Broken Glass

Es ist mir jetzt ein paar Mal aufgefallen – auf Radwegen, auf wenig befahrenen Straßen in Wohngebieten, an vielen Stellen meines Arbeitsweges. Heute früh gab ich ein überrascht-ärgerliches „Uuuhwoah!“ von mir, das zwei Walker sehr verwirrte.

Die Situation war die folgende: Die beiden Walker gingen gerade die Bäumlesäcker in Daxlanden entlang, querten das Ende der Rheinstrandallee und wollten hinunter zum alten Federbach. Ich war gerade vom Nussbaumweg auf die Bäumlesäcker abgebogen und beabsichtigte nun, die Rheinstrandallee entlang zu fahren, entschied mich wegen der super-lästigen Bauampel aber dann doch für den Radweg neben der Rheinstrandallee. Die beiden Walker dachten nun sicher, ich wolle sie verjagen oder hätte sie fast umgefahren.

Aber dem war nicht so, und das erklärte ich auch in einer raschen Äußerung. Am Vortag bereits war mir aufgefallen, dass an der T-Kreuzung der Bäumlesäcker mit dem Nussbaumweg eine Flasche Bacardi offenbar leergetrunken und zerdeppert worden war. Mitten auf der Straße! Mit Rennradreifen mit erklecklichem Druck drin macht einem das keinen Spaß und man kurvt gefährlich um das reifentötende Glitzern herum. Nun waren diese Flaschenreste beseitigt worden – auf dem kurzen Wegstück zwischen Rheinstrandallee, Radweg und dem Gefälle runter zum alten Federbach jedoch waren weitere Scherben! Genau um die kurvte ich mit unartikuliertem Aufruf herum und erschreckte aus Versehen die beiden Walker. Wollte ich nicht!

Mich macht es ärgerlich, ja wütend, dass ich immer wieder Scherben auf den Straßen und Radwegen sehe. Um Glascontainer – meinetwegen, kann passieren. Wäre schön, wenn man’s wegräumt, aber eventuell hat man das Material nicht dabei. Aber mitten irgendwo… kann mal runterfallen, von mir aus, aber die Häufigkeit, mit der ich solche Reifentode vorfinde, spricht eigentlich für mutwilliges Zerdeppern.

Es ist ja nun nicht so, dass eine (bisher stets umgangene) Beschädigung der schmalen Reifen auf meinen heißgeliebten Mavic-Laufrädern das Schlimmste ist, was passieren kann. Auch wenn Reifen nicht wieder heilen, sondern ersetzt werden müssen, sind Verletzungen schlimmer… nun wird man vielleicht argumentieren, dass ja keiner barfuß durch die Gegend läuft. Von der Fragwürdigkeit dieser Aussage (warum eigentlich nicht? Ach genau, Scherben, da war was!) abgesehen gibt es eine Menge Barfußläufer, die sich auf Radwegen tummeln, Hunde nämlich. Treten die in eine solche Scherbe, tut’s dem Tier weh und wird – mit Pech, durch Infektion – gefährlich. Mindestens aber ist es mutwilliges Gefährden der Tiere und – auch das sollte man nicht außer Acht lassen – kostet den Besitzer des Tieres ordentlich Tierarztrechnungen.

Freilich, für Hunde, die auf den Radwegen rumlaufen, quer über den Weg gespannte Leinen und dergleichen habe ich als Rennradlerin nun nicht so viel übrig. Aber die haben auch ihre Berechtigung, und ich habe Rücksicht auf Tiere und Halter zu nehmen, sofern’s ein kombinierter Rad- und Gehweg ist. Wenn’s ein reiner Radweg ist, haben die Tiere und ihre Halter beim Gassigehen da nix zu suchen.

Scherben allerdings, mutwillig dort hin platziert, weil man die Flasche an Ort und Stelle so gerne platzen sehen mag, haben auf Rad- und Fußwegen ebenso wenig zu suchen wie auf der Straße. Weil sie barfuß gehende Menschen und Tiere verletzen, Reifen kaputtmachen und generell als ganze Flaschen zur Pfandrückgabe oder in den Glascontainer gehören und nicht in Stücke gebrochen in die Botanik oder auf den Asphalt.

[KuK] Immer auf die Autos schimpfen…

…greift viel zu kurz.

Heute hat beim Radfahren ein Autofahrer, der von einer Tankstelle auf die Straße rausfahren wollte, aber wegen des Verkehrs nicht konnte, extra zurückgesetzt.

Warum? Ganz einfach: Weil ich auf dem Radweg daherkam und sonst wegen ihm bremsen hätte müssen. Ich war ebenso verblüfft wie begeistert.

