Challenge accepted

Mein Mann und ich schauen derzeit die Serie „Friends“. In der letzten Folge, die wir angesehen haben, bürdete Chandler den anderen ein Spiel auf: Sie sollten in sechs Minuten alle Bundesstaaten der USA aufschreiben. Aus irgendwelchen Gründen waren sie der Ansicht, es seien 51 – oder Chandler hat sie damit getrollt, ihnen zu erzählen, es seien nicht 50, sondern 51.

Unabhängig davon fühlte ich mich davon herausgefordert. Meine Mutter und ich spielten in meiner Kindheit gelegentlich geographische Wissens-Spiele: Staaten, Hauptstädte, Bundesstaaten wurden einander zugeordnet, ich lernte das Zeug auswendig und freute mich wie ein kleines Kind, wenn ich alles beantworten konnte. Zum Beispiel war ich schrecklich stolz darauf, zu wissen, dass die Hauptstadt des Bundesstaates New York eben nicht New York City mit seinen fünf Bezirken (Manhattan aka New York County, Queens aka Queens County, Brooklyn aka Kings County, die Bronx aka Bronx County und Staten Island aka Richmond County) ist, sondern Albany weiter oben am Hudson River.

Also unterbrachen wir das Schauen der Folge, mein Mann startete die Stoppuhr und ich schrieb auf.

Das Ergebnis meines Versuchs.

44 Staaten schrieb ich – ohne Doppelnennungen, wenn ich mich nicht verguckt habe – binnen sechs Minuten auf. Einer (Idaho) kam mir noch direkt nach Ablauf der sechs Minuten, danach schaute ich die restlichen fünf nach. Vergessen habe ich Wisconsin, Minnesota, Kentucky, Oklahoma und Wyoming. Für ein ad hoc Experiment beim serienguckenden, späten Frühstück gar nicht mal sooo übel, finde ich, wenn ich das auch früher besser gekonnt hätte.

Dass mir, die ich doch eher geographisch denke, beim Nennen von Illinois und Michigan nicht auch noch Minnesota und Wisconsin in den Sinn kamen, genau wie eigentlich Kentucky als Nachbar von Ohio wie auch als Nachbar von Tennessee hätte fällig sein müssen, wundert mich ein bisschen. Aber es gab halt auch eine Zeitbegrenzung.

Nostalgie

Lang ist es her, dass ich…

Aber von vorne. Mein Mann und ich spielen immer wieder Single-Player-Spiele zusammen. Mal sitzt er am Rechner und ich daneben, mal umgekehrt. Wir machen das gemeinsam, beraten Entscheidungen und erlauben uns so, auch Geschichten gemeinsam zu erleben, die wir vielleicht wegen der Spielmechanik allein nicht hätten spielen mögen, aber die Geschichte zu schätzen wissen.

In diesem Zuge haben wir schon mehrere Final Fantasy Teile gespielt, zuletzt dann Thronebreaker aus dem Witcher-Universum… und nun haben wir ein uraltes Spiel angespielt. Ein wirklich URALTES. Es ist ein mehr als 20 Jahre altes Rundenstrategie-Spiel, das ein Ableger einer erfolgreichen Reihe war… aus dem Jahr 1999: Sid Meyer’s Alpha Centauri.

Wow, mögt Ihr jetzt sagen, einfach nur „Wow!“. Uralt, vielleicht nicht unbedingt so gut, wie man es hätte haben wollen, teils zu sehr wie Civilization 2, um der Brenner zu werden. Aber hey, das modulare Einheitensystem, das Politik-System, das SciFi-Thema, das hatte mich recht schnell. Dennoch habe ich – nach endlosen Runden Civ2 – irgendwie eine gewisse Sättigung erreicht gehabt, so dass ich Alpha Centauri nicht so mit mächtiger Sucht gespielt habe wie Civ2. Diese Sättigung ist aber um.

Und so war’s recht schnell um mich geschehen. Ich habe gestern (gefühlt noch am Nachmittag) mit Schrecken realisiert: „Boah, es ist ja schon halb acht, wir müssen uns mal um’s Essen kümmern!“ Oder eher: Mein Mann sagte das. Ich war noch voll dabei, mich darüber zu freuen, endlich mit der Erweiterung „Wohnkomplex“ für meine Basen größere Bevölkerungszahlen als Stufe 7 zu erreichen! Damit werden unsere Basen jetzt schneller Geheimprojekte abschließen, mehr Forschung erzeugen und den Grundstein für unsere technologische Überlegenheit legen. Zudem wird’s mit zunehmenden Techniken langsam wirklich interessant, Einheiten im Baukastensystem zu designen.

Wie habe ich das klassische Rundenstrategie-Civ der 90er vermisst, in isometrischen Rautenkarten statt Hex-Feldern! Alpha Centauri ist zwar farblich düsterer, aber implementiert mit dem Einheitensystem doch so manches, was ich mir in Civ2 immer gewünscht hatte! Außerdem bin ich begeistert davon, die Gaianer zu spielen, wie ich es damals auch getan habe. Das Streben nach dem Einklang mit der Centauri-Ökologie spricht mich einfach an. Und so belästigen wir unsere Gegner auch mit den Centauri-Einheimischen, die an unserer Seite kämpfen, neben den zunehmend teuren, aber mächtigen technologischen Einheiten, die unsere Gaianer zu ihrer Selbstverteidigung erstellen, während wir die anderen in vernichtenden Vendetten bekriegen und unseren eigenen Bereich konsequent aufbauen.

