Bilanz Lauf-Quartal Nummer 2

Am heutigen Samstag neigt sich das zweite Quartal 2018 zu seinem Ende. Gelaufen bin ich – im zweiten Quartal habe ich drei Wettkämpfe absolviert: Badische Meile, Halbmarathon beim Dämmer-Marathon in Mannheim und Würmerschen Speckkälblelauf. Die Ergebnisse ließen sich jeweils sehen – schnell gelaufen bei der Badischen Meile, 1:35:53 beim Halbmarathon und einen Sieg bei den Damen in Würmersheim.

Ich bin allerdings auch sonst eine Menge gelaufen, unter anderem hat im Laufe des Juni mein Training für den Marathon im September seinen Beginn genommen. Der derzeitige Gesamt-Kilometerstand für dieses Jahr sind 1201 Kilometer, es sind also noch 299 Kilometer bis zum Jahresziel. Das werde ich definitiv überschreiten. Trotz einer kleinen Nach-OP am Unterlid, wieder ohne auffälligen oder gefährlichen Befund, bin ich im Juni erstmals ÜBER 250 Kilometer gelaufen – zwar nur 150 Meter drüber, aber das ist dann ja egal, drüber ist drüber.

Q2Y2018StreckeDauer
Strecke und Dauer meiner Lauferei, monatsweise summiert, Juli 2017 bis Juni 2018.

Im Diagramm ist deutlich zu sehen, dass ich für die Wettkämpfe im Mai ein wenig den Trainingsumfang reduziert habe und auch danach regeneriert. Im Juni wurde dann wieder mehr gelaufen …

Q2Y2018Kinetik
Mittlere „Pace“ und mittlere Distanz pro Einheit monatsweise von Juli 2017 bis Juni 2018.

Deutlich ersichtlich war ich im Mai sehr schnell – was nicht zuletzt an zwei sehr schnell gelaufenen Wettkämpfen auf meinem Mai-Konto liegt. Das Tempo ging nach dem Halbmarathon trotz des recht flotten Speckkälblelaufs im Juni deutlich runter – dafür ist aber deutlich zu sehen, dass im Hinblick auf den Marathon die Distanzen größer wurden.

Q2Y2018Verbrauch
Gesamtlaufstrecke pro Monat und aus dem Tracking abgeleiteter Kalorienverbrauch beim Laufen geteilt durch den aus dem Gewicht abgeschätzten Grundverbrauch in Prozent.

Diesen Plot mag mein Vater sehr gerne, auch wenn ich ihn nur beschränkt aussagekräftig finde. In Blau sieht man die Gesamtstrecke pro Monat – und dann noch die Laufkalorien in Einheiten des Grundverbrauchs in Ruhe. Wenn die Berechnung also halbwegs korrekt ist – was man durchaus in Frage stellen kann, weil das alles mit Annahmen behaftet ist – habe ich in April und Juni 2018 jeweils beim Laufen so viele Kalorien verbraucht, dass allein das Laufen nochmal ein Drittel meines Grundverbrauchs in Ruhe zusätzlich verbrannt hat – all die gehend zurückgelegte und durch Krafttraining verbrauchte Energie noch nicht mitgerechnet.

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Von Schwankung und Trend

Durch meine Arbeit und mein Studium habe ich ein bisschen damit zu tun, aus Daten Kurven abzuleiten – also aus einer Sammlung von Messungen eine Trendlinie zu bestimmen. Das ist ganz grundlegende Mustererkennung.

Meist unterliegt man hier einem Problem: Unser Gehirn ist ein hervorragender Mustererkenner – es erkennt auch dort Muster und Strukturen, wo gar keine existieren. Besonders augenfällig wird das bei Messdaten, die statistischen Schwankungen unterliegen, welche die vorhandene oder auch nicht vorhandene Entwicklung überlagern. Ein Beispiel:

