[KuK] Neues Diagramm!

Warum ich Rad fahre.

Kaum habe ich Urlaub, setze ich neue Diagramme um. Kaum sage ich eine Blog-Inspirations-Sammel-Sommerpause an, kommen mir Ideen. Vorhin habe ich mal meine ganzen Radaktivitäten in meiner Tabelle gescannt und rausgefunden, dass einige noch im Sammelbecken „Alternativtraining“ lagen. Ich habe alle, die Fahrten zur Arbeit oder von der Arbeit heim beinhalteten, nun mit Arbeitsweg nachmarkiert.

Dann war da noch das eine Duathlon-Training vom Montag (9 km Laufen, 27 km Radfahren, 9 km Laufen), das hat die Kategorie „Multisport Radfahren“ aufgemacht. Für’s Laufen habe ich ein ganz ähnliches Diagramm. Nun hat das Radfahren nachgezogen…

Arbeitsweg-Freude

Am Dienstag ist mein Büro in ein neues Gebäude umgezogen. Naja, das Gebäude ist nicht neu, wir sind nur neu in dem Gebäude. Das Büro ist immer noch im Zentrum Karlsruhes, aber nicht mehr ganz so zentral – von der Markgrafenstraße sind wir ans Karlstor gezogen. Wie so oft funktioniert erstmal nicht alles, dazu trauern natürlich viele Kollegen, die das alte Gebäude und vor allem die anderen dort ansässigen Referate des Regierungspräsidiums über lange Zeit gewöhnt waren, der vorherigen Situation nach. Ich bin da etwas freier, auch wenn ich natürlich auch nervig finde, dass vieles nicht funktioniert und dass manche meiner Leute nun einen Kilometer statt ein Stockwerk von mir entfernt sind.

Aber der neue Arbeitsort bringt auch einen neuen Arbeitsweg mit sich. Da im Moment die Karlstraße Teil der Baustelle für die „Kombilösung“ in Karlsruhe ist und daher die Straßenbahnen dort nicht verkehren, müsste ich ohnehin vom Albtalbahnhof – mit Umsteigen von der Mathystraße zum Karlstor laufen. Aber das ist ja alles nicht erforderlich, ich fahre ja mit dem Fahrrad!

Auch wenn das Karlstor einen Kilometer südwestlich der Markgrafenstraße liegt und ich aus Südwesten nach Karlsruhe hineinfahre, ist der Weg, den ich mir ausgeguckt habe, achthundert Meter länger als der vorherige. Er hat aber mehrere entscheidende Vorzüge: Erstens fahre ich vom Wehr in Daxlanden bis zur Europahalle auf asphaltierten Fahrradwegen mit nur wenigen Einmündungen an der Alb entlang. Das bedeutet: Was ich früher in der Sofienstraße auf einer doch recht stressigen Fahrradstraße zwischen den Häusern fuhr, fahre ich jetzt im Grünen und deutlich schneller! Auch an der Europahalle hoch zur Südendstraße und dann bis zur Steinhäuserstraße sind’s Radwege, teils im Grünen, teils im Bereich von Europahalle und Europabad – viel schöner!

Der Überweg über die westliche der beiden Nord-Süd-Verbindungen zwischen Karlsruher Zentrum und Südtangente, bestehend aus Reinhold-Frank-Straße und Brauerstraße, ist an der Südendstraße wesentlich angenehmer als an der Sofienstraße. Zwar ist die Kreuzung größer – aber man wartet lange nicht so lange auf grünes Licht wie an der Fußgänger- und Radwegampel an der Sofienstraße!

Mein großes Highlight kommt aber, wenn ich von der Südendstraße am Vincentius-Krankenhaus nach Norden abzweige: Ich überquere die Hirschbrücke, die es sogar auf das Wappen der Karlsruher Südweststadt geschafft hat. Über die Hirschbrücke überquert die Hirschstraße die ehemalige Bahntrasse vom alten Karlsruher Hauptbahnhof nach Westen – heute sind das die Jollystraße, die Tramlinie 5 (und im Moment VIELE Ausweichlinien) sowie die Mathystraße. Ich liebe diese Brücke – architektonisch, als Kuriosität und auch, weil ich mir damit eine Menge Kreuzungen mit dem Autoverkehr spare.

