USSyRI – Firstlight

Heute nach der Arbeit war ich so im Baufieber, dass ich nicht laufen gegangen bin. Nun ja, da ich langsam wieder aufbaue und gestern und auch vorgestern jeweils deutlich über 40 Kilometer Rad zum Büro und zurück gefahren bin, war das vielleicht gar nicht unvernünftig. Der Grund war aber nicht die Vernunft, sondern Baufieber!

Hier ist das Ergebnis: Die Experimentierhütte der Synchrotron-Strahlenquelle USSyRI. Ich habe sie nicht nur aufgebaut in der neuen Form, sondern auch schon die Leuchten installiert.

Natürlich ging es nicht ohne einen Lichttest ab. In der Hütte gibt es zwei Leucht-Systeme: Das eine stellt die Beleuchtung des Raumes für die Experimentatoren dar, damit sie sehen was sie tun. Das andere… nun, das soll in Zukunft vom Geräusch der umlaufenden Kugeln gesteuert pulsieren, für den Moment habe ich es aber nur im Dauerbetrieb getestet. Hier beleuchtet ein Leuchtstein das zu untersuchende Objekt von unten durch ein Loch in einer Lego-Platte quasi von innen heraus… klingt abstrakt? Hier sind Bilder!

Leider schließt das Dach von USSyRI – nicht wegen der Kabelführung, sondern wegen etwas Härte in den Klapp-Platten – nicht ganz dicht. Aber damit kann ich leben!

Überlegungen…

Mein Projekt LAToyA CoRE, der Lego-Teilchenbeschleuniger mit vier Experimenten und einer Therapie-Einrichtung, nimmt ja allmählich Gestalt an. Freilich ist der Kern des Ganzen immer noch der Lego-Teilchenbeschleuniger von JK Brickworks. Allerdings ist die Erweiterung auf zwei gegenläufige Ringe, der Aufbau von Erweiterungen, die Physik-Experimenten nachempfunden sind, die Ergänzung eines Ionentherapiesystems… das ist natürlich noch etwas ganz eigenes.

Mehrfach bin ich nun schon gefragt worden, ob ich Bilder von der fertigen Anlage und Videos vom Betrieb machen und dem jeweils Fragenden verlinken/schicken würde. Klar, mache ich gerne. Eine Frage bildet sich aber auch zunehmend heraus: Die Frage, ob an LAToyA CoRE vielleicht nicht nur spielerisch Begeisterung für Beschleunigerphysik geweckt werden kann, sondern vielleicht auch die Maschine als Vehikel für die Erklärung berühmter oder wichtiger Experimente dienen kann.

Es ist natürlich schwierig – mit den Bällen im Ring und den optisch realen Detektoren nachempfundenen Experimenten kann man zwar gewisse Elemente zeigen, aber anderes fehlt. Dennoch bin ich natürlich Feuer und Flamme für die Idee. Allerdings wird es natürlich schwierig – vermutlich werde ich zusätzlich zu Bildern und Videos der Anlage noch andere Erklärung-Mechaniken erfinden müssen, um das Ganze passend zu LAToyA CoRE zu illustrieren. Ob ich das umgesetzt bekomme – keine Ahnung. Aber es wäre schon was, solche Meilensteine wie die Entdeckung des Higgs-Teilchens, die Idee hinter er Präzisionsmessung von CP-Verletzung am B-Mesonen-System, die Idee von Transmutation mit beschleuniger-getriebenen Systemen oder die Nutzung von Synchrotron-Strahlung für die Forschung zu erläutern. Wobei ich wahrscheinlich mit der Entstehung von Synchrotron-Strahlung, mit der Idee hinter der Funktion eines Synchrotrons, mit der Art, wie man Signaturen zu entdeckender Teilchen aus dem Wust an Signalen filtert, die bei der Kollision vieler Protonen (wie am LHC) oder Protonen und Antiprotonen (wie am Tevatron) herausfiltert.

