Mann-Schuhe

Vor einiger Zeit hat mein Mann meine Altra Escalante mal anprobiert und zum gemeinsamen Laufen ausgeführt, während ich in Fivefingers neben ihm her lief. Nach etwa anderthalb Kilometern erklärte ich ihm, dass er – ohne es zu merken – wesentlich vorfüßiger lief und außerdem 90 Sekunden schneller auf den Kilometer als üblich. Pausen kamen auch bis dahin keine – also waren wir beide der Ansicht, dass seine Mizunos – genau habe ich gerade nicht im Blick, welche es sind, auf jeden Fall welche mit Wave-Platte – vielleicht durch etwas wie die Altra Escalante ergänzt werden sollten. So weit, dass ich zum Ersetzen raten würde, wäre ich nicht gegangen und werde so weit auch nicht gehen.

Entsprechend dieser Erkenntnis gingen wir nun gestern mit der Absicht, ein zweites Paar Altra Escalante (neben dem, das ich fleißig belaufe) für meinen Mann zu kaufen. Da er etwas kleinere Füße hat als ich, waren ihm meine etwas zu groß – außerdem sind das meine! Wir fuhren also zum rennwerk nach Karlsruhe, wo ich ohnehin noch meine Preise vom KM-Fresser-Wettbewerb des Ladens abzuholen hatte. Dieses Mal wurden wir nicht von Petar beraten, sondern von einer seiner Kolleginnen, mit der ich noch ein nettes Gespräch über meinen Lauf in Prag zum Metronom hatte. Auch der Chef schaute noch vorbei – er war mit meinem Gewinn für meinen 15. Platz in der Sachpreiskategorie und einer hübschen kleinen Medaille vom rennwerk-Laden in Pforzheim nach Karlsruhe gekommen. Wie soll ich sagen: Escalante in den zierlichen Kategorien der Füße meines Mannes (er hat mit 42 ein bis anderthalb Schuhgrößen weniger als ich!) waren nicht mehr verfügbar, also bekam er die untenstehenden Topos empfohlen. Sein Lauf sah super darin aus, während er sich in einem alternativ angebotenen Modell von Saucony merklich unwohl fühlte – was nicht an den Schuhen, sondern am Zusammenspiel Schuh-Fuß-Mensch lag. Wie soll ich sagen: Nun hat auch mein Mann zwei Paar hoffentlich aktiv belaufene Laufschuhe und ich bin super-gespannt, wie er sich auf den Topos macht. Der Beschreibung nach will ich diesen Schuh auch irgendwann mal antesten.

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Bei uns wird der Schuhschrank allmählich echt sehr … sportlich aussehen, vorausgesetzt, wir (eher: Ich, die ich die meisten Schuhe – Laufschuhe und andere – in diesem Haus besitze) bringen ihn mal in Ordnung.

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Härtetest

Ich laufe erst seit diesem Jahr wieder „so richtig“. Das muss ich immer bedenken – zwar hatte ich 2014 ein richtig gutes Jahr oder zumindest ein richtig gutes erstes Halbjahr, aber 2015 und 2016 waren aus verschiedenen Gründen nicht so gut. Vorher habe ich nicht getrackt, glaube aber, dass ich in den früheren Jahren weniger gelaufen bin als 2014.

Nun war 2017 schon bisher ein grandioses Jahr: Drei Wettkämpfe, nach zuvor bestenfalls einem. Über tausend gelaufene Kilometer bis Oktober, kein „üblicher Juli-Dip“, in dem meine Laufleistung krankheits- oder motivationsbedingt einbrach. Dann war da die sehr motivierende Erfahrung, beim Halbmarathon meine angestrebte Zeit um mehr als eine Viertelstunde zu unterbieten. Alles ganz großartig – und für einen leicht beeindruckbaren Geist wie mich ein Punkt, an dem man übermütig werden könnte.

