Ein Schiff!

Ihr wisst ja, dass ich bisher einen klitzekleinen Toyota Aygo fahre. Das ist nun, zumindest was die Arbeit angeht, nicht mehr der Fall. Im Verhältnis zu dem Aygolein ist der Ford, den ich als Dienstwagen bekommen habe, echt ein Schiff. Ich weiß im Moment nicht das Modell, da ich mich erstmal mit dem Wagen vertraut gemacht und meine Fahrt von der Zentrale zum Hotel auf die Reihe bekommen musste.

Nun ist das nicht schlimm – der Kombi hat einen Vorteil, wenn man Equipment transportieren muss, auch zum Einkaufen, da ich ihn privat nutzen kann, ist er deutlich besser als der kleine Aygo. Was aber durchaus eine Herausforderung darstellte, war: Mit einem Auto, das ungewohnt und doppelt so groß wie mein bisheriges ist, durch eine mir nicht hochvertraute Stadt zum Hotel zu fahren und dabei auch noch erstens in der Rush-Hour und zweitens mit einheimischem Kennzeichen unterwegs zu sein! Wie soll ich sagen, klar habe ich das auf die Reihe gekriegt. Muss ja! Ich habe schließlich einen Führerschein und einen Haufen Fahrpraxis. Aber das war durchaus ein Moment, in dem ich dachte: „Uff! Das ist jetzt anstrengend gewesen.“

Ein eigentlich ganz guter Schnitt

Am Freitagabend war die Heimfahrt erstaunlich ruhig. Freilich, es gab zwei Unfälle auf meiner Strecke, an denen ich vorbeifuhr, auch passend dazu Staus. Der Stau an einer Baustelle musste weit umfahren werden. Im Endeffekt lief es aber ganz gut für einen Freitagabend in Baden-Württemberg.

Nur muss man sich vor Augen führen, dass „recht gut“ auf meiner Strecke folgendes bedeutet: Meine Heimfahrt ist gut 86 Kilometer lang. Davon sind etwa vier Kilometer innerorts, zwei ganz am Anfang, zwei auf die letzten zehn Kilometer verteilt. 14 Kilometer sind Landstraße, zusammen mit der zweiten Hälfte der innerorts gefahrenen Strecken sind’s die letzten 16 Kilometer vor Zuhause. Die restlichen 58 Kilometer sind Autobahn.

Insgesamt prognostizierte mir beim Losfahren Google Maps 1:42:00 als Heimfahrtdauer. Bedenkt man, dass es 86 Kilometer sind, ist das ein Schnitt von gut 50km/h. Nicht genug, um bei konstant dieser Geschwindigkeit innerorts geblitzt zu werden. Und: Ja. Für einen Freitagabend über die westliche A8 ist das schnell. Man muss ja niemandem verraten, dass ich schneller war. 56km/h zeigte die Fahrt-Bilanz meines Autos hinterher. Man muss ja niemandem erzählen, dass ich nach Abfahren von der Autobahn in Karlsruhe Süd noch 48km/h als Durchschnitt der Fahrt auf dem Tacho hatte und auf 16 Kilometern weitgehend Landstraße noch auf 56km/h nach oben korrigierte.

Verkehrs-Brennpunkt: Pforzheim Ost

Derzeit ist es auf der Autobahn 8 mal wieder alles andere als spaßig. Ich habe glaube ich schon mehrfach geäußert, dass bei schlechtem, nebligem, eisigem Wetter viele Leute entweder daheim bleiben, öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder wie von Zauberhand verändert plötzlich anständig fahren.

Derzeit wird das Wetter besser – nicht beständig, aber schließlich ist ja April – und entweder nimmt das Verkehrsaufkommen zu oder die Weisheitszähne des Reißverschlusses sind mal wieder bevorzugt unterwegs oder besonders aktiv. Der Brennpunkt dabei ist natürlich die Engstelle bei Pforzheim Ost.

Die Fakten:

  • Für einige wenige Kilometer verengt sich die Fahrbahn von drei modernen Spuren mit Standstreifen auf einen nur wenig modifizierten Dreißigerjahre-Standard.
  • Die Engstelle geht einher mit einer Senke, nämlich dem Enztal, mit eher steilen Flanken.
  • In der Senke, genau auf dem tiefsten Punkt, befindet sich die Autobahn-Anschlussstelle Pforzheim Ost, die zudem zumindest an der Abfahrt aus Richtung Karlsruhe auf die B10 im Enztal und der Auffahrt in Richtung Karlsruhe von der B10 die kurzen, fast nicht vorhandenen Verzögerungs- beziehungsweise Beschleunigungsstreifen des oben genannten Dreißigerjahre-Standards besitzt.
  • Verkompliziert wird die Situation durch den ebenfalls nicht vorhandenen Beschleunigungsstreifen der Auffahrt vom Rasthof Pforzheim in Richtung Stuttgart. Dazu kommt, dass die Anschlussstellen Pforzheim Ost und Rasthof Pforzheim zu nahe aneinanderliegen und die jeweiligen Störungen des Verkehrsflusses sich aufschaukeln.
  • Aktuell erschwerend wirken sich die Brückenschäden an der Enz-Brücke aus, weswegen direkt auf der Talsohle, zusätzlich zur Störung durch die Anschlussstelle, der Verkehr noch mit einer durch die Brückenschäden bedingten Reduktion des Gesschwindigkeitslimits in Richtung Karlsruhe von 100km/h auf 80km/h klarkommen muss.

Jeden Morgen steht man bis mindestens Pforzheim Nord, in Richtung Stuttgart fahrend. Zur nachmittäglichen Rush-Hour variiert die Staulänge in Richtung Karlsruhe stark – manchmal bis Pforzheim Süd (was nicht sehr lang ist), manchmal geht’s bis fast nach Heimsheim, sogar ohne Unfall.

Freilich weiß ich, dass hier etwas geschehen wird. Mittlerweile ist die Verbreiterung und Modernisierung der A8 im Enztal ja schon sehr stark am Weitergedeihen, nächstes Jahr soll Baubeginn sein, mit möglichst geringen Auswirkungen auf den laufenden Verkehr. Laufender Verkehr? Äh, guter Witz! Aber wenn man die ohnehin schon schreckliche Engstelle möglichst wenig verschärfen möchte, soll mir das recht sein. Auch wenn direkt um Stuttgart herum (Dreieck Leonberg bis Flughafen) auch die wundervoll ausgebaute A8 noch überfordert ist, ist die Enztalquerung tatsächlich das letzte echte Krisenstück auf dem Abschnitt Karlsruhe-Stuttgart – und zur Zeit, ohne neue Baustelle, wieder mehr denn je.

Zum Thema A8 bei Leonberg und Stuttgart möchte ich dann doch noch sagen: Wen wundert’s, dass die dortige Strecke problematisch ist? Dort werden – anders, als ursprünglich (LANG her!) geplant – Umfahrungsverkehr und Berufsverkehr aus Stuttgart und den südlich vorgelagerten Städten Sindelfingen und Böblingen, Ost-West-Fernverkehr UND Nord-Süd-Fernverkehr miteinander verknotet, und das bei teils großen Steigungen (von Leonberg hoch zum Kreuz Stuttgart). Da würde wohl wirklich nur noch die Wiederaufnahme eines Baus der durchgehenden A81 Leonberg-Herrenberg helfen. Aber das wird nicht geschehen.

Im Enztal ist es aber ein lösbares Problem. Schade, dass der Kampf um die richtige oder vermeintlich richtige Lösung diese Engstelle im – danach wirklich – laufenden Ost-West-Verkehr so lange verzögert hat!