Ein eigentlich ganz guter Schnitt

Am Freitagabend war die Heimfahrt erstaunlich ruhig. Freilich, es gab zwei Unfälle auf meiner Strecke, an denen ich vorbeifuhr, auch passend dazu Staus. Der Stau an einer Baustelle musste weit umfahren werden. Im Endeffekt lief es aber ganz gut für einen Freitagabend in Baden-Württemberg.

Nur muss man sich vor Augen führen, dass „recht gut“ auf meiner Strecke folgendes bedeutet: Meine Heimfahrt ist gut 86 Kilometer lang. Davon sind etwa vier Kilometer innerorts, zwei ganz am Anfang, zwei auf die letzten zehn Kilometer verteilt. 14 Kilometer sind Landstraße, zusammen mit der zweiten Hälfte der innerorts gefahrenen Strecken sind’s die letzten 16 Kilometer vor Zuhause. Die restlichen 58 Kilometer sind Autobahn.

Insgesamt prognostizierte mir beim Losfahren Google Maps 1:42:00 als Heimfahrtdauer. Bedenkt man, dass es 86 Kilometer sind, ist das ein Schnitt von gut 50km/h. Nicht genug, um bei konstant dieser Geschwindigkeit innerorts geblitzt zu werden. Und: Ja. Für einen Freitagabend über die westliche A8 ist das schnell. Man muss ja niemandem verraten, dass ich schneller war. 56km/h zeigte die Fahrt-Bilanz meines Autos hinterher. Man muss ja niemandem erzählen, dass ich nach Abfahren von der Autobahn in Karlsruhe Süd noch 48km/h als Durchschnitt der Fahrt auf dem Tacho hatte und auf 16 Kilometern weitgehend Landstraße noch auf 56km/h nach oben korrigierte.

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Nicht ganz so „1A“ auf der A1

Am vergangenen Wochenende war ich wegen Terminen am Freitag und Besuchen bei Freunden am Samstag im Norden. Zuerst ging’s die A7 nordwärts, auf dem Heimweg fuhr ich von Hamburg aus über die A1, da ich noch Freunde in der Nähe von Bonn zu besuchen hatte.

Nach meinem Sommerurlaub habe ich mich ja schon einmal über das Verhalten von Fahrern auf zweispurigen Autobahnen echauffiert. Der problematische Abschnitt damals war die A1 zwischen Bremen und Dortmund. Genau auf diesem Abschnitt habe ich es wieder erlebt: Ständiges Hin und Her zwischen „für 150km/h auf dem linken Fahrstreifen bekommt man empörte Lichthupe von hinten“ und „kaum schneller, oft langsamer als der LKW links von einem LKW“. Es war zum Auswachsen! Ich bin nicht sicher, ob das nur ein Aufmerksamkeits-Effekt meinerseits ist, aber bis auf einmal, tiefnachts kurz vor Weihnachten, habe ich dieses ätzende Hin und Her, dieses komische Verhalten vieler Autofahrer, bevorzugt auf der A1 Bremen-Dortmund erlebt. Aus der ganzen wilden Fahrerei ist dann auch noch an einer eigentlich ganz harmlosen Baustelle bei Münster – zwei Spuren blieben erhalten, wurden nur ein bisschen enger und nach rechts verschoben – ein Stau mit 40 Minuten Verzögerung entstanden. Das hat mich dann doch schon ziemlich geärgert.

Ich muss künftig mal drauf achten, ob das auch auf anderen zweispurigen Abschnitten so läuft. Am Donnerstagabend auf der A7 Schweinfurt-Kirchheim war’s jedenfalls deutlich besser als am Samstag auf der A1. Die ist allerdings auch bergiger als oben genannter A1-Abschnitt. Nebenbeigeschrieben: Der Abschnitt Schweinfurt-Kirchheim auf der A7 war ein Neueintrag in der Autobahnsammlung!