Über die Brücke.

Mein neuer Arbeitsweg ist toll!

Green Scooter Killer – Firstrides

Die ersten einhundert Kilometer auf meinem Rennrad habe ich nun absolviert. Durch das lässige Überholen von E-Scootern in der Stadt habe ich meinen grünen Renner als den „Green Scooter Killer“ in Anlehnung an Brösels „Red Porsche Killer“ benannt.

Bis jetzt habe ich eine langsame Runde mit meinem Mann und eine schnelle zweite Runde am Sonntag absolviert, dazu war ich zweimal mit dem Rennrad auf der Arbeit. Lässig habe ich bei Gegenwind auf allen Strava-Segmenten auf meiner Route meine Personal Bests pulverisiert – Kunststück, mit einem so leichten, leichtgängigen Renner. Mittlerweile habe ich die mangelnde Ausstattung für die Straßenverkehrszulassung durch Montieren eines StVZO-konformen Frontlichts, meines StVZO-konformen Garmin Varia RTL 511 ausgeglichen, eine Klingel und einen Halter für den Radcomputer habe ich auch.

Interessanterweise hat auf drei der Fahrten meine Uhr – wohl aufgrund der anderen Haltung und dem ein Loch weiter gestellten Armband, das ich in letzter Zeit gerne zu tragen pflege – komischen Puls gemessen. Wenn ich durchgeschwitzt auf der Arbeit ankomme, weil ich es richtig habe laufen lassen, und mein höchster gemessener Puls auf der Radfahrt 120 gewesen sein soll, mittlerer Puls 97, dann kann ich diese Messung mit Fug und Recht zurückweisen. Allerdings besitze ich inzwischen auch wieder einen Pulsgurt, habe es mit dem probiert… und durfte feststellen, dass plötzlich auch die Uhr den richtigen Puls maß.

Deutlich geworden ist mir, wie viel mein Mountainbike eigentlich wegfedert, die Straße ist sehr rau und hart, wenn man mit einem Rennrad darüber fährt. Aber das passt schon, dafür geht es schön leicht. Meine vier Fahrten mit dem Focus Izalco Race Rahmen und den Shimano Ultegra Komponenten zur Arbeit waren durchweg schneller als die schnellste Fahrt mit dem Mountainbike. Dennoch werde ich wohl das eine oder andere Mal künftig wieder mit dem Mountainbike fahren, denn es ist tatsächlich so eine Sache, einen Carbon-Rahmen-Renner mit Schnellspannern an den Laufrädern auf dem Radparkplatz auf dem Hof des Regierungspräsidiums abzustellen. Erstens sorge ich mich, dass irgendjemand den Rahmen an die Metallstange, an die ich es angeschlossen habe, aus versehen dagegen stößt. Das mag das Carbon-Material nicht. Zweitens habe ich Sorge, dass das nicht vom Kettenschloss erfasste Laufrad „Füße“ bekommt, schließlich sind die kinderleicht auszubauen. Da die Maschine noch schön sauber ist – bzw. vor der Regenfahrt heute nach Hause war – habe ich sie gestern und heute mit ins Büro genommen und hinter mir aufgestellt. Das Leichtgewicht die Treppe hochzutragen oder im Aufzug zu befördern, ist ja gar kein Problem.

Jedenfalls bin ich glücklich wie in einem Traum mit der Maschine – und teste zugleich einen Haufen weitere Gadgets auf Rennrad, Mountainbike und beim Laufen: Das Garmin Varia RTL 511, den Garmin Brustgurt HRM tri, und beim Edge 830 habe ich auch noch nicht alles ausgetestet. Da ergaben sich heute auch so manche Erkenntnisse, die richtig Spaß gemacht haben!

Begegnungsintensive Heimfahrt

Heute auf der Heimfahrt von der Arbeit schien die Sonne und es war warm. Die Fahrt war somit ein Fest!