"Hey", brüllt die Radlerin

Gestern hat mich auf der Heimfahrt etwas ziemlich aufgeregt. Ich war ohnehin etwas auf Krawall gebürstet, aber an dieser einen Stelle habe ich mir einen Moment lang überlegt, ob ich anhalten soll und jemanden anschreien. Ich beließ es bei einem „Hey!“ aus voller Fahrt – während ich befürchtete, gleich würden mir Scherben um die Ohren fliegen.

An der fraglichen Stelle verläuft das Gleis der S2 neben einer schmalen Straße, ein noch schmalerer Weg, bei dem nicht näher definiert ist, ob er Fußweg, Radweg oder beides ist, liegt dazwischen. Ein Zaun grenzt den schmalen Weg vom Gleis ab, ein wirklich karger Grünstreifen übernimmt dasselbe gegenüber der Straße. Ich fahre dort immer auf der Straße, da der Weg wirklich schmal ist. Vermutlich werde ich das nun erst recht tun.

Denn auf dem Weg sammelte ein Kind, grob überschlagen 10-14 Jahre alt, die Flaschen vom Grünstreifen. So weit so gut. Aber warum sammelte das Kind… genau: Um sie mit voller Kraft auf den schmalen Weg zu donnern, dass die Scherben in alle Richtungen spritzten. Bestimmt liegen ein paar kleine auf der Straße, das Gros aber dürfte den schmalen Weg für Nicht-Vollgummireifen von langsamen Radlern, Kinderwagen, Kinderrädern toxisch machen.

„Hey!“, brüllte ich das Kind an, während ich mit ca. 25 km/h vorbeiradelte, während eine Flasche auf dem Weg zerplatzte. Das Kind brüllte mir irgendwas hinterher, es klang nicht nett. Ob das nun eine bewusste Radfahrer-Falle oder einfach nur die Lust an der Zerstörung ist, weiß ich nicht. Aber es erklärt, warum ich beim Laufen auf jenem Weg immer wieder Scherben entdecke und daher immer mehr darin bestärkt werde, den schmalen Weg nicht zu nutzen, sondern auf der Straße zu fahren – am besten weit weg von jenem Grünstreifen, wenn auf der ruhigen Straße nicht doch mal ein Auto entlangfährt.

Die unmöglichen… (Zutreffendes bitte ankreuzen)

Heute morgen fuhr ich wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das ging sehr gut, zumindest in Rheinstetten und auch sonst… bis ich dann auf der Sofienstraße war, die als Fahrradstraße gewidmet ist. Dort überholte ich in schönem Schwung eine andere Radfahrerin, vor uns war ein Transporter. Der hielt dann – ich wartete hinter dem Fahrzeug, der Fahrer hatte keinen Blinker gesetzt, er wartete einfach nur. Ich war drauf und dran, selbst vorbeizufahren, da fuhr die zuvor überholte Radfahrerin links an mir vorbei, wollte links am Transporter vorbei… „Quiiiiieeetsch!“, machten ihre Bremsen. Nichts war passiert, der Transporter war allerdings mit nach links eingeschlagenen Rädern auf einen Parkplatz in der Straßenmitte gefahren.

Wer hat falsch gehandelt? Solidarisiert mit der Radfahrerin, ich war ja selbst Radfahrerin, schimpfte ich: „Blinken wäre vielleicht eine Option!“ Allerdings wäre auch hinter dem auf der Fahrbahn haltenden und sicher einen Grund dafür habenden Transporter zu warten eine Option gewesen! 

Dann waren da eben noch die beiden Damen mit Hunden, die ungeniert mit Hunden, Leinen und eigenen Körpern die volle Fünfpersonenbreite eines Radwegs nördlich des Uni-Geländes dichtmachten, auch wenn sie mich als Läuferin entgegenkommen sahen. Interessierte sie aber nicht, ich wich ins Gras aus. Auf dieser Basis – und vielen weiteren solchen Ereignissen, habe ich den folgenden Beschwerdebogen entwickelt: 

Vorderseite 

Dieser Beschwerdebogen dient nicht zur Beschwerde über gefährliche Situationen oder gar Unfälle. Touchiert ein Autofahrer Dich als Fahrradfahrer fast, oder nimmt Dir jemand sehenden Auges die Vorfahrt, brülle laut über die Straße und wirf ihm diesen Bogen (zerknüllt) hinterher. Hoffentlich triffst Du! 

