One done, nine to go

Mein Zielerreichungs-Dashboard in meinem Trainingstagebuch, Stand gestern.

Ich habe mir für dieses Jahr Ziele definiert – gewohnt ambitioniert für’s Laufen, inzwischen auch ambitioniert beim Radfahren: zehn Kilometer Laufen am Tag im Jahresschnitt und zwanzig Kilometer Radfahren pro Tag, ebenfalls im Jahresschnitt. Bei beiden Zielen bin ich gut auf dem Weg. Auch die Gesamtstrecke und auch die Zeit, die ich mit Sport verbringen will, wird durch laufen und radfahren dominiert: zwei Stunden am Tag würde bei 10 km/h zu Fuß und 20 km/h auf dem Rad genau mit meinen Zielen an Kilometern korrespondieren. Ich bin freilich etwas schneller als das… aber es kommen ja weitere Sportarten dazu. Diese bedingen auch, nach vorsichtiger Zielsetzung, dass die Gesamtkilometer pro Tag im Jahresschnitt ein wenig über den 30 Kilometern pro Tag liegen, die sich aus meinen beiden Hauptsportarten ergeben.

Vorsichtig definiert habe ich die Streckenziele, die im vergangenen Jahr gar nicht beackert wurden: Schwimmen und Inlineskaten. Bei ersterem habe ich extrem vorsichtige 1000 Meter pro Monat definiert – und die sind mit den gestrigen Kilometern erfüllt. Beim Skaten bin ich recht weit, ein Kilometer im Schnitt pro Tag ist aber auch ein sehr vorsichtiges Ziel. Vorsichtige Ziele sind aber bei Dingen, die man nicht einschätzen kann, gute Ideen, finde ich.

Was Krafttraining, Dehnen und Balance angeht, bin ich auch auf einem guten Weg und das kann ich auch recht gut einschätzen.

Aber am Ende des Tages ist erstmal zu feiern, dass ich mein erstes Jahres-Mengenziel bereits 23 Tage nach der Jahresmitte erreicht habe. Ich werde dennoch weiter schwimmen gehen – im Herbst ist, sofern die Auswirkungen der Delta-Variante es zulassen, sogar noch ein neu zu erlernender Schwimmstil, nämlich kraulen geplant. Ich hoffe, der Kurs wird stattfinden. Ich schwimme zwar schon solide über 2 km/h Brust, aber Kraulen ist halt doch ein deutlich schnellerer Stil – und den würde ich gerne lernen.

I’m learning to fly…

…but I ain’t got wings. Coming down – is the hardest thing (Tom Petty and the Heartbreakers).

Kilometer-Anteile mit und ohne Cleats auf dem Rad und beim Indoor-Cycling.

Neben dem Inline-Skaten, das ich im Dezember 2020 begonnen habe, habe ich mich noch zu etwas anderem überwunden: Ich habe die Kombi-Pedale an meinen Rädern endlich mal für die Nutzung mit SPD-Cleats, also Klickplatten an den Schuhen genutzt. Geübt habe ich das Ein- und Ausklicken auf dem Heimtrainer, inzwischen habe ich das Ganze dreimal in freier Wildbahn probiert. Stürze wurden mir prophezeit, aber noch habe ich diese nicht hinter mir. Zweimal habe ich bislang die Cleats auf dem „Green Scooter Killer“ benutzt, auf eher wenig mit dem sonstigen Verkehr interagierenden Strecken. Einmal war ich dann doch mit dem „Red Flash“ einkaufen und hatte die Cleat-Schuhe an, fuhr teilweise eben auch Strecken, wo man durchaus auch mal öfter anhalten musste. Auch das klappte ganz gut. Ich entwickle langsam etwas mehr Sicherheit, bin aber immer noch aufmerksam genug, vor Kreuzungen mit Anhalt-Potential bewusst ausklickbereit zu sein. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Für die Arbeitsfahrt Klickschuhe anzuziehen, das habe ich mich bisher nicht getraut.