Es gab allerdings die eine oder andere Begegnung – und manche davon waren nicht so wirklich ein Fest, das kann ich nicht anders sagen.

Zunächst mal war da die Radfahrerin am Rondellplatz. Ich fuhr von der Markgrafenstraße in den Kreisel ein und sah sie – sie radelte auf der Außenbahn vom Marktplatz (also eine Einfahrt nach mir) her in den Kreisel ein – eigentlich hätte sie mir, die ich auf dem Kreisel fuhr und dort erstmal blieb, Vorfahrt gewähren müssen. Sei’s drum, dachte ich – aber dann wurde sie langsamer und blieb auf dem Kreisel, zwang mich sozusagen auf die Innenbahn – dabei wollte ich auf die Erbprinzenstraße fahren. Ich machte langsam, um hinter ihr vorbeizufahren, aber sie hatte ihr Beschleunigungspulver beim mir die Vorfahrt nehmen verschossen – und so fuhr ich dann doch ziemlich irritiert vor ihr herum aus dem Kreisel raus. Vermutlich reichte mein scharfer Antritt aber, um Abstand zu gewinnen und sie so richtig gar nicht zu behindern.

Dann war da auf dem Radweg entlang der B36 ein Rechtsabbieger. Klar, der Rechtsabbieger von der vierstreifigen Bundesstraße hat dort Vorrang vor dem geradeaus seine Kurve kreuzenden Radfahrer. Was ich allerdings überaus nervig fand: Er blinkte nicht. Er fuhr nicht wirklich auf den Verzögerungsstreifen. Die einzige Möglichkeit für mich, sein Rechtsabbiegen zu antizipieren, war sein Verzögern. Erst sehr spät zog er auf den Verzögerungsstreifen. Ich war sehr froh, dass ich da schon angebremst hatte!

Ebenfalls auf dem Radweg entlang der B36 waren vier Radler unterwegs – schön im Viereck angeordnet, langsam – und auch auf mein Klingeln gingen sie nicht in „hintereinander“-Formation, nein. Auch an der Ampel ließen sie nicht zu, dass ich mich vor ihnen einordnete. Als dann die Ampel über eine Einmündung in die B36 grün wurde für Radfahrer und Fußgänger, machten sie sich sogar drei Fahrer breit, kamen nicht vom Fleck, und bremsten dann auch noch abrupt – da sie nicht weiter entlang der B36 fahren wollten, sondern die B36 an der anderen Ampel queren. Alle Absichten sind legitim, aber man braucht auch, wenn kein Gegenverkehr, sondern nur überholender Verkehr auf dem Radweg oder dem ampelbewehrten Überweg über die Straße da ist, nicht den ganzen Weg blockieren. Ich habe kein Recht auf Überholen, klar, ich mache das auch nur, wenn es geht. Aber es heißt in der neuen StVO auch, dass man nebeneinander fahren darf – aber nur, wenn man niemanden behindert. Mich behinderten sie – aber vermutlich ist es illegitim, über 20, gar über 25 oder sogar über 30 km/h fahren zu wollen, wenn man es kann, da andere nicht so schnell fahren. Das ärgerte mich eingestandenerweise ziemlich.

Aber es gab auch zwei überaus nette Begegnungen. An der Brücke über die Alb, weit vor den letzteren beiden Ereignissen, lief vor mir ein junger Jogger über die Brücke. Er lief ziemlich mittig und ich wusste nicht, ob ich nun rechts vorbei sollte, um mir dann eventuell vom rechtsabbiegenden Jogger den Weg abschneiden zu lassen, oder links vorbei mit entsprechender Konsequenz. Also fragte ich – in aus meiner Sicht nettem Ton, und hoffentlich auch so ankommend: „Rechts oder links?“ Er zögerte kurz, bis er die Frage verstanden hatte, dann meinte er: „Links!“ Also zog ich rechts vorbei bog auf den Radweg an der Alb unter der Südtangente durch und freute mich über Kommunikation im Radwegverkehr!

