Entstressen

Am gestrigen Abend hätte ich eigentlich einem meiner Hobbies frönen wollen. Es war wieder einmal Teezeremonie-Übungsstunde – Okeiko, auf Japanisch. Allerdings hatte die Autobahn trotz zwei Stunden Puffer zwischen Ende der Arbeit und Beginn der Stunde etwas dagegen. Die eigentlich nur sechzig Kilometer nach Karlsruhe legte ich unter Umgehung eines Staus auf der A8, der mehr als anderthalb Stunden Verzögerung bedeutet hätte, auch nicht viel schneller als auf der Autobahn zurück. Im Endeffekt brauchte ich über drei Stunden nach Hause, wäre also erstens zu spät, zweitens total von einer Ochsentour aus „Stop and Go“ gestresst bei Matsushima-sensei angekommen. Das hätte für mich und auch für den Rest der Gruppe die Stunde schlecht gemacht – also habe ich von einem Parkplatz unterwegs telefonisch abgesagt und bin direkt nach Hause gefahren. Nun merkte ich, dass mein Kopf und die Eindrücke der Fahrt mir den Abend verderben wollten – also musste ich etwas dagegen tun.

Wie Ihr es sicher schon ahnt: Ich ging laufen. Teezeremonie-Übungsstunde ist zwar sehr entspannend, aber dafür brauche ich Konzentration. Zum Laufen nicht. Es war zwar schon dunkel, aber wofür gibt es Straßenlaternen auf verhältnismäßig belebten Wegen durch das Dorf? Vor einer dieser Straßenlaternen, nach mehr als fünf absolvierten Kilometern, entstand dieses bewusst nicht geblitzte Bild:

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Irgendwie fand ich diese von der gelblichen Straßenlaterne vor der Gärtnerei von hinten beleuchtete Silhouette meiner selbst ziemlich lustig, daher habe ich auch den Blitz ausgelassen, auch wenn ich eigentlich mein Gesicht ablichten wollte. Der Lauf hat auch bewirkt, was er sollte: Mit 5,5km und knapp 6:00/km trotz Schießen mehrerer Fotos ohne die Aktivität zu pausieren kam ich danach recht beruhigt an und konnte in aller Ruhe mit meinem Mann den Film „The Voyage to the Bottom of the Sea“ anschauen, zu dem wir inzwischen auch die Serie angefangen haben. Nostalgie pur!

Meine Baustelle „Kopf“ habe ich auch halbwegs in den Griff gekriegt nach dieser langen, ätzenden Pendelfahrt. Als Symbolbild für diese psychische wie auch körperliche Baustelle konnte ich auch an folgendem Motiv nicht vorbeilaufen:

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Mental habe ich zwei dicke, orange Streifen durch das Schild gemacht und werde mich heute nur noch mit Asphaltreparaturen in meinem Nacken – also Beseitigen der Restverspannung vom langen Stau befassen müssen. Vermutlich geschieht das wieder über einen kleinen Lauf. Ab kommende Woche bin ich dann sogar in so einer Art Wettkampf – ich mache die Kilometerfresser-Challenge des rennwerk mit, bei der der Rennwerk-Kunde gesucht wird, der in dieser langsam lauffeindlicher werdenden Witterung die meisten Kilometer in zwei Wochen abspult. Dass ich das nicht gewinnen werde, weiß ich – aber hey, dabeisein ist alles.

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Tee – seit langem mal wieder

Mit den Posts über Tee habe ich mich nun eine Weile zurückgehalten. Das hatte mehrere Gründe – ich hatte mit dem Lernen von Teezeremonie ein Jahr ausgesetzt, weil zu viel anderes passiert ist, außerdem ging es mit der Ausstattung zuhause nicht voran. Das hat sich nun geändert – es gab einen entscheidenden Schritt vorwärts.

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Fertig ist es noch nicht – aber mit den zwei (oder einer einer und zwei halben) Tatami und dem dafür freigeräumten Bereich im Gästezimmer ist nun der Platz da, um einerseits die richtige Atmosphäre zu erzeugen und andererseits zu üben.

Ich bin ganz hibbelig darüber!

Nach einer Weile …

Nach einer Weile, die man krank ist, hat man keine Lust mehr, über die Krankheit zu schreiben. Und genau so ging es mir. Irgendwie hat mir das auch die Lust auf anderes Schreiben genommen, so dass ich meinen Furogama – also die Zusammenstellung aus Kohlebecken und Kessel für die japanische Teezeremonie – hier nicht präsentiert habe. Denn der ist nun da. Und ich habe auch nicht verkündet, dass ich das erste Mal unter Anleitung die Handlungen für Usucha, eine Art der japanischen Teezeremonie, im Unterricht bewältigt habe.

