DIY-Di2-Iteration (2)

Oh wow. Das hätte ich nicht gedacht, dass schon tags drauf ein neuer Iterationsschritt kommt. Aber zum Glück war noch nichts aufgebaut und nichts geliefert.

Gegenüber dem vorigen Schritt hat sich zumindest in den unteren Regionen nichts geändert. Für die Verbindung von Akku, Schaltwerk, Umwerfer und dem Kabel durch das Unterrohr war und ist weiterhin eine interne Verteilerbox mit vier Di2-Kabelanschlüssen nötig, und das Zeug habe ich nachgekauft. Aber dann brachte mich eine Freundin, mit der ich mich öfter über Rennrad-Aspekte austausche, auf einen anderen Punkt: Meine Zeitfahrextensions. Die habe ich zwar in der Verschaltung schon berücksichtigt – natürlich! Denn dass ich von denen aus schalten kann, war ja (neben der Aufzeichnung von Schaltvorgängen und Übersetzung) ein wichtiges Kriterium, sich für Di2 zu entscheiden.

Nicht falsch verstehen: Ich bin mit den Extensions glücklich wie in einem Traum, die Griffposition oben an der Querstange habe ich auch vor den Extensions nicht genutzt, weil ich auf den Schaltgriffen oder am Unterlenker greife – dort habe ich Kontrolle. Wenn ich „wie mit einem normalen Fahrrad“ fahren wollen würde, bräuchte ich erstens für mein Sicherheitsgefühl Bremsen an der Querstange und zweitens würde ich dann einen Tourenlenker mit längerer Querstange als nur 42 Zentimeter fahren. Das zusätzliche Gewicht der beiden Klemmen, der Auflageschalen und der Carbon-Griffstangen nehme ich gerne in Kauf, denn die Aero-Position macht mich nicht nur in Abfahrt und vor allem auf der Ebene schneller und energiesparender, sondern bietet auch Entlastung für die Schultern, durch andere Position als am Ober- oder Unterlenker.

Aber es gibt eventuell Situationen, in denen die Extensions unerwünscht sind. Bei Rennen zum Beispiel wären sie wegen Verletzungsgefahr eventuell nicht erlaubt, insbesondere sofern Windschattenfahren erlaubt ist. Ich fahre zwar keine solchen Rennen – beim Turmbergrennen zum Beispiel durfte ich die Extensions drauf lassen. Aber vielleicht ist das ja auch ein „Ich fahre NOCH keine solchen Rennen“. Entsprechend habe ich mit all dem, was ich nun über Di2 weiß, nachzudenken angefangen. Bevor mir Schaltpläne und Ideen noch eine Nacht schlechten Schlaf bescheren, habe ich dann gestern Abend direkt vermessen, geplant und gesichtet, was noch fehlt. Somit kam dann eine externe Verteilerbox dazu.

Ruanjik gibt seine Expertenmeinung zum Schaltplan ab. Es klingt wie ein Heulen. Ein zustimmendes Heulen.

Zur Veranschaulichung habe ich mal ein Bild gezeichnet – vereinfacht, natürlich.

  • Rechts oben seht Ihr die Anordnung, wie ich im Bereich des Tretlagers die Verbindungen ziehen will: Eine Verteilerbox mit vier Anschlüssen verbindet direkte Kabel zum Akku (durch das Sitzrohr), zum Schaltwerk (durch die Kettenstrebe) und zum Umwerfer (im unteren Bereich des Sitzrohrs). Der vierten Anschluss des internen Verteilers führt durch das Unterrohr zum Lenker.
  • Links oben ist der Lenker ohne Extensions mit Schaltern dargestellt. Blau ist das, was immer verkabelt sein wird. Von der Verteilerbox (Junction A), in der Kontrolllampen, Schalter, Kommandozentrale des Systems und Anschluss für das Lade- und Datenverbindungskabel liegen, führt ein Y-Kabel (Junction B) teils durch den Lenker, teils unter dem Lenkerband zu den kombinierten Schalt-Bremsgriffen („STI“). Der Einfachheit halber habe ich nur einen davon gezeichnet. Ein zweites Kabel führt teils durch, teils entlang des Lenkers zum Vorbau. Dort wird – in Pink – die Wireless Unit benutzt, um das Kabel durch das Unterrohr mit den Bedien- und Kontrollelementen im Lenker zu verbinden.
  • Links unten dann die Konstruktion mit den Extensions. Statt der Wireless Unit hängt eine (externe) Verteilerbuchse mit vier Anschlüssen unter dem Vorbau bzw. an der Befestigungsklemme der Extensions (dann kann wird die Box automatisch mit weggemacht, wenn man die Anordnung ändert – die ist zwar leicht, aber ohne Extensions unnötig). Die Schalter in den Extensions (Pink, nur einmal dargestellt) werden über Kabel von der Verteilerbuchse durch die Rohre der Extensions verbunden. Eines der beiden Kabel wird etwas kürzer gewählt und die Wireless Unit wird noch dazwischen gehängt.