Zerfall.jpg

Man sieht hier eine Messung von Zerfällen in jeweils zwei Minuten – das Ganze nimmt gemäß eines exponentiellen Trends ab. Für Fortgeschrittene: Ja, eine exponentielle Zerfallskurve in halb-logarithmischen Koordinaten wäre eine Gerade, die Krümmung kommt durch Einbeziehung des Nulleffekts hinein. Nehmen wir uns zwei aufeinanderfolgende Messpunkte, ist manchmal der Trend direkt ablesbar. Manchmal steigt aber von einem auf das nächste Zeitintervall die Zahl der Zerfälle wieder. Unser Gehirn würde eine Trendlinie ansteigender Zerfallszahlen zeichnen, weil es das „Große, Ganze“ nicht sieht. Bei einer solch einfachen Messung kann man ganz gut abschätzen, wie groß die zufälligen, also statistischen Abweichungen im Mittel sind – dargestellt durch die Fehlerbalken. In der Abschätzung und Darstellung der Unsicherheiten durch Fehlerbalken steckt aber auch schon eine gewisse intellektuelle Leistung drin, die unser Gehirn bei mit dem Auge gewonnenen Messreihen in der Regel nicht vollbringt. Unser Auge sieht zwei aufeinanderfolgende Messpunkte ohne Fehlerbalken und verlängert die Linie zwischen ihnen in die Zukunft. Dabei kann unsere Mustererkennung ein Muster finden, das gar nicht existiert – oder ein falsches.

Aber warum bringe ich so ein Beispiel?

Ganz einfach: Genau so läuft es auch in anderen Bereichen. Ob ich nun die Entwicklung meiner Laufleistung und meines Gewichts analysiere oder im Straßenverkehr unterwegs bin: Überall nehme ich Messdaten, die mit statistischen Fluktuationen behaftet sind, und versuche daraus eine Tendenz abzuleiten. Wenn ich auf der Waage stehe und mehr wiege als am Vortag, sagt mein Kopf: „Du musst was ändern, Du wirst schwerer!“ Auch ein langsamer Lauf – ob nun im Training als langsam vorgesehen oder einfach nur wegen Tagesform nicht so toll gelaufen – weckt sofort das Gefühl einer Tendenz. Wenn man dann nachdenkt, findet man oft einen Grund – manchmal aber auch nicht. Denn oft läuft’s halt einfach ein bisschen anders als zuvor, auch das unterliegt statistischen Schwankungen – Gewicht ebenso wie Tagesleistung.

Wo diese „schnelle“ Mustererkennung, das Ableiten eines Trends aus wenigen, zu wenigen statistisch unsicheren Daten gefährlich oder zumindest problematisch wird, ist der Straßenverkehr. Damit meine ich nicht die Unterstellung: „Gestern war frei, heute ist etwas Stau, morgen steht alles!“ Auch diese Gedanken kommen einem, aber das Verkehrsaufkommen und das Auftreten von Staus sind zwar sicher an externe, sich kontinuierlich verändernde Einflussfaktoren gekoppelt, allerdings durchaus auch mal von zufälligen Aspekten beeinflusst. Allein das Auftreten eines Unfalls mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit heißt: Mal tritt er auf, mal nicht. Vorhersagbar ist eventuell aus früheren Daten die Auftrittswahrscheinlichkeit, nicht aber der genaue Zeitpunkt, nicht der genaue Ort und nicht, an welchem Wochentag es passiert.

Aber ich schweife ab. Gefährlich wird das genau dort, wo ich aus einer Schwankung des Verkehrsstroms einen Trend ableite: Die vor mir im Stau beschleunigen, weil wohl gerade wieder ein Stück Straße frei geworden ist, für mich macht ein Beschleunigen ein Ende des Staus und ich beschleunige ebenfalls – stark. Dann darf ich wieder stark bremsen und die hinter mir müssen noch stärker bremsen und der Stau wird schlimmer. Deswegen bemühe ich mich, das Stop-And-Go im Stau als Schwankung zu betrachten und langsam hinterherzurollen, die Fluktuationen auszugleichen. Dafür braucht man Abstand, dafür riskiert man auch mal, dass drei oder vier Schlauberger von einer anderen Spur in diese Lücke springen. Insgesamt sollten wir uns aber nicht von den Schwankungen der Geschwindigkeit foppen lassen. Meist geht es auf allen Spuren im Stau gleich langsam voran, Spurwechsel bringen Unruhe in den stockenden Verkehrsfluss und lassen ihn noch mehr stocken, während sie dem Lückenspringer wenig bis gar keinen Zeitgewinn bringen.

