Winterlaufserie Rheinzabern – Zehner

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Eigentlich… ja, eigentlich hatte ich mich für die Winterlaufserie in Rheinzabern ganz bewusst entschieden. Sowas strukturiert den Aufbau in Richtung der Marathonvorbereitung für das späte Frühjahr. Ein Zehner im Dezember, ein Fünfzehner im Januar, ein Zwanziger im Februar. Standortbestimmungen, Tempodauerläufe, Wettkampffeeling für aktuelle Erfahrung mit Wettkampfatmosphäre einerseits und Motivation andererseits. Mit dem Herbstlauf in Ötigheim gibt’s dann noch eine Erweiterung: Fünfer, sechs Wochen, Zehner, vier Wochen, Fünfzehner, vier Wochen, Zwanziger.

Die letzten paar Wochen waren aber, wie heute morgen gepostet, echt schwierig, was die Motivation anging. Vielleicht sind sechs Wochen nach dem Herbstlauf auch einfach zu lang. 15 Mal 600 Meter im Zehner- oder besser im Fünfer-Renntempo? Tempofixierung mit sechs Mal 1000 Meter im Zehnerrenntempo? Tolle Vorbereitungselemente für einen Zehner, wenn man sie macht. Ich hatte keine Lust, keine Motivation, keine Energie. Ich wollte nicht, ich machte sie nicht. Ich hatte schon überlegt, den Zehner wegen glatter Straßen, Kälte und keine Lust sausen zu lassen. Ich-ich-ich… wie mein Laufpartner Michael F. heute auf seinem Shirt stehen hatte: „Das Mimimi stark in Dir ist!“

Dann die Wende: Ich lese ein letztes Mal die Teilnehmerliste, am Vorabend des Wettkampfs. Da stehen Merle Brunnée drin, und Sabrina Mockenhaupt-Gregor… Sabrina Mockenhaupt-Gregor? W40? Ahhhhhhh… mit Mocki auf dem Podium stehen, hinter ihr auf die Plätze zu laufen, wenn das mal kein Antrieb ist… ich war völlig aus dem Häuschen, nervös, vorfreudig, begeistert, ängstlich: Schaffe ich das überhaupt, in Rheinzabern, wo die schnellen Leute laufen, bei Anwesenheit einer vielfachen deutschen Meisterin auf das Altersklassenpodium? Bin ich zu schlecht? Ich muss es mindestens versuchen!

Tja, Wechselbad der Gefühle und am Ende stand ich doch wieder mit richtiger Wettkampfstimmung, leichtem Druck, großer Nervosität und mächtiger Vorfreude an der Startlinie. Nach kurzer Inspektion der Zielgeraden und der Versicherung des Veranstalters hatte ich mich dafür entschieden, nicht auf Trailschuhen (Altra Lone Peak) zu laufen, auch nicht auf meinen Marathon-erprobten leichten Lieblingsschuhen (Altra Escalante Racer), sondern auf Carbon… Altra Vanish Carbon! Direkt am Anfang variierte meine Stimmung zwischen „Ist das schei… mistig kalt!“ und „Das ist zu schnell!“ und „Viel zu langsam, du strengst dich ja gar nicht an.“ Als Grundrauschen war’s noch dazu wohl dem Next Gen Stryd zu kalt, auf dem ersten Kilometer detachte er sich dreimal von Uhr, bevor er dann zuverlässig funktionierte. Ich checkte dann bei Kilometer drei mal die bis dahin absolvierte „Runde“: ca. 30-50 Meter weniger auf der Uhr angezeigt, als die Kilometermarkierung, durchschnittliche Pace bis hierhin: 3:59/km. Yeah. Weg mit all den Zweifeln, das läuft! Wenn nur die Hände nicht so absurd kalt wären, trotz Handschuhen!

Das wurde dann besser, bei Kilometer sechs. Ich hing zwischen ein paar keuchenden Männern in einer Gruppe aus vier Frauen – eine recht jung, eine wuschelig lockige von der LG Region Karlsruhe, eine weitere – und ich. Regelmäßig die kalte Luft tief einsaugend, die meiste Zeit sehr sicher, dass die weichen, sich schnell abreibenden, aber anschmiegsamen Sohlen meiner Altra Vanish Carbon das fies heftige Drehmoment durch den mit Carbon-Platte verlängerten Hebel zuverlässig auf den weitgehend trockenen, kalten Asphalt brachten, weiterhin voll auf Kurs für ca. 40 Minuten auf zehn Kilometer. An Platzierung, an Sabrina Mockenhaupt-Gregor, an Podium dachte ich da nicht mehr. Ich war im Flow. Es lief, wie von allein, nicht zu schwer, aber auch eigentlich fluffig-leicht. Runner’s High, das pure Glück in der Leichtigkeit eines schnellen Laufes, der sich gar nicht mehr so schnell anfühlt.

