Absperrung an Wander- und Tagesbaustellen / Auskunft durch das Regierungspräsidium Stuttgart, Ref. 45

Nachdem ich mich hier über das Absperrverhalten an Wander- und Tagesbaustellen und das Verhalten der Verkehrsteilnehmer an solchen echauffiert habe, bin ich auch wirklich den angekündigten Weg gegangen: Ich habe nachgefragt.

Zunächst habe ich mich – weil ich dort zu einem anderen Thema schonmal nachgefragt hatte – an das Landesministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg gewandt. Dort schrieb man mir recht flott zurück, man sei nicht zuständig, verwies mich aber auf das Regierungspräsidium Stuttgart, dessen Referat 45 die Autobahnmeistereien in Baden-Württemberg zentral steuert. Ebenfalls ziemlich flott antwortete mir der dort zuständige Baudirektor Herr Gruhler, und ich habe nun einiges besser verstanden.

Im Einzelnen bekam ich folgende Antwort von Herrn Gruhler, als ich danach fragte, ob zwei recht weit voneinander entfernte Absperrfahrzeuge auf der linken Spur (die im Fachjargon Sicherungsfahrzeuge genannt werden) sinnvoll sind, wenn doch Autofahrer tendenziell wieder dazwischen fahren:

Sehr geehrte Frau Schmidt,

auch wenn es Ihnen ungewöhnlich erscheint, ist dies die bundesweit übliche Form der Absicherung.

Der Abstand zwischen den beiden Sicherungsfahrzeugen wird von mehreren Faktoren geprägt. Grundsätzlich ist er so gering wie möglich.

Er muss so groß sein, dass bei einem Auffahrunfall das erste (hintere) Sicherungsfahrzeug nicht auf die anderen Fahrzeuge vor ihm prallt. Leider haben wir sehr viele Auffahrunfälle auf unsere Sicherungsfahrzeuge.

Dass der Abstand groß genug sein muss, dass ein aufprallendes Fahrzeug das Sicherungsfahrzeug nicht auf das andere draufschiebt, war mir schon klar, dass das aber häufig passiert, hat mich bestürzt, was ich Herrn Gruhler in einer Antwort auch schrieb. Ich meine, die Pfeile sind RIESIG, sie blinken hell, die Blinklichter an den oberen Ecken der Fahrzeuge sind in ihrem Blitzen EKLIG hell. Und trotzdem fahren Leute auf die Fahrzeuge auf – da ist ein gewisser Abstand natürlich notwendig – wenn auch kein so großer, dass ein Fahrer wieder ausschert.

Ein weiteres Kriterium ist die Sicht. Zum Beispiel steht das erste Sicherungsfahrzeug bereits vor einer Kuppe oder Kurve, weil das 2. Sicherungsfahrzeug und die Arbeitsstelle erst aus der Nähe zu sehen ist, was bei hohen Geschwindigkeiten nicht ausreicht.

Hier beginnt es, interessant zu werden. Denn: Das Sicherungsfahrzeug muss schon ein ganzes Stück weg sein, immerhin ist der Halteweg für einen Fahrer bei erlaubten 120km/h nicht zu vernachlässigen. Passiert nun kurzfristig ein Unfall mit dem Baufahrzeug oder gar einem Arbeiter, muss der Verkehr schon angebremst haben, sonst entsteht eine Massenkarambolage. Sehe ich ein – der Abstand zwischen den beiden Sicherungsfahrzeugen, der mich zu meiner Anfrage brachte, war aber noch größer –

Da wir es in diesen Fällen mit wandernden Arbeitsstellen zu tun haben, kann es auch sein, dass das erste Sicherungsfahrzeug noch warten muss, bis es an einen geeigneten Punkt nachrücken kann. Dann werden die Abstände manchmal kurzzeitig sehr groß.

Hier liegt der Hase im Pfeffer! Natürlich ist meine Sicht auf die Absperrung/Sicherung der Baustelle nur eine Momentaufnahme. So ein Sicherungsfahrzeug kann sicher quasi überall stehen, steht es aber durch hohe Mittelleitplanke hinter einer Kurve teilverdeckt oder hinter einer Kuppe, ist es nutzlos. Während dann – für das hintere Sicherungsfahrzeug nicht sichtbar – das vordere mit der Baustelle vorrückt, muss das andere hinter der Kuppe bleiben, da es sonst nicht gesehen wird. Das kann ich mir – wenn ich mir die Situation aus oben verlinktem Beitrag vor Augen führe – an dieser Stelle sehr gut vorstellen.

Dass etliche Autofahrer den Blinkpfeil missachten und wieder in die Spur einfahren, ist bekannt und macht auch uns Sorge. Nur die Polizei kann dieses jedoch ahnden.

