Afsluitdijk

Für mich eines der großartigsten Erlebnisse während der vergangenen Reise, die großartigste Sehenswürdigkeit – das war der Abschlussdeich. Auf Niederländisch wird er als Afsluitdijk bezeichnet. Für mich ist dieses Bauwerk, das die ehemalige Zuiderzee von der Nordsee trennt, eine Illustration der menschlichen Hybris, auch ein großes Stück Ingenieurskunst. Nicht zuletzt ist es genau das, was man unter Terraforming versteht: Die Veränderung der Oberfläche eines Planeten, um dem Menschen dienlicher zu sein.

Zunächst einmal: Was ist der Abschlussdeich überhaupt? Im Wesentlichen ein Damm, der eine ehemalige Bucht der Nordsee zwischen Nordholland und Friesland vom gezeitenbehafteten Meer trennt. Ein Bauwerk aus Geschiebelehm, Sand und Steinarmierungen, das die vielen Bereiche der Niederlande, die unter dem Meeresspiegel liegen, vor Überflutung schützt. Das Projekt wurde Ende des neunzehnten, Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts von Cornelis Lely vorgeschlagen und dann – nachdem eine Sturmflut Lelys Argumente untermauert hatte – von 1927 bis 1933 umgesetzt. Die Deichlinie, um unter dem Meeresspiegel liegende Gebiete vor Hochwasser zu schützen, wurde durch den Abschlussdeich um 200km verkürzt. Dazu wurden Landgewinnungsmaßnahmen möglich, die zuvor bei höherem Wasserstand und unter dem Einfluss der Gezeiten nicht möglich gewesen wären. Der Süßwassersee, dessen Oberfläche unterhalb des Mittelwassers und damit deutlich unterhalb des Hochwassers der Nordsee liegt, heißt auch nicht mehr Zuiderzee (was im Niederländischen ein Meer wäre), sondern IJsselmeer (im Niederländischen ein See). Die IJssel, ein Mündungsarm des Rheins, ist der größte Zufluss. Vier große Landflächen, die ehemals Teil der Zuiderzee waren, gibt es im vom Abschlussdeich geschützten Gebiet: Wieringermeer, den Nordoostpolder und Flevoland, das sich in Oostelijk Flevoland und Zuidelijk Flevoland aufteilt. Eine der Städte in Flevoland heißt Lelystad, nach Lely, dessen Kind der Deich gewissermaßen ist.

Begeistert wie ein kleines Kind habe ich am Parkplatz Monument auf der A7/E22 über den Abschlussdeich auf meinen Mann gewirkt, weil ich so unglaublich angetan war von diesem krassen Bauwerk. Aber seht selbst:

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Hier sieht man das vom Abschlussdeich geschützte Gebiet des IJsselmeeres und des Markermeers in hellblau, die Polder in dunkelgrau – als Karte auf dem Hochwasserschutz vor dem Hintergrund des Radweges über den Deich und der Nordsee.

Ich musste auch noch meine beiden absoluten Highlights der Niederlande (neben oder eher hinter der lieben Freundin, die wir in Amsterdam besucht haben) hier verbinden:

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Auf Niederländisch heißt der Milchkaffee „Koffie verkeerd“ und ich konnte mir im konkreten Fall nicht verkneifen, dieses Bild mit „Koffie verkeerd bij de Afsluitdijk“ zu betiteln, auch wenn ich gar kein Niederländisch spreche.

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Norddeutscher Sommer

Heute Morgen hat er mich beim Laufen patschnass gemacht, heute Nachmittag beim Lauf mit dem Gastgeber war es bei Rückenwind heiß, bei Gegenwind angenehm. Nun zeigt sich der Sommer mit angestrahlten Büschen und regenschweren Wolken.

Das ist nun wirklich ganz anders als in der Oberrheinischen Tiefebene.

Ergänzung:
Meine Gastgeberin begrüßte mich nach dem Lauf im Regenguss mit den Worten: "Eine nasse Mau!" und ich fabulierte von einem Mann mit Gießkanne, dem ich begegnet sei.

Konsequent inkonsequent

Es ist nun Mittwochabend und ich schreibe … naja, bebildere einen Beitrag mit Fotos aus Amsterdam, als gäbe es kein Morgen – und als hätte es den Beitrag Amsterdam, der vor einer Stunde online ging, gar nicht gegeben.