Nun geht es mir langsam wieder viel besser, ich fühle mich fast wieder normal – und habe nun Urlaub. Morgen geht es für einige Tage in die nicht ganz so ferne Ferne: Nach Bonn und nach Düsseldorf, dazwischen noch ein paar Freunde besuchen und so. Wir werden mit dem Auto fahren – zunächst einmal die B9 auf der anderen Rheinseite nach Norden, dann die A61 – und schließlich in Koblenz über den Rhein und die wunderschöne B42 bis fast nach Bonn fahren. Landschaftlich nicht so schön, dafür aber autobahntechnisch interessanter, geht es dann auf Ausflüge nach Düsseldorf, nach Kaarst, nach Bonn und vielleicht auch noch an ein paar andere Orte. Durch die Krankheit habe ich leider erst recht spät mit dem Organisieren angefangen.

Aber worüber ich eigentlich vor allem schreiben will, ist die B42 zwischen Neuwied und Bonn. Ich bin ja normal die große Autobahnfahrerin. Eine regelrechte Sammlung findet sich in einem Excel-File, mit Nummern, darauf gefahrenen Abschnitten, Kilometern und einer ganzen Reihe Statistik. Aber an vielen Stellen sind die schönen Strecken eben genau nicht die Autobahnen. Wie eben auf der B42, die ich allerdings nicht nur wegen der Landschaft fahren werde: Will man in die Gegend von Bad Honnef, ist es kürzer, in Bendorf/Neuwied von der Autobahn herunter zu fahren. Aber der Ausblick ist eben wunderschön. Die Bundesstraße schlängelt sich zwischen Rhein und Bergen hindurch, immer im engen Mittelrheintal, mit Felsen und Wald und kleinen Städten, malerisch und hochwassergeplagt. Wandern waren wir dort auch schon, zusammen mit einem meiner besten Freunde, von Unkel hinauf auf die Berge und dann hinüber zur Erpeler Ley. Darauf wird es dieses Mal wohl nicht hinauslaufen, aber ich hoffe zumindest, um’s Hotel in Bad Honnef herum wieder ein oder zwei Laufrunden drehen zu können, da es mir besser geht. Das sind dann zwar nur fünf Kilometer, aber besser als mit einer Riesenstrecke wieder anfangen.

Jedenfalls freue ich mich auf die Fahrt, die ich schon recht oft gemacht habe – sowohl nach Bonn als auch nach Düsseldorf – und hoffe, dass die Highlights wieder eben genau solche werden: Japanisch Essen und Shoppen in Düsseldorf, das Eko-Haus der japanischen Kultur in Düsseldorf besichtigen, Freunde treffen. Und so ganz nebenbei morgen Abend meinem Ehemann sein Geburtstagsgeschenk machen.

Vielleicht warte ich ja auch bald mit einem Bild meines Furogama auf. Aber vermutlich erst nach dem Urlaub,

Werkzeuge zur Seelenwartung

Die Werkzeuge, ein Auto zu warten, kennen die meisten Leute – ein Radkreuz oder ähnliches und einen Wagenheber haben die meisten im Auto, Schraubenschlüssel und Schraubendreher haben die meisten daheim – ein Drehmoment-Schlüssel ist auch nicht ganz exotisch für einen Großteil der Menschen.

Ich für meinen Teil habe aber entdeckt, dass auch mein Geist gelegentlich wartungsbedürftig ist – sowohl der rationale als auch der emotionale. Was man davon als Seele bezeichnen will, ist schwer zu sagen. Ich denke, die Übergänge sind fließend. Aber neben dem Laufen, über das ich hier ja schon gelegentlich berichtet habe, und dem autogenen Training – dazu noch Sauna und Geschichten Schreiben – habe ich noch eine weitere Methode gefunden, Ruhe und Frieden in mich hinein zu bringen: Japanische Teezeremonie, die ich seit etwas weniger als einem Jahr zu erlernen begonnen habe und sicher noch weit davon entfernt bin, auch nur die einfachsten Dinge in Perfektion zu beherrschen. Dennoch gibt mir das Erlernen und Praktizieren sehr viel – und teils habe ich in diesem Blog ja auch schon darüber geschrieben.

