Es taugt nix

Kranksein taugt nichts. Selbst in einem früheren Job, in dem ich gerne mal zuhause geblieben wäre, war krank zu sein nicht der gewünschte Grund. Man stellt es sich manchmal nett vor, eine Runde zuhause rumzuhängen und nichts zu tun, aber wenn es dann mal so weit ist, dann taugt es nichts.

Jetzt ist es so, dass ich einen interessanten, spannenden Außendienst nicht wahrnehmen werden kann, dass Zeug liegen bleibt, das ich eigentlich bearbeiten wollte, dass die Zeit eines Kollegen, von dem ich was lernen will, bis er Ende des Jahres geht, weiter wegtickt. Und ich liege und sitze zuhause, schniefe und huste vor mich hin und bin schon froh, dass es „nur“ eine Erkältung ist. Ein Schub meiner Colitis ulcerosa, wie ich ihn zum Glück seit mehr als drei Jahren nicht mehr hatte, kann mich lang zuhause halten – aber ich bin zuversichtlich, dass das nicht mehr passieren wird, da ich inzwischen viele Mittel habe, um Vorzubeugen – gesunder Lebensstil, Laufen, Entstressen.

Mein Mann meinte zu meiner aktuellen Erkältung, dass er mich lange nicht mehr so erledigt, so fertig, so krank erlebt habe. Es muss noch vor unserer Hochzeit im Jahr 2011 gewesen sein, dass ich nach einer Argentinien-Dienstreise mal so auf der Nase lag – da war es aber eine Magen-Darm-Infektion. Grippaler Infekt der besonderen Art, vielleicht sogar richtige Grippe, war auch schonmal, aber alles das ist mehr als zehn Jahre her. Nur das Rumgemache mit der Colitis ulcerosa hat mich in den Jahren nach 2010 manchmal länger flachgelegt, und das auch nicht so oft.

Ich war mir recht sicher, dass die Lauferei mich robuster macht. Das ist auch so, denke ich. Aber manchmal kommt’s eben doch durch. Ich wurde in den letzten Wochen in der Bahn laufend angehustet, angeniest und so weiter. Aber letztlich habe ich mir die aktuelle „Rüsselpest“, wie man so verniedlichend zu sagen pflegt, wohl ganz schnöde auf einer netten kleinen Party geholt. Eine Freundin wollte ihr übrig gebliebenes Fass Weizenbier loswerden und so lud sie Leute ein – bis auf meinen Mann alles auch meine Freunde. Mein Mann ist natürlich auch mein bester Freund, aber primär ist er mein Mann. Einer der Freunde war da schon nicht so gut drauf – seit Samstag liegt er übel auf der Nase. Es war bei ihm also gerade am Ausbrechen, da ist es am ansteckendsten. Mehr oder minder stark weiß ich von allen bis auf einem Teilnehmer der kleinen Party, dass sie nun krank sind. Tja, die kalte Jahreszeit …

Jedenfalls habe ich Dienstag und Mittwoch fast gänzlich im Bett verbracht und heute bis Mittag geschlafen. Mal sehen, ob wenigstens zum Wochenende hin die Sache wieder abklingt – ich würde gerne wenigstens nächste Woche wieder das Laufen anfangen, da ich am dritten Advent zum ersten Termin der Winterlaufserie in Rheinzabern angemeldet bin.

In diesem Sinne gute Besserung allen kranken und robuste Gesundheit allen, die es noch nicht haben!

Miteinander Umgehen

Es gibt mal wieder etwas, das ich aus aktuellem Anlass schreibe. Keine Sorge, es hat nichts mit dem Blog bzw. der Interaktion mit den Leuten hier auf „The Highway Tales“ zu tun – die Umgangsformen hier gefallen mir.

