Was wäre gewesen, wenn…

Der Regio Cup hat mich ja schon ganz schön beschäftigt. Vor dem Hardtwaldlauf habe ich Szenarien durchgespielt, gerechnet und geschaut. Ich wollte nicht allzu enttäuscht sein, wenn meine Führung nicht zu einem Sieg würde, also habe ich mir überlegt, was hätte sein können.

Die Ausgangsposition war: 1948 Punkte hatte ich aus vier Wertungsläufen, 1929 hatte Christine Holdermann ebenfalls aus vier Wertungsläufen. Emma Simpson-Dore lag bei 1457 Punkten aus drei Wertungsläufen. Christine Holdermanns schlechterer Zehner waren 472 Punkte, also Potential, sich um 28 Punkte zu verbessern. Bei mir waren’s nur 12 Punkte, der schlechtere Zehner hatte mir 488 Punkte gebracht. Folgende Szenarien wären also möglich gewesen:

  • Emma oder Christine (oder beide) erreichen nach Altersbereinigung Zeiten, die mehr als 1,25% schneller als meine altersbereinigte Zeit sind. Dann hätten sie drei Punkte mehr als ich erzielt und mich an Punkten überholt. Voraussetzung hierfür wäre gewesen, dass keine andere Frau (altersbereinigt) mehr als 3,75% schneller ist als die beiden – denn 491 Punkte hätten beide mindestens gebraucht, um mich zu überholen.
  • Ich trete nicht an oder bin so langsam, dass das obige Szenario eintritt, aber eine schnellere Frau ist dabei und setzt dadurch Emmas und Christines Punkte unter 491 – damit wären meine schon sicheren Punkte aufgewertet worden.
  • Ich bin aus eigener Kraft schnell genug, um weniger als drei Punkte auf Emma und Christine zu verlieren – und gewinne aus eigener Kraft.
  • Das vierte – und wahrgewordene Szenario ist eine Kombination aus dem zweiten und dem dritten – ich hätte es auch aus eigener Kraft geschafft, aber eine sehr schnelle Frau stellt sicher, dass ich auch dann gewonnen hätte, wenn ich nicht so schnell gewesen wäre.

Tatsächlich sah es nun so aus:

  • Melina Wolf in 36:50 (Altersbereinigt: 36:50) – 500 Punkte
  • Sophia Kaiser in 38:18 (Altersbereinigt: 38:18) – 490 Punkte
  • Talianna Schmidt in 39:58 (Altersbereinigt: 38:46) – 487 Punkte
  • Emma Simpson-Dore in 38:28 (Altersbereinigt: 39:28) – 483 Punkte
  • Christine Holdermann 45:33 (Altersbereinigt: 40:10) – 478 Punkte

Der Einfachheit halber habe ich für das Regio Cup Ergebnis nicht relevante Läuferinnen ausgelassen. Man sieht also: Ich hab’s geschafft. Hätte ich es aber auch geschafft, wenn Melina und auch Sophia nicht dabei gewesen wären? Die kurze Antwort hierauf ist: Ja! Da ich in der altersbereinigten Liste Dritte wurde und deren „Reihung“ sich auch ohne Melina und Sophia nicht verändert hätte, hätte ich 500 Punkte bekommen. Die hypothetische Liste ohne Sophia und Melina hätte so ausgesehen:

  • Talianna Schmidt in 39:58 (Altersbereinigt: 38:46) – 500 hypothetische Punkte
  • Emma Simpson-Dore in 38:28 (Altersbereinigt: 39:28) – 495,5 hypothetische Punkte
  • Christine Holdermann 45:33 (Altersbereinigt: 40:10) – 491 hypothetische Punkte

Ich hätte also die Punktewertung auch aus eigener Kraft gewonnen! Wem das nun alles „spanisch“ vorkommt, dem möchte ich noch eine Sache an die Hand geben, die mich auch etwas stolz macht: Nimmt man die vier schnellsten (nicht altersbereinigten) Zeiten im Regio Cup von Emma und mir zusammen, kommt Emma auf eine Zeitsumme von 3:53:00 und ich auf eine Zeitsumme von 3:51:25. Für Christine Holdermann habe ich das nicht ausgerechnet, aber ihre Zeitsumme dürfte deutlich höher liegen. Im „Fernduell“ Halbmarathon in Philippsburg (Emma) gegen Halbmarathon in Hambrücken (Talianna) habe ich fast 3:30 Vorsprung gehabt in der Zeitsumme, so dass meine Zeitsumme kleiner bleibt, obwohl ich im direkten Vergleich der unbereinigten Zeit gegen Emma in Rüppurr, Neureut und im Hardtwald jeweils verloren habe – aber halt nur einmal 50 und zweimal 30 Sekunden.