Somit werden, wenn ich die Extensions doch mal abbauen will oder muss, die Kabel von der Verteilerbox abgezogen und die Wireless Unit aus dem Verbindungskabel zu den Schaltern in den Extensions gelöst. Statt der Box verbindet dann wieder die Wireless Unit Lenker und Kabel ins Unterrohr. Die Kabel in den Extensions und auch die Schalter verbleiben genau, wie sie sind und können später wieder dran gebaut werden. Wahrscheinlich muss ich dann nochmal mit der eTube-Software ran, aber zumindest muss ich für den Wechsel weder den Rahmen aufschrauben noch irgendwelche grundsätzlich komplizierten Dinge tun.

Nachtrag: Das Expertenteam aus Ruanjik, Xue und Rocky hat mir bei Schaltplänen assistiert. Rennlenker mit Schalt-/Bremshebeln und Kontrollmodul „Junction A“ sowie dem unter dem rechten Lenkerband hervor geführten Anschlusskabel betrachte ich als eine Einheit. Den Rahmen mit Akku, Umwerfer, Schaltwerk, Verbindungsmodul und dem durch das Unterrohr geführten, am Steuerrohr herauskommenden Kabeln betrachte ich als eine weitere Einheit. Die dritte integrierte Einheit bilden die Extensions (mit der externen Verteilerbox an der Klemme). Abmontieren der Extensions zieht also Lösen der oberen beiden Steckverbindungen an der externen Verteilerbox und der Steckverbindungen an der Wireless Unit nach sich – und das Unterrohr-Kabel (Anschluss in den Rahmen) sowie das Kabel vom Lenker werden mit der Wireless Unit wieder verbunden.

Ich hatte darüber nachgedacht, das erst im nächsten Wartungsumbau zu machen, aber da Di2 als wartungsarm gilt und man ja bei Änderungen gleich wieder neu das Lenkerband wickeln muss, ggf. neues Lenkerband braucht, mache ich gleich Nägel mit Köpfen.

DIY-Di2-Iteration (1)

Seit geraumer Zeit plane ich, mein Rennrad mit einer elektronischen Schaltung zu bestücken. Das hat mehrere Vorzüge:

  1. Umwerfer und Schaltwerk kommunizieren, so dass die angetasteten Kompensations-Schaltvorgänge, an die man manuell bei mechanischer Schaltung immer denken muss, wegfallen. Schaltet man so, dass die Kette „über Kreuz“ vom großen Zahnkranz auf das größte Ritzel geht, oder umgekehrt vom kleinen Zahnkranz auf das kleinste Ritzel, so bewegt sich der Umwerfer automatisch ein bisschen nach innen bzw. außen, so dass nix schleift.
  2. Es gibt „Schaltlogiken“. Schalte ich am Rennrad, so benehme ich mich meist wie alle anderen: Ich bleibe auf dem selben Zahnkranz und reguliere die Übersetzung über die Ritzel der Kassette. Wechsle ich den Zahnkranz, schalte ich auf der Kassette manuell ein bis drei Ritzel gegen. Letzteres kann Shimano Di2 mit der „Semi-Synchroshift“-Schaltlogik automatisch für mich machen – ich wechsle den Zahnkranz und meine Schaltung wechselt hinten Ritzel, so dass ich nicht gegen eine Wand oder völlig ins Leere trete. Mit „Synchroshift“ kann ich sogar dafür sorgen, dass ich trotz Schaltwerk und Umwerfer nur noch mit einer Taste hoch- und einer anderen runterschalte. Automatisch wählt das System dann den nächstleichteren oder nächstschwereren Gang – 52×11, 52×13, 52×15, 36×11, 52×17 zum Beispiel. Ob ich das im Alltag haben will, weiß ich noch nicht – ich bin skeptisch, aber ich lese überall, dass Leute auch zweifelten, es probierten und dann nur noch Synchroshift fahren wollten.
  3. Elektronische Schaltung, hier Shimano Di2, unterstützt mehrere Schalter, um Gänge zu wechseln. Da ich – für mich und meine Anwendung optimiert – ein Fahrrad mit Rennlenker und Zeitfahr-Extensions benutze, hat das für mich viel Charme. Denn gerade in Aero-Position möchte man optimale Trittfrequenz treten, und dafür muss man eben manchmal schalten, aber umgreifen will ich eigentlich nicht müssen.
  4. So richtig cool wird das Ganze aber erst durch meinen Datenfimmel, denn ich kann Schaltvorgänge aufzeichnen und danach dann auswerten, welche Übersetzungen ich gefahren bin, wie oft ich geschaltet habe und so weiter.

