Das will doch keiner hör’n!

Ich bin ein extrovertierter Mensch. Das kann und will ich nicht leugnen. Ich erzähle gerne – von meinen Gedanken, meinen Phantasie-Geschichten, meinem Alltag, meinem Sport, meinem Leben…

Das war nicht immer so. Meine Geschichten behielt ich in der Schulzeit für mich. Spätestens, als sie unter Spott offenbart wurden, trieb ich noch mehr Geheimhaltung. Mein erster Computer zuhause wurde vor allem zum Schreiben und Speichern von Geschichten benutzt, und ich wachte peinlichst darüber, dass niemand da rankam. Es kostete mich Überwindung, mich damals mit „Am Rand des Strömungsabrisses“ an die Öffentlichkeit zu wagen, ins Feuer der Kritik. Das Ergebnis hat seine Schwächen, dessen bin ich mir inzwischen noch bewusster als damals, als ich es zur Veröffentlichung herausgab, aber dennoch – ich bin froh, dass ich es getan habe. Ähnliches gilt für den Howard-Goldstein-Vortex. Vielleicht – so denkt ein kleines Stückchen in mir – haben mir alle nur deswegen dazu geraten, diese Dinge zu schreiben und in irgendeiner Form zu veröffentlichen, weil sie das Erzähltbekommen leid waren. Denn seit nunmehr zehn bis fünfzehn Jahren habe ich diese Extrovertiertheit, diesen Drang zum Erzählen.

Es kostet mich aber immer noch Überwindung. Ich halte meine Gedanken und Geschichten nicht für so originell, meinen Sport nicht für so gut, als dass es irgendwen interessieren sollte. Da spielt eine innere Stimme mit, die wie die Eltern in „Junge“ von den Ärzten sagt: „Das will doch keiner hör’n!“ Vielleicht ist das auch so, aber es ist mir inzwischen wichtig, meine Gedanken herauszubringen, sie anderen zur Verfügung zu stellen. Selbst wenn es niemanden interessieren sollte, tut mir das gut. Aber es interessiert ja durchaus den einen oder anderen. Die Highway Tales, die viel meiner Gedanken beinhalten, haben inzwischen über meinen Freundeskreis hinaus den einen oder anderen Follower. Richtig groß freilich sind sie nicht, aber die 100 Follower haben wir hier immerhin schon überschritten. Ich hätte freilich eine Idee, wie es mehr werden würde – mehr Bilder, an manchen Stellen ein Streamlinen der Themen. Aber dann wär’s nicht mehr das, was ich im Sinn hatte.

Bei den Geschichten läuft’s noch nicht so viel. „Am Rand des Strömungsabrisses“ wurde zwar ein paarmal gekauft, aber ein Brenner wird’s nicht werden, und auch der Howard-Goldstein-Vortex wird bisher in überschaubarer, aber nichtsdestotrotz vorhandener Menge aufgerufen. Jedes Mal, wenn mein Partner, der mir beim Veröffentlichen des Strömungsabrisses half, mir schreibt, dass es wenig oder keine Verkäufe gab, überfällt mich das schlechte Gewissen, ihn für etwas eingespannt zu haben, das „keiner hören“ will. Analog fällt es mir auch sauschwer, mit Beharrlichkeit den „Howard-Goldstein-Vortex“ zu bewerben. Es schwingt immer dieses „Das will doch keiner hör’n!“ in meinem Kopf mit.

Aber wenn ich mir’s anschaue: Doch, es will jemand hören. Wahrscheinlich würden es viel mehr wollen, wenn sie nur davon wüssten und ich das Selbstvertrauen hätte, es einfach wild und viel lauter in die Welt zu schreien! Und so lange es niemand hören oder lesen MUSS, bl0ß weil ich es veröffentlicht habe, es aber Leute hören oder lesen können, denen es vielleicht etwas gibt, ist es meine Mission, meine Ideen, Gedanken und Geschichten weiterhin hinauszuposaunen in die Welt, auch wenn das Echo vielleicht nicht mein Ego befriedigt.

Es beschäftigt mich

Während andere diese Nacht vielleicht Eliud Kipchoges Lauf heute entgegenfieberten, bekam ich von seinem Versuch – und Erfolg – erst heute früh wieder etwas mit. Mich jedoch beschäftigt etwas Anderes: Der Lauf morgen. Der wird nicht so lang, nicht so schnell, aber in Konkurrenz stattfinden.

