Referenz an den Radsport

Ich bin zur Zeit viel im Homeoffice, was bei den aktuellen Infektionszahlen nicht verwundert. Ich möchte mir keinesfalls diese Krankheit einfangen, da eben nicht nur die aktuelle Infektion ansteht, sondern auch eine lange Nachwirkung mit massivem Verlust sportlicher Leistungsfähigkeit damit einhergehen kann.

Aber WENN ich zur Zeit zur Arbeit fahre, dann benenne ich meine Touren gerne analog zu Radsport-Veranstaltungen, denn ich war während meiner Teenager-Rennrad-Zeit großer Radsportfan und bin es irgendwie anders weiterhin. So kamen dann die Namen zusammen:

  • Tour du Lieu du Travail (bezogen auf die Tour de France)
  • Vuelta a Trabajo (bezogen auf die Vuelta a España)
  • Giro de Strada par Lavoro (bezogen auf den Giro d’Italia)
  • Werkplaats Gold Race (bezogen auf das Amstel Gold Race)
  • La Flèche Bade (bezogen auf La Flèche Wallone)

Natürlich ist das alles irgendwie albern und in der Kürze der Zeit vielleicht auch mehr eine gut gemeinte als sauber konstruierte Referenz auf die Rennen. Aber es macht mir Spaß, meine Fahrten zur Arbeit hin und von der Arbeit heim so zu benennen. An einer Paris-Roubaix-Referenz für Fahrten zum KIT Campus Nord bin ich noch am herumdenken.

Leider bieten sich solche Radrennen wie Lüttich-Bastogne-Lüttich oder Mailand-Sanremo nur eingeschränkt an, da ich ja doch die Start- und Zielstädte bzw. Dörfer einsetzen möchte, die ich real angefahren habe, und da ist zum Beispiel „Bietje-Elchesheim-Bietje“ nur eingeschränkt mit einem Rundrennen identifizierbar.

Tja, aber dennoch macht mir das Ganze Spaß, auch wenn ich weit davon entfernt bin, so schnell Rad zu fahren, wie ich laufe.

Zubehör zum Radeln

Den Großteil meiner Radfahraktivitäten machen Strecken aus, die ich nicht zum Training zurücklege, sondern um mich und gegebenenfalls etwas Gepäck von A nach B zu befördern. In meiner Radfahrstatistik wird das nicht in völliger Reinkultur reflektiert. Ich habe Pendelfahrten zur Arbeit und wieder zurück, Dienstreisen per Rad und Fahrten zu meiner Nebentätigkeit unter „Arbeitsweg“ zusammengefasst, Fahrten zum einkaufen, zum Arzt und zu Besuchen bei Freunden (es war ja nicht immer Lockdown und wird nicht immer Lockdown sein) fasse ich bislang mit Radfahrtraining zusammen, nehme da aber Multisport-Trainings heraus. Dennoch ergibt sich ein ziemlich eindeutiges Bild:

Meine Radkilometer, seit ich am 01.12.2019 wieder angefangen habe, eingeteilt nach Anlass.

Fast drei Viertel meiner Strecken entfallen auf Wege, die mit der Arbeit verbunden sind und somit Gepäck beinhalten – mindestens Wechselkleidung, da ich ja nicht in Radklamotten im Büro sitze und erst recht nicht in Radklamotten Vorträge halte oder am Ziel von Dienstreisen mit den Leuten, die ich dort besuche, interagiere. Zur Zeit ist dank Lockdown und Homeoffice auch stets das Notebook dabei, wenn ich doch mal ins Büro radeln muss, gegebenenfalls auch arbeitsbezogene Papiere. Ich bin zwar durchaus gewöhnt, mit Rucksack zu radeln, aber mit Notebook, Papieren, Klamotten plus eventuell noch Schlössern wird das schon langsam eine Menge, das da auf meinen Schultern lastet. Aus diesem Grunde habe ich mir ja als Winter- und Wetterrad nicht nur den robusten Stahlrahmen, die Gravel-Schaltung und Schutzbleche auf die Wunschliste geschrieben, sondern auch Gepäckträger. Der „Red Flash“ besitzt daher sowohl vorne als auch hinten jeweils ein Gestänge zur Aufhängung von Gepäcktaschen. Die Taschen selbst hatte ich bei der ersten Probefahrt am Freitag aber noch nicht, die kamen erst heute… und ich habe sie gleich mal zur Probe montiert:

