Reduce to the Max

Der Titel dieses Beitrages zitiert – das ist sicher dem einen oder anderen aufgefallen – eine alte Autowerbung. Es ging dabei um den Smart. Ich hatte nie einen Smart und war zugegebenermaßen damals entsetzt, als mir klar wurde, dass ein kleiner Stadtflitzer damals nur eine gelbe Plakette kriegen konnte – kann sein, dass es nur am konkreten Modell lag, das eine Freundin von mir hatte, aber eigentlich entsprach das gar nicht dem, was ich erwartet hatte.

Aber das ist eigentlich gar nicht der Kern meines heutigen Anliegens. Ich bin derzeit dabei, meinen Schuh-Fuhrpark für’s Laufen zu reduzieren, und zwar in zweierlei Hinsicht. Einerseits habe ich die Modellvielfalt etwas heruntergebrochen. Ich habe mehrere Saucony-Schuhe ausprobiert, mit dem Ride Iso und dem Kinvara 9 war ich auch echt nicht unglücklich, zum Trailen war auch der Peregrine echt schön. Brooks habe ich auch ausprobiert, Hyperion Tempo und Launch waren’s, außerdem noch ein Hoka Cavu. All diese Schuhe habe ich nicht mehr. Die, die noch gut waren, habe ich an Leute, die damit laufen möchten, abgegeben, durchgelaufene habe ich einfach nicht mehr ersetzt.

Zwei Dinge haben einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Frage, welche Schuhe „etwas für mich sind“, beim Laufen:

  • Einerseits mein Vorfuß-Laufstil:
    Kurz vor dem Aufkommen spanne ich meine Wade, Achillessehne und meinen Fuß bereits vor, setze mit der Außenkante des Vorfußes auf, rolle nach vorne und leicht nach innen und stoße mich mit der Fußspitze wieder ab. Man kann das deutlich sehen, wenn man die Abnutzung meiner Schuhe ansieht: Außenkante des Vorfußes und Spitze des Schuhs sehen mit der Zeit echt mitgenommen aus, der Rest wirkt oft quasi unberührt.
  • Andererseits meine mächtige, gerade vorstehende Großzehe:
    Viele Schuhe – insbesondere auch elegante! – bilden nicht nur ab, dass die Zehen von außen nach innen immer länger werden und der Fuß sich somit von der Außenseite her nach vorne innen verjüngt, sondern haben auch eine (deutlich schwächere) Verjüngung auf der Innenseite. Oft ist diese Verjüngung stärker als der runde Abschluss der Großzehe… meine Großzehen bilden aber eine Linie mit dem Großzehengelenk. Für mein Gefühl, wenn mein Fuß in dem Schuh steckt, sind viele Schuhe eher für Frauen mit Hallux valgus gemacht als für Frauen mit gesunder Großzehe. Das ist natürlich übertrieben formuliert. Aber ich habe sozusagen die gegenteilige Abweichung vom Normalzustand, wie mir scheint. Ich habe mir an dieser Rundung auch auf der Innenseite der Zehenbox schon mehrfach ganz übel blaue Zehennägel gelaufen.

So ergibt sich für mich, dass manche Schuhe einfach nicht funktionieren – und andere Schuhe mit meinem Laufstil kollidieren. Vor allem beim Bergablaufen merke ich es recht schnell, wenn’s nicht geht. Daher habe ich meinen Laufschuhschrank radikal ausgemistet: Geringe oder gar keine Sprengung, großzügige Zehenbox, anders geht es einfach nicht. Und so erscheinen in meiner bisherigen Schuhnutzung dieses Jahr nur ganz bestimmte Schuhe:

Nutzung meiner Laufschuhe – Liste umfasst alle bisher erfassten meiner Schuhe, auch ausgemusterte.

Bis auf den schnellen Mizuno WaveShadow laufe ich zur Zeit nur Zehenschuhe oder Schuhe von Altra, deren Markenzeichen eine großzügige Zehenbox und „Zero Drop“, also keine Sprengung, sind. Das bedeutet, dass die Altras allesamt am Absatz nicht dicker sind als am Ballen. Es gibt natürlich auch andere Schuhmarken, die „Zero-Drop“ anbieten, und auch andere mit großer Zehenbox, aber die Kombination bei Altra passt für mich. Bei vielen anderen Laufschuhen ist das völlig anders, die Ferse ist dick gedämpft. Das stört mich beim Vorfußlaufen und so lange ich immer wieder bei Zero-Drop-Schuhen mit großzügiger Zehenbox – oder eben bei Barfußschuhen mit voneinander unabhängig bewegbaren Zehenstücken. Ich habe also auf das Maximum für meine Performance und meinen Komfort reduziert.

