[KuK] „Mein lieber [Gott], sind Sie schnell!“

Das Obige – unter im Süddeutschen durchaus üblicher Weglassung des Wortes „Gott“ – sagte eben ein Radfahrer zu mir. Woher er das wusste? Nun, er hat es gesehen.

Von meiner letzten Trainingsrunde vor dem Halbmarathon am Samstag war ich bereits fast wieder zuhause, insgesamt waren es knapp zwölf Kilometer. Es fühlte sich alles gut an, also ließ ich es laufen – und ich war bereits etwa achthundert Meter vor Zuhause, als von rechts aus dem Waldweg besagter Radfahrer auf die Straße am Waldrand einbog und seinen Fahrweg neben mir einschwenkte. Allerdings waren wir nur ein paar Sekunden gleichauf, dann hielt er nicht mehr mit. Ich lag bei so um die vier Minuten pro Kilometer, also 15 Stundenkilometern. Die hielt ich bis zuhause durch, ich hatte mir ja bewusst eine Steigerung gegönnt, weil es so angenehm war, am warmen Abend zu laufen. Als ich dann meine Uhr auf Pause stellte, die Aktivität beendete und mich anschickte, meinen Schlüssel herauszuholen, fuhr der Radfahrer an mir vorbei.

„Mei lieber, sin‘ sie schnell!“

Hmm. Ja. Scheint so.

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Aktive Erholung

Heute beim Aufstehen merkte ich schon, dass meine Beine zwar den Campus Run noch spüren, aber langsam auch die Erholung einsetzt. Ich spürte ganz deutlich das Verlangen nach etwas Bewegung, also gab ich mir morgens eine Stunde, ob das Bedürfnis wieder abklingt oder ob es nachhaltig war. Es blieb.

Also zog ich mich an, nahm den Pulsgurt um die Brust, wechselte die Batterie im Bluetooth-Gerät, zog meine Fivefingers an. Da war es denn neun Uhr – mein Mann stand gerade auf, um auf Toilette zu gehen, er verabschiedete mich dann noch. Wir flachsten rum, er sei extra aufgestanden, um mich zum Laufen zu verabschieden. Dann ging es los. Es war etwas frisch, also zog ich unterwegs, ohne dass ich das Laufen einstellte, meinen Handyhalter ab, löste den um die Hüften gebundenen Sport-Pullover in herrlichem Pink und zog ihn über. Der Gedanke kam mir, dass es toll sei, was ich mittlerweile alles im Laufen, ohne stehen bleiben zu müssen, zu tun in der Lage bin. Freilich, ich war nicht unmäßig schnell, das wollte ich auch gar nicht sein nach der Leistung, die ich Donnerstag gebracht hatte. Ich wollte erholend laufen, voll aerob, im unteren Bereich dessen bevorzugt. Und es lief. Es war super, es fühlte sich an, als könnte ich ewig so weiter laufen. Hätte ich vermutlich auch können – 6:50/km, 142bpm, Grinsen im Gesicht. Sonne und Wolken wechselten sich ab, leichter, angenehmer Wind blies – nicht dieser ätzende Gegenwind, der mir auf der oberen Hardt normalerweise entgegenschlägt, sondern immer mal ein bisschen Wind, aber keine Wand aus Luft. Als ich die letzten zwei Kilometer meiner „üblichen“ zehn Kilometer über die obere Hardt vollendet hatte, hatte ich einfach keine Lust, schon nach Hause zu laufen. Also lief ich nicht in Richtung Zuhause, sondern folgte weiter der Straße im Wohngebiet, entlang der Bahnlinie. Beim Edeka im Dorf hätte ich für 11,2km abbiegen können, aber ich hatte noch immer keine Lust, das Tempo, der Herzschlag, die gute Laune, sie blieben, sie hielten, alles war, als könnte, wollte, würde ich ewig so weiterlaufen. In meinem Kopf rechnete es schon, was beim ewig so weiter Laufen am Ende des Tages herausgekommen wäre – 6:50/km, das wäre Marathon in 4:50:00. Klar, irgendwann würde der Mann mit dem Hammer vorbeikommen, wenn die Glykogen-Speicher leer wären, aber in entspannten 142bpm … blanke Theorie. Gute-Laune-Lauf-Spinnereien! Bevor ich mich versah, war ich im Nachbarort, da die Baustelle auf dem Sträßchen an der Bahn entlang nicht mehr da ist. Dort lief ich bis zum Hundezüchter-Verein, durch den Wald nach Hause und fühlte mich immer noch frisch. Gesteigert habe ich dennoch nicht, aber dafür, dass es 15km mit 6:50/km vor dem Frühstück waren, also de facto nüchtern, muss ich sagen, fühlte ich mich GRANDIOS!