Da aber oftmals ein Bild viel mehr hilft, die Dinge nachvollziehen zu können, habe ich von meinen Tee-Sachen, mit denen ich übe, mal ein paar Fotos geschossen:

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Man sieht links unten das Kensui, das Brauchwassergefäß. Es nimmt Wasser, das zum Spülen der Teeutensilien benutzt wird, nach der Verwendung auf. Oben im Bild sieht man den Teekessel, hier eben einen mit Henkel zum Gießen. Diesen benutzt man zum Beispiel bei den einfachen Tee-Handlungen mit Tablett, genannt Bonryaku Temae. Und selbiges Tablett ist in der Mitte zu sehen.

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Das Tablett Bon ist hier größer zu sehen, und darauf sind Werkzeuge, die auch bei anderen Arten der japanischen Teezeremonie zum Einsatz kommen: Die Teedose Natsume aus Holz oder eine Lackarbeit am vom Betrachter entfernten Ende des Tabletts. Und im Vordergrund die Teeschale Chawan, in welcher das kleine, weiße Tuch Chakin zum Ausreiben der Teeschale nach ihrer rituellen Reinigung zu Beginn zu sehen ist. Mit Hilfe des speziell gefalteten Chakin in der Schale aufgestellt ist der Teebesen Chasen zu sehen. Mit dem Chasen wird der Tee – pulverisierter Grüntee Matcha – schaumig geschlagen. Der Schaum ist wichtig für die Geschmacksentwicklung. Und zuletzt liegt der Bambus-Löffel Chashaku über der Chawan. Mit ihm wird der Matcha aus der Natsume in die Chawan gegeben.

Daneben gibt es dann noch ein Tablett mit Süßigkeiten, die zum Tee gereicht werden, aber das habe ich nun nicht aufgebaut. Bonryaku, dessen Werkzeuge mit Ausnahme der Süßigkeiten nun hier aufgebaut zu sehen sind, ist eine sehr einfache Zeremonie für Anfänger, in der viele Dinge enthalten sind, die man später für aufwändigere Handlungen benötigt.

Beim letzten Mal Unterricht haben meine Mitschüler und ich angefangen, eine Usucha Zeremonie zu erlernen. Dafür benötigt man eine andere Art von Kessel, die ich mir nun gekauft habe – aber bisher ist das gute Stück zwar bereits auf Reisen, aber noch nicht bei mir angekommen. Aber ein paar weitere Gegenstände zum Daheim Üben habe ich bereits:

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Neben dem von oben bekannten Kensui und dem Kessel sind hier nun der Hishaku, der Schöpflöffel aus Bambus, sowie das Frischwassergefäß Mizusashi mitsamt Deckel zu sehen. Der Kessel ist allerdings für die Benutzung eines Hishaku ungeeignet, und da warte ich eben auf meinen Furogama, einer Kombination aus Kohlebecken und Kessel mit größerem Deckel, den ich hier bestimmt mit eigenen Fotos zeigen werde, so bald er angekommen ist. Im Vordergrund sieht man außerdem noch – weitgehend vom Kesseldeckel und Chakin verdeckt, das Futaoki, welches als Ablage für den Kesseldeckel benutzt wird.

Ich hoffe, dass die Dinge so ein wenig plastischer sind und die Begriffe, die ich im Bereich Teezeremonie erwähne, so etwas verständlicher erscheinen. Mir hat das Anfertigen dieser Bilder an meinem heutigen, leider von Krankheit geprägten und damit abseits der Autobahn und der Arbeit daheim verbrachten Tag schon etwas Ruhe gegeben, die hoffentlich meiner Genesung entgegenkommt.

 

Einen im Tee …

Zugegeben. Dummes Spiel mit einer Redensart für’s Betrunkensein. Denn natürlich geht es nicht um Alkohol, auch wenn ich vergangenen Freitag mit einem Glas Wein und einem Ramazotti ganz schön knülle war.

Im Moment freue ich mich über etwas ganz anderes: Ich habe mir das ein oder andere Teeutensil gekauft, um nach Bonryaku, einer einfachen Teezeremonievariante mit Tablett, nunmehr Usucha zu lernen – bei der die wohl einigen geläufige Bambus-Kelle namens Hishaku zum Einsatz kommt. Das Frischwassergefäß, den Hishaku und einiges weiteres Zubehör kann man auch in Europa recht einfach erstehen. Vielleicht nicht unbedingt die Werkzeuge, die durch Alter, Einfachheit, Originalität und ihren Preis bestechen, aber eben doch Werkzeuge, die zum Üben und auch – sobald ich mal so weit bin – meinen interessierten Freunden einen Einblick zu geben.