So viel zum Grundsatz…

In der praktischen Umsetzung habe ich nun einige Kabel gekauft, nachdem ich nach Anleitung meinen Rahmen vermessen habe. Kabeltüllen habe ich auch, dazu Schalt-Bremshebel-Kombinationen, die Verteiler- und Steuerbox sowie Schaltwerk und Umwerfer. Ein ziemlicher Haufen an Komponenten liegt nun hier und wartet, verbaut zu werden. Aber noch geht das nicht, denn wenn man dann die Sachen vor sich liegen hat, mit den echten Kabeln an den Rahmen geht, sich die Griffe anschaut… dann ist es manchmal eben diese Sache mit Theorie und Praxis, wenn man etwas selbst macht.

  • Mir ist völlig entgangen, dass ich noch eine Verteilerbox für die „unteren“ Komponenten, also Akku in der Sattelstütze, Schaltwerk und Umwerfer brauche. Vielleicht hätte ich das über die vielen Anschlüsse am Akku regeln können, aber das Problem war dann tatsächlich, dass dafür dann meine Kabel zu kurz gewesen wären.
  • Dass beim Akku für Montage in der Sattelstütze die Halterung für in der Sattelstütze nicht dabei war (weil Sattelstützen ja auch unterschiedliche Durchmesser haben und somit oft eine unpassende dabei wäre, wenn’s inclusive wäre), ist mir auch entgangen.
  • Außerdem hatte ich zwei, drei Kabelschleifen nicht beachtet, so dass ich zwei Kabel etwas zu kurz gekauft hatte.
  • Der vielleicht ärgerlichste Part ist, dass ich die Schalter zum Schalten am Zeitfahraufsatz nun… nicht falsch bestellt habe. Das, was ich gekauft habe, ist montierbar an der Stelle, ist kompatibel mit dem restlichen System – aber es sind auch mechanische Bremsgriffe dran. Das würde gehen, in meinen Augen auch cool aussehen, aber es wäre Gewicht ohne Funktion. Ausgelacht werden will ich dafür auch nicht – naja, vielleicht würde ich es riskieren, aber nicht am Rennrad, wo ich um jedes Gramm kämpfe. Was mir nämlich entgangen war: Für frühere elektronische Schaltungen der Ultegra-Gruppe gab es Zweiknopf-Schalter für die Enden des Aufsatzes, die sind aber nicht mit der modernen Generation des elektronischen Schaltens kompatibel. Ultegra-Schalter für die Enden des Zeitfahraufsatzes gibt es in der modernen Version nicht, und ich hatte mich verkauft, indem ich die Schalt-Bremsgriffe für den „Unterlenker“ eines Zeitfahrlenkers genommen hätte.
    Des Rätsels Lösung: die relativ kleinen, kompakten, wenig Material beinhaltenden Schalter für das Ende der Zeitfahrlenkers gibt’s in der Shimano Ultegra Di2 R8050 Gruppe gar nicht, aber die aus der Shimano Dura Ace Di2 R9150 Gruppe sind kompatibel und nicht so viel teurer.

Somit sind nun zwei längere Kabel, die Verteilerbox, der Akku-Halter und die richtigen Schalter auf dem Weg. Ich hoffe, ich brauche beim Material nicht noch eine Iteration für mein Do-it-yourself Digital Integrated Intelligence (DIY Di2) Projekt.

Belohnung für… Fortschritt

Es hat eine Weile gedauert, bis all die Dinge sich entwickelt haben, die wir in den letzten Jahren und Monaten angestoßen haben. Über den Test des Lebens ohne Auto und den Vollzug des Autoverkaufs habe ich hier ja schon geschrieben. Mittlerweile sind alle mit dem Auto in Verbindung stehenden, relevanten Kosten beseitigt oder zumindest gekündigt. Auch meine nur sporadische Nutzung des ÖPNV werde ich ab November diesen Jahres anlassbezogen und nicht mit einem Monatsticket abgelten. Ich habe nichtmal in den Monaten, in denen ich für meine Verhältnisse viel Straßenbahn gefahren bin, auch nur annähernd genug Bahnnutzung gehabt, um ein Viertel dessen, was ich für das Monatsticket zahle, an Einzeltickets gespart zu haben. Sprich, es lohnt sich nicht, auch wenn es bequem ist.

