Pause

Der Rasthof Pforzheim, direkt neben der Anschlussstelle Pforzheim Ost, ist der einzige Rasthof auf meiner Strecke. Nun ja, der einzige, der sich auch wirklich lohnt – denn der Sindelfinger Wald liegt ja nur etwa anderthalb Kilometer vor dem Stuttgarter Kreuz, da fahre ich dann ja schon runter, noch ein paar hundert Meter A831 und bin an der Uni. Der einzig im Rahmen meiner Pendelstrecke sinnvoll nutzbare Rasthof ist also wie gesagt der bei Pforzheim – der dann auch noch eine gemeinsame Raststätte für beide Richtungen hat.

Wenn bei Pforzheim, also zwischen Pforzheim West und Pforzheim Ost morgens Stau ist…

Okay. Das war falsch formuliert. Dort ist immer Stau. Sogar am verkehrsruhigen Freitagmorgen. Also: Wenn dort mehr Stau ist als üblich und zudem schon vorher bei Karlsruhe irgendwas war, dann erreiche ich den Rasthof ziemlich genau dann, wenn ich normal auf der Arbeit wäre – oder sogar später. Das bedeutet, dass ich über 20 Minuten auf eine freie oder auch nur normal verstaute Autobahn verloren habe. Das war in letzter Zeit fast schon der neue Normalzustand. Jedenfalls ist meine Blase daran gewöhnt, wie ich eben „früher“, bevor Pforzheim Ost noch mehr zum Verkehrsbrennpunkt wurde, bei der Arbeit ankam. Sprich: In oben genannter Situation muss ich in Höhe des Rasthofs auf Toilette, also fahre ich dort raus. Der Toilettenvoucher will dann auch ausgegeben werden, also gibt es einen Espresso, der dann als Pausen-Genuss wirklich gut tut, bevor ich zum letzten Stück Autobahn ansetze.

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Allerdings ist der Rasthof schön, gemütlich und voller Verlockungen, denen ich in der Regel gut widerstehen kann – außer halt dem Espresso und der Toilette, die weniger eine Verlockung als vielmehr eine Notwendigkeit ist. Seit Monaten streune ich an den dortigen kleinen Lego-Sachen vorbei, die mich auf der Basis „Lego“ und auf der Basis „Nerd“ ansprechen.

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Eine gute Freundin fragte mich nun neulich, als ich meinte: „Ich hätte fast diese Lego-Microfighters gekauft!“, eine sehr gute Frage: „Warum nicht?“ Ich konnte nur antworten: „Vernunft? Erwachsenen-Gründe?“ Mir antwortete ein beredtes Schweigen. Tja, was ich aus diesem beredten Schweigen gemacht habe, seht Ihr im Bild. Und ich bin glücklich wie in einem Traum, fühle mich ein bisschen, als hätte ich etwas Verbotenes, Albernes getan – nicht, dass das ein schlechtes Gefühl wäre, es ist nur eines, das ein wohliges Zittern auslöst, als würde man dabei erwischt werden können. Das innere Kind grinst dem inneren Babysitter ins Gesicht, der innere Babysitter fragt sich, ob sie die Rute androhen, milde den Kopf schütteln oder die Augen verdrehen soll.

Am Ende spielen die beiden einträchtig gemeinsam Lego.

Bundes-Auto-Platz

Wir kennen alle das Kürzel BAB für „Bundesautobahn“. Leider entspricht das derzeit auf der A8 … der BAB 8 und auch der BAB 5 nicht unbedingt immer den Tatsachen. Denn eine Bahn impliziert, dass sich dort was bewegt. Das ist zur Zeit erschreckend häufig nicht der Fall. Die Baustelle zwischen Rastatt und Karlsruhe auf der A5 erzeugt sehr häufig Stau, den ich inzwischen stets durch den Umweg B36, L566 und dann Ortsdurchfahrt Ettlingen umgehe. Dazu kommt die Engstelle bei Pforzheim Ost, an der häufig neben der ohnehin vorhandenen Engstelle mit Senke noch Unfälle passieren – und schließlich ist da noch die Baustelle zwischen Leonberg und dem Stuttgarter Kreuz.