Ich sage ja gerne, dass es eine Leistung ist, über sich hinaus zu wachsen, dass gar nicht so eine Rolle spielt, gegen die anderen zu gewinnen. Dazu stehe ich auch: Der größte Erfolg ist, die eigenen Grenzen zu verschieben, sich aufzuraffen und Sport zu betreiben. Aber ich kann nicht leugnen, dass es auch schön ist, zu gewinnen – oder auf das Podium zu laufen. Ich habe ausgerechnet, wie es mit Zeiten und Punkten läuft. Ich kenne meine Konkurrentinnen um den Sieg beim Regio Cup. Ich habe eine Vorstellung, wie wahrscheinlich und unwahrscheinlich verschiedene Szenarien sind, die verschiedene Ausgänge von Regio Cup und Hardtwaldlauf ergeben würden. Es macht mir ein schlechtes Gewissen, dass mich das so beschäftigt, weil ich eigentlich wirklich der festen Überzeugung bin, dass über sich hinaus zu wachsen wichtiger ist als zu gewinnen.

Dennoch habe heute Nacht von einem Lauf geträumt. Es war nicht der Hardtwaldlauf, sondern ein Lauf im Murgtal, zwölf Kilometer an der Murg leicht bergan. Vermutlich mische ich meine Trainingsläufe in Gernsbach am Mittwoch und Donnerstag mit den Gedanken an das anstehende Rennen. Wie gesagt: Es ging auf Wegen am Fluss entlang immer leicht aufwärts, viel Publikum. Bei etwa acht Kilometern ließ ich einen männlichen Konkurrenten hinter mir und lief in meinem Traum dann als Spitzenreiterin hinauf. Dann kam eine Stelle, an der eine Kehre und ein Weg durch einen Rummel zur Verfügung standen, beide Strecken gehörten zur Laufstrecke. Das ist skurril, zwei Optionen, wie man weiter läuft, das ist eigentlich nicht Stand der Dinge bei Läufen. Erst recht nicht, wenn sie unterschiedlich lang sind. Und dann ging es einen Weg den Berg hinauf, recht steil an eine Felswand geschmiegt. Dort war das Ziel. Als ich etwas verwirrt dort hochbog, schob sich eine Frau mit wippendem Pferdeschwanz vor mich und gewann ganz knapp vor mir. Im Ziel bekam ich dann heraus, dass eine blondgelockte Läuferin noch vor uns war, die wirkte schon wie geduscht. Sie umarmte mich, um mich für den Nicht-Sieg zu trösten …

Lustigerweise wurde dann auf einem magnetischen Brett, das auf der Felswand angebracht war, der weitere Verlauf des Rennens mit magnetischen Spielfigürchen angezeigt, eine Konkurrentin von mir sah ich mit ihrem Rückstand auf dieser Anzeige und konnte dann sagen, dass ich die Serie gewonnen hätte. Es war ganz klar nicht der Hardtwaldlauf, wo ich da lief – sondern ein meines Wissens nicht vorhandener Berglauf im Murgtal – aber dennoch sagte mein Geist, dass es der letzte Lauf des Regio Cup sei. Zudem hätte ich mit einer solch überlegenen Siegerin im finalen Lauf des Regio Cup eh schon gewonnen, da ich auf aktuellem Stand die beste Punkteausbeute aus den bisherigen Läufen habe.

Wie gesagt, skurrile, unrealistische Träume, aber sie drehen sich um das Thema des morgigen Wettkampfes, gemischt mit anderem Kram. Es beschäftigt mich. Es wäre schön, beim Hardtwaldlauf ein neues Personal Best aufzustellen (unter 40:05 auf 10km), dabei die 40 Minuten zu unterbieten, aber eben auch, eine gute Platzierung beim Lauf zu erreichen und den Regio Cup zu gewinnen. Das gilt, auch WENN ich der festen Überzeugung bin, dass sich an sich selbst zu messen viel fairer, besser und produktiver ist.

Es nicht zu weit treiben …

Es ist allgemein eine gute Idee, „es nicht zu weit zu treiben“. Das lehrt mich (auch) das Laufen, es gilt aber genauso für andere Dinge.

