Regio Cup Finale: Der Hardtwaldlauf in Karlsruhe

Am heutigen Vormittag fand der finale Lauf des ersten Regio Cups Karlsruhe statt: Der Hardtwaldlauf. Zehn Kilometer war der Wertungslauf lang, dazu wurden fünf Kilometer und Kinderläufe über Distanzen im Bereich einiger hundert Meter angeboten. Für mich war natürlich klar, ich würde den Zehner laufen. Zwar hatte ich meine vier Wertungsläufe beim Regio Cup schon zusammen, aber den schlechteren Zehner mit 488 Punkten ein bisschen verbessern, das wäre schon schön gewesen. Je nach den Leistungen der Konkurrenz hätte es auch nötig sein können, um meine Führung in einen Sieg zu verwandeln. Das war die Ausgangssituation.

Ich hatte mir also drei Ziele definiert: Podium beim Hardtwaldlauf (1), neues Personal Best auf 10km mit unter 40:00 (2) und Sieg beim Regio Cup (3). Zwei meiner Anfeuerer, die schon in Philippsburg und beim Köhlbrandbrückenlauf dabei waren, waren extra für den Hardtwaldlauf angereist, so fuhren wir zu viert nach Karlsruhe, parkten gegenüber dem Wildparkstadion auf dem Birkenparkplatz und beschafften meine Startnummer. Ich hatte die Nummer 2 bekommen! Nun galt es noch zu checken, wer so alles laufen würde. Zu den Voranmeldungen, die man zuvor im Internet nachlesen konnte, kamen tatsächlich noch einige Leute. Waren in der Voranmeldeliste nur drei Namen von der LG Region Karlsruhe vertreten, so sah man doch zu viele rote Jacken … und siehe da: Melina Wolf war da, ebenso Sophia Kaiser, Emma Simpson-Dore, Johanna Flacke, Sarah Hettich – alles Leute, die ich auf verschiedenen Strecken schon als sehr schnell erlebt hatte. Ich ging einfach mal hin und erfuhr, dass Melina und Sophia, genau wie Emma und ich, den Zehner laufen würden. Im Grunde war an dieser Stelle klar, dass meine in früheren Läufen erlaufenen Punkte für den Regio Cup wertvoller wurden – durch die superschnelle Melina würde es für die anderen nicht viele Regio-Cup-Punkte zu holen geben.

Der Start beim Hardtwaldlauf. (Foto: Norbert Raufer)

Nach netten Gesprächen mit vielen Leuten aus meinem Umfeld und von der LSG Karlsruhe und der LG Region Karlsruhe ging es dann an den Start. Auf den ersten anderthalb Kilometern hielt ich mich an Melina und Sophia, im festen Wissen, da früher oder später abreißen lassen zu müssen. Aber es ging ganz gut. Das war schon ziemlich ermutigend! Doch dann wurde es etwas zäher, ich verlor ein bisschen an Boden auf die beiden, dann war Emma neben mir. Ich ließ sie allerdings wieder hinter mir, zuversichtlich, einen 3:55er-Schnitt durchlaufen zu können.

Hier sah noch alles gut aus. (Foto: Norbert Raufer)

Vielleicht hätte ich das auch tun können! Aber bei 5,5 Kilometern setzten Bauchschmerzen ein! Ich vermute in der Retrospektive, die verzögernde Wirkung der Haferkleie des Frühstücks am Samstag zusammen mit dem reichlichen Sushi-Carboloading am Samstagabend machten meinen Bauch schwer. Ich hatte zu beißen, körperlich, aber auch mental. Vermutlich hat mich der Bauch so fünf Sekunden pro Kilometer gekostet, die daraus resultierende Unlust eher sowas wie zehn Sekunden, zumindest fühlte es sich so an. Um die Markierung „acht Kilometer“ herum zog Emma an mir vorbei, erwartungsgemäß in dieser Situation. Wäre ich fit gewesen, wäre das vielleicht später gekommen – und wahrscheinlich hätte ich dann dranbleiben können. So verlor ich langsam, aber sicher Meter um Meter auf Emma und raffte nochmal alle Kraft zusammen, mich auf die letzten anderthalb Kilometer zu pushen. Die „Sub-40“ sah ich längst schwinden, das Podium war weg, aber wenigstens der Regio Cup …

Bauchweh! Ich leide … im Hintergrund läuft leichtfüßig Emma Simpson-Dore an, mich zu überholen. (Foto: Norbert Raufer)

Dann bog ich auf die Zielgerade. Petar vom Rennwerk und Nobse von den Sport Löwen brüllten mir Kraft zu, die Bruttozeitanzeige war noch von Bäumen verdeckt – dann kam sie in Sicht. Die Zehnerstelle bei den Minuten war eine 3! Dann die Einer, eine 9 – und die Sekunden: Weniger als 50! Ich streckte mich – Sub-40 war in Reichweite! Mein Mann, meine beiden Besucher aus Unkel bei Bonn, zwei liebe Freunde vom Trek Monday, alle waren da! Ich rannte unter dem Zielbogen durch, wurde beruhigt, ich sei durch, ich müsse nicht mehr weiterlaufen … die Startnummer wurde mit dem Barcode abgescant. Ich fiel auf die Bierbank hinter dem Ziel und realisierte irgendwann, dass ich vor lauter Aufregung auf der Zielgeraden die Bauchschmerzen vergessen hatte und sie nun weg waren. Überall waren liebe Leute – meine Anfeuer-Fans, Mitläufer, Bekannte! Ein paar Minuten war ich noch in der Schwebe, dann war klar: 39:58 war meine Zielzeit. Sieben Sekunden besser als in Neureut, neues Personal Best, unter 40 Minuten!

