Aber ich weiß es

Meine Serie ist weg und doch noch da. Welche Serie?

Achttausend Schritte am Tag wollte ich machen und mache ich auch, seit über neunzig Tagen. Zum Nachweis benutze ich meinen Schrittzähler und die zugehörige Handy-App. Theoretisch zumindest, denn praktisch stehen da nicht die 91 Tage, für die ich tatsächlich jeden Tag mindestens achttausend, meistens über zehntausend Schritte getan habe. Mein iPhone 5S hatte über viele Lade- und Benutzungsvorgänge, teils beim Joggen in ganz schöner Kälte, allmählich eine Akku-Laufzeit, dass man denken könnte, da wäre kein Lithium-Ionen-Akku mehr drin, sondern ein hübscher kleiner Kondensator. Nach Akkutausch hätte ich immer noch ein altes Telefon gehabt – also habe ich mir ein neues Telefon gekauft. „Bigger, Better, Faster, More“, könnte man meinen, aber ich bin da ein bisschen … äh … konservativ. Ein iPhone SE wurde es, denn bei dem kann ich davon ausgehen, dass es noch ein bisschen länger aktuell genug ist, um vernünftig mit allen Apps und Features zu funktionieren als das 5S, aber es hat dieselben Maße. Ich habe zwar große Hände, aber ich schätze es, wenn mein Telefon nicht zu groß für Bedienung mit einer Hand ist.

Was das mit meinen Schritten zu tun hat? Tja, mein Schrittzähler synchronisiert sich via Bluetooth mit dem Telefon, das Telefon synchronisiert sich dann mit der Datenbank von Runtastic. Dummerweise scheint mein akkuschwaches iPhone 5S das seit Mitte Februar nicht mehr richtig auf die Reihe bekommen zu haben. Somit habe ich seit dem 19.12.2017 jeden Tag einen grünen Balken von mindestens achttausend Schritten in der Statistik, die jäh am 10.02. enden. Seit dem 14.03. werden die vielen Schritte – bis zu siebenunddreißigtausend an einem Tag! – wieder angezeigt.

Aber auch wenn mein Telefon nun nur eine Serie von sechs Tagen in Folge achttausend Schritte oder mehr anzeigt, ich WEISS es, dass es 91 sind und heute 92 werden. Manchmal muss ich sagen, finde ich das super-ätzend, unverschuldet die motivierende Serien-Anzeige verloren zu haben. Aber so ist es nunmal – woran das nun genau lag, keine Ahnung. Ist auch egal, denn ich weiß ja, dass wenn ich nicht gerade richtig faul werde, noch vor Ostern einhundert Tage in Folge über achttausend Schritte auf meinem „Konto“ sind. Und das ist doch schon was, selbst wenn durch Datenverlust auf dem Telefon die Serie nur in meinem Kopf korrekt angezeigt wird.

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„Spider-App“ führt zu Fitnesstracker …

Diesen sicherlich nicht jedem voll plausiblen Weg, den meine technisch-sportliche Selbstverdrahtung diesertage gegangen ist, möchte ich Euch ein bisschen näherbringen. Nicht, um Nachahmer anzufordern, sondern um mich ein bisschen über mich selbst, mein Verhalten bezüglich Technik und Tracking und ein paar andere Dinge zu wundern.

