Lichtblicke am Brennpunkt

Da heute Mittag mein Post über den Verkehrsbrennpunkt Pforzheim Ost, den ich schon vorgestern verfasst hatte, online gegangen ist, passt das hier besonders gut.

Heute Morgen gingen mir die veranschlagten 80 Minuten für meine Arbeitsfahrt schon wieder bei Pforzheim aus – das dritte Mal in Folge. Nach dieser Zeit ist es einfach so, ich kann mir nicht helfen: Der Frühstückskaffee und der Frühstückstee fangen an zu drücken. Dann reicht es nicht mehr für die Durchfahrung des Staus an der Baustelle am Dreieck Leonberg, es würde noch nicht einmal bei freier Strecke bis nach Stuttgart reichen. Also muss ich auf die Toilette gehen – und die einzige akzeptabel saubere Toilette an der Autobahn zwischen Karlsbad und Leonberg ist nun einmal der Rasthof Pforzheim.

Dort machte ich heute also meine Pause, warf siebzig Cent in den Automaten an der Toilette und … naja, Ihr wisst schon. Als ich die Toilette wieder verließ, kam mir gerade eine Mutter mit ihrem Kind entgegen – sie ging etwas schwerfällig und ich vermute, da ist ein weiteres Kind unterwegs. Sie meinte zu ihrem Sohn, der mit ihr die Treppe runterging und brav langsam machte für Mama, sie müsse nochmal umdrehen, um von Papa zwanzig Cent zu holen. Vermutlich war sie in den Zeiten, als man da noch fünfzig Cent für einen fünfzig Cent Voucher einwarf, das letzte Mal auf so einer Toilette gewesen. Ich dachte mir: „Die Dame lässt du jetzt aber nicht nochmal hochrennen!“, machte meinen Geldbeutel auf und schenkte ihr zwanzig Cent. Sie wollte es erst nicht annehmen, verwies darauf, dass ihr Mann oben sei und Geld habe … aber ich meinte, sie solle es ruhig nehmen, das sei kein Problem. Sie freute sich, ich freute mich, geholfen zu haben.

Dann löste ich den Voucher ein und holte mir einen doppelten Espresso, hörte beim Warten auf meine Tasse noch ein Gespräch der beiden Herren an der Kaffeebar mit: Sie sprachen über Matcha, und dass ein Kollege ihnen wohl tollen Matcha gemacht habe, sie ihn aber so nicht hinbekämen. Als der Herr dann meinte: „Ich weiß nicht, was er da rein tut!“, fühlte ich mich bemüßigt, einen Kommentar abzugeben – nämlich, dass bei Matcha die Temperatur eine Rolle spielte. Er meinte, er habe das 100°C heiße Wasser aus der Maschine am Rasthof benutzt, somit war der Fall klar. Ich riet ihm zur Nutzung von 70-80°C heißem Wasser, dann gehe es besser. Er freute sich – hoffentlich hat’s geklappt!

Als ich dann meinen Espresso trank, eilte die Dame, der ich zwanzig Cent geschenkt – nunmehr nur geliehen – hatte zu mir her und gab mir das Geld zurück. Ich nahm es an, versicherte ihr aber, dass ich es auch gerne geschenkt hätte. Sie freute sich, wir tauschten zwei „Danke!“ aus und dann ging es für mich wieder auf die verstaute A8. Der Stau muss nicht sein, die Pause nicht, aber SOLCHE Staubegegnungen lasse ich mich durchaus gern gefallen!

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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