Die zweite Begegnung war dann in Durmersheim. Ich schoss – kann man kaum anders sagen, für mein Mountainbike sind 31 km/h schon recht flott – Auf dem Heilberg entlang und beabsichtigte, rechts auf die Mühlburger Straße zu fahren. Dort fuhr ein anderer Radfahrer entlang – der aufgrund der Eigenschaft der Mühlburger Straße als Vorfahrtstraße dort Vorrang vor mir hatte. Ich bremste ab und er zog nach kurzem Anbremsen durch, begriff, dass ich die ihm zustehende Vorfahrt gewährte. Als ich dann an ihm vorbeizog, meinte er: „Sie sind so schnell, ich hätte sie vorgelassen.“ Ich meinte sowas wie: „Passt schon. Lieber nach den Regeln.“ Das war klasse!

Im Endeffekt war’s dann doch in Ordnung, Aber es zeigt sich doch immer wieder, dass an manchen Stellen, wie ich heute zu meiner Chefin (ebenfalls Arbeitsweg-Radlerin) sagte: Der Autofahrer ist in Karlsruhe meist nur der zweitschlimmste Feind des Radlers. Der schlimmste Feind des Radlers ist der andere Radler…

Sportfreude

Einen Wettkampf aus Laufen, Radfahren und wieder Laufen nennt man einen Duathlon. Ich mache derzeit wieder begeistert eine erweitert-invertierte Abart: Radfahren, Arbeiten, Laufen, Arbeiten, Radfahren.

Es macht mir eine riesige Freude, morgens an der frischen Luft zur Arbeit zu fahren, mit dieser Energie, die mir das gibt, und einer Tasse Kaffee am Schreibtisch Dinge abzuarbeiten, dann eine Runde im Schlossgarten zu drehen, noch ein bisschen zu arbeiten und dabei eine Kanne Tee zu vernichten – und dann mit dem Fahrrad heimzufahren.

Die Radfahrerei macht es einfacher, den Arbeitsweg sportlich zu bewältigen, die Lauferei gehört für mich einfach dazu. Insgesamt spüre ich auch deutlich, wie mich diese Routine verändert: Die Beine verlieren die Lauf-Einseitigkeit und werden auch an den klassischen Problemstellen der Läufer – Adduktoren und Abduktoren zum Beispiel – ganz ohne Fitnessstudio stärker. Natürlich muss sich die lange fast ausschließlich laufgestählte Wadenmuskulatur noch an den kräftigeren Zug von oben gewöhnen, das hat mir in diesem Frühjahr zwei Verletzungspausen eingebrockt und ich muss auch jetzt noch aufpassen. Dehnen bekommt beim gesteigerten Pensum mehr Priorität – aber insgesamt macht das alles den Körper deutlich fühlbarer und insgesamt auch stärker. Das fühlt sich gut an!

Weiterhin gilt, dass das Rad ein Ausgleichssportgerät ist, aber tatsächlich macht’s mir auch einen Heidenspaß – unter anderem natürlich auch wegen der Gadgets… mein Varia RTL 511 hat heute beim Warten an der Ampel über die Amalienstraße in die Waldstraße sogar einen sich in flottem Schritt nähernden Fußgänger erkannt!

Morgen geht’s wieder mit dem Fahrrad hin, wenn alles glatt geht in der Mittagspause auf die Laufstrecke – und später mit dem Fahrrad wieder heim. Ich liebe es!

Der Zwanzig-Zwanzig-Modus

Wir schreiben das Jahr 2020. Viele Dinge sind dieses Jahr anders als letztes Jahr und auch als vorletztes Jahr. 

Aber bevor ich jetzt aufzähle, was es alles nicht ist, das ich hier meine, möchte ich direkt hineinspringen in das, was ich als den Zwanzig-Zwanzig-Modus bezeichnen möchte. Es ist nicht so, dass das neuartige Corona-Virus Sars-CoV-2 gar nichts damit zu tun hätte, aber im zentralen Kern geht es eben genau nicht um „Corona“, wie zur Zeit gerne verkürzt darüber gesprochen wird. Die Aussprache des Jahres Zweitausendzwanzig als „Zwanzig-Zwanzig“ ist auch nur eine glückliche Fügung, weil es mich mit einem griffig-missverständlichen Begriff für das ausstattet, was ich hier beschreiben will. 