Ein Glück komme ich nur selten wieder auf solche alten Süchte zurück – das frisst Zeit ohne Ende, aber ich will es eigentlich gar nicht anders – für den Moment.

Zauber, Überzeugungskraft, Ungewissheit und verdammte Sturheit

Dies sind die vier Grundkräfte der Druiden der Scheibenwelt, so zitiert in „Das Licht der Magie“. Natürlich spielen diese auf die vier Grundkräfte der modernen Physik an: Elektromagnetismus, starke Wechselwirkung, schwache Wechselwirkung und Gravitation. Diese vier Grundkräfte, vermittelt durch Austauschteilchen (Photonen, Gluonen, W- und Z-Teilchen sowie die Gravitonen, wobei letztere ein eigenes Kapitel sind), erklären die gesamte Physik, wenn man es ein mit ein bisschen Zauber und Überzeugungskraft sieht und eine gewisse Ungewissheit in Kauf nimmt.

Vermutlich habe ich, ebenso wie mit den Clarke’schen Gesetzen, schonmal Blogbeiträge mit den druidischen Grundkräften der Scheibenwelt bestritten. Mir als Physikerin mit ein wenig Humor ist das Ganze natürlich sehr nahe. Allerdings lässt sich auch vieles im Leben mit den vier Grundkräften erklären – in der Physik eher mit den vieren der Physik, im sonstigen Leben… nun, da würde ich eher das druidische Quartett nehmen. So auch nun:

Wie gestern beschrieben, hatte ich ein kleines Malheur auf dem Weg zur Arbeit. Die Fahrradkette sprang, nach Erhöhung der Spannung des Zugs, hübsch hoch und runter auf den Kettenblättern – bis der Zug genug zog, um auf das vierte Kettenblatt zu schalten. Das vierte Kettenblatt? „Äh,“ sagte die Kette. „Da ist kein viertes Kettenblatt.“ Der Zug antwortete: „Ich war nur ein bisschen übereifrig, Du hast da einen Anschlag, da geht es nicht weiter. Der Umwerfer stoppt da schon, reg‘ Dich nicht auf, Kette.“ Daraufhin die Kette: „…“ Der Umwerfer: „Die Kette hat recht: Da ist kein Anschlag. Ähm – halt doch, da ist ein Anschlag! Kette, Stopp, da ist ein Anschlag.“ Die Kette: „Zu spät!“ Der Anschlag: „Leute, ich hab‘ mich getäuscht, ich dachte, da wäre ein viertes Kettenblatt, zumindest wurde ich so eingestellt.“ Alle zusammen: „Mist.“

Nun war für mich die Frage, nachdem ich mir die Finger an der Kette schwarz gemacht hatte, die Kette nicht zwischen Plastikschutzteil und großem Kettenblatt rausbekam und mein Fahrrad kilometerweit heimgeschoben hatte: Wie gehe ich damit um? Das ist gar nicht so einfach, denn nach gerade mal etwas mehr als zwei Monaten Radfahren, sich nur langsam und noch nicht nachhaltig aufbauender Sicherheit, wo ich zuvor 20 Jahre nicht gefahren war, ist die Situation schwierig. Ich wollte auf keinen Fall gleich wieder daran gewöhnt werden, nicht Rad zu fahren oder Angst davor zu haben. Ich wollte mich nicht daran gewöhnen, immer an die nächste Panne zu denken. Und eine Woche bis zum Werkstatttermin gar nicht Rad fahren wollte ich schon gar nicht, denn dann hätte ich bestimmt all diese Unsicherheiten und Ängste so RICHTIG an die Luft gelassen.

Der Zauber des Neuanfangs war also weg. Die Ungewissheit hatte übernommen. Wie also sollte ich zusammenhalten, was meine neue Identitätskomponente als „wiedergeborene Radfahrerin“ ist? Mit der Überzeugungskraft bei mir selbst hausieren zu gehen, das hat manchmal seine Probleme, insbesondere, wenn ich im (Grund-)Kraftregime der Ungewissheit bin. Gewissermaßen sind Überzeugungskraft und Ungewissheit ja Antagonisten, Zauber und verdammte Sturheit allerdings auch. Der Zauber ist weg, es lebe die verdammte Sturheit!