Aber eine Idee wäre es sicher, und bestimmt auch eine, an der ich Spaß hätte – vielleicht sogar eine, an der andere Leute Spaß hätten. Deswegen überlege ich das hier auch „laut“, obwohl ich weiß, dass ich es schwierig finden und höchstens sehr langsam umsetzen können werde. Ein paar Sachen habe ich auch so lange nicht mehr „richtig“ physikalisch betrachtet, dass ich sie erstmal wieder angucken muss, bevor ich sie halbwegs gut und fachlich richtig, aber in Nicht-Physiker-Sprech erklären kann. Wir werden sehen.

Eine Idee wäre auf jeden Fall schon einmal, auf LAToyA CoREs einzelne Komponenten jeweils einzugehen und mit gezeichneten Bildern und einer gesprochenen Erklärung ein paar Dinge zu erklären. Ob ich Stop-Motion-Teilchenreaktionen mit Lego-Tiles und Lego-Plates auf einer Grundfläche hinbekomme, darüber will ich gar nicht spekulieren – denn es ist auch immer eine Frage der Kraft, die man da rein investieren kann. Das habe ich in den letzten Wochen im Kranksein recht deutlich gemerkt.

LAToyA CoRE dafür einzusetzen, die Freude an und das Verständnis von Physik zu verbreiten, das reizt mich aber dennoch. Ich bin gespannt, was ich irgendwann draus mache, wenn ich das Ding aufgebaut und erstmal die grundlegenden Funktionen getestet und in Videos gezeigt habe. Man wächst ja auch mit dem Fortschritt eines Projektes.

Außer Betrieb für Erweiterung!

Der Lego Assembled Toy Accelerator „LAToyA“ ist derzeit wegen Bauarbeiten zur Erweiterung außer Betrieb. Aktuell wurde die Baustelle eingerichtet, der Vorbeschleuniger für das Upgrade demontiert. So langsam trudeln auch die Lieferungen der Bauteile ein – die allermeisten Bauteile, die ich für die gegenläufige Erweiterung und die Experimente verwenden werde, sind gebrauchte Lego-Teile, die ich über Bricklink beziehe. Kaum eines der Teile kommt „neu“ ins Haus, zumal die gebrauchten genauso gut und zudem günstiger sind. Allerdings ist durch die Menge ungewöhnlicher Teile notwendig, von mehreren Verkäufern Teile zu beziehen.

Was mich ein bisschen verblüfft hat, war die Tatsache, dass an einen blauen Technic-Stein, 1×2 Noppen, normale Höhe, aber zwei Löchern statt nur einem für Achsen oder Pins, nur äußerst schwer heranzukommen war. Auch 1×1-Steine in durchsichtigem Rot sind derzeit in Deutschland entweder nur in kleinen Mengen bei unterschiedlichen Shops oder ziemlich teuer zu bekommen. So werden es doch ein paar mehr Sendungen, als ich mir das eigentlich gewünscht hätte. Aber es kommt zusammen – die ersten Pakete sind angekommen, auf Vollständigkeit geprüft, die Verkäufer haben ihr positives Feedback bekommen und nun harre ich der restlichen Sendungen.

Die Baustelle – Teile für die Experimente und Erweiterungen stapeln sich bereits, aber da kommt noch eine Menge mehr. Im Vordergrund der bereits zusammengebaute Transmutations-Forschungsreaktor FaNTASy und das Betriebsbuch.

Bis jetzt lief die Teilebeschaffung sehr gut – Fehler gab’s so gut wie keine in den Sendungen, die Verkäufer haben schnell versandt. Als Unterlage der Baustelle fungiert bereits jetzt die blaue Acrylglasplatte, die ich für den Beschleuniger beschafft habe – denn: Als ich mein geplantes Projekt im Programm Studio mal vermaß, musste ich feststellen, dass es 120 Zentimeter breit und über einen Meter lang ist! Unser Tisch misst aber nur 95 Zentimeter in der Breite. Also musste ich aufstocken.