Auf den Bildern ist die eine Tasche leer an’s Rad gepackt, die andere enthält meinen Kleiderbeutel mit den Klamotten für die Arbeit sowie das dienstliche Notebook. Ich wollte einfach testen, ob alles passt – und das tut’s. Deutlich ist den Bildern aus unserer Garage anzusehen, dass wir a) noch ein paar Dinge von Umbauten in der Wohnung entsorgen müssen, obwohl ich versucht habe, die Räder so zu fotografieren, dass man das Zeug nicht sieht und b) ein Radfahrerhaushalt geworden sind.

Ruanjik, der kleine Kumpel meines großen Wolfs (Ehemann oder eher Ehewolf) mag die neuen Taschen auch.

Für Reisen mit dem Rad sind die Taschen dann freilich auch gut geeignet – wenn sich alles so bewährt, werde ich mal schauen, ob ich noch welche für das vordere Gepäckgestänge bekomme.

[KuK] Freiheit

Es ist für mich ein Stück Freiheit, mit dem Rad oder zu Fuß zur Arbeit und zurück fahren beziehungsweise laufen zu können. Die Parkplatzsuche entfällt, auch die starren Zeiten der Bahnen sind keine Vorgabe mehr für mich.

Aber in den Zeiten der Pandemie gibt es noch einen Vorteil: Wenn ich durch den Wald, über den freien Radweg radle oder laufe, bewege ich mich an der frischen Luft und muss – anders als in der Bahn – keine Maske tragen. Freilich habe ich meinen Buff um den Hals und ziehe ihn als Maske hoch, wenn ich über den engen, belebten Bürgersteig gehe oder mein Rad darüber schiebe, bei uns vor dem Büro. Dort ist ein Nagelstudio, ein Edeka, eine Bar: Stets High Life und Konfetti, wie meine Mama zu sagen pflegte. Da und im Treppenhaus, auch auf dem Flur im Büro, ist’s Pflicht und angesichts der derzeitigen Explosion der Zahlen auch einsichtig. Dann aber, raus aus dem Trubel, laufend oder auf dem Rad, da kann ich die Maske weglassen.

Das lerne ich gerade sehr zu schätzen, wo in jeder Besprechung nach Vorgabe des Arbeitgebers Masken zu tragen sind, wo wir heute zu einem Außendienst fuhren – mit dem Auto. Anderthalb Stunden Maske, kurvige Strecke im Schwarzwald… trotz Corona nötig, nicht einfach nur so. Aber halt durchaus etwas, das mir klar gemacht hat, wie ungewohnt die Maske ist und wie sehr sie mich, die ich sie nicht gewöhnt bin, sonst alltägliche Dinge beschwerlicher finden lässt.

Laufen und Radeln stellt da eine Freiheit dar. Eine sehr große sogar!

Zurück bei Zwanzig-Zwanzig

Im Frühjahr habe ich ja den Zwanzig-Zwanzig-Modus beschrieben – vielleicht erinnert sich jemand. Ich jedenfalls erinnerte mich, als ich mich neulich fragte: „Ist es noch drin, dieses Jahr 10 Kilometer pro Tag im Durchschnitt zu laufen?“