Die verdammte Sturheit ließ mich nicht akzeptieren, dass die Kette nunmal runtergesprungen war. Die verdammte Sturheit ließ mich gucken, welche Art von Werkzeug ich für den Plastikschutz am großen Kettenblatt brauche. Dann schraubte ich das Ding mit dem Kreuzschlitz-Schraubenzieher ab, hob die Kette auf’s große Blatt und schraubte das Ding wieder dran. Dasselbe Werkzeug ermöglichte mir, den Anschlag besser einzustellen und somit dem übermotivierten Schaltzug eine Begrenzung aufzubürden. Dass ich im Zuge der Versuche gleich auch noch bei der Zugspannung in die falsche Richtung drehte und erstmal nicht mehr auf das große Blatt schalten konnte (Im Regime der Ungewissheit!), überwand ich ebenfalls nicht mit Zauber, Überzeugungskraft oder Wissen, sondern mit (geringfügig mit von Manuel erlerntem Wissen unterfütterter) verdammter Sturheit! Dir zeig‘ ich’s, Schaltung! Wenn der Zauber aus ist, muss die verdammte Sturheit es richten. Nach Kettenfall um 7:30 saß ich gegen 13:00 wieder auf dem Rad und testete Einstellungen. Um 15:00 fuhr ich zusammen mit meinem Mann zum Einkaufen und danach machten wir noch eine kleine Tour. Und langsam setzte der Zauber wieder ein, verdammte Sturheit und später Zauber spülten die Ungewissheit, ob die Kette draufbleiben würde, aus meinem Geist. Dennoch brauchte ich heute morgen eine Mischung aus verdammter Sturheit und Überzeugungskraft, um der Ungewissheit Herrin zu werden und mich auf mein Fahrrad zu setzen. Als ich dann an der Würmersheimer Straße hinunterrollte in Richtung Weißenburger Straße, wo mir gestern beim Schalten die Kette runtersprang, fühlte ich den Umwerfer zittern, ebenso das Kettenblatt. Der Schaltungszug machte Entspannungsübungen, um bloß nicht wieder die Kette runterfallen zu lassen. Ich ließ meine Pfoten von der Schaltung, nachdem ich auf den vier Kilometern zuvor vorsichtig hoch- und runtergeschaltet hatte. Dann rollte ich um die Kurve, kam auf die Gerade am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium vorbei auf der Weißenburger Straße, schaltete hoch, und da…

Passierte nichts. Zumindest nichts Schlimmes. Ein bisschen schliff’s für einen Moment, weil der Zug eben vorsichtig eingestellt ist und daher spät schaltet, aber der Anschlag wirkte. Die Kette rutschte wieder, das fünfte Mal auf dieser Fahrt, auf das große Kettenblatt. Der Tretwiderstand stieg, ebenso das Tempo. Ein, zwei Autos überholten mich. Alles prächtig! Später, an der Steigung der Mühlburger Straße von der Grenzstraße hoch in Richtung Hautpstraße, schaltete ich erfolgreich runter auf’s kleine Blatt, danach wieder hoch auf’s mittlere, schließlich auf’s große – alles gut. Ich flog regelrecht dahin, auf dem Radweg zwischen Durmersheim und Mörsch! Herrlich, wenn auch saukalt! Der Zauber war da! Dann…

Krack. Geht nichts? Blick runter auf die Kette, angstvoll, Ungewissheit am Start. Oh, ich habe beim Bremsen ein zweites Mal den Runterschalter gezogen, ohne richtig zu treten, das mag die Kette nicht. Also wieder hoch auf’s mittlere Blatt geschaltet, die Kette schnurrte vom großen auf’s mittlere, alles ging wieder. Lektion: Beim Hochschalten feste ziehen, beim Runterschalten nur antippen. Beim Bremsen nicht aus Versehen nochmal runterschalten. Dann klappt das auch. Vielleicht bringt ein Werkstatttermin nächste Woche noch eine feinere Einstellung, aber bis auf weiteres hat die verdammte Sturheit den Zauber und die Überzeugungskraft zurückgebracht.

Ausbaubedürftig

Mein Nennbruder hat mir Light Stax geschenkt. Was Light Stax sind, fragt Ihr? Es sind mit Lego und anderen Klemmbausteinen kompatible Steinchen, die von einem USB-ladbaren Power-Brick mit Strom versorgt werden und durch LEDs in den Steinen leuchten.

Meine Light Stax, die ich von meinem Nennbruder bekommen habe.

Wo wir früher Licht durch 9-Volt-Blockbatterien in großen Kästen hatten, mit ganz spezifischen Steinen, auf denen die Lämpchen obenauf sitzen, kann man die Light Stax überall einbauen. Mehr noch: Der Power-Brick hat nicht nur die Optionen An und Aus, sondern auch akustisch ausgelöste Varianten, ein Blinken und ein Auf- und Abdimmen. Ausbaufähig sind nun aber nicht die Light Stax… sondern was ich damit tue.

Ich habe sie schon an meinem Beschleuniger angebracht. Nur in sehr spezifischen Positionen konnte ich das Ganze so einstellen, dass das Licht nur beim Vorbeirollen einer Kugel kurz durch den Lärm anging. Leider ist das Geräusch des Motors entsprechend laut, dass es sehr schwierig ist, die Light Stax am vom Motor abgewandten Teil des Rings nur vom Geräusch der rollenden Kugeln, nicht aber vom Geräusch des Motors ausgelöst werden. Ich experimentiere noch damit, das Ganze so einzustellen, dass ein netter Effekt mit einem Leuchten immer beim Vorbeirollen der Kugel eintritt und das zuverlässig. Vermutlich werde ich versuchen, das in den Detektor das AddOn zu integrieren – eine Chance wäre zum Beispiel, dass ein Teil des Detektors immer aufleuchtet, wenn eine Kugel durchrollt – und durch den Aufbau des Detektors als Tunnel wäre das Ganze gegen den Schall des Motors isoliert, die Kugel dagegen würde im Tunnel einen Heidenlärm machen – das Mikro müsste natürlich nach innen zeigen.

