[KuK] Sie sind da!

Vor einiger Zeit habe ich mich entschlossen, dass ich gerne meine Tretleistung auf dem Fahrrad messen möchte. Ich forschte ein bisschen nach und stellte fest, dass das über Pedale und über Kurbelarme geht. Bei den Pedalen gibt es allerdings nur Klick-Pedale zu diesem Zwecke… damals ein Problem für mich, heute, drei Monate später, schon nicht mehr. Was allerdings ein Problem war, war das Klick-System: Ich fahre Shimano-SPD-Klicks, eigentlich ein MTB-System. Dafür gibt’s gab’s keine Leistungsmesserpedale.

Die Situation hat sich also eigentlich geändert: Ich könnte mittlerweile SPD-Klick-Leistungmesser-Pedale mit ANT+-Konnektivität von Garmin kaufen. Aber die sind neu und teuer. Bis auf weiteres freue ich mich erstmal, dass die Powermeter-Kurbelarme links da sind und gucke mal, ob sich das System bewährt – dann denke ich mal über Powermeter-Kurbelarme rechts nach, oder über Powermeter-Pedale, oder auch nicht.

Einmal Ultegra FC-R8000 in 172,5mm und einmal 105 FC-R7000 in 175mm. Ich freue mich wie verrückt und hoffe, dass es beim Einbau keine unerwarteten Probleme geben wird.

I’m learning to fly…

…but I ain’t got wings. Coming down – is the hardest thing (Tom Petty and the Heartbreakers).

Kilometer-Anteile mit und ohne Cleats auf dem Rad und beim Indoor-Cycling.

Neben dem Inline-Skaten, das ich im Dezember 2020 begonnen habe, habe ich mich noch zu etwas anderem überwunden: Ich habe die Kombi-Pedale an meinen Rädern endlich mal für die Nutzung mit SPD-Cleats, also Klickplatten an den Schuhen genutzt. Geübt habe ich das Ein- und Ausklicken auf dem Heimtrainer, inzwischen habe ich das Ganze dreimal in freier Wildbahn probiert. Stürze wurden mir prophezeit, aber noch habe ich diese nicht hinter mir. Zweimal habe ich bislang die Cleats auf dem „Green Scooter Killer“ benutzt, auf eher wenig mit dem sonstigen Verkehr interagierenden Strecken. Einmal war ich dann doch mit dem „Red Flash“ einkaufen und hatte die Cleat-Schuhe an, fuhr teilweise eben auch Strecken, wo man durchaus auch mal öfter anhalten musste. Auch das klappte ganz gut. Ich entwickle langsam etwas mehr Sicherheit, bin aber immer noch aufmerksam genug, vor Kreuzungen mit Anhalt-Potential bewusst ausklickbereit zu sein. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Für die Arbeitsfahrt Klickschuhe anzuziehen, das habe ich mich bisher nicht getraut.

Aber auch das wird wohl mit der Zeit kommen, denn solange man nicht anhalten muss, bringen die Cleats nicht nur die Möglichkeit eines „runden Tritts“, bei dem man auch bei der Aufwärtsbewegung des Pedals Zug ausüben kann, sondern auch eine merkbar bessere Kontrolle über das Rad. Beim Anhalten und wieder Losfahren ist’s aber durchaus ein bisschen nervig.

Rad-Erlebnisse

Seit nunmehr fast 15 Monaten fahre ich wieder Fahrrad. Das ist etwas anderes als das Laufen – denn als Läuferin nehme ich nicht fundamental anders am Verkehr teil, als ich das gehend täte, nur bin ich etwas schneller. Insbesondere in Orten spielt es hier eine große Rolle, ob mein Sportgerät oder Verkehrsmittel meine Laufschuhe sind oder ob es mein Fahrrad ist, denn: Laufen muss ich auf dem Gehweg, Radfahren DARF ich gar nicht auf dem Gehweg. Natürlich gibt es Radwege… hier, südlich von Karlsruhe, ist allerdings in den Orten der übliche Aufbau, dass es Radwege zwischen den Orten gibt (meist als kombinierte Rad- und Gehwege, mit horizontaler Trennlinie zwischen den Verkehrsmitteln auf dem blauen Schild), in den Orten selbst aber nur Gehwege und die Straße. Ist der Gehweg nicht gesondert gekennzeichnet, DARF ich ihn als Radlerin gar nicht benutzen, sofern ich nicht ein Kind, das auf dem Gehweg radeln darf, begleite. Ist der Gehweg als „Fußweg, Radfahrer frei“ (blaues, rundes Fußwegschild mit weißem Radfahrer frei drunter) gekennzeichnet, darf ich in Schrittgeschwindigkeit drauf fahren – muss aber nicht, sondern darf stattdessen auch die Straße benutzen.