Wir sollten uns bewusst machen, dass die Geschwindigkeit der Vorderleute, der Leute auf dem Streifen neben uns, sowohl im Stau als auch bei frei fließendem Verkehr, gewissen Schwankungen unterliegt. Daraus sollten wir keine Tendenz machen und deswegen lieber Abstand und Spur halten – den vermeintlichen Trends zu folgen, dass es vorne oder auf der Nebenspur schneller vorangeht, bringt uns meistens im Endeffekt recht wenig und stört dabei den Verkehrsfluss sehr stark.

Ein halbes Jahr Laufen

Im März habe ich wieder angefangen zu Laufen. Ich wusste noch nicht richtig, was daraus werden würde, aber ich habe brav alles aufgezeichnet und mal geschaut, was draus wurde. Nach einem halben Jahr und vor Wettkampf Nummer 2 (Baden-Halbmarathon am 17.09.) und Wettkampf Nummer 3 (Köhlbrandbrückenlauf am 03.10.) fühle ich mich reif dafür, eine kurze Zwischenbilanz zu ziehen.

Schon in der zweiten Augusthälfte habe ich Statistiken immer wieder angeschaut – ich benutze ja Runtastic, um die Dinge aufzuzeichnen, die ich sportlich betreibe. Nun habe ich mir die Arbeit gemacht, die Daten mal in eine Excel-Datei zu übertragen, um Diagramme so zu erstellen, wie ich es gerne hätte. So richtig unerwartet sind die Ergebnisse nicht, aber die Tendenz ist, wie schon einmal gezeigt, überraschend deutlich: Meine Laufstrecke und die beim Laufen verbrachte Zeit stiegen an. Die Laufstrecke pro Aktivität stieg ebenfalls an, schneller wurde ich auch. Wie die meisten Läufer orientiere ich mich vor allem an der Darstellung der Geschwindigkeit, die gemeinhin als „Pace“ bezeichnet wird, also der Zeit, in der ich einen Kilometer zurücklege. Die Pace sank natürlich, da ich schneller wurde. Beim Gewicht sieht es ähnlich aus – wenn man die kurzfristigen Schwankungen herausnimmt, was ich durch monatliche Mittelung realisiert habe, habe ich von im März 76 Kilogramm bei 174 Zentimetern Körperhöhe auf 67 Kilogramm abgenommen – die Kurve sollte aber langsam flacher werden. Einzig bei den Höhenmetern liegt kein „monotones“ Verhalten vor, wie man das mathematisch ausdrücken würde: Im August fiel die zuvor ständig – also „streng monoton“ – steigende Zahl an überwundenen Höhenmetern wieder ab. Das lag allerdings auch daran, dass Laufen in hügeligem bis bergigen Gelände sich im Mai, Juni und Juli ergab, während mein Training im August fast ausschließlich in der überaus flachen Oberrheinischen Tiefebene stattfand.

Da aber ein Bild mehr sagt als 1000 Worte, seht Ihr unten ein paar Diagramme zu meiner Entwicklung über das letzte halbe Jahr. Es sind fünf Bilder – also sagen sie mehr als 5000 Worte …

StreckeDauerAugust17.png

Die Gesamtlaufstrecke pro Monat und die Zeit, die ich beim Laufen dieser Strecke verbracht habe. Natürlich steckt hier auch irgendwie die Geschwindigkeit drin, aber ich finde das Bild an sich interessant, um die Steigerung an reiner Masse zu visualisieren.

AktivitaetenStreckeAugust17.png

Die Gesamtlaufstrecke pro Monat noch einmal, dieses Mal aber in einem Bild mit der Zahl der Aktivitäten – also kurz gefasst: Wie oft war ich Laufen in den Säulen. Das „wie oft“ ist erstaunlich konstant geblieben.