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Fotografiert vom IJeiland – Wasser ist klasse … wir sind dann von der Sumatrakade, von der hier Richtung Norden über mein Knie fotografiert wurde, auf die andere Seite der Insel, wo mich der Blick von das Javakade nach Süden faszinierte:

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Dann kam da eine Brücke, die ich total klasse fand – sowohl die Brückenkonstruktion als auch den Blick über die Wasserfläche, die sie überspannt:

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Dann war da noch ein tolles Hochhaus, das so aussieht, als wäre im Inneren was hochgebaut:

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Und zu guter letzt gibt es noch ein Bild von mir, ein wenig albern zwar, aber nun ja … immer noch auf dem IJeiland:

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Amsterdam

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Im Grunde ist es mir ein Anliegen, meine Erinnerungen nicht in Bildern auf einer Speicherkarte oder einem Handy, sondern in meinem Herzen zu tragen. Daher ist dieses Bild von unserem Aufenthalt in Amsterdam, vom ersten Abend, vielleicht auch eher ein Anti-Bild als ein Bild: Ein Schiff namens Amsterdam auf der Amstel, im Gegenlicht …

Warum mache ich das so? Es ist einfach und doch nicht. Erinnerungen an Orte, an Ereignisse, an Erlebnisse sind oft erstaunlich inakkurat, was die Umstände angeht, die Dinge, all jenes. Aber das Gefühl, das dabei entsteht, wird von Bildern oft nur unzureichend eingefangen. Mir kommt es auf das Gefühl an. Das Gefühl des ersten Abends in Amsterdam, am Dienstag, war großartig. Meine Freundin Nina zeigte uns ein paar Grachten, Läden, auch ein paar Sehenswürdigkeiten. Aber in erster Linie ließen wir uns treiben. Das könnte ich niemals in Bilder fassen, dieses Treibenlassen. Es ist aber das Schönste am Reisen – man treibt im Reiseziel, im Eindruck des Reiseziels, im Gefühl dessen, was diesen Ort für einen selbst und diejenigen, die mit einem unterwegs sind, bedeutet oder bedeuten kann. Das finde ich viel wichtiger, viel bedeutender, viel – größer als nur Bilder.

Mal sehen, ob ich – wenn dies hier am Freitag online geht, während ich es am Dienstag getippt habe – schon wieder von einem begeisterten Fotografieren wundervoller Dinge in Amsterdam ad absurdum geführt worden sein werde.

Ein seltsam falscher Eindruck

Am Dienstagmorgen fuhren mein Mann und ich während unserer Urlaubsfahrt von Bochum nach Amsterdam. Dabei vervollständigte ich die Bundesautobahn 3 für meine Sammlung, mir fehlte auch nur noch das Stück vom Kreuz Oberhausen bis zur niederländischen Grenze. Dann allerdings, nachdem wir die niederländische A12 bis nach Utrecht benutzt hatten und über die niederländische A2 Richtung Amsterdam fuhren, schlich sich ein seltsames Gefühl ein.

Die Wolken über uns, das Licht, der Wind, der seltsam hochstehende Horizont – aus welchen Gründen auch immer hatten wir beide sehr stark den Eindruck, über eine Hochebene zu fahren, gefühlt fast schon in Bereichen, in denen die Luft dünn wird, obwohl wir auf Meereshöhe, teils sogar wohl darunter unterwegs waren. Das fühlt sich überaus seltsam an, denn wir wussten beide ganz genau, dass wir uns in den Niederlanden befanden. Wir wussten es beide genau, Wasser war vorhanden, aber dieses bläulich-gräuliche Licht, auf seltsame Weise leise wirkende Geräusche – oder der Eindruck von einem Leiserdrehen der Geräusche, als seien aufgrund des niedrigen Drucks in großer Höhe die Ohren zugeklappt …

Kurz und gut: Das Gefühl, über eine Hochebene zu fahren, könnte kaum an einem Ort falscher sein als auf dem Weg von Utrecht nach Amsterdam. Dennoch hatten wir es dort – beide. Denn als mein Mann es ansprach, war es für mich eine Offenbarung, so dass ich noch nicht einmal GANZ sicher bin, ob nicht ich es eigentlich ansprach.

Das ist mal wirklich seltsam!

Amphi-Festival-Euphorie

Es sind nun fast schon 20 Stunden seit dem letzten Konzert des diesjährigen Amphi-Festivals, und in meinem Kopf spielt noch immer nur Musik. Ich bin völlig begeistert davon, wie das Festival für mich lief – klar, den einen oder anderen kleinen Dämpfer gab es, aber das war nicht so schlimm. Nein, nicht nur das, es fällt gar nicht ins Gewicht.