Pozilei

Am Donnerstag in der abgelaufenen Woche stand ich nach einem anstrengenden Arbeitstag im Stau vor der Baustelle zwischen Ettlingen und Rastatt auf der A5. Ich war bereits stocksauer, weil ich sehr viel Verhalten anderer Fahrer gesehen hatte, das aus Egoismus die Staubildung beförderte, war gerade vom Beschleunigungsstreifen des Dreiecks Karlsruhe dreimal nach links gewechselt und fuhr somit auf der mittleren Spur der südgerichteten A5 – ich wollte ja NICHT in Ettlingen abfahren, sondern an der Anschlussstelle Karlsruhe Süd. Vor mir fuhr irgendein ebenfalls kleines, allerdings quietschbuntes Auto mit zwei Frauen, soweit ich das von hinten beurteilen konnte, die sich mit Vehemenz für das Bilden einer Rettungsgasse einsetzten. Mir machte das fast ein schlechtes Gewissen, denn ich musste mich nach meinen drei Fahrstreifenwechseln erst einmal wieder ein bisschen einordnen – dann fuhren meine beiden Vorfrauen und ich wundervolle Rettungsgasse, während um uns herum die meisten eher nachlässig oder auch überhaupt nicht drauf achteten. Das wurde besser, als sich von hinten ein Polizei-Fahrzeug mit Blaulicht näherte und die Rettungsgasse nutzte – irgendwo weiter vorne in der Baustelle war wohl etwas passiert gewesen. Oh! Eine korrekte Anwendung des Plusquamperfekts, oder? Yay!

Soviel jedenfalls zur Vorstimmung, in der ich die folgende Sichtung machte.

Selber Stau, noch fast die selbe Stelle: Plötzlich sah ich auf dem Verzögerungsstreifen ein weiteres Polizeifahrzeug, so richtig mit blauen und silbernen Flächen, dazu reflektierendes Neongelb und ein paar weiße Reflektor-Rechtecke angeordnet auf der Flanke. Es war wohl ein E-Klasse-Kombi oder ein Skoda Octavia oder sowas in der Richtung – als erstes fiel mir auf:

„Der fährt nicht links rüber? Will der etwas nicht zum Unfall in der Baustelle? Alle machen ihm Platz!“

Der nächste Gedanke drängte sich auf:

„Oh, toll, der hat in der Rückscheibe einen großen Hinweis kleben, dass man eine Rettungsgasse bilden soll!“

Und dann lichthupte ein LKW den Wagen an, und mir fiel auf: Der hat erstens nicht „Polizei“, sondern „Pozilei“ auf der Seite stehen und das vermeintliche Blaulicht ist wohl eher ein normaler Dachträger, der natürlich nicht als Blaulicht fungieren kann.

Ich bin ja stark für freies Design bei Fahrzeugen, so lange die Sicherheit nicht gefährdet ist. Aber ein recht gutes Polizei-Fahrzeug-Fake, das erst auf den dritten Blick nicht mehr „besteht“, ist in meinen Augen im dichten Verkehr der Autobahn, gerade wenn eine Situation auftritt, in der die Polizei durchfahren muss, so etwas wie eine Gefährdung! Mal ganz davon abgesehen, dass anhand einer entsprechend aufgemachten A-Klasse im Landkreis Rastatt schon einmal die Diskussion am Start war, ob das illegal sei, finde ich es schlichtweg unverantwortlich. Man nutzt bei den auf ersten oder zweiten Blick getäuschten anderen Fahrern Mechanismen aus, die normalerweise Sicherheitskräften vorbehalten sind – und verschafft sich damit auf Kosten der Sicherheit und auf Kosten der Autorität der Sicherheitskräfte einen Vorteil im Verkehr.

Und ganz unabhängig davon, ob es nun hinreichend unecht wirkt, um nicht illegal zu sein (ich glaube, davon hängt es mehr oder minder ab, aber ich habe den damaligen Artikel nicht mehr genau im Kopf) oder eben so echt, dass ein Verbot greift – ich finde, so etwas geht einfach nicht. Der Verkehr enthält genug Störungen, Probleme, ist viel zu dicht. Niemand sollte sich anmaßen, die wenigen eindeutigen Signale zu imitieren, die es zur Lösung von Ausnahmesituationen auf der Straße braucht. Die Optik eines Polizeifahrzeugs gehört eindeutig zu diesen Signalen!

Mittlere freie Weglänge

Ich habe vor langer Zeit einmal über Unfallhäufigkeiten gesprochen und dabei dann erwähnt, wie weit ich schon gefahren bin, ohne dass ich einen Unfall hatte. Dabei sind explizit Pannen ausgenommen, das kann immer mal passieren und hat, sofern es keine grobe Vernachlässigung des Wartungszyklus oder von Warnungen als Ursache gibt, nichts mit der Qualität des Fahrers zu tun.