Der Härtetest und gewissermaßen auch das Wieder-Erden kommt zur Zeit. Erwähnt hatte ich ja schon, dass ich derzeit die Kilometerfresser-Challenge des rennwerks mitmache – eigentlich heißt der Wettbewerb KM-Fress-Wettbewerb, wieso bei mir im Kopf der Begriff „Challenge“ dafür verankert ist, kann ich so genau gar nicht sagen. Die Regeln sind denkbar einfach: Laufe in zwei Wochen so viele Kilometer wie möglich und weise sie per Screenshot der Laufapp oder Foto von Laufuhr/Laufband-Display nach. Gib dem rennwerk zwei Bilder, eins für die erste Woche, eins für die zweite. Die mit den jeweils zehn meisten Likes für die Bilder bekommen 50, 45, … 5km gut geschrieben. So weit, so einfach. Nun habe ich natürlich begeistert mitgemacht – oder eher: Mache noch mit. Bis Sonntag, den 22.10. läuft das Ganze noch. Ich bin in dieser Zeit – glaube ich – meine bisher kilometerreichste Woche mit fast 100km gelaufen, außerdem bin ich – in dem Falle sicher – meinen bisher längsten Lauf überhaupt gelaufen. In der ersten Woche des Wettbewerbs bin ich also durchaus über mich hinausgewachsen. Was stand am Ende der Woche in der Liste? Platz 17 von 46 mit den Bonuskilometern aus Likes (ohne von den Preisen ausgeschlossene Mitarbeiter des rennwerks), Platz 18 in der reinen Kilometerwertung, in der die Rennwerker mit drin sind. Nicht schlecht, das WEISS ich – obere Hälfte, zweites Fünftel. Denn wie gesagt: 2015 und 2016 lief nicht viel, erst 2017 ging es wieder so richtig ab. Gegenüber denen, die schon Marathon gelaufen sind, die schon viele, viele Jahre in Folge immer wieder viele Kilometer runterreißen, kann ich im direkten Vergleich ohne Berücksichtigung der Vorgeschichte nicht bestehen. Ich glaube, ich darf dennoch etwas enttäuscht sein, da die Gedanken und Emotionen ja frei sind.

In diesem Falle ist die Enttäuschung aber ein Ansporn. Mit verkürzter Pendelstrecke im kommenden Jahr, mit der Absicht im kommenden Jahr Halbmarathon und Marathon zu laufen, werde ich kommendes Jahr – vorausgesetzt, das alles klappt – eine ganze Menge mehr Kilometer „fressen“ als dieses Jahr. Außerdem werde ich meine Kondition besser über den Winter bekommen, als das die vergangenen Jahre der Fall war – nicht nur, weil ich noch NIE vor dem Jahr 2017 von März bis Oktober durchgängig konsequent gelaufen bin, sondern auch, weil wir ein Laufband anschaffen. Somit kommen auch in der kalten Jahreszeit, die meinen mimosenhaften Atemwegen das Laufen vergällt, Trainingskilometer zusammen – dann halt Indoor. Wenn mein Mann das Wort „Laufband“ in die Runde wirft, stürze ich mich drauf wie eine Katze auf das Spielzeug und bekomme das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

Jedenfalls bekomme ich diesen Oktober Kilometer zusammen, wie ich das niemals erwartet hätte. Tatsächlich ist der Oktober 2017 schon jetzt, wo er gerade erst etwas mehr als halb vorbei ist, mein fünftstärkster aufgezeichneter Laufmonat. Juli, August und September diesen Jahres sowie der Mai 2016 liegen noch davor, aber wenn die Tages-Kilometer-Leistung im Oktober in etwa so bleibt wie im Mittel der ersten Hälfte, dann sind auch die 206km aus dem August am Wackeln. Selbst wenn ich noch einige Plätze im KM-Fress-Wettbewerb verlieren sollte, hat diese Challenge mindestens eine Sache getan: Mich nochmal dazu gebracht, das vermeintliche Limit herauszufordern und damit die Grundlage zu legen, noch ein bisschen besser zu werden. Immer getreu dem Albumtitel des unfreiwilligen „Best Of“, da einzigen Albums der „4 Non Blondes“:

Bigger, Better, Faster, More!

Die anderen sind bestimmt fleißiger …

Zur Zeit begreife ich anhand eines kleinen Wettbewerbes ein Problem, das mich in meiner Motivation gerade gar nicht beschäftigt, aber in manch anderen Phasen eine echt harte Nuss war und bestimmt auch wieder sein wird.

Es geht um die Frage: „Warum soll ich bei etwas mitmachen, bei dem bestimmt die anderen doch eh fleißiger, daher besser sind und ich somit eh nicht gewinne?“ Dieser Mechanismus kann einen leicht dazu bringen, gar nicht erst mitzumachen, gar nicht erst anzufangen. Mit solch einer Einstellung läuft man aber keinen Halbmarathon – und auch kommendes Jahr keinen Marathon. Da ich dieses Jahr Halbmarathon gelaufen bin, habe ich offenbar einen Weg gefunden, dennoch anzufangen, dennoch mitzumachen. Warum also nun dieser Beitrag?