Als erstes habe Frozen Plasma auf der Theater Stage gesehen – die ersten drei Songs fiel es mir noch schwer, mich in das Festival fallen zu lassen, noch war alles ungewohnt und ein paar Dinge, die auf dem Weg nach Köln Verzögerungen bedingten, zehrten an mir. Dann kamen die ersten Töne von „Irony“ und alles war gut, alles war wie weggeblasen, ich kam schlagartig im „Hier und Jetzt“ an, in dem es kein Gestern, kein Morgen gab, keine Fahrt, keine Sucherei, keine Erinnerungen an Dinge, die vielleicht zu tun wären – es war so, wie es bei einem Konzert sein sollte. Mir fiel auf, dass die Band dieses Mal nicht ganz so ätherisch klang wie das erste Mal, damals vor unendlich langer Zeit auf einem Weihnachtsfestival in der Rockfabrik in Ludwigsburg, sondern … naja, rauer, mehr „live“ und mehr in einem „großes-Festival“-Klang. Das passte aber ganz gut, zumindest, als ich mal angekommen war. Sehr gefreut haben mich auch die Videos auf der Leinwand, vor allem die Spielevideos und die herrlichen Fahrten durch Welten aus Licht und Struktur.

Danach gab es für mich noch ein bisschen Umschauen, Freunde treffen und weiter verabreden, bevor ich mit Macht Richtung erster Reihe an der Main Stage drängte, um bei VNV Nation vorne zu sein. Diary of Dreams sah ich noch aus einiger Entfernung – nett finde ich die Musik, aber die Show sprach mich wirklich nicht an. Danach stürzte ich mich ins Gedränge, auch wenn mir klar war, dass es hart für mich werden würde, das Konzert von Fields of the Nephilim in guten Startlöchern für die erste Reihe bei VNV Nation zu verbringen. Im Nachhinein war das dann doch sehr lustig, denn ich befand mich zwischen den eher ruhigen Frauen und den in dem Moshpit drängenden Männern einer fanatischen griechischen Fangruppe von Fields of the Nephilim. Es machte Spaß, weit genug vom Moshpit entfernt in Kontakt mit der Gruppe zuzusehen, wie große Begeisterung für ihre Band diese Gruppe aufbrachte – das riss mich dann auch ein bisschen mit, so dass ich zu meiner Freude nicht als stumm leidende Person dort stand, sondern Spaß hatte – wenn schon nicht an der Band, so doch aus anderen Quellen genug Spaß, um eher mit anzuheizen als nur neutral herumzustehen oder gar Leuten den Spaß zu verderben.

VNV Nation war dann ein Konzert, das ich aus der ersten Reihe erleben durfte. Meine Begleitung stand direkt hinter mir, dazu schräg hinter mir zwei heftige VNV Fans aus Bristol. Dass sonst um mich herum die Leute … nun, für mich eher schwierig waren, tat meiner Begeisterung keinen Abbruch. Ronan interagierte wieder sehr viel mit den Fans recht weit vorne, kümmerte sich dort um jeden – dass das hinten nicht so gut kam, ist mir klar, aber vorne war es einfach geil. Wenn Ronan damit befasst war, etwas zu erzählen während eines Songs, übernahmen die Fans vorne die Lyrics, aus vollstem Halse, und ich war mitten darunter. Besonders ging es natürlich ab durch die Ankündigung, dass VNV im kommenden Jahr eine neue Tour machen werden … was bedeutet das? Neues Album, genau! Das befeuert natürlich alle Euphorie! Dazu kamen Lieder, die nicht so oft gespielt werden – oder zumindest auf den letzten VNV Konzerten, auf denen ich war, nicht so oft kamen: Sentinel, Off Screen und Epicentre, die ich extrem liebe, dazu aus „Automatic Empires“ heißgeliebt: Resolution, Gratitude und Standing. Es war eine Hammer-Show, auch weil Ronan: Einen Rollifahrer in die erste Reihe brachte, in dem er die Fans zum Bilden einer Gasse animierte, mit dem Einhorn Johannes und dessen Besitzer interagierte und einem Fan, der Standing noch nicht kannte, das Lied höflich ans Herz legte. Es gab lustige Momente und tolle, und bei Illusion vergoss ich viele Tränen. Dazu gab’s Sternenhimmel bei Nova, und ich erinnerte mich mit Begeisterung an das Amphi vor zwei Jahren, als in der Lanxess-Arena bei VNV der Nova-Sternenhimmel mit Handytaschenlampen das erste Mal so richtig zündete.