In Zahlen: Der fertige Beschleuniger mit allen Experimenten wird 120 Zentimeter breit, 105 Zentimeter lang und 25 Zentimeter hoch sein. Das Gewicht liegt nach der Prognose von Studio bei etwa sechs Kilogramm, es sind zwischen 5000 und 6000 Teile, die in der Maschine stecken. Verbaut sind dann zwei 9V-Motoren, eine normale und eine regelbare Akku-Box, mehr als 100 Bauteile von STAX für Beleuchtung und andere Gimmicks. Vom 1×1 Plates und 1×1 Tiles bis hin zu 16×8 Plates und den großen 6×6 Panels als Scheiben sind diverse Größen dabei.

Auch wenn ich als Kind mit umfangreich zusammengeworfenen Lego-Space-Sets aus klassischen Serien, den beiden Blacktron- und den beiden ersten Space-Police-Generationen sowie M-Tron und der ersten Monorail aus den Achtzigern in der Mitte meines Zimmers auf 6×3 Grundplatten viel gebaut habe, bin ich fest davon überzeugt, dass LAToyA CoRE mit seinen fünf Experimenten und drei Service-Einrichtungen das größte Lego-Projekt ist, mit dem ich mich jemals befasst habe.

Druckwasserreaktor

Nachdem ich Anfang der Woche meine (erste) neue Kaffeemühle bekam und gestern die neue Kaffeemaschine, die ich dann direkt aufbaute, konnte ich heute schon ein bisschen testen. Zudem kam heute die zweite Mühle und der zweite Siebhalter mit den zwei Ausläufen für zwei Tassen.

Finaler Aufbau.

Einerseits stellte ich fest, dass bei der „Baronessa“ Siebeinsätze nicht nur für eine und für zwei Tassen (aber nur ein Siebhalter, der mit einem Auslauf) dabei war, sondern eben auch zwei verschiedene Siebeinsätze für jede Größe: je ein einwandiger und ein doppelwandiger. Das Handbuch erklärte, dass die doppelwandigen Einsätze deutlich leichter zu handhaben seien. Trotz meiner Sorge gestern versuchte ich mich gleich mal an den einwandigen, den „richtigen“ Einsätzen. Im ersten Anlauf war die Mahlung noch etwas zu grob und der Anpressdruck beim „Tampering“ des Pulvers zu gering – resultierend in zu geringem Druck beim Brühen und damit verbunden einem Unterbrühen. Die zweite Tasse war dann fast schon gut – danach kamen aber zwei, bei denen ich überkompensiert hatte: Zu fein gemahlen und zu stark angedrückt.

Inzwischen habe ich den Bogen einigermaßen raus, die zweite Mühle aufgestellt und über die fünf Tassen, die ich in meinen heutigen Versuchen bereitet habe, eindeutig festgestellt, dass die Maschine nicht nur klasse aussieht, sondern auch hervorragenden Espresso macht. Ich hole viel mehr vom Aroma der Bohnen heraus, würzig, mit leicht schokoladigem Nachgeschmack bei meiner Lieblingsbohne. Die andere Bohnensorte, auf dem Bild in der rechten der beiden Mühlen, werde ich morgen mal antesten.

Nun ist der Aufbau, in dem ich die beiden Mühlen neben der Maschine aufgestellt habe, nicht nur praktisch, sondern auch eine Anspielung. Mit der Maschine in der Mitte (Druck, Hitze…) und den Mühlen daneben sieht das Ganze ein bisschen aus wie ein Druckwasserreaktor mit Reaktordruckbehälter in der Mitte und Dampferzeugern daneben – auch wenn die Dampferzeuger über den Druckbehälter hinausragen und die Funktionen natürlich andere sind. Aber wo die Analogie in Funktion und Optik zu wünschen übrig lässt, ist zumindest Hitze und Druck in der Mitte etwas, das beiden gemein ist – nur dass bei der Baronessa der Druck bis 16 bar und die Temperatur bis 88° bis 96° Celsius beträgt, während der Druckwasserreaktor mit 160 bar und bis 330° Celsius aufwartet – gleich ist aber, dass das Wasser unter Druck steht und flüssig bleibt. Wer’s genauer wissen will, kann den Druckwasserreaktor ja z.B. auf Wikipedia nachgucken.