Aber eine Sache ist nicht so einfach. Das Kohlebecken – in dem Fall ein tragbares namens Furo, das bei Sommerzeremonien zum Einsatz kommt. Und der Teekessel, Kama genannt. Zusammen wird das dann als Furogama bezeichnet. Rein mechanisch wichtig daran ist, dass der Bambusschöpfer hinein passt und adäquat darauf gelegt werden kann, aber auch, dass das Ganze mit den restlichen Teeutensilien und nicht zuletzt der Vorstellung dessen, der damit Tee macht, harmoniert. Denn sicher ist es mit einem Furogama, das einen irritiert, sehr schwer, die innere Ruhe und Harmonie zu erreichen.

Und somit habe ich nun zunächst schweren Herzens damit begonnen, einen Furogama zu suchen, zu kaufen und mir schicken zu lassen. Neues ist schwierig zu bekommen, erst recht in Europa, aber auch mit dem Gebrauchten ist es – in Europa – so eine Sache. Und so jagte ich zuerst einer Auktion auf Ebay hinterher, bei welcher ich jedoch nicht den Zuschlag bekam, wenn auch ganz knapp. Ich war offenbar unter den letzten beiden Bietern. Aber morgens um fünf am Sonntag aufstehen, nur um nochmal zu bieten – das habe ich dann doch nicht gemacht.

Aber dann habe ich ein ganz ähnliches Stück entdeckt, Eisen, schwarz, sehr stabil, ebenfalls nicht neu … und als ich dann letztlich den Kauf komplett machte, ließ ich mir die Hand halten von meinem Mann, denn so viel Geld auf einmal habe ich schon lange nicht mehr ausgegeben. Die letzte Anschaffung in dieser Größenordnung war ein Korsett vom TO.mTO, und das musste ich nicht aus Japan importieren … und heute Abend habe ich die Versandbestätigung bekommen und harre nunmehr dem Tage, an dem ich Euch hier auf meinem Blog die Werkzeuge alle zusammen zeigen kann, auch wenn ich bestimmt bis dahin noch nicht reif genug bin, sie in eleganter Weise zu benutzen. Aber immerhin: Dann kann ich auch zu Hause üben. Denn welche Zeremonie auch immer, in Sachen Tee und auch sonst alle Zeremonien: Wiederholung, Üben, das ist der Weg, dass es von allein geht und die Zeremonie zu einem spirituellen Erlebnis, zu Freiheit entlang festgelegter Bewegungen macht. Ich habe dieses Gefühl einige wenige Male schon beim Durchführen der einfachen Bonryaku Temae erleben dürfen – und festgestellt, dass der für Europäer wohl als Widerspruch daherkommende Konflikt zwischen bis ins Detail festgelegten Handlungen und der Freiheit und des Friedens in ihrer Durchführung nicht existiert. Die Dinge willkürlich zu tun ist stets auch damit verbunden, unsicher zu sein, ob man es richtig macht, immer wieder. Muss ich stets darüber nachdenken, wie es nun weiter geht, welche Entscheidung ich treffe, so ist mein Geist nicht frei, in der Handlung meditativ aufzugehen. Das mag nun esoterisch klingen. Aber für mich ist dieser noch immer viel zu selten erlebte perfekte Moment, in dem die Handlungen zu fließen scheinen, zu einem Ziel geworden, zu einem Moment perfekter Entspannung und des Glücks.

Ich hoffe, dass meine neuen Dinge mich, früher oder später, zu solchen Momenten führen können. Und ich freue mich darauf.

Durchhänger

Es ist Euch wohl nicht entgangen, dass die letzten Tage hier nicht viel passiert ist. Das liegt nicht daran, dass die Autobahn langweilig gewesen wäre – oder die Ausweichstrecken. Tatsächlich habe ich zweimal sogar neue Umleitungen ausprobieren dürfen – einmal durch’s Albtal und statt in Karlsbad auffahren eben weiter, über Ittersbach und dann auf der Behelfsumleitung entlang der A8 runter Richtung Nöttingen, von dort weiter nach Wilferdingen und in Pforzheim West auf dei A8, und ein anderes Mal, am selben Tag, in Pforzheim Süd runter, durch Wurmberg und auf Umwegen hinüber nach Niefern – und dann in Pforzheim Ost wieder auf die Autobahn, zuletzt sogar durch ein auf einem Hügelrücken gelegenes Wohngebiet, in dem eine Tempo-30-Zone existiert – durch die ich gefahren bin.