Allerdings werde ich das erst testen können, wenn ich die Teile für das AddOn bestellt habe. Die Alternative ist das Auf- und Abdimmen für das nächste Projekt zu nutzen – den Forschungsreaktor aus Lego, den ich derzeit plane, der aber ferne Zukunftsmusik ist. Es ist ganz schön krass, wie sehr mich der Beschleuniger und die Light Stax inspirieren!

Teilchenbeschleuniger

Immer wieder im Jahr 2019 zitierte ich Missy aus Dr. Who, also die weibliche Reinkarnation des Master. Sie äußert gegenüber dem Doctor, was sie sich wünscht… ein Pony und ein Teilchenbeschleuniger beschließen diese Liste. Da ich nicht reite, ist ein Pony für mich eher uninteressant, aber als Physikerin bin ich mit dem Teilchenbeschleuniger nun doch in Versuchung gewesen. Da ich immer wieder mit dem Teilchenbeschleuniger anfing, witzelten sie schon alle herum: Ich solle mir einen alten Röhrenfernseher schenken lassen, das ist immerhin ein Beschleuniger für Elektronen! Der hübscheste Vorschlag war allerdings die Zwille und ein Teller Puddingteilchen, von mir auch gerne als „eine Torte, ein Messer und ein Katapult“ variiert. Natürlich war meine Intention eine eher unrealistische Variante: ich wollte einen Linearbeschleuniger oder lieber noch ein Zyklotron, am liebsten jedoch ein Synchrotron!

Unrealistisch, sagt Ihr? Insbesondere Synchrotrons sind RIESIG (wie z.B. der KARA-Beschleuniger am KIT Campus Nord, der HERA-Beschleuniger an der GSI in Darmstadt oder gar der LHC am CERN), sagt Ihr? Ein Synchrotron passt nicht in unser Haus, sagt Ihr?

Ja. Ich sagte das auch. Ich hätte nicht falscher liegen können!

Ein Synchrotron! Ein Teilchenbeschleuniger!

Da ich ja weiß, dass Synchrotrons in aller Regel Großbeschleuniger sind, mit langer Bauphase und (in Deutschland) der Notwendigkeit einer Errichtungsgenehmigung nach § 10 des Strahlenschutzgesetzes, bin ich ganz froh, dass ich die dafür benötigten Teile Stück für Stück bekam – denn der Teilchenbeschleuniger ist das, was ich aus meinem Geburtstagskalender zusammenbauen durfte. Sprich: Die Phase, in der die Bauteile gesammelt wurden, dauerte 24 Tage. Am Heiligabend um Mitternacht erhielt ich dann in Form eines Ordners die Aufbauanleitung und damit die Errichtungs- und Betriebsgenehmigung!

Hier seht Ihr auf dem Youtube-Kanal meines Mannes und Mitautors Holger, wie der Teilchenbeschleuniger im Detail aussieht und wie er funktioniert. Video und Bilder gemacht von Holger Stahlmann.

Bis jetzt sind wir im Testbetrieb. Ein zusätzlicher Vorbeschleuniger mit Teilcheninjektor, ein Collider mit Detektoren und eine anstelle eines der Ablenkmagneten anzusetzende Synchrotron-Strahlungs-Beamline mit Experimentierhütte sind derzeit in Stud.IO in Planung.

Woohoo! Ein Teilchenbeschleuniger!

Fit für alles andere

Ich habe ja wieder ein Fahrrad. Natürlich möchte ich das Radfahren gerne neben meinen ganzen Lauf-Aufzeichnungen mit dokumentieren, und dementsprechend habe ich meine Excel-Datei aufgebohrt und ein paar neue Dinge hinzugefügt. Grundsätzlich fungiert diese Excel-Datei als Trainingstagebuch – sie befriedigt damit mein Bedürfnis nach Statistiken und Diagrammen.

Schon vor langer Zeit habe ich eine Funktionalität eingebaut, die mir erlaubt, immer zu einem selbst gewählten Monat die Laufzeit-, Laufkilometer-, Höhenmeter- und Laufenergieverbrauch-Summen des gewählten Monats und der elf Monate vorher in Diagrammen darzustellen, ohne in den Diagrammdaten herumfummeln zu müssen. Gleiches gilt für die Mittelwerte – wie lang war ich pro Lauf draußen, wie schnell bin ich im Mittel gelaufen und so weiter. Vor einiger Zeit habe ich für Laufdistanz und Laufgeschwindigkeit auch Quantil-Diagramme eingeführt.