Eine Sache ist allerdings gerade in der Mache. Dafür werde ich meine Schuh-Liste in meiner Datenerfassung vermutlich etwas aufräumen müssen. All die Brooks, Sauconys und Hokas wandern dann in eine Kategorie „Sonstiges (ausgemustert)“, denn ich brauche (vielleicht) Platz in der Liste für einen neuen Schuh. Das entstand so: Mein Laufpartner und ich waren vor drei Wochen gemeinsam auf der Bahn – Intervalltraining, natürlich. Auch letzte und diese Woche haben wir das gemacht. Vor drei Wochen war aber besonders, dass es nahe dem Gefrierpunkt kalt und zugleich nach einem heftigen Regenguss sehr nass war. Der Großteil der Bahn war dabei gut belaufbar – aber drei Abschnitte, die sich nach der Belagserneuerung auch farblich abheben, waren ziemlich glitschig. Ich erinnerte mich dabei an etwas, das ich mal gelesen hatte, und da ich gerade auch Radreifen gekauft hatte, die über Spikes verfügen, kam mir die Idee, mal nach Spike-Bahnlauf-Schuhen zu fragen.

Am vergangenen Mittwoch trug ich diese Idee zum Laufladen und fragte einfach mal. Die meisten Leute steigen – mit nachlassender Schnellkraft durch Alterungseffekte – von schnellen Bahnwettkämpfen auf langsame Straßen- oder Crosswettkämpfe um, erklärten mir Mario und Petar vom Rennwerk, nicht umgekehrt. Aber das wusste ich schon. Ich erklärte dann, dass es mir nicht um die Wettkämpfe geht – tut es nicht, ich will weiter auf Straße und Wegen laufen. Ich bin einfach neugierig, wie das mit Kraftübertragung und Steifigkeit von Bahnlaufschuhen ist, das will ich mal testen. Und so freue ich mich nun darauf, dass ich bald mal solche Schuhe antesten darf, ein Paar bei Gefallen mitnehme und dann mal teste, wie es sich anfühlt. Wenn’s nix ist, dann habe ich es immerhin probiert. Wenn’s was ist, dann „passt es in mein Portfolio“, wie Mario sich ausdrückte.

Ich bin echt gespannt!

Das Angenehme mit dem Nützlichen Verbinden

Diese Schleife bin ich heute Mittag geradelt.

Meine heutige Mittagsradfahrt verband das Angenehme mit dem Nützlichen. Ich fuhr vom Büro aus, wo ich heute meinen Präsenztag hatte, in die Innenstadt, holte per Click and Collect beim rennwerk zwei Paar neue Schuhe ab, danach fuhr ich zu einem unserer Dienstgebäude und holte Akten für einen Kollegen und für mich ab. Ein Hoch auf meine Ortlieb Backroller, die all das aufnahmen!

Und das sind die neuen Schuhe: Ein paar neue Mizuno WaveShadows und ein paar Altra Escalante.

Die Grundversorgung sicherstellen

Derzeit hat – wie kaum anders zu erwarten – das rennwerk zu. Die Filiale in Karlsruhe mit Petar und Mario ist ja der Laufladen, den ich nach Mittagspausenläufen gerne mal auf einen Plausch und wann immer ich neue Schuhe brauche, besuche. Allerdings steht insbesondere bei meinen Vibram Fivefingers ein Generationenübergang an. Außerdem will ich, dass das rennwerk die Zu-Phase überleben kann. Zum Glück haben sie mit dem Shop4Runners auch ein Angebot, wie man außerhalb des Ladens zu deren Schuhen kommt.

Normalerweise kommt das für mich nicht in Frage. Warum nicht? Ich möchte die kompetente Beratung, das Probieren von Alternativen zu meinen vielfach eingefahrenen Wegen und den netten Plausch nicht missen, auch die Begegnungen mit anderen Läufern im Laden – egal, ob die oder ich Schuhe kaufen – ist mir wichtig. Aber im Moment geht es nicht. Also habe ich meine Gutscheine hier liegen gelassen, um sie später mal einzulösen, und online beim Shop für Läufer des Rennwerks bestellt. Es war natürlich nur die Grundversorgung – Altra Escalante, fünftes Paar und Vibram FiveFingers V-Run, drittes Paar.