Aber ich hatte einfach nicht die Kraft, darüber zu schreiben. Ich war an den Abenden, schon seit Donnerstag, immer regelrecht todmüde. Und ich hatte andere Dinge aufzuarbeiten: Für die deutschen Meisterschaften im Spiel BEHIND im September hatte ich noch die Szenarien abzutippen, die sich zwei Mitspieler und ich ausgedacht haben. Damit bin ich noch immer nicht ganz fertig, aber zumindest fehlen nun nur noch zwei – und die ersten 5 sind zum Gegenlesen bei den beiden Mitspielern. Und am Freitag hatte ich plötzlich das dringende Bedürfnis, Dinge zu tun, die aus meinem Alltag heraus zielen: Ich habe also mein neues Oberteil aus grünem Glitzerlack und schwarzem Samt mit recht offensivem Glitzer angezogen, dazu einen kurzen Rock, und bin so mit meinem Mann in Bietigheim zur Bürgerstube Saba essen gegangen. Und bei der Gelegenheit habe ich mal wieder einen Rotwein getrunken, einen kroatischen namens Pelavac oder so ähnlich. Und als Absacker gab es einen Ramazotti und einen Espresso – man sieht, dass ich keinen Alkohol gewohnt bin, denn danach war ich doch reichlich angeheitert, habe meinem Mann in farbigen Metaphern über Dinge berichtet, die mich an verschiedenen Stellen stören und die kleine Unterhaltung gehabt, dass ich wegen des Alkohols nicht mehr in der Lage sei, auf den Strich zu gehen – bewusst doppeldeutig formuliert. Frau erkennt, mit dem Richtigen verheiratet zu sein, wenn der dann grinst, die Schritte auf einer Linie hintereinander weg setzt und meint: „Das mach ich für Dich.“

Tja, und heute dann der richtige Durchhänger. Freilich, ich war um neun aus dem Bett raus, habe dann aber bis halb elf gebraucht, um endlich Laufschuhe und Laufklamotten anzukriegen und auf die Strecke zu kommen. Ich habe zwar 16 Kilometer geschafft, aber nach dem Frühstück zur Mittagszeit lag ich dann erstmal für zwei Stunden auf dem Sofa und habe tief und fest geschlafen. Nach dem Einkaufen vorhin dann nochmal dasselbe: Tief und fest habe ich geschlafen auf dem Sofa, zwei Stunden oder sogar noch etwas mehr.

Ganz offensichtlich habe ich das gebraucht. Auch wenn so viele gute Dinge zu tun sind: Ich sollte noch die Szenarien, die noch fehlen, für die BEHIND-DM abtippen, außerdem habe ich noch einen Bericht von der Teezeremonie-Vorführung am vergangenen Wochenende zu schreiben – und auf die liebe Nominierung zum Lieblingsblog durch die Ruhrköpfe ( http://ruhrkoepfe.wordpress.com/2014/07/25/liebster-award-was-mag-das-sein/ ) will ich noch reagieren. So werde ich es allerdings wohl nur hinbekommen, auf einen Furo mit Kama zu bieten, bevor ich heute ins Bett falle. Morgen geht es dann Berglaufen im Murgtal und danach in Rotenfels in die Sauna. Und dann sehen wir weiter, ob ich dann wieder etwas fitter bin. Ein bisschen hat sich auf die vielen, vielen Dinge, die in den letzten Wochen nicht, schlecht oder schwierig liefen und den Mangel an Pausen in der Zeit auch meine chronisch entzündliche Darmerkrankung wieder gemeldet, ist aber schon wieder am Abklingen.

Ich wünsche Euch ein eben so geruhsames Wochenende wie ich gerade eines habe. Und eins noch: Ich schrieb vor einiger Zeit, dass ich stets, wenn sich etwas verändert, „Es gibt hier nur zwei Richtungen, Mister“ von Reinhold Ziegler lese. Ratet mal, welches Buch ich nun das 32. Mal zu lesen begonnen habe …

Was Altes, was Neues, was Blaues, was Geschenktes …

… nein, ich habe nicht geheiratet. Zumindest nicht dieses Wochenende. Aber treffen tut es das trotzdem, denn am heutigen Tage war ich in einer Teezeremonie-Vorführung zum Hundertsten Geburtstag das Japangartens im Stadtgarten in Karlsruhe beteiligt.

