Herbstlauf bei der TGÖ

Für mich war das heute gleich eine doppelte Premiere. Es war mein erster Solo-Lauf im Trikot der Sport Löwen Baden (nach meiner Teilnahme bei der Marathon-Staffel in Freiburg) und es war auch mein erster Fünf-Kilometer-Wettkampf. Aber der Reihe nach…

Ich unterhielt mich vor einigen Wochen im Lauftreff mit einem der Läufer und der sagte mir, dass einige aus dem Lauftreff lieber nicht beim Herbstlauf der Turngemeinde Ötigheim mitlaufen wollten, weil da ja Waldlauf-Meisterschaften mit seien und man so keine Chance habe. Also dachte ich, ich melde mich mal für den Fünfer an, der Zehner ist bestimmt in der Wertung. Alles Trugschlüsse! Es wurden ganze 15 Rennen in Ötigheim gestartet – zehn Läufe der Waldlaufmeisterschaften Baden-Württemberg und fünf Läufe des Herbstlaufs – 400, 600 und 800 Meter für die Kinder und Jugendlichen, und dann noch fünf und zehn Kilometer. Nach Ötigheim ist’s auch nicht weit, also lief ich dorthin, bereits in meinen Laufsachen, begleitet von meinem Mann auf dem Fahrrad. Bereits beim Abholen der Startnummer traf ich die ersten bekannten Gesichter, unter anderem von der LSG Karlsruhe. Über ein wenig Zusehen bei den letzten Läufen der Meisterschaften und den Bambini-Läufen hibbelte ich mich dem Start entgegen – um 14:30 ging es bei ruhigem, wechselnd bewölktem, aber weitgehend trockenem Herbstwetter los.

Der Herbst von seiner schönsten Seite in Ötigheim.

Am Anfang gingen alle ab wie Raketen – ich sortierte mich in der zweiten Gruppe ein, zwischen einigen Männern und einer weiteren Frau. Die Spitzengruppe von drei oder vier Männern hatte sich bereits früh weit abgesetzt. Ich merkte, ich war schnell unterwegs – vielleicht zu schnell. Es war super-anstrengend, und ich fragte mich, ob ich das durchhalten würde. Zudem war zu meiner Irritation am Wegesrand noch eine andere Kilometrierung angebracht, die mir bei 2,5 Kilometern auf meiner Uhr bereits drei, bei 3,5 Kilometern auf meiner Uhr bereits vier Kilometer anzeigte. Das Neuner-Schild für den Zehn-Kilometer-Hauptlauf stimmte dann wieder exakt mit meiner GPS-Messung überein, und ich sah: Unter 20 Minuten sind nicht nur möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich – auch wenn mir langsam die Puste ausging.

Im Stadion, auf den letzten 250 Metern, setzte sich dann die andere Frau der Gruppe neben mich. Sie bot mir an, es mit mir zu Ende zu laufen, auch wenn sie merklich noch mehr Puste hatte. Aber ich wollte ihre Zeit nicht verderben. Ich sagte ihr, sie solle laufen und es gewinnen – und das tat sie dann auch. Ich war also wieder Zweite. Da ich noch keinen Fünfer gelaufen bin, war es natürlich ein Personal Best – aber WAS für eines! 19:18 laut meiner Messung, offizielle Zeitmessung auf der Urkunde 19:16! Etwas mehr als 3:51 pro Kilometer!

Ein wenig angestrengt sehe ich aber durchaus aus…

Wir gratulierten einander, also die Siegerin und ich, dann kamen andere dazu. Offenbar waren viele beeindruckt! Die Ergebnisliste als Aushang habe ich nicht gecheckt, und die finalen Ergebnisse sind noch nicht online, aber ich dürfte auch insgesamt, geschlechtsunabhängig in oder nah an den Top Ten des Laufes gewesen sein. Nachdem ich mit Tee gut eingedeckt war, holte ich mir noch einen Kaffee und genoß den sympathisch und gut organisierten Lauf, wir wechselten dann nach dem Start des Zehners hinüber ins Geschwister-Scholl-Haus, wo bei „Worschtweck“, wie ich das sagen würde, Kuchen, Kaffee und Getränken die Siegerehrungen liefen.

Interessanterweise saß mir, ohne dass ich es richtig realisierte, die im Teenie-Alter befindliche Dritte des Fünfers direkt gegenüber. Die junge Dame ist mit unter 21 Minuten hereingekommen und wenn sie weiterhin Lust auf’s Laufen hat, wird sie mindestens lokal noch viele Erfolge erlaufen, glaube ich. Einen Stuhl weiter saß dann später die Siegerin, die es jedoch nicht auf die Siegerehrung schaffte.

Platz 2 und 3 des Fünfers – meine Wenigkeit und eine beeindruckende junge Dame, jeweils mit Obstschale als Preis.