So auch heute Morgen: Ich umfuhr den Stau auf der A5 und der B3 als primäre Ausweichstrecke über B36, L566 und Ettlingen, dann jedoch gab’s wenige Möglichkeiten: Neben dem ohnehin jeden Morgen auftretenden 10-Minuten-Stau vor Pforzheim Ost war noch ein Unfall in Fahrtrichtung Karlsruhe passiert, direkt in der Senke an der Ausfahrt Pforzheim Ost. So ein Unfall auf der Gegenfahrbahn bringt selbst ohne ausgemachte Gaffer Unruhe in den Verkehr hinein – somit stand ich mehr als 20 Minuten vor Pforzheim Ost. Dann drückte der Frühstückstee schon so stark, dass ich um eine Pause nicht umhinkam – erst recht, weil Google Maps in Navi-Funktion noch mehr als eine Stunde für die verbleibenden 35 Kilometer bis zur Arbeit prognostizierte. Also fuhr ich in Pforzheim auf die Raststätte, löste mir meinen Sanifair-Voucher und stellte anschließend fest, dass ich fünf von den Dingern im Geldbeutel hatte – da der Stau langsam weniger wurde, und ich lieber frei durchkommen wollte, habe ich dann noch ein paar Cent auf die fünf Voucher draufgelegt und mir einen Espresso gegönnt. Danach waren’s nur noch fünf Minuten Stau bis Leonberg West und den Rest konnte ich über die B295 und die L1187 sowie ab Schattenring die B14 umgehen. Dennoch …

Heute waren A8 und A5 durch all die Unfälle und Störungen eher „Bundes-Auto-Plätze“ (BAP) mit viel Stillstand als Bundesautobahnen mit fließendem Verkehr.

Vorahnung von Verzögerung

Es ist nicht selten so, dass ich an einer Tankstelle, an einer Kaffee-Ausgabe an der Raststätte Pforzheim Ost, irgendwo jedenfalls, wo man an der Kasse manche Produkte zum Zahlen mit hinbringt, andere von dem dortigen Mitarbeiter gereicht bekommt, schon ahne: „Oh Mist, das wird jetzt länger dauern!“, wenn ich die Leute vor mir sehe. Gestern morgen, als ich tanken musste, war das mal wieder so:

Ich hängte gerade die Zapfpistole wieder in die Tanksäule ein und machte mich auf den Weg zum zahlen, da sah ich eine Gruppe um die Ecke des Tankshops kommen: Fünf Frauen, die meisten davon eher Mädchen, dazu ein junger Mann, bei dem ich die Bezeichnung „Junge“ eigentlich fast angebrachter fände. Und wie ich es ahnte, schwirrten die sechs Leute um die eine Kasse herum wie die Wespen um das Glas Cola, jeder musste einzeln seine Wünsche verkünden, überlegte mehrfach um, diskutierte mit den anderen. Zum Glück war noch eine zweite Kasse offen, an der vier eilige Leute – eine davon ich – einfach nur null bis drei Produkte und jeweils eine Tankfüllung pro Person bezahlen wollten.

Ähnliches gab es vor kurzem am Rasthof Pforzheim. Dort gibt es einen Coffee-Fellows-„Stand“ innerhalb der Raststätte, an dem Kaffee frisch gemahlen und aus dem Siebträger verkauft wird. Allerdings gibt es dort auch Doughnuts, Bagels glaube ich auch, Brezeln, Brötchen … Panini vielleicht sogar. Zeug zum Essen, jedenfalls. Tee gibt es auch.

Faszinierende Szene Nummer 1: Zwei Bundeswehrsoldaten in Feldanzug (oder wie man das auch immer nennen mag) stehen an der Kasse und entscheiden sich dreimal zwischen verschiedenen Kaffees zum Hiertrinken oder Mitnehmen um, hinter mir ist ein schlanker, großer Herr mit merklicher Eile schon reichlich genervt. Und dann bestellt der in der Schlange vor mir umständlich und mit fast einer Minute Diskussion nicht nur einen Cappuchino zum Mitnehmen, sondern auch noch ein belegtes Brötchen, das gerade nicht verfügbar ist … Im Ergebnis musste der Mitarbeiter dort das Brötchen bereiten, bekam auf die Schnelle keinen zweiten Mitarbeiter für die Kaffeemaschine und eine ungeduldige Schlange wurde langsam immer genervter. Ich sah das ganz gelassen, aber ich konnte auch die anderen Warter verstehen.