Nun sollte also das Radfahren auch auftauchen. Da Laufen mein Hauptsport ist und auch bleiben wird, habe ich nicht all die tollen Dinge, die ich beim Laufen auswerte, übernommen. Nicht ALLE – aber schon ein paar. Darstellung der jeweils gefahrenen Kilometersummen und Gesamtradfahrdauer pro Monat sind drin, ebenso Durchschnittstempo im Monat auf dem Rad und mittlere, zeitliche Länge der Touren. Mit bisher nur der ersten Tour drin ist der Diagrammgehalt natürlich etwas dürftig, aber das kommt! Um alles zu unterscheiden, habe ich die Diagramme farbig hinterlegt:

Ich habe der Datei aber auch gleich mal Felder für Schwimmen – siehe blau hinterlegtes, leeres Beispieldiagramm – und „Sonstiges“ hinzugefügt. Für das „Sonstige“ berechne ich aber keine Mittelwerte der Geschwindigkeit. Wenn ich da Wandern, eventuelle Spielereien mit Inline-Skates oder Schlittschuhen, längere Geh-Aktionen und dergleichen gemeinschaftlich reinstopfe, wäre eine Geschwindigkeitsberechnung ziemlicher Humbug – und dafür ist „Sonstiges“ ja eine Resterampe!

So ziemlich alle Datenfelder, in denen irgendwas berechnet wird, sind übrigens gesperrt, damit ich meine erarbeiteten Formeln nicht aus Versehen überschreibe. Sprich: Ich habe alle Arbeitsblätter der Mappe gesperrt und in den gesperrten Blättern teils wenige Felder zur Bearbeitung freigegeben. Das ist einmal der Eintrag der Aktivitäten. Die anderen Felder, die ich ohne weitere Aktion bearbeiten kann, sind die Liste meiner Ausrüstungsgegenstände (viele Schuhe, ein Fahrrad) und das Auswahlfeld des Endmonats meiner 12-Monate-Diagramm-Darstellung. Für alles andere muss ich die Blätter erstmal entsperren – und das ist gut so. Wenn man auf die Schnelle was einträgt, sollte man sich so wenig wie möglich selbst trauen! Schließlich muss das ja alles richtig einsortiert und geordnet werden!

Eines allerdings habe ich gemeinschaftlich aufgetragen: Die bei den Aktivitäten verbrachte Zeit. Wie sieht das aus? Ganz einfach:

Die Gesamtzeit, die ich bei Aktivitäten verbracht habe, Stand 05.12.2019 frühmorgens.

Wann und wie schnell die nicht-lauf-mittelblauen Balken größer und/oder regelmäßiger werden, steht natürlich in den Sternen. Aber wenn’s kommt, meine Datei ist fit dafür. Der große lila „Sonstiges“-Balken im September stellt übrigens die Wanderung auf der Murgleiter dar, der winzigkleine Deckel in Grün auf dem noch kleinen Dezember-Laufzeitbalken ist die eine, erste Radtour zum wieder lernen des Radfahrens.

Was auch immer ich also künftig sportlich tuen mag: Meine Statistik-Datei ist schon fit dafür.

Modellgedanken

Warum habe ich gestern geschrieben, dass eine Exponentialfunktion besser an meine Wettkampfdaten, genauer die Bestleistungen passt als eine Parabel?

Nun, die kurze Antwort: Die optimierte Summe der quadratischen Abweichungen („Chi-Quadrat“) erreicht bei optimaler Anpassung für die Parabel 0,0971, beim Exponentialgesetzt sind es 0,0958. Das ist allerdings nur ein bisschen besser … je näher dran, um so kleiner natürlich die Summe der quadratischen Abweichungen meiner Bestleistungen von der Kurve. Der Vorteil des Exponentialgesetzes sind also nur 1,3%. Man kann das Ganze allerdings auch noch ein bisschen visualisieren – über Residuen. Ich trage nun hier also die Abweichungen zwischen meiner Fit-Funktion und den tatsächlichen Bestleistungen gegen die Distanz auf:

Die Abweichungen meiner Bestleistungen von einer optimal angepassten Kurve in zwei verschiedenen Modellen.

Ich hatte gehofft, dass insbesondere beim Marathon und beim Fünfer klar wird, dass die Datenpunkte beide eindeutig über oder unter der Kurve liegen, also z.B. die roten Punkte ganz links und ganz rechts stark positiv oder stark negativ liegen, während die Punkte dazwischen auf der anderen Seite der Nulllinie lägen. Dann hätte ich sagen können, das Modell, bei dem das der Fall ist, passt nicht.

Aber noch ist es indifferent. Mal sehen, ob es nächste Saison eindeutiger wird.

Was wäre gewesen, wenn…

Der Regio Cup hat mich ja schon ganz schön beschäftigt. Vor dem Hardtwaldlauf habe ich Szenarien durchgespielt, gerechnet und geschaut. Ich wollte nicht allzu enttäuscht sein, wenn meine Führung nicht zu einem Sieg würde, also habe ich mir überlegt, was hätte sein können.

