GemeinsamRun, zweiter Teil

Der GemeinsamRun des Badenmarathons ist eine Veranstaltung, die mir sehr viel mehr Wettkampfgefühl gegeben hat als alle anderen virtuellen Läufe dieses Jahr. Man hat eine echte Startnummer mit Transponder, eine entsprechende Startnummer, es sind auch Läufer auf der Strecke – halt nicht im Massenstart und nicht so viele, da man in drei Wochen zu einem beliebigen Zeitpunkt (und auch öfter, schnellster Lauf zählt) laufen kann. Nach dem ersten Durchgang, dem Lauf zum Rhein, gab es nun den zweiten Teil, den Lauf durch den Hardtwald.

Angeboten wird stets ein Zehn- bis Zwölfer und ein Halbmarathon. Meine beiden Laufpartner, die beiden Michaels, und ich laufen natürlich immer den Halbmarathon. Schließlich wäre das Laufprojekt in einem normalen Jahr ein Marathon, ganz klar, da ist der Zehner ein wenig kurz. Mindestens für einen der beiden und für mich wäre ein schneller Zehner auch attraktiv, aber auf nicht abgesperrter Strecke in teils städtischem Gebiet ist der Druck, den man bei einem schnellen Zehner läuft, illusorisch und gefährlich. Also gibt’s den Halbmarathon. Beim ersten Lauf sind wir bis kurz vor dem Ziel gemeinsam gelaufen, 1:41 mit kleinen Sekundenunterschieden gab’s für uns alle. Nun beim zweiten Lauf hatten die beiden Michaels bei der Anreise per Auto als Ziel 1:39:xx ausgerufen. Es hieß also, etwas schneller zu laufen. Ich kündigte an, nach der druckvollen Kilometerbolzerei für den Weingartner Lebenslauf und der Anreise per Rad sei das dafür nötige Tempo vielleicht dann etwas hoch. Aber es ging… der kleinere der beiden Michaels zog am Anfang gleich richtig an, 4:35/km war das Tempo. An der ersten Brücke über den Adenauerring zog er auf der Steigung das Tempo sogar noch an, das macht er gerne. Wir waren gut unterwegs.

Als es dann durch den Wald langsam in die Länge des Laufes ging, musste er aber Federn lassen und ließ abreißen. Der größere der beiden Michaels und ich liefen weiter – wir wussten ja, dass wir uns im Ziel treffen würden. Zudem waren wir beide auf seinen Autoschlüssel angewiesen – Michael wegen der Heimfahrgelegenheit, ich wegen meines Rucksacks in seinem Kofferraum. Mit 4:40 pro Kilometer zogen wir bis an den Pfinz-Entlastungskanal, grüßten andere Läufer nett und suchten unseren Weg – noch immer gut in der Zeit. Irgendwo zwischen Pfinz-Entlastungskanal und KIT Campus Nord im Wald meinte Michael das erste Mal, ich sollte ruhig das Tempo anziehen, wenn ich wolle. Aber noch wollte ich nicht. Es lief sich gut zusammen und ich hätte vielleicht schneller gekonnt, aber so richtig zurückgehalten kam ich mir nicht vor. Dann, nach Durchqueren der Waldstadt, bei Kilometer 19 und drei Aufforderungen, es laufen zu lassen weiter, kam ich drauf zurück. Ich zog das Tempo an und von Michael weg… der nächste Blick nach hinten zeigte schon veritablen Vorsprung, die Uhr zeigte einen Temposprung von 4:35/km auf 3:25/km. Woah! In diesem Tempo stürmte ich den Weg entlang…

Von einem Seitenweg durch die Wiese kam da ein älterer Radler heran, machte langsam, um mich durchzulassen, wurde an der Steigung zu langsam und kippte um. Es kann keine gute Zeit so wichtig sein, so jemanden liegen zu lassen, selbst wenn er sagt, es sei alles okay. Ich half ihm beherzt auf, ließ mir noch dreimal versichern, es ginge ihm gut, hob ihm sein Fahrrad auf. Er meinte, ich sollte weiter laufen. Das tat ich dann – Michael hatte auf 50 Meter aufgeholt und ich stürmte wieder davon. Im Ziel sagte mir ein Herr in der Jacke der LG Region Karlsruhe, wenn mein gesamter Lauf so schnell gewesen sei wie der Zieleinlauf, dann müsse eine gute Zeit da stehen. Ich sagte, dass wir anfangs nicht so schnell gewesen seien und dass ich dem älteren Herren hatte aufhelfen müssen. Fand er gut!

Da kam auch schon Michael ins Ziel, er meinte, der Herr habe einen guten Eindruck gemacht, und als einige Minuten später der zweite Michael ins Ziel kam, muss der Herr schon weiter gefahren sein, er hatte ihn nicht mehr gesehen. Also alles gut! Dass so ganz nebenbei eine Zeit unter 1:36 für mich und eine 1:37 für den großen Michael zusammengekommen war, war da ein angenehmer Nebeneffekt. Ein wenig bestürzt bin ich darüber, welch krassen Turbo ich bei Kilometer 19 gezündet hatte. Vermutlich kann ich wirklich noch etwas schneller, wenn ich allein laufe und mal drei Tage vor dem Lauf regeneriere, statt Kilometer auf dem Rad und auf Laufschuhen zu bolzen.

Auf dem Heimweg bin ich dann nicht nur in den Gegenwind gekommen, sondern auch noch ein bisschen nass geworden. Das war dann aber auch nicht so schlimm.

Turmberg-Trophy

Wie ich schon in Und sie wettkämpft doch! geschrieben habe, ist auch das erste Halbjahr 2021 nicht ganz wettkampffrei. Ich müsste das mal auf die Wettkämpfe-Seite aktualisieren, aber zur Zeit ist so viel los, dass ich irgendwie nicht dazu komme.