Die letzten Meter! Zielgerade! (Foto: Holger Stahlmann)

Unter dem Strich war es dann: Vierte beim Hardtwaldlauf insgesamt, beste Seniorin (nicht nur in der Altersklasse W40, sondern insgesamt Beste über 30 Jahren), 39:58 und den 1. Regio Cup Karlsruhe mit acht Punkten Vorsprung vor Emma Simpson-Dore gewonnen.

Eine glückliche Siegerin – erster Regio Cup Karlsruhe, das Podium hinter weiteren aus den ersten zehn. (Foto: Norbert Raufer)

Blanker Wahnsinn, diese Saison – mit dem Hardtwaldlauf habe ich auf allen Strecken, die ich dieses Jahr mehr als einmal gelaufen bin, mein jeweiliges Personal Best zweimal verbessert. Die Saison 2019 ist damit um. Nun wird die Planung für die Saison 2020 beginnen.

Preise und Urkunden. Die neuen Sauconys habe ich mir direkt am verkaufsoffenen Sonntag in Karlsruhe von meinem Regio-Cup-Sieggutschein beim Rennwerk geholt. (Foto: Talianna Schmidt)

Es beschäftigt mich

Während andere diese Nacht vielleicht Eliud Kipchoges Lauf heute entgegenfieberten, bekam ich von seinem Versuch – und Erfolg – erst heute früh wieder etwas mit. Mich jedoch beschäftigt etwas Anderes: Der Lauf morgen. Der wird nicht so lang, nicht so schnell, aber in Konkurrenz stattfinden.

Ich sage ja gerne, dass es eine Leistung ist, über sich hinaus zu wachsen, dass gar nicht so eine Rolle spielt, gegen die anderen zu gewinnen. Dazu stehe ich auch: Der größte Erfolg ist, die eigenen Grenzen zu verschieben, sich aufzuraffen und Sport zu betreiben. Aber ich kann nicht leugnen, dass es auch schön ist, zu gewinnen – oder auf das Podium zu laufen. Ich habe ausgerechnet, wie es mit Zeiten und Punkten läuft. Ich kenne meine Konkurrentinnen um den Sieg beim Regio Cup. Ich habe eine Vorstellung, wie wahrscheinlich und unwahrscheinlich verschiedene Szenarien sind, die verschiedene Ausgänge von Regio Cup und Hardtwaldlauf ergeben würden. Es macht mir ein schlechtes Gewissen, dass mich das so beschäftigt, weil ich eigentlich wirklich der festen Überzeugung bin, dass über sich hinaus zu wachsen wichtiger ist als zu gewinnen.

Dennoch habe heute Nacht von einem Lauf geträumt. Es war nicht der Hardtwaldlauf, sondern ein Lauf im Murgtal, zwölf Kilometer an der Murg leicht bergan. Vermutlich mische ich meine Trainingsläufe in Gernsbach am Mittwoch und Donnerstag mit den Gedanken an das anstehende Rennen. Wie gesagt: Es ging auf Wegen am Fluss entlang immer leicht aufwärts, viel Publikum. Bei etwa acht Kilometern ließ ich einen männlichen Konkurrenten hinter mir und lief in meinem Traum dann als Spitzenreiterin hinauf. Dann kam eine Stelle, an der eine Kehre und ein Weg durch einen Rummel zur Verfügung standen, beide Strecken gehörten zur Laufstrecke. Das ist skurril, zwei Optionen, wie man weiter läuft, das ist eigentlich nicht Stand der Dinge bei Läufen. Erst recht nicht, wenn sie unterschiedlich lang sind. Und dann ging es einen Weg den Berg hinauf, recht steil an eine Felswand geschmiegt. Dort war das Ziel. Als ich etwas verwirrt dort hochbog, schob sich eine Frau mit wippendem Pferdeschwanz vor mich und gewann ganz knapp vor mir. Im Ziel bekam ich dann heraus, dass eine blondgelockte Läuferin noch vor uns war, die wirkte schon wie geduscht. Sie umarmte mich, um mich für den Nicht-Sieg zu trösten …

Lustigerweise wurde dann auf einem magnetischen Brett, das auf der Felswand angebracht war, der weitere Verlauf des Rennens mit magnetischen Spielfigürchen angezeigt, eine Konkurrentin von mir sah ich mit ihrem Rückstand auf dieser Anzeige und konnte dann sagen, dass ich die Serie gewonnen hätte. Es war ganz klar nicht der Hardtwaldlauf, wo ich da lief – sondern ein meines Wissens nicht vorhandener Berglauf im Murgtal – aber dennoch sagte mein Geist, dass es der letzte Lauf des Regio Cup sei. Zudem hätte ich mit einer solch überlegenen Siegerin im finalen Lauf des Regio Cup eh schon gewonnen, da ich auf aktuellem Stand die beste Punkteausbeute aus den bisherigen Läufen habe.

Wie gesagt, skurrile, unrealistische Träume, aber sie drehen sich um das Thema des morgigen Wettkampfes, gemischt mit anderem Kram. Es beschäftigt mich. Es wäre schön, beim Hardtwaldlauf ein neues Personal Best aufzustellen (unter 40:05 auf 10km), dabei die 40 Minuten zu unterbieten, aber eben auch, eine gute Platzierung beim Lauf zu erreichen und den Regio Cup zu gewinnen. Das gilt, auch WENN ich der festen Überzeugung bin, dass sich an sich selbst zu messen viel fairer, besser und produktiver ist.

Das Saisonende steht bevor

Es war bis jetzt ein wildes Laufjahr 2019! Die Saison erstreckt sich für mich dieses Jahr über zwei Laufserien: Die Winterlaufserie in Rheinzabern vom 16.12.2018 bis zum 10.02.2019 und den 1. Regio Cup Karlsruhe vom Rißnertlauf am 17.03.2019 bis zum Hardtwaldlauf am 13.10.2019. Das Saisonende ist also nah.