Im vergangenen Jahr bin ich im Schnitt 11,1 Kilometer am Tag gelaufen. Das dieses Jahr zu schaffen, das hatte ich mir Anfang 2020 vorgenommen und als Ziel definiert. Trotz eines Teilausfalls durch eine Erkältung im Januar und eines weiteren Teilausfalls im Februar durch ein bisschen Geziepe im linken Unterschenkel war ich gut auf dem Weg: über 1000 Kilometer war ich im ersten Quartal gelaufen, 300 im Januar, 300 im Februar, 400 im März. Was ich nicht ganz auf dem Schirm hatte, bei der Definition des Zieles am Jahresbeginn, war das Radfahren. Recht schnell war das Radfahren zu einem wichtigen zweiten Sport geworden – bereits im März übertrafen meine Radkilometer die Laufkilometer, und das, obwohl ich nach 20 Jahren Pause erst am 01.12.2019 wieder angefangen hatte! Ich lief und radelte im März das, was ich den Zwanzig-Zwanzig-Modus nenne: Montags mit dem Rad zur Arbeit, heimgelaufen, Dienstags hingelaufen und heimgeradelt, das Ganze an Mittwoch und Donnerstag wiederholt, am Freitag beide Strecken per Rad. Mein Körper war das aber noch nicht gewöhnt…

Und so kam es, dass ich eine langwierige Zerrung in einem der rechten Zehenstrecker hatte, die mich ab April gehen, aber nicht laufen ließ. Die Radkilometer gingen durch die Decke, die Laufkilometer stagnierten… bis in den Juni hinein blieb meine Laufleistung unter dem erforderlichen Niveau, um die im Schnitt 10 Kilometer am Tag zu erreichen. Ich verlegte mich auf Radfahrziele, strich die Laufziele und freute mich einfach nur, als im Juli im Urlaub plötzlich die Laufleistung wieder auf über 350 Kilometer im Monat nach oben schnellte. Nun sitze ich hier, Mitte Oktober, und bin unverhofft doch so weit, dass es noch 957 Laufkilometer bis zu den 3660 sind, die im Schaltjahr einen „Zehn pro Tag“-Schnitt bedeuten. Das Ziel von 7500 Radkilometern ist völlig ungefährdet, aber in zweieinhalb Monaten fast eintausend Kilometer laufen, das ist eine Menge. Habe ich schonmal geschafft, auch schon öfter, so ist es nicht, aber da bin ich parallel weniger Rad gefahren.

Um zu testen, ob es nun doch machbar werden kann, bin ich nun zurück im Zwanzig-Zwanzig-Modus. Gestern gab es einen „Workride“, also eine Radfahrt zur Arbeit. Das Rennrad blieb aber im Büro und ich machte einen „Homerun“, einen Halbmarathon nach Hause. Heute geht’s zu Fuß zur Arbeit, heute Abend mit dem Rad nach Hause. Nach der Erfahrung mit „Zuviel“ im März werde ich das aber auf maximal einmal in der Woche beschränken und die restlichen drei Tage Rad fahren. Noch sehe ich nicht, ob mich das zurück auf den Weg zum „Zehn pro Tag“-Ziel bringt, ich muss sehen, ob ich es durchhalte. Aber ich hab’s wieder angefangen und gebe der Sache einen Versuch.

Mit dem Rad zur Arbeit…

Der Aktionszeitraum von „Mit dem Rad zur Arbeit“ ist rum. 73 Tage habe ich geschafft, dabei war vor dem Urlaub noch jede Woche ein Tag Homeoffice angesagt, und drei Wochen Urlaub lagen auch noch in der Zeit. Mit fast 3400 Kilometern im Zeitraum von Mai bis September habe ich doch eine erkleckliche Menge an Radkilometern sammeln können.

Weniger die Zahl der Kilometer und die Zahl der Rad-Tage macht mich stolz, sondern vielmehr die Tatsache, dass ich JEDE Fahrt zum Büro und JEDE Fahrt nach Hause in diesem Zeitraum mit dem Rad gemacht habe. Nur bei einer (weiten) Dienstreise nutzte ich das Auto und bei zwei weiteren Dienstreisen habe ich auf Teilstrecken die Bahn genutzt, um mein Fahrrad zu transportieren.