Nun gab es bei einem Wettkampf sogar Preise! Vergangenen Sonntag fand am bisher einzigen Sommertag des Frühlings am Karlsruher Turmberg die „Turmberg Trophy 2021“ statt. Die Turmberg Trophy ist eine Sonderwertung des Turmbergomaten, die nur die Zeiten akzeptiert, die am Wettkampftag erlaufen und erfahren wurden. Es gibt die Fahrrad-Wertung, die ein wenig das Zentrum des Turmberg-Rennens darstellt, die Lauf-Wertung und die Turmberg-König- bzw. Turmberg-Königin-Wertung, die über die Zeitsumme beide Wertungen kombiniert.

Beim Radfahren gewinne ich – weiterhin – noch keinen Blumentopf. Freilich, ich komme nicht richtig los, wenn ich auf Verkehr achten muss, ich bin am Sonntag aus den Cleats gerutscht beim Start, das sind aber alles Ausreden. Nichts davon hätte mich unter 6:00 gebracht, und die Siegerin auf der 1,75-Kilometer-Steigung schaffte das in nur 5:28. Beim Laufen war ich zwar auch neun Sekunden schlechter als vergangenes Jahr, das hat aber immer noch gereicht, um mit zehn Sekunden Vorsprung schnellste Läuferin zu sein. Und so ging es heute zur Siegerehrung:

Meine Preise von der Turmberg-Trophy vor dem Logo-Poster „Star Cargo“.

Das Bild vom Treppchen reiche ich nach, sobald die Karlsruher Lemminge es online stellen – denn ich hatte zwar mein Handy dabei, aber nicht dran gedacht, es jemandem zum fotografieren in die Hand zu drücken. Zur Siegerehrung bin ich nämlich von zuhause mit Rückenwind nach Karlsruhe geradelt und mit Gegenwind zurück. Auf dem Heimweg kam mir noch die Siegerin des Radwettbewerbs und Turmberg-Königin entgegen, wir grüßten uns – und reichten detailliertere Grüße per Whatsapp nach, da es zu schnell ging.

Der dritte Pokal in meiner Laufkarriere!

Und sie wettkämpft doch!

Eigentlich hatte ich für dieses Jahr das mit den Wettkämpfen weitgehend abgeschrieben. So „richtige“ Wettkämpfe mit einem halbwegs gleichzeitigen Start, der genau diese anregende Konkurrenz ermöglicht, der den Zuschauern eine Show und durch die Zuschauer eine Motivation für die Läufer bietet, das beißt sich mit den Hygiene-Regeln. Virtuelle Wettkämpfe habe ich für mich irgendwie als schwierig erlebt…

Aber die eine oder andere Organisation hat doch einen Weg gefunden, wie man mich an Bord bekommt:

  • Da ist der Weingartner Lebenslauf von Blut e.V., bei dem über 15 Tage (vom 08.05.-22.05.) Kilometer gesammelt, die dann in Spenden zugunsten der Bekämpfung von Krebs verwandelt werden. Da mache ich mit und finde es klasse. Ich habe mir sogar ein Extra-Diagramm gebastelt, da die roten Punkte pro Kilometer, die man auf die Startnummer klebt, bei meinen Laufleistungen schnell unübersichtlich werden können:
  • Dann ist da der GemeinsamRun des Baden-Marathons: Drei so wenig virtuelle Halbmarathons (jeweils mit Zehner dabei), wie virtuelle Läufe es sein können: Man hat eine Startnummer mit Sensor, es gibt eine abgesteckte, markierte, einzig nicht abgesperrte Strecke, Zeiterfassung über den Chip in der Startnummer und Sender/Empfänger entlang der Strecke. Jeweils drei Wochen Zeit hat man, Läufe in den Wettkampf einzuzahlen. Im April gab’s den Lauf zum Rhein, im Mai kommt der Lauf im Hardtwald und dann kommt noch im Juni der Lauf aus Richtung Ettlingen. Ich habe den abgelaufenen Wettkampf jeweils mit Laufpartnern bestritten, bin mit dem Fahrrad nach Karlsruhe angereist. Ich freue mich auf die anderen zwei!
  • Und zu guter letzt: Die Turmberg-Trophy! Gestern, am 09.05., war Turmberg-Trophy! Dafür wird der turmbergomat genutzt, eine Stechuhr-Zeitmessung am Karlsruher Turmberg. 1750 Meter Strecke mit über 100 Metern Höhengewinn, und am 09.05. gab’s dort die Sonderwertung. Es waren Leute mit Maske und Pavillon vor Ort, haben Läufer und Radler unterstützt. Über meine Radleistung wollen wir nicht sprechen (6:53 für die Strecke sind 1:25 Rückstand auf die schnellste Radlerin, meine Sport-Löwen-Baden-Vereinskollegin Sandra – aber ich bin immerhin auch beim Start aus den Cleats gerutscht und habe somit zumindest für ein paar Sekunden davon eine „gute Ausrede“)…

    Aber beim Laufen lief es richtig gut:
https://turmbergomat.de/

Mit 40 Lauf-Kilometern für Blut e.V., 40 Kilometern Rad-Einkaufs-Reise, 50 Kilometern Radfahrt zum und vom Turmberg sowie 1,75 Kilometern hoch auf den Turmberg und derselben Strecke wieder runter kann man nur sagen: Was ein Wettkampf- und sonstiges Sport-Wochenende!

Weingartener Lebenslauf

Ich tue mir recht schwer mit virtuellem Wettkampf, mit Spendenläufen und mit „personalisiertem Spenden“. Dafür gibt es in allen drei Bereichen unterschiedliche Gründe – beim virtuellen Lauf fehlt mir das Soziale vor Ort, das den verbissenen Wettkampf abmildert, bei Spendenläufen tue ich mir mit der Sponsorensuche schwer und bei personalisierten Spenden habe ich negative Erfahrungen gesammelt: Ein Spendensammler baute über immer wieder Fragen, wie es mir ginge, und direktes Überleiten auf das aktuelle Spendenprojekt Druck auf, der in mir Gegendruck weckte.

