Mittagspause

Welche Gründe sprechen gegen einen Lauf in der Mittagspause?

Nun – das Schwitzen! Dazu kommt, dass mit den Kollegen Mittag machen nachvollziehbar ist, was essen auch, aber laufen kommt mir immer noch komisch vor. Außerdem gibt es vielleicht keine Laufgefährten oder keine guten Laufstrecken …

Allein, es braucht nur die geeigneten Bedingungen beim Arbeitgeber: Eine Dusche, einen Betriebslauftreff, einen Park Nähe dem Standort und eine Stechuhr, um nachweisbar – gerade für sich selbst – zu haben, dass man die Pause nicht mit laufen überzogen hat – und wenn doch, die Zeit einfach nicht angerechnet bekommt. Dann fühlt sich in der Pause laufen auch für mich komisch bedenkenbehaftetes Ding nicht mehr seltsam an.

Den Lauftreff habe ich zwar heute verpasst, aber hey, die Bedingungen, dann eben nächste Woche!

Pause

Der Rasthof Pforzheim, direkt neben der Anschlussstelle Pforzheim Ost, ist der einzige Rasthof auf meiner Strecke. Nun ja, der einzige, der sich auch wirklich lohnt – denn der Sindelfinger Wald liegt ja nur etwa anderthalb Kilometer vor dem Stuttgarter Kreuz, da fahre ich dann ja schon runter, noch ein paar hundert Meter A831 und bin an der Uni. Der einzig im Rahmen meiner Pendelstrecke sinnvoll nutzbare Rasthof ist also wie gesagt der bei Pforzheim – der dann auch noch eine gemeinsame Raststätte für beide Richtungen hat.

Wenn bei Pforzheim, also zwischen Pforzheim West und Pforzheim Ost morgens Stau ist…

Okay. Das war falsch formuliert. Dort ist immer Stau. Sogar am verkehrsruhigen Freitagmorgen. Also: Wenn dort mehr Stau ist als üblich und zudem schon vorher bei Karlsruhe irgendwas war, dann erreiche ich den Rasthof ziemlich genau dann, wenn ich normal auf der Arbeit wäre – oder sogar später. Das bedeutet, dass ich über 20 Minuten auf eine freie oder auch nur normal verstaute Autobahn verloren habe. Das war in letzter Zeit fast schon der neue Normalzustand. Jedenfalls ist meine Blase daran gewöhnt, wie ich eben „früher“, bevor Pforzheim Ost noch mehr zum Verkehrsbrennpunkt wurde, bei der Arbeit ankam. Sprich: In oben genannter Situation muss ich in Höhe des Rasthofs auf Toilette, also fahre ich dort raus. Der Toilettenvoucher will dann auch ausgegeben werden, also gibt es einen Espresso, der dann als Pausen-Genuss wirklich gut tut, bevor ich zum letzten Stück Autobahn ansetze.

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Allerdings ist der Rasthof schön, gemütlich und voller Verlockungen, denen ich in der Regel gut widerstehen kann – außer halt dem Espresso und der Toilette, die weniger eine Verlockung als vielmehr eine Notwendigkeit ist. Seit Monaten streune ich an den dortigen kleinen Lego-Sachen vorbei, die mich auf der Basis „Lego“ und auf der Basis „Nerd“ ansprechen.

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Eine gute Freundin fragte mich nun neulich, als ich meinte: „Ich hätte fast diese Lego-Microfighters gekauft!“, eine sehr gute Frage: „Warum nicht?“ Ich konnte nur antworten: „Vernunft? Erwachsenen-Gründe?“ Mir antwortete ein beredtes Schweigen. Tja, was ich aus diesem beredten Schweigen gemacht habe, seht Ihr im Bild. Und ich bin glücklich wie in einem Traum, fühle mich ein bisschen, als hätte ich etwas Verbotenes, Albernes getan – nicht, dass das ein schlechtes Gefühl wäre, es ist nur eines, das ein wohliges Zittern auslöst, als würde man dabei erwischt werden können. Das innere Kind grinst dem inneren Babysitter ins Gesicht, der innere Babysitter fragt sich, ob sie die Rute androhen, milde den Kopf schütteln oder die Augen verdrehen soll.

Am Ende spielen die beiden einträchtig gemeinsam Lego.