Auf der Wendepunktstrecke, am Ziel vorbei, Richtung Jockgrim und dann wieder zurück, noch immer genau auf dem Strich knapp unter 4:00/km, fragte ich mich: „Musst’de dich nochmal strecken, um unter 40 zu bleiben? Aber selbst wenn, lohnt. Unter 40 is’n Ding!“ Dann sah ich Sophia Kaiser auf der anderen Fahrbahnseite, die schon wieder Richtung Rheinzabern unterwegs war, freute mich – dann droppte schlagartig die lockige LG-Region-Läuferin vor mir raus. Eben war sie noch mit zuverlässigen 4:00/km unterwegs, wie ein Uhrwerk, plötzlich langsamer – ich lief vorbei: „Das war zu leicht…“, wende mich um: Sie ging nur noch! Oh schade für sie, aber mein Tempogefühl trügte nicht, ich überpacte nicht aus Übermut! Dann war ich voll im Tunnel, irgendjemand brüllte mir Anfeuerung zu, keine Ahnung, wer, wie im Flug vergingen die letzten 1500 Meter – und dann runter, durch die Radwegunterführung und hoch zum Ziel… 39:42 steht über dem Ziel! Bruno vom Oberwald parkrun ist da, feuert mich an, 39:49 und die Sekunden ticken.

Und dann war ich im Ziel! Emma Simpson-Dore war da, war ein Stück schneller gewesen, ich gratulierte ihr, erinnerte mich, sie auch auf der Wendepunktstrecke im Gegenverkehr gesehen zu haben. Holte Tee… 39:55. Neununddreißigfünfundfünfzig, Platz 1 W40 sagte mein Mann! Mocki war nicht da, erkältet, hatte er gelesen. „Egal, hat sie mich aus der Ferne motiviert!“

Etwas später sagte ich dann noch: „Die Motiv-Säure ist wieder dissoziiert… es gibt wieder Motivat-Ion!“ Dummer Witz, freilich, aber hey: Wenn man gerade gelaufen ist, verzeihen sie einem sogar MEINE Sprüche. Dann gab’s erstmal Kaffee und was zu futtern, Rindswürstchen wie immer in Rheinzabern, treffen und grüßen mit vielen Leuten, Siegerehrung.

Nun sitze ich hier und freue mich. Mag sein, dass die letzten paar Wochen schwierig waren in Motivation und Wetter. Aber ich kann’s noch. Das Läuferleben ist schön!

31. Badische Meile

Nachdem die Badische Meile nun pandemiebedingt eine Weile nicht stattfinden konnte, wurde sie dieses Jahr mit Rücknahme der Maßnahmen wieder durchgeführt. Freilich ist Corona noch nicht vorbei – aber zumindest war heute im Freien der UV-Index hoch. Daher mache ich mir nun nicht so sehr Sorgen, obwohl doch die Warnapp angeschlagen hat. Allerdings stelle ich mir die Frage: Jemand geht mit positivem Test in der Warnapp auf eine Veranstaltung? Muss das sein? Denn die Risikobegegnung in der App war heute, die Meldung natürlich auch heute.

Aber das nur am Rande. Selbstverständlich hatten wir in der Bahn unsere Masken auf – und auch korrekt auf, wie vorgeschrieben. Mit der Bahn sind wir nämlich zum Wettkampf gefahren. Dann hatte ich erstmal eine recht umfangreiche Phase, in der ich lauter Leute getroffen habe – mit Abstand, unter freiem Himmel, aber eine Menge lieber Leute, die ich aus den verschiedensten Anlässen und in den verschiedensten Umfeldern kennen gelernt habe. Für mich ging es nach zwei Gruppenfotos in den Favoritenblock, denn mit einer Zehn-Kilometer-Zeit unter 42 Minuten und einer Platzierung unter den ersten 250 der 30. Badischen Meile hatte ich Anrecht auf diesen Platz. So ganz langsam laufe ich ja auch nicht. Ich wollte eigentlich ganz vorsichtig mit ca. 4:15/km, eher 4:20/km angehen. Indes, so lief es nicht. Ich war prompt recht flott dabei, getragen von den tollen Altra Vanish Carbon. So richtig anstrengend fühlte es sich auch gar nicht an, und so zog ich einfach das Tempo weiter. Ich war einfach gut drauf – und dass ich nur noch sieben Kilometer zu bewältigen hatte, statt 40, als ich beim Zwei-Kilometer-Schild durchlief, ließ mich auch einfach denken: „Dann isses halt so!“