Nun bin ich dieses Jahr aber doch über meinen Schatten gesprungen… zuerst beim „GemeinsamRun“ des Veranstalter-Vereins des Badenmarathons (virtueller Lauf), nun beim Weingartener Lebenslauf des Blut e. V. zugunsten von Leukämie- und Tumorkranken.

Weingartener Lebenslauf

Der Weingartener Lebenslauf war bisher immer ein bisschen am Rande meines Bewusstseins vorhanden. Vor den Corona-Maßnahmen waren es drei Stunden Lauf im Stadion, jeder erlaufene Kilometer wurde von den Sponsoren der Läufer mit einem festgelegten Betrag an Spenden honoriert. Bereits 2020 wurde das Ganze auf einen Zeitraum virtuell erlaufene Strecke umgemünzt, und dieses Jahr ist es wieder so.

Ich laufe also mit der Startnummer für den Zeitraum vom 08.05.2021 bis 22.05.2021 mit jedem Kilometer für einen festen Betrag Spenden für Blut e. V., darauf habe ich mich schon festgelegt. Ich nehme also teil! Neben einem ersten Sponsor (Oliver, der mich auf den Spendenlauf brachte) werde ich auch selbst einen Euro pro Kilometer spenden.

Nun kommt der Teil, mit dem ich mich wirklich schwer tue: Das Bewerben meiner Aktion. Ich möchte niemandem etwas aufdrängen, Eigenwerbung ist so eine Sache. Aber dennoch würde ich mich sehr freuen, wenn sich über mich selbst und Oliver (oben genannt) weitere Sponsoren finden würden. Wenn Ihr Interesse habt, würde ich mich sehr freuen, Euch auf meinem Läuferprofil als Sponsoren anzugeben.

Da ich ca. zehn Kilometer pro Tag laufen möchte, im Spendenzeitraum aber sicher motiviert sein werde, kommen wohl sicher über 150, vielleicht sogar über 200 Kilometer zusammen, und natürlich würde es mich sehr motivieren, wenn einige Leute einen (gerne auch kleinen) Betrag pro von mir erlaufenem Kilometer spenden würden. Gerne könnt Ihr Euch dafür bei mir melden!

Das Wichtigste in Kürze

Yay! Ich laufe beim Weingartener Lebenslauf mit und habe mich schon angemeldet. Über Sponsoren, die für jeden meiner in 15 Tagen erlaufenen, voraussichtlich 150 bis 200, vielleicht aber auch etwas mehr Kilometer einen festen, ggf. kleinen Betrag an Blut e. V. spenden möchten, würde ich mich freuen.

Aktionszeitraum sind die Tage vom 08.05.2021 bis 22.05.2021. Mehr findet Ihr auf der oben verlinkten Seite (Startseite zum Weingartener Lebenslauf auf der Webpräsenz von Blut e. V.).

Ich werde sicher das eine oder andere Mal Updates zum Thema hier schreiben.

GemeinsamRun „Lauf zum Rhein“

Der Badenmarathon in Karlsruhe veranstaltet dieses Jahr eine Laufserie mit virtuellen Läufen, aber offizieller Zeitmessung mit Chip in der Startnummer. Drei solche Läufe gibt es, sie laufen jeweils für drei Wochen, in denen man beliebig oft versuchen darf. Seit 01.04. ist der erste Teil „Lauf zum Rhein“ offen.

Meine Anfahrt zum und auch die Rückfahrt vom GemeinsamRun in Karlsruhe am Ostersonntag.

Am Karfreitag habe ich es direkt mal versucht – bin mit dem Rad nach Karlsruhe gefahren, gestartet, habe mich aber verlaufen und damit wohl eine Zwischenzeitnahme verpasst. Das war mir eine Lehre und ich habe somit erkannt, wo ich vom Weg abgekommen bin, indem ich die offizielle Strecke und meinen Lauf nebeneinander gelegt habe. Statt des üblichen Laufs am Sonntag mit dem pandemiebedingt verkleinerten Lauftreff gab’s diesen Sonntag dann den zweiten Versuch – im Rahmen des pandemiebedingt verkleinerten Lauftreffs. Ich reiste wieder mit dem Rad an, konnte aber dieses Mal meine Gepäcktasche im Auto des Laufpartners verstauen.

Da nun dieses Mal der Weg klarer vor mir lag und auch einer der Laufpartner Komoot als Backup dabei hatte, lief es dieses Mal ohne Wegfindungsprobleme ab. Die Strecke war – gefühlt – auch besser markiert als noch am Freitag, so dass wir den Weg problemlos fanden. Bereits auf der Hälfte zeichnete sich ab, dass ein Lauf in unter 1:45 drin sein würde – und das bewahrheitete sich auch! Allerdings wurden wir von insgesamt vier Läufern überholt: Drei Jungs von der LG Region Karlsruhe liefen scheinbar locker-flockig an uns vorbei, als würden wir stehen. Mit nicht ganz so viel höherem Tempo überholte uns kurz nach der Hälfte der Strecke noch ein großer Vorfußläufer auf FiveFingers. Aber ansonsten waren wir verdammt gut dabei, und so sah auch das Ergebnis sehr brauchbar aus:

Ich werde es die Tage wohl nochmal versuchen, aber für den Moment bin ich sehr zufrieden. Am Ende der Strecke zog mein Laufpartner nochmal an, auf dem Radweg entlang der Tramlinie 1 bergauf. Ich fühlte mich etwas herausgefordert und zog mit – und dann rollten die Schritte wie von selbst, die Brücke hinunter. Plötzlich war ich 10, 20 Meter weggespurtet… war noch genug Sprit im Tank, wie es scheint. Schauen wir mal, was beim nächsten Versuch drin ist.