Es nähert sich damit auch der siebzehnte Wettkampf dieser Saison, die am dritten Advent letzten Jahres begann. Es ist der Hardtwaldlauf in Karlsruhe, der letzte Wertungslauf des 1. Regio Cup Karlsruhe. Zehn Kilometer lang ist dieser Wettkampf und ich laufe ihn das erste Mal mit. In früheren Jahren wurde er auch ausgetragen, aber ich war nicht dabei – und es gab den Regio Cup noch nicht, allerdings eine Vorgängerserie. Man sagte mir, der Hardtwaldlauf sei eine schnelle Strecke – flach, viele lange Geraden. Es ist wohl ein Lauf, auf dem ich ein neues Personal Best über zehn Kilometer aufstellen kann. Außerdem ist das Tor offen, den 1. Regio Cup zu gewinnen – durch Altersbereinigung, Punktewertung und die Tatsache, dass vier Läufe aus acht auf sechs Veranstaltungen zur Wertung kommen, ist die Rechnung etwas umständlich, aber ich trete in dem Bewusstsein an, dass ich beim Hardtwaldlauf als derzeit Führende antrete und schlimmstenfalls auf Rang drei zurückfallen kann. Es wäre natürlich schön, beim Hardtwaldlauf zum Saisonabschluss den Regio Cup (Damenwertung) aus eigener Kraft zu gewinnen, eine gute Platzierung im Einzellauf zu erzielen und mein Personal Best auf zehn Kilometer unter 40 Minuten zu drücken. Letzteres habe ich selbst in der Hand, es ist aufgrund der Leistung beim Köhlbrandbrückenlauf auch realistisch. Die anderen beiden Ziele hängen natürlich auch von den anderen ab. Da sind Emma und Christine, die entweder 491 Punkte oder, falls ich über 488 Punkte beim Hardtwaldlauf erlaufen sollte, drei Punkte mehr als ich brauchen, um beim 1. Regio Cup noch vor mich zu kommen. Mit Emma dürfte ich auch um eine Platzierung beim Hardtwaldlauf selbst kämpfen – im direkten Vergleich war sie bisher immer ein bisschen schneller, aber nie VIEL schneller. Und dann sind da diverse andere, sehr schnelle Läuferinnen, die nicht in der Regio Cup Wertung sind, aber deutlich schneller laufen als ich.

Ein wenig lustig ist: Je weniger von den ganz Schnellen beim Hardtwaldlauf antreten, je besser meine Platzierung beim Hardtwaldlauf werden kann, um so unsicherer wird der Sieg beim Regio Cup. Das liegt daran, dass ich ohne den Hardtwaldlauf beim Regio Cup schon gewonnen hätte. Wenn ich dort wenige Punkte mache, aber Emma und Christine ebenfalls nicht sehr viele, dann wird meine bestehende Führung konserviert. Hoffe ich also auf Melina Wolf oder Sophia Kaiser, die beim Hardtwaldlauf dominieren? Gute Frage! Es hätte was, sich beim letzten Lauf eher sicher sein zu dürfen. Allerdings hätte es auch was, auch beim einzelnen Wettbewerb, dem Hardtwaldlauf, um das Podium mitzulaufen und aus eigener Kraft meine Führung zu verteidigen.

So bin ich durchaus ein bisschen kribbelig vor diesem Lauf, denn er schließt die Wettkampfserie ab, die den größten Teil meiner Saison 2019 überspannte und fünf der siebzehn Wettkämpfe dieses Jahr beinhaltete. Was kommt, werde ich am Sonntag sehen. Start ist um 10:00, so gegen 10:45 dürfte ich mehr wissen.

Rechenübung

Der momentane Zwischenstand des Regio Cup Karlsruhe nach dem Hambrücker Lußhardtlauf wurde gestern von den Veranstaltern online gestellt. Bei den Damen sind nur noch 20 Läuferinnen dabei, die die vier erforderlichen Wertungsläufe noch erreichen können oder bereits erreicht haben.

Der Zwischenstand des Regio Cup Karlsruhe vor dem letzten Wertungslauf (Hardtwaldlauf, 13.10.2019), nur die Damen. Quelle: Regio Cup Karlsruhe.

Nun habe ich mich gestern ein bisschen damit beschäftigt. 1948 Punkte habe ich vorgelegt, 500 gibt’s maximal pro Lauf, nämlich für einen Sieg. Jeder und jede muss zwei Zehn-Kilometer-Läufe und zwei Halbmarathons zur Wertung bringen, wobei der Rißnertlauf in Rüppurr zwar 15 Kilometer lang war, aber wie ein Halbmarathon zählt – über die Punktewertung kommt dabei nicht zum tragen, dass man 15 Kilometer schneller läuft als 21,1. Es ist noch eine Altersbereinigung im Spiel, welche gleiche Bedingungen für Läuferinnen (und, hier nicht dargestellt, Läufer) verschiedenen Alters im Sinne der nachlassenden Ausdauerleistungsfähigkeit im Alter herstellen soll. Wie gut und richtig das funktioniert, darüber kann man diskutieren – aber für dieses Jahr ist es schlicht Tatsache, dass es eingerechnet wird. Wie das beim Regio Cup gemacht wird, ist auf der Webseite erklärt – wer sich also fragt, wie sehr ich mit Vierzig gegenüber den superschnellen Damen zwischen Zwanzig und Fünfunddreißig bevorteilt werde, kann sich dort gerne ein Bild machen.

Gestern kam mir dann siedendheiß die Erkenntnis: Es sind noch bestenfalls 500 Punkte zu verteilen! Wer schon vier richtig zusammengesetzte Läufe (grün markiert in der Summe) hat, kann maximal den schlechteren Zehner durch 500 Punkte beim Hardtwaldlauf verbessern, wer noch keine vier Wertungsläufe hat, kann sich von der Zwischensumme mit drei Läufen bestenfalls um 500 Punkte verbessern. Emma Simpson-Dore braucht also 491 Punkte oder mehr beim Hardtwaldlauf, um noch vor mich zu kommen, von den anderen Damen mit rot markierter Punktezahl, also noch nur drei Wertungsläufen, kann keine mehr vor mich.