Somit habe ich mir nun einen Traum erfüllt – wahrscheinlich habe ich schon alles zusammen, aber wenn nicht, sind die nachzubestellenden Teile nur noch Kleckerkram: Ich rüste den „Green Scooter Killer“ auf Shimano Ultegra Di2 auf, also auf elektronische Schaltung. Die mechanische Ultegra-Schaltung kommt dann an den „Red Flash“, mit einer an das höhere Gewicht und den anderen Anspruch der Maschine angepassten Kurbel. Das hat dann natürlich den Vorzug, dass Kettenblätter, Kassetten und Ketten zwischen „Green Scooter Killer“ und „Red Flash“ austauschbar sind, somit ist die Ersatzteilsituation einfacher. Außerdem spare ich mir den mit drei Kettenblättern komplexeren Umwerfer am Red Flash – ich nutze das kleine Kettenblatt ohnehin nicht.

Ob die somit „übrige“ Alivio-Schaltung an den „Silver Surfer“, mein schwiegervatergeschenktes MTB rankommt, und die etwas angegriffene Schaltung an der Maschine ersetzt, oder ob ich dafür dann eine ganz andere Lösung suche, weiß ich noch nicht.

Spannend wird es dann wieder, wenn ich all die Dinge montieren muss bzw. werde. Das möchte ich nämlich selbst machen – und WERDE ich selbst zu machen lernen.

Sportliche Jahresbilanz

Am Silvesterabend 2020 nahm ich an, dass ich 2021 wieder reguläre Wettkämpfe laufen würde, dass ich schneller werden würde und diverse andere Dinge. Indes, es kam anders. 2021 war einerseits durch eine noch weitaus ödere Landschaft in Sachen „Wettkämpfe“ als 2020, was aber eben auch der neuen Wellen und der mangelnden Grundimmunität der Bevölkerung geschuldet war. Vielleicht wird’s 2022 besser, aber ich will mich da mal nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Andererseits hat 2021 einen großen, krankheitsbedingten Einbruch meiner sportlichen Leistung gebracht: Ende August kam zweimal fiebrige Schwäche, dann mörderische Rückenschmerzen aufgrund einer Blockade im Brustwirbelbereich, allerdings nicht Bandscheiben, sondern die Gelenke zu den Rippen hin. Drei Wochen lang schlief ich fast nicht und kuschelte mich höchstens mal schmerzarm in der warmen Badewanne an meine Frottier-Stoff-Badetigerin. Dann gab’s auch noch Doppelbilder! Ob das alles an zu viel hoher Intensität im Sommer, an zu viel psychischem Stress durch Arbeit, Homeoffice und so weiter oder an meinem recht krassen Kollisionserlebnis mit einer Wespe lag, ich weiß es nicht. Mit der Wespe kollidierte ich im Hochsommer – ich fuhr ca. 35 km/h beim Test meiner neuen Leistungsmesserkurbel rechts am Rennrad, die Wespe kam mir mit 10 km/h entgegen – und kollidierte (ohne zu Stechen) mit meinem Gaumen, prallte ab, verendete in meinem Speichel auf meinem Schenkel. Vielleicht hat auch eine Borrelien-Infektion, von der ich nicht weiß, wo sie herkam, eine Rolle gespielt. Jedenfalls ging Ende drittes, Anfang viertes Quartal 2021 recht wenig…

Aber dennoch habe ich meine (abgespeckten) Ziele erreicht: Über 10.000 Kilometer, genau 10.108, habe ich 2021 erradelt, erlaufen, erskatet und erschwommen. Damit bin ich meinem Ziel, dem Mond, um ein Vierzigstel näher gekommen:

Mit 42 Jahren habe ich nunmehr 7,8% der Strecke zum Mond laufender, radelnder, skatender und schwimmender Weise erreicht. 168 Kilometer bin ich über den exakten 7,8% der Strecke zum Mond. Um die Erde bin ich damit zu drei Vierteln rum, mit dem Radfahren allein zu 36% und dem Laufen allein zu 38%.

Noch hat das radfahrende Ich das laufende Ich nicht eingeholt – wäre die Krankheit nicht dazwischen gekommen, wäre das vermutlich schon passiert.