Denn am Montag, Dienstag, Mittwoch und auch gestern war ich genau in diesem „Zwanzig-Zwanzig“-Modus, und heute bin ich’s auch in gewisser Weise, wenn auch nicht genau in der definierten Form. Der „Zwanzig-Zwanzig“-Modus ist es nämlich, eine Zwanzig-Kilometer-Strecke meines Arbeitsweges mit dem Fahrrad, die andere zu Fuß zurückzulegen. Das gestaltet sich dann wie folgt: 

  • Am Montag fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit, schließe das Fahrrad an und laufe am Abend nach Hause,
  • am Dienstag laufe ich zur Arbeit und fahre abends nach Hause, während ich
  • am Mittwoch den Zyklus von neuem beginne, also hinfahre und heimlaufe, um dann
  • am Donnerstag hinzulaufen und mit dem Fahrrad heimzufahren.

So komme ich dann auf jeweils 80 Kilometer mit dem Rad und zu Fuß. Da ich mein Fahrrad nicht über’s Wochenende auf der Arbeit lassen möchte, da ich es ja auch eventuell zuhause brauche, wird dann der Freitag ein doppelter Radfahrzwanziger. Somit ist dies der „Zwanzig-Zwanzig“-Modus. Natürlich setzt das Ganze voraus, dass ich inzwischen die Kondition habe, um diesen Rhythmus durchzuhalten, und auch, dass ich wieder Fahrrad fahre. Rein zeitlich, aber auch konditionell sind zweimal zwanzig Kilometer Laufen an einem Arbeitstag und das fünf Tage die Woche ein hartes Brot, für das ich mich – vielleicht noch – nicht gerüstet fühle. 

Auch so merke ich, dass mich dieser Modus anstrengt. Meine Fénix attestiert mir eine hohe Trainingsbelastung, also oberhalb des „optimalen Bereichs“, und ich habe gestern früh auch gemerkt, dass es schon in den Beinen zieht und dass allmählich auch das Puls-zu-Geschwindigkeits-Verhältnis einen Laufruhetag am Freitag und/oder Samstag nahelegt. Vielleicht wird das mit ein wenig mehr Praxis im „Zwanzig-Zwanzig“-Modus besser, ich mache das ja gerade die erste Woche in der erklärten Form. In jedem Falle bin ich recht sicher, dass meine Grundlagenausdauer von dieser Praxis profitiert. 

Vor hatte ich es schon eine Weile, diesen Modus „im Sommer“ zu implementieren. Nun ist’s aus der Sorge, dass irgendwann auch Sport im Freien im Zuge der Corona-Krise Verboten unterliegt, und aus der Idee heraus, von den ÖPNV-Benutzern Enge zu nehmen und selbst der potentiell infektiösen Enge im ÖPNV zu entfliehen, ein wenig früher geworden. Ich wollte meine Ausdauer nämlich nicht erst auf Tragfähigkeit für diesen Modus testen, wenn es so weit ist, dass ich es machen muss – sondern wollte dann schon wissen, dass es geht und dass ich das eine ganze Woche lang durchhalte. Dass ich am Wochenende zuvor mit einem Halbmarathon am Samstag und einem fast 35 Kilometer langen Lauf am Sonntag bereits vorbelastet war und es trotzdem klappt, bestärkt mich in der Ansicht, dass ich für sportliche Verkehrsmittel zum Pendeln auf die Arbeit gerüstet bin, falls ich es muss – und es außerdem auf die Dauer so machen kann, wenn ich es weiterhin will.