Nun stellte sich mir – immer wieder, aber nie intensiv genug, um wirklich nachzuforschen, eine bestimmte Frage. Es war die Frage: Fahre ich nun über längere Strecken unfallfrei als der Durchschnitt, oder dauert das noch eine Weile. Natürlich muss man hier zwischen fremd- und selbstverschuldeten Unfällen unterscheiden, aber da ich seit einer ganzen Menge Kilometern GAR KEINEN Unfall welcher Art auch immer hatte, brauche ich diese Betrachtung auch erstmal nicht zu machen.

Zunächst einmal stellt sich die Frage: Wie weit bin ich überhaupt seit meinem letzten Unfall gefahren? Hierfür gehe ich mal zurück in das Jahr 2008. Mit meinem damaligen Freund und heutigen Mann war ich schon zusammen, es muss im Herbst 2007 oder im Winter 2007/08 gewesen sein. Da hatte ich etwas, das man als Unfall bezeichnen könnte – allerdings betraf es nur mein Auto und basierte auf einem technischen Versagen: an der Vorderradaufhängung meines Autos sprang etwas heraus, ich musste mich abschleppen lassen. Ein Glück kam mein Mann dazu und beruhigte mich etwas. Aber hier hatten wir technisches Versagen, wobei die Wartung zwar etwas her war, aber man mir sagte, dass man die Ursache für dieses Versagen bei einer normalen Inspektion erst wenige hundert Kilometer vor dem Vorfall hätte bemerken können. Wie weit das korrekt ist oder nicht, sei dahingestellt, aber es war der letzte unfallartige Vorfall, den ich hatte. Den kaputten Auspuff, der mal ein bisschen auf dem Boden schleifte (letzte Inspektion war ca. 2500km her), die defekten Zündkerzen und die kaputte Kupplung rechne ich nicht mit, da ich jeweils nach geordnetem Halten auf dem Seitenstreifen, checken des Problems, Telefonat mit ADAC oder Werkstatt aus eigener Kraft zur Werkstatt fuhr. Alles in allem hat mein silber-metallic Aygo der ersten Generation eine Viertelmillion Kilometer gefressen, der aktuelle liegt bei 56.000 Kilometer. Damit wäre ich also bei ca. 300.000 Kilometern, die ich seit dem letzten unfall-artigen Vorfall gefahren bin. Dazu kommen die ca. 195.000 Kilometer, die ich unfallfrei auf den oben erwähnten Wagen – einen grauen Mercedes 200D – gefahren hatte, bevor ich die „Alte Dame“ kurz nach dem Vorfall mit der Vorderradaufhängung gegen den silbernen Aygo tauschte. Die „Alte Dame“ hatte vom Vorbesitzer, meinen Großeltern, schon etwa 150.000 Kilometer gesehen, wurde also bei knapp 400.000 Kilometern außer Dienst genommen. Macht also eine knappe halbe Million Kilometer, die ich selbst bereits gefahren bin.

Das Vorgängerauto der „Alten Dame“ war mein blaumetallic-lackierter Fiat Punto, der sein Leben in einem Unfall aushauchte – einem nicht von mir verschuldeten, denn von mir verschuldete Unfälle, die versicherungsrelevant oder Polizei erfordert hätten, hatte ich noch gar nicht. Es gab nur mit oben genanntem Punto, der auch seine 200.000 Kilometer hatte, als er nach unverschuldetem Unfall mit Totalschaden aus dem Verkehr gezogen wurde, einen Vorfall bei Glatteis, bei dem ich in Zeitlupe Rücklicht an Rücklicht gegen einen Fiat Cinquecento rutschte, dabei ging eine Rücklicht-Scheibe zu Bruch und das war’s. Der „Kleine“ hatte damals keine 40.000 Kilometer auf dem Zähler.

In Summe kann ich also vorweisen:

  • etwas über 450.000 Kilometer gänzlich unfallfreies Fahren,
  • knapp 650.000 Kilometer ohne selbst verschuldeten Unfall und
  • etwa 700.000 Kilometer ohne selbst verschuldeten Unfall, der versicherungsrelevant geworden wäre.