So viel – zu viel Vorrede, ich weiß!

Nun habe ich nach einigen Tagen, an denen es mir nicht so gut ging, das Rad mal wieder rausgeholt, um etwas zu testen: Klickpedale. Wie schon früher geschrieben, habe ich Kombipedale für Shimanos SPD-System an mein Rennrad (Focus Izalco Race, Spitzname: „Green Scooter Killer“), mein Touren-Rennrad (Trek 520, Spitzname: „Red Flash“) geschraubt. Geübt habe ich das Ein- und Ausklicken am Heimtrainer. Freitagnachmittag habe ich es dann erstmals auf dem grünen Renner in freier Wildbahn probiert. Noch etwas unsicher radelte ich durch den Ort, immer gefasst auf plötzliches Halten, immer bereit, schnell auszuklicken. Ich war noch deutlich konzentrierter auf die Verkehrsregeln als sonst. Mehrfach wurde mir Vorfahrt gewährt, die ich nicht hatte – ich hielt an und ließ mich erst von ausgiebigem Winken der Vorfahrt habenden Autofahrer animieren, doch den Überweg vor dem haltenden Autofahrer zu benutzen oder mir Vorfahrt gewähren zu lassen, die ich nicht hatte. Mir fielen auch wieder Leute auf, die komische Dinge taten: Eine Radlerin, die auf dem kombinierten Rad- und Fußweg mit In-Ear-Kopfhörern radelte, ihr klingelndes Telefon hervorholte, drauf schaute, hineinsprach und einen Fußgänger beinahe über den Haufen fuhr… einen Autofahrer, der mit sicher mehr als 50 km/h in den Ort hineinrollte – mit einem Hund auf dem Schoß, der über das Steuer schaute, und einem Handy in der Hand. Da fragt man sich: „Geht’s noch?“ Sicher macht man manchmal Fehler, bricht aus Unachtsamkeit Verkehrsregeln. Aber manche Dinge sind echt so offensichtlich…

Der Knüller kam dann aber im Nachbarort. An einer T-Kreuzung fuhr ich geradeaus, von links mündet dort eine Straße ein. Die Kreuzung liegt etwa zweihundert Meter von einem Spielplatz entfernt. Einen Radweg gibt es dort nicht, nur Gehwege, bei denen an der Kreuzung für Rollstühle oder dergleichen die Bordsteine abgesenkt sind. Die Kreuzung ist – zugegebenermaßen – mit den Bordsteinen ein bisschen so gestaltet, als würde sie den von der einmündenden Straße kommenden Verkehrsteilnehmern links abbiegend abknickende Vorfahrt gewähren. Allerdings sind die Linien auf dem Boden eindeutig, dort herrscht rechts vor links, ebenso gibt es keine Vorfahrtsschilder, weder das gelb-weiße „Vorfahrtsstraße“ noch das rote Dreieck für einmalige Vorfahrt.

Also: Ich fuhr hübsch auf die T-Kreuzung zu. Geradeausfahrend mit Einmündung von links konnte ich nur Vorrang haben. Von links kam eine Autofahrerin, hielt an der Linie, guckte, hielt anderthalb Meter später, guckte. Ich bremste an, machte mich haltebereit – lieber sich die Vorfahrt nehmen lassen als vor einem Auto hängen. Aber sie hielt und guckte, in meine Richtung. Ich fuhr auf die Kreuzung – und hörte den Motor zwar nicht aufheulen, aber doch Anfahrgeräusche machen. Ganz eng war’s! Ich war geschockt, bekam Angst und wurde sauer. Ich hielt etwas später an der Straße an, brüllte gegen die Windschutzscheibe „Rechts vor links!“ Ich glaube, die Fahrerin war so geschockt wie ich, guckte nach meiner Interpretation schuldbewusst. Sie hatte mich wohl wirklich nicht gesehen. Sie überholte nicht, ließ mich ein ganzes Stück vor sich fahren, erst, als ich abbog und sie geradeaus fuhr, nutzte die sie 30 km/h wieder aus, die man dort fahren darf.