Wenn man sich nun die anderen Damen mit schon vollständiger Serie anschaut, die natürlich durchaus beim Hardtwaldlauf einen Zehner gewinnen könnten und somit einen ihrer bereits gelaufenen Zehner streichen, dann können diese sich bestenfalls um die Punkte verbessern, die ihnen bei ihrem schlechteren Wertungs-Zehner auf die 500 fehlten. Die drei bereits gelaufenen Zehner in der Tabelle sind Neureut (Neure), die erste der beiden Philippsburg-Spalten (Philipps) und die erste der beiden Hambrücken-Spalten (Hambrü). Mit 491 und 472 Punkten aus den Zehnern ist also Christine Holdermann bestenfalls in der Lage, sich mit einem 500-Punkte-Sieg beim Hardtwaldlauf um 28 Punkte zu verbessern – 19 beträgt ihr Rückstand auf mich. Das ist auch noch möglich, aber durchaus nicht einfach.

Alle anderen Läuferinnen haben mehr als 500 Punkte Rückstand oder können sich um bestenfalls 100 Punkte verbessern, liegen aber über 146 Punkte hinter mir. Ich stehe beim 1. Regio Cup Karlsruhe also sicher auf dem Podium …

Jetzt habe ich im Kopf Altersfaktoren von der Webseite des Regio Cup, Erfahrungen des direkten Wettkampf-Vergleichs mit Emma Simpson-Dore und Christine Holdermann gewälzt. Aber das ist alles blanke Theorie. Abgerechnet wird nach den Ergebnissen das Hardtwaldlaufs, ich werde mitlaufen und jeden Punkt, den ich im Moment an Vorsprung auf die beiden habe, so teuer verkaufen, wie ich nur irgendwie kann. Wenn jemand Superschnelles außerhalb der Liste im Oktober mitläuft, ist’s eh zu meinen Gunsten gelaufen.

Und so mache ich mir zwar noch einen Kopf um die ganze Sache, weiß aber schon jetzt, dass innerhalb dieser Wettkampfserie meine tiefste Fallhöhe von der momentanen Führung auf den dritten Platz ist. Das ist schon ein ganz schönes Brett, für die erste Saison, in der ich überhaupt solche Serien mitlaufe.

Lampenfieber

Morgen früh um neun startet der Lußhardtlauf in Hambrücken, bei dem ich am Sparkasse-Kraichgau-Halbmarathon teilnehmen werde. Ich bin angemeldet, mein Rucksack ist mit Duschzeug und frischen Laufklamotten gepackt. Auch die Startnummernmagnete und ein Haufen Sicherheitsnadeln sind drin, meine Laufklamotten für den Lauf liegen bereit auf dem Ende des Sofas.

Den ganzen Tag heute hat mich Nervosität beschäftigt – beim Frühstück, während des Einkaufens, beim Spaziergang, um vergessene Dinge nachzukaufen und auch beim Kochen und Essen. Das Wetter war drückend, später regnete es. Die Menschen wirkten ähnlich fahrig, verpeilt und missgestimmt wie ich. Bei mir ist die Nervosität auch nun noch da, wo das Wetter nun leicht regnerisch und weniger drückend ist. Morgen früh ist gutes Wetter angesagt, 20-22°C für die Zeit, die ich wohl auf der Strecke bin, trocken, aber nach einer feuchten Nacht. eigentlich sind das optimale Bedingungen, um gut abzuschneiden.

Im Lußhardtlauf liegt für mich auch ein Großteil meines Abschneidens beim Regio Cup Karlsruhe, denn im Moment gehöre ich zu einer Dreiergruppe mit jeweils drei Läufen, die über 1450 Punkte aus 1500 in drei Läufen möglichen Punkten haben. 1457 haben die anderen beiden, ich liege bei 1455. Es gibt noch eine Läuferin mit 1000 Punkten aus zwei Läufen, die mit dem morgigen Halbmarathon und den zehn Kilometern beim Hardtwaldlauf im Oktober noch die Möglichkeit von makellosen 2000 aus 2000 Punkten hat, aber ansonsten ist’s recht dünn. Wenn ich morgen nicht patze …

Allerdings ist morgen auch die Vorjahressiegerin des Halbmarathons beim Lußhardtlauf angemeldet. Sie ist zwei Jahre älter als ich und lief letztes Jahr fast fünf Minuten schneller als meine Bestzeit. Dass sie keine Konkurrentin im Regio Cup ist, weil man vier Wertungsläufe braucht, sie noch keinen gemacht hat und nur noch zwei Wettkämpfe anstehen, spielt dafür keine Rolle – sie wird mich Punkte kosten, selbst wenn von den wirklich starken Regio-Cup-Läuferinnen keine morgen Halbmarathon nachmeldet.

Nun, das ist alles Theorie. Aber WENN ich morgen nicht patze, sind abhängig von den Ergebnissen der anderen und davon, wer morgen wie stark gegen mich läuft, nahezu alle Plätze unter den besten 5 des Regio Cups noch drin. Zugegebenermaßen ist die Wahrscheinlichkeit, den bis zum dritten Lauf gehaltenen Spitzenplatz zurückzuerobern, verschwindend gering. Aber am Ende aus den Top 5 zu fallen, das kann ich mir vor allem selbst durch einen ganz schlechten Lauf morgen verwehren, was ich aber nicht vorhabe. Und so kommt es wirklich auf eher kleine Differenzen in Zeiten und daraus resultierend auf kleine Punktdifferenzen an, wo ich im Oktober nach dem Hardtwaldlauf stehen werde. Das kann einen dann schon mal nervös machen, auch wenn man nur ambitionierte Hobbyläuferin ist, nicht wahr?