Faszinierende Szene Nummer 2: Vor meinem Mann und mir steht ein etwas verwirrt aussehender Herr, der bei dem Coffee Fellows Menschen umständlich einen mittleren Kaffee bestellt – langsam kristallisierte sich heraus: Vor uns steht ein Brite. Dieser bestellte dann zum Kaffee noch einen Tee und zwei Doughnuts. Der Mitarbeiter: „What kind of tea?“ – „Eh … I don’t care.“ – „We have different teas.“ Der Mitarbeiter zeigt dem Kunden eine Schachtel, in der neun verschiedene Teesorten säuberlich beschriftet verfügbar sind. „I don’t know“, bescheidet ihm der Kunde. Der Mitarbeiter guckt verwirrt. Der Kunde: „It doesn’t matter, it is for my wife.“ Die ganze Warteschlange lacht. Der Brite tauscht sich über die Warteschlange hinweg mit seiner Frau aus, die am Ende der Schlange vor der Vitrine mit den belegten Brötchen steht, um dort auszuwählen. Das Ergebnis: „We don’t care which kind of tea.“ – „So my choice?“, fragt der Mitarbeiter. Der Brite nickt. Also kriegt er Darjeeling. Natürlich dauerte es dann noch einen Moment, aber mein Mann und ich konnten beinahe nicht mehr ob dieser skurrilen Unterhaltung. Bis wieder genervte Ungeduld auftreten konnte, waren wir dann schon dran und ich bekam meinen doppelten Espresso.

Gedränge und krampfhaftes Weggucken

Am Montagabend auf der Heimfahrt schien alles gut zu laufen, es war kein Stau angesagt und ich fand das schon etwas erstaunlich – nun ja, ich habe es wohl herausgefordert.

Jedenfalls begann dann kurz vor Pforzheim Ost die angezeigte Restzeit meiner Fahrt in Google Maps deutlich anzusteigen, dann zogen hinter mir plötzlich alle hektisch eine Rettungsgasse auf. Ich war bereits auf der mittleren Spur recht weit rechts positioniert, machte dann aber doch noch etwas mehr Platz: Zwei Feuerwehr-Einsatzfahrzeuge und ein Krankenwagen fuhren durch die Gasse. Dennoch lief es ganz gut weiter, es war schon absehbar, dass nur einer der zwei Fahrstreifen am Rasthof Pforzheim vorbei blockiert war.

Kurz vor dieser Stelle realisierte ich dann, dass es doch ein bisschen anders war: Zwei Spuren waren blockiert, aber noch in jenem Bereich, in dem der Verkehr auf drei Fahrstreifen Richtung Karlsruhe strömen soll und meistens eher tröpfelt. Allerdings begann dann das Gedränge, ein ziemliches Durcheinander. Alle waren schon langsam, so dass nichts passierte – aber das Chaos war schon recht groß: Ein Anteil von ungefähr zwei Drittel der LKW und einem Drittel der PKW im Stau hatte sichtlich beschlossen, eventuell auf Hinweise eines nun nicht mehr absichernden Polizisten, den rechten Fahrstreifen UND den Standstreifen zum Passieren des Unfalls auf der linken und mittleren Spur zu benutzen. Der Rest der Fahrer – die meisten PKW, ein Teil der LKW – strebte nach den normalen Regeln der Unfallstelle und damit verbundenen Verengung von drei auf einen Fahrstreifen zu. Es war wirklich schwer zu beurteilen, was man nun tun sollte – ich befand mich wegen meiner recht weit nach rechts verschobenen Position bezüglich der Rettungsgasse ohnehin schon zwischen den beiden Versionen, da ich von der bisher benutzten mittleren Spur fast auf die rechte hinübergedrückt wurde. Die LKW strömten schon auf dem Standstreifen rechts vorbei … und für einen kurzen Moment hatte ich Übersicht über die Fahrzeuge vor mir, es war – faszinierend und beängstigend zugleich: Es war nicht zu erkennen, welches Fahrzeug auf welchem Fahr- oder Standstreifen war, denn kein Fahrzeug stand hinter dem anderen. Da alle halbwegs rücksichtsvoll mit dem Wiederherstellen der Ordnung umgingen, behob sich diese Situation recht schnell wieder, aber im ersten Moment war ich einfach nur restlos verwirrt.