Ich nehme zur Zeit an der „Kilometerfresser-Challenge“ des rennwerks teil. Dabei geht es darum, im nun etwas lauffeindlicher werdenden Herbst möglichst viele Kilometer in den zwei Wochen vom 09.10. bis zum 22.10. zu laufen. Bonus gibt’s über Likes für Laufbilder auf der Facebook-Seite des rennwerks. Nun wollte ich unbedingt dabei mitmachen – natürlich locken die Preise: Laufschuhe nach eigener Auswahl, Laufbekleidung, Gutscheine … und zwar ein Haufen davon. Die Preise gehen bis hinunter zu den letzten Plätzen, zumindest nach Anmeldestand bei Beginn der Challenge. Bei mir setzt nun ein: „Ich mache bestimmt nur Laufbilder, die keinem gefallen und muss mir meine Likes von meinen Freunden erbetteln – und bestimmt laufen andere viel mehr als ich.“ Vielleicht ist das so. Vielleicht auch nicht. Außerdem: Andere verlinken auch ihre Freunde unter ihrem jeweiligen Bild, damit diese Liken. Alles ganz normal.

Jetzt kann man von zwei Seiten fragen: Einerseits: „Was ist so schlimm dran? Ist doch nur ein Spiel!“ Das ist richtig, aber es fällt mir schwer, es als solches zu nehmen, wenn es um etwas geht. Ich möchte mir keine Hoffnungen machen – wie vielleicht auch der eine oder andere hier möchte ich Dinge nur angehen, wenn was dabei rumkommt. Das gilt für so eine Challenge, für’s Laufen, aber auch für viele, viele andere Aufgaben. Wenn es von vorneherein sehr wahrscheinlich ist, dass es scheitert, will ich es nicht machen. Deswegen mache ich auch eher wenig Glücksspiel. Bei der Laufchallenge kann ich meine Chancen beeinflussen, und das fühlt sich gut an. Dass ich annehme, dass andere mehr laufen und mehr Likes bekommen, fuchst mich dabei – dabei ist doch genau der Wettstreit das Interessante dran. Nun kann die zweite Frage kommen: „Wenn sie das so sieht, warum tut sie sich das an?“ Naja. Die Antwort darauf ist eigentlich einfach und doch nicht. Wenn man’s nicht anfängt, nicht mitmacht, kann gar nichts bei rumkommen. Und laufen würde ich eh. Bei anderen Dingen: Aufgaben erfüllen müsste ich eh. Also kann ich’s auch gleich machen. Der andere Punkt, speziell bei der Challenge ist: Es motiviert mich, nun doch noch etwas mehr zu laufen. Das macht Spaß, tut mir, meinem Geist, meinem Körper gut. Das weiß ich und das spüre ich. Und mal davon ab: Vielleicht bin ich ja gar nicht so … also … so schlecht. Vielleicht ist es nur diese dumme kleine Stimme in meinem Kopf, die mir immer einzureden versucht, ich sei minderwertig, die einerseits meinen Ehrgeiz weckt und mich andererseits runterzieht – und von der ich nur das erste nehmen sollte, das zweite dann aber ablehnen.

So, was hat Talianna nun? Wieso stellt sie sich so an? Der Vorteil dieses Beitrages ist, dass ich nun, nach dem Schreiben, mir selbst sage: „Eben! Was stelle ich mich so an? Wenn’s was wird – toll. Wenn nicht, habe ich dabei was gelernt, bin vorangekommen, habe was für mich getan. Ich könnte nur verlieren, wenn ich’s nicht mache.“

Kaufrausch!

Da ja meine Fivefingers kaputtgeliebt wurden, war ich gestern Schuhe kaufen. Dafür bin ich einer Empfehlung meiner Schwägerin gefolgt, ich habe mich nämlich zum rennwerk in Karlsruhe begeben. Meine zerstörten Fivefingers und meine beanspruchten Mizunos hatte ich natürlich dabei – ebenso wie ein mulmiges Gefühl, dass bestimmt irgendwas über die ganze Zeit hinweg an meinem Laufstil nicht gut gewesen sei, sich vielleicht schleichend schlechter Stil etabliert hätte und so weiter … Es ist eine Weile her, dass ich mit Laufstilanalyse neue Laufschuhe gekauft habe, und so war ich nervös. Wirklich nervös. Vor allem hatte ich Angst, dass ein gegebenenfalls schlechter Stil, den zu korrigieren Arbeit, Einlagen oder sonst etwas erfordert hätte, meine Motivation schmälern würde. So kam ich etwas flatternd in der Rennwerk-Filiale in Karlsruhe an.