Festungslauf in Philippsburg

Am Pfingstsonntag gab’s für mich einen Laufwettkampf – den 29. Festungslauf in Philippsburg. Angeboten waren 5,7 Kilometer, 10 Kilometer und der Halbmarathon. Ich hatte mich für den Zehner entschiede, da ich erstens nicht allein zum Lauf kam, sondern mein Mann und zwei Gäste auf mich warteten, und zweitens ich mich auf Halbmarathon in Hambrücken beim Lußhardtlauf eingeschossen hatte. Für den Hardtwaldlauf im Oktober einen präventiven Ersatz zu haben, um auch bei Krankheit im Oktober die Gesamtwertung des RegioCups Karlsruhe zu wahren, fand ich eine nette Idee.

Und so reisten wir zu viert nach Philippsburg an – mein Mann, mein bester Freund, dessen Vater und ich. Das Schulzentrum in Philippsburg war direkt mit Schildern zum Lauf ausgewiesen, man fand sich lässig hin. Um kurz vor acht erreichten wir den Ort des Geschehens, wurden zuverlässig eingewiesen und dann holte ich meine Startnummer ab. Ich traf direkt auch Nobse von den Sport Löwen Baden, hatte eine kurze Unterhaltung mit weiteren Bekannten und saß mit meinen Gästen zusammen. Um neun gab’s den Startschuss und los ging es auf die Strecke. Warm war es, und eine Menge Leute waren auf der Strecke, denn der kurze Lauf, der Zehner und der Halbmarathon starteten gleichzeitig. Schnell verließen wir die Kernkraftwerksstadt Philippsburg und rannten in den Wald. Meine Altra Escalante – das dritte Paar – lieferte mal wieder den Beweis, dass sie meine Lieblingsschuhe sind – aber auch, dass ich dazu tendiere, sie beim ersten Mal zu locker zu binden. Auf dem zweiten und auf dem vierten Kilometer verlor ich je etwa zehn Sekunden ans Schuhe binden. Das machte aber nichts, ich schloss jedes Mal wieder zu Peter Beil von der LSG Karlsruhe auf, der in der Startaufstellung auf mich zukam und sich real vorstellte – über die Altersbereinigung des Regio Cups hatten wir uns schon ein paar Mal per Mail ausgetauscht. Recht schnell zog die Strecke an mir vorbei – es war ja nur ein Zehner für mich. Nach zwei Kilometern bogen die Fünfer links ab, nach etwa acht Kilometern zweigten die Halbmarathonis nach links weg. Dann ging’s schon wieder in die Stadt hinein, über eine gesperrte Straße, den Radweg entlang und Richtung Ziel. Ich drehte noch einmal auf, da kurz vor der finalen Kurve sehr viele Leute, darunter auch mein mitgereister Rheinländer Fanclub und mein Mann, alle reinkommenden Läufer anfeuerten. Am Ende standen offizielle 40:52 auf der Uhr, ich wurde zweite Frau und erste meiner Altersklasse.

Kulinarischer Gutschein, Urkunde für die zweite Frau, Urkunde für die Siegerin der Altersklasse W40, Handtuch als Preis und die Startnummer.

Was für mich sehr beeindruckend war, hatte jedoch mit dem aktuellen Lauf selbst wenig zu tun. Ich merke allmählich, dass ich über die vielen Wettkämpfe Leute kennenlerne und Leute mich kennen. Ich weiß nicht nur, wer schnell ist, ich habe auch Themen mit den Leuten. Man unterhält sich – und dieses Mal war das ganz deutlich zu merken. Neben meinem Trainingspartner Nobse hatte ich auch mit diversen Leuten weitere kurze Gespräche – natürlich über das Laufen selbst, aber auch über Vereine, den Regio Cup und seine Eigenheiten, Physik und mehr. Das zeigt mir irgendwie, dass ich in der Laufszene angekommen bin. Es fühlt sich gut an, zumindest in der Region meistens jemanden treffen zu können, mit dem man ein paar Worte wechseln kann.

Gratuliert habe ich auch, und zwar der beeindruckenden Siegerin Sophia Kaiser und der drittplatzierten Heide Merkel, die zwar für einen Verein aus meinem Nachbarort startet, aber doch von etwas weiter her kommt. Urkunden gab’s auch – und dieses Jahr, auch wegen des stark gestiegenen Läuferaufkommens beim Festungslauf, das eine oder andere Problemchen. Die Einsortierung in den Regio Cup Karlsruhe bedingt wohl, dass mehr Leute da sind – und so gab’s mit der Umwidmung der Startnummern von nicht erschienenen vorangemeldeten Leuten auf erschienene, nicht Vorangemeldete ein paar Zuordnungsprobleme, bei manchen Leuten passte in Ziel die Reihenfolge nicht ganz und irgendwie scheint die Uhr auf zehn Sekunden vor dem Startschuss losgelaufen zu sein. Das Ganze läuft nächstes Jahr bestimmt glatter, sowohl der Lauftreff als auch die Zeitnahmefirma dürften neue Erfahrungen gesammelt haben, aus denen sie zu lernen gelobten.

Selbstbelohnung nach dem Lauf.

