Vorahnung von Verzögerung

Es ist nicht selten so, dass ich an einer Tankstelle, an einer Kaffee-Ausgabe an der Raststätte Pforzheim Ost, irgendwo jedenfalls, wo man an der Kasse manche Produkte zum Zahlen mit hinbringt, andere von dem dortigen Mitarbeiter gereicht bekommt, schon ahne: „Oh Mist, das wird jetzt länger dauern!“, wenn ich die Leute vor mir sehe. Gestern morgen, als ich tanken musste, war das mal wieder so:

Ich hängte gerade die Zapfpistole wieder in die Tanksäule ein und machte mich auf den Weg zum zahlen, da sah ich eine Gruppe um die Ecke des Tankshops kommen: Fünf Frauen, die meisten davon eher Mädchen, dazu ein junger Mann, bei dem ich die Bezeichnung „Junge“ eigentlich fast angebrachter fände. Und wie ich es ahnte, schwirrten die sechs Leute um die eine Kasse herum wie die Wespen um das Glas Cola, jeder musste einzeln seine Wünsche verkünden, überlegte mehrfach um, diskutierte mit den anderen. Zum Glück war noch eine zweite Kasse offen, an der vier eilige Leute – eine davon ich – einfach nur null bis drei Produkte und jeweils eine Tankfüllung pro Person bezahlen wollten.

Ähnliches gab es vor kurzem am Rasthof Pforzheim. Dort gibt es einen Coffee-Fellows-„Stand“ innerhalb der Raststätte, an dem Kaffee frisch gemahlen und aus dem Siebträger verkauft wird. Allerdings gibt es dort auch Doughnuts, Bagels glaube ich auch, Brezeln, Brötchen … Panini vielleicht sogar. Zeug zum Essen, jedenfalls. Tee gibt es auch.

Faszinierende Szene Nummer 1: Zwei Bundeswehrsoldaten in Feldanzug (oder wie man das auch immer nennen mag) stehen an der Kasse und entscheiden sich dreimal zwischen verschiedenen Kaffees zum Hiertrinken oder Mitnehmen um, hinter mir ist ein schlanker, großer Herr mit merklicher Eile schon reichlich genervt. Und dann bestellt der in der Schlange vor mir umständlich und mit fast einer Minute Diskussion nicht nur einen Cappuchino zum Mitnehmen, sondern auch noch ein belegtes Brötchen, das gerade nicht verfügbar ist … Im Ergebnis musste der Mitarbeiter dort das Brötchen bereiten, bekam auf die Schnelle keinen zweiten Mitarbeiter für die Kaffeemaschine und eine ungeduldige Schlange wurde langsam immer genervter. Ich sah das ganz gelassen, aber ich konnte auch die anderen Warter verstehen.

Faszinierende Szene Nummer 2: Vor meinem Mann und mir steht ein etwas verwirrt aussehender Herr, der bei dem Coffee Fellows Menschen umständlich einen mittleren Kaffee bestellt – langsam kristallisierte sich heraus: Vor uns steht ein Brite. Dieser bestellte dann zum Kaffee noch einen Tee und zwei Doughnuts. Der Mitarbeiter: „What kind of tea?“ – „Eh … I don’t care.“ – „We have different teas.“ Der Mitarbeiter zeigt dem Kunden eine Schachtel, in der neun verschiedene Teesorten säuberlich beschriftet verfügbar sind. „I don’t know“, bescheidet ihm der Kunde. Der Mitarbeiter guckt verwirrt. Der Kunde: „It doesn’t matter, it is for my wife.“ Die ganze Warteschlange lacht. Der Brite tauscht sich über die Warteschlange hinweg mit seiner Frau aus, die am Ende der Schlange vor der Vitrine mit den belegten Brötchen steht, um dort auszuwählen. Das Ergebnis: „We don’t care which kind of tea.“ – „So my choice?“, fragt der Mitarbeiter. Der Brite nickt. Also kriegt er Darjeeling. Natürlich dauerte es dann noch einen Moment, aber mein Mann und ich konnten beinahe nicht mehr ob dieser skurrilen Unterhaltung. Bis wieder genervte Ungeduld auftreten konnte, waren wir dann schon dran und ich bekam meinen doppelten Espresso.

Boxenstop-Bequemlichkeit

Wo tanke ich am besten?