Dort grinste mir über die Theke hinweg ein freundliches Gesicht entgegen, der Berater fragte mich nach meinen Laufgewohnheiten, hörte sich an, was ich über mein Laufen zu sagen hatte. Er fragte, wie viel ich laufe – und freute sich, dass ich meine alten Schuhe dabei hatte – zwecks Analyse. Dann beruhigte er mich erstmal: Meine Mizunos standen gerade, die Außenkante war nicht so viel stärker abgelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Er empfahl wieder einen Neutralschuh, kündigte an, mir da einen Vorschlag und einen neuen Mizuno zu bringen und meinte, ich solle mal auf der Bahn für eine video-basierte Laufanalyse mit meinen alten Mizunos laufen. Ich war schonmal sehr beruhigt – schließlich war auf den ersten Blick nichts da, was ich auf meinen letzten 1300 Kilometern offenkundig falsch gemacht hätte. Bei der Laufanalyse bekam ich dann die Ansage, dass mein Laufstil elegant sei, ich schön auf dem Vorfuß und symmetrisch laufe und somit fast schon „weniger“ Schuh als mein bisheriger Mizuno eine gute Idee sei. Bei dieser Gelegenheit kam auch auf, dass „weniger“ Schuh sicher auch gut funktionieren würde, da ich ja durchaus auch mal zwanzig Kilometer auf meinen Fivefingers zurücklege – am Stück. Die Zerstörung der alten Fivefingers ließ meinen Berater auch ein wenig die Braue hochziehen.

Nachdem ich dann eine Neuauflage meiner Mizunos probiert hatte und ein als Alternative hingestelltes Paar von Brooks nicht so gerne mochte, bekam ich noch zwei weitere „Versucherle“: Ein im Aspekt „viel Schuh“ deutlich reduziertes Paar von Mizuno, leichter und direkter als mein altes Paar, und ein Paar Altra Escalante. Was soll ich sagen? Die leichteren Mizunos fühlten sich wie eine Zwischenstufe von den Mizuno Waveriders zu den Fivefingers an, die Altra Escalante waren ein ganz anderes Ding. Ungewohnt, spannend, interessant. Wenn man die Fivefingers und die Mizuno Waveriders nimmt, eine Linie dazwischen zieht, dann lagen die leichteren Mizunos auf dieser Linie – die Altra Escalante spannten mit dieser Linie ein Dreieck auf.

Eigentlich hatte mein Berater Petar mir die Escalante nur als „Versuch“, um Feedback zu bekommen, in die Hand gedrückt. Ich war aber auf Anhieb begeistert – Abwechslung ist nicht, die bisherige Abwechslung zu nehmen und eine Zwischenstufe einzuführen, sondern was ganz Neues hinzuzufügen. Unten seht Ihr dann auch, was ich gekauft habe:

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Mizuno Waverider, Altra Escalante, Vibram Fivefingers – eine Dreieinigkeit für viele neue Kilometer und viel neuen Laufspaß. Ersetzt wurde in folgender Form:

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Alte Fivefingers gegen neue Fivefingers. Simpel, aber richtig und wichtig. Mit ’nem Loch in der Sohle ist auch ein Barfußschuh nicht mehr akzeptabel. Die neuen haben natürlich kein Loch in der Sohle.

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Die alten Mizuno Waves, deren genaues Modell ich nicht mehr weiß, sind nicht ganz so „fertig“ wie die Fivefingers, aber angezählt sind sie definitiv. Deswegen werden die neuen Waveriders, die hier auf den alten draufstehen, sie ersetzen – ziemlich bald, vielleicht sofort.

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Und hier seht Ihr die Neuanschaffung, die mich völlig geflasht hat: Altra Escalante. Beim Test habe ich direkt gemerkt, wie der Schuh meine Gewölbe fordert, was ich sehr wichtig finde – schließlich ist ein intaktes, trainiertes Gewölbe eine wichtige Basis für einen gesunden Fuß, der keine Fehlstellungen entwickelt. Leicht, sprungfreudig und unheimlich wendig fühlen sie sich an, die Escalantes, elegant und schnell. Neben dem nötigen und durch seinen Erfolg glücklich machenden Ersatz meiner bisherigen Laufschuhe durch jeweilige Neuauflagen ist das hier das neue Stück Laufbegeisterung.

Ich bin sehr froh, eine so angenehme Beratung bekommen zu haben und kann, erst recht bei diesem Ergebnis, das rennwerk nur empfehlen!