Das Sportjahr 2020

Es ist Silvester, der letzte Tag des Jahres. Es war ein Schaltjahr, mit 366 Tagen einen Tag mehr für Sport als andere, aber mit der Covid-19-Pandemie auch ein Jahr mit erheblich weniger Wettkämpfen als andere Jahre. Deswegen beginne ich mit der Wettkampfsaison:

Wettkämpfe

Das kurze Kapitel. Ein echter Wettkampf, ein doppelt virtueller Lauf, das war’s. Der einzige echte Wettkampf, den ich dieses Jahr gelaufen bin, war der Zwanziger bei der 38. Winterlaufserie in Rheinzabern am 9. Februar 2020. Mit 1:22:49 habe ich dabei allerdings meine persönliche Bestleistung für 20 Kilometer von 1:27:30 im Februar 2019 um fast fünf Minuten verbessert. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass ich ein absurdes Feuerwerk neuer Bestmarken über das Jahr 2019 hinweg abgebrannt hatte, aber keine neuen Zwanziger gelaufen war. Eigentlich wollte ich ja auch eine neue Bestmarke für 15 Kilometer aufstellen, aber obwohl der Fünfzehner der Winterlaufserie im Januar regulär stattgefunden hatte, war ich nicht dabei – ich war nämlich in der Rekonvaleszenz von einer Erkältung, und da läuft man keine Wettkämpfe.

Die doppelt virtuelle Teilnahme am Campus Run der Uni Stuttgart war dann im September. In der Woche bis zum 27.09. konnte man seine Ergebnisse einreichen, ich lief meinen Beitrag am 26.09.2020. Einreichen konnte ich allerdings nur außer Konkurrenz – der Hochschulsport der Uni Stuttgart hatte verständlicherweise bei dem neuen virtuellen Konzept keine Erfahrung, wie viel Aufwand das würde, und bot die „echte“ Teilnahme am virtuellen Lauf nur für Mitarbeiter und Studenten der Uni an. Das bin ich aber seit 2018 nicht mehr. Da ich aber schon einmal den Zwölfer dort gewonnen und ansonsten an jeder Austragung so viel wie möglich teilgenommen habe, bot man mir an, meine Ergebnisse „außer Konkurrenz“ einzureichen und meldete mir zurück, wie ich platziert gewesen wäre, bevor die Ergebnisse veröffentlicht wurden. Ich trug zu diesem Wettkampf in virtueller Form mein neues Personal Best auf zehn Kilometern bei: 38:41, eine Verbesserung von exakt einer Minute verglichen mit den 39:41 bei der Winterlaufserie in Rheinzabern am dritten Advent 2019.

Am Ende standen da also ein echter und ein doppelt virtueller Wettkampf – aber zwei neue persönliche Bestleistungen. Kann sich sehen lassen, wenn man die Umstände bedenkt.

Laufen

Das Laufjahr 2020 hatte mit Rückschlägen zu kämpfen, auch ganz ohne Wettkämpfe. Beim Silvesterlauf in Rheinstetten am 31.12.2019 strengte ich mich an – und forcierte damit unbewusst die noch nicht offenbar gewordene, aber doch schon geschehene Ansteckung mit der Erkältung meines Mannes. Das kostete mich etliches Training im Januar. Kaum war ich wieder richtig gut drauf, übernahm ich mich im März mit der neuen Kombination aus Radfahren und Laufen – und laborierte den gesamten April und große Teile des Mais mit Zerrungen der Zehenstrecker im rechten Schienbein. Dennoch lässt sich das Ergebnis sehen, auch dank aktiver Mittagspausen auf dem heimischen Laufband im Homeoffice-Dezember:

Nach den üblichen mittleren 12-16 Kilometern Strecke pro Lauf und ungefähr 5:30 pro Kilometer mittlerem Tempo brachen meine Leistungen mit der April-Verletzung natürlich ein. Im Juni wurde es wieder – und das viele Cardio-Training (Laufen UND Radfahren) zahlte sich sichtbar aus: Ich wurde ausdauernder und der Puls bei gleichem Tempo sank, genau wie der Ruhepuls. Dies ist in den unteren beiden Diagrammen des obigen Blocks zu sehen. Dazu kam ab Juni hinzu, dass ich mir wieder einen Pulsgurt für genauere Herzfrequenzmessung insbesondere auch auf dem Rennrad kaufte, da die geringere Durchblutung durch kühlen Fahrtwind und die Handhaltung die Messung mit der Fénix am Handgelenk auf dem Rennrad sehr unzuverlässig machten. Ein Vorzug war auch, dass beim Laufen nun teils die Laktatschwelle durch die Fénix ausgerechnet wurde – das kann sie nur mit externer Pulsmessung, da der Handgelenksmessalgorithmus nicht genau genug ist. Die abgeschätzte Pace meiner Laktatschwelle und die Umrechnung von Puls und Pace der Schwelle in meinen „Streckenpuls“-Schätzer „Herzschläge pro 100m Laufstrecke“ sind in pink in den Plots eingefügt.

Besonders im zweiten Halbjahr mehrten sich bei mir dann einerseits die langen Strecken – ich bin zwischen August und Dezember insgesamt fünfmal Marathon oder mehr gelaufen, alles im Training – sowie die Kombinationstrainings. Oft war’s die Fahrt mit dem Rad nach Waldprechtsweier, der Lauf auf den Mahlberg und die Fahrt zurück, noch häufiger allerdings ein bewusstes Duathlon-Training aus Lauf, Radfahrt und Lauf mit Wechsel in der heimischen Garage. Das ist im Kuchendiagramm der Trainingsformen oben links im folgenden Block und auch in den Quantilen meiner Laufstrecken deutlich zu sehen – 243 Kilometer Multisport (Laufanteil) und in August, Oktober und Dezember jeweils maximal über 42 Kilometer sowie hohe Anteile bei hohen Umfängen.