MittlStreckePaceAugust17.png

Jetzt kommen die abgeleiteten Größen: Mittlere Länge einer Laufaktivität, jeweils über einen ganzen Monat gemittelt, und mittlere Pace, ebenso über den gesamten Monat. Die Klarheit dieser Entwicklung hat mich ziemlich verblüfft.

HoehenmeterSteigungAugust17.png

Die Höhenmeter habe ich auch getrackt – hier sieht man die Summe der Höhenmeter monatsweise, dazu eine Pseudo-Steigung: Einfach Höhenmeter durch zurückgelegte Laufstrecke geteilt, für die Monatssummen.

GewichtFettAugust17.png

Zu guter letzt die Entwicklung meines Körpers. Über die Genauigkeit von Körperfettwaagen kann man streiten – ich betrachte den hier gemessenen Fettanteil als eine grobe Tendenz, das Gewicht ist sicherlich exakter gemessen als der Fettanteil. Die Tendenz ist allerdings sehr deutlich – in beiden Werten. Für das Diagramm habe ich Monatsmittelwerte meiner Messungen gebildet – einfaches arithmetisches Mittel. Natürlich macht man dabei einen kleinen Fehler durch die Mittelung einer vielleicht nicht-linearen Tendenz, zugleich verringert man aber auch die Schwankungen, die durch Tagesform, Nahrung, genauen Zeitpunkt der Messung und so weiter nicht ganz vermeidbar sind.

Ich hoffe, die Aufbereitung der Daten ist halbwegs klar geworden – die sehr klaren Tendenzen, die ich sehe, beeindrucken und begeistern mich. Ich werde diese Datei auf jeden Fall weiterführen und schauen, wie es sich weiter entwickelt.

Mittlere freie Weglänge

Ich habe vor langer Zeit einmal über Unfallhäufigkeiten gesprochen und dabei dann erwähnt, wie weit ich schon gefahren bin, ohne dass ich einen Unfall hatte. Dabei sind explizit Pannen ausgenommen, das kann immer mal passieren und hat, sofern es keine grobe Vernachlässigung des Wartungszyklus oder von Warnungen als Ursache gibt, nichts mit der Qualität des Fahrers zu tun.

Nun stellte sich mir – immer wieder, aber nie intensiv genug, um wirklich nachzuforschen, eine bestimmte Frage. Es war die Frage: Fahre ich nun über längere Strecken unfallfrei als der Durchschnitt, oder dauert das noch eine Weile. Natürlich muss man hier zwischen fremd- und selbstverschuldeten Unfällen unterscheiden, aber da ich seit einer ganzen Menge Kilometern GAR KEINEN Unfall welcher Art auch immer hatte, brauche ich diese Betrachtung auch erstmal nicht zu machen.

Zunächst einmal stellt sich die Frage: Wie weit bin ich überhaupt seit meinem letzten Unfall gefahren? Hierfür gehe ich mal zurück in das Jahr 2008. Mit meinem damaligen Freund und heutigen Mann war ich schon zusammen, es muss im Herbst 2007 oder im Winter 2007/08 gewesen sein. Da hatte ich etwas, das man als Unfall bezeichnen könnte – allerdings betraf es nur mein Auto und basierte auf einem technischen Versagen: an der Vorderradaufhängung meines Autos sprang etwas heraus, ich musste mich abschleppen lassen. Ein Glück kam mein Mann dazu und beruhigte mich etwas. Aber hier hatten wir technisches Versagen, wobei die Wartung zwar etwas her war, aber man mir sagte, dass man die Ursache für dieses Versagen bei einer normalen Inspektion erst wenige hundert Kilometer vor dem Vorfall hätte bemerken können. Wie weit das korrekt ist oder nicht, sei dahingestellt, aber es war der letzte unfallartige Vorfall, den ich hatte. Den kaputten Auspuff, der mal ein bisschen auf dem Boden schleifte (letzte Inspektion war ca. 2500km her), die defekten Zündkerzen und die kaputte Kupplung rechne ich nicht mit, da ich jeweils nach geordnetem Halten auf dem Seitenstreifen, checken des Problems, Telefonat mit ADAC oder Werkstatt aus eigener Kraft zur Werkstatt fuhr. Alles in allem hat mein silber-metallic Aygo der ersten Generation eine Viertelmillion Kilometer gefressen, der aktuelle liegt bei 56.000 Kilometer. Damit wäre ich also bei ca. 300.000 Kilometern, die ich seit dem letzten unfall-artigen Vorfall gefahren bin. Dazu kommen die ca. 195.000 Kilometer, die ich unfallfrei auf den oben erwähnten Wagen – einen grauen Mercedes 200D – gefahren hatte, bevor ich die „Alte Dame“ kurz nach dem Vorfall mit der Vorderradaufhängung gegen den silbernen Aygo tauschte. Die „Alte Dame“ hatte vom Vorbesitzer, meinen Großeltern, schon etwa 150.000 Kilometer gesehen, wurde also bei knapp 400.000 Kilometern außer Dienst genommen. Macht also eine knappe halbe Million Kilometer, die ich selbst bereits gefahren bin.