Aber auch das wird wohl mit der Zeit kommen, denn solange man nicht anhalten muss, bringen die Cleats nicht nur die Möglichkeit eines „runden Tritts“, bei dem man auch bei der Aufwärtsbewegung des Pedals Zug ausüben kann, sondern auch eine merkbar bessere Kontrolle über das Rad. Beim Anhalten und wieder Losfahren ist’s aber durchaus ein bisschen nervig.

Turmbergomat

Am Turmberg in Karlsruhe gibt’s den Turmbergomat. Das ist letztlich eine Zeitmessung mit Stechuhr für den Anstieg auf den Turmberg.

Rechts seht Ihr die Rückseite der Stechkarte des Turmbergomaten. Man kann mit dem Rennrad – oder irgendeinem Rad, mit dem Handbike oder auf Schusters Rappen den Berg hinauf, sollte nur die richtige Disziplin ankreuzen. Es gibt Altersklassenwertungen und natürlich Wertungen nach Geschlecht getrennt. Auch die Strecke bzw. das Streckenprofil ist auf der Karte abgedruckt, auf der anderen Seite die Strecke an sich. 1,75 Kilometer sind es, auf denen man rund 115 Höhenmeter bewältigt. Auf Strava wird die Turmbergomat-Strecke als Bergwertung der vierten Kategorie eingestuft, und vermutlich würde das auch bei der Tour de France so aussehen.

Nachdem ich gestern mit Kopfschmerzen in den Seilen hing, habe ich heute, mich wieder besser fühlend, meinen lange gefassten Plan wahr gemacht. Ich habe den Turmbergomaten genutzt. Zuerst bin ich mit dem Rennrad nach Durlach geradelt, über Bruchhausen, Ettlingen und Wolfartsweier. Dann habe ich mein Rennrad gegenüber der Friedhofsgärtnerei am Bergfriedhof in Durlach angeschlossen und bin den Turmberg hinaufgestürmt. Oben fragten ein paar Leute sich, warum da eine Frau stand, die schwer atmend eine Stechkarte fotografierte – denen erklärte ich es dann. Danach lief ich den Turmberg wieder runter und wiederholte den „Climb“ mit dem Rennrad. Anschließend ging es wieder über Wolfartsweier, Ettlingen und Bruchhausen nach Hause.

Wenn ich richtig subtrahiert habe, schlägt mein gelaufener Aufstieg auf den Turmberg mit 8:02 zu Buche, die Radfahrt mit 6:42. Tatsächlich war ich beim Radeln wohl etwas schneller, aber gerade als ich stach und losfahren wollte, kam ein Auto – und oben versuchte ich erst sekundenlang, die Stempelkarte im Einwurfschlitz für abgestempelte Karten abzustempeln. Naja, so ist das nunmal. Nächstes Mal weiß ich es besser, bin dafür aber vielleicht etwas langsamer. Oder mir fällt die Stempelkarten auf dem Climb aus der Trikottasche. Irgendwas ist ja immer!

Auf der Abfahrt vom Turmberg stellte ich allerdings auch etwas fest: Mein Rennrad braucht wohl innerhalb der nächsten zwei, drei Wochen eine Wartung. Ein Pedal knackt, muss vermutlich mal nachgezogen werden – vor allem aber sind die Bremsklötze hinten ziemlich durch. Nun bin ich erstmal gespannt, ob Montag oder zumindest im Laufe der kommenden Woche meine Ergebnisse auf der offiziellen Rangliste des Turmbergomaten erscheinen oder ob ich beim Ausfüllen irgendwelchen Mist gebaut habe.

Memory

Das Grab meiner Mutter und ihrer Eltern.

Vergangene Woche Freitag ist mein Patenonkel gestorben, ganz unverhofft beim Schachspiel. Meine Großcousinen und meine Tante wollte ich damit auf keinen Fall allein lassen und so fuhren wir heute in meine alte Heimat zur Beerdigung in den Nachbarort meines alten Heimatorts.