Es gab einen anderen Anlass, genaugenommen auf dem Minecraft-Server, den ich für mich, meinen Mann, einige Freunde und Kinder von Freunden gemietet habe. Im Grunde genommen ging ich davon aus, dass dort alles glatt laufen würde – sind schließlich alles zivilisierte Menschen. Mit einer Erweiterung um Freunde der Kinder von Freunden begannen allerdings Konflikte auf dem Server Einzug zu halten. Ich bin weit davon entfernt, die Dynamik des Ganzen zu verstehen. Es geht mir auch gar nicht darum, einen Schuldigen zu identifizieren. Konkret erreichte mich eine Frage, ob alles mit rechten Dingen zuginge – und dass es Konflikte gebe. Für mich war die Folge, mir eine tägliche Aufgabe zu setzen: Checken der Logfiles von Chat und Spielmitteilungen, ob es Unregelmäßigkeiten oder Cheating gegeben habe … gab es bisher nicht. Aber was es gab, waren Chat-Unterhaltungen in einem Umgangston, den zu tolerieren ich nicht bereit bin.

Im Moment bin ich dabei, mir einen Plan zu machen, wie ich damit umgehe. Bisher gab es diese Konflikte nicht, also brauchte ich keine Konflikt-Behandlung zu entwerfen – vielleicht hätte ich das Problem antizipieren können, habe ich aber nicht. Meine erste Neigung war, in Aktionismus zu verfallen – aber das bringt nichts. Vor allem neigt man dabei dazu, in blindem Aktionismus Maßnahmen zu ergreifen, die nicht nachvollziehbar, nicht fair und nicht reproduzierbar sind. Also lehnte ich mich zurück und dachte darüber nach, wie ich vorgehen will – und dabei kam mir etwas zu Bewusstsein, nach dem ich gerne handeln will. Die einfachste Lösung wäre nämlich gewesen, den Protagonisten zu erläutern, sie sollten so handeln, wie sie auch selbst behandelt werden wollen – die biblische „Goldene Regel“: „Was Du nicht willst, das man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem ander’n zu.“ An dieser Stelle halte ich inne und sage mir, das greife zu kurz. Es gibt so viele Varianten, miteinander umzugehen, und sicher gibt es auch den einen oder anderen, der möchte, dass mit ihm in einer Weise umgegangen wird und daher mit anderen umgeht, wie diese es selbst nicht wollen. Von der „Goldenen Regel“ kam ich daher zu einer – sehr konkreten, wenig philosophischen – Anwendung des Kant’schen kategorischen Imperativs: „Handle stets so, dass die Maxime Deines Willens Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte.“

Kurz und vielleicht schlecht habe ich daraus abgeleitet, zunächst einmal jedem, der sich auf den Server verbinden will, im Serverauswahl-Bildschirm zu verkünden, dass höflicher Umgangston und gegenseitige Rücksichtnahme auf dem Server vorausgesetzt würden und dass der Admin die Logs mitlese. Nach einer „Laissez-faire“-Haltung ist das die erste Eskalationsstufe.

Ich für mich selbst bin nun dabei, mir selbst eine Liste anzulegen, was ich nicht tolerieren möchte. Bis zu einem gewissen Grad komme ich nicht umhin, von mir auszugehen, wenn ich „Community Standards“ formulieren möchte. Aber vielleicht muss ich soweit auch gar nicht gehen, und schon der Hinweis, dass man nicht unbeobachtet ist und dass jemand beachtet und beurteilt, wie miteinander umgegangen wird, genügt zur Lösung des Problems. Falls nicht, wird sich (aus meiner Sicht, nach eventueller Rücksprache mit anderen) ein Katalog von nicht tolerablen Verhaltensweisen ergeben. Dieser wird vermutlich wachsen, da nicht jedes Verhalten, das problematisch ist, antizipierbar ist. Danach gibt es zwei Stufen – die Verwarnung (und ich bin so böse und werde vermutlich unter Verwendung des Anzeigenamens im Spiel in der Login-Message verwarnen) und bei Wiederholung den vorübergehenden Bann vom Server.

Es ist unfair, jemanden in Unkenntnis der Regeln für etwas zu verurteilen, das er nicht wusste. Es ist aber auch unfair, ein für andere toxisches Fehlverhalten über eine oder mehrere Verwarnstufen hinaus weiter zu tolerieren, denn dann geht das Wohl der Gemeinschaft vor dem Wohl des sich nun wissentlich fehlverhaltenden Missetäters. Dass ich die Regeln mache – nun, das mag nun nicht mehr ganz so systematisch und philosophisch und fair sein, aber hier gilt: Mein Server. Meine Regeln.