Ich bin vergangene Woche über 120 Kilometer gelaufen. Viele Leute werden jetzt fragen: „Wie jetzt? Es nicht zu weit treiben und dann das? Hast Du Dich verletzt und gemerkt, dass es zu viel ist?“

Nein, habe ich nicht. Es blieb bei der Erkenntnis, dass es viel war und in den Beinen zog, von Verletzung kann keine Rede sein. Meine Kilometerleistung im Jahr 2017 betrug 1400 Kilometer, im Jahr 2018 waren’s 2400 Kilometer, im Moment zeigt die Prognose für 2019 in Richtung 3800. Vor der 120er-Woche hatte ich schonmal eine 115er. Es gibt die Faustregel, nicht mehr als 10% pro Woche zu steigern, in Trainingsplänen sind stets Ruhewochen eingeplant, meist eine in vier Wochen. Dasselbe Prinzip gilt auch für anderes – geistige Arbeit, Feiern, eigentlich für alles. Aus dem Stand auf Höchstleistung und auf Dauerstrom Sein tun nicht gut, der Absturz danach kostet mehr Zeit und Kraft und erreichte Leistung, als der Sprint gebracht hat – wenn es überhaupt ohne bleibende Schäden bleibt.

Das Laufen lehrt mich, mit meinen Kräften zu haushalten – erstens über zum Beispiel einen Wettkampf, bei dem man auf längeren Wettkampfstrecken langsamer losläuft. Zu schnell starten kostet hintenraus unglaublich viel Zeit oder zwingt sogar zum Aufgeben. Zweitens lehrt laufen mich aber auch, generell mit meinen Kräften zu haushalten. Ich kann meinen geplanten langen Lauf am Sonntagmorgen nicht schaffen, wenn ich am Samstagabend spontan oder aus schlechtem Gewissen wegen Trainingsausfall am Freitag ein bretthartes Intervalltraining laufe. Ich kann auch nach einer 120-Kilometer-Woche nicht gleich eine 130er laufen, wenn’s die allererste Woche mit so viel Laufleistung war.

Ähnliches gilt für’s Feiern – mit zwei Geburtstagsparties am vorvergangenen Wochenende, einer gestern und einer Hochzeit am vergangenen freue ich mich schon auf ein ruhiges, völlig feierfreies Pfingstwochenende. Für’s Arbeiten gilt das natürlich auch – und wenn Druckaufbau und Frust zu groß werden, steigt die Leistung maximal kürzestfristig, kurz- und mittelfristig sinkt sie so, dass fraglich ist, ob der Sprint sich gelohnt hat – und langfristig kostet das mindestens Motivation.

Im Englischen sagt man: „Don’t push (yourself) too hard“. Für mich funktioniert die Übersetzung „Es/sich/andere nicht zu weit treiben/zu hart antreiben“ ganz gut.

Unsichtbares, rosafarbenes Einhorn

Vor einiger Zeit entdeckte ich das unsichtbare, rosafarbene Einhorn. Analog zum fliegenden Spaghettimonster ist es eine Parodie auf den Theismus, den Glauben an einen personifizierten, mit Eigenschaften behafteten Gott, über dessen Beweisbarkeit und weitere Eigenschaften man herrlich streiten, diese Thematik unglaublich ernst und schwer nehmen kann. Der Clou am unsichtbaren, rosafarbenen Einhorn ist, dass die Eigenschaft „rosafarben“ durch die Unsichtbarkeit per se der Wahrnehmung unzugänglich ist. Das unsichtbare, rosafarbene Einhorn wird als weibliche Gottheit angesehen, SIE tauchte das erste Mal als „invisible pink unicorn“ in atheistischen Diskussionsplattformen der frühen 90er auf. Für Atheisten ist SIE und all die Theologie um SIE herum ein Weg gewesen, das Unverständnis nicht-gläubiger Menschen für leidenschaftlich-dogmatische theologische Debatten zu illustrieren.

Ich für meinen Teil empfinde das unsichtbare, rosafarbene Einhorn als ein sehr angenehmes Konzept in dieser Richtung. Es ist für mich glitzernder als das fliegende Spaghettimonster, der in den beiden intrinsisch zugeschriebenen Eigenschaften verankerte Widerspruch per se spricht mich an – als Konzept, das erklärt, wie Glaube funktioniert. SIE ist unsichtbar, und dennoch wissen wir, dass SIE rosafarben ist.

Ich bin nicht sicher, ob ich mit dem Antagonisten, der lila Auster, etwas anfangen kann, ähnlich wie der christliche Teufel erscheint sie mir arg konstruiert.

Lustigerweise ist ein Synkretismus aus Last-Thursdayism und dem Glauben an das unsichtbare, rosafarbene Einhorn für mich sowohl als religionsparodierendes Konstrukt wie auch als Glaubensgebilde durchaus ansprechend. Vermutlich wird die Kirche des unsichtbaren, rosafarbenen Einhorns ebensowenig auf Umfragebögen zum Bekenntnis auftauchen wie der Glaube, alles sei inklusive der Erinnerungen an das „davor“ letzten Donnerstag erschaffen worden (Last-Thursdayism).