Seit Mai 2021 zeichne ich auch auf, wie viel ich im Auto sitze. Nur im September 2021 habe ich mehr Kilometer mit dem Auto als mit Muskelkraft zurückgelegt, beides hing an der Krankheit: Fahrt zu Ärzten und ins Krankenhaus ließ mich im Auto sitzen, die Krankheit hinderte mich an Sport. Das einzige, was ich im September viel gemacht habe, war Spazierengehen. Nun, Ende des Jahres, hat sich die Sportzeit wieder aufgebaut.

Rein von der Zeit her dominiert inzwischen das Radfahren, aber das ist auch kein Wunder: Das Rad ist ein wichtiges Verkehrsmittel geworden. Der zweitgrößte Anteil ist – und bleibt – aber das Laufen. Was ich für mich selbst gelernt habe: Der Anteil an niedriger und mäßiger Intensität ist gut so, als ich ihn im Sommer massiv hochgeschraubt hatte (auch, weil meine Uhr das zum besser Werden empfahl), wurde ich später krank. Also sollte ich mehr als 80% meiner Sportzeit im regenerativen oder unteren Grundlagenbereich verbringen. Das ist eindeutig eine Lektion dieses Jahres.

Laufen

Ganz besonders beim Laufen sieht man den Einbruch durch die Krankheit deutlich. War der Mai noch einer meiner stärksten Laufmonate überhaupt – über 400 Kilometer! – so brach Ende August die Leistung ein. Nun läuft’s langsam wieder. Ein anderes Highlight 2021 war das Berglaufen. Im Frühling begannen meine Laufpartner und ich, jeden Mittwoch den Mahlberg zu erklimmen. Im Urlaub im Juli am Mittelrhein schoss ich durch immer wieder die steilen Hänge hoch- und runtertrailen den Vogel ab: über 4.000 Höhenmeter in einem Monat! Für mich exorbitant! Die Krankheitspause sieht man natürlich auch in den Höhenmetern.

2021 ist in Sachen Material geprägt von einer zunehmenden Fokussierung auf die Schuhe, die mir gut tun: Zero-Drop-Schuhe von Altra (Wettkampfschuh Altra Escalante Racer, Alltagstrainingsschuh Altra Escalante, Trailschuh Altra Lone Peak 5), Vibram FiveFingers (Alltagstrainingsschuh Vibram FiveFinger V-Run, Trailschuh Vibram FiveFinger Trek Ascent). Der Mizuno WaveShadow bleibt erstmal im Programm, die restlichen Schuhe hier im Kuchendiagramm sind inzwischen ausgesondert. Als Lektion aus dem vergangenen Jahr werde ich die Intervall- und Tempokilometer wohl anteilig runterschrauben, um mehr auf das zu achten, das mir wirklich gut tut.

Dass ich das Jahr noch mit einem Bahn-Fünfer in 19:42 abgeschlossen habe und an Pfingsten in einem virtuellen Halbmarathon-Wettkampf nur eine Minute unter Bestzeit gelaufen bin, macht mir Hoffnung, dass einiges gehen wird.

Radfahren

Radfahren ist ein toller Sport. Aber Radfahren ist auch ein tolles Verkehrsmittel – und als beides hat es sich nun in meinem Alltag festgesetzt. Mit Radanhänger und Allags-Rennrad (robuster Stahlrahmen, breitere Reifen als am Renner, Gepäckträger, Gepäcktaschen und Schutzbleche) sind nicht nur Pendelstrecken, sondern auch Besorgungen inzwischen generell mit dem Rad zu erledigen. Das Auto bleibt stehen – und wird zunehmend obsolet.

Eine wichtige Entwicklung für mich im Jahr 2021 waren Klickpedale. Im Frühjahr habe ich mich, kurz nach dem Kauf des Alltagsrennrades, zuerst auf dem Rennrad, dann auf dem Alltagsrenner dran gewöhnt. Inzwischen fahre ich nur noch mit Klicks und finde die Kraftübertragung, aber auch die Kontrolle, die man damit über das Rad gewinnt, ganz großartig. 2021 war aber noch in anderer Hinsicht ein material-intensives Radfahrjahr: Ich habe auch Leistungsmesser-Kurbeln gekauft. Zuerst gab es im Frühjahr linke Kurbeln für Alltags- und Sport-Rennrad, im Sommer dann noch eine rechte Kurbel für den Sport-Renner.