Die Ausgangsposition war: 1948 Punkte hatte ich aus vier Wertungsläufen, 1929 hatte Christine Holdermann ebenfalls aus vier Wertungsläufen. Emma Simpson-Dore lag bei 1457 Punkten aus drei Wertungsläufen. Christine Holdermanns schlechterer Zehner waren 472 Punkte, also Potential, sich um 28 Punkte zu verbessern. Bei mir waren’s nur 12 Punkte, der schlechtere Zehner hatte mir 488 Punkte gebracht. Folgende Szenarien wären also möglich gewesen:

  • Emma oder Christine (oder beide) erreichen nach Altersbereinigung Zeiten, die mehr als 1,25% schneller als meine altersbereinigte Zeit sind. Dann hätten sie drei Punkte mehr als ich erzielt und mich an Punkten überholt. Voraussetzung hierfür wäre gewesen, dass keine andere Frau (altersbereinigt) mehr als 3,75% schneller ist als die beiden – denn 491 Punkte hätten beide mindestens gebraucht, um mich zu überholen.
  • Ich trete nicht an oder bin so langsam, dass das obige Szenario eintritt, aber eine schnellere Frau ist dabei und setzt dadurch Emmas und Christines Punkte unter 491 – damit wären meine schon sicheren Punkte aufgewertet worden.
  • Ich bin aus eigener Kraft schnell genug, um weniger als drei Punkte auf Emma und Christine zu verlieren – und gewinne aus eigener Kraft.
  • Das vierte – und wahrgewordene Szenario ist eine Kombination aus dem zweiten und dem dritten – ich hätte es auch aus eigener Kraft geschafft, aber eine sehr schnelle Frau stellt sicher, dass ich auch dann gewonnen hätte, wenn ich nicht so schnell gewesen wäre.

Tatsächlich sah es nun so aus:

  • Melina Wolf in 36:50 (Altersbereinigt: 36:50) – 500 Punkte
  • Sophia Kaiser in 38:18 (Altersbereinigt: 38:18) – 490 Punkte
  • Talianna Schmidt in 39:58 (Altersbereinigt: 38:46) – 487 Punkte
  • Emma Simpson-Dore in 38:28 (Altersbereinigt: 39:28) – 483 Punkte
  • Christine Holdermann 45:33 (Altersbereinigt: 40:10) – 478 Punkte

Der Einfachheit halber habe ich für das Regio Cup Ergebnis nicht relevante Läuferinnen ausgelassen. Man sieht also: Ich hab’s geschafft. Hätte ich es aber auch geschafft, wenn Melina und auch Sophia nicht dabei gewesen wären? Die kurze Antwort hierauf ist: Ja! Da ich in der altersbereinigten Liste Dritte wurde und deren „Reihung“ sich auch ohne Melina und Sophia nicht verändert hätte, hätte ich 500 Punkte bekommen. Die hypothetische Liste ohne Sophia und Melina hätte so ausgesehen:

  • Talianna Schmidt in 39:58 (Altersbereinigt: 38:46) – 500 hypothetische Punkte
  • Emma Simpson-Dore in 38:28 (Altersbereinigt: 39:28) – 495,5 hypothetische Punkte
  • Christine Holdermann 45:33 (Altersbereinigt: 40:10) – 491 hypothetische Punkte

Ich hätte also die Punktewertung auch aus eigener Kraft gewonnen! Wem das nun alles „spanisch“ vorkommt, dem möchte ich noch eine Sache an die Hand geben, die mich auch etwas stolz macht: Nimmt man die vier schnellsten (nicht altersbereinigten) Zeiten im Regio Cup von Emma und mir zusammen, kommt Emma auf eine Zeitsumme von 3:53:00 und ich auf eine Zeitsumme von 3:51:25. Für Christine Holdermann habe ich das nicht ausgerechnet, aber ihre Zeitsumme dürfte deutlich höher liegen. Im „Fernduell“ Halbmarathon in Philippsburg (Emma) gegen Halbmarathon in Hambrücken (Talianna) habe ich fast 3:30 Vorsprung gehabt in der Zeitsumme, so dass meine Zeitsumme kleiner bleibt, obwohl ich im direkten Vergleich der unbereinigten Zeit gegen Emma in Rüppurr, Neureut und im Hardtwald jeweils verloren habe – aber halt nur einmal 50 und zweimal 30 Sekunden.

Man kann’s auch zerrechnen, nicht wahr?

Statistik-Euphorie

Vorgestern hatte ich ein kurzes Gespräch mit zwei Kollegen auf der Arbeit. Der eine läuft in meinem Lauftreff am Dienstagnachmittag mit und er saß, bedingt durch gemeinsame Aufgaben, vorübergehend bei der anderen Kollegin im Büro. Irgendwie kamen wir auf Statistiken und Excel, und der Kollege hakte ein und sprach über meine Lauf-Statistik, die ich in Excel pflege. Es fühlte sich irgendwie zwischen Spott und Anerkennung an, wie er das ansprach, aber auch die Spott-Komponente finde ich voll in Ordnung. Die Kollegin klang interessiert, also dachte ich mir: Wenn hier schon „mit mir angegeben“ wird, dann unterfüttere ich das! 