Tatsächlich wurde es dann ein bisschen anstrengender, aber dass ich mich in der Nähe einer anderen sehr starken Läuferin halten konnte und von meinem Vereinskollegen Nobse, der zu vielen Streckenpunkten skatete, meine aktuelle Position im Rennen und die Abstände nach vorne ansagen lassen konnte, beflügelte mich weiter. Zuerst lief ich an Position vier des Rennens der Damen, dann überholte noch eine zuerst mich, dann die starke Läuferin vor mir, so dass ich auf Position fünf abfiel. Aber die hielt ich dann auch – bei Kilometer acht kam dann die Schikane der Badischen Meile: Man läuft unter den Brücken des Bulacher Kreuzes hindurch, in Richtung Günter-Klotz-Anlage… sieht das Schild „Kilometer 8“ und denkt sich: Nun noch 900 Meter sanft den Berg hoch um das Europabad…

Bäääm! Nein, nicht geradeaus weiter, sondern scharf rechts den Hügel hoch, ziemlich steil sogar. Normal ist das nicht besonders schwer, aber nach acht schnellen Kilometern beißen diese sechs, sieben, acht Meter, die man auf knappen 200 Metern nach oben muss. Das pure Glück ist es, dass man danach nur noch runter und ins Stadion muss:

Am Ende lief ich mit einer Nettozeit von 34:12 als fünfte Frau und 67. Finisher durch das Ziel. Ein Ergebnis, das sich absolut sehen lassen kann! Ich fühle mich auch immer noch stark, kein Ziehen in den Beinen, kein zerschlagenes Gefühl, nicht das Gefühl, heute wirklich alles rausgehauen zu haben – im Gegenteil, eher angeregt. Dementsprechend geht es jetzt in die erholende letzte Woche vor dem Marathon.

Nach dem Lauf gab’s dann noch Gratulation an alle anderen, ein Faust-auf-Faust mit der auf Platz vier gelandeten Frau, und viele nette Gespräche auf der weiten Wiese des Stadions, vor allem vor dem Stand des rennwerks, das heute sieben Jahre alt wurde. Die Altra Vanish Carbon hatten sicher ihren Anteil daran, dass ich trotz verhältnismäßig wenig angespanntem Lauf an der Schwelle mit einem Tempo von 3:52/km durchlaufen konnte.

Und so konnte ich heute meinen letzten Tempodauerlauf vor dem Marathon als Wettkampf mit tollem Ergebnis laufen und die Sonne genießen! Nun geht’s in die letzte Woche mit Erholung und dann schauen wir mal, was auf die volle Distanz drin ist.

Ich wusste gar nicht…

…dass meine Uhr das kann!

Screenshot aus dem Webinterface von Garmin Connect.

Ein wenig verblüfft sah ich nach meinem Training gestern einen neuen Bildschirm auf meiner Trainingszusammenfassung auf der Garmin Fénix: Ich bekam angezeigt, dass meine Laktatschwelle gemessen worden sei, meine Fénix sieht diese in dieser einen Messung bei einem Puls von 169 Schlägen in der Minute und einem Tempo von 4:58 pro Kilometer. Vermutlich hängt das damit zusammen, dass ich erstens recht intensives Training durchführte und zweitens nicht nur die Pulsmessung am Handgelenk, sondern auch meinen Pulsgurt HRM tri, ebenfalls von Garmin anhatte.

Das Training gestern war auch ganz schön heftig. Da ich beim Rennradfahren zur Arbeit am Dienstag und Mittwoch festgestellt hatte, dass meine Pulsmessung am Handgelenk mit der Fénix beim Mountainbike-Fahren super, beim Rennradfahren jedoch eher nicht gut funktioniert, benutzte ich einen Pulsgurt – sowohl am Dienstag als auch beim gestrigen Training. Das war auch ein Kombi-Training: Erst stürmte ich 45 Minuten mit dem Rennrad so schnell durch die Gegend, wie ich noch nie zuvor gefahren bin – auch wenn das sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Danach lief ich 30 Minuten mit Druck, aber nicht am Maximum durch die Gegend.

