Wenn Du in Eile bist …

… mache einen Umweg. Oder auch: „Mach‘ langsam, ’s bressiert!“

Das klingt für Euch nach süddeutschem Dialekt-Quatsch und fernöstlicher Philosophie? Das mag sein. Aber es ist ein sehr praktischer Hinweis, ein sehr wichtiger Rat für die Bewältigung des Alltags, der hier in zwei unterschiedlichen Darreichungsformen daherkommt.

Ich tippe diesen Beitrag nämlich gerade auf meiner Bluetooth-Tastatur, die beinahe von der Missachtung dieses Rates zerstört worden wäre. Wie Ihr in Alltag 1 gelesen habt, frühstücke ich in der Regel am Rechner. Heute merkte ich, wie es zunehmend auf um sieben zuging – und ich wollte mein Frühstück und meinen Tee so schnell es geht …

… nicht über meine Tastatur, meine Klamotten, meinen Stuhl und den Boden schütten. Mit dem Tee habe ich es geschafft, das Frühstück ergoß sich in einer fulminanten Kaskade aus Körnern, Kleie, Milchprodukt, Heidelbeeren und Haferdrink über oben genannte Komponenten meiner Morgenroutine. Zuerst war ich wie erstarrt, dann befasste ich mich 25 Minuten lang mit der zunächst Begrenzung, dann Behebung der Schäden. Meine Tastatur ist entweder sehr robust oder mein Frühstück sehr dickflüssig, denn selbst die Funktions-Taste, die linke Ctrl-Taste, die linke Alt-Taste, die Apple-Taste sowie Shift, <, y und x haben den Anschlag überlebt. Vielleicht gilt auch beides. Jedenfalls bin ich nun gezwungen, den Zug später zu nehmen, aber immerhin konnte ich noch alle Schäden beseitigen und eine Erkenntnis aus dem Vorfall ziehen:

Hektik, um Dinge zu beschleunigen, sorgt für Unfälle, wegen derer alles länger dauert. Eigentlich sollte eine Person, die bei einer Behörde im Bereich Arbeitsschutz arbeitet, das verinnerlicht haben. Aber manchmal braucht man eine Auffrischung.

Mach‘ langsam, ’s bressiert wie’d Sau!

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Krise = Chance

Den Spruch hört man oft. Eine Krise sei meist auch eine Chance. Klar, danke, aber nein danke, das ist der Reflex.

Was in der Gleichsetzung von Krise und Chance steckt, ist letztlich Veränderung. Klar, lieber verändert man sich nicht, lässt alles gleich – Veränderung macht Angst und Arbeit. Aber schon allein, um Dinge, geliebte Dinge zu erhalten, sind meist Veränderungen nötig. Hält man die Dinge zu lang konstant, verändert sich nicht langsam mit den Umständen mit – oder verändert sich die Situation in einem großen Schub, so kommt es zur Krise. In einer Krise gibt es zwingend Veränderungen, aber genau darin liegt die Chance. Wenn sich alle verändern müssen, um nicht auf der Strecke zu bleiben, sind sonst fest gefügte Grenzen weicher. Man kann Ideen, Aufgaben, Freiräume einbringen und bekommen, die man sonst vielleicht nicht bekäme.

Wenn alle anpacken und sich verändern müssen, um die Krise zu überwinden, bekommt gerne mal der, der bereit ist, eine Aufgabe oder Möglichkeit, die er sonst nicht bekommen hätte – und lieber tun mir die Nachwirkungen einer Krise weh, wenn ich mir initiativ das ausgesucht habe, was ich gerne mache, als wenn ich damit hadere, nur den Rest bekommen zu haben.

Das hat den konkreten Anlass von Veränderung bei der Arbeit, wegen neuer Aufgaben und personeller Veränderungen – aber es gilt weit darüber hinaus!

[KuK] Ich kenne Dich nur mit anderen Schuhen

Heute morgen vor dem Eingang zum Bürogebäude begegnete ich einem Mann, der mir zuerst vage bekannt erschien. Er schaute so, wie ich wohl auch schaute.

Dann fiel es mir auf: es war einer der Läufer des Mittwochslauftreffs des Regierungspräsidiums! Ich meinte: „Oh, jetzt habe ich einen Moment gebraucht, Dich zu erkennen.“ Er antwortete grinsend: „Ich auch. Ich kenne Dich nur mit anderen Schuhen.“

Ich hatte nämlich keine Laufschuhe an, sondern Rock, Strumpfhose und Stiefel mit etwas Absatz. Vor allem dürfte aber eine Rolle spielen, dass er wie auch ich einander nur beim Lauftreff begegnet sind, bis jetzt. Was man nicht erwartet an Input, kann man oft nicht so gut verarbeiten, viel Seh-Erkennen ist stark kontextabhängig.