Unten ist zu sehen, dass ich auf bewährtes Schuhwerk gesetzt habe: Altra Escalante machen zwischen einem Drittel und der Hälfte meiner Kilometer aus, Fivefingers ein Viertel und weitere jeweils mehr als zehn Prozenz die Waveshadows und die Trailschuhe von Saucony. Das Tempoband ist weitgehend konstant, seit die Verletzungen überwunden sind.

Radfahren

2020 war das Jahr, in dem ich das Radfahren wieder anfing. Wobei, völlig richtig ist das nicht. Meine „wiedergeborene Radfahr-Karriere“ begann am 01.12.2019, als ich mich das erste Mal wieder auf ein Fahrrad setzte – im vorliegenden Falle das abgelegte Mountainbike meines Schwiegervaters. 2020 begann ich allerdings, auch längere Strecken zu fahren, benutzte bereits vor den ersten Auswirkungen der Corona-Pandemie in Deutschland erstmals das Rad für den Arbeitsweg und kaufte mir im Juni ein Rennrad. Da ich aber lediglich 55,25 Kilometer im Dezember 2019 gefahren bin, kann das Jahr 2020 in guter Näherung als erstes Jahr meiner neuen Radfahrerei gelten. In Summe fuhr ich in knappen 340 Stunden knappe 7670 Kilometer.

Den Großteil dieser Strecke verbrachte ich auf Arbeitswegen oder mit der Arbeit verbundenen Wegen – zum Beispiel Dienstreisen per Rad. Die restlichen vier Sechzehntel verteilten sich auf etwa drei Sechzehntel sonstige Radtouren und ein Sechzehntel Trainings, in denen ich in irgendeiner Weise Radfahren und Laufen miteinander kombinierte – meist in Form des Duathlon-Formats (Laufen-Radfahren-Laufen), oft auch mit Transferfahrten per Rad zum Startpunkt von Läufen und dann wieder zurück nach Hause. Das im Juni gekaufte Rennrad überholte bereits im Oktober das Mountainbike an Kilometern, dazu kamen noch etwa 50 Kilometer Touren im Urlaub an der Nordsee – auf einem Leihrad. Auf dem Leihrad kamen, da wir am Meer in Ostfriesland waren, kaum Höhenmeter zusammen, und trotz der auch eher flachen Rheinebene, in der ich die meisten meiner Strecken gefahren bin, ergaben sich auch insgesamt über 18.000 Höhenmeter. Die meisten Kilometer und auch die meisten Höhenmeter habe ich im September erradelt. Das hing auch damit zusammen, dass nicht nur das Wetter gut war, sondern sich auch eine Dienstreise per Rad ankündigte, die – nun, dann doch nicht ganz per Rad stattfand: Ich wollte von uns zuhause über Freiolsheim zu einem Vortragstag nach Bad Herrenalb radeln. Beim ersten Versuch scheiterte ich an dem Anstieg und mit schwerem Rucksack wäre das nichts gewesen. In der Folge fuhr ich aber im September etliche Hügel, um ein bisschen zu trainieren, und den Rückweg von Bad Herrenalb fuhr ich dann auch über Bernbach, Moosbronn und Freiolsheim – mit schwerem Rucksack. Das Duell mit dem steilen und langen Berg von der Westseite nach Freiolsheim steht aber noch aus, kommendes Jahr gehe ich das mal an.

Im Oktober und November gingen die Radfahrleistungen wetterbedingt wieder runter, im Dezember fielen durch Homeoffice auch die Arbeitswege weitgehend weg.

Das Tempo zog beim Radeln deutlich an – auch in Zeiten vor dem Rennrad merkte ich, dass die Kondition für die Radfahrmuskeln und auch deren Kraft erheblich hochging, auch die Technik wurde besser. Was recht deutlich zu sehen ist, ist der „Rennrad-Knick“: Mit Kauf des Rennrads und der deutlich wachsenden Streckenanteile auf dem Rennrad ging die zuvor aufgebaute mittlere Trittfrequenz wieder massiv nach unten. Das liegt daran, dass es auf dem Rennrad so unglaublich leicht ging… aber im Laufe der Zeit wurde es wieder besser. Da als lila Kurve die mittlere Trittfrequenz angegeben ist, bei der auch Rollphasen dabei sind, in denen ich nicht trete, ist die reale Trittfrequenz bei Belastung etwas höher – ich komme in den letzten Monaten recht gut auf zuverlässig über 80 rpm. Dass bei kälteren Außentemperaturen die Herzfrequenz auf dem Rad etwas hochgeht, da der Körper auch mit Warmbleiben zu tun hat, ist auch klar. Ebenfalls deutlich sieht man, dass meine Radfahrzeit durch die Arbeitsfahrten dominiert ist: etwa eine Stunde, inzwischen ein bisschen weniger, fahre ich von zuhause zum Büro und ebenso zurück.

Was sonst noch so war

Ich habe mir 2020 ein Balance-Board gekauft und zeitweise im Büro den größten Teil meiner Arbeitszeit darauf verbracht. Inzwischen ist das etwas weniger, aber ich nutze es immer noch. Ebenso habe ich mich mit einem Diagramm zum Dehnen motiviert, denn ich dehne zu wenig – und Diagramme motivieren mich. Auch hier gibt es Schwankungen, da direkt nach Erstellen des Diagramms die Motivation enorm hoch war – aber nun stabilisiert sich das auf einem Niveau, das sicher ausbaufähig ist, aber mehr als zuvor. Gleiches gilt für Eigengewichtsübungen, die mir das Fitnessstudio ersetzen.