Ab Mai war eine Leistungsmessung da, krankheitsbedingt brach sie im September ein und regeneriert sich nun erst. Deutlich ist aber auch zu sehen, wie es mit der Tretleistung auf dem Rad nach der Krankheit wieder steil bergauf ging. Zu den Quantilen: Ein Achtel meiner Fahrten lagen in ihrer Durchschnittsleistung zwischen der blauen Linie und dem gestrichelten Maximum. Das zweitstärkste Achtel der Fahrten liegt zwischen grüner und blauer Linie, die gelbe Linie trennt die tretleistungstarke von der tretleistungsschwachen Hälfte. Über Kilometer sagt das nichts aus.

Der Einbruch meiner Radfahrleistung wegen der Krankheit ist deutlich, auch fahre ich danach noch langsamer als davor. Aber es wird! Ein großes Highlight waren die jeweils über 100 Kilometer maximale Tourlänge in Juni und August!

Was sonst so war

Ich habe das Schwimmen angefangen und das Skaten fortgeführt. Beides blieb eher klein, aber vielleicht bringt 2022 mehr Lust auf Technikerwerb und damit mehr Skate-Möglichkeiten sowie mehr offene Schwimmbäder. Eventuell, wer weiß, lerne ich 2022 sogar Kraulen!

Mit dem Balance-Board am Stehschreibtisch auf der Arbeit habe ich weiter gemacht – das ist super! Eigengewichts-Krafttraining läuft weiter, nun fokussierter auf Vorbeugung von Problemen mit der Wirbelsäule, Dehnen möchte ich mehr fokussieren und Yoga sowie autogenes Training will ich mit motivierenden Zeitvorgaben ebenfalls mehr in meinen Alltag einbauen – auch das Vorbeugen gegen einen Rückfall der Krankheit.

Die Highlights und das Fazit

Highlights 2021 waren

  • Erstmals über 50 Kilometer Laufen am 05.02.2021
  • Halbmarathon in 1:28:13 beim GemeinsamRun: Lauf durch den Hardtwald am 25.05.2021
  • Erstmals über 100 Kilometer Radfahren am 03.06.2021
  • Zweitmalig über 100 Kilometer Radfahren am 05.08.2021
  • Fünf Kilometer in 0:19:42 auf der Bahn am 31.12.2021

Und am Ende des Tages – Jahres – sollte ich mich mehr auf die langen, niedrigen Intensitäten fokussieren, mich nicht von der Forderung meiner Uhr nach mehr hoch aerober und anaerober Intensität ins Bockshorn jagen lassen. Die Krankheit hat mich gelehrt, mehr auf die Grundlage zu achten und dazu mehr Beweglichkeit, Dehnen, Yoga und dergleichen einzubauen. Das möchte ich tun. Denn am Ende des Tages reicht ein hochintensives Training in der Woche lässig aus – aber Regeneration und niedrig angesetztes Ausdauertraining vertrage ich auch in großen Mengen.

Kommt gut nach 2022, bleibt gesund und macht mehr von dem, was Euch gut tut, und weniger von dem, was Ihr angeblich tun sollt.

[KuK] Sie sind da!

Vor einiger Zeit habe ich mich entschlossen, dass ich gerne meine Tretleistung auf dem Fahrrad messen möchte. Ich forschte ein bisschen nach und stellte fest, dass das über Pedale und über Kurbelarme geht. Bei den Pedalen gibt es allerdings nur Klick-Pedale zu diesem Zwecke… damals ein Problem für mich, heute, drei Monate später, schon nicht mehr. Was allerdings ein Problem war, war das Klick-System: Ich fahre Shimano-SPD-Klicks, eigentlich ein MTB-System. Dafür gibt’s gab’s keine Leistungsmesserpedale.

Die Situation hat sich also eigentlich geändert: Ich könnte mittlerweile SPD-Klick-Leistungmesser-Pedale mit ANT+-Konnektivität von Garmin kaufen. Aber die sind neu und teuer. Bis auf weiteres freue ich mich erstmal, dass die Powermeter-Kurbelarme links da sind und gucke mal, ob sich das System bewährt – dann denke ich mal über Powermeter-Kurbelarme rechts nach, oder über Powermeter-Pedale, oder auch nicht.

Einmal Ultegra FC-R8000 in 172,5mm und einmal 105 FC-R7000 in 175mm. Ich freue mich wie verrückt und hoffe, dass es beim Einbau keine unerwarteten Probleme geben wird.

I’m learning to fly…

…but I ain’t got wings. Coming down – is the hardest thing (Tom Petty and the Heartbreakers).

Kilometer-Anteile mit und ohne Cleats auf dem Rad und beim Indoor-Cycling.