Challenge accepted

Mein Mann und ich schauen derzeit die Serie „Friends“. In der letzten Folge, die wir angesehen haben, bürdete Chandler den anderen ein Spiel auf: Sie sollten in sechs Minuten alle Bundesstaaten der USA aufschreiben. Aus irgendwelchen Gründen waren sie der Ansicht, es seien 51 – oder Chandler hat sie damit getrollt, ihnen zu erzählen, es seien nicht 50, sondern 51.

Unabhängig davon fühlte ich mich davon herausgefordert. Meine Mutter und ich spielten in meiner Kindheit gelegentlich geographische Wissens-Spiele: Staaten, Hauptstädte, Bundesstaaten wurden einander zugeordnet, ich lernte das Zeug auswendig und freute mich wie ein kleines Kind, wenn ich alles beantworten konnte. Zum Beispiel war ich schrecklich stolz darauf, zu wissen, dass die Hauptstadt des Bundesstaates New York eben nicht New York City mit seinen fünf Bezirken (Manhattan aka New York County, Queens aka Queens County, Brooklyn aka Kings County, die Bronx aka Bronx County und Staten Island aka Richmond County) ist, sondern Albany weiter oben am Hudson River.

Also unterbrachen wir das Schauen der Folge, mein Mann startete die Stoppuhr und ich schrieb auf.

Das Ergebnis meines Versuchs.

44 Staaten schrieb ich – ohne Doppelnennungen, wenn ich mich nicht verguckt habe – binnen sechs Minuten auf. Einer (Idaho) kam mir noch direkt nach Ablauf der sechs Minuten, danach schaute ich die restlichen fünf nach. Vergessen habe ich Wisconsin, Minnesota, Kentucky, Oklahoma und Wyoming. Für ein ad hoc Experiment beim serienguckenden, späten Frühstück gar nicht mal sooo übel, finde ich, wenn ich das auch früher besser gekonnt hätte.

Dass mir, die ich doch eher geographisch denke, beim Nennen von Illinois und Michigan nicht auch noch Minnesota und Wisconsin in den Sinn kamen, genau wie eigentlich Kentucky als Nachbar von Ohio wie auch als Nachbar von Tennessee hätte fällig sein müssen, wundert mich ein bisschen. Aber es gab halt auch eine Zeitbegrenzung.

Nostalgie

Lang ist es her, dass ich…

Aber von vorne. Mein Mann und ich spielen immer wieder Single-Player-Spiele zusammen. Mal sitzt er am Rechner und ich daneben, mal umgekehrt. Wir machen das gemeinsam, beraten Entscheidungen und erlauben uns so, auch Geschichten gemeinsam zu erleben, die wir vielleicht wegen der Spielmechanik allein nicht hätten spielen mögen, aber die Geschichte zu schätzen wissen.

In diesem Zuge haben wir schon mehrere Final Fantasy Teile gespielt, zuletzt dann Thronebreaker aus dem Witcher-Universum… und nun haben wir ein uraltes Spiel angespielt. Ein wirklich URALTES. Es ist ein mehr als 20 Jahre altes Rundenstrategie-Spiel, das ein Ableger einer erfolgreichen Reihe war… aus dem Jahr 1999: Sid Meyer’s Alpha Centauri.