Das Schwimmen wäre im Jahr 2020 mit Corona ein logistischer Aufwand gewesen, den ich so nicht treiben wollte. Sicher, es wäre gegangen! Die Schwimmbäder und Badeseen waren offen. Aber man musste länger vorplanen, und irgendwie habe ich das nicht auf die Reihe bekommen. Daher habe ich das Schwimmen im Gegensatz zu meiner Absicht im Jahr 2020 nicht wieder angefangen. Vielleicht kommt das 2021. Allerdings habe ich eine andere Sache angefangen, wieder im Dezember, wie das Radfahren im Jahr 2019: Das Inline-Skaten. Noch ist es nicht viel, noch bin ich sehr unsicher, aber ich denke, das wird sich entwickeln. Diagramme gibt’s bei viermal Skaten, alle Ende Dezember, nun noch nicht, aber vorbereitet sind sie.

Gesamtleistung

Das Jahr war geprägt vom neuen Wettkampf der „Läuferin“ gegen die „Radlerin“, wer mehr Kilometer absolviert. Den Januar und Februar konnte die Läuferin noch knapp für sich entscheiden, doch dann reüssierte die Radlerin regelmäßig. Durch das Wetter und die Homeoffice-Offensive konnte jedoch die Läuferin im Dezember noch einmal punkten, wie in der Abbildung oben links im Block hierunter zu sehen ist. Im Gesamtjahr waren es, wie weiter oben schon geschrieben, 7670 Radkilometer und 3700 Laufkilometer. Das ist ein ziemlicher Haufen. Gesamtzeit bei Ausdauersportarten waren 677 Stunden – also rund 1:51 pro Tag, was auch bedeutet, dass ich im Jahr 2020 rund 7,7 % meiner gesamten Lebenszeit mit den Ausdauersportarten Laufen (im Freien und auf dem Band), Radfahren und Inlineskaten verbracht habe. Wie sich das auf die einzelnen Disziplinen verteilt, ist im Kuchendiagramm rechts oben im folgenden Diagrammblock zu sehen.

Im Diagramm unten rechts ist zu sehen, dass jeden Monat 2020 das Radfahren bei einem geringeren mittleren Puls lag als das Laufen. Der mittlere Puls über alle Cardio-Aktivitäten bleibt deutlich hinter meiner Vorgabe zurück, die allerdings auf 70 % der „Pulsreserve“ basiert, nicht den üblichen Prozenten der maximalen Herzfrequenz – das habe ich aus Gewohnheitsgründen auch so gelassen. Zugleich habe ich – basierend auf einer Maximalpulsmessung – mal meine Trainingsbereiche ausgerechnet und meine Aktivitäten eingeordnet. Der Löwenanteil war Grundlagenausdauer 1, wie es sein soll. Im Kommenden Jahr darf gerne öfter mal etwas Entwicklunsbereich im Intervalltraining dabei sein, aber dieses Jahr war da recht wenig dabei. Beides ist in den unteren Diagrammen des Blocks hierüber zu sehen.

Zu guter letzt sind da noch Körperdaten und Energieverbrauch. Meinen Energieverbrauch bei Cardio-Aktivitäten schätze ich weiterhin in Anteilen des Grundumsatzes ab – nie unter 43 % im Jahr 2020! – und die Sportstunden waren auch viele in jedem Monat, aber das ist ja schon durch im Mittel 1:51 pro Tag gesetzt. Eine neue Messbarkeit lieferte im Mai die neue Waage – mit Fettanteilmessung mittels Elektroden an Händen und Füßen sowie neuen Abschätzungen wie der Muskelmasse kam hier ein entscheidender Übergang zustande. Allerdings blieb das Ergebnis der neuen Waage über die Monate weitgehend konstant, was ich angenehm finde – denn an Fett und Gesamtgewicht abnehmen, das täte mir nicht mehr gut, da bin ich auf einem guten Level, finde ich.

Und so bleibt mir, auf ein 2021 zu hoffen, in dem ich die in 2020 erworbene Form erhalte und in Wettkämpfen umsetzen kann, auf ein 2021, in dem Schwimmen und Skaten als Ausgleichssportarten etabliert werden und so Muskelgruppen mit trainieren, die das Laufen noch effizienter machen. Außerdem hoffe ich, ganz konkret, 2021 dem Ziel näher zu kommen, einen Marathon in Richtung oder gar unter der Dreistundenmarke zu schaffen – und die beiden steilen Westauffahrten nach Freiolsheim mit dem Rennrad in mir genehmem Tempo zu bezwingen.

Es gibt viel zu tun. Lassen wir’s sein – äh, nein, packen wir’s an, natürlich!

Doppelt virtuell

Dieses Jahr ist es schwierig mit den Wettkämpfen, denn wegen der Corona-Pandemie finden viele große Veranstaltungen nicht statt. Man rennt bei einem Laufwettkampf zwar den größten Teil der Zeit mit mehr oder minder großem Abstand zu anderen Läufern durch die Gegend – durch Straßen, Wälder, über Brücken… aber beim Start ist es eng und insbesondere in der kalten Jahreszeit hängt man am Ziel eng aufeinander, und da ist dann auch nach dem Wettkampf das Immunsystem etwas schwächer. Ist also durchaus richtig…

Natürlich tut’s mir nach dem Wettkampf- und Bestleistungsfeuerwerk von 2019 ein bisschen weh, dass nichts geht. Aber ich seh’s ein. Auch für den Köhlbrandbrückenlauf habe ich meine Teilnahme auf das kommende Jahr verschoben, denn infektionsschützend in kleinen Blöcken starten und dafür sechs Stunden hin und sechs Stunden zurück mit Maske im Zug sitzen… das ist irgendwie nicht das, was ich mir von einem Wettkampf erhoffe.

