Schon wieder!

Bei mir hängt mittlerweile eine Klarsichtfolie mit Tesa an die Bürotür geklebt. Da packe ich Dinge rein, die ich meine lieben Kollegen wissen lassen möchte. Nach dem Artikel in den Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) über den Rißnertlauf hing da ein Futurama-Bildausschnitt bezogen auf einen aktuellen Fall, den ich bearbeite.

Nun hängt wieder ein Ausschnitt aus dem BNN-Lokalteil dort. Natürlich ist da wieder ein Bild eines männlichen Läufers mit einer Zeit deutlich unter 35 Minuten für die zehn Kilometer dabei – aber im Text wird erwähnt, dass ich das Rennen der Damen bis Kilometer sieben anführte und es wegen mir zunächst nicht nach einem Sieg der LG Region Karlsruhe bei den Damen aussah. Das Laufen hat mich schon wieder in die Zeitung gebracht!

Das fühlt sich schon irgendwie krass an.

Ausschnitt aus dem Lokalteil der Badischen Neuesten Nachrichten vom 16.04.2019.

Volkslauf beim TuS Neureut – mit neuem Personal Best auf 10km!

Heute war ich auf dem Volkslauf in Neureut, einem Stadtteil von Karlsruhe. Veranstaltet wurde das Ganze vom lokalen Turn- und Sportverein (TuS) Neureut, der Lauf gehört zum RegioCup Karlsruhe, wie auch der Rißnertlauf im vergangenen Monat. Wieder einmal war’s der kälteste Tag im gleitenden Zwei-Wochen-Fenster, aber wenigstens war es trocken – angesagt und auch tatsächlich.

Bei 3°C brach ich um 7:15 von zuhause auf, mit einem Rucksack voller Wechselklamotten für nach dem Lauf und der Frage, ob das was werden würde. Denn: Ich hatte schon vor der Teilnahme an der Staffel beim Freiburg Marathon und auch die ganze vergangene Woche ein leichtes Ziehen außen im linken Sprunggelenk gespürt, dazu fühlte ich mich irgendwie schlapp. Kurz: Die Vorzeichen waren nicht optimal und das verkündete ich auch prompt den anderen vor dem Start. Aber so weit bin ich noch gar nicht – erstmal holte ich meine Startnummer ab und ging auf Toilette. Der Verein hatte sich wirklich Mühe gegeben, die Startplätze waren gut angezeichnet auf der Straße, im Vereinsheim gab’s genug Toiletten, eine perfekte Einweisung an die Tische der Startnummernausgabe und Nachmeldung durch Schilder, die von der Decke hingen. Perfekte Organisation – auch meinen Kaffee, den ich dann in der Kälte und Frühe noch brauchte, als Nobse von den Sport Löwen Baden zu mir stieß, bekam ich superschnell. Was auch nicht selbstverständlich ist: Meinen Fünfziger, mit dem ich meine Startnummer bzw. meinen Antritt für sieben Euro bezahlte, bekam ich anstandslos unter die Leute.