Auf dem Heimweg drehten wir noch eine Schleife durch meinen Heimatort und besuchten auf dem Friedhof das Grab meiner Mutter und derer Eltern. Ich weiß, dass meine Mama es ohnehin weiß, aber ich habe ihr erzählt, dass ich nun wieder Rennrad fahre und ihr versprochen, dass ich nicht so wild Rad fahre wie früher. Wir gingen mit dem wohligen Gefühl, dass mein Mann – den sie im Leben nie kennengelernt hat – meiner Mutter nun viel vertrauter ist als die ersten Male, die er mit am Grab war.

Auf dem weiteren Heimweg fügte ich noch eine Schleife an – wir fuhren nicht direkt von Wimpfen wieder nach Bonfeld und dann auf die Autobahn, sondern die Erich-Sailer-Straße in Wimpfen raus Richtung Heinsheim, am Wimpfener Schwimmbad die Steige runter und Richtung Guttenberg. In umgekehrter Richtung hatte ich in einer denkwürdigen Rennrad-Tour vor über 23, vielleicht sogar vor 24 Jahren bis Heinsheim am Hinterrad meines Vaters im Windschatten gehangen und ihn dann, mit einer Kletterer-Attacke am Wimpfener Schwimmbad, für die „Bergwertung“ hinter mir gelassen. Mein Mann war durchaus beeindruckt von der damaligen Rennstrecke.

Nun sind wir wieder daheim und ich hänge Gedanken nach…

Einfach mal probieren?

Ich hatte über die letzten Wochen zunehmend einen Plan gefasst. Kommende Woche muss ich nämlich beruflich nach Bad Herrenalb. Warum genau, das spielt für meinen Punkt hier keine Rolle. Nun war für mich natürlich der Plan da, mit dem Rad dort hin zu fahren.

Die kürzeste Strecke von uns zuhause dorthin ist tatsächlich nur 25 Kilometer lang! Ich hatte lange gedacht, Bad Herrenalb läge viel weiter östlich – aber dem ist nicht so. Kurz: Ich plante, mit dem Fahrrad nach Herrenalb zu fahren. Indes, mir fiel dann langsam auf, dass ich ja noch nicht so viel Steigungen wieder gefahren bin und schon am Hummelberg in Berghausen vor einem Außendienst am steilsten Stück lieber mal einen Moment schob, um nicht völlig in einer Pfütze aus Schweiß zu stehen, wenn ich ankäme – kommt nicht so gut, wenn man was inspizieren oder einen Vortrag halten will. Also guckte ich mal vorsichtig, wie’s da hoch geht… und durfte feststellen: 500 Höhenmeter sind’s, der Großteil davon zwischen Malsch und Freiolsheim, also auf einem je nach genauer Route sechs bis sieben Kilometer langen Teilstück. Das ist dann schon recht – straff für jemanden, der zwar bereits 5000 Kilometer in der neuen Radfahr-Karriere absolviert hat, aber dabei noch nicht einmal die 10.000 Höhenmeter voll hat.

Indes, es hat sich wegen Terminverschiebungen eh zerschlagen, ich werde mit dem ÖPNV dort hin fahren und das Fahrrad für die Rückfahrt mitnehmen. Es reizt mich aber dennoch, mal auszuprobieren, ob ich es geschafft hätte. Mal sehen, ob ich mich zu dem Versuch aufraffen kann. Es wäre für mich eine neue Dimension, und wenn ich ehrlich bin: Ich habe einen Heidenrespekt vor einer solchen Steigung.

Wenn ich’s tue oder dran scheitere, werde ich sicher drüber bloggen!

Rennradeln – ich lerne es langsam wieder

Auf einem Rennrad sitzen ist gar nicht so schwer – aber effizient Rennrad fahren, das braucht Gewöhnung. Ich trete immer noch zu langsam, aber da bin ich dran, wie ich ja gestern schon gezeigt habe. Anfangs fühlte ich mich auch verdammt unsicher, wenn ich die Hände auf den unteren Griffen des Bügellenkers hatte – inzwischen werde ich dabei sicherer.