Du hältst diesen Bogen noch in der Hand? Nun gut, also: 

Diese unmöglichen… (zutreffendes bitte ankreuzen)

  • [ ] Autofahrer
  • [ ] Radfahrer
  • [ ] E-Rollerfahrer
  • [ ] Skater
  • [ ] Hundehalter
  • [ ] Jogger
  • [ ] Spaziergänger…

haben mir ___________________________________________________ (Freitext) angetan. 

Ich bin im Recht, weil ich… (zutreffendes bitte ankreuzen)

  • [ ] Autofahrer
  • [ ] Radfahrer
  • [ ] E-Rollerfahrer
  • [ ] Skater
  • [ ] Hundehalter
  • [ ] Jogger
  • [ ] Spaziergänger

… bin und … (zutreffendes bitte ankreuzen)

  • [ ] es eilig habe.
  • [ ] ganz vorsichtig fahre/laufe/gehe.
  • [ ] der andere sich viel weniger richtig verhalten hat als ich! Nämlich! *aufstampf* 

Zur Einreichung bitte wenden und den dort abgedruckten Text lesen. 

Rückseite 

Hast Du selbst Dich den Regeln entsprechend völlig korrekt verhalten? 

  • [ ] „Ja.“ 

Wirklich?!? 

  • [ ] „Hmtja. Vielleicht. Ist das wichtig?“: Eigentlich schon. Wer im Glashaus sitzt, oder so… 

Ist jemandem etwas passiert? 

  • [ ] „Ja“: Rufe einen Arzt. Dann die Polizei. Beides unnötig? Drehe diesen Bogen um und lies die oberste Zeile der Vorderseite.
  • [ ] „Nein“: Verordne Deinem Ärger eine Aspirin und verhalte mindestens Du Dich weiterhin korrekt. 

Am Ende dieses Bogens steht die Frage: Konnte jemand – Du oder der andere – wissen, dass er sich falsch verhalten hat? Wenn ja: Lass es Dich selbst und den anderen wissen, wenn es irgend geht. Und dann macht’s besser, beim nächsten Mal!

Vierer oder Zweier?

Jeden Morgen und auch jeden Nachmittag bin ich wieder fasziniert vom Verhalten der Fahrgäste beim KVV im Mittelteil des Zuges. Per se würde ich eigentlich davon ausgehen, dass ein „Vierer“, also zwei Bänke aus zwei Sitzen, die einander gegenüberstehen, die bevorzugte Sitzgelegenheit auch für einzelne Passagiere sind, um die Fahrt zu verbringen. Lustigerweise habe ich selbst eine gewisse Hemmung, mit einen „Vierer“ zu nehmen. Oft hätte ich aber gar keine andere Wahl, selbst wenn ich diese Hemmung nicht zu überwinden trachten würde: Die Vierer im Mittelteil des Zuges werden zumeist als letztes besetzt, alle anderen Bänke sind meist vorher besetzt.

Natürlich kann es sein, dass ich mir das einbilde, glaube ich aber eher nicht. Vielleicht liegt es daran, dass die Leute morgens in der Bahn oder abends auf dem Heimweg gerne ihre Ruhe haben. Sie möchten sich vielleicht mit maximal einem Zeitgenossen auseinandersetzen, der redet, telefoniert oder einfach nur präsent ist. Ich selbst habe noch einen weiteren Grund, die „Vierer“ eher nicht zu benutzen: Wenn ich auf einer Bank, bei der mir die Rückenlehne der Bank eins weiter vorne vor den Füßen steht, meinen Rucksack vor meine Beine stelle, stört er niemanden – außer vielleicht mich. Im Vierer kommt er mit den Beinen des Gegenüber ins Gehege, wenn sich dort jemand hinsetzt.

Aber bei den anderen Leuten glaube ich nicht an dieses Argument, denn sehr viele sitzen neben ihren Taschen oder Rucksäcken und verteidigen mit ihren Gepäckstücken selbst im vollen Zug oft einen Sitz gegen im Zug stehende Menschen. Andere haben gar keine großen Taschen oder Rucksäcke dabei. Daran kann’s also eigentlich nicht liegen.

Nun, ich werde wohl dennoch weiterhin gerne auch die „Vierer“ nehmen. Mit dem Rucksack auf dem Schoß und dem E-Reader oben auf dem Rucksack kann man auch gut lesen und sich gegebenenfalls abschotten. Das Lächeln, wenn ich dann meinen Rucksack aus dem Fußbereich auf den Schoß nehme, damit jemand sich setzen kann, ist ehrlich gesagt auch etwas, das ich zu schätzen gelernt habe.