Ist das nun viel oder wenig? Dafür brauche ich die Strecke, die ein durchschnittlicher deutscher Autofahrer zwischen zwei Unfällen zurücklegt. Dafür habe ich die ADAC-Unfallstatistik aus dem Jahr 2014 konsultiert. Relevant ist die Sparte „PKW“, in der 0,25 verunglückte Personen pro einer Million Personenkilometer ausgewiesen werden. Wenn man ganz naiv rechnet, sind das vier Millionen pro Person zurückgelegte Kilometer zwischen zwei Unfällen (mit Verletzten, wenn ich das richtig lese). Die entsprechende Vergleichszahl in meiner Fahrerkarriere sind die 700.000 Kilometer ohne selbst verschuldeten Unfall, der versicherungsrelevant geworden wäre. Beim Unfall, der meinen geliebten Punto zerstörte, wurde niemand verletzt – weder ich, noch die verursachende Gegnerin und auch nicht ihr Beifahrer. Da kam zwar die Polizei – was gut war, um alles in Sachen Schuld zu klären, mir wurde die Vorfahrt genommen – und ein Krankenwagen kam zufällig vorbei und kümmerte sich um mich und die andere Fahrerin, da wir beide einen Schock erlitten hatten. Aber verletzt im eigentlichen Sinne wurde niemand.

Von der „mittleren freien Weglänge“, die in der Physik die mittlere Strecke eines Gasteilchens zwischen zwei Stößen angibt, bin ich also noch weit entfernt. Die Arroganz, weiter zwischen zwei Unfällen gefahren zu sein als der gemittelte deutsche Autofahrer, muss ich mir also erst noch verdienen.

Die Bond-Phantasie

Da gibt es so eine Sache, die mir immer mal wieder durch den Kopf geistert, wenn ich von meinen Mit-Verkehrsteilnehmern genervt bin ohne Ende. Oft gerade bei solchen Mit-Fahrern wie Lückenspringern, Leuten, die wild schneiden, nicht blinken, unmotiviert bremsen …

Und zwar: Ich stelle mir dann vor, oben auf dem Schalthebel einen roten Knopf zu haben. Einen roten Knopf, vor dem ich meine Beifahrer immer nach Kräften warne, ihn auf keinen, auf gar keinen Fall zu berühren. Diesen Knopf umgibt die Aura des Geheimnisvollen, Gefährlichen. Denn der Knopf löst ein Geheimnis an meinem Auto aus: Drückt man den Knopf, fährt das Nummernschild herunter und dahinter sieht man fünf oder sechs Öffnungen – aus denen stehen kleine Spitzen hervor, kleine, weiße Spitzen, welche zu Raketen gehören. Diese Raketen können dann mit dem in seiner Funktion veränderten Schalthebel auf ein Ziel ausgerichtet und mit nochmaligem Drücken des Knopfes abgefeuert werden – und die Sprengköpfe der Raketen sind so konstruiert, dass sie bei Feuern unter das getroffene Fahrzeug dieses hochschleudern – und man dann, bevor es wieder aufschlägt, mit aufheulendem Motor drunter durch rauschen kann.

Eigentlich liegt mir Gewalt fern, aber manchmal ist es wirklich hilfreich, so eine sich selbst karikierende Phantasie zu haben, um lächelnd die Musik lauter zu drehen und die entsprechenden Mit-Verkehrsteilnehmer – von Sicherheitsaspekten abgesehen – zu ignorieren.

Technikabhängigkeit

Ich habe am Wochenende mit meinem Mann gemeinsam eine Folge der Serie seaQuest DSV gesehen, in der es um eine Zeitreise in die Zukunft ging, die durch einen Computer aus der Zukunft ausgelöst wurde. Dieser Computer, eine künstliche Intelligenz sogar, sorgte sich um die letzten beiden Menschen, die es noch gab – aus einer Brutstätte künstlich erschaffen. Die beiden – ein Mädchen und ein Junge – beschäftigten sich mit Video-Spielen und hatten einander noch nie real gesehen. Ziemlich aufgesetzt wurde nun konstruiert, dass die Besatzung der seaQuest den Computer deaktivieren musste, damit die beiden sich real miteinander beschäftigten und den Fortbestand der Menschheit sicherten. Den Computer zu deaktivieren erforderte Menschen aus der Zeit vor der Erstellung dieses Computers, der sehr viele Service-Aufgaben erfüllte, da Menschen, die diesen Computer von klein auf erlebt hatten, sich wohl weigern würden, ihn abzuschalten.