Auch bei der Sattelhöhe merke ich, dass ich mich langsam gewöhne – war mir die Bikefitting-Höhe beim Rennradhändler zu Anfang noch viel zu hoch, merke ich langsam, dass der runtergestellte Sattel gerne noch ein bisschen hoch kann. Muss ich mal machen, dann tritt es sich auch in der unteren Lenkerhaltung effizienter!

Tatsächlich verlockt das Rennrad dazu, zu langsam zu treten – es geht ja so leicht und man wird trotz zu langsamen Tretens im hohen Gang ziemlich schnell. Aber mit roher Kraft Tempo machen, nein, das will ich auf Dauer nicht. Es kostet schon Gewöhnung und Training, das wieder auf die Reihe zu bekommen. Es wäre ja aber auch komisch, wenn etwas leicht wäre, bei dem man so viel beachten und optimieren kann. Beim Laufen habe ich ja auch ewig gebraucht, um auf den effizienten Stil zu kommen, den ich jetzt habe. Auf dem Rennrad wird’s auch dauern, aber wahrscheinlich nicht ganz so lange. Die ersten Schritte in die richtigen Richtungen tue ich ja schon.

Als ich neulich in einem Anfall von Nostalgie mich durch Youtube-Videos der Tour de France 1997 suchtete, fiel mir vor allem eine regelrechte Studie auf – viele Minuten, wahrscheinlich an die Stunde lang radelten auf der Etappe nach Courchevel Jan Ullrich und Richard Virenque nebeneinander her – Ullrich in gelb, im Sattel und mit großem Blatt, Virenque in weiß mit roten Punkten, ständig aus dem Sattel und mit kleinerem Gang. Damals mochte ich Jan Ullrich und konnte Richard Virenque nicht ab. Ich wollte damals den Zeitfahrer-Stil von Jan Ullrich fahren. Heute bin ich mir nicht so sicher und experimentiere, was mein Stil sein soll. Aber jetzt werde ich erstmal an den Grundlagen arbeiten, die Trittfrequenz hochbekommen, den Sattel hochstellen und die Sicherheit auf dem Rad schulen. Dann wird sich von allein ergeben, ob ich eher großes Blatt im Sitzen aus dem unteren Rücken trete – oder mehr Zeit im Wiegetritt verbringen werde. Für alle Fälle schule ich ja schonmal den unteren Rücken auf dem Balance-Board, falls ich den „Ulle-Stil“ für mich entdecken sollte.

Fahrbarer Untersatz 2.0

Ende November letzten Jahres bekam ich von meinem Schwiegervater sein altes Mountainbike geschenkt. Er hatte sich ein Ebike gekauft und fuhr es nicht mehr, wollte es eh verschenken – und ich war 20 Jahre nicht mehr Rad gefahren, wusste nicht, ob ich wieder Rad fahren würde. Eine Win-Win-Situation. Am 01.12.2019 begann meine wiedergeborene Radfahrkarriere, nach 20 Jahren, die ich nicht in einem Sattel gesessen hatte. Bereits im Januar 2020 fuhr ich die ersten Male mit dem Fahrrad zur Arbeit, ab März bestritt ich meine Arbeitswege fast nur noch mit dem Rad. Langsam entdeckte ich, dass meine neue Radfahrkarriere Bestand haben würde. Dem Radeln noch mehr Vorschub gab die Wadenverletzung von Anfang April, die mich bis in den Mai hinein dazu zwang, mein Bedürfnis nach Sport nicht auf Laufschuhen, sondern ausschließlich auf dem Rad zu absolvieren. Das ist wieder passé, die Wade macht wieder mit.