Neben dem Inline-Skaten, das ich im Dezember 2020 begonnen habe, habe ich mich noch zu etwas anderem überwunden: Ich habe die Kombi-Pedale an meinen Rädern endlich mal für die Nutzung mit SPD-Cleats, also Klickplatten an den Schuhen genutzt. Geübt habe ich das Ein- und Ausklicken auf dem Heimtrainer, inzwischen habe ich das Ganze dreimal in freier Wildbahn probiert. Stürze wurden mir prophezeit, aber noch habe ich diese nicht hinter mir. Zweimal habe ich bislang die Cleats auf dem „Green Scooter Killer“ benutzt, auf eher wenig mit dem sonstigen Verkehr interagierenden Strecken. Einmal war ich dann doch mit dem „Red Flash“ einkaufen und hatte die Cleat-Schuhe an, fuhr teilweise eben auch Strecken, wo man durchaus auch mal öfter anhalten musste. Auch das klappte ganz gut. Ich entwickle langsam etwas mehr Sicherheit, bin aber immer noch aufmerksam genug, vor Kreuzungen mit Anhalt-Potential bewusst ausklickbereit zu sein. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Für die Arbeitsfahrt Klickschuhe anzuziehen, das habe ich mich bisher nicht getraut.

Aber auch das wird wohl mit der Zeit kommen, denn solange man nicht anhalten muss, bringen die Cleats nicht nur die Möglichkeit eines „runden Tritts“, bei dem man auch bei der Aufwärtsbewegung des Pedals Zug ausüben kann, sondern auch eine merkbar bessere Kontrolle über das Rad. Beim Anhalten und wieder Losfahren ist’s aber durchaus ein bisschen nervig.

Rad-Erlebnisse

Seit nunmehr fast 15 Monaten fahre ich wieder Fahrrad. Das ist etwas anderes als das Laufen – denn als Läuferin nehme ich nicht fundamental anders am Verkehr teil, als ich das gehend täte, nur bin ich etwas schneller. Insbesondere in Orten spielt es hier eine große Rolle, ob mein Sportgerät oder Verkehrsmittel meine Laufschuhe sind oder ob es mein Fahrrad ist, denn: Laufen muss ich auf dem Gehweg, Radfahren DARF ich gar nicht auf dem Gehweg. Natürlich gibt es Radwege… hier, südlich von Karlsruhe, ist allerdings in den Orten der übliche Aufbau, dass es Radwege zwischen den Orten gibt (meist als kombinierte Rad- und Gehwege, mit horizontaler Trennlinie zwischen den Verkehrsmitteln auf dem blauen Schild), in den Orten selbst aber nur Gehwege und die Straße. Ist der Gehweg nicht gesondert gekennzeichnet, DARF ich ihn als Radlerin gar nicht benutzen, sofern ich nicht ein Kind, das auf dem Gehweg radeln darf, begleite. Ist der Gehweg als „Fußweg, Radfahrer frei“ (blaues, rundes Fußwegschild mit weißem Radfahrer frei drunter) gekennzeichnet, darf ich in Schrittgeschwindigkeit drauf fahren – muss aber nicht, sondern darf stattdessen auch die Straße benutzen.

So viel – zu viel Vorrede, ich weiß!

Nun habe ich nach einigen Tagen, an denen es mir nicht so gut ging, das Rad mal wieder rausgeholt, um etwas zu testen: Klickpedale. Wie schon früher geschrieben, habe ich Kombipedale für Shimanos SPD-System an mein Rennrad (Focus Izalco Race, Spitzname: „Green Scooter Killer“), mein Touren-Rennrad (Trek 520, Spitzname: „Red Flash“) geschraubt. Geübt habe ich das Ein- und Ausklicken am Heimtrainer. Freitagnachmittag habe ich es dann erstmals auf dem grünen Renner in freier Wildbahn probiert. Noch etwas unsicher radelte ich durch den Ort, immer gefasst auf plötzliches Halten, immer bereit, schnell auszuklicken. Ich war noch deutlich konzentrierter auf die Verkehrsregeln als sonst. Mehrfach wurde mir Vorfahrt gewährt, die ich nicht hatte – ich hielt an und ließ mich erst von ausgiebigem Winken der Vorfahrt habenden Autofahrer animieren, doch den Überweg vor dem haltenden Autofahrer zu benutzen oder mir Vorfahrt gewähren zu lassen, die ich nicht hatte. Mir fielen auch wieder Leute auf, die komische Dinge taten: Eine Radlerin, die auf dem kombinierten Rad- und Fußweg mit In-Ear-Kopfhörern radelte, ihr klingelndes Telefon hervorholte, drauf schaute, hineinsprach und einen Fußgänger beinahe über den Haufen fuhr… einen Autofahrer, der mit sicher mehr als 50 km/h in den Ort hineinrollte – mit einem Hund auf dem Schoß, der über das Steuer schaute, und einem Handy in der Hand. Da fragt man sich: „Geht’s noch?“ Sicher macht man manchmal Fehler, bricht aus Unachtsamkeit Verkehrsregeln. Aber manche Dinge sind echt so offensichtlich…

