[KuK] Back in the Saddle again

Leistungsquantile beim Radfahren, monatsweise, seit Beginn meiner Leistungsmessung am Rad. Das 87,5-Perzentil und das 12,5-Perzentil sind für September nicht definiert, weil ich weniger als acht Radfahrten absolviert habe, krankheitsbedingt.

Ich habe es geschafft: Ich habe meine Liste nachgetragen. Dabei habe ich schmerzlich die Schmerz-Episoden und die Verzweiflung nochmal durchlebt, als ich all die Geh-Aktivitäten eingetragen habe. Teils war ich aus lauter Verzweiflung mitten in der Nacht um den Block gegangen, weil Schlafen nicht ging, Liegen nicht ging, und in der Wohnung Herumtigern mich wahnsinnig machte. Permanent in der Wanne liegen kann man ja auch nicht…

Aber die gute Neuigkeit ist: Nach dem Wiedereinstieg ins Radfahren im Oktober geht es steil bergauf mit der Leistung. Beim Radfahrtempo und den Distanzen sieht es ähnlich aus, wenn auch nicht ganz so plakativ deutlich – und beim Laufen mit etwas Verzögerung ebenso ähnlich.

Quantile – nun auch beim Radeln

Vor doch schon etwas längerer Zeit habe ich angefangen, mein Lauftempo über die Zeit hinweg, genau wie die Streckenlängen, nicht nur über monatliche Mittelwerte, sondern auch über Quantile zu analysieren. Dazu ein kurzer Exkurs, um einzuordnen, was das bedeutet und eventuell bringen kann:

Quantile sind Kenngrößen eines Datensatzes. Ein spezielles – und am Anfang leicht verständliches – Quantil ist der Median. Der Median gibt die Grenze zwischen der „hohen“ Hälfte und der „niedrigen“ Hälfte der Werte an. Wenn ich also den Median meiner Radfahrstrecken in einem Monat bestimme, bestimme ich die Kilometerzahl, die genau die „lange“ Hälfte meiner Radfahrten von der „kurzen“ Hälfte trennt. Der „Durchschnitt“, also das arithmetische Mittel der Streckenlängen, wird dagegen berechnet, indem ich alle meine Strecken des Monats aufsummiere und dann durch die Zahl meiner Fahrten teile.

Mittelwerte meiner monatlichen Radfahrleistungen – Geschwindigkeit und Dauer. Beim Laufen gebe ich die mittlere Länge einer Aktivität an, beim Radfahren erschien mir die Dauer sinniger – aber vielleicht muss ich das irgendwann ändern.

Klingt zunächst einmal so, als sollten Median und Mittelwert ähnliche Werte ergeben. Wenn ich nun aber einige sehr kurze Strecken und wenige, dafür aber sehr lange Strecken dabei habe – nur als Beispiel – können Median und Mittelwert sehr stark voneinander abweichen. Der Median allein aber reicht mir nicht, um die Verteilung meiner Streckenlängen (und Geschwindigkeiten) beim Laufen und Radfahren zu charakterisieren. Also benutze ich weitere Quantile – der Median ist ja nur das eine Hälfte – andere Hälfte Quantil.

Für meine Diagramme habe ich also Excel beauftragt, zunächst jeweils die kürzeste und die langsamste sowie die längste und die schnellste Radfahrt jedes Monats zu bestimmen. Das sind nur Minima und Maxima, noch keine Quantile. Dann habe ich Excel weiter beauftragt, folgende Grenzen (also Quantile) zu bestimmen:

  • Die Grenze zwischen dem langsamsten bzw. dem kürzesten Achtel meiner Radfahrten und dem Rest.
  • Die Grenze zwischen dem langsamsten bzw. dem kürzesten Viertel meiner Radfahrten und dem Rest.
  • Den Median, also die Grenze zwischen langsamer und schneller bzw. kurzer und langer Hälfte meiner Radfahrten.
  • Die Grenze zwischen dem schnellsten bzw. dem längsten Viertel meiner Radfahrten und dem Rest.
  • Und zu guter letzt die Grenze zwischen dem schnellsten bzw. dem längsten Achtel meiner Radfahrten und dem Rest.