Ein Drei-Generationen-Gruppenbild: Altra Escalante, Paare Nummern 3, 4 und 5, Vibram FiveFingers V-Run Paare Nummern 2 und 3.

Das jeweils vorderste, teilweise umgedrehte Paar ist gerade im Straßeneinsatz. Man sieht’s den FiveFingers an, dass sie bald durch sind – die schwarze und die gelbe Schicht sind schon durch, das Innenmaterial der Sohle liegt an einer Stelle frei. Das laufe ich noch durch, dann haben sie ihre Schuldigkeit getan.

Die grünen Escalantes (ich hatte vorher schon so ein Paar) sind gerade im Straßeneinsatz und wohl schon über die Hälfte ihrer Lebensdauer belaufen, die blauen Escalante 1.5 belaufe ich gerade indoor auf dem Laufband und habe sie im Fitnessstudio an. Sobald die grünen durch sind, kommen die blauen auf die Straße. Indoor, im Fitnessstudio und in Reserve rücken dann meine fünften, die gelbgrünen Escalante 2.0 nach.

Ein wenig fasziniert realisiere ich, dass ich tatsächlich meine Vorfuß-Lauferei deutlich sehen kann: Aufkommzone an der Außenkante des Vorfußes, Abdruck über die große Zehe. Insbesondere der Abnutzung auf der großen Zehe bin ich mir gerade erst so richtig bewusst geworden, wo ich das Schwarze bei den Altra Escalante und das gelbe bei den V-Runs durchschimmern sehe.

Dass ich auf diesen Schuhmodellen 50% meiner Laufkilometer bestreite, rechtfertigt durchaus, immer ein Modell in Reserve und eventuell sogar eines im Halleneinsatz auf Wartestellung zwischen Reserve und Straßeneinsatz zu haben.

Gewonnene Schuhe

Meine neuen Trail-Sauconys stehen auf meinen alten, ziemlich am Ende ihres Lebenszyklus befindlichen Saucony RideIso.

Beim Regio Cup gab es für mich einen Schuhgutschein – ein kostenloses Paar Saucony Laufschuhe. Eigentlich wollte ich die Saucony RideIso ersatzlos streichen, aber in den letzten Wochen, vor allem nach dem Marathon, kam ich davon ab. Zudem hatte ich mich bei der Wanderung im Murgtal aus Mangel an Profil unter meinen Schuhen mal auf den Hintern gesetzt.

Also ging ich sofort drauf ein, als Petar vom Rennwerk mir statt des Ersatzes der alten RideIso durch neue RideIso die oben gezeigten, wasserfesten, trail-profilierten Schuhe hinstellte. Sobald die alten Sauconys „fertig“ sind, werden dann wohl im Winter gerne die neuen Trail-Schuhe benutzt. Beim Probelaufen auf einem vom eigenen Laufen gesteuerten Laufband beim Rennwerk und einem Spaziergang durch den Schlossgarten danach fühlten sich die neuen Schuhe schon angenehmer an als die alten – es könnte doch etwas werden – oder bleiben, mit mir und Saucony. Die gezeigten Peregrine 8 Ice jedenfalls mag ich gerne! Das ändert nichts an meiner gestählten Liebe zu den Altra Escalante und der neuen Liebe zu den Mizuno WaveShadows sowie meiner innigen Beziehung zu meinen FiveFingers … aber … wie gesagt: Es könnte auch etwas bleiben mit mir und Saucony, so wie sich das anfühlt. Nur die Kinvara 9, die waren ein tolles Experiment, aber die WaveShadows sind mir lieber.

Countdown [2]: Schuhe

Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren bin ich nicht sicher, auf welchem Paar Schuhe ich meinen Marathon laufen möchte. Im Sommer 2017 stand ich das erste Mal beim rennwerk auf der Matte, mit zerstörten Fivefingers und zerstörten Mizuno WaveRiders. Da kaufte ich neben neuen WaveRiders und neuen Fivefingers – auf einen Tipp von Petar hin – mein erstes Paar Altra Escalante. Ich bin seitdem jeden meiner Wettkämpfe auf Altra Escalante gelaufen, jeden einzelnen. Ich habe in dieser Zeit zwei Paar Altra Escalante verschlissen, habe eines gerade bereits schon wieder mit über 250 Kilometern in Betrieb und eines in Reserve.