Ich möchte auch niemandem den Eindruck vermitteln, ich nähme seinen Glauben nicht ernst. Für mich persönlich sind in sich durch Widersprüche gebrochene, im spirituellen Part nicht beweisbare Bekenntnisse aber schlicht nicht überlegen, bloß weil sie Tradition haben. Wenn ich mich zum unsichtbaren, rosafarbenen Einhorn bekenne, folgt daraus, dass ich einen festen, christlichen, muslimischen, jüdischen, buddhistischen, pastafarischen Glauben nicht verurteilen kann und darf. Was ist auch an einem Synkretismus aus dem Glauben an das unsichtbare, rosafarbene Einhorn und einer last-thursdayistischen Schöpfungslehre auszusetzen, gewürzt mit etwas radikalem Konstruktivismus und der Erkenntnis, dass im Last-Thursdayism eine gute Portion Solipsismus steckt?

Es gibt bestimmt den einen oder anderen, der mit weniger mündiger Überzeugung „Christ“ auf der Religionsumfrage ankreuzt oder mit weniger Nachdenken kreationistische Glaubenssätze übernimmt.

Wenn zwei sich streiten …

… freut sich der Dritte, sagt man. Ich habe in letzter Zeit den Eindruck, dass es meistens anders ist. Von Streit hat keiner was. Meistens ist es auch so, dass Streits abstrahlen. Neutral zu bleiben ist nicht so einfach, wenn es im eigenen Umfeld stattfindet und man mit beiden Beteiligten arbeiten muss oder befreundet ist. Sich zu entscheiden ist auch immer schwierig, weil meistens die Lage nicht ganz eindeutig ist. Am Ende wird es meistens darauf hinauslaufen, dass man egoistische Entscheidungen trifft: Man schaut, dass man es mit der Seite hält, die einem wichtiger oder näher ist.

Niemand trifft solche Entscheidungen gerne. Ich habe derzeit einen Punkt offen, an dem ich eine solche Entscheidung nicht getroffen habe, aber jemand anderes, ein anderer „Dritter“, eine Entscheidung getroffen hat – und vermutlich auf die Dauer die eine Streitpartei ersetzen wird. Dann ist da noch eine Stelle offen, an der ich noch gar nicht vor der Entscheidung stehe, aber ganz genau weiß, wie meine Entscheidung ausfallen wird. Konkreter kann und möchte ich nicht werden, da dies hier öffentlich ist.

Mir persönlich ist es viel lieber, wenn jemand beim Erzählen vom Streit, beim Sprechen über das, was am anderen stört, von sich ausgeht und von seinen Gefühlen – und das auch klar macht und selbst klar sieht; wenn jemand sich dessen bewusst ist, dass er oder sie mir seine oder ihre Perspektive erzählt, vielleicht aber mehr und anderes dahintersteckt. Das macht es einfacher. Ich selbst gehe von mir aus, von dem, wie ich die Dinge wahrnehme und was mir wichtig ist. Das ist immer nur eine der vielen möglichen Perspektiven und Wahrnehmungen. Meist sind die Menschen, die ihre eigene Perspektive einnehmen, es sich aber auch bewusst machen, die eher Kompromissbereiten. Ich höre gerne zu, wenn jemand über das spricht, was ihm Probleme mit anderen bereitet, und versuche, zu helfen – und sei’s nur durch zuhören. Was ich nicht mag ist, wenn über andere hergezogen wird. Damit meine ich nicht die Rumflachserei, die jeder mal macht – die ist ja in der Regel auch zu Ende, wenn man sagt: „Ernst mal, bitte – das ist mir wichtig.“ Schwierig wird’s, wenn das auch nicht akzeptiert wird. Konstruktiv wird die Sache, wenn jemand zu mir kommt: „Ich möchte Deine Perspektive hören oder zumindest meine Perspektive an Deinem Zuhören und Deinem ‚Hmmm‘ oder ‚Ja‘ oder ‚Ich verstehe Dich‘ überprüfen.“ Oft kann man dann dennoch nicht helfen, sieht aber, dass die Situation wenigstens von dieser Seite noch nicht völlig verfahren ist. Ich hatte in den letzten Tagen einige Gespräche mit Parteien solcher Streits, in der ich „Dritte“ war. Ich hatte auch Gespräche über solche Streits und wie Partei ergriffen wurde, mit anderen „Dritten“ dieser Streits. Konkret sind’s mindestens zwei solche „Gefechte“, in denen ich zumindest potentiell gefährdet bin, bei Eskalation Kollateralschaden abzubekommen.