Ich habe per Rad insgesamt vier Kreise befahren – den Landkreis Rastatt, den Landkreis Calw sowie Stadt- und Landkreis Karlsruhe, alles davon dienstlich. Mit unterschiedlichem Gepäck und bei sehr unterschiedlichen Temperaturen – brütende Hitze deutlich über 30°C bei einigen Heimfahrten, schon etwas frische Kühle von 5°C bei einer herbstlichen Hinfahrt zur Arbeit – und unterschiedlicher Witterung habe ich Arbeits- und Dienstwege per Rad absolviert.

Nun liegt hier eine Urkunde und bezeugt die Teilnahme. Wenn ich bedenke, dass ich erst am 01.12.2019 das erste Mal seit über 20 Jahren wieder auf einem Rad saß…

[KuK] Neues Diagramm!

Warum ich Rad fahre.

Kaum habe ich Urlaub, setze ich neue Diagramme um. Kaum sage ich eine Blog-Inspirations-Sammel-Sommerpause an, kommen mir Ideen. Vorhin habe ich mal meine ganzen Radaktivitäten in meiner Tabelle gescannt und rausgefunden, dass einige noch im Sammelbecken „Alternativtraining“ lagen. Ich habe alle, die Fahrten zur Arbeit oder von der Arbeit heim beinhalteten, nun mit Arbeitsweg nachmarkiert.

Dann war da noch das eine Duathlon-Training vom Montag (9 km Laufen, 27 km Radfahren, 9 km Laufen), das hat die Kategorie „Multisport Radfahren“ aufgemacht. Für’s Laufen habe ich ein ganz ähnliches Diagramm. Nun hat das Radfahren nachgezogen…

Arbeitsweg-Freude

Am Dienstag ist mein Büro in ein neues Gebäude umgezogen. Naja, das Gebäude ist nicht neu, wir sind nur neu in dem Gebäude. Das Büro ist immer noch im Zentrum Karlsruhes, aber nicht mehr ganz so zentral – von der Markgrafenstraße sind wir ans Karlstor gezogen. Wie so oft funktioniert erstmal nicht alles, dazu trauern natürlich viele Kollegen, die das alte Gebäude und vor allem die anderen dort ansässigen Referate des Regierungspräsidiums über lange Zeit gewöhnt waren, der vorherigen Situation nach. Ich bin da etwas freier, auch wenn ich natürlich auch nervig finde, dass vieles nicht funktioniert und dass manche meiner Leute nun einen Kilometer statt ein Stockwerk von mir entfernt sind.

Aber der neue Arbeitsort bringt auch einen neuen Arbeitsweg mit sich. Da im Moment die Karlstraße Teil der Baustelle für die „Kombilösung“ in Karlsruhe ist und daher die Straßenbahnen dort nicht verkehren, müsste ich ohnehin vom Albtalbahnhof – mit Umsteigen von der Mathystraße zum Karlstor laufen. Aber das ist ja alles nicht erforderlich, ich fahre ja mit dem Fahrrad!

Auch wenn das Karlstor einen Kilometer südwestlich der Markgrafenstraße liegt und ich aus Südwesten nach Karlsruhe hineinfahre, ist der Weg, den ich mir ausgeguckt habe, achthundert Meter länger als der vorherige. Er hat aber mehrere entscheidende Vorzüge: Erstens fahre ich vom Wehr in Daxlanden bis zur Europahalle auf asphaltierten Fahrradwegen mit nur wenigen Einmündungen an der Alb entlang. Das bedeutet: Was ich früher in der Sofienstraße auf einer doch recht stressigen Fahrradstraße zwischen den Häusern fuhr, fahre ich jetzt im Grünen und deutlich schneller! Auch an der Europahalle hoch zur Südendstraße und dann bis zur Steinhäuserstraße sind’s Radwege, teils im Grünen, teils im Bereich von Europahalle und Europabad – viel schöner!

Der Überweg über die westliche der beiden Nord-Süd-Verbindungen zwischen Karlsruher Zentrum und Südtangente, bestehend aus Reinhold-Frank-Straße und Brauerstraße, ist an der Südendstraße wesentlich angenehmer als an der Sofienstraße. Zwar ist die Kreuzung größer – aber man wartet lange nicht so lange auf grünes Licht wie an der Fußgänger- und Radwegampel an der Sofienstraße!