Lustig, wenn wir immer noch denken, unsere Wahrnehmung funktioniere objektiv. Bei vielen Menschen kenne ich Beispiele, die untermauern, dass nur gut erkannt werden kann, was erwartet wird. Anderes funktioniert nicht so schnell – oder gar nicht.

Ich gehe von mir aus

Ja, genau das tue ich. Wie soll ich es auch anders machen?

Viele Menschen beraten andere, als sei das, was sie wissen, denken und für richtig halten, von allgemeiner Gültigkeit und Relevanz. Dass diese Ratschläge tatsächlich solch weitreichende Gültigkeit und Relevanz besitzen, billige ich durchaus einigen Experten zu, aber oft genug kommen die vehementesten, am nachdrücklichsten als kompakte Weisheit deklarierten Ratschläge von Menschen, die die Ansicht eines Experten und ihre eigene Erfahrung zusammenlegen. Dass der eigentliche, zitierte Experte (falls es denn einer ist) oft auch erklärt, welche anderen Wege es gibt und was Irrwege waren, wird vom nachdrücklich Zitierenden oft unterschlagen.

Ich selbst beschreibe lieber ganz bewusst, was FÜR MICH funktioniert hat und was nicht. Was andere dann draus machen, ist deren Sache. Für mich führen viele Wege zum Ziel, ich habe mir welche ausgesucht. Außerdem versuche ich, auch klar zu machen, dass ich mir meine Experten ausgesucht habe, denen ich folgen mag, und ihnen nicht in jeder Hinsicht folge – soweit mir das bewusst ist. Dazu bin ich ein Mensch, und Menschen sind verschieden. Manchmal wirkt es vielleicht egozentrisch, zu beschreiben, was für mich funktionierte und mir wahr erscheint – aber in vielerlei Hinsicht bin ich für das, zu dem ich was sagen mag, nicht so weit Expertin, dass ich ohne Beschränkung der Allgemeinheit meiner Aussagen sprechen zu können glaube. Also beschreibe ich, was mich zu dieser Ansicht brachte und dass es meine Ansicht ist, nenne eventuell noch Quellen.

Insbesondere im Bereich „Lebensberatung“ habe ich im Netz häufig Ratschläge gefunden, die alternativlos formuliert waren, Glaubenssätze und Dogmen darstellen. Gerade in diesem Bereich habe ich die Therapeuten, die ich bisher erlebt habe, als zurückhaltend wahrgenommen. Sie sagten mir nicht, was ich tun soll, sondern hörten zu und gaben dann Hinweise, was ich mal versuchen könne – oder ließen mich das weitere Vorgehen entwickeln.

Viele dieser „Berater“, die genau zu wissen scheinen, was man tun sollte, was richtig und falsch ist und wie alles geht, gehen von sich aus oder sagen, was man hören will, um ihnen zu folgen. Sie verkaufen es nur als allgemeine Wahrheit, als kompakte Weisheit. Ich habe die Welt und die Wege, die zum Ziel führen, auch die Ziele, die erstrebenswert sind, mit allem, was ich mehr wusste, mehr erfahren habe, als unsicherer und unklarer, darin wählbarer und freier erlebt. Das macht das Leben kompliziert, gibt aber Freiheit.

Wie ich nun auf so etwas komme? Mir wurde mal gesagt, ich sei egozentrisch, spräche nur über mich. EINE Komponente dessen, was glaube ich zu dieser Aussage führte, ist eben: Ich gehe von mir aus. Ich gebe (idealerweise nach vollständigem Zuhören, manchmal aber nicht) Beispiele aus meinem Leben, die ich vielleicht als ähnlich und hilfreich ansehe, wenn jemand ein Problem hat und mir schildert. Dadurch rede ich viel über mich. Letztlich bin ich aber der Auffassung, dass die meisten Menschen sehr viel über sich reden, sie stellen es nur als unabhängig von sich dar – oft nicht beabsichtigt. Ich für meinen Teil finde es ehrlicher, zuzugeben: „Das ist meine Lösung unter vielen. So habe ich sie erlebt. Kannst Du nehmen oder es lassen, je nach dem, was Du glaubst, dass für Dich passt.“ Der zweite Grund ist, dass ich aktuell an einigen Stellen vorstoßen möchte, neue Gruppen schaffen möchte, in denen ich mit anderen Dinge zusammen betreibe. Natürlich wird es nicht ohne ein gewisses Aufdrücken des eigenen Stempels gehen, wenn man etwas, das man gerne macht, initiativ beginnt, mit anderen in Gruppe zu betreiben – zum Beispiel beim Laufen. Aber anderen aufzudrängen, wie ich es mache, gleich, wie es für sie richtig ist, wäre falsch. Die eigene Erfahrung als allgemein gültige Wahrheit zu verkaufen, das ist aus meiner Sicht die perfideste Weise, anderen seinen eigenen Weg aufzudrängen – ob nun bewusst oder unbewusst.

Und genau das will ich nicht machen. Deswegen denke ich drüber nach. Deswegen schreibe ich diesen Beitrag, um meine Gedanken dazu zu ordnen.