Ich bin sehr gespannt, unter welchen Bedingungen ich wieder eine solche Messung der Laktatschwelle bekommen werde. Jedenfalls werde ich den Pulsgurt nicht immer anziehen. Meine Erinnerung an die Probleme mit nässenden Hautreizungen unter den Kontakten des Brustgurtes durch Brustgurttragen bei jeder Laufaktivität sind mir sehr gut in Erinnerung. Aber gerade bei Intervalltrainings und Tempodauerläufen werde ich das weiterhin tun.

So sahen mein Tempo, meine Herzfrequenz und meine Schrittfrequenz bei dem Lauf aus, der mir eine Messung der Laktatschwelle bescherte.

Countdown [5]: Die Tempoauswahl

Einfach laufen, haben sie gesagt.

Lauf einfach dein Tempo, haben sie gesagt.

So weit, so gut. Aber ein Marathon geht über 42,195 Kilometer und das sind verdammt viele Kilometer, um sich über die eigene Ausdauer zu verkalkulieren. Beim Zehner, inzwischen auch beim Halbmarathon fühle ich mich ziemlich sicher. Ich laufe einfach mal mein Tempo los, lasse mich noch ein bisschen vom Sog des Starts mitreißen und gucke, dass ich das Tempo bis ins Ziel halte. So einfach ist das, tatsächlich, mit Erfahrung auf der Strecke und ein bisschen Körpergefühl, das man im Training entwickelt. Der eine Marathon, den ich schon gelaufen bin, reicht aber nicht als Erfahrungsschatz aus, um sich einfach so treiben zu lassen – zumal es a) der erste war und b) ich dabei mörderische Kopfschmerzen hatte, so dass vieles anders lief als es hätte laufen können. Da ging es mir auch viel dreckiger als vergangenen Donnerstag.

Einen Gutteil meines Umfeldes habe ich nun kirre gemacht mit der Frage: „Welches Tempo laufe ich an?“ Die Marathon-Cracks sagten mir, wenn man zu langsam losläuft, ist es verdammt schwer, in der zweiten Hälfte nochmal anzuziehen. Der große Einbruch bei über 30 Kilometern hat aber auch schon sehr viele erwischt. So habe ich mir all das angehört, an vielen Stellen gefragt, die Erfahrungsberichte mit auf meine langen Läufe genommen und versucht, zu erfühlen, was davon für mich gilt. Ob das alles so klappt, beim Marathon selbst, kann ich natürlich noch nicht sagen. Aber ich habe zumindest ein Gefühl, was gehen kann und was nicht. Klar, über die lange Strecke kann sich einiges ändern, aber auch dafür habe ich mich gedanklich gewappnet.

Also werde ich das Rennen mit einem Tempo von 4:45 pro Kilometer angehen. Wenn ich das bis zum Ende durchhalte, werden 3:20:30 auf der Uhr stehen, wenn ich unter dem Zielbogen durchlaufe. Da man erfahrungsgemäß immer ein bisschen schneller läuft als die angesagte Geschwindigkeit, wird’s auf 3:20 oder knapp darunter herauslaufen, wenn alles klappt. 4:45/km ist auch eine Zeit, die ich mindestens auf einem Halbmarathon gut durchlaufen kann, ohne dass es zu anstrengend wird. Somit habe ich alle Möglichkeiten, bei halber Strecke zu evaluieren, ob ich etwas beschleunige oder etwas bremse – oder einfach weiter laufe.

Der grobe Plan. Feinanpassung der Optionen kommt dann im Rennverlauf.

Die ganze intellektuelle Turnerei mit dem Tempo könnte ich mir vielleicht sparen, wenn ich mehr Erfahrung hätte. Nur aus Trainingsleistungen zu rechnen, das wäre auch nicht passend. Aber so habe ich wohl die richtige Mischung aus Plan und der Möglichkeit zur Adaption.

Fazit: KW07 gelaufen

Letzte Woche habe ich das Fazit der Woche ja im Bericht von der Winterlaufserie in Rheinzabern versteckt. Da kamen auch nur 50 Kilometer zusammen, von denen zwanzig im Wettkampf absolviert wurden. Diese Woche war – theoretisch – die Regeneration nach dem Wettkampf, aber das äußerte sich vor allem in einem etwas langsameren Wochenbeginn. Mitte der Woche war ich schon wieder so weit da, dass es weiter ging mit dem Training.