Am zweiten Festival-Tag lernte ich den Strand des Amphi kennen und lag auf einer Liege im Sand, sehr chillig – dazu kaufte ich ein neues VNV Shirt und einen Zipfel-Bolero. Aber dann ging’s auch schon vor allem um die Bands …

Stahlmann sah ich von ferne, aus nettem Kontakt mit Bekannten heraus, aber ich musste natürlich auch anmerken, dass mein Ehemann ebenfalls Stahlmann heißt. Die Musik dürfte ihm besser gefallen als mir, aber lustig war’s. Das Ich habe ich mir geschenkt, die mag ich nicht, und ich weiß auch immer besser, dass das nicht mehr besser wird. Dann jedoch ging es an Hocico … und da ging es richtig ordentlich zur Sache. Von direkt vor dem Mischpult genoss ich eine Show, die kraftvoll, beeindruckend und total heftig war, eine Show, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Ich kenne Hocico nur vom Tanzen in der Disco und war vom Zusammenspiel der Show, der Präsenz auf der Bühne und der Musik in ihrer Brachialität beeindruckt und begeistert. Zwischendrin gab es noch einen Regenguss, der das Konzert nur um so mehr unterstrich. Danach bei Combichrist war ich vor allem regelrecht trunken von der intensiven Stimmung, da Combichrist nicht so ganz mein Fall ist, die Stimmung aber definitiv gewaltigen Spaß lief. Und dann Apop …

… und dann Apop! Aber sowas von! Bei Apoptygma Berzerk wollte der Funke bei mir noch nicht so recht überspringen. In This Together mag ich zwar, aber irgendwie ist Apop für mich ältere, elektronischere Musik. Spätestens bei Eclipse in gitarrenlastig merkte ich, wie mich Apop einsaugte, und dann kam Non-Stop Violence in elektronisch! Bei mir brachen alle Dämme, ich brüllte den Text heraus, war nur noch Tanzen, Klatschen, Mitsingen. Das setzte sich fort – zu meiner Freude gab es eben nicht nur Starsign und Eclipse, sondern auch – und das dann in elektronisch – Kathy’s Song und Deep Red! Dann allerdings, egal, ob’s ein Cover oder nicht, völlig wurscht, bei Major Tom gab es kein Halten mehr. Völlig euphorisch bin ich wohl allen auf den Wecker gegangen, aber auch rückblickend brauchte dieses Mal VNV meinen Fan-Bonus, um mein Highlight zu sein – wenn ich den weggelassen hätte, mit Eclipse statt in Gitarre auch noch in elektronisch sogar ohne VNV-Fan-Bonus wäre Apop dieses Jahr mein Highlight gewesen. Was eine geile Show!

Kurz gesagt: Ein gelungenes Festival, das mich total in seinen Bann gezogen hat und nach dem ich in kosmologischen Einheiten eine Rotverschiebung von ungefähr z=3 von meinem Alltag entfernt bin!

Leidenschaft ist – äh, wäre …

Leidenschaft ist es, im Urlaub, nach einem Festival, im Wissen „Du bist nicht erkältet heiser, Du hast Dir nur die Seele aus dem Leib gesungen bei Apoptygma Berzerk“ trotz strömenden Regens laufen zu gehen.

Ja, den Satz unterschreibe ich. Ob es Leidenschaft ist, den strömenden Regen erst zu bemerken, wenn man unten schon aus dem Hotel raus ist und man dann zu faul ist, wieder hoch zu laufen, steht auf einem anderen Blatt. Ich jedenfalls stellte fest: „Mist, es regnet.“ Dann habe ich mir überlegt, ob ich jetzt die zwei Treppen wieder hoch gehe, die Laufsachen ausziehe und einfach so dusche. Ich habe aber dann doch an meinem Plan festgehalten. Kalt war’s nur die ersten paar Meter, dann wurde es besser. Nass war’s den ganzen Lauf über. Die heiße Dusche danach war göttlich, und nun waren Laufshirt und Sport-BH schonmal nass, da konnte ich sie ein bisschen ausspülen und mache sie nachher mit dem Föhn reisetrocken.

Aber diese Leidenschaft, wissentlich in den strömenden Regen zu springen, um zu laufen, war es nun eben doch nicht.