Es war schlicht ein Genuss, und meine Beine fühlten sich danach frischer an als zuvor. Recht kräftig zugeschlagen habe ich beim Frühstücken dennoch, aber hey, schließlich verkündete mir mein Tracker auch, dass ich elfhundert Kilokalorien verbrannt hatte während meines Laufs. So gesehen: 12km-Lauf geschafft, kurz davon erholt, nun beginnt das Ausdauer-Training für den Halbmarathon im September. Läuft!

Guter Weg?

Heute morgen war – da ich für den Tag der Wissenschaften am vergangenen Samstag einen Ausgleichstag genommen habe – Zeit für ein vorletztes Training für den Campus Run. Nun wollte ich wissen, wie sich alles ausgewirkt hat und ein letztes Mal auf Tempo trainieren …

Tja. Wie soll ich sagen: Ich habe meinen Geschwindigkeitsrekord, meinen Rekord auf 10km und meinen Rekord auf 5km gebrochen. Alle diese Rekorde stammten vom Campus Run 2014, also von vor drei Jahren. Ich war zwar im Mittel der 12km noch nicht schneller als eine Stunde, aber eben doch deutlich schneller als vor drei Jahren. Nun frage ich mich: Habe ich es aus Übermut eine Woche vor dem Lauf überzogen? Ich bin zwar bisher mit den Steigerungen nach Gefühl ganz gut gefahren, andererseits weiß ich auch, dass ich vor einem Wettkampf anders agieren sollte als im normalen Training.

Ich werde sehen, was dabei rauskommt – unweigerlich. Wenn die Steigerung der letzten acht Wochen, mit den jeweiligen Ruhe- und weniger schnellen Phasen zum festigen dazwischen, so anhält, dann wird es mit den 12km/h beim Campus Run klappen. Wenn ich es heute überzogen habe, dann nicht. Dann habe ich wenigstens etwas über’s Trainieren gelernt – zu wissen, wie’s nicht geht, ist oft genauso wichtig wie zu wissen, wie’s geht.

Steigerungslauf

In der Erinnerung an die Tatsache, dass Aderhold/Weigelt in ihrem Buch Laufen! schreiben, dass Steigerungsläufe stark formgebend sind, habe ich gestern Abend einen Steigerungslauf absolviert. Es waren 8,6km, meine übliche (kurze) Runde über die obere Hardt. Die ersten drei Kilometer habe ich mit 135bpm absolviert, um dann auf 155bpm die nächsten drei Kilometer durchzustarten und schließlich, nach sechs absolvierten Kilometern, für den Rest der Strecke alles zu geben, was noch im Tank drin war.

Nach dem vorgestrigen Tempodauerlauf und dem anstrengenden Arbeitstag war das natürlich nicht ganz so flott, wie es vielleicht hätte sein können, aber ich brauchte gestern Abend wieder etwas Bewegung und empfand das als richtig – der Körper wollte laufen, wollte sich schneller bewegen, wollte die Steigerung. Halten wollte der Körper das Tempo nur bis etwa 600 Meter vor Zuhause, aber den Rest habe ich dann doch noch durchgezogen. Ein Kilometer in der Zielgeschwindigkeit für nächste Woche Donnerstag war dabei: 4:54/km für Kilometer sieben.