Wie im quasi „Trainingsplan“ vorgesehen, war ein hartes Intervalltraining dabei, mehrere Läufe verschiedenen Tempos im Bereich zwischen sechs und elf Kilometern – und am Ende der Woche nochmal ein langer Lauf mit erstmals dieses Jahr über dreißig Kilometern. Der gute Trainingsstand dieses Jahr wurde auch durchaus spürbar … aber der Reihe nach:

  • Montag: Pause.
  • Dienstag: Langsamer Lauf mit den Kollegen über Mittag, langsamer Lauf mit meinem Mann am Abend mit einer immer noch langsamen, aber doch etwas flotteren Extrarunde hintenan.
  • Mittwoch: Lauftreff bei der Arbeit – allerdings allein, da etliche Gruppen unterwegs waren, aber nicht beim Lauftreff-Treffpunkt auftauchten.
  • Donnerstag: Pause.
  • Freitag: Elf flotte Kilometer in der Mittagspause, abends vier für meinen Mann schnelle Kilometer einlaufen, dann acht mal achthundert Meter Intervalltraining.
  • Samstag: Pause.
  • Sonntag: Langer Lauf mit dem Lauftreff der LG Hardt – vor dem Lauftreff 13,5km allein, dann 1,5km mit zwei Lauftrefflern, am Schluss sehr flott, weil wir uns verkalkuliert hatten, danach 15km mit einem meiner üblichen Trainingspartner.

In Summe waren es 84,2km, kein Lauf über im Mittel 150bpm. Viel Masse, aber auch einiges an Klasse. Und wie oben gesagt: Der tolle Trainingszustand zeigt sich. Der Lauftreffler, der mich letztes Jahr noch ziemlich zog, kann aus verschiedenen Gründen dieses Jahr nicht so viel machen. Ich hatte heute bereits ein paar Kilometer mehr als er, am Schluss war aber ich die Lokomotive und er bekannte, er würde schon an seinem Schokoriegel essen und nur noch gehen, wenn ich ihn nicht ziehen würde. Das war bei meinem Kilometer 28 für heute. Es läuft, zur Zeit.

Ich darf damit rechnen, vor Ende des laufenden Monats noch auf über 500 Kilometer in diesem Jahr zu kommen. Lustigerweise habe ich noch einen anderen Punkt gefunden, in dem „Sport“ zunehmend in meinen Alltag einsickert, das hat aber weniger was mit Training oder Wettkampf zu tun – und nicht unbedingt mit Sport, den ich betreibe. Aber davon dann ein anderes Mal!

Schnee, Sintflut und Sturm – die Winterlaufserie

Am 16.12., am 13.01. und am heutigen 10.02. fand die 37. Winterlaufserie in Rheinzabern statt. Ich war das erste Mal dabei, und ich bin gleich alle drei Serienläufe mitgelaufen.

Im Dezember hatten wir Schnee – es war einer von vielleicht drei oder vier Tagen diesen Winter, an denen in der Rheinebene Schnee lag. Im Januar hat es geregnet, dass man dachte, ein Ozean platsche aus dem Himmel auf uns nieder. Nun gab’s den 20er mit Sturmböen – es war also alles Wetter, das den Winter charakterisiert, mal mit dabei. Nur eiskalte Sonne gab’s nicht, das ist jedoch schon in Ordnung. Ich laufe zwar weit lieber bei Wärme oder gar Hitze, aber im Winter nimmt man, was man kriegen kann. Ich hatte im Vorfeld so ein bisschen Bedenken, wegen der Sturmwarnung, aber in Rheinzabern kam es nicht so schlimm. Also packte ich gegen acht Uhr am Sonntagmorgen meinen Mann ein, der zum Anfeuern mitkommen wollte, und fuhr nach Rheinzabern. An der IGS Rheinzabern, die den Veranstaltungsort darstellt, bekamen wir noch einen Parkplatz auf dem Gelände. Eigentlich wäre ich ja gerne mit der Bahn hingefahren, aber da am Sonntag die S51 ab Albtalbahnhof nicht fährt, sondern nur die S52 mit einem Riesenschlenker durch die Stadt, hätte das noch viel früher Aufstehen erfordert, und das war mir dann doch zuviel des Guten. Ich holte meine Startnummer ab, traf Katja und Nobse von den Sport Löwen Baden und saß mit den beiden und meinem Mann zusammen noch herum. Wie meistens im Winter war ein wichtiges Thema, wie man sich für den Lauf anziehen solle. Um 10:05 ging es dann los – unter „The Final Countdown“ wurden die Läufer bereits gegen 9:50 dazu angehalten, zum Start zu schreiten. Die Strecke in Rheinzabern führt über einen Bahnübergang und der ist nunmal zu, wenn man wesentlich später als 10:05 startet.