Das Vorgängerauto der „Alten Dame“ war mein blaumetallic-lackierter Fiat Punto, der sein Leben in einem Unfall aushauchte – einem nicht von mir verschuldeten, denn von mir verschuldete Unfälle, die versicherungsrelevant oder Polizei erfordert hätten, hatte ich noch gar nicht. Es gab nur mit oben genanntem Punto, der auch seine 200.000 Kilometer hatte, als er nach unverschuldetem Unfall mit Totalschaden aus dem Verkehr gezogen wurde, einen Vorfall bei Glatteis, bei dem ich in Zeitlupe Rücklicht an Rücklicht gegen einen Fiat Cinquecento rutschte, dabei ging eine Rücklicht-Scheibe zu Bruch und das war’s. Der „Kleine“ hatte damals keine 40.000 Kilometer auf dem Zähler.

In Summe kann ich also vorweisen:

  • etwas über 450.000 Kilometer gänzlich unfallfreies Fahren,
  • knapp 650.000 Kilometer ohne selbst verschuldeten Unfall und
  • etwa 700.000 Kilometer ohne selbst verschuldeten Unfall, der versicherungsrelevant geworden wäre.

Ist das nun viel oder wenig? Dafür brauche ich die Strecke, die ein durchschnittlicher deutscher Autofahrer zwischen zwei Unfällen zurücklegt. Dafür habe ich die ADAC-Unfallstatistik aus dem Jahr 2014 konsultiert. Relevant ist die Sparte „PKW“, in der 0,25 verunglückte Personen pro einer Million Personenkilometer ausgewiesen werden. Wenn man ganz naiv rechnet, sind das vier Millionen pro Person zurückgelegte Kilometer zwischen zwei Unfällen (mit Verletzten, wenn ich das richtig lese). Die entsprechende Vergleichszahl in meiner Fahrerkarriere sind die 700.000 Kilometer ohne selbst verschuldeten Unfall, der versicherungsrelevant geworden wäre. Beim Unfall, der meinen geliebten Punto zerstörte, wurde niemand verletzt – weder ich, noch die verursachende Gegnerin und auch nicht ihr Beifahrer. Da kam zwar die Polizei – was gut war, um alles in Sachen Schuld zu klären, mir wurde die Vorfahrt genommen – und ein Krankenwagen kam zufällig vorbei und kümmerte sich um mich und die andere Fahrerin, da wir beide einen Schock erlitten hatten. Aber verletzt im eigentlichen Sinne wurde niemand.

Von der „mittleren freien Weglänge“, die in der Physik die mittlere Strecke eines Gasteilchens zwischen zwei Stößen angibt, bin ich also noch weit entfernt. Die Arroganz, weiter zwischen zwei Unfällen gefahren zu sein als der gemittelte deutsche Autofahrer, muss ich mir also erst noch verdienen.

Man lernt nie. Aus!

Tja, dass ich ein Buch geschrieben habe, habe ich hier nun ein bisschen ausgebreitet. Auch, dass das Buch nicht vom Autoverkehr handelt, habe ich Euch erzählt.