Mein großes Highlight kommt aber, wenn ich von der Südendstraße am Vincentius-Krankenhaus nach Norden abzweige: Ich überquere die Hirschbrücke, die es sogar auf das Wappen der Karlsruher Südweststadt geschafft hat. Über die Hirschbrücke überquert die Hirschstraße die ehemalige Bahntrasse vom alten Karlsruher Hauptbahnhof nach Westen – heute sind das die Jollystraße, die Tramlinie 5 (und im Moment VIELE Ausweichlinien) sowie die Mathystraße. Ich liebe diese Brücke – architektonisch, als Kuriosität und auch, weil ich mir damit eine Menge Kreuzungen mit dem Autoverkehr spare.

Über die Brücke.

Mein neuer Arbeitsweg ist toll!

Green Scooter Killer – Firstrides

Die ersten einhundert Kilometer auf meinem Rennrad habe ich nun absolviert. Durch das lässige Überholen von E-Scootern in der Stadt habe ich meinen grünen Renner als den „Green Scooter Killer“ in Anlehnung an Brösels „Red Porsche Killer“ benannt.

Bis jetzt habe ich eine langsame Runde mit meinem Mann und eine schnelle zweite Runde am Sonntag absolviert, dazu war ich zweimal mit dem Rennrad auf der Arbeit. Lässig habe ich bei Gegenwind auf allen Strava-Segmenten auf meiner Route meine Personal Bests pulverisiert – Kunststück, mit einem so leichten, leichtgängigen Renner. Mittlerweile habe ich die mangelnde Ausstattung für die Straßenverkehrszulassung durch Montieren eines StVZO-konformen Frontlichts, meines StVZO-konformen Garmin Varia RTL 511 ausgeglichen, eine Klingel und einen Halter für den Radcomputer habe ich auch.

Interessanterweise hat auf drei der Fahrten meine Uhr – wohl aufgrund der anderen Haltung und dem ein Loch weiter gestellten Armband, das ich in letzter Zeit gerne zu tragen pflege – komischen Puls gemessen. Wenn ich durchgeschwitzt auf der Arbeit ankomme, weil ich es richtig habe laufen lassen, und mein höchster gemessener Puls auf der Radfahrt 120 gewesen sein soll, mittlerer Puls 97, dann kann ich diese Messung mit Fug und Recht zurückweisen. Allerdings besitze ich inzwischen auch wieder einen Pulsgurt, habe es mit dem probiert… und durfte feststellen, dass plötzlich auch die Uhr den richtigen Puls maß.

Deutlich geworden ist mir, wie viel mein Mountainbike eigentlich wegfedert, die Straße ist sehr rau und hart, wenn man mit einem Rennrad darüber fährt. Aber das passt schon, dafür geht es schön leicht. Meine vier Fahrten mit dem Focus Izalco Race Rahmen und den Shimano Ultegra Komponenten zur Arbeit waren durchweg schneller als die schnellste Fahrt mit dem Mountainbike. Dennoch werde ich wohl das eine oder andere Mal künftig wieder mit dem Mountainbike fahren, denn es ist tatsächlich so eine Sache, einen Carbon-Rahmen-Renner mit Schnellspannern an den Laufrädern auf dem Radparkplatz auf dem Hof des Regierungspräsidiums abzustellen. Erstens sorge ich mich, dass irgendjemand den Rahmen an die Metallstange, an die ich es angeschlossen habe, aus versehen dagegen stößt. Das mag das Carbon-Material nicht. Zweitens habe ich Sorge, dass das nicht vom Kettenschloss erfasste Laufrad „Füße“ bekommt, schließlich sind die kinderleicht auszubauen. Da die Maschine noch schön sauber ist – bzw. vor der Regenfahrt heute nach Hause war – habe ich sie gestern und heute mit ins Büro genommen und hinter mir aufgestellt. Das Leichtgewicht die Treppe hochzutragen oder im Aufzug zu befördern, ist ja gar kein Problem.