Ich habe die Stelle anschließend zu Fuß nochmal besichtigt: Ich hätte recht gehabt, wenn es zum Unfall gekommen wäre. Aber das hilft bei kaputtem Fahrrad und kaputten Knochen nur wenig, denn neues Fahrrad beschaffen und Verletzungen heilen muss man ja doch, egal, ob es die gegnerische Haftpflicht zahlt oder man selbst.

Als ich meinem Vater davon erzählte, meinte er: „Dein Großonkel sagte mir, als ich mir vor 50 Jahren ein Moped kaufte: ‚Junge, pass‘ auf. Beim Zweirad ist vorne der Kopf. Beim Auto ist vorne der Geldbeutel.'“ Recht hat er. Als Radlerin, insbesondere auf dem Rennrad, wird man leichter übersehen, die Geschwindigkeit wird meist unterschätzt, und man hat keinerlei Knautschzone um sich rum. Allerdings gibt’s noch eine Besonderheit auf dem Rennrad, und damit meine ich nicht die Klickpedale: Aus meiner Erfahrung heraus betrachten einen viele Fußgänger automatisch als Rowdy, der auf die Straße gehört, wenn man den Rennlenker vorne dran hat. Ganz oft schon wurde ich von Fußgängern auf Rad- bzw. Rad- und Fußwegen mit Gesten aufgefordert, die Straße zu benutzen. Auch wurde schon mehrfach davon ausgegangen, dass ich nicht geklingelt hätte, weil Fußgänger (trotz meines Klingeln) keinen Platz gemacht hatten.

Ich bin nur froh, dass mir nicht gleich beim ersten Mal mit Klickpedalen wirklich was passiert ist. Denn eigentlich fand ich die Kontrolle, die ich dadurch über das Rad habe, sehr gut – wenn man nicht so oft anhalten müsste, wäre das etwas, das ich gerne immer hätte. Mal sehen, wie ich damit weiter verfahre.

Manchmal kommt es anders…

Es war geplant, dass mein Rad zum Ersetzen der Bremsklötzchen kommende Woche Donnerstag in die Werkstatt meines Radhändlers kommt. Den Termin hatte ich ausgemacht, und eigentlich war er mir fast ein bisschen lang hin, aber diese Woche hatte mein Händler Urlaub.

Indes, es kam anders. Freitagfrüh radelte ich in Richtung Arbeit, in der Absicht, einen sportlich halbwegs ruhigen Arbeitstag zu verbringen – ohne große Umweg hin- und zurückradeln, in der Mittagspause einen lässigen Zehner laufen. Rückblickend war das Gefühl unter meiner Vordergabel schon ab Durmersheim komisch, aber spätestens in Mörsch war klar: Mein Vorderrad verliert Luft. Bäm, der erste Platte meiner wiedergeborenen Radfahrkarriere. Donnerstag erst hatte ich von einem befreundeten Läufer und Radler aus der Pfalz über eine abgebrochene Tour wegen eines Platten gelesen, nun war ich dran. Aber ich fahre ja nicht in der Wildnis: Ich schob mein Rad zur Haltestelle Rösselsbrünnle, hatte meine Fahrt nach 8,5 Kilometern plattfußbedingt abgebrochen. Meinen Buff zog ich über Mund und Nase, als Maske, die Maske mit den Spaghettiträgern hinter den Ohren ließ ich im Rucksack – wie die Stoffbedeckung über Mund und Nase gehalten wird, ist ja für die Wirkung egal. Nur DASS man Mund und Nase bedeckt, ist inzwischen auch auf den Bahnsteigen des KVV Pflicht, und da ich mir wirklich Sorgen über dieses blöde Virus mache, gab es da auch keine Frage meinerseits, ob der Sache zu folgen war…

Nur eine andere Sache verschwitzte ich völlig. Ich habe eine Jahreskarte, muss also nicht drüber nachdenken, wenn ich in eine KVV-Bahn einsteige, Mund und Nase hatte ich bedeckt, ansonsten war mein Kopf von der Frage beherrscht, wo ich in Karlsruhe während meiner Arbeitszeit und in der Zeit, in der mein Radhändler urlaubsbedingt zu hatte, einen neuen Schlauch draufmontiert bekommen würde. Da kam der Kontrolleur auch schon auf mich zu – als er auftauchte, wurde mir klar: Oh Mist, ja, in der Zeit von sechs bis acht braucht Dein Rad ein eigenes Ticket – halt, nein, es ist nach acht – ach verdammt, das gilt von sechs bis NEUN, nicht von sechs bis acht.