Nun habe ich viele Dinge beim Schreiben und zur Veröffentlichung Vorbereiten meines Buchs gelernt – über eBook-Formate, über Lektorat, über … nun, vieles. Eine weitere Sache lerne ich aber gerade in diesen Tagen: Werben. Während ich hibbelig meinen Verleger alle paar Tage mit der Frage nach Verkaufszahlen nerve, überlege ich zugleich, wie man das Buch bekannter machen kann. Neben den üblichen Kanälen – mein Blog, mein Facebook-Profil, das persönliche Gespräch – suche ich nach weiteren Wegen. Ein bisschen was zum Thema Werbung habe ich auch als Kind schon gehört: Meine Mutter hat Graphik-Design studiert und wollte bei einer Werbeagentur anfangen, als ich sozusagen „dazwischenkam“. Somit habe ich durchaus Erzählungen meiner Mutter über Werbung, wie das geht und wie man etwas dafür designt angehört, als ich ein Kind war. Nicht, dass hier ein falscher Eindruck aufkommt: Meine Mutter hat ihre Karriere zwar nicht gerne für mich und meine Schwester hintenangestellt, man könnte auch sagen: aufgegeben. Aber spüren lassen hat sie uns das nie.

Zurück zum Thema: Meine Mutter erklärte öfter, worum es letztlich geht: Aufmerksamkeit Generieren. Das geht auf zweierlei Extreme: besonders gute, intelligente, gewitzte Werbung auf der einen Seite – die schwere Variante. Die Werbung, bei der sich alle an den Kopf fassen und erklären: „Mein Gott, wie schlecht!“, die funktioniert genauso gut und ist zudem leichter zu erreichen. Oder auch: Ein berühmter PR-Manager sagte wohl einmal: „Schreiben Sie über mich, was Sie wollen – aber schreiben Sie meinen Namen richtig!“

Nun bin ich jetzt selbst in der Verlegenheit, ein Produkt zu haben, das ich gerne bekannter machen würde. Ich mag eigentlich nicht den Weg gehen, möglichst tiefes Niveau zu erreichen, um Aufmerksamkeit zu generieren. Zugegeben: mit schlechten Wortwitzen aus meiner Freundeskreise um Likes zu auf Facebook zu heischen, das habe ich zum Sport erhoben. Aber wenn es um „Am Rand des Strömungsabrisses“ geht, will ich das eigentlich nicht so machen. Also habe ich mal ganz unschuldig und sehr neugierig auf den Button „Werben auf Facebook“ geklickt. Ich weiß nicht, wer von meinen Lesern hier wie viel Erfahrung damit hat, in sofern schreibe ich vielleicht nur Triviales, aber vielleicht ist es ja interessant, hilfreich oder zumindest amüsant, wenn ich über meine ersten Erfahrungen berichte:

Als erstes habe ich mal eine Seite für „Am Rand des Strömungsabrisses“ erstellt. Das ist der erste Punkt, in den einen diese Werbung auf Facebook hineinleitet. Es ist auch ganz einfach: Man bestimmt einen Namen der Seite, gibt ihr noch eine direkte Adresse, setzt ein Profil- und ein Hintergrundbild drauf, ganz wie bei einem persönlichen Profil. Die Anordnung der Bilder, Buttons und Leisten ist beim Ergebnis etwas anders als bei einem Profil, aber letztlich doch noch immer sehr ähnlich. Wenn man schon ein geeignetes Titelbild hat (was bei mir durch das Buchcover ja der Fall war), sieht das auch recht schnell ganz hübsch aus. In meinem Falle war dann auch noch das Logo von „Star Cargo“ bereits vorhanden, das für die Firma des Vaters meiner Romanheldin steht – der Stern mit Armen, der ein Paket trägt. Das wurde dann das Profilbild von „Am Rand des Strömungsabrisses“ und somit war das Meiste schon da.