Jedenfalls bin ich glücklich wie in einem Traum mit der Maschine – und teste zugleich einen Haufen weitere Gadgets auf Rennrad, Mountainbike und beim Laufen: Das Garmin Varia RTL 511, den Garmin Brustgurt HRM tri, und beim Edge 830 habe ich auch noch nicht alles ausgetestet. Da ergaben sich heute auch so manche Erkenntnisse, die richtig Spaß gemacht haben!

Begegnungsintensive Heimfahrt

Heute auf der Heimfahrt von der Arbeit schien die Sonne und es war warm. Die Fahrt war somit ein Fest!

Es gab allerdings die eine oder andere Begegnung – und manche davon waren nicht so wirklich ein Fest, das kann ich nicht anders sagen.

Zunächst mal war da die Radfahrerin am Rondellplatz. Ich fuhr von der Markgrafenstraße in den Kreisel ein und sah sie – sie radelte auf der Außenbahn vom Marktplatz (also eine Einfahrt nach mir) her in den Kreisel ein – eigentlich hätte sie mir, die ich auf dem Kreisel fuhr und dort erstmal blieb, Vorfahrt gewähren müssen. Sei’s drum, dachte ich – aber dann wurde sie langsamer und blieb auf dem Kreisel, zwang mich sozusagen auf die Innenbahn – dabei wollte ich auf die Erbprinzenstraße fahren. Ich machte langsam, um hinter ihr vorbeizufahren, aber sie hatte ihr Beschleunigungspulver beim mir die Vorfahrt nehmen verschossen – und so fuhr ich dann doch ziemlich irritiert vor ihr herum aus dem Kreisel raus. Vermutlich reichte mein scharfer Antritt aber, um Abstand zu gewinnen und sie so richtig gar nicht zu behindern.

Dann war da auf dem Radweg entlang der B36 ein Rechtsabbieger. Klar, der Rechtsabbieger von der vierstreifigen Bundesstraße hat dort Vorrang vor dem geradeaus seine Kurve kreuzenden Radfahrer. Was ich allerdings überaus nervig fand: Er blinkte nicht. Er fuhr nicht wirklich auf den Verzögerungsstreifen. Die einzige Möglichkeit für mich, sein Rechtsabbiegen zu antizipieren, war sein Verzögern. Erst sehr spät zog er auf den Verzögerungsstreifen. Ich war sehr froh, dass ich da schon angebremst hatte!

Ebenfalls auf dem Radweg entlang der B36 waren vier Radler unterwegs – schön im Viereck angeordnet, langsam – und auch auf mein Klingeln gingen sie nicht in „hintereinander“-Formation, nein. Auch an der Ampel ließen sie nicht zu, dass ich mich vor ihnen einordnete. Als dann die Ampel über eine Einmündung in die B36 grün wurde für Radfahrer und Fußgänger, machten sie sich sogar drei Fahrer breit, kamen nicht vom Fleck, und bremsten dann auch noch abrupt – da sie nicht weiter entlang der B36 fahren wollten, sondern die B36 an der anderen Ampel queren. Alle Absichten sind legitim, aber man braucht auch, wenn kein Gegenverkehr, sondern nur überholender Verkehr auf dem Radweg oder dem ampelbewehrten Überweg über die Straße da ist, nicht den ganzen Weg blockieren. Ich habe kein Recht auf Überholen, klar, ich mache das auch nur, wenn es geht. Aber es heißt in der neuen StVO auch, dass man nebeneinander fahren darf – aber nur, wenn man niemanden behindert. Mich behinderten sie – aber vermutlich ist es illegitim, über 20, gar über 25 oder sogar über 30 km/h fahren zu wollen, wenn man es kann, da andere nicht so schnell fahren. Das ärgerte mich eingestandenerweise ziemlich.