Ganz abgesehen von dem ziemlich seltsamen Weltbild, das in der Folge präsentiert wird – „Der Fortbestand der Menschheit bedingt den Fortbestand der Welt“ – hat mich das Ganze doch zum Nachdenken gebracht. Freilich denke ich nicht in dem technologiefeindlichen Geist darüber nach, den die Folge präsentiert. Aber ich betrachte zum Beispiel nun mal das Gespräch, das ich am Sonntag mit meinem Schwager hatte, als ich gerade bei ihm eine Pause vom Laufen machte, durch diese Sichtweise. Wir – beide Läufer – sprachen zuerst über Laufschuhe. Meine neuen Mizunos kamen zur Sprache, auch wenn ich die Asics an hatte. Aber dann ging es an Puls- und Streckenmessung, Schrittzähler, GPS, Online-Auswertung. Da mein gebraucht gekauftes iPhone 4S akkutechnisch etwas schwach auf der Brust ist, erklärte ich, dass ich über einen mobilen USB-Akku nachdenke, mit dem ich zusätzliche Energie mitnehmen kann, so dass ich mir auch das „mehr“ an Energieverbrauch für im Handy integrierte Pulsmessung via Bluetooth akkutechnisch leisten kann. Wir sprachen über einige Dinge in der Richtung, und mir kam dann daheim der Gedanken: „Eigentlich nutzt Du verdammt viel Technologie.“

Ich unterstelle immer, dass ich noch nicht völlig abhängig davon bin, aber ich denke, das ist eine Illusion. Wir sind schon sehr lange von unserer Technologie abhängig, die älteren Leute sehen nur teils die neuen Technologien, von denen die „Jungen“ abhängig werden und sie noch nicht sind. Besonders augenfällig in heutiger Zeit sind freilich Computer, Internet und das zunehmend Mobile an Rechnern und dem Netz. So gesehen hängen wir aber schon seit sehr langer Zeit recht konsequent von Datenerfassung mit Technologie ab, von abstraktem Ersatz für reale Güter. Wer möchte denn schon auf Bank-Überweisungen verzichten? Oder auf Versicherungen, Rente und dergleichen? All das sind Dinge, die auf Netzwerken, Abgaben für abstrakte, nicht unbedingt vollständig sichere Güter und Datenspeicherung beruhen. Bei den einfacheren Technologien stellt sich dann die Frage: Haben wir uns klar gemacht, dass bereits mit dem ersten Wasserbau, mit den ersten Dämmen der Weg gelegt war für Hoover-Dam und Dreischluchten-Stausee, mit allen kurzsichtigen Aspekten daran, wir zum Beispiel der Unterstellung, dass der Südwesten der USA nicht trockener würde als er ohnehin schon ist? Ich habe kürzlich darüber gelesen, dass die Stauseen das Colorado zunehmend leerer sind als früher, weil weniger Wasser nachkommt und der Südwesten der USA gemessen an den aus dem Colorado speisbaren Trink- und Brauchwasser-Mengen zu viel verbrauchen.

Aber zurück zu mir. Ich frage mich: Würde ich heute noch so ganz einfach mit Stauansage aus dem Radio und Straßenkarte meinen Weg durch die Rush-Hour suchen? Ist nicht schon die Abhängigkeit von einem Auto für 87km Pendelstrecke erschreckend, selbst wenn man mal davon absieht, dass bei mir ständig eine an mobiles Internet gekoppelte Navigation mitläuft, die auf der Basis von anderen Autofahrern mit der selben Navigation ausrechnet, auf welcher Straße man wie gut durchkommt und so optimale Umleitungen empfiehlt und eine recht genaue Prognose der Ankunftszeit liefert?