Wenn’s kratzt …

Da ich derzeit krank bin, sind natürlich Gedanken an’s Gesundwerden eine wichtige Sache für mich. Ich plage mich mit einer Erkältung herum – neben viel Trinken, viel Schlafen und viel Ruhe sowie ordentlich natürlichem Vitamin C hilft da noch eins: Inhalieren. Gerade bei Husten, verlorener Stimme, Halsschmerzen und dergleichen wirkt das bei mir Wunder.

Der eine oder andere hat ein Inhaliergerät, bei uns tut’s ein Topf mit Wasser und etwas Pinimenthol. Über diesem Topf, mit einem Handtuch über Kopf und Topf, hing ich heute eine Weile in der Küche und ließ mir Perry Rhodan vorlesen, bevor ich mit meinem Mann tauschte. Vorher glaubte ich, ein Reibeisen verschluckt zu haben, jeder Atemzug fühlte sich wie eine Qual an, bei jedem dritten oder vierten musste ich husten, aber nichts löste sich. Nach dem Inhalieren fühlte ich mich so gut wie seit Dienstagabend nicht mehr. Versteht mich nicht falsch: Matt und erkältet fühle ich mich immer noch, aber es ist nicht mehr das Gefühl von „Ich will raus aus meiner Haut!“, sondern die Gewissheit, dass es besser wird.

Langsam wird es realistisch, dass ich kommende Woche – vielleicht ab Dienstag – wieder seit zwei, drei Tagen symptomfrei gewesen sein werde und somit wieder auf die Laufstrecke gehen kann und mich auch wieder dem Bauch-, Rücken-, Hintern- und Bein-Eigengewichts-Krafttraining zuwenden kann. Das ist ein gutes Gefühl!

Eichhörnchen!

Wenn man statt zu Essen in der Mittagspause eine Runde spazieren geht, fallen einem so manche Eindrücke und Bilder in den Schoß. Am heutigen Nachmittag habe ich in meiner Pause einen kurzen Spaziergang durch den angrenzenden Pfaffenwald gemacht – nicht weit von der Universität beginnt das Grüne. Kaum bog ich um eine Ecke auf dem Waldweg und konnte die Gebäude nicht mehr sehen, schon drängte sich ein anderer Eindruck auf:

Da flirrte was um einen Baumstamm herum. Bei näherer Betrachtung entpuppten sich die roten Blitze als zwei Eichhörnchen, die einander um den Baumstamm jagten, gut zehn Meter hoch über mir. Immer wieder verharrten die beiden Tiere, um sich dann weiter zu jagen.

Bis ich allerdings meine Handykamera am Start hatte, war eines schon über hochgelegene Äste und Zweige auf dem Weg in den nächsten Baum und viel zu weit weg. Das andere Tier verharrte auf einem Ast – und mit ein wenig Zoom kann man es sogar sitzen sehen, auf dem Bild, das ich geschossen habe. In der Eile wurd’s natürlich nur ein mäßig gutes Bild – aber vielleicht gibt das einen Eindruck von dem großartigen Nachmittag, den mit die beiden Nager verschafft haben!

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Defensive Line

Am Samstag, auf dem Weg zur Hochzeit einer Freundin, durfte ich nicht nur lernen, dass mein Kopf instinktiv Navigation und Sicherheit auf unterschiedlicher Priorität laufen lässt. Es gab da noch eine andere Sache, die auf dem Weg passiert ist.

Mein Mann und ich mussten, müde wie wir nach der kurzen Nacht mit „meine Handtasche ist weg“-Panik, auf dem Rasthof Pforzheim eine Pause einlegen, bevor wir nach Ludwigsburg weiterfuhren. Einen Kaffee trinken für mich als Fahrerin, dann nochmal auf die Toilette … auf die Toilette?