Mit fünf Minuten Verspätung starteten dann die „Fünfer“, während ich Nobse und einigen weiteren versicherte, dass ich gar nicht wisse, was das heute gäbe und ob ich Leistung bringen könne. Erklärtes Ziel waren ja unter 43 Minuten für die zehn Kilometer. Auch Emma Simpson Dore war da, mit der ich mir in Rüppurr beim Rißnertlauf das Überholduell geliefert hatte. Somit war es völlig illusorisch, auf einen Sieg zu spekulieren – und ich stapelte erst recht tief. Aber es ging dann doch recht flott los – 3:45 zeigte die Uhr für den ersten Kilometer, in meinem Kopf spielte frei nach „Jagd auf Roter Oktober“ das Zitat: „Das ist zu schnell, Talianna, zu schnell!“ Doch viel langsamer wurde ich erstmal nicht, noch mit Blick auf die Männerspitze, inzwischen selbst die Spitze bei den Frauen, lief ich in das langsame Ende des 15 Minuten früher gestarteten Fünfers. Alles gut soweit, aber die Frage blieb im Kopf: „Halte ich ein Tempo von knapp langsamer als 4:00 pro Kilometer? KANN ich das überhaupt halten?“ Solche Gedanken sind böse. Sie machen unsicher und langsam. Ich schaltete sie ab: „Ich kann das. Und wenn nicht, dann gehe ich zwischen Kilometer acht und neun ein. Ins Ziel komme ich laufend! So! Nämlich!“ Dann ging es in die zweite Runde, kaum dass ich so richtig realisiert hatte, welche der Kilometermarkierungen den Fünfer und welche den Zehner betrafen – der Start des Fünfers lag nämlich dreihundert Meter zurück vom Start des Zehners. Beim zweiten Unterqueren der B36 realisierte ich, dass ich noch immer einen Schnitt von unter 4:10 pro Kilometer lief und knapp die Hälfte schon gelaufen war! Etwas weiter, bei 5,5 Kilometern, drehte ich mich um, um zu sehen, wer da noch war – und in mein Gesicht lachte Emma Simpson Dore. Doch statt es hinter sich zu bringen und mich zu überholen, fiel sie sogar wieder etwas ab.

Auf dem einsamsten und gegenwindlastigsten Part der zweiten Runde (der sich angenehm vom ersten Fünfer unterschied) schnaufte ein Läufer im Trikot der Polizei wie eine Dampflok, den fragte ich, ob alles okay sei. Das verwunderte ihn ein bisschen, freute ihn aber. Bei Kilometer sieben dann wurde ich schließlich von Emma Simpson Dore überholt – ich meinte noch, sie solle sich von keiner anderen Frau überholen lassen. Dann war ich wieder allein im Wind – mit Blick nach vorne auf Emma und zwei Männer, die ebenfalls kämpften. So richtig realisiert hatte ich da noch nicht, dass ich noch ein paar Kilometerabschnitte in weniger als vier Minuten überwunden hatte. Auch am „Aufstieg“ aus dem Tiefgestade zurück auf die Hardt verlor ich nicht viel Zeit, dort überholte mich dann auch ein Läufer, der sich später für den ganzen Windschatten bedankte – und dann ging alles ganz schnell. Das Ziel war in Sicht, und als ich meine Uhr stoppte, zeigte sie sagenhafte 40:06 für zehn Kilometer. Ich fürchte, ich bin noch einem Journalisten etwas auf den Nerv gegangen, als ich ein paar Worte zu Emma sagte, die er gerade interviewen wollte – sie hatte mich schließlich um 30 Sekunden geschlagen und das würdige ich voll!

Dem Läufer von der Polizei begegnete ich auch nochmal, der war ein wenig irritiert, aber begeistert, als ich meinte, dass auf der Strecke einzig die Uhr der Feind sei, alle anderen Läufer und Läuferinnen seien Freunde. Klar war auch: Ich war Zweite geworden, hatte meine Altersklasse gewonnen und mein aktuelles Zehn-Kilometer-Personal-Best um mehr als vier Minuten unterboten.

Als Preis gab’s ein Set große Tee- oder Kaffeepötte, für den Sieg in der Altersklasse. Auch bemerkte der Sprecher des TuS Neureut, dass mit der altersbereinigten Wertung wohl vielleicht die eine oder andere Verschiebung auftreten werde, im Klassement, verglichen mit der Wertung vor Ort. Über dieses Thema hatte ich auch schon mit den Organisatoren korrespondiert, die mein Interesse nach der Ableitung ihrer Altersbereinigung befriedigten und sich freuten, dass ich die Faktoren als sauber abgeleitet empfinde, auch wenn die Ergebnisse frappierend sind.

Unten seht Ihr noch meine Urkunde, die Startnummer und den Preis mitsamt seiner passenden Verpackung. Glücklich über dieses grandiose Ergebnis fuhr ich dann mit der Bahn heim, wo ich erstmal Hunger hatte – in Neureut gab’s nur Kuchen, mir allerdings war nach was Herzhaftem, das ich dann zuhause bekam.

Starnummer, Urkunde und Preis für den Altersklassensieg – bereits ausgepackt.