„Never change a running system!“, werdet Ihr sagen. Nun, das habe ich mit Erfolg und mit Recht praktiziert, über zwei Jahre lang. Darüber wurden die WaveRiders verschlissen, es kamen Saucony RideIso, Saucony Kinvara 9, Brooks Launch 6 und Hoka One One Cavu. Die RideIsos sind schon am Rande dessen, was sie abkönnen, sie waren für mich nie ein Wettkampfschuh. Die Kinvaras sind toll für Intervalle, aber auf Wettkämpfen hatte ich immer Sorge, dass meine anschwellenden großen Zehen auf der Innenseite in der Zehenbox anstoßen – leider mit Recht. Bis zehn oder zwölf Kilometer sind die Schuhe ein Traum, danach für mich nicht mehr. Die Cavus hatten allgemein das Problem mit der Zehenbox. Die Launch 6 … brauchen noch ein paar mehr Kilometer, bevor ich sie bewerten kann, denn die waren lange in erster Linie Indoor-Running-Schuh.

Aber nun konkurriert ein neuer Mizuno mit dem Escalante um meine Gunst – und somit bin ich mir erstmals seit zwei Jahren unsicher: Altra Escalante oder Mizuno WaveShadow? Nach einem Halbmarathon in fast Marathonrenntempo am vergangenen Sonntag haben sich die Waveshadows definitiv für den Marathon qualifiziert. Vermutlich werde ich die Entscheidung endgültig erst am Sonntagmorgen fällen. Aber es ist gut, es schonmal auf diese beiden Paare runtergebrochen zu haben.

Ein seltsames Gefühl

Ich war gestern im Laufladen, um die bestellten Mizuno WaveShadows abzuholen, die auf mittlere Frist meine Saucony RideIso und meine Saucony Kinvara 9 ersetzen könnten – wenn ich nicht doch wieder Kinvaras haben will, irgendwann.

Ein Pärchen wurde im Rennwerk in Karlsruhe gerade von Mario beraten, während Petar sich um mich und meine WaveShadows kümmerte. Wir fachsimpelten ein bisschen – und als ich dann die beiden Größen 44 und 44.5 jeweils mit kurzen Sprints durch den Laden und abruptes Abbremsen an den beiden Enden des Ladens für mich prüfte, meinte die Frau des Pärchens, die WaveShadows sähen schnell aus. Ich fragte, welches Saucony-Modell der Mann des Pärchens gerade testete – es waren die Kinvara 10. Ich erklärte, dass ich das Vorgängermodell habe und insbesondere für Straße und Bahn sehr gerne mit diesen sehr spritzigen Schuhen laufe. Als ich dann die 44.5er WaveShadows kaufte – die 44er waren auch okay, aber mein noch immer blauer großer Zehennagel sagt mir, dass ich immer die größte Größe nehmen sollte, in der ich noch gut Halt habe – kam Mario wieder zum Tresen und beriet sich kurz mit Petar. Und plötzlich war ich ein bisschen drin in der Beratung, erzählte was dazu. Der 44er WaveShadow wanderte zur Anprobe zu dem anderen Läufer, gefiel aber nicht.

Es war nicht so dramatisch, aber ein bisschen ein komisches Gefühl ist es schon, öfter mal im Laufladen aufzutauchen und manchmal plötzlich mit was zu den Schuhen zu erzählen. Das seltsame Gefühl ist, einerseits ja wirklich etwas dazu zu sagen zu haben, andererseits aber auch immer zu hoffen, dass man sich gegenüber den Rennwerkern nichts anmaßt und deren erfahrene Beratung konterkariert.

Aufgeblasenes Andenken

Der Hella Hamburg Halbmarathon hat mir ein Andenken mitgegeben – naja, weit mehr als nur eines. Da sind der tolle Jute-Beutel, die Medaille, das Shirt … aber eben noch ein weiteres.