Für mich ging es bereits schnell los – 4:20 zeigte die Uhr für den ersten Kilometer an, ich ordnete mich weiter nach vorne, suchte mir meinen Platz im Rennen und fand ihn noch nicht. Bei ungefähr zwei Kilometern überholte ich das wieder angetretene Pärchen aus einer sehbehinderten Läuferin, über die ich schon im Januar geschrieben habe, und ihrem Begleiter, um nicht auf dem wesentlich schmaleren Weg entweder hinter den beiden bleiben zu müssen oder ein Überholmanöver des Hazardeurs zu wagen. Das funktionierte so weit gut, ich fand aber immer noch nicht recht dort hin, wo ich eigentlich hin wollte: In die Umgebung von Leuten, die ungefähr mein Tempo liefen und als motivierende Umgebung fungieren sollten. Das ergab sich dann erst bei Kilometer vier: Zwei junge Damen von der LG Region Karlsruhe überholten zuerst mich und machten sich dann an das Überholen des Pulks, in dessen hinteren Rängen ich gerade lief. Ich heftete mich den beiden an die Fersen, die liefen so ein bisschen schneller als das Tempo, was ich allein für mich zu gehen in der Lage war. Mit einem Zugläufer – in diesem Falle zwei „Zugläuferinnen“ vor mir ging es gut. Bis Kilometer 10 flog die Strecke immer knapp hinter der kleinen braunhaarigen und der großen blonden Läuferin an mir vorbei, 4:15 bis 4:25 standen auf der Uhr, das Tempo blieb hoch. Bei der Hälfte der Strecke machten die beiden Damen etwas langsamer – sie zogen eine Kameradin von ihrem Verein noch ein bisschen an, die mit rotem Kopf und merklich ein bisschen vom Tempo überzogen nun langsam machen musste. Da überholte ich doch mal. Doch dann verabschiedeten sich die beiden von ihrer Kameradin und liefen ihr bisheriges Tempo weiter – ich heftete mich wieder dran. Bei Kilometer 15 überholte ich, noch immer an meiner „Lok“ aus den zwei schnelleren Damen, einen Kameraden von der LG Hardt, mit dem ich kurz Grüße tauschte und dann weiter lief. Beim Zehner und beim Fünfzehner war er schneller als ich – nun fürchtete ich mich, kurz vor dem Ziel von ihm wieder eingefangen zu werden. Indes, das geschah nicht. Bei Kilometer 17 zogen meine beiden Zugläuferinnen davon, sie hatten noch mehr Reserven als ich. Ich klebte mich einem Läufer der LSG Karlsruhe an die Fersen, dessen Tempo ich dann bis ins Ziel hielt – und mich nicht von Michael von der LG Hardt einholen ließ.

Zweimal feuerte Nobse mich quer über die Strecke hinweg an, als wir uns auf den Gegenverkehrs-Streckenabschnitten begegneten. Im Ziel feuerte ich ihn an, als er gerade reinkam. Wir applaudierten dann noch Katja, etwas später – und dann gab’s für mich Futter. Zwei Rindswürstchen und ein Wiener im Brötchen – ich hatte Hunger, und wie!

Am Ende des Laufes kam dann noch die Siegerehrung – für den dritten Platz bei den Damen zwischen 40 und 44 (Altersklasse W40) mit 1:27:30 gab’s eine Urkunde und einen Beutel mit fünf Packen Nudeln. Für den zweiten Platz der W40er in der Serienwertung (Zeitsumme aller drei Wettkämpfe, und nur für die, die an allen teilgenommen hatten) mit in Summe 3:19:39 gab’s einen Gutschein vom Sponsor Eichi’s Laufladen und eine weitere Urkunde.

Urkunden und Preise – fette Beute, kann man sagen. Oder vielleicht eher kohlenhydrat- und proteinreiche Beute …

Als persönliches Fazit muss ich sagen: Ich habe mein Tempo von 10er (4:31/km) über den 15er (4:28/km) auf den 20er (4:23/km) verbessert, obwohl die Wettkämpfe länger wurden. Dreimal hartes Intervalltraining in den vergangenen Wochen haben es ganz schön gebracht. Diese Woche liege ich allerdings nur bei etwas über 50 Kilometern, davon 20 im Wettkampf. Nächste Woche geht es hoffentlich weiter. Die Formkurve zeigt erfreulich deutlich nach oben, das hat die Winterlaufserie sehr deutlich gezeigt.