Was war also passiert? Bei meinem dritten 20km-Lauf innerhalb meines Urlaubs passierte es bei etwa zwölf zurückgelegten Kilometern. Durch den Fingerabdrucksensor muss ich zum Entsperren meines Telefons, wenn sich das Gerät unter der Folie des Schultergurts befindet, den Zahlencode eintippen – das ist beim Laufen und hellem Umgebungslicht nicht vollständig trivial … oder auch: Ich hole dafür tendenziell mein Telefon aus der Hülle und stecke es nachher wieder rein, ziehe dann erst den Gurt wieder hoch auf den Oberarm. Dieses Mal machte ich das genauso. Begeistert war ich, denn bei 5:42/km nach zwölf Kilometern – die ich übrigens bis zum Nachhausekommen nach 23km gehalten habe – fand ich mich auf einem guten Weg. Beim Wiedereinstecken des Telefons passierte es dann. Ich zog die obere Lasche nicht wieder voll über den oberen Rand meines Telefons, wollte den Gurt wieder am Oberarm hochziehen und merkte gar nicht, wie das Handy herausrutschte. Es fiel mir auf die große Zehe meines Fivefinger-Schuhs, und bevor ich reagieren konnte, schlitterte es vier Meter vor mir mit dem Display auf dem Weg entlang. Natürlich überlebte das Display das nicht – salopp dargestellt als „Ich habe Spider-App installiert“. Nun ist die Deinstallation von „Spider-App“ leider nicht so ganz so einfach, dafür brauchte ich technische Hilfe. Die nahm ich dann auch in Anspruch. Das ist teuer … und so wuchs in mir die Erkenntnis, dass ich an meinem Ablesen des Telefons während des Laufens etwas ändern musste.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ein Gerät musste her, das bei abgeschaltetem Smartphone-Display die Daten des Aktivitätstrackings am Handgelenk darstellen kann, so dass ein Aktivieren des Displays am Handy oder ein Herausholen unnötig ist. Vorteil: Dann hält auch der Akku länger, denn beleuchtetes Display und auf Eingabe wartender Touchscreen fressen durchaus Strom. Toll wäre gewesen, damit auch noch die Pulsmessung ans Handgelenk zu verlagern, aber da wäre ich dann schon bei einem Gerät gelandet, das erstens teuer und zweitens in nicht unglaublich teuer nicht mehr mit meiner bisherigen App zur Laufaufzeichnung kompatibel gewesen wäre. Also vertagte ich die Pulsmessung am Arm auf vielleicht Geburtstagsgeschenk an Selbst oder das Weihnachtsgeld und nutzte es, dass der von meiner Sport-App-Familie angebotene Tracker, der auch als Anzeigegerät fungieren kann, gerade nur ein Drittel seines regulären Preises kostet. Und siehe da, ich hatte einen Tracker, am Mittwoch nach dem fatalen Samstags-Display-Unfall.

Nun bin ich derzeit am mich vertraut Machen damit, was das Ding eigentlich kann. Natürlich kann es:

  • Meine Aktivitätsdaten während der Aktivität anzeigen,
  • Schritte zählen,
  • die Uhrzeit anzeigen,
  • Bewegungen tracken, um unter anderem das Schlafen zu beurteilen.

Theoretisch kann’s mich wohl auch in einer Leichtschlafphase aufwecken, sofern im Bereich der gewünschten Aufwachzeit verfügbar. Das habe ich aber noch nicht ausprobiert und es kann sein, dass ich das von einem anderen Gerät noch im Kopf habe. Technisch gesehen tracke ich jetzt meine Schritte und meinen Schlaf – eine Serie von 8000 Schritten pro Tag und mehr hält nun schon 4 Tage an. Beim Schlaf erforsche ich noch Zusammenhänge, kann sein, dass das einiges bringt oder dass ich das bald wieder lasse.

Jedenfalls wollte ich eigentlich nur ein Display für den Sport, um das Handy nicht als Display benutzen zu müssen, nun habe ich einen Tracker. Den hätte ich mir nicht angeschafft und wollte ihn auch eigentlich gar nicht, bin nun aber zu fasziniert von den Möglichkeiten, um ihn nicht zu nutzen. Mal sehen, ob es anhält oder ob das Ding bald wirklich nur noch das Anzeigewerkzeug ist, als das ich es eigentlich gekauft habe.