[KuK] Fuß und Hintern

Über dem Sitz in der S-Bahn prangt dieses Schild.

Möchte man Straßendreck am Hintern haben? Das überlegte ich mir, als heute ein Herr von der Sicherheitsfirma, die die Züge der Albtalverkehrsgesellschaft betreut, in der S7 zwei junge Damen aufforderte, ihre Füße nicht auf den Sitz gegenüber zu stellen. Er verwies auf die Schilder, die über den Sitzen prangen. Die waren mir schon lange nicht mehr aufgefallen …

Da musste ich das Schild doch gleich mal fotografieren. Der Sicherheitsmann grinste, als ich das tat. Ich wäre fast neugierig, was er wohl gedacht hat!

Sagen und tun

Gestern Abend war ich auf einem Konzert – bei VNV Nation auf dem zweiten Europa-Teil der Tour zum Album Noire. Es war ein tolles Konzert, jedenfalls für mich, doch darum geht es mir hier gar nicht.

Ich kam mit ein wenig Verspätung auf dem Heidelberger Hauptbahnhof an und stand so nicht ganz vorne in der Warteschlange vor dem Einlass. Das führte dazu, dass für mich nur noch am Bühnenrand ein Platz in der vordersten Reihe war. Neben mir, in Richtung Bühnenmitte, war eine recht raumgreifende Vierergruppe. Zwei der Frauen der Gruppe aus insgesamt drei Frauen und einem Mann standen vorne an der Absperrung und nahmen viel Platz ein – mehr, als sie für ihre Körper gebraucht hätten. Nun gut, dachte ich mir. Später dann tauchten hinter mir eine Frau mit Rollator und ein Pärchen auf, der Mann im Rollstuhl. Die Vierergruppe neben mir begann sich zu unterhalten, warum es denn keinen Rollstuhl-Bereich gäbe, oder man diese Leute nicht vor die Absperrung ließe. Auf die Idee, den Rollstuhlfahrer und seine wirklich nicht hochgewachsene Freundin vor an die Absperrung zu lassen und dahinter zu stehen, kamen sie nicht. Ich brauchte zugegebenermaßen auch einen Moment, aber kurz bevor das Konzert losging, tauschte ich mit dem Pärchen mit Rollstuhlfahrer den Platz und schuf so auch eine direkte Sichtlinie der Dame mit Rollator auf die Bühne.

Eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Ich sollte nicht so lange brauchen, so etwas zu tun. Auch Kinder, die ja nun wirklich nicht den Blick versperren, aber außer vorne an der Absperrung nun wirklich schlechte Chancen haben, was zu sehen, sollte man nach vorne lassen. Das taten dieses Mal recht wenige. Eigentlich bin ich das vom Publikum bei VNV Nation anders gewohnt. Aus meiner Sicht handeln die Texte auch – nicht nur, aber eben auch – davon, sich umeinander zu kümmern. Insbesondere „Illusion“ macht da einen Vorstoß. Vielleicht war’s ein schlechter Tag, ich habe ja auch recht lange gebraucht, bis ich von dämlichem Egoismus abgerückt bin.

Für mich ist manchmal erschreckend, wie sehr wir Deutschen uns von unserem überregelten Staat aus der Verantwortung nehmen lassen. Es wird geschimpft, dass sich nicht besser um die Schwachen, Gehandicapten oder Kranken gekümmert wird. Aber selbst mal einen Platz in der ersten Reihe aufgeben, um jemanden vorzulassen, über den man ja doch drübergucken kann, der aber hinter einem selbst nichts sehen könnte, dafür brauchen wir lang; wenn wir es überhaupt tun. So wichtig ich es finde, dass der Staat sich um die Dinge kümmert – es sollte auch die Gesellschaft sein, die das tut. Und die Gesellschaft, das ist nicht irgendetwas Abstraktes. Das sind wir alle, und wer, wenn nicht ein erster Teil der Gesellschaft, nämlich wir selbst, kann damit anfangen?

Im Endeffekt wurde ich mit frohen, dankbaren – und nicht zuletzt unheimlich vom Konzert begeisterten, sehr engagiert mitmachenden Menschen um mich herum belohnt. Die Stimmung in der Ecke, in die ich dann doch ein Stück weiter hinein zurückgesetzt das Konzert miterlebte, war gigantisch!

[KuK] Das gibt’s doch nicht!

