Seit langem… Rißnertlauf 2022

Vor einiger Zeit erreichte mich eine Mail. Meine Anmeldung für den Rißnertlauf beim TuS Rüppurr in Karlsruhe für das Jahr 2020 war auf 2022 transferiert worden. Wegen der rasanten Entwicklung fiel der Rißnertlauf 2020 aus und wurde 2021 nur virtuell ausgetragen – nun ging es endlich wieder los.

Mich schockte das etwas. Das passte nun gar nicht in meinen Aufbau für den Marathon – zu schnell, zu kurz, eigentlich wollte ich da was anderes planen… sei’s drum! Also plante ich mal, den Rißnertlauf nicht für voll zu nehmen. Mit einem fetten, schwarzen Edding unterstrich ich diese Absicht, indem ich am Samstag, den 19.03. zum Oberwald Park Run im selben Revier radelte und mich dort verleiten ließ, doch etwas schneller zu fahren. Was das mit dem Rißnertlauf zu tun hat? Ganz einfach: 41 Radkilometer, recht flott, und fünf schnelle Laufkilometer, nur die letzte Attacke des Siegers nicht mitgegangen, das ist nicht unbedingt Vorbereitung für einen Wettkampf. Denn der Rißnertlauf war HEUTE, am 20.03. Ich zeichnete die Linie als Unterstreichung von „Ich nehme den Rißnertlauf nicht ernst“ nochmal mit dem Edding nach: Ich fuhr mit dem Fahrrad dort hin, 19,5 Kilometer mit dem Rennrad. Meine Erwartungen waren entsprechend nicht unbedingt hoch geschraubt. Viele liebe Leute traf ich, vor dem Lauf, aber es würden auch danach noch viele Treffen sein: Mit Kollegen, mit den Leuten vom Park Run, mit der lokalen Strava-Gang, mit Leuten aus den Garmin Connect Challenges…

Dann ging es los. Ich begann erstmal mit 4:20/km und das lief sich recht locker. So locker, dass ich mir dachte, dass ich nicht nachkorrigieren müsse, sondern einfach mal schauen könnte, ob sich das so bis ins Ziel durchziehen ließ. Bis Kilometer fünf ließ sich das ganz gut umsetzen, dann wurde mir langweilig… nein, das ist falsch gesagt: Das Gefühl, das Tempo bis ins Ziel halten oder gar steigern zu können wurde so stark, dass die Läufergruppen vor mir einen Sog entwickelten. Die Strecke war recht dünn besiedelt, da wir immer in Gruppen von 4-10 Leuten alle 10 Sekunden gestartet waren. Ich schloß langsam immer weiter zu anderen Grüppchen auf, dann fand sich um Kilometer sieben herum eine Vierergruppe zusammen: Zwei Jungs von der LG Region Karlsruhe, deren rote Trikots mir schon ab Kilometer drei als Leitstern gedient hatten, holte ich ein, und ein anderer Läufer gesellte sich zu mir, er wollte 4:10/km durchlaufen. Mit mal ein paar Metern Führung, aber im Grunde recht konstant blieben wir zu viert zusammen bis weit über Kilometer zehn hinaus. Bei Kilometer zwölf setzten sich der 4:10/km Ankündigende und ich dann ab, bei Kilometer dreizehn kam von ihm die Ansage: „4:00/km bis zum Schluss? Oder 4:05/km?“ Ich war skeptisch, aber am Ende hat es doch geklappt. Im Stadion nahm er mir noch dreißig, vierzig Meter ab, aber mit Hilfe dieser Weggefährten, aller drei, bin ich einen richtigen Crescendo-Lauf gelaufen, und deutlich schneller als gedacht!

Meine Kilometergeschwindigkeiten beim Rißnertlauf, incl. Schlusssprint.

Und so habe ich ganz unverhofft und ohne so recht die Absicht zu haben, meinen persönlichen Rekord auf dem Kurs des Rißnertlaufs und auch meine 15-Kilometer-Bestzeit verbessert. 1:02:30 standen am Ende auf der Uhr, kurz nach mir kam noch eine andere Läuferin rein, die aber deutlich später gestartet war – somit war recht klar, dass ich nicht gewonnen hatte, aber am Ende reichte es für den 20. Rang aller Läuferinnen und Läufer, für Rang 2 bei den Frauen und den Sieg in meiner Altersklasse.

Der Wettkampf, die Zeitmessung, das Vollbringen einer Leistung, das Gemeinsame auf der Strecke, davor und danach, ich habe es so vermisst. Ich habe das erst heute so richtig begriffen. Mein Mann war auch da, hat angefeuert. Später ging’s noch ein Eis essen, als ein Läuferkollege, der mit dem Auto vor Ort war, meine Preise vorbeibrachte – er hatte das Zeug dankenswerterweise eingepackt, da mein Mann und ich mit dem Rad da waren und er ohnehin Laderaum frei hatte und im Nachbarort wohnt.

[KuK] In der Zeitung

Quelle: Screenshot der ePaper-Ausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) vom 18.03.2019.

In der rechten Spalte finden sich zwei Erwähnungen meiner Person. Es fühlt sich krass an, in der Zeitung zu sein. Das Bild zeigt den Sieger des Laufs, Jannik Arbogast. Das (von mir verlorene) Überholduell zwischen Emma Simpson Dore und mir wird im Artikel erwähnt, ebenso meine Zeit. Huiuiui!