Schon wurden meine Personalien aufgenommen, ich bekam einen Überweisungsträger (halt, einen Überweisungsträger? Finsteres Mittelalter!) in die Hand gedrückt. 20 Euro soll’s kosten, aber der Kontrolleur dokumentierte auch noch meinen Platten und meinte, ich solle beim KVV anrufen und fragen, ob ich unter diesen Umständen vielleicht mildernde Umstände bekäme, da ich mir sonst nichts zuschulden habe kommen lassen.

Nicht unbedingt bester Laune kam ich auf die Arbeit. Aber dann entwickelte sich die Situation wieder in eine andere Richtung: Der KVV hatte die Meldung noch gar nicht vorliegen, Dienstag darf ich nochmal anrufen. Vielleicht zahle ich die 20 Euro einfach, die ganze Zeit dran zu denken, da nochmal anrufen zu müssen, kostet mich mehr Nerven, als diese 20 Euro wert sind. Beim Büro um die Ecke gibt’s zudem einen Gebrauchtradhändler mit Werkstatt, der mir am Telefon auf meine Terminanfrage völlig irritiert beschied, ich solle einfach vorbeikommen – und mir dann gleich noch sagte, er könne mir die Bremsklötze tauschen, den zweiten Schlauch noch angucken, Rahmen und vor allem auch Kette und Zahnkränze reinigen…

Nun habe ich neue Bremsklötze, einen neuen Schlauch im vorderen Laufrad, ein (nach der Rückfahrt nicht mehr ganz so) sauberes Rennrad und immer noch einen Wartungstermin kommende Woche… allerdings hat mir nun eine Freundin einen Floh ins Ohr gesetzt: Kombipedale! Vielleicht nutze ich den eh vereinbarten Termin dann, um mich mal bezüglich einsteigerfreundlicher und weiterhin neben dem Klick-System auch ohne solches benutzbarer Pedale und passender Schuhe beraten zu lassen – und das dann gleich umzusetzen.

Manchmal kommt es anders… und man kann das beklagen, oder auch umarmen und nutzen.

Fazit: Der Sport-September

Im September waren eigentlich der Stadtwerke-Lauf und der Badenmarathon geplant, dieses Jahr. Ich will gar nicht lamentieren – ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass sie stattfinden würden, denn die Corona-Situation hält ja noch an, verschärft sich derzeit sogar wieder.

Dennoch gab es Highlights im September: Die „Stadtradeln“-Aktionswochen unserer Gemeinde Bietigheim fanden vom 07. bis zum 27.09. statt, außerdem war’s der letzte Monat von „Mit dem Rad zur Arbeit“. Dazu war für die Woche vom 21.-27.09. der Aktionszeitraum des virtuellen Campus Run der Uni Stuttgart, an dem ich (dieses Jahr, weil virtuell) als Externe nicht teilnehmen durfte, ihn aber dennoch zum Laufen zum Anlass nahm.

In Zahlen: Im September bin ich 1432,3 Kilometer geradelt, davon 1018 im Aktionszeitraum des Stadtradelns in Bietigheim. 347,6 Kilometer weit bin ich gelaufen, darunter ein sehr schneller Zehner, der quasi meine virtuelle Teilnahme am virtuellen Campus Run darstellte und mit einem neuen Personal Best auf zehn Kilometer zu Buche schlug.

Aber da war noch mehr: Dehnen und Balance sowie Eigengewichts-Krafttraining setzte ich fort, Dehnen und Balance etwas mehr, Eigengewichts-Training etwas weniger als im August. Ein anderer Trend setzte sich aber auch fort: Der September war nicht nur der dritte Monat in Folge, in dem ich mehr als 2000 Höhenmeter erlief, er war auch der Monat mit den bislang mit Abstand meisten Rad-Höhenmetern. Freilich, da muss einiges noch reifen, aber mit weit über 4500 Höhenmetern auf 1400 Radkilometern war die Radfahrerei im September doch deutlich hügeliger als zuvor.