Heute in Bietigheim (Baden), einem eher beschaulichen Dorf zwischen Karlsruhe und Rastatt: Mein Mann und ich sind gerade auf dem Weg vom Bahnhof zurück nach Hause, da ich heute mit der Bahn von der Arbeit nach Hause gefahren bin. Auf der Dorfstraße Richtung Elchesheim, die ein Parkplatz-Slalom ist, halten wir inne: Zwei Autos kommen von links die Straße runter. Dann, nach einem Parkplatz mit Auto drauf in deren Weg, heult ein Motor auf. Auf einer innerdörfischen Straße, die alle paar Meter durch Parkplätze zu schmal ist, dass zwei Autos nebeneinander vorbei kommen würden, überholt ein Fahrer mit aufheulendem Motor, zwingt den Gegenverkehr, vor einem parkenden Fahrzeug scharf zu bremsen und schert sich nicht darum, dass dort eventuell Kinder oder auch Erwachsene über die Straße gehen könnten oder dergleichen – vom Tempolimit 50, später auf der Straße 30, will ich gar nicht anfangen!

… und das Schlimme ist: Ich habe auch im Auto schon zweimal sowas erlebt, wurde also an dieser Stelle so überholt. Weil ich halt 35-40km/h gefahren bin, da Slalom zwischen parkenden Autos nun nicht unbedingt geneigt ist, mich die erlaubten 50km/h voll ausnutzen wollen zu lassen.

Crosstalk Mk2

Heute früh bin ich mit der Bahn zur Arbeit gefahren. Das geht ganz gut und ist recht entspannt, da man nicht auf so viel achten muss, nebenbei lesen kann und auch ansonsten in vielerlei Hinsicht entspannter sein kann als hinter dem Steuer. Wenn … ja, wenn da nicht all die anderen Leute in der Bahn wären.

Nein, ich würde mich nicht für eine Misanthropin halten. So schlimm war es auch nicht. Ich muss aber schon sagen, dass mich manche Verhaltensweisen und manches Umgehen mit Elektronik schon ein wenig stören. Ich selbst habe natürlich auch am Handy gespielt und auf meinem Tolino gelesen. Nun, da ich das erste, von einer Freundin als klassisches, physisch vorhandenes Buch ausgeliehene Buch aus der „Anne-of-Green-Gables“-Reihe endlich durch habe, fing ich das elektronisch vorhandene zweite Buch an. Nicht, dass das „endlich“ bedeuten würde, dass ich es nicht mochte – ich hatte nur so furchtbar wenig Zeit zum Lesen.

Aber zurück zu der Elektronik um mich herum. Dass jeder ein Handy und/oder einen E-Reader und/oder ein Tablet bei sich hat, wenn er oder sie den ÖPNV benutzt, ist ja durchaus Realität. Das kann man schlimm finden, ich find’s gut. Man kann so die Zeit unterwegs gut nutzen, und bei vernünftigem Umgang damit versagt man sich auch keine zufälligen Gespräche, die dann oft die besten sind. Aber gerade bei Smartphones sollte man sich klar machen, dass noch andere Leute im Zug sind, die vielleicht auch die Konzentration auf ihre Gedanken ohne Ohrstöpsel genießen möchten. Zwei Sitze entfernt saß jemand mit Kopfhörern – und bekam ganz offenbar nicht mit, dass in unregelmäßigem Minutentakt sein Handy einen mehrsekündigen SMS- oder Message-Benachrichtigungston abspielte, der mich jedes Mal aufmerken ließ. Das ist etwas, das ich nicht verstehe. Mein Telefon ist meistens auf stumm gestellt, macht sich nur durch Vibration bemerkbar. Ich trag’s ja eh meist am Körper oder es liegt auf einem Tisch, wo man das dann merkt. Steckt das Telefon in der Handtasche, merke ich es auch, da sich die Vibration auf den Trageriemen der Handtasche überträgt.

Oder, um meine Empörung mit einer Zitat-Reihe aus „Jagd auf roter Oktober“ zu illustrieren: „Die pingen wie wild in der Gegend herum und keiner hört darauf.“ – „Keiner hört darauf?“ – „Die fahren so 33 Knoten. Da könnten sie über die Stereoanlage meiner Tochter fahren, ohne sie zu bemerken.“

Genauso darf gerne das Telefon an’s Ohr, wenn man telefoniert. Dann sind Lautsprecher und Mikrofon näher an den relevanten Körperteilen und niemand muss die Äußerungen meines Gesprächespartners mithören – und idealerweise meine auch nicht so sehr.

Ich seh‘ ein, dass auch akustische Signale wichtig sein können. Aber dann doch bitte nur die wichtigen – und nur, wenn auch wer drauf hört. Idealerweise vor allem für den hörbar, der tatsächlich drauf hört und nicht so sehr für alle anderen.