Was blieb also? Virtuelle Wettkämpfe… nur dass ich mir mit denen schwer getan habe. Am Wettkampf ist das direkte Messen aneinander, das anfeuernde Publikum, all das, ein entscheidender Teil des Erlebnisses. Virtuelle Wettkämpfe reduzieren das alles auf pure, unpersönliche Konkurrenz. Bei sowas habe ich dann ehrlich gesagt eher auf die gesondert ausgerichteten, zeitlich beschränkten virtuellen Wettkämpfe verzichtet und mich auf Strava-Segmente verlegt. Diesem Grundsatz bin ich aber an einer Stelle untreu geworden – beim Campus Run. Da ist es allerdings kompliziert…

Wie Ihr vielleicht wisst, oder auch nicht wisst, habe ich beim Campus Run der Uni Stuttgart seit Beginn immer teilgenommen. Ich bin sogar die einzige, die einmal häufiger beim Campus Run gelaufen ist, als er ausgetragen wurde – im ersten Jahr waren der Sechser und der Zwölfer nicht parallel ausgerichtet, so dass ich beide mitlaufen konnte – den Zwölfer für meine Leistung, den Sechser als Begleitung für eine Kollegin. Diese Serie wollte ich halten – der Versuch, den letztjährigen Sieg zu verteidigen, war zwar auch eine Motivation, aber die Serie zu halten war wichtiger. Indes, es war nicht möglich. Der Campus Run der Uni Stuttgart wird dieses Jahr erstmals virtuell ausgerichtet, der Wertungszeitraum endet heute Abend, er ging vom 21.09. bis 27.09., auch die Strecken waren andere als normal: fünf, siebeneinhalb und zehn Kilometer. Entscheidend war aber, dass der Hochschulsport natürlich ein bisschen den Auswerteaufwand reduzieren musste und daher das Teilnehmerfeld auf Mitarbeiter und Studenten der Uni Stuttgart begrenzte. Alumni, Ex-Mitarbeiter und auch Sonstige, die in den Jahren zuvor teilnehmen konnten, waren nun außen vor. Als Vorjahressiegerin und treue – treueste Teilnehmerin des Laufs bot man mir auf meine Frage aber an, meine Ergebnisse „außer Konkurrenz“, sozusagen in virtueller Teilnahme am virtuellen Lauf, einzureichen. Ich werde also – hoffentlich – in den nächsten Tagen eine Mail erhalten, in der man mir mitteilt, wie ich abgeschnitten hätte, wenn ich hätte teilnehmen können. Was ich eingereicht habe, war natürlich die längste verfügbare Strecke – wie immer! Bei dieser Gelegenheit habe ich allerdings eine neue persönliche Bestleistung über zehn Kilometer aufgestellt. Ich lief mich gestern drei Kilometer warm, dann pushte ich mich durch die zehn Kilometer und lief noch einen drei Kilometer langen Cool Down.

Meine virtuelle Teilnahme am virtuellen Lauf.

Im Dezember 2019 war ich zuletzt ein Personal Best auf zehn Kilometer gelaufen, das war bei der Winterlaufserie in Rheinzabern. Nach dem Hardtwaldlauf (39:58) war der Zehner der Winterlaufserie mit 39:41 schon eine ziemliche Steigerung. Nun musste ich „es“ ohne Publikum, ohne Verpflegung, ohne Konkurrenz tun. Das ist hart! Andere Leute auf der Strecke, das Publikum, das spornt an. Auch der Becher Wasser auf halber Strecke hilft. Aber geht ja nicht! Bei virtuellen Läufen nicht, bei noch viel virtuelleren, „inoffiziellen“ Teilnahmen noch weniger.

Und dennoch lief ich 38:41 auf zehn Kilometer. Es war mein erster Wettkampflauf, vor dem ich mich eingelaufen habe und nach dem ein Cool Down eingeplant war. Es war ein unglaublich schneller Lauf, den ich deswegen „Perfect Ten“ genannt habe. Viel Verbesserung ist da nicht mehr drin für mich, auf den Zehner, glaube ich.

Nun bin ich gespannt, was bei der virtuellen Teilnahme an einem virtuellen Lauf rausgekommen wäre, denn es eine nicht-virtuelle Teilnahme an einem virtuellen Lauf gewesen wäre. Jedenfalls bin ich sehr stolz, meine persönliche Bestleistung auf zehn Kilometer um eine Minute verbessert zu haben – das sind mehr als 2,5%!

Komische Gedanken…

…die mir beim Laufen kommen. Das könnte fast eine Serie werden. Aber erstmal aktuell:

Gestern war ich 35 Kilometer unterwegs, von Bietigheim über Ötigheim, Steinmauern, Elchesheim, Au am Rhein und Würmersheim nach Durmersheim, halb nach Neumalsch, durch den Wald an Bietigheim vorbei nach Ötigheim und dann wieder nach Hause. Dabei fragte ich mich, warum meine Wettkampfleistungen über fünf Kilometer, die Badische Meile, zehn Kilometer, zwölf Kilometer, fünfzehn und zwanzig Kilometer sowie Halbmarathon sehr gut zusammenpassen: Die Zeiten liegen alle ziemlich gut auf einer Kurve proportional zur Streckenlänge hoch 1,07. Das ist ein allgemein anerkanntes Modell, das auf Steffny und Riegel zurückgeht. Meine Marathonleistungen liegen, wenn auch wirklich nicht schlecht, deutlich über der Kurve. Ich habe also für den Marathon länger gebraucht, als einer Verlängerung der besagten Kurve vom Halbmarathon bis auf den ganzen Marathon nahelegen würde.

Natürlich gibt es einige Gründe – ich bin erst zwei Marathons gelaufen, aber schon deutlich mehr Halbe. Beim letzten Mal drückte ab Kilometer 32 der geschwollene Zeh in den Schuh. Ja, alles klar.

Aber dann kam mir der Gedanke, den ich schon öfter hatte: „Wer Langstrecke laufen will, kommt um Langstreckentraining auf Dauer nicht herum.“ Die meisten Trainingspläne sehen aber vor, nicht viel mehr als 30-34 Kilometer zu laufen im Training für den Marathon, und das auch nicht so besonders häufig. Aber nahezu alle Läufer, mit denen man über Marathon redet, sprechen davon, dass es zwischen 30 und 40 Kilometern mal RICHTIG hart werde.