Wow, mögt Ihr jetzt sagen, einfach nur „Wow!“. Uralt, vielleicht nicht unbedingt so gut, wie man es hätte haben wollen, teils zu sehr wie Civilization 2, um der Brenner zu werden. Aber hey, das modulare Einheitensystem, das Politik-System, das SciFi-Thema, das hatte mich recht schnell. Dennoch habe ich – nach endlosen Runden Civ2 – irgendwie eine gewisse Sättigung erreicht gehabt, so dass ich Alpha Centauri nicht so mit mächtiger Sucht gespielt habe wie Civ2. Diese Sättigung ist aber um.

Und so war’s recht schnell um mich geschehen. Ich habe gestern (gefühlt noch am Nachmittag) mit Schrecken realisiert: „Boah, es ist ja schon halb acht, wir müssen uns mal um’s Essen kümmern!“ Oder eher: Mein Mann sagte das. Ich war noch voll dabei, mich darüber zu freuen, endlich mit der Erweiterung „Wohnkomplex“ für meine Basen größere Bevölkerungszahlen als Stufe 7 zu erreichen! Damit werden unsere Basen jetzt schneller Geheimprojekte abschließen, mehr Forschung erzeugen und den Grundstein für unsere technologische Überlegenheit legen. Zudem wird’s mit zunehmenden Techniken langsam wirklich interessant, Einheiten im Baukastensystem zu designen.

Wie habe ich das klassische Rundenstrategie-Civ der 90er vermisst, in isometrischen Rautenkarten statt Hex-Feldern! Alpha Centauri ist zwar farblich düsterer, aber implementiert mit dem Einheitensystem doch so manches, was ich mir in Civ2 immer gewünscht hatte! Außerdem bin ich begeistert davon, die Gaianer zu spielen, wie ich es damals auch getan habe. Das Streben nach dem Einklang mit der Centauri-Ökologie spricht mich einfach an. Und so belästigen wir unsere Gegner auch mit den Centauri-Einheimischen, die an unserer Seite kämpfen, neben den zunehmend teuren, aber mächtigen technologischen Einheiten, die unsere Gaianer zu ihrer Selbstverteidigung erstellen, während wir die anderen in vernichtenden Vendetten bekriegen und unseren eigenen Bereich konsequent aufbauen.

Ein Glück komme ich nur selten wieder auf solche alten Süchte zurück – das frisst Zeit ohne Ende, aber ich will es eigentlich gar nicht anders – für den Moment.

Zauber, Überzeugungskraft, Ungewissheit und verdammte Sturheit

Dies sind die vier Grundkräfte der Druiden der Scheibenwelt, so zitiert in „Das Licht der Magie“. Natürlich spielen diese auf die vier Grundkräfte der modernen Physik an: Elektromagnetismus, starke Wechselwirkung, schwache Wechselwirkung und Gravitation. Diese vier Grundkräfte, vermittelt durch Austauschteilchen (Photonen, Gluonen, W- und Z-Teilchen sowie die Gravitonen, wobei letztere ein eigenes Kapitel sind), erklären die gesamte Physik, wenn man es ein mit ein bisschen Zauber und Überzeugungskraft sieht und eine gewisse Ungewissheit in Kauf nimmt.

Vermutlich habe ich, ebenso wie mit den Clarke’schen Gesetzen, schonmal Blogbeiträge mit den druidischen Grundkräften der Scheibenwelt bestritten. Mir als Physikerin mit ein wenig Humor ist das Ganze natürlich sehr nahe. Allerdings lässt sich auch vieles im Leben mit den vier Grundkräften erklären – in der Physik eher mit den vieren der Physik, im sonstigen Leben… nun, da würde ich eher das druidische Quartett nehmen. So auch nun:

