Gemeinsames Laufen

In meinem Umfeld gibt es eine Menge Leute, die ebenfalls Sport treiben – natürlich gibt es die! Allerdings habe ich – unverdient, möchte ich ergänzen – den Ruf, doch schon etwas ambitionierter zu Laufen. Klar, ich mache das schon eine Weile, ich habe Erfahrung und ich fange zum Glück nicht jedes Mal wieder von vorne an, wenn es warm wird. Ein bisschen Kondition bleibt, auch wenn ich zu meiner Schande bisher selten eine Saison durchgehalten habe, bis es kalt wurde – sondern eher, bis die Lust ausging.

Naja, dennoch: So ganz langsam bin ich nicht, und so ganz kurze Strecken laufe ich auch nicht. Da kommt dann doch immer die Frage, wenn man gemeinsam läuft: „Bin ich Dir nicht zu langsam? Hängst Du mich nicht ab? Macht Dir das dann überhaupt Spaß? Ist doch gar kein Training für Dich, oder?“ Diese Fragen kamen mehr oder minder in vollem Umfang von einer Kollegin und Freundin, mit der ich nach der Arbeit gemeinsam gelaufen bin, von einer Freundin, mit der ich am vergangenen Samstag auf Wellness-Tour unterwegs war und vor Sauna und Therme mit ihr laufen war, und auch von meinem Mann.

Natürlich beruhige ich die Mitläufer immer mit den völlig falschen Worten. „So viel schneller als Ihr bin ich doch gar nicht!“ Das mag aus meiner Sicht wahr sein, die ich seit 2008 immer wieder, jedes Frühjahr mit dem Laufen anfange und manchmal bis zum Spätsommer, manchmal nur bis zum Frühsommer durchhalte. Nicht ganz so wahr sieht die Aussage aus der Sicht von jemandem aus, der gerade erst anfängt oder sich mit abwechselnden Geh- und Laufphasen an das Durchlaufen annähert. Was vielleicht am Anfang etwas schwerer nachvollziehbar, aber absolut wichtig, korrekt und über jeden Zweifel erhaben ist, wäre dann eher folgender Punkt: Ich brauche auch meine langsameren Einheiten. Natürlich nähere ich mich inzwischen wieder den Fünf-Irgendwas-pro-Kilometer-Geschwindigkeiten an. Neulich gingen in einem schnellen Lauf 6:06/km auf zehn Kilometern Länge. Bei den Intervalltrainingseinheiten waren schon schnelle Phasen mit knapp über fünf Minuten pro Kilometer dabei. Aber ich kann, will und sollte nicht immer so laufen, das wäre sogar schädlich.

Aber zurück zu dem, was tatsächlich passiert ist: Am vergangenen Wochenende hatte ich das Vergnügen, mit einer Freundin und mit meinem Mann jeweils eine Einheit zu laufen. Es waren jeweils drei Kilometer, jeweils mit Gehphasen drin, aber es waren Lauf-Einheiten gemeinsam. Meine Freundin verlässt sich auf eine App, die sie zu Lauf-Einheiten steigender Länge anleitet, die von Geh-Intervallen unterbrochen werden. Ich bin mitgelaufen und hatte meine Freude dabei. Mein Mann will diese App auch probieren, allerdings hatte er sie am Sonntag noch nicht hinreichend durchdrungen – also habe ich ein bisschen mit angeleitet. Ich habe mir außerdem seinen Laufstil angeschaut und ein bisschen beraten, immer unter der Prämisse, dass auch meine Ansichten und Ratschläge nur aus meiner Erfahrung kommen und nicht bedingungslos wahr sind – aber für mich funktionieren. Es fühlt sich gut an, Begleiter und Coach zu sein, und unterfordert oder „zu langsam“ habe ich mich dabei zu keinem Zeitpunkt gefühlt. Das war eine sehr angenehme Erfahrung und ich freue mich auf weitere Einheiten mit Euch.

Meine erste Lauf-„Junior“-Partnerin nebenbei läuft auch weiterhin. Da sie nun woanders arbeitet, läuft sie nicht mehr mit mir, aber doch immer wieder. Wundervoll finde ich das, vor allem, weil Begeisterung mitschwingt, große Begeisterung, wenn sie davon berichtet. Wenn ich daran denke, wie wir angefangen haben, auf dem Campus der Uni Stuttgart kleine und größer werdende Runden zu laufen, dann gemeinsam beim Campus-Run antraten, dann bin ich um so froher und stolzer, diese Entwicklung anfangs begleitet haben zu dürfen.

Bei meinen Intervallen, bei meinen längeren Läufen auf Tempo (lang sind sie nicht, sind ja nur 10km), da würde ich mir schwer tun, mich auf einen Trainingspartner abzustimmen. Aber bei allen anderen Einheiten freue ich mich über Gesellschaft. Wenn ich dabei auch noch ein bisschen helfen kann, um so besser. Denn gemeinsam Sport treiben ist wundervoll.

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Über Talianna

Physikerin, Pendlerin, Läuferin, phantasievolle Geschichtenerzählerin inzwischen mit Durchhaltefähigkeit für ein ganzes Buch ... und gelegentlich einfach zu abgelenkte Person.
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