Auto- und Technikmuseum Sinsheim

Ich bin in der Nähe von Heilbronn aufgewachsen, und als Kind war ich mit meinen Eltern und Großeltern recht häufig im Auto&Technik-Museum in Sinsheim. Besonders fasziniert hat mich damals „The Blue Flame“, vor der Ihr mich auf dem Titelbild dieses Beitrages sehen könnt. Dieses Fahrzeug – raketengetrieben, übrigens – hat einen Geschwindigkeitsrekord auf dem Salzsee in Utah aufgestellt, der aber längst wieder eingestellt wurde. Wie ich als Kind dieses schnittige Fahrzeug bewundert habe – ich konnte stundenlang dort stehen und es anschauen.

Natürlich gibt es dort auch noch viel, viel mehr. Aus der Militär- und Cadillac-Halle habe ich keine Bilder mitgebracht, auch wenn ich am rätseln war, welches der Fahrzeuge Nick Knights „Auto mit dem größten Kofferraum überhaupt“ am nächsten kam. Aber untenstehend habe ich dann doch ein paar Bilder aus und über der anderen Halle eingefügt:

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Ein Fiat-Erzeugnis, aber keines zum Fahren. Das konkrete Exemplar gehörte über Jahre zur deutschen Luftwaffe. Mir persönlich imponieren vor allem die schnittigen Formen und die Ansaugung unter dem Cockpit.

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Die DeHavilland Venom imponiert durch einen Gabelschwanz analog zur Lockheed P-38 „Lightning“, einer ungewöhnlichen Form, die ich aber auch überaus schnittig finde. Der Verwendungszweck der beiden Flugzeuge sollte klar – und nicht erwünscht sein, aber die Formen sind wirklich schnittig!

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Was Ihr hier seht, ist keine Lokomotive, sondern ein Schiffsdiesel mit hunderten Litern Hubraum. Beeindruckende Maschine, ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es klingt, wenn das Ding neben einem läuft!

Dazu kommen nun die Highlights: Die Tupolew Tu-144, die sowjetische Antwort auf die Concorde. Ein Exemplar dieser Passagiermaschine steht – neben oder eher vor der Concorde auf dem Dach der einen Halle. Zu sehen unter diesem Absatz sind ein Blick ins Cockpit und ein Blick auf die Triebwerksauslässe:

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Sehr deutlich zu sehen – finde ich – ist das enorm flache Profil der Flügel. Das ist nötig, um den geringen Luftwiderstand für den Überschallflug zu erreichen und die Aerodynamik auch bei hoher Geschwindigkeit für einen Flug herzustellen. Problem dabei ist natürlich, dass die Maschinen recht hohe Startgeschwindigkeiten haben müssen und außerdem hohe Anstellwinkel beim Start brauchen. Daher stehen die obige Tu-144 wie auch die Concorde mit steil erhobenen Nasen auf dem Dach des Museums. Unten nun die Concorde, mit Cockpit und Triebwerksauslässe:

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Da ich mit Staunen und Gucken beschäftig war, habe ich nicht viele Bilder geschossen – für meine Verhältnisse eine Menge, aber insgesamt doch eher wenige. Es war wundervoll nostalgisch, zugleich auch neu und interessant, all die Dinge, von denen ich viele von früher kannte, mit neuen, erwachsenen, weitergebildeten Augen zu sehen. In der Concorde ergab sich auch gleich noch eine Debatte mit einem anderen Besucher über Strahlenbelastung in der Höhe, die recht schnell, von meiner Schwester mit Grinsen kommentiert, in Richtung Teilchenphysik und Neutrinos abglitt – und NEIN, ich war nicht diejenige, die da hin steuerte!

Zu guter letzt nochmal die glückliche Bloggerin (oder Blogsie) vor „The Blue Flame“, was Ihr auch schon als Titelbild gesehen haben könntet:

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Yay! Bluetooth ist ein Segen …

Gerade merke ich erst, wie sehr ich den kaputten Bluetooth meines alten Handys vermisst habe. Nun geht die Freisprechanlage im Auto wieder – ein absolutes Plus! Außerdem kann ich, wenn ich das möchte, auch die Herzfrequenz wieder live mittracken lassen beim Sport, weil sich der Brustgurt wieder verbinden lässt!