Wie gestern beschrieben, hatte ich ein kleines Malheur auf dem Weg zur Arbeit. Die Fahrradkette sprang, nach Erhöhung der Spannung des Zugs, hübsch hoch und runter auf den Kettenblättern – bis der Zug genug zog, um auf das vierte Kettenblatt zu schalten. Das vierte Kettenblatt? „Äh,“ sagte die Kette. „Da ist kein viertes Kettenblatt.“ Der Zug antwortete: „Ich war nur ein bisschen übereifrig, Du hast da einen Anschlag, da geht es nicht weiter. Der Umwerfer stoppt da schon, reg‘ Dich nicht auf, Kette.“ Daraufhin die Kette: „…“ Der Umwerfer: „Die Kette hat recht: Da ist kein Anschlag. Ähm – halt doch, da ist ein Anschlag! Kette, Stopp, da ist ein Anschlag.“ Die Kette: „Zu spät!“ Der Anschlag: „Leute, ich hab‘ mich getäuscht, ich dachte, da wäre ein viertes Kettenblatt, zumindest wurde ich so eingestellt.“ Alle zusammen: „Mist.“

Nun war für mich die Frage, nachdem ich mir die Finger an der Kette schwarz gemacht hatte, die Kette nicht zwischen Plastikschutzteil und großem Kettenblatt rausbekam und mein Fahrrad kilometerweit heimgeschoben hatte: Wie gehe ich damit um? Das ist gar nicht so einfach, denn nach gerade mal etwas mehr als zwei Monaten Radfahren, sich nur langsam und noch nicht nachhaltig aufbauender Sicherheit, wo ich zuvor 20 Jahre nicht gefahren war, ist die Situation schwierig. Ich wollte auf keinen Fall gleich wieder daran gewöhnt werden, nicht Rad zu fahren oder Angst davor zu haben. Ich wollte mich nicht daran gewöhnen, immer an die nächste Panne zu denken. Und eine Woche bis zum Werkstatttermin gar nicht Rad fahren wollte ich schon gar nicht, denn dann hätte ich bestimmt all diese Unsicherheiten und Ängste so RICHTIG an die Luft gelassen.

Der Zauber des Neuanfangs war also weg. Die Ungewissheit hatte übernommen. Wie also sollte ich zusammenhalten, was meine neue Identitätskomponente als „wiedergeborene Radfahrerin“ ist? Mit der Überzeugungskraft bei mir selbst hausieren zu gehen, das hat manchmal seine Probleme, insbesondere, wenn ich im (Grund-)Kraftregime der Ungewissheit bin. Gewissermaßen sind Überzeugungskraft und Ungewissheit ja Antagonisten, Zauber und verdammte Sturheit allerdings auch. Der Zauber ist weg, es lebe die verdammte Sturheit!

Die verdammte Sturheit ließ mich nicht akzeptieren, dass die Kette nunmal runtergesprungen war. Die verdammte Sturheit ließ mich gucken, welche Art von Werkzeug ich für den Plastikschutz am großen Kettenblatt brauche. Dann schraubte ich das Ding mit dem Kreuzschlitz-Schraubenzieher ab, hob die Kette auf’s große Blatt und schraubte das Ding wieder dran. Dasselbe Werkzeug ermöglichte mir, den Anschlag besser einzustellen und somit dem übermotivierten Schaltzug eine Begrenzung aufzubürden. Dass ich im Zuge der Versuche gleich auch noch bei der Zugspannung in die falsche Richtung drehte und erstmal nicht mehr auf das große Blatt schalten konnte (Im Regime der Ungewissheit!), überwand ich ebenfalls nicht mit Zauber, Überzeugungskraft oder Wissen, sondern mit (geringfügig mit von Manuel erlerntem Wissen unterfütterter) verdammter Sturheit! Dir zeig‘ ich’s, Schaltung! Wenn der Zauber aus ist, muss die verdammte Sturheit es richten. Nach Kettenfall um 7:30 saß ich gegen 13:00 wieder auf dem Rad und testete Einstellungen. Um 15:00 fuhr ich zusammen mit meinem Mann zum Einkaufen und danach machten wir noch eine kleine Tour. Und langsam setzte der Zauber wieder ein, verdammte Sturheit und später Zauber spülten die Ungewissheit, ob die Kette draufbleiben würde, aus meinem Geist. Dennoch brauchte ich heute morgen eine Mischung aus verdammter Sturheit und Überzeugungskraft, um der Ungewissheit Herrin zu werden und mich auf mein Fahrrad zu setzen. Als ich dann an der Würmersheimer Straße hinunterrollte in Richtung Weißenburger Straße, wo mir gestern beim Schalten die Kette runtersprang, fühlte ich den Umwerfer zittern, ebenso das Kettenblatt. Der Schaltungszug machte Entspannungsübungen, um bloß nicht wieder die Kette runterfallen zu lassen. Ich ließ meine Pfoten von der Schaltung, nachdem ich auf den vier Kilometern zuvor vorsichtig hoch- und runtergeschaltet hatte. Dann rollte ich um die Kurve, kam auf die Gerade am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium vorbei auf der Weißenburger Straße, schaltete hoch, und da…

