LKW-Tetris Mark II

Dienstagmorgen, gegen 9:00, Rasthof Pforzheim Ost.

Gemäß offiziellen Verkehrsregeln sollten die folgenden Ereignisse …

… niemals passieren!

Was also ist passiert, dass ich einen Staubegegnungen-Post mit einer Art Zitat des Vorspanns von „Jagd auf Roter Oktober“ beginnen lasse? So einfach wie frustrierend: Als ich nach gewaltigem Stau und vor gewaltigem Stau (Pforzheim Ost lag mitten im Rückstau eines Unfalls auf der A8 zwischen Rutesheim und Leonberg West, der nahtlos in den Rückstau von der Verengung und Senke bei Pforzheim Ost überging) am Rasthof Pforzheim Pause für Toilette und Espresso machte, wollte ich danach natürlich wieder auf die Autobahn und weiter Richtung Stuttgart. Naja, „wollen“ ist so eine Sache, bei dem Stau, der mir da noch bevorstand. Aber ich musste ja. Also fuhr ich wundervoll über die Brücke, den Zubringer entlang und wollte über diese kleine, parkplatzartige Bucht wieder auf die Autobahn fahren. Wollte. Ja.

Denn der LKW vor mit bremste und stand. Aus meiner Perspektive war nicht zu erkennen, warum genau. Das bekam ich erst hinterher heraus. Während ich noch rätselte, was bei allen Blech-und-Reifen-Göttern nun schon wieder kaputt war, drückte der stehende LKW auf die Hupe, dann nochmal und nochmal. Mittlerweile sammelten sich hinter mir die LKW und PKW, die wie ich wieder auf die Autobahn wollten. Es ging aber nichts. Gar nichts. Dann stieg da vorne einer aus, gestikulierte wild mit den Armen. Mittlerweile kam mir ein Verdacht:

Wegen eines Lieferwagens, der auf der eher als Verkehrsinsel denn als Parkplatz markierten nicht-Fahrbahn-Stelle auf der Abfahrt zum Rasthof Pforzheim geparkt hatte, hatte ein weiterer LKW zu weit rechts auf dem Fahrstreifen durch diese Halte- und Abfahrtsbucht hindurch geparkt. Natürlich konnte mit der fast rechtwinkligen Kurve, die mein Vorder-LKW-Mann in Richtung Autobahn Richtung Stuttgart zu fahren hatte, und einer viel zu schmal gewordenen Fahrspur (an der Leitplanke zur Autobahn hin stand auch ein LKW) niemand mehr durch. Die weiter rechts gelegene Fahrspur, sozusagen die „innere“ auf dieser Ausfahrtbucht, war durch meinen querstehenden Vordermann blockiert. Es ging gar nichts mehr, während der LKW, der den LKW blockierte, der mich blockierte, in Zeitlupe, immer halbe Raddurchmesser vorankommend, aus dem Weg schlich. Ich lehnte mich zurück, dachte mir so: „Alles klar, die brauchen noch – hä?!?“

Denn in diesem Moment fuhr sehr beherzt ein PKW mit Mannheimer Kennzeichen an den fünf PKW, dem LKW und mir vorbei, die sich inzwischen auf dem Zubringer stauten. Er schaute sich den Schlamassel, an mir vorbeirollend, erstaunt an. Dann guckte er hilflos und entschuldigend lachend zu mir rüber. Ähm … ich meine, wir halten ja auch alle auf der Zufahrt zur Autobahn an, weil wir nichts Besseres zu tun haben, nicht wegen eines eventuellen Hindernisses …

Jedenfalls blockten selbiger PKW-Fahrer und der LKW hinter mir dann fast noch die Ausfädel-Spur in Richtung des Rasthofes, so dass man nur noch mit Hin- und Herkurven von der Autobahn zum Rasthof kam, um auf der linken der beiden Spuren durch die Parkbucht zum Stehen zu kommen, damit sie möglichst schnell auf die Autobahn fahren konnten, wenn die Situation geklärt wäre.

Da sich der Fahrer des Lieferwagens im Weg nicht fand und drei LKW nebeneinander durch eine etwa zweieinhalb LKW breite Lücke durchzubekommen einfach dauert, lehnte ich mich zurück und wartete – und es lohnte sich. Denn für den PKW-Verkehr war der Weg RECHTS am Lieferwagen vorbei recht schnell wieder frei, während direkt neben der Autobahn noch Rangierchaos herrschte. All die Drängler und vermeintlich erfolgreichen Opportunisten mussten sich noch gedulden, während ich auf der freigewordenen rechten Fahrbahn wieder in Richtung Autobahn und dann auffahren konnte. Immerhin. Regelgerecht warten, bis ein nicht-regelkonform aufgebautes Chaos abgebaut war, führte mich schneller wieder auf die verstaute Strecke, als die anderen mit nicht-regelkonformem Drängeln wieder drauf kamen.