Auf der anderen Seite frage ich mich: Bin ich inzwischen so abhängig von technischen Gimmicks? Brauche ich neben dem Routenplaner mit Stauumfahrungs- und Staumeldungs-Funktion sowie Zeitabschätzung auch noch die Freisprechanlage? Brauche ich neben dem Live-Tracking der Laufstrecke auch noch das Puls-Tracking über’s Netz?

Auf der einen Seite ist das alles super-bequem, gibt einem gewisse Analyse- und auch Eingreiftools an die Hand, wenn irgendwas schief läuft – sei es ein fieser Stau, aufgrund dessen man zu spät kommt, und dann gleich auch anrufen kann, ohne anzuhalten, dass die anderen warten sollen – oder, wenn es sehr viel zu spät ist, eben nicht. Sei es korrelieren zu können, wie Geschwindigkeit und Puls zusammenhängen, nicht nur über den Durchschnitt, das Maximum und die Erinnerung, sondern tatsächlich über Messwerte. Auf der anderen Seite geht es auch ohne. Tut es doch, oder?

Meine eigene Antwort ist derzeit: Ja, es geht auch ohne. Aber wenn ich es haben kann, dann nehme ich es. Auf eines muss ich aufpassen: Dass mich all die Messwerte und Gimmicks und Gadgets nicht davon abhalten, das Laufen, das Fahren, das Sein zu erleben. Wenn ich das hinkriege, ist alles gut. Wenn ich merke, dass das nicht mehr geht, brauche ich vielleicht eine digitale Auszeit. Aber noch nicht.

„Neues“ Gerät …

In den letzten Monaten hatte ich keine Kamera, kein Blitzlicht und zuletzt auch keinen funktionierenden Bluetooth mehr an meinem Telefon. Warum? Es war mir runtergefallen. Ohne jetzt Werbung machen zu wollen, ich hatte ein iPhone 5. Ein iPhone 5, in Buchstaben „fünf“, fragt Ihr jetzt? So ein altes Ding?

Ja. Es war auch nicht kaputt, weil es alt war, sondern weil ich es zweimal hatte runterfallen lassen. Das Display war okay, telefonieren funktionierte weiterhin, Internet lief, Navigation ging auch. An mein Auto konnte ich es mit Kabel andocken. Alles kein Problem. Alles super, würde ich sogar sagen. Mir fehlte manchmal die Kamera, selten die Freisprechanlage im Auto, manchmal der Bluetooth für den Pulsgurt, um neben Momentan-, Durchschnitts- und Maximalpuls auf der Pulsuhr auch nachträglich den Pulsverlauf einer Trainingseinheit nachvollziehen zu können. Ironischweise fehlte mir der Blitz am meisten, als ich Ende vergangenen Jahres bei VNV Nation in Heidelberg auf dem Konzert war und dort bei „Nova“ nicht am „Sternenhimmel“ aus Handy-Taschenlampen teilnehmen konnte. Die Kamera fehlte mir beim Konzert nicht – ich trage die Erinnerung an Konzerte in meinem Herzen, nicht auf Flash-Speicher im JPEG-Format.

Nun habe ich aber jetzt ein neues … nun ja, ein „neues“ Gerät. Da ich beim Rechner ganz gerne Apple-Produkte benutze und meine ganzen Komfort-Funktionen, Script-Dingens und andere Sachen auf meinen Mac angepasst habe, ist mir irgendwie auch das dazu passende Telefon ein Anliegen, also wurde es wieder ein iPhone. Sechs? Sieben? Sieben Plus, fragt Ihr? Nö. Ganz unbeabsichtigt bin ich allerdings doch einen Schritt nach vorne gegangen – es wurde ein iPhone 5S. Der Grund war, dass ich einfach verplant hatte, dass das bisherige ein Fünfer und kein Fünf-Ess war.