Man kann’s auch zerrechnen, nicht wahr?

Vor lauter reden …

Vorgestern war ich ja beim Café im Bahnhof in Bietigheim eine heiße Schokolade und einen Espresso trinken – es war super entspannt, ich unterhielt mich prächtig, während ich auf meine Bahn wartete.

Ich unterhielt mich so gut, dass sowohl die Bedienung als auch ich vergaßen, dass ich nicht beim Bestellen bezahlt hatte. Heute marschierte ich wieder zu Erbolino rein und wurde höflich und freundlich darauf hingewiesen, dass noch eine Rechnung offen sei.

Letztlich wurde mir erzählt, dass der Vorgang sowohl der Bedienung vom Dienstag als auch mir schrecklich peinlich war, alle anderen das aber locker sahen – ich bin ja eh öfter da und bezahle immer. Ich hatte ja auch schonmal einen Hunderter aus dem Bankautomaten gezogen, den der Chef des Erbolino nicht wechseln konnte, da gewährte er mir einen Espresso Kredit bis „zum nächsten mal, wenn ich vorbeikäme“.

Also alles ganz entspannt – aber es bringt mich wieder auf den Punkt: Wenn ich mit wem rede, bin ich da ganz drin. Und wenn ich irgendwo was trinke, dann aber die Bahn kriegen muss, zahle ich lieber gleich beim bestellen.

Mehr Zahlen-Magie

Dass Zahlen eine gewisse Magie innewohnt, auch und gerade für mich, die ich mich um Rationalität bemühe, habe ich bereits beschrieben. Es gibt aber ein paar sehr konkrete „magische“ Zahlenbezüge, die mich beschäftigen und motivieren.

Da wäre die Schritt-Zahl pro Tag. Seit fast 100 Tagen gehe ich jeden Tag mehr als 8000 Schritte, meist mehr als 10000. Im Schnitt sind’s sicher eher etwas um die 13000-15000 Schritte. Selbst bei recht langen Schritten kommen beim Laufen fast so viele Schritte wie Meter zusammen, dauz gehe ich ja auch ein wenig durch die Gegend, an einem normalen Tag – und sonst eher etwas mehr. Ich erinnere mich, dass im Sommer 2017, in meiner „heißen Phase“ der Vorbereitung auf den ersten Halbmarathon, öfter 35000-37000 Schritte auf dem Schrittzähler standen. Vergangene Woche Freitag und vorvergangene Woche Freitag waren wieder deutlich über 35000 Schritte auf meinem Konto. Bisher noch nie standen über 40000 Schritte an einem Tag auf meinem Zähler. Warum ist diese Zahl für mich „magisch“? Erstens ist’s die nächste „runde“ Zahl, die ich bisher an Schritten pro Tag nicht erreicht habe. Zweitens sind etwa 40000 Kilometer der Erdumfang – bei einer angenommenen Schrittlänge von einem Meter wären 40000 Schritte an einem Tag also ein Tausendstel des Erdumfangs an zurückgelegter Strecke. Für mich bedeutet das etwas – wenn auch nichts „Übernatürliches“, so doch eine starke, motivierende Zahlengleichheit.

Die Kilometer im Jahr – beim Autofahren sind die sehr relevant. Die jährliche Kilometer-Leistung entscheidet über die Höhe der Versicherungsbeiträge und die zeitliche Häufigkeit von Wartungen, da sie ein Maß für das Risiko, einen Unfall zu bauen, und die Abnutzung des Fahrzeugs ist. Die gelaufenen Kilometer im Jahr habe ich früher gerne mit meiner täglichen Pendelstrecke (172 Kilometer, also zwei mal 86) nach Stuttgart verglichen, da sollten am Ende des Jahres mehr Kilometer stehen als die Kilometer, die ich täglich – später wöchentlich – mit dem Auto zurücklegte. Dieser Vergleich ist inzwischen Makulatur. Erstens erreiche ich meine damalige tägliche Pendelstrecke inzwischen oftmals im Monat mit den gelaufenen Kilometern und zweitens pendele ich ja nicht mehr nach Stuttgart.