Ich sehe natürlich, dass bei solch gewaltigen Staus wie heute LKW ihre Pausen machen müssen. Deswegen aber Zufahrten zuzuparken, ist echt das Letzte. Deswegen mein Appell an alle LKW-Fahrer, die unbedingt Pause machen müssen: Bevor Ihr die Zufahrt zu einem ohnehin vollen Parkplatz welcher Couleur auch immer, oder gar dessen Durch- oder Ausfahrt zustellt, stellt Euch lieber davor oder dahinter auf den Standstreifen. Das ist nicht mehr und nicht weniger regelwidrig, hält aber nicht alle anderen auf.

Lichtblicke am Brennpunkt

Da heute Mittag mein Post über den Verkehrsbrennpunkt Pforzheim Ost, den ich schon vorgestern verfasst hatte, online gegangen ist, passt das hier besonders gut.

Heute Morgen gingen mir die veranschlagten 80 Minuten für meine Arbeitsfahrt schon wieder bei Pforzheim aus – das dritte Mal in Folge. Nach dieser Zeit ist es einfach so, ich kann mir nicht helfen: Der Frühstückskaffee und der Frühstückstee fangen an zu drücken. Dann reicht es nicht mehr für die Durchfahrung des Staus an der Baustelle am Dreieck Leonberg, es würde noch nicht einmal bei freier Strecke bis nach Stuttgart reichen. Also muss ich auf die Toilette gehen – und die einzige akzeptabel saubere Toilette an der Autobahn zwischen Karlsbad und Leonberg ist nun einmal der Rasthof Pforzheim.

Dort machte ich heute also meine Pause, warf siebzig Cent in den Automaten an der Toilette und … naja, Ihr wisst schon. Als ich die Toilette wieder verließ, kam mir gerade eine Mutter mit ihrem Kind entgegen – sie ging etwas schwerfällig und ich vermute, da ist ein weiteres Kind unterwegs. Sie meinte zu ihrem Sohn, der mit ihr die Treppe runterging und brav langsam machte für Mama, sie müsse nochmal umdrehen, um von Papa zwanzig Cent zu holen. Vermutlich war sie in den Zeiten, als man da noch fünfzig Cent für einen fünfzig Cent Voucher einwarf, das letzte Mal auf so einer Toilette gewesen. Ich dachte mir: „Die Dame lässt du jetzt aber nicht nochmal hochrennen!“, machte meinen Geldbeutel auf und schenkte ihr zwanzig Cent. Sie wollte es erst nicht annehmen, verwies darauf, dass ihr Mann oben sei und Geld habe … aber ich meinte, sie solle es ruhig nehmen, das sei kein Problem. Sie freute sich, ich freute mich, geholfen zu haben.

Dann löste ich den Voucher ein und holte mir einen doppelten Espresso, hörte beim Warten auf meine Tasse noch ein Gespräch der beiden Herren an der Kaffeebar mit: Sie sprachen über Matcha, und dass ein Kollege ihnen wohl tollen Matcha gemacht habe, sie ihn aber so nicht hinbekämen. Als der Herr dann meinte: „Ich weiß nicht, was er da rein tut!“, fühlte ich mich bemüßigt, einen Kommentar abzugeben – nämlich, dass bei Matcha die Temperatur eine Rolle spielte. Er meinte, er habe das 100°C heiße Wasser aus der Maschine am Rasthof benutzt, somit war der Fall klar. Ich riet ihm zur Nutzung von 70-80°C heißem Wasser, dann gehe es besser. Er freute sich – hoffentlich hat’s geklappt!

Als ich dann meinen Espresso trank, eilte die Dame, der ich zwanzig Cent geschenkt – nunmehr nur geliehen – hatte zu mir her und gab mir das Geld zurück. Ich nahm es an, versicherte ihr aber, dass ich es auch gerne geschenkt hätte. Sie freute sich, wir tauschten zwei „Danke!“ aus und dann ging es für mich wieder auf die verstaute A8. Der Stau muss nicht sein, die Pause nicht, aber SOLCHE Staubegegnungen lasse ich mich durchaus gern gefallen!

Verkehrs-Brennpunkt: Pforzheim Ost

Derzeit ist es auf der Autobahn 8 mal wieder alles andere als spaßig. Ich habe glaube ich schon mehrfach geäußert, dass bei schlechtem, nebligem, eisigem Wetter viele Leute entweder daheim bleiben, öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder wie von Zauberhand verändert plötzlich anständig fahren.

Derzeit wird das Wetter besser – nicht beständig, aber schließlich ist ja April – und entweder nimmt das Verkehrsaufkommen zu oder die Weisheitszähne des Reißverschlusses sind mal wieder bevorzugt unterwegs oder besonders aktiv. Der Brennpunkt dabei ist natürlich die Engstelle bei Pforzheim Ost.