Danach, beim Vorbeifahren an der Unfallstelle, hielt ich meinen Blick krampfhaft nach vorne. Ein Einsatzleitungswagen des roten Kreuzes, mehrere Polizeifahrzeuge, mindestens ein, eher zwei Krankenwagen und drei Feuerwehr-Fahrzeuge befanden sich auf dem linken Fahrstreifen, eine Beschädigung der Mittelleitplanke zu erkennen war nicht vermeidbar, denn ich kann nicht völlig weggucken oder die Augen zumachen, wenn ich weiter sicher am Verkehr teilnehmen will. Ich war sehr dankbar, dass im Vorbeifahren an der Unfallstelle langsam der Verkehr wieder etwas mehr floss und die Feuerwehr mit zwei größeren Einsatzfahrzeugen den Blick auf die Unfallstelle verstellt hatte. Ich wollte es nicht sehen. Die paar Trümmer, die auf dem mittleren Fahrstreifen zu sehen waren, reichten meiner Phantasie schon, um meinen Bauch sich vor Schrecken zusammenziehen zu lassen. Vermutlich, wenn man dort ist, helfen muss, etwas zu tun hat, kann man es ausblenden. Aber wenn man von einem Auto abgefallene Teile sieht, um die Anwesenheit von Feuerwehr und Ärzten weiß und somit nichts anderes zu tun hat als sicher und langsam daran vorbeizufahren, dann ist der Schrecken bei mir da. Ich will dann gar nicht hingucken. Und ich sah auch nicht mehr.

Dankenswerterweise fuhren danach alle halbwegs nett, es lief auch staufrei, bis auf einen Fahrer, der im weiteren Verlauf dann schon auf der Landstraße beim zweispurig rechts Abbiegen über die Spurbegrenzung driftete und mich zum Bremsen brachte.

Bin ich froh, dass aus dem Gewimmel von wild über die Spuren verteilten Staustehern nicht noch ein Unfall entstanden ist und dass ich nichts vom eigentlichen Unfall gesehen habe!

Defensive Line

Am Samstag, auf dem Weg zur Hochzeit einer Freundin, durfte ich nicht nur lernen, dass mein Kopf instinktiv Navigation und Sicherheit auf unterschiedlicher Priorität laufen lässt. Es gab da noch eine andere Sache, die auf dem Weg passiert ist.

Mein Mann und ich mussten, müde wie wir nach der kurzen Nacht mit „meine Handtasche ist weg“-Panik, auf dem Rasthof Pforzheim eine Pause einlegen, bevor wir nach Ludwigsburg weiterfuhren. Einen Kaffee trinken für mich als Fahrerin, dann nochmal auf die Toilette … auf die Toilette?

Genau da lag das Problem. Während ich meinen Kaffee holte, fielen mir schon eine Reihe junger Frauen auf, die ähnlich, sehr ähnlich gekleidet waren – und als ich dann die Treppe zur Toilette runterging, wurde es zur Gewissheit: Da ist irgendwo ein Nest. Naja, kein Nest, es war ein Bus angekommen, der eine ganze „Horde“ von Frauen ausspuckte, die alle auf die Toilette mussten. Zuerst konnte ich das noch nicht richtig zuordnen, dann wurde mir klar: Ja, das ist eine Mannschaft. Eine American-Football-Damenmannschaft, nämlich die Saarland LadyCanes, die Damenmannschaft der Saarland Hurricanes. Letztlich finde ich die zehn Minuten, die ich mit Warten auf eine freie Toilette verbracht habe, da schon fast wieder cool – denn was mich daran hinderte, die Toilette zu betreten, was sozusagen eine massive Defensive Line mit jeweils zwei über die Flanken des Kopf geflochtenen Zöpfen, guter Laune und so weiter  – und auch wenn’s dann in Ludwigsburg knapp wurde, war der Grund für die Verzögerung auf Toilette dann doch cool, denn ich finde American Football klasse und freue mich, dass es auch Damenmannschaften gibt – das ist absolut nicht selbstverständlich!