Die Spanne meines Tempos beim Radfahren wird also sichtbar kleiner, auch die schnellste Fahrt des langsamsten Achtels ist seit Oktober 2020 zuverlässig über 20 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit gekommen. Im Winter bin ich auf voller Breite etwas langsamer geworden, nun im Frühjahr steigt das Tempo wieder.

Wesentlich aufschlussreicher finde ich allerdings im Moment das Strecken-Quantil-Diagramm. Deutlich ist zu sehen, dass von April bis Juli 2020 stets die Hälfte meiner Radfahrten im Bereich von ca. 20 Kilometern umfasst haben. Das zeigt recht deutlich, dass in dieser Zeit der Arbeitsweg (je nach Route 19,5 bis 22 Kilometer) meine Radfahrerei ziemlich stark dominierte. Im Spätsommer und Herbst 2020 kamen dann lange Fahrten – Umwege auf dem Heimweg, lange Spaßfahrten am Wochenende und Dienstreisen per Rad – hinzu und nahmen zunehmend größere Anteile meiner Radfahrerei ein. Im Winter brach das dann wieder auf reine Fahrten zum Büro und nach Hause ein – und steigt nun wieder an. Mit aber zunehmenden Fahrten zum Einkaufen, gelegentlich mit lustvollen Umwegen verbunden, aber halt nicht auf volle 20 Kilometer, hat sich das im Jahr 2021 stark verschoben: Es gibt ein recht präsentes „langes“ Viertel meiner Radfahrten, das im Februar und März über 30 Kilometer Strecke bedeutete, während auch rund ein Viertel der Strecken unter 20 Kilometer lang war – ein Achtel sogar kürzer als zehn bis zwölf Kilometer.

Die Ergebnisse sind nicht unerwartet, ich kann die Veränderungen der Verteilung recht gut der Entwicklung meines Radfahrverhaltens zuordnen. Aber ich finde sehr, sehr interessant, diese Werte zur Hand zu haben und weiter zu verfolgen.

Einen Nachteil haben die Quantile auf die reine Tempo- bzw. die reine Distanzverteilung aber: Sie geben keinen Aufschluss, ob die langen Fahrten langsamer sind als die kurzen. Beim Laufen gibt es diesen Zusammenhang eindeutig, aber auch da konnte man ihn nicht aus Quantilen ablesen. Beim Radfahren ist der Zusammenhang tatsächlich ein anderer, da tendenziell die kürzesten Fahrten eher langsam sind: Sie führen quer durch die Stadt, wo man dauernd anhalten und natürlich Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nehmen muss, oder sie beinhalten über’s Einkaufen Stopps und langsame Passagen. Hier äußert sich recht stark, dass Radfahren mehr als Laufen auch als vollwertiges Verkehrsmittel dient.

Die Quantile finde ich auch beim Radfahren trotzdem sehr nützlich und freue mich schon, sie über weitere Monate hinweg zu verfolgen.

Fazit: Oktober gelaufen

Nach drei Monaten mit je über 400 Kilometern Laufleistung habe ich im Oktober angesagt, etwas kürzer zu treten. Das habe ich auch getan. Etwas über 300 Kilometer stehen auf dem Tacho – 313,6 Kilometer, um genau zu sein. Zwei Wettkämpfe gab es, nämlich den Köhlbrandbrückenlauf und den Hardtwaldlauf. Damit ließ der Oktober auch die Laufsaison ausklingen, ich befinde mich sozusagen in der Vorsaison meiner neuen Laufsaison.

Gesamtstrecke und Gesamtdauer der Aktivitäten, jeweils monatsweise summiert, für den Zeitraum November 2018 bis Oktober 2019.