Ich bin gespannt, wie mein Körper das Ganze umsetzt. Auf den Wettkampf hin sind nun in den verbleibenden sechs Tagen bis Sonntag noch drei Läufe vorgesehen – eine Ausdauer-Einheit, ein Tempodauerlauf oder Steigerungslauf und einmal Intervalltraining mit einen Kilometer langen schnellen Phasen. Dann werde ich bis Donnerstag den 13.07. regenerieren und schauen, was beim Campus Run passiert.

Sonntag – Kopfschmerztherapie

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Diesen Zettel habe meinem noch schlafenden Mann heute morgen auf seiner Maus hinterlassen und bin los, um die Schmerzen loszuwerden. Auf aktuellem Stand hat es fast geklappt. Allerdings bin ich – gemäß dem Prinzip „Viel hilft viel!“ verhältnismäßig schnell und trotzdem weit gelaufen. Im Endeffekt war es fast Wettkampflevel – aber es hat geholfen. Wenn jetzt die letzten Reste des Schmerzes sich nicht noch einmal aufbäumen, sondern das Weite suchen, so bald ich unter der Dusche war, ist alles gut.

Resultat war ein Lauf von 11,21 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 11,5km/h bzw. 5:12/km und einer – ziemlich hohen – mittleren Herzfrequenz von 168bpm. Es fühlte sich aber gut an und hat geholfen. Natürlich will ich nicht immer solche Aktionen innerhalb meines Trainings durchziehen – eigentlich sogar fast nie – aber wenn meine Kopfschmerzen behandelt werden müssen, sind die Alternativen: Leistung abrufen oder den Tag verlieren. Da breche ich doch lieber mal mit Trainingsplanvernunft, statt den Tag mit Kopfschmerzen, gegen die Tabletten nicht echt helfen, im Bett zu verbringen.

Lauf-Historie

Getriggert von einem dieser „Teile diese Erinnerung“-Dinger auf Facebook habe ich mal nachgeschaut, wie die letzte volle Mai-Woche in früheren Jahren aussah, die ich lauftechnisch aufgezeichnet habe. Das erwies sich durchaus als interessant …

Im Jahr 2014 waren’s in der letzten Mai-Woche 55 Kilometer, 2015 dann grade mal 13 gelaufene … im Jahr 2016 bin ich in der letzten Mai-Woche 43 Kilometer durch den Wald und über die Wiesen gelaufen. Dieses Jahr waren es 54 Kilometer in besagter Woche. Natürlich war das 2014 und 2017 jeweils noch durch einen Feiertag begünstigt. Interessant finde ich auch, dass ich im Referenzzeitraum 2014 ungefähr so schnell war wie in der vergangenen Woche, während ich 2015 und 2016 deutlich langsamer war. Das ist um so interessanter, da ich 2014 wie auch dieses Jahr jeweils Laufanfänger bei manchen der Einheiten dabei hatte und mich an deren Tempo orientiert habe – 2014 war das jeden Dienstag mit einer Kollegin, 2017 ist es zweimal die Woche mit meinem Mann. Das zieht natürlich die mittlere Geschwindigkeit der Woche runter – was gut ist, da es mich zu langsamen, regenerierenden Einheiten zwingt, die sonst vielleicht in der Lust am Tempo untergehen würden.

Bereits jetzt übertreffe ich dieses Jahr alle meine zuvor aufgezeichneten Laufjahre bis auf das Jahr 2014 in Anzahl der Aktivitäten, insgesamt beim Laufen verbrachter Zeit, insgesamt gelaufenen Kilometern und insgesamt überwundenen Höhenmetern. Anvisiert ist, dieses Jahr 600 Kilometer zu laufen, was ich ja schon beim Thema Strategische Faulheit erklärt habe. Dieses Ziel ist auch der Lauf-App erklärt und sie sagt mir, dass ich nur noch neun Kilometer jede Woche laufen müsste, um es zu erreichen. Natürlich will ich mich damit nicht begnügen – aber wenn ich so weitermache, wie das bisher läuft, werde ich ab Mitte August an „Bonus-Kilometern“ über mein Ziel hinaus arbeiten.