Das ist schon auffällig: Das „über Dreißig“ Zeug läuft man nicht oft, und bis an die Vierzig Kilometer geht man schon gar nicht ran, wenn man den Trainingsplänen glaubt. Aber genau da kriegen die meisten Probleme. Nun ist natürlich die Frage: Hängt das zusammen?

Ich für meinen Teil werde mich, da wegen des Corona-Virus‘ die meisten kurzen Wettkämpfe ausfallen, mal an vielen langen Läufen bis an die Marathon-Distanz heran versuchen, auf den Badenmarathon im September hoffen und mal schauen, was passiert. Vielleicht liege ich ja falsch. Aber wenn die meisten nicht über 32, vielleicht 35 Kilometer trainieren, aber in diesem Bereich oder knapp drüber im Wettkampf ihre Einbrüche bekommen, ist vielleicht genau das der Punkt. Und selbst wenn ich falsch liege – es muss sich ja niemand nach mir richten – es kostet mich nur ein bisschen Zeit am Sonntag, bis September so oft es geht 35 oder mehr Kilometer zu laufen…

Nun hat’s meinen Wettkampfplan auch erwischt

Ein Thema ist derzeit allgegenwärtig: Das Corona-Virus Sars-CoV-2 und die von ihm ausgelöste Krankheit Covid-19. Ich habe mich ein bisschen zurückgehalten damit, denn auch wenn ich mir durchaus sorgen mache – vor allem um meinen Vater (jenseits der 60) und meine Schwiegereltern (jenseits der 70), war ich doch der Ansicht, dass vernünftiger Respekt und entsprechende Vorbeugung bei dem Thema allzuleicht in Panik umschlugen. Das äußerte sich unter anderem in völlig leergekauften Regalen Klopapier letzte Woche.

Noch vor nicht allzulanger Zeit meinte ich zu dem Thema: „Wenn man nur eine Runde durch den Wald läuft und sich anschließend die Urkunde bei raceresult ausdruckt, wieso nicht auf einen Wettkampf gehen?“ Allerdings ist da noch die Enge beim Start und bei einer großen Veranstaltung eben noch das „danach“ in großen, mit Menschen vollgepackten Hallen. Ich halte letzteres für viel problematischer als ersteres, aber beides muss in Zeiten rasanter Verbreitung des Virus nicht sein.

Folgerichtig wurden also der Freiburg-Marathon, für den ich angemeldet war, als Veranstaltung weit über 1000 Teilnehmern abgesagt, und der TuS Rüppurr hat den Rißnert-Lauf gecancelt. Der liegt zwar deutlich unter 1000 Teilnehmern, aber das Vereinsheim ist eng und die Siegerehrung wäre sicher eine Brutstätte gewesen. Somit laufe ich im März keine Wettkämpfe und fokussiere mich auf meinen Marathon-Aufbau. Ich hoffe inständig, dass es nicht ganz zu „italienischen Verhältnissen“ kommt, ich also wenigstens weiterhin allein durch den Wald rennen darf.

Überraschung beim Lauftreff

Gestern vor dem Lauftreff wollte ich noch eine Stückchen vor dem Treffen zu der gemeinsamen 15-Kilometer-Runde laufen. Geplant waren insgesamt 30 Kilometer, schließlich steht ein Marathon im Mai an. Also lief ich raus auf die Hardt, wandte mich schon wieder in Richtung Treffpunkt. Ich wußte, dass wir wohl eher zu zweit die 15er-Runde laufen würden, denn einer unserer Marathonis war für den Mercedes-Halbmarathon in Rastatt angemeldet.

Am Hardtwald, wo ich Richtung Treffpunkt links abbiegen würde, sah ich dann einen Läufer in blauer Jacke und mit einer Mütze, die mir bekannt vorkam. Auch der Laufstil – ganz klar, das ist der Michael! Aber das kann nicht sein, dachte ich. Der ist in Rastatt beim Mercedes-Lauf. Also bog ich auf den Weg und schloß langsam auf. Und siehe da: Es war wirklich der Michael!

Ich fragte ihn, ganz salopp, was er denn hier wolle. Doch statt seinen Lauf durch den Wald, der ja allen gehört, zu verteidigen, erläuterte er mir, dass der Mercedes-Lauf in Rastatt abgesagt war, wegen des Corona-Virus. Also liefen wir gemeinsam weiter, recht überzeugt davon, dass Messen, Hallen-Großereignisse oder dergleichen sicher sehr infektiös seien, aber bei Läufen… man könnte immer noch die Siegerehrung abblasen und die Leute bitten, nach dem Lauf nach Hause zu fahren und sich die Urkunden zuschicken zu lassen.

Am Treffpunkt fanden wir dann nicht nur den anderen Michael, der ebenfalls mit uns in Heilbronn Marathon laufen wird, sondern auch noch eine weitere Läuferin vor. Gemütlich absolvierten wir gemeinsam 15 Kilometer, die drei Marathonis hatten jeweils schon 10 Kilometer intus. Ich verlängerte nach dem gemeinsamen Lauf noch auf 32 Kilometer und bin nun am mich fragen, ob wir am kommenden Wochenende den Rißnert-Lauf in Rüppurr bestreiten dürfen oder ob es auch hier eine Absage geben wird.

Was mich ein bisschen irritiert, ist die Frage: sind nicht Züge des ÖPNV, oder auch Busse, ein viel frequentierteres, infektiöseres Milieu als eine Laufveranstaltung, bei der dann bestenfalls die Siegerehrungen am Schluss mit engem Kontakt in geschlossenen Räumen verbunden sind? Ist nicht das Risiko, dass jemand mit leichten Erkältungs- oder Grippesymptomen zu einem Lauf kommt, viel geringer, als dass so jemand auf eine nicht-sportliche Veranstaltung geht?

Aber vielleicht übersehe ich ja was.