Passierte nichts. Zumindest nichts Schlimmes. Ein bisschen schliff’s für einen Moment, weil der Zug eben vorsichtig eingestellt ist und daher spät schaltet, aber der Anschlag wirkte. Die Kette rutschte wieder, das fünfte Mal auf dieser Fahrt, auf das große Kettenblatt. Der Tretwiderstand stieg, ebenso das Tempo. Ein, zwei Autos überholten mich. Alles prächtig! Später, an der Steigung der Mühlburger Straße von der Grenzstraße hoch in Richtung Hautpstraße, schaltete ich erfolgreich runter auf’s kleine Blatt, danach wieder hoch auf’s mittlere, schließlich auf’s große – alles gut. Ich flog regelrecht dahin, auf dem Radweg zwischen Durmersheim und Mörsch! Herrlich, wenn auch saukalt! Der Zauber war da! Dann…

Krack. Geht nichts? Blick runter auf die Kette, angstvoll, Ungewissheit am Start. Oh, ich habe beim Bremsen ein zweites Mal den Runterschalter gezogen, ohne richtig zu treten, das mag die Kette nicht. Also wieder hoch auf’s mittlere Blatt geschaltet, die Kette schnurrte vom großen auf’s mittlere, alles ging wieder. Lektion: Beim Hochschalten feste ziehen, beim Runterschalten nur antippen. Beim Bremsen nicht aus Versehen nochmal runterschalten. Dann klappt das auch. Vielleicht bringt ein Werkstatttermin nächste Woche noch eine feinere Einstellung, aber bis auf weiteres hat die verdammte Sturheit den Zauber und die Überzeugungskraft zurückgebracht.

Ausbaubedürftig

Mein Nennbruder hat mir Light Stax geschenkt. Was Light Stax sind, fragt Ihr? Es sind mit Lego und anderen Klemmbausteinen kompatible Steinchen, die von einem USB-ladbaren Power-Brick mit Strom versorgt werden und durch LEDs in den Steinen leuchten.

Meine Light Stax, die ich von meinem Nennbruder bekommen habe.

Wo wir früher Licht durch 9-Volt-Blockbatterien in großen Kästen hatten, mit ganz spezifischen Steinen, auf denen die Lämpchen obenauf sitzen, kann man die Light Stax überall einbauen. Mehr noch: Der Power-Brick hat nicht nur die Optionen An und Aus, sondern auch akustisch ausgelöste Varianten, ein Blinken und ein Auf- und Abdimmen. Ausbaufähig sind nun aber nicht die Light Stax… sondern was ich damit tue.