Fazit: KW4 gelaufen

Ich war nicht sicher, ob ich es anfangen will, ein Laufwochenfazit regelmäßig zu schreiben. Erstmal bin ich auch nicht sicher, ob es regelmäßig wird – aber heute fange ich es einfach mal an. Kann gut sein, dass es bald wieder nachlässt.

Montag hatte ich ein kurzes Entfrusten auf dem Laufband – nur 15 Minuten. Quasi nichts. Dienstag war ich mit dem Lauftreff meines Referats rund sieben Kilometer unterwegs, in einem 6:30er-Tempo, danach in einem Neuner-Tempo für vier Kilometer mit meinem Mann, an die ich noch weitere vier dranhängte, die dann eher in meinem Tempo liefen. Ich schätze das Laufen mit meinem Mann, auch wenn es natürlich deutlich langsamer ist, als ich das sonst so könnte. Aber: Gemeinsam ist toll, und Support für jemanden, der regelmäßig laufen will, ist sogar noch toller!

Mittwoch und Donnerstag gab es dann in der Mittagspause Läufe in halbwegs flott und knapp unter zehn Kilometer. Freitag wieder Intervalltraining nach Einlaufen mit meinem Mann, und Sonntag schließlich einen langen Lauf von knapp dreißig Kilometern.

Am Ende des Tages (äh, der Woche) gab’s vier Läufe mit einer breiten Variation an Tempo über zwischen fünf und zehn Kilometern, ein Intervalltraining und einen langen Lauf. In Summe sechs Läufe und 79 Kilometer, längster Lauf bei 29,5 Kilometern. Schnellste 800-Meter-Intervall bei 4:05 pro Kilometer. Klingt eher nach Marathonvorbereitung als nach Halbmarathon, aber das passt schon. Mir tat es schon immer gut, ein bisschen länger vorzubereiten, als ich dann im Wettbewerb laufe.

[KuK] „Mein lieber [Gott], sind Sie schnell!“

Das Obige – unter im Süddeutschen durchaus üblicher Weglassung des Wortes „Gott“ – sagte eben ein Radfahrer zu mir. Woher er das wusste? Nun, er hat es gesehen.

Von meiner letzten Trainingsrunde vor dem Halbmarathon am Samstag war ich bereits fast wieder zuhause, insgesamt waren es knapp zwölf Kilometer. Es fühlte sich alles gut an, also ließ ich es laufen – und ich war bereits etwa achthundert Meter vor Zuhause, als von rechts aus dem Waldweg besagter Radfahrer auf die Straße am Waldrand einbog und seinen Fahrweg neben mir einschwenkte. Allerdings waren wir nur ein paar Sekunden gleichauf, dann hielt er nicht mehr mit. Ich lag bei so um die vier Minuten pro Kilometer, also 15 Stundenkilometern. Die hielt ich bis zuhause durch, ich hatte mir ja bewusst eine Steigerung gegönnt, weil es so angenehm war, am warmen Abend zu laufen. Als ich dann meine Uhr auf Pause stellte, die Aktivität beendete und mich anschickte, meinen Schlüssel herauszuholen, fuhr der Radfahrer an mir vorbei.

„Mei lieber, sin‘ sie schnell!“

Hmm. Ja. Scheint so.

Aktive Erholung

Heute beim Aufstehen merkte ich schon, dass meine Beine zwar den Campus Run noch spüren, aber langsam auch die Erholung einsetzt. Ich spürte ganz deutlich das Verlangen nach etwas Bewegung, also gab ich mir morgens eine Stunde, ob das Bedürfnis wieder abklingt oder ob es nachhaltig war. Es blieb.