Einen Riesenspaß hat’s gemacht, da die Ötigheimer das auch super organisiert haben. Auch wenn ich ein bisschen drum trauere, dass ich beim Waldhägenichlauf in Bühl nicht mit dem Löwenrudel mitlaufen konnte, weil wir da in Frankfurt waren, in Ötigheim mitzulaufen hat sich auf jeden Fall gelohnt.

BÖSE-Lauf

Was ist ein „BÖSE“-Lauf, werdet Ihr jetzt fragen. Müsste es nicht eigentlich heißen: „böser Lauf“?

Nein. Müsste es nicht. Analog zum „MÖBS“-Radweg, der Muggensturm, Ötigheim, Bietigheim und Steinmauern in einem Rundkurs verbindet, verbindet der BÖSE-Lauf Bietigheim, Ötigheim, Steinmauern und Elchesheim. Einen solchen habe ich soeben mal wieder absolviert – das erste Mal dieses Jahr, ich glaube sogar erstmals seit 2014. Böse ist der Lauf auch nicht – er streift oder durchquert die vier genannten Orte und endet wieder in Bietigheim – geht also von meiner Tür bis wieder zu meiner Haustür. Vierzehn Kilometer sind’s, wenn mich nicht der Übermut reitet, noch etwas dranzuhängen. Das ist heute geschehen – als ich vom Wasserwerk aus wieder auf den letzten 2,5km zurück nach Hause war, merkte ich, dass ich noch weiter laufen wollte. Also drehte ich noch eine Runde zum Handballverein, zur Kirche und dann über den städtischen Bauhof zurück, damit wurden 16,5km aus den 14 der „puren“ BÖSE-Tour.

Auf dem Lauf wurden Erinnerungen wach. Ich kam endlich mal wieder an der Stelle vorbei, wo ich im Jahr 2009 oder 2010 das erste Mal eine längere Strecke in meinem damals noch neuen (bzw. wenn’s 2009 war sogar noch zukünftigen) Wohnort lief und mich prompt verlaufen hatte. Damals gewann ich den Eindruck, dass alle Wege nach Steinmauern führen – beim ersten Mal verlaufen landete ich an der Weggabelung, über die ich heute Steinmauern verlassen habe – nur eben von der dritten Richtung aus, die ich heute ignoriert habe. Dort traf ich damals zwei Frauen, die ihre Hunde ausführten, und musste erstmal fragen: „Welcher Ort ist das? Wie komme ich zurück nach Bietigheim?“ Später habe ich mich noch mehrfach verlaufen – von Ötigheim aus war mein Ziel Elchesheim – ich landete in Steinmauern. Von Bietigheim wollte ich nach Elchesheim – Steinmauern. Einmal wollte ich von Steinmauern eine neue Strecke nach Hause laufen – Steinmauern! Es war immer diese Weggabelung. Nun bin ich diese Weggabelung aus Richtung Bietigheim seit Jahren nicht mehr angelaufen, sondern immer aus dem Ort, also aus Steinmauern gekommen und dann Richtung Elchesheim weitergelaufen – erfolgreich, übrigens, denn ich kam danach wirklich in Elchesheim durch.

Auf dem Weg von Steinmauern nach Elchesheim liegt auch jene kleine Wald-Strecke, sehr gerade, mit weichem Untergrund in der Mitte zwischen den Reifenspuren, auf der ich das erste Mal stärker aus dem Sprunggelenk abspringen übte, damals noch auf meinen alten Asics-Schuhen, die ich seit Jahren nicht mehr anhatte. Inzwischen laufe ich meine Fivefingers und meine Mizuno Waves und bin immer stärker aus dem Sprunggelenk am Laufen, was effizienter und schneller ist. Aber damals habe ich – dank untrainierter entsprechender Muskeln – auf genau dieser Strecke das erste Mal 150 Schritte in dem Laufstil absolviert, der heute mein Standard ist.

Dann kam ich auch an jenem Haus vorbei, das mal meine Rettung war. In Elchesheim, kurz vor dem Tennisplatz, wurde ich mal gerettet. Das kam so: Als ich nach Elchesheim reinlief, aus Richtung Steinmauern, begann es: Darmkrämpfe. Der Puls ging durch die Decke, ich fühlte mich mies. Etwas später ging es wieder. Fünfhundert Meter weiter dasselbe nochmal. Und dann, kurz vor dem Tennisplatz, ging es nicht weiter. Wirklich gar nicht. Es krampfte. Die Leute, die auf dem Hof dort grillten, boten mir an, bei ihnen auf die Toilette zu gehen – und ich schlug ein. Danach ging es mir gut und ich bin danach noch acht Kilometer gelaufen. Diese freundlichen Leute grüßten mich heute wieder von ihrer Terrasse aus. Ob sie sich an mich erinnern, habe ich aber nicht gefragt. Ich habe dieses Haus und seine Bewohner aber in guter Erinnerung.

Es ist schön, spürbar aus dem Schatten meines bisher besten Laufjahres, nämlich 2014, herauszutreten. Es ist schön, all die Erinnerungen auf der BÖSE-Tour wiederzufinden und vielleicht bald neue, hoffentlich nur positive, zu erzeugen.