierte die anderthalb Kilometer zum Stadion, wo ich gegen vier ankam. Dort war schon ein bisschen was los, erstmal ging ich meinen Beutel an der Garderobe abgeben, dann ging es runter ins Stadion, in dem Start und Ziel sein sollten. Dort traf ich nicht nur auf meinen Vater – mit dem hatte ich gerechnet – sondern auch auf meine Schwester und deren Verlobten, die kurzerhand einfach mitgekommen waren. Mit ihnen stand ich dann eine Weile herum, während um mich herum alles immer voller wurde – fast 650 Läufer traten an, für die beiden Wettbewerbe zusammengenommen. Es gab Verpflegung durch die Fachschaft Sport an der Uni, natürlich wurden auch Sponsoren in Szene gesetzt. Weil die vom Sponsor unterstützten Shirts, die es zum Lauf gab, eher groß ausfielen, somit M etwas viel für mich war, und ich mich darin außerdem nicht wohlfühlte, trat ich in eigener Klamotte an. Kurz nach halb vier wurde dann angekündigt, dass der Sechs-Kilometer-Lauf demnächst gestartet würde – großes „Hä?“ bei den Läufern, die den Zwölfer laufen wollten und dachten, vor den „Sechsern“ zu starten. Letztlich korrigierte sich die Organisatorin vom Hochschulsport dann, und die Leute für die Zwölf Kilometer gingen an den Start – viele in den blauen Shirts, die ich verweigert hatte, aber auch eine Menge Leute in eigenen Sachen. Und dann kam der Startschuss, alles raste los wie verrückt und ich ließ mich mitreißen. Das war eine eingeschränkt gute Idee, denn als ich bei etwa zwei zurückgelegten Kilometern, nach einem Oval um die Schmetterlingswege zwischen Bioverfahrenstechnik und anderen Uni-Gebäuden mein Tempo checkte, lag ich bei 4:15/km und wusste, dass ich das unmöglich halten können würde – wieder mal zu schnell gestartet. Mist.

Bis mein Körper sich daran gewöhnt hatte, dass ich meinen Tempoverlust irgendwie abfangen wollte und musste, aber eben auch nicht die 4:15/km illusorischerweise durchlaufen wollte, hatte ich zwischen Wohnheimen und Parkplätzen dann einen der uni-typischsten, zugleich aber vielleicht nicht unbedingt den schönsten Streckenabschnitt hinter mir, da kam dann der schwierigste Abschnitt: Scharf links abbiegen, dort spitz den Berg hoch, über eine Brücke über den Pfaffenwaldringvor der Mensa, und dann entweder die Wiese oder die Treppe hinunter. Hier musste der Hochschulsport beim Abstecken der Strecke Kompromisse machen – heraus kam diese anspruchsvolle, um nicht zu sagen etwas doofe Passage. Danach ging es konstant den Berg hinauf, nicht stark, aber eben doch quer über den Campus durch die Schleife des Pfaffenwaldrings hinter den Gebäuden entlang über die Wege. Dort ist die Strecke wirklich schön. Ein bisschen enttäuscht realisierte ich an der Ecke des Gebäudes, in dem ich arbeite, dass von meinem Institut niemand an der Strecke stand – naja, vielleicht ja auf der zweiten Runde!