Also zog ich mich an, nahm den Pulsgurt um die Brust, wechselte die Batterie im Bluetooth-Gerät, zog meine Fivefingers an. Da war es denn neun Uhr – mein Mann stand gerade auf, um auf Toilette zu gehen, er verabschiedete mich dann noch. Wir flachsten rum, er sei extra aufgestanden, um mich zum Laufen zu verabschieden. Dann ging es los. Es war etwas frisch, also zog ich unterwegs, ohne dass ich das Laufen einstellte, meinen Handyhalter ab, löste den um die Hüften gebundenen Sport-Pullover in herrlichem Pink und zog ihn über. Der Gedanke kam mir, dass es toll sei, was ich mittlerweile alles im Laufen, ohne stehen bleiben zu müssen, zu tun in der Lage bin. Freilich, ich war nicht unmäßig schnell, das wollte ich auch gar nicht sein nach der Leistung, die ich Donnerstag gebracht hatte. Ich wollte erholend laufen, voll aerob, im unteren Bereich dessen bevorzugt. Und es lief. Es war super, es fühlte sich an, als könnte ich ewig so weiter laufen. Hätte ich vermutlich auch können – 6:50/km, 142bpm, Grinsen im Gesicht. Sonne und Wolken wechselten sich ab, leichter, angenehmer Wind blies – nicht dieser ätzende Gegenwind, der mir auf der oberen Hardt normalerweise entgegenschlägt, sondern immer mal ein bisschen Wind, aber keine Wand aus Luft. Als ich die letzten zwei Kilometer meiner „üblichen“ zehn Kilometer über die obere Hardt vollendet hatte, hatte ich einfach keine Lust, schon nach Hause zu laufen. Also lief ich nicht in Richtung Zuhause, sondern folgte weiter der Straße im Wohngebiet, entlang der Bahnlinie. Beim Edeka im Dorf hätte ich für 11,2km abbiegen können, aber ich hatte noch immer keine Lust, das Tempo, der Herzschlag, die gute Laune, sie blieben, sie hielten, alles war, als könnte, wollte, würde ich ewig so weiterlaufen. In meinem Kopf rechnete es schon, was beim ewig so weiter Laufen am Ende des Tages herausgekommen wäre – 6:50/km, das wäre Marathon in 4:50:00. Klar, irgendwann würde der Mann mit dem Hammer vorbeikommen, wenn die Glykogen-Speicher leer wären, aber in entspannten 142bpm … blanke Theorie. Gute-Laune-Lauf-Spinnereien! Bevor ich mich versah, war ich im Nachbarort, da die Baustelle auf dem Sträßchen an der Bahn entlang nicht mehr da ist. Dort lief ich bis zum Hundezüchter-Verein, durch den Wald nach Hause und fühlte mich immer noch frisch. Gesteigert habe ich dennoch nicht, aber dafür, dass es 15km mit 6:50/km vor dem Frühstück waren, also de facto nüchtern, muss ich sagen, fühlte ich mich GRANDIOS!

Es war schlicht ein Genuss, und meine Beine fühlten sich danach frischer an als zuvor. Recht kräftig zugeschlagen habe ich beim Frühstücken dennoch, aber hey, schließlich verkündete mir mein Tracker auch, dass ich elfhundert Kilokalorien verbrannt hatte während meines Laufs. So gesehen: 12km-Lauf geschafft, kurz davon erholt, nun beginnt das Ausdauer-Training für den Halbmarathon im September. Läuft!

Guter Weg?

Heute morgen war – da ich für den Tag der Wissenschaften am vergangenen Samstag einen Ausgleichstag genommen habe – Zeit für ein vorletztes Training für den Campus Run. Nun wollte ich wissen, wie sich alles ausgewirkt hat und ein letztes Mal auf Tempo trainieren …

Tja. Wie soll ich sagen: Ich habe meinen Geschwindigkeitsrekord, meinen Rekord auf 10km und meinen Rekord auf 5km gebrochen. Alle diese Rekorde stammten vom Campus Run 2014, also von vor drei Jahren. Ich war zwar im Mittel der 12km noch nicht schneller als eine Stunde, aber eben doch deutlich schneller als vor drei Jahren. Nun frage ich mich: Habe ich es aus Übermut eine Woche vor dem Lauf überzogen? Ich bin zwar bisher mit den Steigerungen nach Gefühl ganz gut gefahren, andererseits weiß ich auch, dass ich vor einem Wettkampf anders agieren sollte als im normalen Training.

Ich werde sehen, was dabei rauskommt – unweigerlich. Wenn die Steigerung der letzten acht Wochen, mit den jeweiligen Ruhe- und weniger schnellen Phasen zum festigen dazwischen, so anhält, dann wird es mit den 12km/h beim Campus Run klappen. Wenn ich es heute überzogen habe, dann nicht. Dann habe ich wenigstens etwas über’s Trainieren gelernt – zu wissen, wie’s nicht geht, ist oft genauso wichtig wie zu wissen, wie’s geht.