Seltsamerweise ist dieses Andenken, das mich gestern sehr beschäftigt hat, trotz einer Kombination von eingelaufenen, viele hundert, ja sogar mehr als zweitausend Kilometer belaufenen Schuhen (nicht immer dasselbe, nur dasselbe Modell) mit bekannten, oft in diesen Schuhen belaufenen Socken aufgetreten. Genau: Eine Blase. EINE Blase? Nein! Es sind gleich drei, alle an der mittleren Zehe des linken Fußes. Eine besonders dicke links außen, in dem Bereich, in dem die nächstkleinere Zehe nicht anliegt, eine weitere auf der Unterseite der Zehenspitze und eine dritte rechts vorne. Nur die rechte Seite des vorderen Zehensegments ist blasenfrei – naja, und notgedrungen die Oberseite, weil dort der Zehennagel ist, und die Rückseite, weil’s dort am nächsten Zehensegment angewachsen ist.

Die Stelle tut bei Belastung, Berührung, allem weh, drückt und zieht und macht und tut. Das vorderste Zehensegment ist doppelt so dick wie das entsprechende am anderen Fuß, auch der Schaft der Zehe, also die restlichen Segmente bis zum Fuß, sind angeschwollen. Nägel mit Köpfen, wie man so schön sagt. Der Nachteil ist, dass sich dieses Blasen-Konglomerat auch zuverlässig gegen alle Blasenpflaster wehrt, da die Zehe zu rund ist für ein Nicht-Zehen-Blasenpflaster und egal, wie ich ein Zehenblasenpflaster um die Zehe kleben will, die Klebestelle immer auf einer weiteren Blase aufkäme. Für dieses interessante geometrische Problem war ich gestern Abend am eine Lösung suchen.

Bei der Ursachenforschung stieß ich darauf, dass ich mir durch den etwas veränderten Laufstil während der Rekonvaleszenz von meiner Fußverletzung bereits eine Blase an der mittleren Zehe gelaufen hatte. Ich war sehr glücklich, da sowohl der Fuß wieder in Ordnung war als auch diese Blase auf der Zehe aufgegangen, desinfiziert und verheilt war. Offenbar war aber die Haut dort noch recht empfindlich, und das Zusammenspiel von vielen Schritten, Schweiß und Belastung war dann zu viel, zumal ich durch die Heimfahrt auch nicht aus den Schuhen rauskam. Nun, ich hoffe, das geht schnell vorüber. Gestern habe ich noch einmal ausgesetzt mit dem Laufen, ob ich heute aussetze, weiß ich noch nicht so genau – kommt ein bisschen drauf an, wie sich das Ganze entwickelt. Jedenfalls ist das sicherlich lange nicht so schlimm wie die Fußverletzung, aber im akuten Moment doch sehr, sehr hinderlich. Ich humple genausoschlimm wie mit den Schmerzen in der Sohle, dabei ist es nur auf der Haut! Aber es ist halt etwas Schmerzhaftes, sehr Druckempfindliches auf der Haut, und das warme Wetter tut sein übriges. Ich hoffe mal, dass es schnell weggeht – also das Problem mit den Blasen, nicht das schöne Wetter!

Die Lehre

Ich hatte mich ja gestern am Fuß verletzt. Daraus habe ich mehrere Lehren gezogen, die ich heute, wo es schon wieder besser wird, recht klar sehe:

  1. Feldwege sind kein Asphalt. Klingt banal – aber sollte sich im Schuhwerk niederschlagen.
  2. Ich bin eher keine Trailrunnerin, sondern auf Straße und Bahn ausgelegt. Ich sollte nicht so tun, als wäre ich es – und auf unebenem, schrägem Untergrund hinreichend vorsichtig laufen.
  3. Mein Laufstil, der vor allem auf dem Vorfuß aufkommt und von ihm wieder abspringt, benutzt intensiv die Muskeln, Sehnen und Knochen des Fußes, insbesondere des Gewölbes.

Und so freue ich mich, dass bereits gestern Abend das Humpeln weniger wurde, mein linkes Fußgewölbe wieder zunehmend tragfähig wird, ohne wehzutun. Mit dem ganzen Gewicht drauf ist es immer noch am schmerzen – deswegen habe ich das Laufen heute unterlassen. Morgen früh schaue ich mal wieder in mich hinein und gucke, ob ich zum Lauftreff gehe – die zwei Mal siebzehn Kilometer am Freitag und die dreißig Kilometer, die ich für Sonntag geplant habe, sind aber definitiv passé.

