Universal-Übersetzer und Namen

Ich muss gestehen, ich bin irritiert. Mein Mann liest mir ja Perry Rhodan vor, und da gab es heute eine Szene, die mich zum Nachdenken gebracht hat. „Heute“ ist dabei natürlich relativ. Wir sind derzeit in einem der Silberbände, es geht um die Herren der kleinen Magellan’schen Wolke. Aber zur Sache:

Die Terraner unter Perry Rhodan besitzen Universalübersetzer, die aus einigen Worten eine erste Bedeutung herauslesen und das Ganze dann immer weiter verfeinern, um von fremden Sprachen ins bei den Terranern gebräuchliche Interkosmo zu übersetzen und umgekehrt. So weit, so klar. Das gibt’s ja mit verschiedenen Erklärungen, wie es funktioniere, in vielen SciFi-Welten. Dass sich die Geräte aus den Sprachmustern der anderen deren Sprache erarbeiten, mag vereinfacht sein – und somit besser funktionieren, als es nach dem gegebenen Prinzip funktionieren könnte – dafür ist es ja Fiktion. Gerade bei sehr fremden Sprachen oder gar sehr fremden Kommunikations-Konzepten, die eventuell über elektromagnetische Wellen, Gesten, Infra- oder Ultraschall funktionieren, wird das Wirkprinzip einer solchen Maschine klar: Sie erfasst Konzepte, Begriffe, Beschreibungen und überträgt sie in eine andere Sprache. Aus meiner Sicht kann eine solche Maschine z.B. das Wort „Inuit“ nur mit „Menschen“ übersetzen, oder mit „Volk der Menschen“, wenn es als Sammel- und Oberbegriff für die Volksgruppe benutzt wird. Bei einer Maschine, die so übersetzen lernt und dann adaptiv besser werdend übersetzt, wird man nicht Lehnwörter aus der anderen Sprache übernehmen, denn die Maschine ist ja gerade auch für das Übersetzen gedacht, wenn die Kommunikations-Formen ohne zwischengeschaltete Maschine inkompatibel sind, egal wie sehr der Sprachapparat der Menschen sich verbiegt.

Warum nun gibt es in Silberband 44 „Alarm für die Galaxis“ bei Perry Rhodan die „Baranos“, die in menschlicher Sprache nicht „Ansiktos“ genannt werden wollen? Da sich die Baranos in Ultraschall unterhalten, übersetzt der Universalübersetzer die Eigenbezeichnung der Baranos für sich in ihrer Ultraschall-Sprache erstmal intern in „Eigenbezeichnung der Wesen, deren Rede ich gerade übersetze“ und verbindet das dann mit einem menschlichen Begriff in Interkosmo, das in Perry Rhodan praktischerweise mit Deutsch modelliert wird. Ob unsere Freunde nun Ansiktos oder Baranos genannt werden, in der Kommunikation zwischen den Menschen und dem Übersetzer, ist völlig egal. In der Sprache der Baranos wird der Universalübersetzer das Ultraschallsprachen-„Wort“ der Baranos verwenden, das diese selbst benutzen. Ob die Menschen nun „Ansiktos“ oder „Baranos“ oder „Werauchimmeros“ sagen, ist mit der (dank Schall-zu-Ultraschall-Konversion unverzichtbar) zwischengeschalteten, auf abstrakte Begriffe als Zwischenebene reduzierenden Übersetzereinheit völlig unerheblich – die Baranos merken es nicht mal.

Natürlich ist diese Logik-(ich sage bewusst nicht: Realismus-)Fehler einem Konzept geschuldet, das in der Kommunikation zwischen Menschen und anderen, anderssprachigen Menschen immer wieder vorkam. Wir eignen uns einzelne Worte als Lehnworte an, insbesondere auch Eigenbezeichnungen anderer Ethnien. Das geht, weil unsere Stimmbänder, Zungen, Lippen und Ohren kompatibel, von einer Spezies sind. Bei inkompatiblen Kommunikationsformen muss der Übersetzer auf eine abstrakte Zwischenebene – und damit entfällt das Konzept der Lehnworte. Einzig Assoziationen und Doppeldeutigkeiten können noch zu Problemen führen, wie zum Beispiel im Deutschen das Wort „Bitte!“ vieles bedeuten kann, das im Englischen zum Beispiel eigene Worte besitzt: „Please!“ und „You’re welcome!“ wären Beispiele. Wenn die Übersetzungsmaschine das nicht voll auf die Reihe bekommt und/oder Doppeldeutigkeiten mit übersetzt, die in der anderen Sprache gar nicht gehen oder missverständlich sind, kann es zu Konflikten kommen. Bei Phantasie-Namen ohne offensichtlichen Bezug zu anderen Begriffen – wie Baranos oder Ansiktos – halte ich das jedoch für unwahrscheinlich.

Aber vermutlich bin ich spitzfindig oder übersehe etwas.