Nun habe ich wieder eine Kamera, einen Blitz für die Handy-Taschenlampe, Bluetooth. Und mit was spiele ich vor allem rum, um rauszukriegen, wie ich es am besten hinkriege? Mit dem verdammten Fingerabdruck-Sensor! Ich habe heraus gefunden, dass ich meine beiden Daumen wohl je zweimal aufnehmen muss in die Liste der Finger, weil das Telefon meine Daumen nur bedingt drehen kann – und abhängig von der Anwendung mein Daumen unterschiedlich auf der Home-Taste liegt. Das ist mittlerweile gelöst, so dass ich nicht dauernd den Code eintippen muss.

Man muss der Sache auch zugute halten: mittlerweile habe ich auch die Bluetooth-Verbindung zwischen Car-Multimedia-System und Telefon wieder etabliert. Da musste das alte Gerät hinaus geworfen und das neue aufgenommen werden, weil sie gleich heißen, aber unterschiedliche Werkskennungen haben – neues Gerät, wiederhergestellt vom alten Backup. Ich war echt versucht, heute Morgen dann die Freisprechanlage im Auto zu benutzen – aber ich habe es nicht getan. Unnötige Ablenkung ist unnötig, selbst wenn sie legal wäre.

Nun kann das „Automatic-Empires“-Konzert morgen in Freiburg kommen, ich bin wieder ein Stern am Publikumshimmel bei „Nova“!

Die „Neutronenbändigerin“

Ich habe bisher wenig über meine Arbeitsstätte an der Universität Stuttgart geschrieben, sondern viel mehr über das Pendeln, meine Hobbies und dergleichen mehr. Dabei möchte ich es eigentlich auch belassen – das hier ist und bleibt mein privates Blog. Vor kurzem aber wurde ich von einer Freundin mal wieder auf Opengeiger gestoßen, da diese gerade dort ein paar Sachen nachlas. Als der Link dann vor mir lag, fiel mir der Bericht wieder ein, den der Betreiber der Seite zu seinem Besuch bei uns am Tag der Wissenschaft (das ist der Tag der offenen Tür an der Uni Stuttgart) verfasst hatte. Dabei geht es vor allem um den Besuch des Siemens-Unterrichtsreaktors SUR-100 am Institut für Kernenergetik und Energiesysteme, bei dem ich als Betriebsleiterin und Strahlenschützerin zu wirken die Ehre habe. Wer sich jetzt ein Kernkraftwerk vorstellt, darf gerne dem Link folgen und sich eines Besseren belehren lassen – die Maschine ist klein, ihre Leistungsabgabe reicht nicht, um sich selbst zu schmelzen, und im Verhältnis ist’s verdammt wenig Kernbrennstoff. Ein Bekannter nannte das Ding schon „Spielzeugreaktor“ … was mich dann doch schon ein bisschen in meiner Ehre kränkte, aber im Bezug auf die Möglichkeiten, etwas zu lernen, und die inhärente Sicherheit der Maschine durchaus nicht ganz unangebracht ist.

Natürlich spielt hier auch ein bisschen meine Eitelkeit hinein – es macht mir nicht nur Spaß, auf hoffentlich halbwegs humorvolle Weise die Dinge zeigen zu können, mit denen ich arbeite, sondern ich genieße es auch, dabei wahrgenommen zu werden. Wenn wir mit korrekt präsentierten Daten, ohne den Gegenüber mit Meinung oder einem Zuviel an Fakten zu überrennen, auch noch eine gute Show abliefern können, dann ist es meine Mission, das auch zu tun. Niemals darf man dabei vergessen, dass die Leute, die nicht so sehr „Rampensau“ sind, wie ich es bin, dabei den fast noch größeren Anteil am reibungslosen Ablauf haben.