Öl ins Feuer

Ich habe mich neulich schon über den Verkehrs-Brennpunkt: Pforzheim Ost ausgelassen. An diesem Brennpunkt stockt’s im Moment weiterhin heftig, auch wenn ich das wegen der Baustellen am Stuttgarter Kreuz und im Bereich Rastatt/Ettlingen im Moment nicht so sehr wahrnehme – es geht manchmal im Rauschen unter.

Gestern allerdings nicht. Das lag aber nicht am Umfang des Staus, der war eher moderat. So gut durchgekommen sind allerdings nicht alle, ich war gestern auf der Heimfahrt spät dran und da hatten sich über 25 Minuten Verzögerung schon zu den üblichen rund 10 Minuten abgebaut. Warum also ging der Brennpunkt gestern nicht im durchaus erklecklichen Rauschen unter?

Ganz einfach: Am Montag brach sich der Verkehr nicht in erster Linie an der Verengung auf zwei Spuren vor der Raststätte Pforzheim, auch nicht am in der Senke gelegenen, sehr kurzen Beschleunigungsstreifen der Anschlussstelle Pforzheim Ost. Nein, der Verkehr brach sich an den Wiederauffahrern vom Rasthof Pforzheim. Warum das, fragen nun Kenner der Stelle. Der Beschleunigungsstreifen ist abschüssig, lang genug und der Verehr auf der rechten Spur ist auf 100km/h begrenzt. DAS sollte das geringste Problem sein. Tja, wenn es da nicht ein Problem gegeben hätte. Eine Panne, fragt Ihr? Ein Unfall?

Nein. Der Beschleunigungsstreifen war massiv verkürzt, da vier LKW – wohl, weil sie nach Stau Pause machen mussten – auf dem Beschleunigungsstreifen parkten. Es war den Einfädlern vom Rasthof völlig unmöglich, auch nur vage genug zu beschleunigen, um in den Verkehr einzufädeln, da mehr als die Hälfte des Streifens von LKW blockiert wurden. Diese LKW ersetzen einen Regelverstoß – nicht Pause machen – durch einen anderen: Auf dem Beschleunigungsstreifen parken. Ganz unabhängig von der zu geringen Verfügbarkeit von Ruheplätzen für den ausufernden Fernlast-Verkehr auf der Straße, den ich durchaus einsehe: Wie kann das sein? Wird dieses Verhalten toleriert? Oder wird es einfach nur nicht überprüft? Denn so gesehen legen die LKW, die auf dem Beschleunigungsstreifen parken, durch die resultierende Verkehrsbehinderung die Basis für ein weiteres Stauen, das wieder den Rastplatz überfüllt … und wieder LKW „zwingt“, illegal und ÜBERAUS stark verkehrsbehindernd auf den Zufahrten, Verzögerungs- und Beschleunigungsstreifen der Raststätten und Parkplätze zu halten und somit neue stauerzeugende Behinderungen zu bilden …

An dieser Stelle steigt mein Kopf leider noch nicht ganz aus. Offenbar wird die nach dem Vergehen durch den Fahrtenschreiber nachweisbar nicht gemachte Pause so viel effizienter geahndet als das durchaus recht stark geahndete Erzeugen von Behinderungen und Gefährdungen in der akuten Situation, dass das Verhalten der Brummis rational ist, um Strafen in einer nicht ohne Vergehen zu meisternden Situation zu minimieren. Jetzt kommt die Stelle, an der mein Kopf fragt: Wieso wird akute Verkehrsbehinderung und Gefährdung so wenig bemerkt?

Guckt der Staat weg, weil er seinen Ausbaustau kennt und dahingehend weiß, dass die Brummis keine andere Wahl haben? Wird dann abgewogen, dass man halt mit weniger Leuten und weniger Ärger die mangelnden Pausen nachweisen kann und sich nicht um zeitnahen Ausbau der Parkplätze kümmern muss? Wäre eine Erhöhung der LKW-Maut und daraus finanzierter Ausbau des Netzes auf den – dann durch finanziellen Eingriff reduzierten Bedarf – nicht sinnvoller und konsistenter mit den erklärten ökonomischen und ökologischen Zielen der Regierung? Am Ende noch kombiniert mit Alternativen, die entweder schneller und flexibler oder kostengünstiger sind – doppelten Anreiz verlange ich ja gar nicht …

Fragen über Fragen. Keine Antworten.