Nun sitze ich hier und denke mir: Die zwei Fälle sind nicht miteinander vergleichbar. Einer ist von beiden Seiten verfahren, der andere von einer, von der anderen erlebe ich gerade erst die Resignation. Beide spielen sich unmittelbar in meiner Umgebung ab, aber in unterschiedlichen Teilen meiner Umgebung. Aber beide Fälle zeigen: wenn zwei sich streiten, freut sich eben nicht der Dritte. In diesem Falle möchte die Dritte das Ganze auflösen, zur Ruhe bringen. Denn wenn es eskaliert, trifft’s auch mich als diese Dritte. Vermitteln ist aber auch vermintes Gelände.

Und so hoffe ich, dass die Dinge okay gehen, dass sie sich lösen. Parallel überlege ich mir Strategien, wie ich mit der Eskalation umgehen werde – und dabei selbst Porzellan zerschlagen. Blöde Sprichwörter könnten manchmal nicht falscher sein.

Nebenbei: Beim Laufen ist es genauso. Wenn sich zwei (gute, starke) streiten, werden sie schneller, wachsen an der Konkurrenz. Und der oder die Dritte wird abgehängt.

Verliert …

… eine uneigennützige Handlung ihren positiven Charakter, nur weil sie belohnt wird?

Ich habe mich das gefragt, als in diesem Beitrag beim Sohlenrocker ein Kommentator seine Freude darüber ausdrückte, dass der Autor als „Pacer“ bei einem Marathon mitläuft. Ein Pacer gibt das Tempo vor, um eine bestimmte Zielzeit zu erreichen. Sohlenrocker wies darauf hin, dass ihm das Tempo gefiele, das er als Pacer zu laufen hat, und dass die Veranstalter Pacern Vorteile einräumen – klar, ist ja ein Service der Veranstaltung. Dennoch läuft ein Pacer vor allem „für andere“.

Ich habe festgestellt, dass mir auch die Geselligkeit und das gute Gefühl gefallen, wenn ich was „für andere“ tue, ich Dank aber auch gerne zurückweise – weil es mir ja auch was bringt, erst recht, wenn die uneigennützige Tätigkeit mit mehr als nur Dank durch andere belohnt wird.

Ich möchte anderen immer danken, ihren Uneigennutz würdigen, wenn sie was für mich tun oder ich sehe, dass sie was für Dritte tun. Selbst kommt mir solcher Dank überzogen vor, wenn ich ihn empfange. Offenbar ist die Antwort auf die Eingangsfrage für mich richtungsabhängig. Komisch, oder?

Wie sieht das bei Euch so aus?

Zu persönlich

Es ist gar nicht so einfach, die Dinge nicht zu persönlich zu nehmen. Kritik an dem, was man tut, wie man priorisiert, wie man bestimmte Dinge verstanden hat, projiziere ich meist zuerst auf mich selbst. Dann kommt der Moment, in dem ich es auf Kommunikation oder die Erwartungen der anderen schiebe. Erst zuletzt begreife ich, dass möglicherweise manchmal wirklich etwas da ist, was ich nicht beachtet habe, aber hätte wissen müssen – oder zumindest können. Oft sagen Menschen die Dinge einfach nochmal, und ich hatte sie zuvor aus verschiedenen Gründen nicht mitbekommen.

Tendenziell ist das Problem, dass jeder davon ausgeht, der andere habe ihn verstanden. Deswegen wartet man oft mit der Kritik, bis es einem stinkt, dass der andere nicht reagiert oder so anders arbeitet, als es richtig ist – oder wir es für richtig halten. Das kenne ich an mir. Zugleich kenne ich auch an mir, dass ich Kritik an meiner Vorgehensweise persönlich nehme. Da wurde mir (berechtigt, zumeist) etwas erklärt, vielleicht nebenbei, so dass ich es nicht ganz für voll nehme oder falsch verstehe. Und ich reagiere nicht darauf, weil es nicht oder anders bei mir angekommen ist. Der andere ist genervt und ich entwickle ein schlechtes Gewissen, statt mich konstruktiv damit auseinanderzusetzen und es einfach umzusetzen.

Ich nehme mir immer vor, Dinge nicht persönlich zu nehmen; weder, wenn jemand mich nicht verstanden hat, noch wenn ich jemanden nicht verstanden habe und der mir das zurechtrückt. Nur klappt’s mal besser, mal nicht so gut. Aber ich lerne. Stets, aber langsam.