Ich möchte hier aber gar nicht hingehen und „meine Sicht“ auf den damaligen Tag, die Ereignisse und den Bericht von Opengeiger darlegen. Der Bericht spricht für sich. Für mich ist wichtig, dass bei aller eigener Meinung, wir die Fakten nicht in eine Richtung verdrehen, die unsere eigenen Tendenzen widerspiegeln. Eine Meinung, eine politische Ansicht zu haben, das ist natürlich okay – aber wenn ich vor „meinem“ Reaktor stehe (der natürlich dem Institut bzw. der Uni gehört, den ich aber liebevoll als „meinen“ bezeichne), dann beantworte ich Fragen so gut ich kann mit Fakten. Wenn meine Meinung reinspielt, dann kennzeichne ich das – ich hoffe, das schaffe ich möglichst immer. Zumindest in meiner Lesart haben wir – also das Institut im Allgemeinen, ich im Speziellen, das ganz gut hingekriegt, nach Lektüre des Berichts – zum dem es ganz unten einen Link gibt.

Ich sage den Gästen am SUR-100 in Stuttgart gerne, dass das im Bericht beschriebene Experiment – Einbringen von Moderations-Material zum Anfachen, Einbringen von Neutronenabsorber zum Dämpfen der Kettenreaktion bei (ungestört) kritischem Reaktor uns zumindest qualitativ eine Menge sagen kann – über die Auswirkung der Materialien, über verzögerte Neutronen, über das Neutronengleichgewicht, am Ende sogar ein bisschen was über Regelmöglichkeiten für Reaktoren. Nichtsdestotrotz ist es natürlich spektakulär, den Reaktor mit Moderator zu „reizen“ oder mit Cadmium als Absorber zu „dämpfen“. So lange es beim Bild der Torera bleibt und die Tierquälerei des echten Stierkampfes eine Metapher dafür bleibt, wie ich den kleinen SUR-100 kitzle, lass‘ ich mir das Bild gefallen. Den Stierkampf als reale Tatsache lehne ich ab, als historisches Bild ist er nicht zu verleugnen.

Aber genug von mir, hier geht es zum Bericht von Opengeigers Besuch am SUR-100 in Stuttgart. Es gibt da aber noch viel mehr interessante Berichte von Messungen, bei denen der Besitzer eines Dosisleistungsmessgeräts (im allgemeinen Sprachgebrauch auch „Geigerzähler“, obwohl das nicht exakt der richtige Gebrauch der Bezeichnung ist) einfach an der richtigen Stelle hinguckt. Denn in unserer Umgebung strahlen bei weitem nicht nur künstliche Radioaktivität und Röntgengeräte, da gibt es noch viel mehr, vieles davon ist natürliche Radioaktivität. Sowas wie „gute Strahlung“ oder „böse Strahlung“ gibt’s nicht, nur verantwortungsvollen und weniger verantwortungsvollen Umgang mit den möglichen Quellen der Strahlung.

Buch und Technik

Tja … an der einen oder anderen Stelle habe ich schon angedeutet, dass ich ein Buch schreibe. Es ist kein Sachbuch über Autobahnen. Es ist ein Roman, der zugegebenermaßen auch wesentlich mehr gefühlt cool ist als unbedingt authentisch.

Aber neben einer Menge Dinge über Stil, Lektorat und so weiter habe ich auch ein paar technische Dinge über das Schreiben gelernt. Vielleicht liegt das auch ein bisschen daran, dass ich einerseits faul bin und andererseits unorganisiert, und das irgendwie auf die Reihe kriegen muss.

Wo will ich hin?

Die Rahmenbedingungen, wie und in welche Ausgabeformate hinein ich schreiben wollte, haben sich mit der Zeit entwickelt, aber im Endeffekt steht nun folgende Anforderung im Raum:

  • Ich möchte mehrere Ausgabeformate erstellen können. Derzeit umfasst die Liste: PDF (A4, Blocksatz), „Normseiten“-PDF (A4, Zeilennummern, feste Spalten- und Zeilenzahl, breite Ränder), ePub, mobi. Außerdem soll das Ganze erweiterbar sein für neue Formate.
  • Ich möchte die Möglichkeit haben, einzelne Geschichten einzeln in die Ausgabeformate zu setzen, aber auch Sammlungen zu erstellen, in denen mehrere Einzelgeschichten zusammengefasst werden.