Gesagt, getan: Ich druckte vorgestern Abend das Diagramm-Blatt meiner Lauf-Datei aus und nahm es gestern mit auf die Arbeit, um es kurz den beiden zu zeigen. Sechzehn Diagramme sind es inzwischen – und nachdem ich diese sechzehn Diagramme in loser Aufzählung hier beschrieben habe, stellte ich fest: das erschlägt den Leser. Also habe ich den Satz wieder gelöscht. Kurz gesagt: Es sind sechzehn Diagramme und die meisten davon habe ich auf die ein oder andere Weise hier schonmal gezeigt. Natürlich gibt meine Datenhaltung noch mehr her, aber besagte Diagramm-Menge habe ich bisher gebraucht und auch weiterhin für nützlich befunden. Als ich das Ganze nun den Kollegen kurz zeigte – ist schließlich auch ein „was kann Excel“ und somit potentiell nützlich – kamen mir ein paar Ideen: zwei für insgesamt drei neue Diagramme, eine für eine Ergänzung eines Diagramms. Diese seht ihr nun im folgenden. 

1. Ergänzung des Schrittlänge-Schrittfrequenz-Diagramms 

Bereits vor einigen Tagen habe ich an diesem Diagramm herumgespielt. Die Schrittlänge und die Schrittfrequenz sind die beiden Faktoren, aus denen sich die Geschwindigkeit beim Laufen zusammensetzt: Multipliziere ich Schrittlänge in Metern pro Schritt mit der Schrittfrequenz in Schritten pro Minute, so bekomme ich meine Geschwindigkeit in Metern pro Minute. Der Wert ist unhandlich, lässt sich aber leicht in Meter pro Sekunde oder Kilometer pro Stunde umrechnen. Die läuferübliche „Pace“ in Minuten pro Kilometer bekomme ich, indem ich einfach den Kehrwert des Produkts aus Schrittlänge und Schrittfrequenz bilde (dann habe ich die Pace in Minuten pro Meter) und dann mit 1000 multpliziere. 

Mich interessierte nun: Werde ich im Wettkampf vor allem durch Erhöhung der Schrittfrequenz schneller? Oder ist es die Erhöhung der Schrittlänge, vielleicht auch eine Mischung von beidem? Wie sieht es für die Trainingsformen aus? Das habe ich in einem früheren Beitrag bereits intensiv beackert und herausbekommen: Gegenüber allen anderen Läufen sind meine Wettkämpfe in der Schrittlänge herausragend, in der Schrittfrequenz nur im oberen Bereich. Meine Hauptstellschraube, im Wettkampf schneller zu sein als im Training ist also die Schrittlänge. Da in meinem Schrittlänge-gegen-Schrittfrequenz-Diagramm nur bedingt ein Gefühl habe, wie „schnell“ die jeweiligen Punkte im Diagramm sind, habe ich nun drei Pace-Kurven hineingelegt: 6:00, 5:00 und 4:00 pro Kilometer. 

Das bereits vor einigen Tagen gezeigte Diagramm, nun aber mit drei Hyperbeln, die für die Geschwindigkeiten oder eher Paces 6:00 pro Kilometer, 5:00 pro Kilometer und 4:00 pro Kilometer stehen.

Man sieht dabei schön, in welchen Tempobereichen sich meine jeweiligen Einheiten befinden und kann besser einordnen, was nun eine bestimmte Kombination von Schrittlänge und Schrittfrequenz bedeutet – für mich eine Verbesserung der Lesbarkeit des Diagramms. Dass die Legende viel länger wird, nehme ich für’s erste in Kauf, aber vielleicht finde ich da ja auch noch eine bessere Lösung für.

2. Tempo über Strecke

So, wie ich die Schrittfrequenz mit der Schrittlänge in Bezug gesetzt habe, mache ich es nun auch mit dem Tempo (also der „Pace“ in Minuten pro Kilometer) und der Streckenlänge. Für meine Wettkämpfe habe ich bereits so ein Diagramm erstellt. Von diesem wird es auch eine Aktualisierung geben, wenn ich Marathon gelaufen bin und auch da – hoffentlich – ein neues Personal Best eingeht, also im September.

Hier setze ich nun für alles Training und die Wettkämpfe zusammen Tempo und Streckenlänge zueinander in Bezug:

Alle meine Läufe 2019 zusammengefasst, analog zum Wettkampf-Diagramm mit Pace gegen Streckenlänge aufgetragen.

Deutlich zu sehen ist, dass die langsamen regenerativen Einheiten kürzer waren als die langsameren der Dauerlauf-Einheiten. Interessant finde ich, dass die Dauerläufe nahezu ungeachtet der Streckenlänge zwischen 6:00 und 5:30 pro Kilometer liegen. Schön sieht man auch die Tempo-Schichtung der „durchgelaufenen“ Laufformen: am langsamsten die regenerativen, etwas schneller die Dauerläufe, am schnellsten im Training die Tempodauerläufe – und darunter, also noch schneller die Wettkämpfe. Bei den Intervalleinheiten habe ich zumeist das Einlaufen und Auslaufen sowie die Trab-Phasen mit aufgenommen, so dass hier eine breite Tempo-Streuung auffällt. Ein erster Schluss ist: Es müssen nächstes Jahr wohl noch ein paar mehr langsamere ganz lange Einheiten her, wenn ich mich dann wieder auf einen Marathon vorbereite.