Im September scheiterte ich zunächst an dem Versuch, von Waldprechtsweier nach Freiolsheim zu fahren, dann versuchte ich aber das eine oder andere – und bewältigte etwas später mit schwerem Rucksack von Herrenalb aus die Steigung nach Bernbach und danach von der leichteren Seite hoch nach Freiolsheim. In der Folge fuhr ich auch noch den Durlacher Turmberg hoch und von dort weiter nach Thomashof und Busenbach. Irgendwann ist auch noch angesetzt, sich mal zwischen Rhein, Alb und Murg ein bisschen auszutesten, nun, da ich ein bisschen besser das Gefühl für Trittfrequenz und Kraft am Berg habe. Zu Fuß erklomm ich einmal fast und zweimal tatsächlich den Mahlberg von Waldprechtsweier aus.

Als Jahres-Zwischenbilanz nach 75% des Jahres ist nun absehbar, wie es mit den Zielen dieses Jahr aussieht. Anfang 2020 hatte ich mir ja kein Radfahrziel gesetzt, wohl aber eine Wiederholung des „Zehn-pro-Tag“-Ziels beim Laufen. Weil eine Verletzung den April quasi ganz aus dem Laufjahr herausnahm und erst Mitte Juni wieder alles einen normalen Gang ging, wird es wohl sehr ambitioniert, doch noch auf 3660 Kilometer dieses Jahr zu kommen. Nach neun von zwölf Monaten stehe ich bei 2540 Laufkilometern, das wären 69,4% des Ziels nach 75% des Jahres. 1120 Kilometer fehlen noch, was sich auf 374 Kilometer Laufleistung pro Monat aufteilen lässt. Ob das noch klappt, darf bezweifelt werden, obwohl mit 368, 353 und 347 Kilometern im dritten Quartal die Laufleistungen nicht SO viel darunter lagen. Als Fallback, auch wegen der zwei verletzungsbedingt ausgefallenen Monate, habe ich mit 3300 Kilometer laufen als abgespecktes Ziel gesetzt, das sollte klappen.

Beim Radfahren etablierte sich mit der Zeit dann doch noch ein Ziel, als klar wurde, dass ich mit dem Rad zur Arbeit fahren würde – und dann mit dem Rennrad noch mehr Radspaß dazukam. 7500 Kilometer sollen es werden, 5921 sind es Stand heute: Weniger als 560 Radkilometer pro Monat. In allen Monaten, in denen das Radfahren etabliert war und ich voll arbeitete, bin ich auf deutlich über 750 Kilometer gekommen.

Wenn das Wetter, meine Kondition und die Laune danach sind, versuche ich die Tage vielleicht mal, ob ich einmal die Woche eine Heimfahrt durch einen Heimlauf ersetze und am nächsten Morgen wieder zur Arbeit laufe – das Fahrrad steht dann ja für die Heimfahrt im Büro. So kann ich vielleicht vom Vorsprung auf das Radziel Kredit nehmen, um trotz Verletzungspause im Frühjahr doch noch die 10 Kilometer pro Tag im Jahresdurchschnitt zu erreichen.

Was definitiv erreichbar und so gut wie erledigt ist, sind die 10000 Kilometer mit Muskelkraft zurückgelegt im Jahr 2020. Da habe ich bei drei Vierteln des Jahres schon 8461. Wenn das so anhält – und das Radfahren startete ja erst dieses Jahr im Laufe des Jahres – werde ich künftig in vier Jahren einmal mit Muskelkraft den Umfang der Erde zurücklegen. Das ist doch auch mal was!