So weit, so einfach. Da ich aber – wie oben geschrieben – faul und unorganisiert bin, kommen noch weitere Rahmenbedingungen hinzu.

  • Ich möchte, dass ich Änderungen und Korrekturen in Geschichten nur einmal machen muss, so dass in einer Geschichte immer der gleiche Text-Content drin ist, egal in welchem Format. Das heißt: ich möchte den Quelltext meiner Geschichten nur einmal vorhalten und bei Änderungen nur an einer Stelle ändern müssen.
  • Ich möchte, dass die Formatierungen immer gleich aussehen. Wenn ich also die Spaltenzahl in meinen Normseiten-PDFs anpasse, soll das für alle Geschichten gleichermaßen vorgenommen werden. Das heißt: ich möchte die Formatierungs-Dateien nur einmal vorhalten und für jeden Text bei Übersetzung in ein bestimmtes Format das gleiche Formatierungs-File verwenden.

Auf sehr abstrakter Ebene ist die Lösung vollkommen simpel. Ich bilde eine Matrix – in den Zeilen stehen Formatierungen, in den Spalten stehen die einzelnen Texte. Mit den oben genannten vier Formaten und z.B. fünf Geschichten, die ich geschrieben habe, wären das 4 Formatierungs-Dateien und 5 Geschichten-Dateien, heraus kommen 4×5=20 Ausgabe-Dateien.

Ein winziges, aber nur winziges bisschen komplexer wird’s durch die Sammlungs-Ausgaben. Hier kommt dann noch eine Art Liste dazu, in der festgelegt wird, welche Content-Dateien in welcher Reihenfolge in die Sammlung hinein kommen.

Wie bin ich da hin gekommen?

Um zu erklären, wie ich da hin gekommen bin, wo ich hin wollte, muss ich glaube ich erst einmal meine Vorgeschichte anreißen. Ich habe Physik studiert und meine Diplom- und Doktorarbeiten in LaTeX geschrieben. Meine Analyse-Tools habe ich in C++ unter Verwendung einer Library vom CERN geschrieben, das Aufrufen meiner Analyse-Tools und auch anderer Dinge in bash mit Makros geregelt. Die Aufgabe, meine Texte zu verwalten, würde zwar mittlerweile den Einsatz eines kompilierten Programmes rechtfertigen, aber zu Anfang dachte ich, das wäre mit Kanonen auf Spatzen Schießen. Also habe ich mich an LaTeX und bash gehalten.

Mein System enthält nun vier „Arten“ von Dateien: Formatierungsdateien (LaTeX-Präambeln mit einem „Template-Include“), Sammlungslisten (LaTeX-Schnipsel, in denen letztlich nur eine Liste von \include-Befehlen drin steht), Text-Quell-Files (TeX-Dateien, in denen nur der Text meiner Geschichten drin steht, allerdings Text-Struktur-Befehlen und Sonderzeichen-Befehlen aus LaTeX, also mit LaTeX verarbeitbarer Text) und Text-Include-Files (wie die Text-Quell-Files, nur dass sie lediglich in Sammlungen verwendet werden).

Die eleganteste Lösung wäre nun eine bash-Schleife, die über alle Formatierungsdateien loopt, darin eine zweite Schleife, die über alle Sammlungslisten und Quell-Files loopt und darin der Aufruf eines Befehls. Heraus kommen (Zahl der Formate) x (Zahl der Einzelgeschichten + Zahl der Sammlungen) Dateien. Jede Formatierung und jedes Stück Inhalt wird nur einmal vorgehalten. Ganz so einfach ist es leider nicht, aber das ist das Prinzip.

Problem 1: LaTeX zu PDF und LaTeX zu eBook-Format erfordert etwas unterschiedliche Befehlsketten. Außerdem müssen noch ein paar Ersetzungen vorgenommen werden, weil manches in von LaTeX erzeugten PDFs gut aussieht, aber in über LaTeX erzeugten HTMLs, die dann per calibre command line tools zu ePub und mobi gemacht werden, nicht so gut aussieht. Die Lösung: meine Schleife im Script loopt über alle Text-Quell-Files, aber die einzelnen Präambeln stehen explizit mit individuell für das Format gemachten Befehlsketten innerhalb der Schleife.