3. Die Streuung der Laufweiten im Training 

Bisher habe ich nur ein Diagramm der mittleren Laufstrecke pro Aktivität in meinem Set. Dabei benutze ich das arithmetische Mittel, gemeinhin auch Durchschnitt genannt. Ich zähle also alle gelaufenen Kilometer zusammen und teile durch die Zahl der Läufe, die ich gemacht habe. Ein solches Diagramm habe ich monats- und jahresweise. Jetzt käme aber zum Beispiel in einem Juni, in dem ich jeden Tag zehn Kilometer gelaufen wäre, genau dasselbe arithmetische Mittel heraus wie in einem April, in dem ich fünfmal dreißig und fünfzundzwanzig Mal sechs Kilometer gelaufen wäre. Ein solcher April und ein solcher September wären aber sicher nicht dasselbe im Bezug auf das Training. Also hatte ich schon lange überlegt, wie ich das darstellen könnte. Meine erste Idee war die Standardabweichung. Allerdings wäre arithmetisches Mittel mit Fehlerbalken in der Länge der Standardabweichung deswegen unpraktisch, weil ich ja tendenziell mehr kurze und wenig lange Läufe in meinem Programm habe, meine Laufaktivitäten also nicht normalverteilt sind. Long story short: das erste statistische Mittel, das mir für dieses Problem einfiel, würde mir nicht sagen, was ich wissen wollte. 

Im Gespräch mit einem Kollegen kam ich aber auf eine andere Idee: Quantile. Ich werde also meine Läufe jeden Monat nach Länge sortieren. Dann sortiere ich in das kürzeste Achtel, das zweitkürzeste Achtel und so weiter bis zum längsten Achtel meiner Läufe. Die Grenzen zwischen diesen Achteln sind dann Kilometerzahlen. Zum Beispiel sehe ich dann, dass ein Achtel aller meiner Läufe kürzer als zum Beispiel sechs Kilometer waren, die Hälfte kürzer als zwölf Kilometer – und am anderen Ende des Spektrums zum Beispiel ein Achtel der Läufe länger als 32 Kilometer. Klingt anstrengend? Wäre es auch! Aber zum Glück kann Excel Quantile beziehungsweise Perzentile (statt Anteile nimmt man Prozentzahlen, ansonsten alles gleich) berechnen, ich kann das also automatisieren. 

Leider geht das nur für die Zeit, in der ich meine Läufe alle mit Länge in Excel übertragen habe – also ab Anfang 2019. Für die Zeiträume vorher habe ich nur die Monatssummen eingetragen. Aber das macht nichts – so sieht das Diagramm für Januar bis in den laufenden August 2019 aus: 

Ein Achtel meiner Läufe war kürzer als die rote Linie, ein Achtel lag zwischen rot und orange, ein Viertel zwischen orange und gelb … und das längste Achtel der Aktivitäten des jeweiligen Monats war länger als die von der blauen Linie gezeigte Distanz.

Deutlich ist zu sehen, dass sich in der kurzen Hälfte meiner Laufaktivitäten nicht viel tut. Die sind immer etwa gleich lang. Dass nur ein Achtel meiner Läufe im April über 10 Kilometer lang waren, im Juli aber sogar ein Viertel der Läufe länger als 15 Kilometer und ein Achtel gar länger als 26 Kilometer, spricht schon eine deutliche Sprache im Hinblick auf das Marathon-Training.

4. Die Streuung des Tempos im Training 

Hier gilt dasselbe wie unter Punkt 3. Auch die Geschwindigkeit trage ich bisher nur im Monatsmittel auf. Wenn ich also in einem Monat drei Tempodauerläufe mit absurd hohem Tempo plus einen Wettkampf habe, aber dazu auch vier ganz lange Läufe in gemächlichem Tempo, um mich für einen Marathon vorzubereiten, spiegelt der Mittelwert nicht wieder, was ich wirklich gemacht habe. Also benutze ich auch hier Quantile, konkret wiederum Achtel oder 12,5%-Schritte – und so sieht das dann aus: 

Ein Achtel meiner Läufe in den jeweiligen Monaten war langsamer als die von der roten Linie gezeigte Pace. Je die Hälfte meiner Läufe in den jeweiligen Monaten war schneller bzw. langsamer als die von der gelben Linie gezeigte Pace. Ein Achtel schließlich war schneller als die Pace auf der blauen Linie …

Deutlich tritt auch hier das Marathon-Training im August hervor: die gelbe Linie, die meine langsamere und meine schnellere Trainingshälfte trennt, zeigt nach oben – zu langsameren Geschwindigkeiten hin. Das ist dem vielen aeroben Ausdauertraining für den Marathon geschuldet. Das Intervalltraining sieht man aber auch, denn das schnellste Achtel meines Trainings unterhalb der blauen Linie hat im August gewaltig angezogen.

Am Ende des Tages sehe ich mal wieder, dass gute Ideen für die Darstellung oft dadurch kommen, dass man etwas nur kurz jemand anderem zeigt. Manchmal braucht der andere nicht einmal eine Idee oder einen Vorschlag zu machen, allein durch den Austausch bekommt man neue, potentiell gute Ideen! Tendenziell sind diese vier neuen bzw. die drei neuen und der eine erweiterte Plot recht spezialisiert. Allerdings glaube ich, dass sie mir in der Zukunft treue Dienste für die Trainingssteuerung leisten werden.