Es mag sein, dass es erschreckend ist, sich uns ohne unsere Werkzeuge vorzustellen. Und es ist auch definitiv so, dass unsere Werkzeuge beziehungsweise ihr Funktionieren fragiler ist, als aufgrund unseres teils recht totalen drauf Verlassens gut erscheint. Dennoch würde ich nicht sagen, dass es irgendwann die Rettung der Menschheit sein muss, das Netz abzuschalten und die wild gewordenen Werkzeuge los zu werden – ich glaube auch nicht, dass unsere Abhängigkeit von Werkzeugen uns zerstört. Aber ich denke, hin und wieder bringt es etwas, differenziert über die Nutzung von Werkzeugen nachzudenken. Nicht in einer Weise „alle Werkzeuge dieser und jener Art sind böse und nehmen uns zu viel weg, nehmen uns unsere Menschlichkeit weg“. Diese Sichtweise habe ich im Bezug gerade auf vernetzte Technologien, Computeranwendungen – ob nun Spiele, soziale Netzwerke oder anderes – und vor allem Ideen der virtuellen Realität und künstlichen Intelligenz schon öfter gehört. Ich halte das in der Form für Alarmismus. Wir sollten aber drüber nachdenken, ob die Geräte so zuverlässig sind, wie wir uns drauf verlassen. Wir sollten aber unter anderem unter diesem Aspekt auch drüber nachdenken, ob unsere Nutzung von Technologie wirklich total gerechtfertigt ist.

Neulich, als ich zu meiner Trauzeugin nach Stuttgart rein gefahren bin, habe ich nach ihrer neuen Adresse nicht im Stadtplan geschaut, mir keine Linie auf den Stadtplan gemalt, mich nicht vorbereitet. Ich hatte ja mein Navi über Telefon und Netzdienste. Aber könnte ich das noch? Hätte ich auf die Schnelle einen Stadtplan von Stuttgart parat gehabt? Wahrscheinlich schon, denn ich hätte an einer dieser typischen Haltebuchten mit Stadtplänen gehalten und dann versucht, mir den Weg zu merken. Denn – wenn ich das Szenario schon konsequent durchdenke – meine Digitalkamera hätte ich dann ja auch nicht gehabt. Oder ich hätte – ganz altmodisch – jemanden gefragt, nach dem Weg. So wie mein Mann und ich vorgestern von einem Herrn nach dem Weg zur Stöckwiese gefragt wurden. Da wir gerade an der Halle dort vorbei gelaufen waren und die in der Halle stattfindende Feier recht eindeutig als türkische Hochzeit identifiziert hatten, hätten wir dem Herrn auch ohne Kenntnis des Namens der Straße helfen können. Ganz offline. Offenbar gibt’s das Backup-System also noch. In so fern: Alles super, ich werde heute nicht auf meine Stauanzeige mit Google-Maps Navigation zwecks besserem Durchkommen zur Arbeit verzichten.

Nur wo zum Henker ordne ich diese Philosophiererei über Technik vor meinem ganz privaten Kontext hier nun ein? Vermutlich unter allen meinen Kategorien.

Anfragen …

Im Arbeitsleben stelle ich ja öfters mal Anfragen, und irgendwie passiert dann meistens auch was. Anfragen an mich werden ja auch bearbeitet – mal schneller, mal langsamer.

Nun hatte ich ja vor zwei Wochen – flüchtig in einem Beitrag erwähnt – Anfragen an das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI) und das korrespondierende Landesministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg. Dabei ging es um die Frage, ob es denn Planungen für die meiner Meinung nach fälligen neuen Anschlussstellen irgendwo zwischen Karlsruhe Süd und Rastatt Nord gäbe. Bis jetzt hatte ich keine Antwort erhalten, nun aber war heute eine Mail in meinem Mailpostfach:

Eine Mitarbeiterin des BMVI teilte mir mit, dass sie meine Anfrage an das zuständige Landesministerium weiter geleitet habe. Mein erster Gedanke war: Wow. Nach zwei Wochen reicht’s für eine Weiterleitung – da kann ich ja noch eine Weile warten auf eine Antwort, wenigstens habe ich gleich an die richtige Stelle noch eine Kopie der Anfrage gestellt.

Nach etwas Überlegung kam mir aber der Gedanke, dass ich wohl nicht die einzige bin, die an’s BMVI schreibt und dass eventuell noch geklärt werden muss, was man an eine interessierte Bürgerin rausgeben sollte und was nicht. Und ob man die Anfrage selbst beantworten kann oder … und so weiter eben. In so fern bin ich erstmal froh, dass ich eine Antwort gekriegt habe, wenn auch ein „bin nicht zuständig“. Und dass es gleich weiter geleitet wurde, und nicht nur mit „bin nicht zuständig“ beantwortet wurde, ist doch auch schonmal eine schöne Sache.