Gelesen: Tim Krabbé – Das Rennen

Da ich nun Rennrad fahre – genau genommen ja WIEDER Rennrad fahre, wurde mir von Ma San ein Buch empfohlen. Es geht um „Das Rennen“ von Tim Krabbé, in der deutschen Übersetzung. Bereits die ersten Zeilen, die durchaus öfter mal zitiert werden, hatten mich:

„Meyrueis, Lozère, 26. Juni 1977. Warm, bewölkter Himmel. Ich nehme meine Sachen aus dem Auto und setze mein Fahrrad zusammen. Von Straßencafés aus schauen Touristen und Einwohner zu. Nicht-Rennfahrer. Die Leere in ihrem Leben schockiert mich.“

Aus: Tim Krabbé – Das Rennen

Das gilt allerdings nicht nur für das Radrennfahren. Auch Laufwettkämpfe haben so einen Sog und so ein Gefühl des Abgehobenseins, auch wenn das Rennrad mit all seiner Technik und auch der Rennzirkus des Radrennens es betonen. Ich selbst bin – vor langer Zeit – nur ein Rennen gefahren. Es war das Scheuerbergrennen in der Nähe von Heilbronn, ein Einzel-Bergzeitfahren über eine nicht allzu große Distanz und nicht allzu viele Höhenmeter. Ich habe es nicht gewonnen, aber mein Teenager-Ich schnitt für den damaligen Anspruch ganz gut ab. Aus Überanstrengung nahm ich eine Fanta zu mir, nachdem ich über den etwas flacheren Gipfel gesprintet war, und kotzte sie instantan wieder in die Büsche.

Wenn ich den obigen Absatz so lese, frage ich mich: Klang ich auch vor der Lektüre von „Das Rennen“ schon so, oder kam das erst dadurch?

Was in „Das Rennen“ passiert, ist erstaunlich schnell gesagt: Tim Krabbé nimmt, als Amateurradfahrer, an einem bergigen, schweren Radrennen in den französischen Cevennen teil. Es ist die Mont-Aigoual-Rundfahrt, deren namensgebender Berg in der Tour de France 2020 als Bergankunft Etappenziel war. Dazu beschreibt er Rennfahrertypen, Rennsituationen und seine Taktik, seine Gefühle, seine Einstellung in greifbaren Begriffen und über Anekdoten und Exkurse.

Klingt simpel? Ist es auch! Aber in diesem simplen Konzept, in dem ein Haufen Erfahrung mit Radrennfahren und ein Haufen Einfühlung in den Radrennsport und seine Geschichte, seine Gestalten stecken, liegt Genialität. Für mich, die ich selbst in den Neunzigerjahren den Profiradsport verfolgt und bejubelt habe, 2004 dann schließlich in L’Alpe d’Huez beim Contre la Montre an der Außenseite einer Serpentine, in Sichtweite der „Flamme rouge“ den Schweiß der Rennfahrer abbekam, war das Buch wohlige Nostalgie, das Lernen von Anekdoten und gestalt-, ja, wortgewordene Offenbarung dessen, was einem auf dem Rennrad, selbst ohne Rennen, aber mit der Erfahrung von Laufwettkämpfen intus, so durch den Kopf schießt.

Tim Krabbé charakterisiert die Leute, mit denen er fährt, gegen die er fährt, vergleicht sie mit bekannten Gestalten. Durch eine gewisse Hingabe zum Verfolgen der Tour de France in den Jahren, in denen ich selbst hobbymäßig fuhr und auch später noch, waren mir Fahrer wie Bernard Hinault, Jacques Anquetil, Lucien van Impe, Federico Bahamontes, Gino Bartali und Fausto Coppi schon ein Begriff, Eddy Mercks natürlich auch. Wie wichtig die Psychologie, die Taktik und das Gefühl sind, und wie sehr sie einander widersprechen und doch zusammenwirken, das charakterisiert und karikiert Tim Krabbé oft in wenigen Sätzen eines Absatzes. Eben noch spricht die Vernunft, geißelt den Angriff eines Mitfahrers, Gegners als sinnlos und zu früh, im nächsten Moment wird sich Krabbé bewusst, dass er selbst gerade angreift und dass es gut ist! Auch das schnelle Wandeln vom Gegner im Feld zum Verbündeten in der Ausreißergruppe wieder zum Gegner beim Sprint, auch das zeichnet er in einer Weise nach, die der Faszination einer schweren Bergetappe der Tour de France erklärt, aber nicht entzaubert.