Aber vermutlich darf ich als Langstrecken-Auto-Pendlerin solche Fragen nicht stellen, da ich zu den „Bösen“ gehöre, die den Bedarf hochschrauben.

Das Ausfließen

Vorkommen: An Steigungen auf mehrspurigen Autobahnen. Auch ohne Verengung auf weniger Fahrstreifen. Selbst bei Erweiterung auf mehrere Fahrstreifen. Oder auch: An Steigungen auf Autobahnen … ARGH!

Symptome: Sobald die Geschwindigkeit aufgrund der Steigung etwas zurückgeht, herrscht ein massiver Drang von mindesten 50% der Fahrzeuge auf einem Fahrstreifen nach links. Die sind aber nicht schneller als der Vordermann, sie denken nur, sie sind schneller. Prompt geht’s mit 60km/h den Berg hoch auf der rechten Spur, mit 62km/h auf der mittleren, mit 64km/h auf der linken.

Unterstellte Ursachen: Wenn der Berg anfängt, spürt das Fahrzeug vor einem eine stärkere Steigung als man selbst. Außerdem ist das Fahrzeug vor einem schon etwas länger in der Steigung, hat also – kein Schalten vorausgesetzt – schon etwas länger schleichend Geschwindigkeit verloren. Die Abstände sinken, man hält sich für schneller. Also will man überholen – ist aber selbst schon etwas ausgebremst. Außerdem verliert man ständig weiter Geschwindigkeit. So ganz nebenbei gilt für nahezu alle Fahrer, auch auf Deutschlands Autobahnen: Beim Spurwechsel werden sie in fast allen Fällen langsamer. Resultat sind Autos und LKW, die nicht schneller sind als der Verkehr vor ihnen, nur durch das schleichende langsamer Werden glauben, schneller zu sein, und nach links wechseln. Sie tragen damit die langsame Geschwindigkeit ihrer rechtsliegenden Fahrspur nach links – und bauen in aller Regel danach auch keine Geschwindigkeit wieder auf.

Nervfaktor: Hoch. Für den Ausscherenden ergibt sich minimaler Zeitgewinn, maximal ein, zwei Sekunden auf einen Kilometer, bei 2-5km/h Geschwindigkeitsvorteil gegenüber dem einfach rechts Bleiben. Für den auf der Spur weiter links Ausgebremsten und alle hinter ihm ergibt sich ein Geschwindigkeitsverlust von 20-30km/h und ein entsprechend höherer Zeitverlust. Und für ALLE ergibt sich das Runterbremsen von vorher mittels Verbrennen von Sprit aufgebauter Geschwindigkeit, nur um mit Energieaufwand produzierte Bremsbeläge abzuschaben und diese Geschwindigkeit im Anstieg wieder unter Verbrennen von mehr Sprit neu aufzubauen. Das ist nicht ökonomisch, für keinen davon. Ökologisch auch nicht. Aber es ist ständig der Fall, in letzter Zeit wieder immer häufiger. Ich bemerke und hasse es vor allem auf folgenden Teilstücken:

  • A8 Stuttgart-Karlsruhe, kurz nach Anschlusstelle Leonberg West
  • A8 Karlsruhe-Stuttgart, zwischen Autobahndreieck Karlsruhe und Anschlussstelle Karlsbad
  • A8 Karlsruhe Stuttgart, zwischen der Pfinztalbrücke bei Nöttingen und Anschlussstelle Pforzheim West
  • A8 Karlsruhe Stuttgart, zwischen Anschlussstelle Pforzheim Ost und Rasthof Pforzheim

… und jedes Mal entsteht hinter dieser Idiotie ein Rückstau!