Aber bereits im März erwuchs der Gedanke, wieder Rennrad zu fahren. In meinen späten Teenager-Jahren fuhr ich sehr viel Rennrad, auch recht flott. Nach einem schweren Unfall, bei dem meine bis dahin genutzte Rennmaschine mit um 30° verbogenem Oberrohr in die ewigen Jagdgründe einging, bekam ich von meinen Eltern wieder ein Rad. Das habe ich jedoch aus Angst vor dem Radfahren auch nach der Genesung vom knöchernen Bandabriss am Knie nicht wirklich benutzt – ein paar wenige Kilometer sind drauf. Nun stand das Teil – alt und zugegebenermaßen fast vergessen – über viele Jahre in verschiedenen Garagen herum. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, es wieder flott zu machen. Aber ich bin nicht in dem Sinne eine Liebhaberin – und vor allem auch nicht die Person, die viel Arbeit in das Wiederaufbauen eines alten Rades investieren würde. Nach einer Bestandsaufnahme wurde mir klar: Ich brauche zwar nicht die Profi-Rennmaschine, aber ich möchte auch nicht viel Arbeit in den Wiederaufbau eines Rads investieren und dann immer noch ein altes Rad haben, auch wenn es dann wieder fit ist.

Die alte Maschine wird nun wohl über einschlägige Plattformen ein neues Zuhause suchen – und ich habe mir was anderes ausgedacht…

Mein neues Fahrrad.

Das Mountainbike kommt freilich nicht weg. Aber ich werde es wieder mit einem Rennrad versuchen – einem neuen Rennrad, mit elf Ritzeln hinten, zwei Zahnkränzen vorne… und einem unverschämt leichten Carbon-Rahmen. Gestern war ich aussuchen und mich beraten lassen, auf dem Heimweg, bevor ich im Gegenwind auf dem Mountainbike nach Hause radelte.

Heute ließ ich mir die Maschine anpassen und fertig machen und nahm sie gleich mit. Das war auch damit verbunden, dass ich das erste Mal seit vielen Wochen, seit mehr als zwei Monaten, wieder mit der Straßenbahn nach Karlsruhe hinein fuhr. Dass mit Maske Bahn fahren ein komisches Gefühl ist und bleibt, wird wohl Fakt sein. Auch Fakt ist, dass ich zwar auf dem Rad erheblich sicherer geworden bin, aber immer noch ein wenig unsicher bin… die angepasste Einstellung des Rennradsattels im Radladen war mir viel zu hoch! Ein wenig ließ ich ihn mir runtersetzen, schrieb mir aber natürlich die richtige Position auf, so dass ich den Sattel sukzessive in die optimale Position hochstellen kann, wenn ich mich an die Position gewöhnt habe.

Tatsächlich habe ich den Renner aber auch nicht die volle Strecke nach Hause gefahren. Die Strecke entlang der B36 bei Rheinstetten wäre sicher gegangen, aber sich an eine neue Schaltung gewöhnen, an eine neue Sitzposition, das Ansprechverhalten der Bremsen… und das mit dem Druck des Morgentees auf der Blase und im Stadtverkehr, bis ich draußen an den Radwegen gewesen wäre, das war mir dann doch zu heiß. Also radelte ich bis zum Albtalbahnhof, wo das obige Bild entstand, hob den federleichten Renner gefühlt mit drei Fingern in die Bahn und probierte mich dann bei uns im Ort, auf den anderthalb Kilometern vom Bahnhof nach Hause, ein bisschen aus. Nun steht die Maschine im Esszimmer und wartet darauf, die Sensoren für Trittfrequenz und Geschwindigkeit sowie die Halterungen für Garmin Edge und Garmin Varia RTL montiert zu bekommen.

Ich bin sehr gespannt, wie schnell ich mich dran gewöhne – ein bisschen „Rausch der Geschwindigkeit“ war’s schon auf den paar Metern vom Bahnhof schon. In Sachen Rollwiderstand, Gewicht, Sitzposition und sonstigen Dingen ist es halt doch etwas ganz anderes als ein Mountainbike…

Nicht triathlontauglich

Mein Arbeitsweg heute war geprägt von einem Phänomen, das mir zur Zeit viel mehr auffällt als vor meiner Radfahrzeit: Wind. Im vorliegenden Falle nicht Rücken-, sondern Gegenwind, 15-20 km/h Gegenwind-Grundlast, laut Wetterbericht, zusätzlich Böen bis in die hohen 40er. Ich fahre morgens nach Nordosten – und genau aus dieser Richtung kam der Wind. Wenn das so bleibt, an Stärke und Richtung, wird das ein furioser Ritt nach Hause, auf dem ich vielleicht endlich mal die 48 Minuten für die 19,75 Kilometer nach Hause unterbiete. Falls das jetzt irgendjemandem langsam vorkommt, für meine Lauf-Leistungen: Es sind ein Haufen Ampeln, Einmündungen, eine viel- und langsam befahrene Fahrradstraße in der Stadt und ein eher Freizeit-Aufenthalts- als Fahrradweg an der Alb entlang auf der Strecke, so dass ich meist die ersten sechs Kilometer alles andere als so fahren kann, wie ich das gerne würde. Aber das ist okay!