In der Mischung aus Anekdoten und dem Drama eines Rennens, in dem die Chancen hin und her wogen, fängt Tim Krabbé die Faszination Radsport in einer Weise ein, die sonst wohl nur für jemanden, der zumindest Ausdauersport-Rennen und Rennradfahren kennt, zugänglich wäre.

Die Fortsetzung des Anekdotischen aus „Das Rennen“ begleitet mich gerade in Form von Tim Krabbés „Die Vierzehnte Etappe“, aber ohne die Mont-Aigoual-Rundfahrt als Kulisse ist es nicht ganz so das, was „Das Rennen“ in mir weckte. Zugleich schießen mir selbst ein Haufen Anekdoten durch den Kopf… aus meinem eigenen Nicht-Rennen-Rennradfahren früher und heute, aber auch aus dem Schauen von Radrennen. Wohlig eingepackt, in sportliche Faszination und Nostalgie.

Einfach mal probieren?

Ich hatte über die letzten Wochen zunehmend einen Plan gefasst. Kommende Woche muss ich nämlich beruflich nach Bad Herrenalb. Warum genau, das spielt für meinen Punkt hier keine Rolle. Nun war für mich natürlich der Plan da, mit dem Rad dort hin zu fahren.

Die kürzeste Strecke von uns zuhause dorthin ist tatsächlich nur 25 Kilometer lang! Ich hatte lange gedacht, Bad Herrenalb läge viel weiter östlich – aber dem ist nicht so. Kurz: Ich plante, mit dem Fahrrad nach Herrenalb zu fahren. Indes, mir fiel dann langsam auf, dass ich ja noch nicht so viel Steigungen wieder gefahren bin und schon am Hummelberg in Berghausen vor einem Außendienst am steilsten Stück lieber mal einen Moment schob, um nicht völlig in einer Pfütze aus Schweiß zu stehen, wenn ich ankäme – kommt nicht so gut, wenn man was inspizieren oder einen Vortrag halten will. Also guckte ich mal vorsichtig, wie’s da hoch geht… und durfte feststellen: 500 Höhenmeter sind’s, der Großteil davon zwischen Malsch und Freiolsheim, also auf einem je nach genauer Route sechs bis sieben Kilometer langen Teilstück. Das ist dann schon recht – straff für jemanden, der zwar bereits 5000 Kilometer in der neuen Radfahr-Karriere absolviert hat, aber dabei noch nicht einmal die 10.000 Höhenmeter voll hat.

Indes, es hat sich wegen Terminverschiebungen eh zerschlagen, ich werde mit dem ÖPNV dort hin fahren und das Fahrrad für die Rückfahrt mitnehmen. Es reizt mich aber dennoch, mal auszuprobieren, ob ich es geschafft hätte. Mal sehen, ob ich mich zu dem Versuch aufraffen kann. Es wäre für mich eine neue Dimension, und wenn ich ehrlich bin: Ich habe einen Heidenrespekt vor einer solchen Steigung.

Wenn ich’s tue oder dran scheitere, werde ich sicher drüber bloggen!

Zehn Monate…

…hat es gedauert, bis sich langsam eine Idee eingenistet hat, die im Moment auf Realisierung drängt.

Nein, es ist nicht der Triathlon oder die Ausrüstung dafür, die nun jeder erwartet.

Um es nachzuzeichnen: Ende November schenkte mein Schwiegervater mir sein Mountainbike – Alurahmen, drei Zahnkränze vorne, neun hinten, Federgabel und Hinterradfederung über den Rahmen, nachträglich angebrachte Kunststoff-Schutzbleche. Bis zum Mai habe ich darauf um die 2300 Kilometer absolviert. Seit Anfang Juni ist zudem ein Rennrad da, der berüchtigte „Green Scooter Killer„. Die Erkenntnisse der Zeit, in der ich nun Rennrad und Mountainbike parallel benutze, verfestigen sich langsam:

  • Ich schätze den Rennlenker und die Leichtgängigkeit und Gesamgeometrie des Rennrads.
  • Bei Regen spritzt es einem ohne Schutzbleche bis hinter die Ohren.
  • Schlechter Bodenbelag – Schotter oder Dreck – ist nix für’s Rennrad.