Genau da lag das Problem. Während ich meinen Kaffee holte, fielen mir schon eine Reihe junger Frauen auf, die ähnlich, sehr ähnlich gekleidet waren – und als ich dann die Treppe zur Toilette runterging, wurde es zur Gewissheit: Da ist irgendwo ein Nest. Naja, kein Nest, es war ein Bus angekommen, der eine ganze „Horde“ von Frauen ausspuckte, die alle auf die Toilette mussten. Zuerst konnte ich das noch nicht richtig zuordnen, dann wurde mir klar: Ja, das ist eine Mannschaft. Eine American-Football-Damenmannschaft, nämlich die Saarland LadyCanes, die Damenmannschaft der Saarland Hurricanes. Letztlich finde ich die zehn Minuten, die ich mit Warten auf eine freie Toilette verbracht habe, da schon fast wieder cool – denn was mich daran hinderte, die Toilette zu betreten, was sozusagen eine massive Defensive Line mit jeweils zwei über die Flanken des Kopf geflochtenen Zöpfen, guter Laune und so weiter  – und auch wenn’s dann in Ludwigsburg knapp wurde, war der Grund für die Verzögerung auf Toilette dann doch cool, denn ich finde American Football klasse und freue mich, dass es auch Damenmannschaften gibt – das ist absolut nicht selbstverständlich!

Lichtblicke am Brennpunkt

Da heute Mittag mein Post über den Verkehrsbrennpunkt Pforzheim Ost, den ich schon vorgestern verfasst hatte, online gegangen ist, passt das hier besonders gut.

Heute Morgen gingen mir die veranschlagten 80 Minuten für meine Arbeitsfahrt schon wieder bei Pforzheim aus – das dritte Mal in Folge. Nach dieser Zeit ist es einfach so, ich kann mir nicht helfen: Der Frühstückskaffee und der Frühstückstee fangen an zu drücken. Dann reicht es nicht mehr für die Durchfahrung des Staus an der Baustelle am Dreieck Leonberg, es würde noch nicht einmal bei freier Strecke bis nach Stuttgart reichen. Also muss ich auf die Toilette gehen – und die einzige akzeptabel saubere Toilette an der Autobahn zwischen Karlsbad und Leonberg ist nun einmal der Rasthof Pforzheim.

Dort machte ich heute also meine Pause, warf siebzig Cent in den Automaten an der Toilette und … naja, Ihr wisst schon. Als ich die Toilette wieder verließ, kam mir gerade eine Mutter mit ihrem Kind entgegen – sie ging etwas schwerfällig und ich vermute, da ist ein weiteres Kind unterwegs. Sie meinte zu ihrem Sohn, der mit ihr die Treppe runterging und brav langsam machte für Mama, sie müsse nochmal umdrehen, um von Papa zwanzig Cent zu holen. Vermutlich war sie in den Zeiten, als man da noch fünfzig Cent für einen fünfzig Cent Voucher einwarf, das letzte Mal auf so einer Toilette gewesen. Ich dachte mir: „Die Dame lässt du jetzt aber nicht nochmal hochrennen!“, machte meinen Geldbeutel auf und schenkte ihr zwanzig Cent. Sie wollte es erst nicht annehmen, verwies darauf, dass ihr Mann oben sei und Geld habe … aber ich meinte, sie solle es ruhig nehmen, das sei kein Problem. Sie freute sich, ich freute mich, geholfen zu haben.

Dann löste ich den Voucher ein und holte mir einen doppelten Espresso, hörte beim Warten auf meine Tasse noch ein Gespräch der beiden Herren an der Kaffeebar mit: Sie sprachen über Matcha, und dass ein Kollege ihnen wohl tollen Matcha gemacht habe, sie ihn aber so nicht hinbekämen. Als der Herr dann meinte: „Ich weiß nicht, was er da rein tut!“, fühlte ich mich bemüßigt, einen Kommentar abzugeben – nämlich, dass bei Matcha die Temperatur eine Rolle spielte. Er meinte, er habe das 100°C heiße Wasser aus der Maschine am Rasthof benutzt, somit war der Fall klar. Ich riet ihm zur Nutzung von 70-80°C heißem Wasser, dann gehe es besser. Er freute sich – hoffentlich hat’s geklappt!

Als ich dann meinen Espresso trank, eilte die Dame, der ich zwanzig Cent geschenkt – nunmehr nur geliehen – hatte zu mir her und gab mir das Geld zurück. Ich nahm es an, versicherte ihr aber, dass ich es auch gerne geschenkt hätte. Sie freute sich, wir tauschten zwei „Danke!“ aus und dann ging es für mich wieder auf die verstaute A8. Der Stau muss nicht sein, die Pause nicht, aber SOLCHE Staubegegnungen lasse ich mich durchaus gern gefallen!