Nein, ich war nicht die Teemeisterin, das hat ein fortgeschrittener Schüler meiner Sensei gemacht – und Hauptgast war meine Sensei selbst, um dem Oberbürgermeister von Karlsruhe entsprechend alles vor zu machen. Mein Job war es, neben der Hilfe beim Aufbau und Abbau, dabei herumstehen und mindestens in Sachen Kleidung japanisch aussehen, die weiteren Gäste zu bedienen, da nur der japanische Konsul, der Oberbürgermeister und eben meine Sensei vom Teemeister und seiner Hanto bedient wurden.

Nun zu den Dingen in der Überschrift: Das Alte ist natürlich der Japangarten – einer der ältesten in ganz Deutschland. Neu waren – wie immer bei Vorführungen oder offiziellen Teezeremonien – Chashaku, also der Teelöffel aus Bambus, und der Chasen, der Bambusbesen, um den Matcha schaumig zu schlagen. Blau trug ich – einen blauen Yukata, zur Verfügung gestellt von meiner Sensei, da ich noch keinen eigenen besitze. Und Geschenktes ist eine sehr hübsche Schale, die ich von einer Freundin bekam.

Da ich nach Erwähnen der Teezeremonie auf rege Resonanz – privat wie auch in Kommentaren – gestoßen bin, erzähle ich hier nun auch noch etwas Grundlegenderes über Teezeremonie. Denn ich bin nicht sicher, wie gut informiert darüber meine Leser sind. Ich lerne seit Herbst letzten Jahres Teezeremonie nach der Urasenke-Tradition. Das ist eine von mehreren Schulen, die auf Sen No Rikyu zurückgehen, welcher entscheidend daran beteiligt war, die Teezeremonie prägen, wie sie heute als Tradition und spiritueller Lebensweg (Chado) hochgehalten wird. Sen No Rikyu wird auch zugeschrieben, auf die Frage eines Schülers nach dem Geheimnis einer meisterlichen Teezeremonie geantwortet zu haben:

Bereite eine köstliche Schale Tee; lege die Holzkohle so, dass sie das Wasser erhitzt; ordne die Blumen so, wie sie auf dem Feld wachsen; im Sommer rufe ein Gefühl von Kühle, im Winter warme Geborgenheit hervor; bereite alles rechtzeitig vor; stelle dich auf Regen ein, und schenke denen, mit denen du dich zusammenfindest, dein ganzes Herz.

Als der Schüler unzufrieden antwortete, das wisse er alles bereits, antwortete Sen No Rikyu in einer im Zen nicht unüblichen Wendung:

Wenn du also eine Teezusammenkunft leiten kannst, ohne von einer der Regeln die ich nannte abzuweichen, dann will ich Dein Schüler werden!

So weit will ich es aber noch gar nicht treiben. Ich denke nur, wenn ich immer mal wieder ein bisschen über Teezeremonie schreibe, dann sollte ich auch den Hintergrund nicht vernachlässigen. Denn Teezeremonie ist bei weitem mehr als nach festgefügten, ritualisierten Handlungen eine Schale Tee zu bereiten.

Um was geht es also im Zentrum des rein Physischen der Art von Teezeremonie, die ich erlernen darf? Genau. Um die Teeschale, auf Japanisch Chawan. Die Form der Teeschale entspricht der einer Reisschale, wie auch die ersten Teeschalen aus Korea nach Japan importierte Reisschalen waren. Nicht zu groß sollte sie sein, die Schale, so dass man den Bambus-Teebesen, genannt Chasen, hineinstellen kann, er aber auch nicht verloren darin aussieht. Und mindestens ein Stück im Zentrum der Schale muss schön flach sein, damit man den Tee hier schlagen kann. Denn verwendet wird ein pulverisierter Grüntee, genannt Matcha. Matcha, Matcha-Schalen, Chasen und den dazu passenden, aus Bambus geschnitzten Dosierlöffel, findet man inzwischen auch in vielen europäischen Teegeschäften.

Im Zentrum der Zeremonie, die als reiner Ablauf auch als Handlungen (Temae) oder auch Cha-no-yu (Heißes Wasser für Tee) bezeichnet wird, steht eben genau das: Man gibt mit dem Chashaku eine kleine Menge des Teepulvers Matcha in die Chawan, gießt etwas etwa 80°C heißes Wasser darüber und schlägt das Gemisch dann schaumig. Und auch ohne eine Teezeremonie drum herum: Matcha ist in meinen Augen die Krone des Tees, egal, ob es nun Grün- oder Schwarztee ist.