An der Stelle tun mir Herr Gruhler und seine Leute leid. Die sehen das sicher täglich hundertmal, dass die Leute wieder rüberziehen, den Verkehr beim nochmaligen Einscheren vor Fahrzeug zwei abermals stören und dabei vor allem die Arbeiter gefährden!

Wir danken Ihnen für Ihre Hinweise und hoffen Ihre Fragen beantwortet zu haben.

Nach Rückfrage hatte Herr Gruhler als Vertreter des Regierungspräsidiums Stuttgart auch nichts dagegen, dass ich seine Antwort hier benutze – was ich hiermit getan habe und mich ganz explizit dafür bedanke. Im Fazit versteht und teilt man dort also meine Bedenken, kann aber teilweise aus der Situation heraus den großen Abstand der Sicherungsfahrzeuge nicht vermeiden. Außerdem werfen das Reinspringen in die Lücke zwischen den Sicherungsfahrzeugen wie auch die häufigen Auffahrunfälle auf die Sicherungsfahrzeuge kein gutes Licht auf die Verkehrsteilnehmer auf Autobahnen …

Und wieder was gelernt!

Sie ändern was in der Matrix!

… das klare Anzeichen dafür, dass in der Matrix etwas geändert wird, sind Déjà-Vus, wie wir alle aus dem Film „Matrix“ wissen. Hier ist es eine schwarze Katze, die zweimal hintereinander in identischer Weise durch einen Gang läuft.

Am Dienstagmorgen haben sie was in der Matrix gändert, wenn man danach gehen kann: So geschehen aktuell auf der A8 zwischen Karlsbad und Pforzheim, den Berg hoch. Es gab Arbeiten am Mittelstreifen und selbstverständlich wird dann die linke Spur, am nächsten am Mittelstreifen gelegen, abgesperrt. So weit, so klar und nachvollziehbar.

Aber wieso steht denn ein Winterdienst-/Straßenwachtfahrzeug mit einem Pfeil nach rechts auf der linken Spur, dann sind 500 Meter nichts, gar nichts, keine Baufahrzeuge, keine Arbeiter, überhaupt nichts auf der linken Spur, dann kommt noch so ein Fahrzeug mit blinkendem Pfeil nach rechts und DIREKT, wirklich DIREKT dahinter steht das Fahrzeug der Arbeiter und es laufen Arbeiter herum?

Zwei Fahrzeuge, die identisch nach recht schieben, auf einiger Distanz – sie ändern was in der Matrix!

Nun kann ich durchaus akzeptieren und heiße sogar gut, wenn im Interesse der Sicherheit der Arbeiter der Verkehr rechtzeitig vor den Arbeitern auf die mittlere und rechte Spur verbannt wird. Keine Einwände bei dieser Intention – nur funktioniert das so nicht, ganz offenkundig! Denn was tut der geneigte Autobahnfahrer, wenn da ein Fahrzeug mit Pfeil nach rechts auf der linken Spur steht, dahinter aber nichts, rein gar nichts ist? Genau! Er beschleunigt wie irre und fährt wieder nach links rüber, um dann mit Vollbremsung vor dem zweiten Fahrzeug mit Pfeil nach rechts sich wieder mit Macht in den nun zweispurig wieder laufenden Verkehr zu drängeln. Aus meiner Sicht bringt das mehr Unruhe in den Verkehr hinein und sorgt dafür, dass die Fahrer mehr auf den Reindrängler achten, als auf die Bauarbeiter – und somit sorgt dieses 500 oder mehr Meter vorher schonmal rüberleiten für mehr Verkehrsprobleme und Gefährdungen, als es nützen kann, zumindest, sofern die linke Spur zwischen den beiden Fahrzeugen nicht mit Absperrhütchen dem Verkehr entzogen wird.

Ich muss gestehen, ich verstehe nicht, was das soll – oder vielleicht bin ich auch blind. Denn ich sehe immer wieder, in letzter Zeit fast bei jeder Kurzzeit- oder Wanderbaustelle auf der linken Spur, dass 300 bis 900 Meter vor der Baustelle schonmal ein „Fahren Sie rechts rüber“-Schild auf einem Fahrzeug auf der linken Spur postiert ist, erst danach kommt mit erneutem Sperrfahrzeug die Baustelle – dazwischen ist nicht abgesperrt und der Abschnitt zwischen den beiden Sperrfahrzeugen wird fleißig mit aufheulendem Motor befahren. Das kann doch nicht die Intention sein – und das muss doch den Bauarbeitern eigentlich auffallen? Oder ist das gemäß einer an der Realität auf den Autobahnen vorbeigehenden Vorschrift?

Vermutlich ist es mal wieder Zeit für eine Anfrage beim Verkehrsministerium Baden-Württemberg.