Ich habe sie schon an meinem Beschleuniger angebracht. Nur in sehr spezifischen Positionen konnte ich das Ganze so einstellen, dass das Licht nur beim Vorbeirollen einer Kugel kurz durch den Lärm anging. Leider ist das Geräusch des Motors entsprechend laut, dass es sehr schwierig ist, die Light Stax am vom Motor abgewandten Teil des Rings nur vom Geräusch der rollenden Kugeln, nicht aber vom Geräusch des Motors ausgelöst werden. Ich experimentiere noch damit, das Ganze so einzustellen, dass ein netter Effekt mit einem Leuchten immer beim Vorbeirollen der Kugel eintritt und das zuverlässig. Vermutlich werde ich versuchen, das in den Detektor das AddOn zu integrieren – eine Chance wäre zum Beispiel, dass ein Teil des Detektors immer aufleuchtet, wenn eine Kugel durchrollt – und durch den Aufbau des Detektors als Tunnel wäre das Ganze gegen den Schall des Motors isoliert, die Kugel dagegen würde im Tunnel einen Heidenlärm machen – das Mikro müsste natürlich nach innen zeigen.

Allerdings werde ich das erst testen können, wenn ich die Teile für das AddOn bestellt habe. Die Alternative ist das Auf- und Abdimmen für das nächste Projekt zu nutzen – den Forschungsreaktor aus Lego, den ich derzeit plane, der aber ferne Zukunftsmusik ist. Es ist ganz schön krass, wie sehr mich der Beschleuniger und die Light Stax inspirieren!

Teilchenbeschleuniger

Immer wieder im Jahr 2019 zitierte ich Missy aus Dr. Who, also die weibliche Reinkarnation des Master. Sie äußert gegenüber dem Doctor, was sie sich wünscht… ein Pony und ein Teilchenbeschleuniger beschließen diese Liste. Da ich nicht reite, ist ein Pony für mich eher uninteressant, aber als Physikerin bin ich mit dem Teilchenbeschleuniger nun doch in Versuchung gewesen. Da ich immer wieder mit dem Teilchenbeschleuniger anfing, witzelten sie schon alle herum: Ich solle mir einen alten Röhrenfernseher schenken lassen, das ist immerhin ein Beschleuniger für Elektronen! Der hübscheste Vorschlag war allerdings die Zwille und ein Teller Puddingteilchen, von mir auch gerne als „eine Torte, ein Messer und ein Katapult“ variiert. Natürlich war meine Intention eine eher unrealistische Variante: ich wollte einen Linearbeschleuniger oder lieber noch ein Zyklotron, am liebsten jedoch ein Synchrotron!

Unrealistisch, sagt Ihr? Insbesondere Synchrotrons sind RIESIG (wie z.B. der KARA-Beschleuniger am KIT Campus Nord, der HERA-Beschleuniger an der GSI in Darmstadt oder gar der LHC am CERN), sagt Ihr? Ein Synchrotron passt nicht in unser Haus, sagt Ihr?

Ja. Ich sagte das auch. Ich hätte nicht falscher liegen können!

Ein Synchrotron! Ein Teilchenbeschleuniger!

Da ich ja weiß, dass Synchrotrons in aller Regel Großbeschleuniger sind, mit langer Bauphase und (in Deutschland) der Notwendigkeit einer Errichtungsgenehmigung nach § 10 des Strahlenschutzgesetzes, bin ich ganz froh, dass ich die dafür benötigten Teile Stück für Stück bekam – denn der Teilchenbeschleuniger ist das, was ich aus meinem Geburtstagskalender zusammenbauen durfte. Sprich: Die Phase, in der die Bauteile gesammelt wurden, dauerte 24 Tage. Am Heiligabend um Mitternacht erhielt ich dann in Form eines Ordners die Aufbauanleitung und damit die Errichtungs- und Betriebsgenehmigung!

Hier seht Ihr auf dem Youtube-Kanal meines Mannes und Mitautors Holger, wie der Teilchenbeschleuniger im Detail aussieht und wie er funktioniert. Video und Bilder gemacht von Holger Stahlmann.

Bis jetzt sind wir im Testbetrieb. Ein zusätzlicher Vorbeschleuniger mit Teilcheninjektor, ein Collider mit Detektoren und eine anstelle eines der Ablenkmagneten anzusetzende Synchrotron-Strahlungs-Beamline mit Experimentierhütte sind derzeit in Stud.IO in Planung.

Woohoo! Ein Teilchenbeschleuniger!