Der Knüller kam dann aber im Nachbarort. An einer T-Kreuzung fuhr ich geradeaus, von links mündet dort eine Straße ein. Die Kreuzung liegt etwa zweihundert Meter von einem Spielplatz entfernt. Einen Radweg gibt es dort nicht, nur Gehwege, bei denen an der Kreuzung für Rollstühle oder dergleichen die Bordsteine abgesenkt sind. Die Kreuzung ist – zugegebenermaßen – mit den Bordsteinen ein bisschen so gestaltet, als würde sie den von der einmündenden Straße kommenden Verkehrsteilnehmern links abbiegend abknickende Vorfahrt gewähren. Allerdings sind die Linien auf dem Boden eindeutig, dort herrscht rechts vor links, ebenso gibt es keine Vorfahrtsschilder, weder das gelb-weiße „Vorfahrtsstraße“ noch das rote Dreieck für einmalige Vorfahrt.

Also: Ich fuhr hübsch auf die T-Kreuzung zu. Geradeausfahrend mit Einmündung von links konnte ich nur Vorrang haben. Von links kam eine Autofahrerin, hielt an der Linie, guckte, hielt anderthalb Meter später, guckte. Ich bremste an, machte mich haltebereit – lieber sich die Vorfahrt nehmen lassen als vor einem Auto hängen. Aber sie hielt und guckte, in meine Richtung. Ich fuhr auf die Kreuzung – und hörte den Motor zwar nicht aufheulen, aber doch Anfahrgeräusche machen. Ganz eng war’s! Ich war geschockt, bekam Angst und wurde sauer. Ich hielt etwas später an der Straße an, brüllte gegen die Windschutzscheibe „Rechts vor links!“ Ich glaube, die Fahrerin war so geschockt wie ich, guckte nach meiner Interpretation schuldbewusst. Sie hatte mich wohl wirklich nicht gesehen. Sie überholte nicht, ließ mich ein ganzes Stück vor sich fahren, erst, als ich abbog und sie geradeaus fuhr, nutzte die sie 30 km/h wieder aus, die man dort fahren darf.

Ich habe die Stelle anschließend zu Fuß nochmal besichtigt: Ich hätte recht gehabt, wenn es zum Unfall gekommen wäre. Aber das hilft bei kaputtem Fahrrad und kaputten Knochen nur wenig, denn neues Fahrrad beschaffen und Verletzungen heilen muss man ja doch, egal, ob es die gegnerische Haftpflicht zahlt oder man selbst.

Als ich meinem Vater davon erzählte, meinte er: „Dein Großonkel sagte mir, als ich mir vor 50 Jahren ein Moped kaufte: ‚Junge, pass‘ auf. Beim Zweirad ist vorne der Kopf. Beim Auto ist vorne der Geldbeutel.'“ Recht hat er. Als Radlerin, insbesondere auf dem Rennrad, wird man leichter übersehen, die Geschwindigkeit wird meist unterschätzt, und man hat keinerlei Knautschzone um sich rum. Allerdings gibt’s noch eine Besonderheit auf dem Rennrad, und damit meine ich nicht die Klickpedale: Aus meiner Erfahrung heraus betrachten einen viele Fußgänger automatisch als Rowdy, der auf die Straße gehört, wenn man den Rennlenker vorne dran hat. Ganz oft schon wurde ich von Fußgängern auf Rad- bzw. Rad- und Fußwegen mit Gesten aufgefordert, die Straße zu benutzen. Auch wurde schon mehrfach davon ausgegangen, dass ich nicht geklingelt hätte, weil Fußgänger (trotz meines Klingeln) keinen Platz gemacht hatten.

Ich bin nur froh, dass mir nicht gleich beim ersten Mal mit Klickpedalen wirklich was passiert ist. Denn eigentlich fand ich die Kontrolle, die ich dadurch über das Rad habe, sehr gut – wenn man nicht so oft anhalten müsste, wäre das etwas, das ich gerne immer hätte. Mal sehen, wie ich damit weiter verfahre.