Bis dahin war meine Geschwindigkeit schon fast auf mein gewünschtes Renntempo abgefallen, aber ich merkte, so richtig gut lief es dennoch nicht. Zwischen dem neuen Gebäude Arena 2036 und älteren Gebäuden durch ging es zum Heizkraftwerk, wo die erste Wasserstelle war. Ich war zu beschäftigt mit mir, um einen Becher zu nehmen, bog auf den Pfaffenwaldring und dann ging es in den Wald – genau, den Pfaffenwald. Dort begann ich, mich besser zu fühlen. Ich verlor immer noch Tempo, war inzwischen langsamer als mein gewünschtes Tempo, aber so langsam auch richtig eingeordnet: Ich hielt das Tempo derer, die um mich liefen, das Überholen und Überholtwerden hielt sich trotz ziemlich deutlichem Gefühl, es überzogen zu haben, in etwa die Waage. Am höchsten Punkt des Kurses, am Grillplatz im Wald, richtig schön in Schatten und Wald, wundervoll zu laufen, merkte ich: Es geht wieder. Beim Runterlaufen zurück Richtung Stadion gewann ich sogar etwas Zeit, hatte Freude und kam wieder zu Atem. Erst in Richtung Stadion wurde es wieder schwierig, denn ich realisierte: Entweder meine Messung ist falsch, oder der Kurs ist ein bisschen länger … und ich war schon bei korrekter Messung durch meine App langsamer … das machte es schwer. Aber ich gab nicht auf: Ich zog nochmal an, lief ins Stadion. So recht habe ich nicht verstanden, WIESO ich das weiß, aber am Ende der Runde standen 6,45km auf meinem Display. Durch mein „Durchziehen“ habe ich eigentlich nicht die Zeit gehabt, auf das Display zu schauen. Aber: Im Stadion waren nicht nur meine Familie, sondern auch zwei Kollegen aus dem Sicherheitswesen, die mich kräftig, wirklich kräftig anfeuerten! Das gab richtig Extraschub.

Auf der zweiten Runde fing es dann an, dass ich wenig Zeit, aber viele Plätze im Rennen gut machte, immer wieder auch bei nochmal am Ende aufdrehenden Männern eine Weile, teils auch die letzte Hälfte der zweiten Runde das Tempo hielt und merkte: Der Kurs ist vielleicht länger als 12km, ich bin selbst mit meiner Messung, die ihn eventuell zu lang anzeigt, zu langsam für mein Ziel, aber es macht Spaß und es kommt was rum!

Im Ziel wurde ich dann von Begeisterung meiner Leute begrüßt, keiner wollte hören, dass ich mein Ziel nicht erreicht hatte – alle fanden klasse, was ich dann eben doch geschafft hatte. Und so ging es mir recht schnell besser: Von „Mist, Mist, Mist!“ wandelte sich die Stimmung zu: „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiterlaufen!“ und schließlich zu: „War die Runde vielleicht wirklich etwas länger? Andere sagen das auch – mindestens drei andere!“

Dann fiel mir auf, wie viele nach mir noch ins Ziel kamen, ich war umgeben von netten Leuten und ein Kollege aus der Chemie, ein deutlich erfahrenerer Läufer als ich, meinte: Der Kurs war länger als gesagt und er war sehr anspruchsvoll. Deine Zeit ist gut! Und ihm habe ich es dann auch geglaubt. Wir trieben uns dann noch vor Ort herum, ich musste ja noch meinen Beutel wieder holen, meinen Transponder abgeben und so weiter … und dann waren es nur noch zehn Minuten bis zur Siegerehrung, die ich mir eigentlich schenken wollte. Ich rechnete nicht mit Treppchen oder sonstwas, wusste genau: Dafür war ich zu schlecht. So stand ich da rum und dachte: „Eigentlich will ich weiter, was Essen … “ Und plötzlich bei der Ehrung für die schnellste Frau 30+ wurde mein Name aufgerufen! Ich wollte es nicht glauben, aber ich war die schnellste Frau jenseits der dreißig. Erst nachts nach dem Heimkommen fand ich heraus, dass ich auch so weit nicht vom Treppchen weg war: etwa drei Minuten zu langsam auf Platz fünf in der Frauen-Gesamtwertung über 12km.

Und so habe ich meine Ziel nicht erreicht. Nicht in der 12km-Messung meines GPS, erst recht nicht auf der vermessenen Strecke. Euphorisch bin ich dennoch: Ich habe mein Ziel zumindest nach meinem eigenen GPS nur knapp gerissen, und das auf einer schwierigen Strecke, dazu habe ich einen Altersklassen-Sieg eingefahren und besser abgeschnitten, als ich dachte. Nachdem ich meinen Arbeitsplatz noch meiner Familie gezeigt hatte, ging’s Essen und Trinken – und dann nach Hause.

Was ein Tag! Was ein Tag!