Den Lauftag ausklingen ließen wir dann zu viert im Eiscafé Cimino in Bietigheim (Baden), und ich gönnte mir, ganz unvernünftig, einen Eierlikör-Becher. Man könnte nun sagen, ich tat das zur Feier meines Erfolgs. Tat ich auch. Allerdings werde ich dennoch die bisherige Führung in der altersbereinigten Punkte-Serienwertung des Regio Cup Karlsruhe verlieren. Während beim Zehner, den ich ja auch lief, Sophia Kaiser mit knappen 38 Minuten dominierte und ich drei Minuten dahinter Zweite wurde, gewann meine direkte Verfolgerin in der Punkte-Wertung, Emma Simpson Dore, ihren ersten Halbmarathon überhaupt mit knapp über 90 Minuten. Somit staubt sie 500 Punkte ab, während ich nach Überschlagsrechung ca. 488 bekomme. Da ich vor Philippsburg 9 Punkte Vorsprung auf Emma hatte, wird sie nunmehr die Führung übernehmen. Wir werden sehen, was am Ende dabei rauskommt – drei Veranstaltungen von sechs und vier Läufe von acht sind rum beim Regio Cup. Wer jetzt nicht in der Liste steht, kommt nicht mehr rein. Aber die bestehende Konkurrenz ist stark. In diesem Umfeld Zweite, Dritte oder auch nur Vierte in der Gesamtwertung zu werden, ist bereits ein enormer Erfolg für eine Enddreißigerin, die erst seit gut zwei Jahren wirklich konsequent trainiert. Nun lege ich die Glaskugel weg und die Beine hoch …

Schöne Pfingsten Euch allen!

Volkslauf beim TuS Neureut – mit neuem Personal Best auf 10km!

Heute war ich auf dem Volkslauf in Neureut, einem Stadtteil von Karlsruhe. Veranstaltet wurde das Ganze vom lokalen Turn- und Sportverein (TuS) Neureut, der Lauf gehört zum RegioCup Karlsruhe, wie auch der Rißnertlauf im vergangenen Monat. Wieder einmal war’s der kälteste Tag im gleitenden Zwei-Wochen-Fenster, aber wenigstens war es trocken – angesagt und auch tatsächlich.

Bei 3°C brach ich um 7:15 von zuhause auf, mit einem Rucksack voller Wechselklamotten für nach dem Lauf und der Frage, ob das was werden würde. Denn: Ich hatte schon vor der Teilnahme an der Staffel beim Freiburg Marathon und auch die ganze vergangene Woche ein leichtes Ziehen außen im linken Sprunggelenk gespürt, dazu fühlte ich mich irgendwie schlapp. Kurz: Die Vorzeichen waren nicht optimal und das verkündete ich auch prompt den anderen vor dem Start. Aber so weit bin ich noch gar nicht – erstmal holte ich meine Startnummer ab und ging auf Toilette. Der Verein hatte sich wirklich Mühe gegeben, die Startplätze waren gut angezeichnet auf der Straße, im Vereinsheim gab’s genug Toiletten, eine perfekte Einweisung an die Tische der Startnummernausgabe und Nachmeldung durch Schilder, die von der Decke hingen. Perfekte Organisation – auch meinen Kaffee, den ich dann in der Kälte und Frühe noch brauchte, als Nobse von den Sport Löwen Baden zu mir stieß, bekam ich superschnell. Was auch nicht selbstverständlich ist: Meinen Fünfziger, mit dem ich meine Startnummer bzw. meinen Antritt für sieben Euro bezahlte, bekam ich anstandslos unter die Leute.

Mit fünf Minuten Verspätung starteten dann die „Fünfer“, während ich Nobse und einigen weiteren versicherte, dass ich gar nicht wisse, was das heute gäbe und ob ich Leistung bringen könne. Erklärtes Ziel waren ja unter 43 Minuten für die zehn Kilometer. Auch Emma Simpson Dore war da, mit der ich mir in Rüppurr beim Rißnertlauf das Überholduell geliefert hatte. Somit war es völlig illusorisch, auf einen Sieg zu spekulieren – und ich stapelte erst recht tief. Aber es ging dann doch recht flott los – 3:45 zeigte die Uhr für den ersten Kilometer, in meinem Kopf spielte frei nach „Jagd auf Roter Oktober“ das Zitat: „Das ist zu schnell, Talianna, zu schnell!“ Doch viel langsamer wurde ich erstmal nicht, noch mit Blick auf die Männerspitze, inzwischen selbst die Spitze bei den Frauen, lief ich in das langsame Ende des 15 Minuten früher gestarteten Fünfers. Alles gut soweit, aber die Frage blieb im Kopf: „Halte ich ein Tempo von knapp langsamer als 4:00 pro Kilometer? KANN ich das überhaupt halten?“ Solche Gedanken sind böse. Sie machen unsicher und langsam. Ich schaltete sie ab: „Ich kann das. Und wenn nicht, dann gehe ich zwischen Kilometer acht und neun ein. Ins Ziel komme ich laufend! So! Nämlich!“ Dann ging es in die zweite Runde, kaum dass ich so richtig realisiert hatte, welche der Kilometermarkierungen den Fünfer und welche den Zehner betrafen – der Start des Fünfers lag nämlich dreihundert Meter zurück vom Start des Zehners. Beim zweiten Unterqueren der B36 realisierte ich, dass ich noch immer einen Schnitt von unter 4:10 pro Kilometer lief und knapp die Hälfte schon gelaufen war! Etwas weiter, bei 5,5 Kilometern, drehte ich mich um, um zu sehen, wer da noch war – und in mein Gesicht lachte Emma Simpson Dore. Doch statt es hinter sich zu bringen und mich zu überholen, fiel sie sogar wieder etwas ab.

Auf dem einsamsten und gegenwindlastigsten Part der zweiten Runde (der sich angenehm vom ersten Fünfer unterschied) schnaufte ein Läufer im Trikot der Polizei wie eine Dampflok, den fragte ich, ob alles okay sei. Das verwunderte ihn ein bisschen, freute ihn aber. Bei Kilometer sieben dann wurde ich schließlich von Emma Simpson Dore überholt – ich meinte noch, sie solle sich von keiner anderen Frau überholen lassen. Dann war ich wieder allein im Wind – mit Blick nach vorne auf Emma und zwei Männer, die ebenfalls kämpften. So richtig realisiert hatte ich da noch nicht, dass ich noch ein paar Kilometerabschnitte in weniger als vier Minuten überwunden hatte. Auch am „Aufstieg“ aus dem Tiefgestade zurück auf die Hardt verlor ich nicht viel Zeit, dort überholte mich dann auch ein Läufer, der sich später für den ganzen Windschatten bedankte – und dann ging alles ganz schnell. Das Ziel war in Sicht, und als ich meine Uhr stoppte, zeigte sie sagenhafte 40:06 für zehn Kilometer. Ich fürchte, ich bin noch einem Journalisten etwas auf den Nerv gegangen, als ich ein paar Worte zu Emma sagte, die er gerade interviewen wollte – sie hatte mich schließlich um 30 Sekunden geschlagen und das würdige ich voll!

