Weltenbau – Side-Quest des Schreibens

Meine Zeichnung über die Abkunft verschiedener Stile des „Yaji“, einer an Zen und Yoga angelehnten spirituellen Praxis auf der Welt „Tethys“, auf der „Am Rand des Strömungsabrisses“ spielt.

Weltenbau ist so ein lustiges Ding. Viele Bücher oder auch Serien und Filme erschaffen eine Welt vor den Augen des Lesers oder Zuschauers, die manchmal ähnlich wie unsere Welt, manchmal recht fremdartig ist. Gerade in der Science Fiction und der Fantasy geht da viel, aber auch die sich in vielen Details von unserer Historie unterscheidende Welt der „Jack-Ryan“-Reihe von Tom Clancy ist eine Welt, die nicht der unsrigen entspricht.

Als ich vor langer Zeit überlegt habe, noch recht unbedarft, meiner Figur „Jenny Korrenburr“ eine Geschichte zu geben und diese zu schreiben, gab es einige Dinge zu entscheiden. Ich wollte den Realismus nicht auf die Spitze treiben – denn er hätte mich Freiheit gekostet. Zugleich wollte ich mich nicht am Realismus und meinem Perfektionismus darin messen lassen. Also habe ich die Welt Tethys geschaffen und Jennys Geschichte dort angesiedelt. Es ergab sich, dass nach einiger Zeit das junge, wütende Mädchen mit einem Affektproblem von einem Kameraden etwas lernt, das ihr hilft, ein wenig besser mit sich klarzukommen. Das war Yaji – bei dem meine Gedanken tatsächlich von Zen, von Yoga und vom autogenen Training „klauten“. Da ich das Ganze aber zuendedenken wollte, habe ich dem Yaji verschiedene Strömungen gegeben, die auch in die Kultur des Landes Arselia eingebettet sind, wo Yaji herkommt. Etliche der unzähligen Götter Arselias dienen als stilbildende Figuren der verschiedenen Strömungen … vor allem der Rabe, der Pfau, der Phönix, die Schildkröte und die Seeschlange. Eine Spezialität des Yaji ist, dass es zumeist nur von Mann zu Mann weitergegeben wird, oder von Frau zu Frau. So entwickeln sich die „Schulen“ geschlechtspezifisch unterschiedlich, vereinen sich dann aber doch wieder über Ehen, denn nur Ehepartner sind im traditionellen Arselia hinreichend vertraut, als dass die Yaji-Praxis untereinander weiterzugeben auch bei unterschiedlichem Geschlecht akzeptiert ist.

So ergeben sich genuin männliche, genuin weibliche und gemischte Traditionen, die miteinander wechselwirken und ein komplexes Netz von Abhängigkeiten bilden. Ich wollte die weibliche, seit langem sich selbst „rein“ von männlichen und nicht-Phönix-Einflüssen haltende „Urnenträger“-Tradition, deren Meisterinnen in früherer Zeit fast stets Witwen waren, und den in männliche Tradition vererbten Schildkröten-Jaripur-Stil in dieses Netzwerk einbetten und habe mir daher Gedanken darüber gemacht. So entstand das oben gezeigte Diagramm, das ich immer wieder, wenn ich Yaji in Geschichten hineinschreibe oder hineinphantasiere, für mich als Wegweiser dient. Es fiel mir beim Aufräumen unter anderen Papieren verschüttet wieder in die Hände – und da dachte ich: Das wäre doch ein Blogbeitrag …