Also, was tun? Genau: Ein neues Rad muss her. Nicht statt des Rennrads oder statt des Mountainbikes, nein. Meine Idee ist derzeit, ein Tourenrad mit Rennlenker, guter Schaltung und etwas breiteren Reifen zu kaufen – keine Rennradreifen, aber auch nicht solche schwergängigen Walzen wie am Mountainbike. Dann hätte ich auch endlich mal ein Rad mit Gepäckträger, das sich ohne Rucksack mit Gepäck benutzen lässt. Meine interne Vorgabe ist: So rennradartig wie möglich, so citybikeartig wie nötig. Dann für den Sport ist weiterhin das Rennrad das Gefährt der Wahl.

Und so plane ich derzeit und werde wohl spätestens im Laufe des Septembers mal wieder einen Aufschlag beim Radhändler machen…

Green Scooter Killer – Firstrides

Die ersten einhundert Kilometer auf meinem Rennrad habe ich nun absolviert. Durch das lässige Überholen von E-Scootern in der Stadt habe ich meinen grünen Renner als den „Green Scooter Killer“ in Anlehnung an Brösels „Red Porsche Killer“ benannt.

Bis jetzt habe ich eine langsame Runde mit meinem Mann und eine schnelle zweite Runde am Sonntag absolviert, dazu war ich zweimal mit dem Rennrad auf der Arbeit. Lässig habe ich bei Gegenwind auf allen Strava-Segmenten auf meiner Route meine Personal Bests pulverisiert – Kunststück, mit einem so leichten, leichtgängigen Renner. Mittlerweile habe ich die mangelnde Ausstattung für die Straßenverkehrszulassung durch Montieren eines StVZO-konformen Frontlichts, meines StVZO-konformen Garmin Varia RTL 511 ausgeglichen, eine Klingel und einen Halter für den Radcomputer habe ich auch.

Interessanterweise hat auf drei der Fahrten meine Uhr – wohl aufgrund der anderen Haltung und dem ein Loch weiter gestellten Armband, das ich in letzter Zeit gerne zu tragen pflege – komischen Puls gemessen. Wenn ich durchgeschwitzt auf der Arbeit ankomme, weil ich es richtig habe laufen lassen, und mein höchster gemessener Puls auf der Radfahrt 120 gewesen sein soll, mittlerer Puls 97, dann kann ich diese Messung mit Fug und Recht zurückweisen. Allerdings besitze ich inzwischen auch wieder einen Pulsgurt, habe es mit dem probiert… und durfte feststellen, dass plötzlich auch die Uhr den richtigen Puls maß.

Deutlich geworden ist mir, wie viel mein Mountainbike eigentlich wegfedert, die Straße ist sehr rau und hart, wenn man mit einem Rennrad darüber fährt. Aber das passt schon, dafür geht es schön leicht. Meine vier Fahrten mit dem Focus Izalco Race Rahmen und den Shimano Ultegra Komponenten zur Arbeit waren durchweg schneller als die schnellste Fahrt mit dem Mountainbike. Dennoch werde ich wohl das eine oder andere Mal künftig wieder mit dem Mountainbike fahren, denn es ist tatsächlich so eine Sache, einen Carbon-Rahmen-Renner mit Schnellspannern an den Laufrädern auf dem Radparkplatz auf dem Hof des Regierungspräsidiums abzustellen. Erstens sorge ich mich, dass irgendjemand den Rahmen an die Metallstange, an die ich es angeschlossen habe, aus versehen dagegen stößt. Das mag das Carbon-Material nicht. Zweitens habe ich Sorge, dass das nicht vom Kettenschloss erfasste Laufrad „Füße“ bekommt, schließlich sind die kinderleicht auszubauen. Da die Maschine noch schön sauber ist – bzw. vor der Regenfahrt heute nach Hause war – habe ich sie gestern und heute mit ins Büro genommen und hinter mir aufgestellt. Das Leichtgewicht die Treppe hochzutragen oder im Aufzug zu befördern, ist ja gar kein Problem.

Jedenfalls bin ich glücklich wie in einem Traum mit der Maschine – und teste zugleich einen Haufen weitere Gadgets auf Rennrad, Mountainbike und beim Laufen: Das Garmin Varia RTL 511, den Garmin Brustgurt HRM tri, und beim Edge 830 habe ich auch noch nicht alles ausgetestet. Da ergaben sich heute auch so manche Erkenntnisse, die richtig Spaß gemacht haben!