Dem Läufer von der Polizei begegnete ich auch nochmal, der war ein wenig irritiert, aber begeistert, als ich meinte, dass auf der Strecke einzig die Uhr der Feind sei, alle anderen Läufer und Läuferinnen seien Freunde. Klar war auch: Ich war Zweite geworden, hatte meine Altersklasse gewonnen und mein aktuelles Zehn-Kilometer-Personal-Best um mehr als vier Minuten unterboten.

Als Preis gab’s ein Set große Tee- oder Kaffeepötte, für den Sieg in der Altersklasse. Auch bemerkte der Sprecher des TuS Neureut, dass mit der altersbereinigten Wertung wohl vielleicht die eine oder andere Verschiebung auftreten werde, im Klassement, verglichen mit der Wertung vor Ort. Über dieses Thema hatte ich auch schon mit den Organisatoren korrespondiert, die mein Interesse nach der Ableitung ihrer Altersbereinigung befriedigten und sich freuten, dass ich die Faktoren als sauber abgeleitet empfinde, auch wenn die Ergebnisse frappierend sind.

Unten seht Ihr noch meine Urkunde, die Startnummer und den Preis mitsamt seiner passenden Verpackung. Glücklich über dieses grandiose Ergebnis fuhr ich dann mit der Bahn heim, wo ich erstmal Hunger hatte – in Neureut gab’s nur Kuchen, mir allerdings war nach was Herzhaftem, das ich dann zuhause bekam.

Starnummer, Urkunde und Preis für den Altersklassensieg – bereits ausgepackt.

Werde ich schon hibbelig? Und: Nochmal Mistwetter!

Morgen geht es auf den nächsten Wettkampf. Es ist der fünfte dieses Jahr. Nach den 15 Kilometern in Rheinzabern, den 20 Kilometern in Rheinzabern, dem Rißnertlauf und der Marathonstaffel in Freiburg kommt nun der zweite Lauf des RegioCup Karlsruhe. Es geht dabei um den Volkslauf der TuS Neureut am morgigen Sonntag den 14.04.2019. Nach sonniger Woche wird das Wettkampfwochenende nun nass und kalt, genau wie ich aus der Karlsruhe Sonne in den Freiburger Regen fuhr, in Rheinzabern im Dezember den einzigen Schneetag im Dezember erlebte, den sintflutartigsten Regen des Jahres in Rheinzabern im Januar und Sturm im Februar. Einzig in Rüppurr hatten wir Glück mit dem Wetter.

Allerdings werde ich schon etwas hibbelig. Ich habe diese Woche wenig gemacht, in Sachen laufen. Ich möchte morgen meinen Zehn-Kilometer-Rekord verbessern. Ich bin im Moment gar nicht sicher, ob das gehen wird. Wenn es nicht geht, ist es nicht schlimm, natürlich nicht, aber mit der derzeitigen Form habe ich schon in mir selbst Erwartungen geweckt. Das aktuelle Personal Best sind die 44:23 vom Stadtwerkelauf im September letzten Jahres. Das zu unterbieten wäre meine Ansage. Ich würde mir wünschen, dass ich unter 43 Minuten laufe auf die zehn Kilometer. Ob das geht, steht mal auf einem anderen Blatt.

Kurzum: Ich bin gespannt, habe hohe Erwartungen, aber keinen eigentlichen Druck. Vielleicht sind das gar nicht so schlechte Voraussetzungen, auch wenn mir das Wetter nun so richtig gar nicht zusagt – regnerisch und kühl. Morgen bin ich schlauer.

Rißnertlauf in Rüppurr

Am heutigen Sonntag stand für mich der erste Wertungslauf des RegioCup Karlsruhe an. Fünfzehn Kilometer sollten es sein – und die Wettervorhersage war super, auch wenn sie vom Donnerstag (wo sie grandios war) in Richtung Samstag zunehmend mehr Regen am Sonntag ankündigte.

Morgens fuhr ich in Richtung Karlsruhe Rüppurr ab, 7:29 stieg ich in den Zug Richtung Karlsruhe, dann folgte der Umstieg am Sonntagfrüh durchaus einsamen Albtalbahnhof in die S1 Richtung Ettlingen. Ich war die einzige Umsteigerin von der S8 in die S1 an diesem Sonntagmorgen. Ein kleiner Spaziergang quer durch Rüppurr brachte mich zum Stadion der TuS Rüppurr, doch die Startnummernausgabe war in deren Halle, so dass der Spaziergang noch etwas länger war. Dann heftete ich mir die Startnummer an das Trikot und hatte noch eine Stunde bis zum Start:

T-1:00:00 beim Rißnertlauf.