Rißnertlauf in Rüppurr

Am heutigen Sonntag stand für mich der erste Wertungslauf des RegioCup Karlsruhe an. Fünfzehn Kilometer sollten es sein – und die Wettervorhersage war super, auch wenn sie vom Donnerstag (wo sie grandios war) in Richtung Samstag zunehmend mehr Regen am Sonntag ankündigte.

Morgens fuhr ich in Richtung Karlsruhe Rüppurr ab, 7:29 stieg ich in den Zug Richtung Karlsruhe, dann folgte der Umstieg am Sonntagfrüh durchaus einsamen Albtalbahnhof in die S1 Richtung Ettlingen. Ich war die einzige Umsteigerin von der S8 in die S1 an diesem Sonntagmorgen. Ein kleiner Spaziergang quer durch Rüppurr brachte mich zum Stadion der TuS Rüppurr, doch die Startnummernausgabe war in deren Halle, so dass der Spaziergang noch etwas länger war. Dann heftete ich mir die Startnummer an das Trikot und hatte noch eine Stunde bis zum Start:

T-1:00:00 beim Rißnertlauf.

Mein Trainingspartner in den Mittagspausen, Nobse, gesellte sich recht bald zu mir, holte auch seine Startnummer ab und dann gingen wir wieder zurück zum Stadion, wo Start und Ziel aufgebaut waren. Gegen neun bekam ich die Mitteilung meines Mannes, dass er zum Anfeuern und Zuschauen aufgebrochen war – mich also beim Zieleinlauf unterstützen und erwarten wollte. Ich ging noch mal auf die Toilette und stand dann kurz vor Start ein ganzes Stück hinter dem Start-Banner. Die ersten paar hundert Meter nach dem Startschuss stellte ich fest, dass ich viel zu weit hinten gestartet war und somit erstmal auf den schmalen Wegen des Rißnertlaufs Slalom laufen musste, um langsamere Läufer zu überholen. Knapp über einen Kilometer gelaufen, traf ich Nobse wieder, der sich noch ein bisschen warmgelaufen hatte, dort wurde es dann auch schon etwas freier auf der Strecke. Recht schnell setzte ich mich wieder von Nobse ab und stürmte nach vorne – nach dem ersten Kilometer in 4:37 kamen nun etliche unter 4:20, ich arbeitete mich nach vorne. Bei etwa sechs Kilometern schloss ich zu einem Grüppchen auf, in dem neben drei oder vier Läufern auch zwei Läuferinnen gen Ziel strebten – mit einer davon, Emma von der LG Region Karlsruhe, hatte ich später noch eine Begegnung. Ich fühlte mich nämlich stark und überholte die Gruppe. Bei sieben Kilometern war mir klar, dass ich mich ein klein wenig übernommen hatte, denn ich wurde etwas langsamer. Nicht viel, aber eben doch etwas. Es blieb zwar dabei, dass ich keinen Kilometer langsamer als in 4:40 bewältigte, aber zwischen Kilometer eins und acht war ich doch deutlich schneller als auf dem Rest der Strecke. Ich sagte mir: „Du musst nur noch das Erreichte ins Ziel bringen!“ Das motivierte mich, dazu das Wissen, dass meine Uhr im Wald nicht die volle GPS-Effizienz hatte und somit langsamer und weniger Strecke anzeigte als die Kilometer-Schilder am Rand. Am Ende war die Differenz fast vierhundert Meter – aber vorher kam noch der Kilometer zwölf, an dem mich Emma von der LG Region Karlsruhe wieder überholte. Zuvor hatten mich immer wieder entgegenkommende Frauen damit motiviert, dass ich die zweitbeste Frau sei – dann war ich auf Rang drei. Und das brachte ich auch ins Ziel, auch wenn mir Emma auf den letzten drei bis vier Kilometern 47 Sekunden abnahm.

Am Ende kam ich tatsächlich als dritte Frau ins Ziel, mit einer knappen halben Minute Vorsprung auf die Vierte. Die Altersklasse hatte ich klar gewonnen, aber der Rückstand auf die furiose Siegerin Sophia Kaiser von der LG Region Karlsruhe mit ihren 57:25 war natürlich riesig: 1:04:18 kamen raus.

War doch ein bisschen anstrengend – sagt zumindest das Zielfoto meines Mannes.

Es war herrlich, von meinem Mann erwartet zu werden – und nachdem dann auch Nobse im Ziel war und sich ein bisschen erholt hatte, gab’s ein paar nette Gespräche. Ich nahm mir aber auch die Zeit, der Zweiten zum guten Rennen zu gratulieren, wobei wir dann auch noch gefragt wurden, ob wir gemeinsam fotografiert werden dürften. Das war dann auch recht nett, ich muss nochmal rausfinden, für was für einen Artikel der Fotograf das Foto machen wollte. Die Siegerehrung war dann bei Kaffee und Kuchen im Vereinsheim der TuS Rüppurr, wo es warm, laut und ein bisschen chaotisch war. Aber der Gutschein für’s rennwerk, mit dem der dritte Platz dotiert war, kam mir sehr gelegen. Schließlich habe ich schon angekündigt bekommen, dass es von meinem Lieblingsschuh, dem Altra Escalante, eine Sonderedition gibt …

Der Regen kam dann auch noch, er erwischte meinen Mann und mich auf dem Weg von der Bahn nach Hause, wodurch wir erst recht einen guten Grund für eine heiße Dusche zuhause hatten.

Urkunde, Startnummer und Preis.