Standstreifen …

Ich habe das zwar schon auf Facebook geschrieben, aber ich muss es nun nochmal tun:

Heute, nachdem auf der A8 zwischen Rasthof Pforzheim und Pforzheim Ost ein Unfall passiert war, wollte ich selbigen Stau ab Pforzheim Süd umgehen. Ich fuhr also an die Anschlussstelle heran, aber bei ca. drei Kilometer Abstand zur Ausfahrt war Schluss – der Stau begann, das freie Fahren endete. Nun ordnete ich mich schön brav auf der rechten Spur hinter die LKW, um dann rauszufahren. So weit, so gut. Natürlich ging es eher langsam – und immer wieder scherte jemand rechts auf den Standstreifen aus, fuhr am ganzen Stau vorbei und nahm dann wohl dieselbe Ausfahrt, die ich anvisiert hatte. Ich wusste im Grunde, dass das falsch ist – dass das REGELWIDRIG ist.

Als ich unter der 1000m-Markierung vor der Ausfahrt stand, fuhren einmal gleich zwanzig Fahrzeuge auf einmal rechts an mir vorbei, umgingen einen auf dem Standstreifen stehenden LKW und fuhren da dann weiter – Richtung Ausfahrt. Ich blieb auf dem rechten Fahrstreifen und kam mir zunehmend blöd vor. Allerdings habe ich die Regeln nicht gebrochen, ich fuhr erst auf den Ausfädelstreifen und rollte dann gemütlich die Ausfahrt hinunter.

Nun bekam ich von einem Bekannten einen Kommentar zu meinem Facebook-Post. Er habe gehört, man dürfe bis zur Ausfahrt den Standstreifen benutzen. Also war ich mir nicht sicher und guckte nach. Laut Straßenverkehrsordnung ist der Standstreifen nicht Bestandteil der Fahrbahn, man darf dort also nicht fahren. Auch nicht in Ausnahme-Situationen, es sei denn, der Standstreifen wurde durch die Polizei zur Befahrung freigegeben. Laut Bußgeld-Katalog kostet auf dem Standstreifen zu fahren (egal, ob eine Ausfahrt angesteuert wird oder nicht!) 75 Euro und einen Punkt in der Verkehrssünderkartei. Es ist sogar teurer und somit stärker geahndet, als ohne Not auf dem Standstreifen halten oder dort parken – gemäß aktuellem Bußgeldkatalog.

Die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, ist zwar (leider) verschwindend gering, wie bei so ziemlich jedem Verstoß … aber … wenn es einen erwischt, ist es tatsächlich einen Punkt wert. Also: Tut das bitte nicht. Ich tu’s auch nicht.

Was bedeutet dieses Schild?

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Dies ist das Verkehrszeichen 277. Es bedeutet ein Überholverbot für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht – darunter fallen sogar eine Menge der berüchtigten Lieferwagen – wenn auch nicht alle. LKW fallen sogar zu wesentlichen Teilen darunter, wenn nicht alle.

Wo findet man dieses Schild? Zum Beispiel vor der Verengung von drei auf zwei Spuren vor der Anschlussstelle Pforzheim Ost – übrigens in beiden Richtungen, also von Karlsruhe kommend kurz hinter der Anschlussstelle Pforzheim Nord und von Stuttgart kommend kurz hinter der Anschlussstelle Pforzheim Süd. Auf der Steigung von Pforzheim Ost hoch Richtung Pforzheim Nord übrigens auch …

Zumindest behaupten das meine Augen. Vermutlich liege ich falsch, denn es wird wirklich dauernd ignoriert. Am Montag war es tatsächlich so, dass trotz des Schilds, trotz verfügbaren Lücken vor mir drei LKW bis direkt zur Verengung Richtung Karlsruhe fuhren, also bis fast an den Rasthof Pforzheim – auf der mittleren Spur. Mehr noch, einer blinkte rechts, um in eine Lücke einzuscheren. Er tat das auch halb, dann kam das Überholverbotsschild für LKW in Sicht – und prompt fuhr er halb auf dem rechten, halb auf dem mittleren Fahrstreifen weiter. Bündig mit dem Beginn des Überholverbots zog der Fahrer seinen LKW wieder direkt vor mir ganz auf den mittleren Streifen – und hatte natürlich massive Probleme mit dem Finden einer Lücke, da sich die LKW-Fahrer, die sich an die Regeln hielten, übervorteilt vorkamen.