yZurück zur heutigen Hinfahrt. Bereits bei uns in der Straße, durch beiderseitige Häuser noch recht windgeschützt, blies es mir ganz schön fies entgegen. Spätestens am Federbach zwischen Bietigheim und Durmersheim wurde mir klar: Das wird heute anstrengend! Noch etwas freistehender, noch etwas höher auf der Hardt und nicht vom „Bruch“ zwischen Hardt und Tiefgestade windgeschützt, also zwischen Durmersheim und Mörsch, sagte ich zweimal zu mir selbst: „So macht das keinen Spaß, an der Merkurstraße steigst du in die S2!“

Tat ich nicht. Ich rollte auf den Radweg entlang der B36, freute mich über jede Passage auf der Stadtseite der Lärmschutzwand, die dadurch auch zur Windschutzwand wurde und dachte mit Grausen an das völlig freie Stück zwischen der Messe Karlsruhe und Daxlanden, wo weit und breit keine Bäume, keine Häuser, keine Lärmschutzwand und auch sonst keine Windbrecher sind. Indes, so schlimm kam es nicht, denn ein Pärchen auf Rennrädern fuhr einiges vor mir und wurde durch Ampeln ausgebremst, so dass ich bald hinter ihnen war. Beide fuhren schmale, leichtgängige Rennräder, beide waren groß – sie mit tollem Zopf aus blonden Dreadlocks, er mit wallender, dunkler Mähne. Die beiden fuhren nicht sehr schnell, so dass ich mit meinem breitreifigen Mountainbike gut hinterherkam – und so tat ich etwas, das Rennradler viel tun und Triathleten nicht dürfen: Ich fuhr im Windschatten, von der Messe an bis zum Radweg vor den Kleingärten in Daxlanden. Ein paar Mal guckten die beiden zurück, ob ich vorbei wollte, aber ich hätte es auch nicht vorbei geschafft, wenn ich gewollt hätte. Einen belgischen Kreisel mit den beiden zu machen, ganz Rennradlermanier, das traute ich mich auch nicht.

Ich erinnere mich noch daran, dass ich früher mit meinem Vater Rennrad gefahren bin. Von der Burg Guttenberg nach Hause gab es da eine tolle Fahrt in brütender Hitze – zuerst im Schatten der Bäume mit den Rennrädern auf dem Schotterweg von der Guttenberg runter, halsbrecherisch! Danach fuhren wir im Neckartal, weitgehend auf der Straße, weil es damals noch keine Radwege dort gab, und auf dieser recht ebenen Strecke hing ich die ganze Zeit im Windschatten meines Vaters, sowieso im Wissen, dass ich bei Hitze besser sportlich funktioniere als er – und dann, beim Wimpfener Schwimmbad, zog ich vorbei, stand auf und strampelte ihm die Serpentinen hoch davon. Das fühlte sich dann schon ein bisschen nach Tour de France mit Bergankunft an!

Meinen beiden Windschattengebern in der Rheinebene bei Forchheim fuhr ich nicht davon. Ich bog einfach Richtung Daxlanden ab, wo ich üblicherweise dann durch den Stadteil radle und dann am Wehr an die Alb wechsle. Ich wollte den beiden noch einen Dank für den Windschatten zurufen, aber beim Abbiegen ging dann alles zu schnell.

Aber so sehe ich dann deutlich: Ich habe meine Rennradinstinkte von vor 20 Jahren noch, eine Triathlon-Radlerin werde ich wohl nicht mehr, zumal ich das ja auch gar nicht will.