Das Pendel schwingt

Ich steh‘ auf mein Monats-Netz-Ticket für den Karlsruher Verkehrsverbund. Zu jedem Zeitpunkt an jeder Stelle im Karlsruher Netz in einen Nahverkehrszug, eine S-Bahn, eine Tram oder einen Bus einsteigen zu können, ohne darüber nachzudenken, ist ein Wert an sich. Freilich wird das Ding auch gesponsert – von der Arbeit. Somit zahle ich einen eher mittleren statt hohen zweistelligen Betrag dafür – im Monat. Vergleiche ich als BahnCard-Besitzerin das mit 20 Mal zwei Mal 3,30€ für meine Arbeitsfahrt, lohnt es sich in jedem Fall…

Indes: Diesen Monat wird es sich für mich nicht lohnen. Ich hab’s diesen Monat noch kein einziges Mal – KEIN EINZIGES MAL genutzt. Die Krise um das neuartige Corona-Virus spielt dabei eine Rolle, allerdings nicht in Form von „Homeoffice“. Ich gehe immer noch jeden Tag ins Büro – von den drei Tagen abgesehen, die ich präventiv daheim war, weil ich unbestimmte Erkältungssymptome hatte. Es war aber eher Schnupfen, Fieber war nicht dabei, gehustet habe ich auch kaum, so dass meine Ärzte Covid-19 ausschließen konnten, ohne mich auf Sars-CoV-2 zu testen.

Natürlich hat das Forcieren der Radfahrerei – bis auf einmal zurück habe ich im März alle meine Arbeitshin- und -rückwege mit dem Fahrrad bestritten – durchaus AUCH mit dem Virus zu tun. Ich meide den ÖPNV, um mich nicht anzustecken. Damit haben auch die Leute, die den ÖPNV nutzen wollen oder müssen, mehr Platz, um Abstand zu halten, wenn etliche Leute mit dem Fahrrad fahren. Der eine Arbeitsrückweg, den ich nicht Fahrrad gefahren bin, habe ich zu Fuß bestritten. Ich bin gestern nach Hause gelaufen. Da das Fahrrad auf der Arbeit steht, laufe ich nun wieder hin.

Ich bin somit von der Auto-Pendlerin nach Stuttgart über die Teil-ÖPNV-Pendlerin nach Bruchsal und die S-Bahn-Pendlerin nach Karlsruhe zur Fahrrad- und Laufpendlerin nach Karlsruhe geworden. Mein Monatsticket gebe ich nicht auf, ganz bestimmt nicht. Jederzeit an jeder Stelle, wenn mir das Laufen oder Radfahren zu viel wird, in eine Bahn zu steigen und nach Hause fahren zu können, das ist ein Wert an sich, selbst wenn es sich „wirtschaftlich“ nicht lohnt. Mehr als zwei Drittel der Arbeitswege – diesen Monat voraussichtlich sogar jeden absolvierten – mit Fahrrad oder zu Fuß zurückzulegen, empfinde ich jedoch als eine Sache, die es wert ist, beibehalten zu werden. Statt 45-50 Minuten mit Gehtransfers und S-Bahn bewege ich mich in 55-70 Minuten mit dem Fahrrad oder in 95-120 Minuten zu Fuß zwischen Karlsruhe und Bietigheim (Baden). Meine Pendelzeit wird damit 100% zu Sportzeit. Ebenso wie die Monatskarte ist das für mich ein Wert an sich.

Und ich will alle beide diese Werte.

Am Wetterpuls

Da ich meine Arbeitswege inzwischen zu nicht unbeträchtlichen Teilen außerhalb geschlossener Fahrzeuge verbringe, spielt für mich das Wetter eine weit größere Rolle als zuvor.

Bei meinem Mann kannte ich das ja schon, denn er fährt ja jeden Tag mit dem Rad oder Pedelec zur Arbeit. Aber zuschauen und selbst erleben sind nochmal zweierlei Dinge. Nun habe ich gestern Abend wieder mal die Wettervorhersage gecheckt und ärgere mich schon ein klein bisschen über die Wetterentwicklung. Am heutigen Mittwoch wird es wohl ganz gut gehen, trocken zu Fuß auf die Arbeit zu kommen – heim komme ich dann voraussichtlich per Bahn. Das plane ich nun schon eine Weile – denn am Donnerstagvormittag habe ich einen Termin etwa zehn Kilometer vom Büro entfernt.

