Workrun

Nach mehreren unvollständigen Versuchen hat es gestern endlich mal geklappt: Der Workrun. 

Den Homerun habe ich ja schon mehrfach gemacht: Computer auf Arbeit runterfahren, Laufklamotten an, Trailrucksack mit rudimentärem, zwischen Büro und Zuhause hin- und herzubeförderndem Zeugs auf den Rücken, Ausstechen und los. Nun kam es – unverhofft und halb unbeabsichtigt – zum Workrun. Nach einer nicht ganz so prallen Nacht stand ich auf, vertrödelte Zeit, die ich eigentlich zum Laufen geplant hatte, und dann irgendwann ging es raus auf die Straße. Da ich nicht so recht wusste, wie viel ich laufen wollte – 

Stopp. Man könnte sagen, dass das gelogen ist. Ich wusste ziemlich genau, wie viel ich laufen wollte: Da 254 Kilometer und ein paar hundert Meter auf dem Dezember-Konto lagerten, wollte ich 16 Kilometer laufen, um auf 270 zu kommen. Aber ich wusste nicht so recht, ob ich unterwegs nicht vielleicht doch mein Soll herunteranpassen wollen würde und ob ich vielleicht nun doch mehr laufen wollte. Damit war gesetzt, dass ich an einer der beiden Bahnlinien entlang laufen würde, die von Südwesten nach Karlsruhe hineinführen – nämlich S7/S8 über Durmersheim oder S2 ab Rheinstetten. Da S7 und S8 morgens stündlich verkehren und dadurch ein 20-40-Minuten-Rhythmus existiert, die S2 aber zehnminütig verkehrt, fiel auch hier die Wahl leicht: Wenn man nicht genau weiß, wie weit man laufen mag und wie lange man bis dorthin braucht, ist der Zehnminutenrhythmus eindeutig zu bevorzugen. 

Der Workrun in Übersichtsdaten.

Ich rannte also erstmal fernab der Bahn von Bietigheim los; zwischen Durmersheim und Würmersheim nach Norden und dann nach Mörsch. Dort erreichte ich an der Haltestelle Merkurstraße die S2 und hangelte mich von Station zu Station an ihr entlang. Erstmal dachte ich: „So, Merkurstraße erreicht. Hier kommt gleich eine Bahn, aber ich bin ja eh pro Haltestelle nur ein bis zwei Minuten langsamer als die Bahn – und es sind erst sieben Kilometer.“ Munter lief ich weiter, zeigte den morgendlichen Passanten meine Sport-Löwen-Baden-Windjacke in herrlichem Gelb-Rot und erfreute mich der verhältnismäßig hohen Temperaturen für Mitte Dezember. Irgendwo an der Grenze zwischen Mörsch und Forchheim war’s dann so hell, dass die Straßenbeleuchtung ausging. Eine Bahn ließ ich irgendwo zwischen Mörsch Rösselsbrünnle und Forchheim Hauptstraße an mir vorbeiziehen, verließ nördlich der Messe dann auch Forchheim wieder und erreichte Karlsruhe in Form von Daxlanden. Am Dornröschenweg war die nächste Bahn noch drei Minuten hin, mit ein bisschen Getrödele war sie dann an der Karl-Delisle-Straße schon wieder weg. Also lief ich weiter – erstens half es nichts und zweitens fühlte sich die Lauferei richtig gut an! Einzig der zunehmende Nebel war nervig, weil meine Brille allmählich so beschlagen war, dass sich größere Tröpfchen bildeten und ich nicht mehr allzuviel sah. 

Etwas nervig war dann der Weg entlang der B36 zwischen Rheinhafenstraße und Zeppelinstraße, weil der Berufsverkehr neben mir nach Karlsruhe hineinbrandete. Dann jedoch konnte ich mich in die Grünanlagen im Bereich der Alb verziehen und dort dann zunächst einige Zubringer von der B36 auf andere Straßen – zum Beispiel die Südtangente – unterqueren, bevor dann nochmal der Radweg über die Vogesenbrücke entlang der B36 angesagt war. Dann war ich am Entenfang und hier setzte die Erkenntnis ein, dass es nun ja auch nicht mehr lohne, die restlichen paar Schritte mit der Bahn zurückzulegen – also bog ich ab und lief die Sophienstraße entlang bis tief in die Stadt hinein, von wo ich ein bisschen zum Büro hin die Straßen entlangkreuzte und schließlich nach 19 Kilometern und 520 Metern auf der Arbeit ankam. 

Schön stabile Herz-, Schritt- und Pace-Daten über die vollen 19,5km.

Eigentlich war das so gar nicht beabsichtigt, aber es ergab sich als eine Folge von „eine Station schaffe ich noch vor der nächsten Bahn“, „oh, da ist die Bahn und ich noch nicht an der Haltestelle“ sowie „macht nix, bin ja eh nicht viel langsamer als die S2“. Und so war der Lauf recht entspannt – ein Workrun. Tolle Sache, finde ich. Auch wenn ich an der Strecke noch etwas feilen kann und will, ist es auch eine Strecke, die ganz problemlos auch in der dunkelsten Zeit des Jahres belaufen werden kann, weil sie durchgehend beleuchtet ist oder zumindest neben schönen, grünen, unbeleuchteten Strecken auch recht nahe, beleuchtete, aber hässliche Alternativen bietet, falls es doch noch dunkel ist. Außerdem ist jederzeit die Möglichkeit da, in die S2 einzusteigen, wenn es aufgrund von Kondition, Verletzung oder Unlust nicht weitergeht. 

Das mach‘ ich mal wieder!

3 Kommentare zu „Workrun

    1. Im Sommer werde ich vermutlich in den Modus kommen, dass ich einmal die Woche Workrun und vielleicht Homerun und die restlichen vier Arbeitstage 20km hin, 20km zurück mit dem Fahrrad mache. Das wäre zumindest meine Vision, wo ich nun den Workrun etabliert und das Fahrradfahren wieder angefangen habe.

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