Growing Younger

Eine ganze Weile bin ich nach Stuttgart zur Arbeit gependelt, mit dem Auto und über eine verhältnismäßig lange, vor allem verstaute Strecke. Ich bin in dieser Zeit vermeintlich erwachsener geworden, war weniger auf Festivals oder Treffen, als das vorher der Fall war, habe weniger in meiner Freizeit gespielt, mich weniger herumgetrieben, war auch kaum noch in der Disco.

In den letzten Monaten, vielleicht Jahren hat sich das geändert. Ich war mehr bei Freunden auf Achse, habe wieder mehr Festivals und Konzerte besucht, habe mich zunehmend vom Auto wieder auf öffentliche Verkehrsmittel für diese Besuche verlegt. Dazu habe ich Albernheiten und Motiv-Shirts mehr wiedergefunden, mir neue Leidenschaften zugelegt. Auch sitze ich wieder häufiger mal als „Bodensatz“ einer Party mit Leuten zusammen, führe tiefschürfende Gespräche oder solche über frühere Exzesse, die ich sonst eigentlich tief in mir vergraben hatte. Nicht, dass ich diese Dinge zurückwollen würde, also die Exzesse – die Gespräche und Themen aus diesen Zeiten aber kommen wieder und machen mich zu einem entspannteren, glücklicheren Menschen.

Vielleicht ist es mein komischer Blick auf das Erwachsensein, das irgendwie mit daheim sitzen, Wege mit dem Auto zurücklegen und sich auf die wichtigen, langweiligen und nützlichen Themen zu fokussieren zu tun habe. Aber egal, ob es nun ein echtes „growing younger“ ist, oder ob ich einfach nur gewisse Komplexe abgelegt habe – es fühlt sich gut an.

[KuK] Kran!

Vor einigen Jahren gab es mal einen Anlass, gemeinsam mit etlichen Trek-Monday-Weggefährten nach Stuttgart zu einem „Special“ zu fahren … zur Erklärung: der Trek Monday ist mein montäglicher SciFi-Video-Abend, ein Mitglied war umgezogen und wir besuchten sie mit Mann und Maus und DVDs. Daher fuhren wir von Karlsruhe nach Stuttgart.

An diesem Tag funktionierte vieles nicht, ich war ohnehin gestresst und so war meine Laune zum abgewöhnen. Ich beschloss, mich über das nächste Objekt am Wegesrand zu freuen. Mein finster entschlossen begeistertes „Oohh! Ein Kran!“ klingt vielen noch im Ohr.

Und somit: „Yay! Ein Kraaaaaan!“

Terminkollisionen

An diesem Wochenende war es mal wieder so weit. Termine kollidierten, eine Menge davon. Wahrscheinlich kennt jeder den Begriff der Terminkollision: Man hat zwei oder mehr Termine, die sich überschneiden, die man nicht gut verschieben kann, weil sie an anderen hängen und die man alle wahrnehmen sollte und/oder gerne würde.

Bei mir waren es am Samstag ein Konzert, eine weitere Veranstaltung, die unbedingte Erforderlichkeit, mit der Steuer endlich fertig zu werden, ein Versprechen, am Nachmittag zu einem American-Football-Spiel zu gehen und eine weitere Verabredung.

Am Ende habe ich von insgesamt sieben Terminen am Samstag nur vier wahrnehmen können. Ich habe da immer ein schlechtes Gewissen – ich befürchte, ich selbst müsste mich besser organisieren, dann ginge das schon. Indes, in dem Falle ging es nicht. Alle diese Termine waren mehr oder minder fremdbestimmt, bis auf die Steuer. Dass sie kollidierten, konnte ich nicht verhindern. Auch Priorisieren bei Terminen, die mir wichtig sind und auf denen anderen meine Anwesenheit wichtig wäre, ist schwer. Nicht so sehr, einfach zu sagen: „Ich geh da hin und auf den anderen nicht.“ Das ist kinderleicht und das muss machen – am besten rechtzeitig kommunizieren, damit niemand mit einem rechnet, den man dann doch enttäuschen muss. Aber erstmal die Entscheidung, welchen Termin man nimmt und welchen man ablehnt …

Ich gestehe, das ist immer schwierig. Wenn irgendwas fest zugesagt ist, klar, dann hat das Vorrang. Das ist dann auch einfach. Wenn äußere Zwänge einem die Rangfolge der Wichtigkeit vorgeben, das ist auch nicht so schwer. Aber nach „das ist mir wichtiger“ zu priorisieren … tja. Da habe ich immer ein schlechtes Gewissen. Immer und jedes Mal. Positiv betrachtet mache ich es mir nicht leicht, jemandes Einladung oder jemandes Termin abzulehnen. Aber negativ betrachtet frisst es mich an, weil ich mir egoistisch vorkomme – und ich mag mir nicht egoistisch vorkommen.

Doof, das.