Die Fakten:

  • Für einige wenige Kilometer verengt sich die Fahrbahn von drei modernen Spuren mit Standstreifen auf einen nur wenig modifizierten Dreißigerjahre-Standard.
  • Die Engstelle geht einher mit einer Senke, nämlich dem Enztal, mit eher steilen Flanken.
  • In der Senke, genau auf dem tiefsten Punkt, befindet sich die Autobahn-Anschlussstelle Pforzheim Ost, die zudem zumindest an der Abfahrt aus Richtung Karlsruhe auf die B10 im Enztal und der Auffahrt in Richtung Karlsruhe von der B10 die kurzen, fast nicht vorhandenen Verzögerungs- beziehungsweise Beschleunigungsstreifen des oben genannten Dreißigerjahre-Standards besitzt.
  • Verkompliziert wird die Situation durch den ebenfalls nicht vorhandenen Beschleunigungsstreifen der Auffahrt vom Rasthof Pforzheim in Richtung Stuttgart. Dazu kommt, dass die Anschlussstellen Pforzheim Ost und Rasthof Pforzheim zu nahe aneinanderliegen und die jeweiligen Störungen des Verkehrsflusses sich aufschaukeln.
  • Aktuell erschwerend wirken sich die Brückenschäden an der Enz-Brücke aus, weswegen direkt auf der Talsohle, zusätzlich zur Störung durch die Anschlussstelle, der Verkehr noch mit einer durch die Brückenschäden bedingten Reduktion des Gesschwindigkeitslimits in Richtung Karlsruhe von 100km/h auf 80km/h klarkommen muss.

Jeden Morgen steht man bis mindestens Pforzheim Nord, in Richtung Stuttgart fahrend. Zur nachmittäglichen Rush-Hour variiert die Staulänge in Richtung Karlsruhe stark – manchmal bis Pforzheim Süd (was nicht sehr lang ist), manchmal geht’s bis fast nach Heimsheim, sogar ohne Unfall.

Freilich weiß ich, dass hier etwas geschehen wird. Mittlerweile ist die Verbreiterung und Modernisierung der A8 im Enztal ja schon sehr stark am Weitergedeihen, nächstes Jahr soll Baubeginn sein, mit möglichst geringen Auswirkungen auf den laufenden Verkehr. Laufender Verkehr? Äh, guter Witz! Aber wenn man die ohnehin schon schreckliche Engstelle möglichst wenig verschärfen möchte, soll mir das recht sein. Auch wenn direkt um Stuttgart herum (Dreieck Leonberg bis Flughafen) auch die wundervoll ausgebaute A8 noch überfordert ist, ist die Enztalquerung tatsächlich das letzte echte Krisenstück auf dem Abschnitt Karlsruhe-Stuttgart – und zur Zeit, ohne neue Baustelle, wieder mehr denn je.

Zum Thema A8 bei Leonberg und Stuttgart möchte ich dann doch noch sagen: Wen wundert’s, dass die dortige Strecke problematisch ist? Dort werden – anders, als ursprünglich (LANG her!) geplant – Umfahrungsverkehr und Berufsverkehr aus Stuttgart und den südlich vorgelagerten Städten Sindelfingen und Böblingen, Ost-West-Fernverkehr UND Nord-Süd-Fernverkehr miteinander verknotet, und das bei teils großen Steigungen (von Leonberg hoch zum Kreuz Stuttgart). Da würde wohl wirklich nur noch die Wiederaufnahme eines Baus der durchgehenden A81 Leonberg-Herrenberg helfen. Aber das wird nicht geschehen.

Im Enztal ist es aber ein lösbares Problem. Schade, dass der Kampf um die richtige oder vermeintlich richtige Lösung diese Engstelle im – danach wirklich – laufenden Ost-West-Verkehr so lange verzögert hat!

Der Egotrip-Strudel

Vorkommen: In Staus auf mehrstreifigen Autobahnen. Immer. Überall. Immer wieder.

Symptome: Stau ohne erkennbares Verkehrshindernis – außer vielleicht einer Verengung von drei auf zwei Fahrstreifen.

Unterstellte Ursachen (an einem Beispiel): Am Stauende wechseln die Weisheitszähne des Reißverschlusses quer durch die mittlere Spur (und deutlich VOR Ende der ganz linken Spur) auf die rechte Spur. Warum? Ganz einfach: Vorn funktioniert der Reißverschluss nicht. Deswegen geht’s links und in der Mitte nicht richtig voran, rechts läuft es schon wieder. Die Weisheitszähne fahren also so schnell es geht rechts an der Einfädelstelle vorbei, ziehen mit Macht, kurz und spitz in zu kurze Lücken wieder nach links, wenn es auch links wieder laufen könnte – das führt zu einer Nachstockung. Ich sehe das dauernd bei Pforzheim Ost, Fahrtrichtung Karlsruhe, auf der A8.

Nervfaktor: Das eigentlich Schlimme daran ist, dass die 1-5% der Autofahrer, die sich als Egotrip-Strudel-Teilchen betätigen, selbst nicht langsamer vorankämen, wenn keiner den Egotrip-Strudel fahren würde. Denn insgesamt sorgt das Ganze für Verzögerungen für ALLE. Symptomatisch ist auch, dass derjenige, der den Strudel mitmacht, am wenigsten ausgebremst wird, aber alle anderen ausbremst – die Strafe für das egoistische Verhalten ist also nicht vorhanden, die Konsequenzen tragen andere. Gerade deswegen ist der Egotrip-Strudel als Makrostruktur der Stauanatomie so unglaublich nervig – weil er genau zeigt, WORAN es eigentlich krankt.