Was ich noch nicht sehe, ist ein Übertreffen meiner Rekorde in Sachen Tempo aus dem Jahr 2014. In jenem Jahr habe ich in einem Wettkampf über zwölf Kilometer Strecke so ziemlich alle Rekorde der Laufkategorie aufgestellt, die meine Lauf-App zum Motivieren ihrer Nutzer aufzeichnet: schnellster Kilometer mit 4:21, schnellste zehn Kilometer mit 51 Minuten und natürlich auch alles zwischendrin – und meiste Höhenmeter in einem Lauf genauso. Nur die Rekorde „längster Lauf“, „weitester Lauf“ und „schnellster Halbmarathon“ waren natürlich nicht dabei, denn es waren ja „nur“ zwölf Kilometer – und volle Marathondistanz am Stück bin ich noch nie gelaufen. Dieses Jahr war mein schnellster Lauf 5:37/km auf 8,66km Distanz, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Dieser schnelle Lauf ist auch wieder ein bisschen her, denn seit dem war ich vernünftig und habe im Training Einheiten im aeroben Bereich absolviert, manchmal mit Ausflügen ein bisschen nach oben, dazu ein paar echt regenerative Läufe – zwischendrin Intervalltraining. Dennoch ist eine Entwicklung sichtbar: Im Moment geht bei gleicher Geschwindigkeit der Puls runter und bei gleichem Puls die Geschwindigkeit hoch. Nicht streng monoton steigend, nichtmal im mathematischen Sinne stetig, aber eben doch mit einer klaren Tendenz, auf der halt tagesformabhängige Streuung drauf liegt.

Die Woche vor Pfingsten – diese Woche, wenn dieser Beitrag online geht – ist ja eine „lange“ Arbeitswoche vor zwei kurzen. In den beiden kurzen wird wahrscheinlich wieder einiges an Laufen bei mir passieren – ich bin sehr gespannt, wie sich dann die Leistung und auch das Gewicht entwickeln werden.

In Laufgeschwindigkeit spazieren gehen …

… das habe ich gestern gemacht, als ich in der Sauna war. Na ja, wenn man es genau nimmt, habe ich das vorher gemacht. Nachdem ich unseren Spaziergang am Feiertag getrackt hatte und als Gehen gelabelt hatte, hatte ich meine Runtastic-App noch nicht wieder auf Laufen umgestellt. Prompt hagelte es Lob aus dem Äther – ich sei so schnell spazieren gegangen wie nie, neuer Rekord, Bla-Bla!

Nachdem ich meine Scherze darüber getrieben habe, ich sei mit einem Schnitt von 8:10/km spazieren gegangen, fühlte sich eine Freundin noch herausgefordert, ihr 8:00/km beim Laufen zu verteidigen. Dabei wollte ich nur meinen eigenen Fehler zur Belustigung preisgeben – aber sie meinte das auch nicht ernst. Ich weiß, dass wenn man mit dem Laufen anfängt, selbst wenn man anderen Sport zuvor getrieben hat und parallel treibt, die Geschwindigkeit erst mit der Zeit kommt. Ich würde mich nie einfach so über das Tempo anderer lustig machen. Über Angeberei, hinter der dann nichts steckt, vielleicht schon. Das ist was Anderes. Aber wer läuft, hat meinen Respekt – egal, wie schnell, ob in der Komfortzone oder im Bereich der ordentlichen Steigerung.

Das Problem ließ sich auch innerhalb der Handy-App nicht lösen: Ich konnte das „Gehen“ nicht antatschen, um es in ein „Laufen“ zu verwandeln. Zuhause dann ging es aber, und nun prangt ein Lauf-Icon neben der Aktivität, ich habe doch keine neuen Rekorde und bin glücklich darüber.