Mein Trainingspartner in den Mittagspausen, Nobse, gesellte sich recht bald zu mir, holte auch seine Startnummer ab und dann gingen wir wieder zurück zum Stadion, wo Start und Ziel aufgebaut waren. Gegen neun bekam ich die Mitteilung meines Mannes, dass er zum Anfeuern und Zuschauen aufgebrochen war – mich also beim Zieleinlauf unterstützen und erwarten wollte. Ich ging noch mal auf die Toilette und stand dann kurz vor Start ein ganzes Stück hinter dem Start-Banner. Die ersten paar hundert Meter nach dem Startschuss stellte ich fest, dass ich viel zu weit hinten gestartet war und somit erstmal auf den schmalen Wegen des Rißnertlaufs Slalom laufen musste, um langsamere Läufer zu überholen. Knapp über einen Kilometer gelaufen, traf ich Nobse wieder, der sich noch ein bisschen warmgelaufen hatte, dort wurde es dann auch schon etwas freier auf der Strecke. Recht schnell setzte ich mich wieder von Nobse ab und stürmte nach vorne – nach dem ersten Kilometer in 4:37 kamen nun etliche unter 4:20, ich arbeitete mich nach vorne. Bei etwa sechs Kilometern schloss ich zu einem Grüppchen auf, in dem neben drei oder vier Läufern auch zwei Läuferinnen gen Ziel strebten – mit einer davon, Emma von der LG Region Karlsruhe, hatte ich später noch eine Begegnung. Ich fühlte mich nämlich stark und überholte die Gruppe. Bei sieben Kilometern war mir klar, dass ich mich ein klein wenig übernommen hatte, denn ich wurde etwas langsamer. Nicht viel, aber eben doch etwas. Es blieb zwar dabei, dass ich keinen Kilometer langsamer als in 4:40 bewältigte, aber zwischen Kilometer eins und acht war ich doch deutlich schneller als auf dem Rest der Strecke. Ich sagte mir: „Du musst nur noch das Erreichte ins Ziel bringen!“ Das motivierte mich, dazu das Wissen, dass meine Uhr im Wald nicht die volle GPS-Effizienz hatte und somit langsamer und weniger Strecke anzeigte als die Kilometer-Schilder am Rand. Am Ende war die Differenz fast vierhundert Meter – aber vorher kam noch der Kilometer zwölf, an dem mich Emma von der LG Region Karlsruhe wieder überholte. Zuvor hatten mich immer wieder entgegenkommende Frauen damit motiviert, dass ich die zweitbeste Frau sei – dann war ich auf Rang drei. Und das brachte ich auch ins Ziel, auch wenn mir Emma auf den letzten drei bis vier Kilometern 47 Sekunden abnahm.

Am Ende kam ich tatsächlich als dritte Frau ins Ziel, mit einer knappen halben Minute Vorsprung auf die Vierte. Die Altersklasse hatte ich klar gewonnen, aber der Rückstand auf die furiose Siegerin Sophia Kaiser von der LG Region Karlsruhe mit ihren 57:25 war natürlich riesig: 1:04:18 kamen raus.

War doch ein bisschen anstrengend – sagt zumindest das Zielfoto meines Mannes.

Es war herrlich, von meinem Mann erwartet zu werden – und nachdem dann auch Nobse im Ziel war und sich ein bisschen erholt hatte, gab’s ein paar nette Gespräche. Ich nahm mir aber auch die Zeit, der Zweiten zum guten Rennen zu gratulieren, wobei wir dann auch noch gefragt wurden, ob wir gemeinsam fotografiert werden dürften. Das war dann auch recht nett, ich muss nochmal rausfinden, für was für einen Artikel der Fotograf das Foto machen wollte. Die Siegerehrung war dann bei Kaffee und Kuchen im Vereinsheim der TuS Rüppurr, wo es warm, laut und ein bisschen chaotisch war. Aber der Gutschein für’s rennwerk, mit dem der dritte Platz dotiert war, kam mir sehr gelegen. Schließlich habe ich schon angekündigt bekommen, dass es von meinem Lieblingsschuh, dem Altra Escalante, eine Sonderedition gibt …

Der Regen kam dann auch noch, er erwischte meinen Mann und mich auf dem Weg von der Bahn nach Hause, wodurch wir erst recht einen guten Grund für eine heiße Dusche zuhause hatten.

Urkunde, Startnummer und Preis.

Der nächste Wettkampf steht an

Nachdem ich im Januar und im Februar jeweils bei der Winterlaufserie in Rheinzabern war, steht nun der dritte Wettkampf dieses Jahr an – jedoch nicht heute. Heute war ich ganz regulär beim Lauftreff der LG Hardt. Ich hatte auch darüber nachgedacht, zum Volkslauf nach Rastatt zu gehen, aber habe mich dann doch dagegen entschieden. Erstens passt ein Wettkampf nicht nach diese etwas abgefahren gelaufene Woche – erst recht kein spontan eingefügter Wettkampf. Zweitens gibt es dieses Jahr noch genug harte Phasen mit mehreren Wettkämpfen in kurzen Abständen, da brauche ich mir nicht spontan zusätzliche einfangen.

Aber zum eigentlichen Thema: Nächste Woche steht der erste Wertungslauf des RegioCup Karlsruhe 2019 an: Der Rißnert-Lauf in Rüppurr. Ich hoffe auf besseres Wetter als dieses Wochenende, irgendwie war das heute ziemlich schlammig im Wald. Ich habe nach dem Heimkommen erstmal meine Schuhe gewaschen und zum Trocknen aufgestellt, der Schlamm hat bis fast zum Hintern hochgespritzt. Außerdem gab’s Gegenwind. Das muss alles nicht im Wettkampf sein, aber wenn’s so ist, ist es so.

Derzeit fühle ich mich – trotz der verrückten Woche – gut und stark, so dass ich glaube, beim Rißnert-Lauf mein 15-Kilometer-Ergebnis aus Rheinzabern wiederholen oder gar übertreffen zu können. Wie es dann am Wettkampftag aussieht, steht natürlich immer auf einem anderen Blatt. Wenn jemand an der Strecke steht, freue ich mich natürlich, aber an einem März-Sonntag bei Startschuss um 9:30 – und damit für mich wahrscheinlich Ankunft vor 10:37 – ist mir schon klar, dass da keiner aus seinen warmen Federn will, um sich an eine Strecke zu stellen, um mich vorbeilaufen zu sehen.

Das Schöne an dem Lauf ist auch: Es sollte gar kein Problem sein, mit der Bahn hinzufahren.