Aber es gab auch zwei überaus nette Begegnungen. An der Brücke über die Alb, weit vor den letzteren beiden Ereignissen, lief vor mir ein junger Jogger über die Brücke. Er lief ziemlich mittig und ich wusste nicht, ob ich nun rechts vorbei sollte, um mir dann eventuell vom rechtsabbiegenden Jogger den Weg abschneiden zu lassen, oder links vorbei mit entsprechender Konsequenz. Also fragte ich – in aus meiner Sicht nettem Ton, und hoffentlich auch so ankommend: „Rechts oder links?“ Er zögerte kurz, bis er die Frage verstanden hatte, dann meinte er: „Links!“ Also zog ich rechts vorbei bog auf den Radweg an der Alb unter der Südtangente durch und freute mich über Kommunikation im Radwegverkehr!

Die zweite Begegnung war dann in Durmersheim. Ich schoss – kann man kaum anders sagen, für mein Mountainbike sind 31 km/h schon recht flott – Auf dem Heilberg entlang und beabsichtigte, rechts auf die Mühlburger Straße zu fahren. Dort fuhr ein anderer Radfahrer entlang – der aufgrund der Eigenschaft der Mühlburger Straße als Vorfahrtstraße dort Vorrang vor mir hatte. Ich bremste ab und er zog nach kurzem Anbremsen durch, begriff, dass ich die ihm zustehende Vorfahrt gewährte. Als ich dann an ihm vorbeizog, meinte er: „Sie sind so schnell, ich hätte sie vorgelassen.“ Ich meinte sowas wie: „Passt schon. Lieber nach den Regeln.“ Das war klasse!

Im Endeffekt war’s dann doch in Ordnung, Aber es zeigt sich doch immer wieder, dass an manchen Stellen, wie ich heute zu meiner Chefin (ebenfalls Arbeitsweg-Radlerin) sagte: Der Autofahrer ist in Karlsruhe meist nur der zweitschlimmste Feind des Radlers. Der schlimmste Feind des Radlers ist der andere Radler…

Sportfreude

Einen Wettkampf aus Laufen, Radfahren und wieder Laufen nennt man einen Duathlon. Ich mache derzeit wieder begeistert eine erweitert-invertierte Abart: Radfahren, Arbeiten, Laufen, Arbeiten, Radfahren.

Es macht mir eine riesige Freude, morgens an der frischen Luft zur Arbeit zu fahren, mit dieser Energie, die mir das gibt, und einer Tasse Kaffee am Schreibtisch Dinge abzuarbeiten, dann eine Runde im Schlossgarten zu drehen, noch ein bisschen zu arbeiten und dabei eine Kanne Tee zu vernichten – und dann mit dem Fahrrad heimzufahren.

Die Radfahrerei macht es einfacher, den Arbeitsweg sportlich zu bewältigen, die Lauferei gehört für mich einfach dazu. Insgesamt spüre ich auch deutlich, wie mich diese Routine verändert: Die Beine verlieren die Lauf-Einseitigkeit und werden auch an den klassischen Problemstellen der Läufer – Adduktoren und Abduktoren zum Beispiel – ganz ohne Fitnessstudio stärker. Natürlich muss sich die lange fast ausschließlich laufgestählte Wadenmuskulatur noch an den kräftigeren Zug von oben gewöhnen, das hat mir in diesem Frühjahr zwei Verletzungspausen eingebrockt und ich muss auch jetzt noch aufpassen. Dehnen bekommt beim gesteigerten Pensum mehr Priorität – aber insgesamt macht das alles den Körper deutlich fühlbarer und insgesamt auch stärker. Das fühlt sich gut an!

Weiterhin gilt, dass das Rad ein Ausgleichssportgerät ist, aber tatsächlich macht’s mir auch einen Heidenspaß – unter anderem natürlich auch wegen der Gadgets… mein Varia RTL 511 hat heute beim Warten an der Ampel über die Amalienstraße in die Waldstraße sogar einen sich in flottem Schritt nähernden Fußgänger erkannt!

Morgen geht’s wieder mit dem Fahrrad hin, wenn alles glatt geht in der Mittagspause auf die Laufstrecke – und später mit dem Fahrrad wieder heim. Ich liebe es!