Nun ging es daran, die Seite zu verwalten, mit Beiträgen und relevanten Informationen zu füllen sowie bekannter zu machen. Als erstes lernte ich, dass es ein Textfeld für das Impressum sowie mehrere Textfelder für Kontakt gibt. Ich habe also erstmal ein Impressum erstellt – es gibt da nette Informationen, die man auch per Websuche finden kann. Bei mir fiel die Wahl auf den Guide von erecht24. Im selben Aufwasch habe ich auch das Impressum der Highway Tales etwas erweitert. Anschließend kamen ein paar weitere Informationen hinzu, schließlich habe ich ein paar weitere Informationen als erste Beiträge auf die Seite gestellt – zum Beispiel die Karten, die Leser der Highway Tales schon von hier kennen. Nahezu alle Leute auf meiner Freundesliste einzuladen, war der nächste Akt.

Das Ergebnis

So weit, so gut. Nun sprang mir noch der Button „Call to Action“ ins Auge. Dort verlinkte ich mit dem Button-Titel „Jetzt einkaufen!“ die Webseite des Bayer-Verlags, und zwar konkret die zu „Am Rand des Strömungsabrisses“, wo man Links auf alle Shops, in denen das eBook angeboten wird, angeboten bekommt. Somit sind’s drei Klicks von der Facebook-Seite bis zum eBook. Nicht optimal, aber da es mobi und ePub als Formate gibt und ich noch nicht herausbekommen habe, wie man zwei Buttons setzt, muss das erst einmal reichen.

Nun galt es, Reichweite zu erlangen. Facebook nennt das „Hervorheben“ der Beiträge. Was das meint, ist letztlich: Werbeanzeigen in Form von „empfohlenen Beiträgen“ in den Newsfeed von Facebook-Nutzern zu platzieren. Damit freilich verdient Facebook sein Geld, und somit kostet es etwas Geld, eine solche Kampagne zu starten. Man legt eine Laufzeit fest, einen täglichen Betrag, der von Facebook „möglichst optimal“ ausgegeben wird. Dann lässt Facebook den Werbebeitrag „automatisch“ auf Plätze für zu platzierende Anzeigen bieten, gibt das gegebene Budget oder einen möglichst nahe daran gelegenen Betrag aus. Wichtig dabei ist, eine Zielgruppe festzulegen – man kann Alter, Herkunft, Sprache auswählen, auch geschlechtsspezifisch kann man werben. Rückmeldung bekommt man dabei über ausgegebenes Budget, erreichte Personen (was letztlich heißt: Wie viele Leute haben diese Anzeige in ihrem Newsfeed gesehen) und daraus resultierende Likes und Seiten-Interaktionen. Eine Statistik-Seite zur zu bewerbenden Webseite gibt Aufschluss darüber, wie viele Interaktionen, Likes und so weiter „organisch“ entstanden sind, also durch die eigene Freundesliste und aktives Teilen durch andere Leute, und wie viele „eingekauft“ sind, also aus Klicks auf die „empfohlenen Beiträge“ resultieren. So kann man auch bewerten, ob die Kampagne erfolgreich ist oder nicht.

Da ich nur mal ein bisschen damit gespielt habe und meine erste Kampagne noch läuft, kann ich noch nicht mit schlüssigen Ergebnissen meiner Erfahrung aufwarten. Natürlich sind am Anfang die „organischen“ Likes und Interaktionen in der Überzahl – knapp über 280 Facebook-Kontakte habe ich, dazu ein paar Abonnenten, wenn man denen allen einen Like empfiehlt und auch nur 10% annehmen, dann wird viel mehr bei rumkommen als die „1-3 Interaktionen“, die Facebook bei vergleichbar erschwinglichen Budgets verspricht (und bisher auch gehalten hat, in meiner Aktion).

Ich bin allerdings sehr gespannt, wie das dann über die Zeit weiterläuft: Ob aus organisch entstandenen Likes und Interaktionen (und organisch entstandenem Teilen der Seite des Strömungsabrisses) oder aus neuen Anzeigen mehr zusätzliche Reichweite entsteht. Das muss sich aber über die Zeit zeigen. Ich drohe hier schonmal an, darüber zu berichten … und ende mit dieser Drohung an dieser Stelle.