Der Oktober liegt in der zurückgelegten Strecke auf Rang 7 diesen Jahres – und zugleich auf Rang 7 aller meiner aufgezeichneten Laufmonate. Einzig der August 2018 mit knapp über 300 Kilometern hat sich in den Top 10 meiner Laufmonate gehalten. Voraussichtlich werden November und Dezember nicht mehr viel daran ändern. Manche Leute werden lachen, wenn ich sage, ich bin tatsächlich etwas weniger gelaufen… aber es ist wahr: Von über 400 auf 313 sind über 20% weniger.

Mittleres Tempo und mittlere pro Lauf zurückgelegte Strecke, jeweils monatsweise, für November 2018 bis Oktober 2019.

Ganz deutlich ist die mittlere zurückgelegte Distanz pro Lauf zurückgegangen. Das hängt einerseits daran, dass im Oktober die langen Läufe am Wochenende lange nicht mehr so lang waren wie in der Marathon-Vorbereitung, aber auch damit, dass im Gegensatz zu den Vormonaten auch wieder mehr kurze Strecken zum Fitnessstudio und von dort nach Hause dabei waren. Das Tempo ist im Gegensatz zum Marathon-Monat wieder langsamer geworden. Auch das ist kein Wunder, ich hatte mich zu regenerieren. Beides ist aber nicht die ganze Wahrheit…

Quantile der zurückgelegten Strecke.
Quantile der Pace.

An den Quantilen sieht man recht deutlich, dass das „kurze Viertel“ meiner Läufe seit vielen Monaten nur wenig Varianz aufweist. Etwa ein Achtel meiner Läufe sind kürzer als fünf Kilometer, etwa ein Viertel kürzer als sechseinhalb. Das hängt an den Läufen zum Fitnessstudio und an den kurzen Läufen mit einer Kollegin in der Mittagspause. die restlichen 75% meiner Lauferei allerdings sind im Oktober massiv kürzer ausgefallen – zu sehen an den gelben, grünen und blauen Linien im linken Diagramm. Auch die Maximalstrecke ist stark zurückgegangen – nach 32,5 Kilometern im Juli, knappen 40 im August und Marathon-Distanz im September sind’s nun nur noch 25 Kilometer gewesen. Die Minimaldistanz dagegen ist auch recht konstant.

Ähnlich sieht es – im rechten der Quantil-Diagramme zu sehen – bei der Pace aus. Neben den eher langsamen Läufen im Frühjahr, bei denen ich meinen lauffortschreitenden Mann unterstützte, liegen meine langsamsten Läufe immer so zwischen 6:20 und 7:00 pro Kilometer. Im Marathon-Training hatte ich zunehmend vernünftig-langsame, lange Läufe drin, so dass auch die langsamste Pace wieder langsamer wurde. Meinen Mann unterstützen konnte ich leider nicht mehr – der hat Laufverbot wegen Knieproblemen, baut aber gerade Muskeln auf, um das Knie zu stützen und zu schützen, dann geht es vielleicht bald wieder. Das wäre schön! Interessant finde ich allerdings, dass seit Beginn 2019 stets – so auch im abgelaufenen Oktober – etwa die Hälfte meiner Läufe schneller als 5:30 pro Kilometer waren, die andere Hälfte langsamer. Bei aller Veränderung der Spanne, das blieb gleich.

Auch spannend: Quantile und mittlere Pace pro Monat zeigen im Oktober nach „langsam“, aber ich habe meine zwei schnellsten Läufe überhaupt im Oktober absolviert. Jeweils ein Tempo mit einer drei vorne dran, also 3:59 pro Kilometer, konnte ich auf dem Köhlbrandbrückenlauf und beim Hardtwaldlauf abliefern. So schnell war ich noch nie! Es bringt also was, nicht nur so schnell zu laufen, die Peak-Leistungen werden damit besser.

Der Gesamtkilometerstand für 2019 lag mit Abschluss des Oktobers bei 3316 Kilometern, es sind also nur noch weniger als 340 Kilometer bis zu den „magischen“ 3650, die das „Zehn pro Tag“-Ziel markieren. Man könnte es auch zusammenfassen…

Läuft.