Ich habe allerdings das Gefühl, dass ich eine solche Verletzung schon einmal hatte – ich kann nicht sagen, ob links oder rechts, aber das Gefühl kommt mir bekannt vor. Es ist so ein Gefühl, wie man es manchmal bei Verspannungen hat – man müsste nur ein bisschen stärker anspannen oder dehnen, dann knackt’s und ist besser. Das werde ich aber nicht ausprobieren, da ich mir sicher bin, damit etwas kaputt zu machen. Auch letztes Mal, wenn ich die indifferenten, dumpfen Erinnerungen deute, ging’s recht schnell mit der Genesung, danach kam ich recht schnell wieder ans Laufen. Für die Zukunft gilt allerdings: Wenn ich Feldwege laufe, brauche ich definitiv weniger direkte, besser gedämpfte, mehr stützende Schuhe als den superschnellen Kinvara 9. Mit den Escalantes, dem RideIso oder einem Mizuno WaveRider wäre das vermutlich nicht passiert. Außerdem ist es besser, ein bisschen die harten Halme und Zweige auf der geraden Trekker-Rad-Spur gegen die nackten Schienbeine zu bekommen, als sich auf der schrägen, halm- und zweigfreien anderen Trekker-Rad-Spur den Fuß zu vertreten.

Ganz am Ende des Tages ist aber auch noch eine Erkenntnis: Es ist für mich und für mein Umfeld ein Segen, dass ich recht robust bin gegen Laufverletzungen. Warum? Ganz einfach: Ich merke schon jetzt, wie ich unleidlich werde. Ich würde vermutlich die Wände hochgehen und mein gesamtes Umfeld unglaublich stressen, wenn ich länger nicht laufen könnte. Jetzt dürft Ihr gerne mit dem Schlagwort „Sucht“ kommen – allerdings behaupte ich, dass rein von der Biologie des Menschen das regelmäßige Laufen dem Bedürfnis nach Essen näher kommt als einer Sucht nach Alkohol oder Nikotin, zum Beispiel.

Killer Queen

Ich brauche kein Schießpulver, kein Dynamit und keinen Laserstrahl.

Von oben sehen sie noch nicht so fertig aus, meine zweiten Escalantes, hier im Bild mit den dritten.

Ich mache Dinge mit Ausdauer kaputt – zumindest Schuhe. Mein zweites Paar Altra Escalante zeigte gestern morgen schon leichte Anzeichen von … Degeneration. Etwa 1100 bis 1200 Kilometer haben die Freunde nun. Sie haben mich über fast ein Jahr getragen – am 09.06.2018 habe ich die alten, blauen der ersten Generation ausgemustert. Die sahen damals aber noch viel besser aus als die zweite Generation jetzt:

Unverkennbar, welches das belaufene Paar ist …

900 Kilometer habe ich dem ersten Paar Escalantes zugemutet. Dem zweiten habe ich es mit über 1100 Kilometern dreckig gegeben. Dementsprechend sehen sie auch aus. Gestern habe ich sie ausgemustert.

Von unten ist die Vernichtung an meinen abgeliebten Escalantes fast noch weniger beeindruckend als von der Seite.

Die Aufkommzone an der Außenkante, die Abdruckzone an der Spitze, viel ist jeweils nicht übrig. Am linken Schuh habe ich die Verbindung zwischen Sohle und Obermaterial auf drei Zentimetern Länge aufgerissen, auf der Fußspitze ist der Schuh an einer Stelle von innen aufgeschabt. Zwischen den grünen Segmenten wird die Sohle allmählich instabil, quietscht leicht, wenn ich sie beim Gehen stauche. Hinten sehen sie bei mir als Vorfußläuferin natürlich noch deutlich besser aus als vorne. Nichtsdestotrotz: sie sind fertig. Elf- bis zwölfhundert Kilometer intensivstes Training und einige Wettkämpfe sind durchaus ein Alter, in dem Laufschuhe die Flügel strecken dürfen. Getragen haben sie mich zu neuen Bestleistungen über 12 Kilometer (Campus Run Uni Stuttgart 2018, Köhlbrandbrückenlauf 2018), 10 Kilometer (Stadtwerkelauf Karlsruhe 2018, Neureuter Volkslauf 2019), 15 Kilometer (Winterlaufserie Rheinzabern 2018/2019, Rißnertlauf 2019) und Halbmarathon (Dämmermarathon 2019) und meinen ersten Marathon (Baden-Marathon 2018). Zweite Plätze haben sie mir öfter beschert – dreimal insgesamt, mehrfach in der Altersklasse.

Bye, bye, Escalantes, es lebe Escalante: The Next Generation!