Für mich im Moment gar nicht magisch – weder in positiver noch in negativer Weise – ist meine nächste runde Alterszahl. Die 40 kommt. 2019 ist es so weit. Interessiert mich das? Nun – in mancher Hinsicht ja: Ich frage mich, wie viele Kilometer ich gelaufen sein werde, bevor ich 40 werde, aber das ist es dann auch. Ich werde eh oft für jünger gehalten – ob mein Körper oder eher mein kindlich-verspieltes Gemüt damit zu tun hat, kann ich nicht beurteilen. Natürlich würde ersteres meiner Eitelkeit Vorschub leisten, aber ich glaube eher an letzteres. Hmm. Als Wegmarke scheint die 40 doch eine Rolle zu spielen. Macht aber nichts.

Wie sieht’s bei Euch mit Zahlen aus?

Zahlen-Magie

Es geht ein gewisser Zauber von Zahlen aus, der mich immer wieder in seinen Bann zieht. Es geht vom Offensichtlichen der eigentlichen Eigenschaften der Zahlen in einem weiten Bogen über die Wirkung, die Zahlen haben und jene, die ihnen zugeschrieben werden.

Letzteres, also der Zahlen-Mystizismus, Numerologie und vergleichbarer – sorry – Quatsch lässt mich vor allem verblüfft zurück, wie viele Menschen das unkritisch und nicht als Symbolik hinnehmen. Ich bemerke aber an mir selbst, dass ich auch da gewichte. Die Angst vor der 13, insbesondere verbunden mit dem fünften Tag der Woche, hinterlässt mich irritiert, während ich ganz gut akzeptieren kann, dass die „Vier“ im japanischen wie der Tod klingt und daher zu vermeiden ist, also bevorzugt drei oder fünf Gäste zu einer Teezeremonie einzuladen sind und nicht vier. Auch mit der Acht als Glückszahl, weil ihr Zahlzeichen sich in Richtung der Zukunft weitet und öffnet, komme ich besser klar als mit der Dreizehn als Unglückszahl. Dieser (überspitzt gesagt) Geringschätzung einheimischen Aberglaubens bei Akzeptanz vergleichbarer Strukturen in anderen Kulturen als „Konvention“ muss ich wohl mal ein paar Gedanken widmen.

Aber ich wollte nicht in erster Linie darüber schreiben. Auch über die teils faszinierenden Eigenschaften von Zahlen als solche wollte ich nicht eigentlich hier schreiben, aber da ich das erwähnt habe … zum Beispiel ist es etwas, das einen verwundert zurücklassen kann, dass es beliebig große Primzahlen gibt. Man sollte mit „gesundem Menschenverstand“ (was für ein Euphemismus!) annehmen, dass bei hinreichend großen Zahlen immer mehr als zwei ganzzahlige Teiler zu finden sind. Indes, es ist nicht so. Auch die verschiedenen Mächtigkeiten von Unendlichkeit bei Zahlen versetzen mich immer wieder in Staunen.

Der eigentliche Anlass, die eigentliche Idee hinter diesem Post ist aber eine andere „Zahlen-Magie“. Es geht um die Rückwirkung von Zahlen auf mich selbst, von gesteckten Zielen, von über Zahlen erfassbaren Strukturen in meinem Leben. Ziele lassen sich hervorragend in Zahlen formulieren, die dann für physikalische oder ideelle Größen stehen. Zahl der gelaufenen Kilometer, in Zahlen ausgedrückte Geschwindigkeit (ob nun als Laufjargon-„Pace“ in Minuten pro Kilometer oder in Kilometern pro Stunde), Zahl der produzierten Seiten an Papier für einen Bericht – solche Dinge. Zahlen sind dabei hervorragend, um Ziele zu formulieren. 1500 Kilometer Laufen dieses Jahr als Jahreziel, dann mein momentanes Projekt: 500 gelaufene Kilometer vor Ende des ersten Quartals (13,1 Kilometer fehlen noch). 8000 Schritte am Tag.

Zumindest ich kann vieles in Zahlen ausdrücken und das motiviert mich dann in der Regel sehr. Was mir aber in letzter Zeit besonders auffiel und mich dazu gebracht hat, Zahlen als Magie zu bezeichnen: Hin und wieder beim Laufen denke ich irgendwelche willkürlichen Zahlen, meistens große Zahlen. Oft korrespondieren sie in irgendeiner, gelegentlich ziemlich weit hergeholten Form mit meinen Zielen. Oft bilden sie dann Mantras – die mich vorantreiben. Das ist dann Magie in ihrem besten Sinne: Ich benutze die Zahl, das Zahlwort als Mantra, dieses Mantra als Fokus, um meinen Willen, meine Gedanken, meine Leistung auf einen Punkt zu bringen, ohne dass die Zahl eine eigentliche Aussage über das hinaus hat, was ich in sie hineinprojiziere. Zahlenmagie eben.

Siebentausend!