Dort kommt man nur mit Umsteigen von der Bahn in den Bus, jeweils mit Wartezeiten und außerhalb der Arbeitshin- und Rückwegzeiten nur schlecht getaktet hin. Mit zehn Kilometern geradem Radweg durch den Wald, Rucksack mit vernünftigen Klamotten auf dem Rücken und schnellem Umziehen auf einer Toilette wäre das praktisch, schneller als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und dann auch noch Sport! Da man um den Wald, den ich mit dem Fahrrad durchfahren würde, mit dem Auto außenrum müsste und einiges an Stadtverkehr dabei ist, würde ich vermutlich sogar schneller mit dem Fahrrad dort sein als mit einem Dienstfahrzeug!

Indes: Am Donnerstag soll es regnen. Nicht nur ein bisschen, sondern eher ein bisschen mehr. Kurz umziehen vor dem Termin ist ja machbar, aber durchnässt dort ankommen, das ist nicht akzeptabel. Ich beobachte noch das Wetter, aber bin im Moment eher überzeugt, dass ich zwar heute zur Arbeit laufe und mich drüber freue, aber am Donnerstag nur mit dem Fahrrad ins Büro fahre, meinen Außentermin aber mit der Bahn wahrnehmen muss.

Plötzlich wird unheimlich wichtig, wie zuverlässig die Regen- und Windprognose von verschiedenen Wetterseiten und Wetterapps ist, die Heimfahrt wird auch mal eine halbe Stunde nach hinten verschoben, weil da ein Regenfenster ist. Schon krass, wie sehr sich die Anforderungen ändern, wenn man zunehmend auch von der Bahn auf Rad und teils Laufen für den Arbeitsweg umsteigt…

[KuK] Sturmschritt im Dunkeln

Morgens, fünf vor sieben bei mir zuhause…

Der Rucksack ist gepackt! Ist der Rucksack gepackt? Nein, es fehlt noch jede Menge Zeug, das ich gestern Abend einpacken wollte, aber nicht eingepackt habe!

Am Ende bleiben elf Minuten für 1400 Meter und zwei Treppen zum Bahnhof. Ich stürme!

Am Bahnhof an der Ecke – Vollbremsung, Füße leicht nach außen gestellt, Beine mehr als schulterbreit, für Stabilität! Denn das kleine Mädchen, das eng um die Kurve auf dem Gehweg kommt, achtet noch weniger auf Querverkehr als ich – aber sie setzt nur kurz dir Füße ab und radelt weiter, ich nicke dem auf der Straße fahrenden Papa zu und stürme weiter – Zug erreicht!

Welch ein wilder Ritt!

Solidarität unter Pendlern

Heute war‘s knapp. 7:17 zeigte die Uhr, als ich die Straße nach Elchesheim überquerte, von dort sind es noch 900 Meter bis zum Bahnhof. 7:29 fährt die S8, danach für 40 Minuten nichts. Rennen wollte ich auch nicht, der „Homerun“ gestern zeigte mir, dass ich gerade nah an einem „Zuviel“ an Belastung bin – die Erkältung meines Mannes ist, halbwegs unbemerkt, wohl auch in meinem System, und auch wenn ich mich nicht erkältet fühle, der Puls beim Laufen und das Schwitzen diese Nacht sind deutliche Hinweise meines Körpers, es etwas ruhiger angehen zu lassen.

Tja, es kam also, wie es oft kommt, wenn man spät dran ist: Der Zug ist pünktlich. Er fuhr gerade ein, als ich auf der anderen Seite des Bahnhofs auf den Bahnsteig trat – noch 35 Meter „falschen“ Bahnsteigs und eine Unterführung vom Einstieg entfernt. Ich beschleunigte, rechnete aber fest damit, frustriert gegen den anfahrenden Zug zu rennen…

Und dann stand da eine nette Dame in der Tür und hielt sie durch ihren Körper in der Lichtschranke auf! Das fand ich klasse – ich bedankte mich und nun sitzen wir beide in dem Zug, den ich fast verpasst hätte. Sie liest in einem Buch und ich tippe auf dem Handy diesen Beitrag.

Wie schön, dass sie auf mich geachtet hat! Es waren auch wirklich kaum 20 Sekunden.