Blogsie

Was ist eine Blogsie?

Ich fange mal am Anfang an, sozusagen in grauer Vorzeit. Ich war frisch auf dem Gymnasium, zehn oder elf Jahre alt, und begann Englisch zu lernen. In meiner Muttersprache, dem Deutschen, benutzte ich die Grammatik instinktiv und meistens richtig, im Englischen musste ich sie erst einmal lernen. Eines der ersten Themen war das grammatikalische Geschlecht bzw. die Art, wie man grammatikalisches Geschlecht und Plural – zum Beispiel – zusammen verwendet. Was mich damals tief beeindruckte, war die Tatsache, dass es im Englischen an vielen Begriffen kein „-in“ braucht, um eine weibliche Form zu bilden. Ob ich nun Mann oder Frau bin, ein „pupil“ im britischen Englisch und ein „student“ im amerikanischen Englisch deckt Schüler/in im Deutschen ab. Mir wurde bewusst, dass Begriffe eine starke Auswirkung haben. In einem anderen Kontext wurde dann die Frage gestellt, wann für eine Gruppe ein feminines Plural-Pronomen verwendet wird – nicht, wenn sie größtenteils aus Frauen besteht, nein, sondern nur, wenn sie ausschließlich aus Frauen besteht. Ansonsten gilt das generische Maskulinum. Das kam wohl von meinem Französischlehrer, einige Jahre später – und löste hämisches Grinsen bei den Jungs in der Klasse aus.

Ich möchte hier nun kein Fass bezüglich gender-korrekter Sprache aufmachen, auch wenn ich fürchte, genau das zu tun. Der Gedanke treibt mich aber um, denn ich habe recht früh einen spielerischen Gebrauch von Sprache erlernt – zum Beispiel in Form des „Sprachbastelbuchs“, das mir meine Mutter geschenkt hatte. Darin gab es so lustige kleine Spielchen wie ein Dreieck, das den Osterhasen anflehte, „es nicht zu tun“. Der Hase tat’s doch und zurück blieb nur Dreck. Auch über Komposita, Assoziationen und viele weitere Spielereien mit Begriffen, Sprachstrukturen und dergleichen wurde darin geschrieben, aber nicht in abstrakter Form, sondern in anschaulichen, lustigen, manchmal auch nicht so lustigen Beispielen. Was die Assoziationen, die Spiele mit der Sprache, das Jonglieren mit Begriffen mit mir machten, mit meinem Geist und meinen Emotionen, hat mich beeindruckt. Sprache ist ein mächtiges Werkzeug. Begriffe, teils auch Sprachstrukturen haben Einfluss auf unser Denken.

Mitte 20, also reichlich zehn Jahre später, bastelte ich an einer Phantasie-Welt, die inzwischen schon wieder in der Versenkung verschwunden ist. Dort gab es ein Volk, dem ich auch eine Sprache geben wollte – denn ich wollte die in Konversationen eingestreuten Begriffe auch richtig verwenden, auch wenn es die Phantasie-Sprache eines von mir geschaffenen Phantasie-Volkes war. Obwohl das nichts zur Sache tut: Dieses Drachenreiter-Volk lebte in einer uralten, gewaltigen Caldera eines erloschenen Super-Vulkans, umgeben von ihnen mehr oder weniger feindlich gesinnten anderen Völkern. Sie ritten meist zu zweit – ein Ritter, ein Magier – auf dem Rücken großer Drachen, die eine mystische mental-emotionale Verbindung zum Ritter des Reiter-Duos hatten. Die grob humanoiden Reiter selbst konnten mit raubvogelartigen Flügeln fliegen, da ich mir nicht so recht vorstellen mochte, dass ein nicht flugfähiges Volk sich dem Ritt auf fliegenden, VIEL größeren Tieren anvertrauen würde – einfach aus Gründen des Selbsterhalts. Nun ja, ich schweife ab.