Auf der Steigung – auch da findet man dieses Schild, deutlich sichtbar – waren dann mehr LKW auf der mittleren Spur als LKW auf der rechten Spur. Ich gebe zu, ein LKW hatte wohl mehr geladen, als für seine Motorisierung gut war. Er fuhr SEHR langsam. Allerdings rechtfertigt das nicht, bei bestehendem Überholverbot superknapp und gefährlich herauszuziehen – und danach noch die gesamte Reststeigung auf der mittleren Spur zu bleiben, um in Zeitlupe weitere, fast gleichschnelle LKW zu überholen – bei gültigen Überholverbot, wohlgemerkt!

Wenn ein wirklich als Verkehrshindernis agierender, also kaum noch 20km/h fahrender LKW auf der rechten Spur unterwegs ist, wird kaum jemand das Verständnis verweigern, wenn die LKW daran vorbeiwollen, auch wenn Überholverbot herrscht. So nachsichtig sind die meisten PKW-Fahrer – und auf der Talsohle bei Pforzheim Ost sind die meisten ja hinreichend langsam, dass das kein Problem darstellt. Allerdings bei gültigem Verbot Blinker setzen und im selben Augenblick schon mit Überlapp rausziehen, das geht zu weit.

Ich würde nicht so weit gehen, ein LKW-Überholverbot auf allen Autobahnen generell zu fordern. Aber die Einhaltung bestehender Verbote, vielleicht bis auf oben genannte Ausnahmefälle, möchte ich schon bestehen. So kam dann auch auf besagter Heimfahrt meine Hupe ziemlich häufig zum Einsatz … jemanden, der ganz offenkundig regelwidrig handelt, darf man durchaus drauf hinweisen.

Becher …

Am heutigen Morgen hatte ich anlässlich der Staus auf der A8 mal wieder einen Zwischenstopp am Rasthof Pforzheim. Das wird allmählich zur schlechten – oder vielleicht auch guten? – Angewohnheit. Dort fiel mir allerdings nach meinem kurzen Besuch auf der Toilette etwas auf:

Es ging um die Becher. Ich habe mir natürlich noch meinen Toiletten-Voucher-Rabatt beim Kaffee geholt und beobachtete die Leute, die sich Kaffee holten oder Kaffee tranken. Vor mir schleppte einer seinen „Starbucks“-Reise-Becher zur Theke und bat darum, statt in einen Einwegbecher seinen Kaffee zum Mitnehmen in den wiederverwendbaren und auch wiederverwendeten Becher zu bekommen. Das schien zuerst an der Höhe des Bechers zu scheitern, weil dieser nicht unter den Auslass der Kaffeemaschine des Coffee Fellows Standes zu passen schien. Dann allerdings machte der Herr hinter dem Tresen es möglich. Anschließend bemerkte ich ein oder zwei weitere Herren mit wiederverwendbaren Bechern, die dort Kaffee tranken. Das fand ich super. Freilich, das alles ist noch ungewohnt, aber es geht in die richtige Richtung.

Im Gegensatz dazu rollten sich mir dann allerdings die Fußnägel hoch, als ich einen Herrn am selben Tisch wie die drei Re-Use-Becher seinen Kaffee vor Ort aus einem Einweg-Becher trinken sah. Ich meine, wenn man keinen wiederverwendbaren Becher parat hat und gleich wieder los muss, ist das ja eine Sache. Aber wenn man vor Ort Kaffee trinkt, finde ich den Einwegbecher eine schlechte Lösung – schließlich gibt es ja die lokalen „Re-Use“-Tassen mit Untertasse und allem drum und dran, und die sind auch noch stylish. Imprägnierte Pappe wird in viel zu sorgloser Manier und viel zu großer Menge dort verbraucht, wo ohne wiederverwendbaren Becher im Gepäck ein Kaffee mitgenommen werden muss – aber da ist es noch irgendwie verständlich, warum. Vor Ort den Coffee to Stay im Einwegbecher to Go zu trinken, das schmerzt.

Nicht, dass ich dauernd und übermäßig viel über sowas nachdenken würde, da bin ich selbst oft zu sorglos. Aber am Tisch in der Raststätte stehen und aus dem Wegwerfbecher Kaffee trinken, wo ich eine gescheite, abwaschbare Tasse kriegen oder einen wiederverwendbaren Becher benutzen könnte, das würde mir nicht einfallen.