Das ist eine Frage, die ich mir ein bis zwei Mal in der Woche stellen muss. Mein Tank fasst – der Erfahrung nach – ungefähr 33 Liter, bis die Reserveleuchte leuchtet. Da ich jeden Tag 86 Kilometer hin zu Arbeit und 86 Kilometer zurücklege, und mein Verbrauch bei ungefähr 4,8 Liter auf 100 Kilometer beträgt, schaffe ich knapp mehr als drei Tage mit einer Tankfüllung. Und dann stellt sich eben obige Frage:

Wo tanke ich am besten?

Die Auswahl ist – wenn ich keinen Umweg fahren möchte – durchaus nicht SO groß: Es gibt da zwei Tankstellen an der B3 – eine Shell an der Stelle, an der ich die B3 morgens ansteuere, und eine Total in Neumalsch. Dann ist da noch die Rastanlage Pforzheim und der Autohof mit Shell-Tankstelle in Rutesheim – und nur auf der Hinfahrt noch der Rasthof Sindelfinger Wald, das müsste Aral sein. Kleine Umwege inbegriffen, sind dann noch die Esso und die freie Tankstelle in Stuttgart Vaihingen – da muss ich dann allerdings statt in „Vaihingen-Universität“ erst an der Auffahrt Vaihingen auf die B14/A831, und das nervt dann schon ein bisschen. Daheim gibt es dann noch die Dorftankstelle in Bietigheim, eine Agip. Da ich keine ideologischen Vorbehalte gegen irgendeine Ölgesellschaft habe – das ist die Frage nach Pest oder Cholera – zählt für mich praktische Erreichbarkeit und der Preis. Und dieser ist dann nun wieder recht stark von der Zeit abhängig, leider allerdings nicht immer voll vorhersagbar. So zum Beispiel die Shell in Rutesheim, direkt an der Ausfahrt. Die ist super zu erreichen, und sie war zu Anfang konkurrenzlos günstig. Verglichen mit den beiden Tankstellen an der B3 gab es oft Unterschiede von fünf bis zehn Cent pro Liter! In letzter Zeit allerdings habe ich den Eindruck, dass sich das stark relativiert hat – die fragliche Station an der Autobahn ist inzwischen sogar eher teuer, meinem Eindruck nach. Neben diesen langfristigen Schwankungen gibt es auch kurzfristigere. So ist es recht konsequent teurer, morgens zu tanken – abends auf der Heimfahrt ist es meistens günstiger, an allen Tankstellen, die ich vorfinde. Außerdem scheint es in der Wochenmitte eher günstig zu sein – und am Sonntag. Aber auch nicht immer. Über den lang- und kurzfristigen Schwankungen des Benzinpreises scheint eine starke Zufallskomponente zu liegen, und viele der Schwingungen sind manchmal stärker, manchmal schwächer ausgeprägt – so kann es sehr gut sein, dass eine Faustregel von früher ein paar Monate später gar nicht mehr wirkt. Im Endeffekt zählt dann doch wieder vor allem die Bequemlichkeit …

Also: Wo tanke ich am besten?

Die Antwort für mich ist dann doch: Wo’s mich am wenigsten Zeit kostet, wo die Leute am freundlichsten sind und wo ich mich nicht über das Verhalten der anderen Fahrer auf der Tankstelle ärgern muss. Sprich: Am besten eine Tankstelle, die gut erreichbar ist, an der klar geregelt ist, in welcher Richtung man sein Auto neben die Tanksäule stellt, an der man nicht lang warten muss und freundliches Personal einen erwartet. Für mich ist das ganz gewiss nicht der Rasthof Pforzheim Ost. Am schönsten ist’s irgendwie immer noch, in Neumalsch oder Rutesheim zu tanken. Immer vorausgesetzt, die ungeduldigen Damen und Herren in Rutesheim versuchen nicht, schneller an eine Säule zu kommen, in dem sie um die Säulen herum fahren und von der Seite des Tankstellengebäudes zwischen die Säulen fahren. Und immer vorausgesetzt, es hat nicht mal wieder ein LKW die halbe B3 zugeparkt, um nicht auf den Tankstellenhof der Tankstelle in Neumalsch fahren zu müssen.

Ich scheine mal wieder sehr subjektive Antworten zu haben …