Jedenfalls gab ich denen eine Sprache. Ich hatte mich durch das „Sprachbastelbuch“ und meine oben erwähnten Aha-Erlebnisse während des Erlernens von Fremdsprachen darauf eingestellt, dass auch die Grammatik einer Sprache ein Abbild des Denkens ihrer Sprecher ist. In meinen Augen waren Drachenreiter und Drachen selbst ein Volk, das schon sehr lange gleichberechtigt agierte. Ob eine Aufgabe von einem Mann oder einer Frau erledigt wurde, war im sturmumtosten, oft kalten, kargen Gebirge, in dem die Drachenreiter mit anderen fliegenden Wesen um Jagdbeute konkurrierten und oft auch gegen sie kämpften, nicht so bedeutend. Viel bedeutender war, dass die Aufgabe erledigt wurde. Außerdem wollte ich in der Sprache zum Ausdruck bringen, dass bei gemischten Gruppen dieses Volks eigentlich keine Rolle spielte, ob sie vorwiegend weiblich oder vorwiegend männlich waren – nur, wenn es reine Männer- oder Frauengruppen waren, sollte man das zum Ausdruck bringen können. In der Konsequenz gab es damit FÜNF grammatikalische Geschlechter in dieser Sprache: dinglich (unbelebt), geschlechtsneutral (belebt, aber kein Geschlecht spezifiziert), weiblich, männlich und schließlich „sowohl als auch“. Das Fünfte, also das „sowohl-als-auch“-Geschlecht, war zuerst nur für explizit geschlechtsgemischte Personengruppen, also im Plural gedacht.

Also gab es dann fünf grammatikalische Geschlechter, und die jeweils in Singular und Plural. Nach kurzem Nachdenken fielen „dinglich/unbelebt“ und „nicht festgelegt“ wieder in sich zusammen, denn ich überlegte mir, wie das grammatikalische Geschlecht sich in der Sprache tatsächlich äußern sollte. Ich kam auf die Idee, an meine Phantasie-Wortstämme Suffixe anzuhängen: -u für männlich, Singular, -a für weiblich, Singular und -o für „sowohl-als-auch“, Singular. Für unspezifiziert oder dinglich sollte nur der Wortstamm verwendet werden. Wie ich das mit dem Plural genau geregelt hatte, weiß ich nicht mehr. Allerdings hatte ich auch dabei darauf geachtet, dass die weibliche Version nicht „generisches Maskulinum plus Suffix“ war, sondern es einen geschlechtsneutralen Stamm gab, ein Pluralsuffix und dann, falls relevant – über voneinander unabhängige weitere Suffixe das Geschlecht spezifiziert werden sollte.

Hier endet die Vorgeschichte. Mir fiel nun auf, dass fast überall in unserer Sprache Berufs- oder Tätigkeitsbezeichnungen sich auf Männer beziehen und weibliche Bezeichnungen durch Suffixe an die männliche Bezeichnung gebildet werden. Ich bin eine Bloggerin. Eine Pendlerin und Physikerin. Mein Mann ist Kommunikationselektriker – ohne ein „-in“ hintenan. An sich ist diese Erkenntnis weder innovativ noch revolutionär. Darüber haben schon viele nachgedacht und Lösungen mit „*“ oder „Binnen-I“ oder was auch immer gesucht und gefunden. Im Andenken an das Sprachbastelbuch habe ich nun den Blogger als Blog-Er gelesen. Eine Frau, die ein Blog betreibt, wäre demnach eine Blog-Sie … verkürzt zu „Blogsie“. Pendelsie bin ich auch, und Physiksie.

Nicht, dass ich das 100% ernst meinen würde, zumal der Ansatz nicht voll verallgemeinerbar ist. Aber: Sprache ist ein mächtiges Werkzeug, das über Begriffe das Denken prägt, jedoch auch ein herrlicher Baukasten für spielerische Experimente. Wenn nun die Blogleuts aus Bloggern und Blogsies bestehen, kann ich damit gut leben, wenn das einfach nur eine Schnapsidee ist. Der Punkt, auf den ich hinaus will, ist ein anderer – auch wenn ich inzwischen am Klang der Wortschöpfung „Blogsie“ echt einen Narren gefressen habe.