Problem 2: LaTeX unterstützt kein „geschachteltes“ Inkludieren. Präambel inkludiert Liste inkludiert Quell- und Include-Files funktioniert also nicht. Die Lösung: daher habe ich die Include-Listen aus meiner Quell-File-Schleife herausgenommen und füge aus Muster-Präambel und Include-Liste ein Sammlungs-Master-File zusammen. Dafür benutze ich cat. Da das etwas andere Befehle (und einige Zeilen mehr) erfordert als nur die Quellfiles in die Präambeln zu inkludieren, entsteht für die Listen-Files eine zweite Schleife.

Problem 3: Der Script arbeitet und arbeitet und arbeitet – obwohl wenig geändert wurde. Die Lösung: von jedem der (an Speicherplatz kleinen) Quell-Files wird bei jedem Run des Scripts eine Kopie erstellt. Bevor der Script LaTeX anwirft, checkt er erstmal, ob sich was verändert hat. Hat sich die einzelne Geschichte geändert, übersetzt er sie nochmal. Hat sich eine Präambel geändert, übersetzt er alles nochmal in dieses Ausgabeformat. Hat sich eine Einzelgeschichte oder ein Include-File geändert, übersetzt er alle Sammlungen nochmal. So schlau, dass der Script eine Include-Liste mit der Liste der geänderten Dateien abgleichen kann, ist mein Script (noch) nicht.

Welche Werkzeuge benutze ich?

LaTeX in Form von pdflatex und htlatex aus dem Paket tex4ht. Calibre, hieraus allerdings nur die command line tools, vor allem ebook-convert, ebook-polish, ebook-meta. Ganz exzessiv bash. Für Ersetzungen und ein bisschen Statistik – Wörter Zählen, Listen der verschiedenen Worte Erstellen und so weiter – kommt perl zum Einsatz.

Kurz gefasst: Was macht mein System?

Mein System macht aus Quell-Format-Dateien und Quell-Text-Dateien formatierte Ausgabe-Dateien. Mein System macht aus Quell-Format-Dateien, Include-Listen und Quell-Text-Dateien formatierte Ausgabe-Dateien.

Dateiencontent: preamble[Format].tex, [sammlung]Basis.tex, [geschichte]Source.tex, [sammlung][bezeichnung]Include.tex

Arbeitsschritte: Vergleich mit Vergleichsordner, ob sich was geändert hat. Wenn ja: Loop über Einzelgeschichten, „Loop“ über Präambeln, Befehle zum Übersetzen, Kopieren der Enddateien in Ausgabeordner, Löschen der Zwischenschritt-Files. Loop über Include-Listen, „Loop“ über Präambeln, Bauen eines Masterfiles aus Include-Liste und Präambel, Befehle zum Übersetzen, Kopieren der Enddateien in Ausgabeordner, Löschen der Zwischenschritt-Files. Zuletzt Kopieren der Rohdaten in den Vergleichsordner.

Ausgabe: [sammlung].pdf, [sammlung]Normseiten.pdf, [sammlung].epub, [sammlung].mobi, [geschichte].pdf, [geschichte]Normseiten.pdf, [geschichte].epub, [geschichte].mobi

Was noch fehlt:

Aufräumen und Segmentieren für bessere Wartung. Eventuell Umbau in ein kompiliertes Programm für bessere Performance.

Warum ich all das hier aufgeschrieben habe?

Ich habe eingestandenerweise lange gesucht, bis ich all die Dinge zusammen hatte, die ich brauchte, um in oben genannter Weise, aus meiner Sicht „vernünftig“ mit meinen Texten umgehen konnte. Vielleicht hilft es ja irgendjemandem, sich selbst ein ähnliches System zu bauen.